Zorn der Titanen (2012)

Man stelle sich vor, man mischt ‚Schindlers Liste‘ mit ‚Star Wars‘ und ‚American History X‘. Ach ja, und eine kleine Prise von Eddie Murphy gehört da natürlich auch noch rein. Dazu kommt ein antikes griechisches Setting. Und voilà, fertig ist die zweite Verwurstung rund um Perseus (Sam Worthington) und seinen paarungsfreudigen Vater Zeus (Liam Neeson). Allerdings ist es ähnlich wie beim Genuss alkoholischer Getränke: Nur weil man den edelsten Whiskey mit dem edelsten Wodka mischt und dazu einen Hauch guten Rums hinzugibt, wird daraus nicht gleich ein trinkbares Gesöff. Oha! Hades (Ralph Fiennes) komplettiert dann noch die Götter-Soap-Opera und stellt als (anfänglicher) Antagonist die Beziehung zu ‚Schindlers Liste‘ her. Wer noch weiß, worum es genau im ersten Teil des Titanen-Epos (ohne Titanen) ging, dem sei an dieser Stelle größtmöglicher Respekt entgegengebracht, weil die Schauspieler und Autoren es selber die meiste Zeit nicht genau wussten. Aber wie denn auch? ‚Kampf der Titanen‚ war eine Aneinanderreihung von krude zusammengeschusterten Szenen mit beliebiger Reihenfolge und gleichgültigen Charakteren. Da gibt es für Teil 2 also viel Verbesserungspotential. Zumal rein optisch der erste Film durch die nachträgliche 3D-Bearbeitung dermaßen übel aussah teilweise, dass selbst die Augsbuger Puppenkiste im Vergleich dazu photorealistisch wirkt.

Die Handlung ist einfach wie bescheuert: Hades und Zeus‘ Sohn / Kriegsgott Ares (Édgar Ramírez II) wollen Kronos befreien, der der Vater der Götterbrüder ist. Hades tut das, weil er ein Arschloch ist. Ares, weil er sich von seinem Daddy vernachlässigt fühlt, da der lieber mit Perseus abhängt. Als dann ziemlich schnell Poseiden (Danny Huston) ins Gras beißt, zieht Perseus mitsamt dem Sohn des Meeresgottes, Agenor (Toby Kebbell), und Andromeda (Rosamund Pike, im Film zuvor noch gespielt durch Alexa Davalos) los, um Big Daddy Zeus den Arsch zu retten. Agenor ist dabei der weiße Edde Murphy der Antike, der zwar nicht unbedingt viel redet, doch meistens nur Scheiße von sich gibt. Andromeda soll so eine Art Love-Interest am Ende darstellen, doch auch sie ist nie sonderlich nett anzuschauen noch gibt sie einen gescheiten Satz von sich. Genauso ergeht es übrigens Perseus, der so viel Charisma hat wie eine Waschmaschine. Der Rest ist dann so dermaßen undurchdacht, dass selbst Ralph Fiennes und Liam Neeson die Sache nicht mehr retten können. Und dann ist da ja auch noch Kronos.

Der Ur-Gott wird am Ende (wenig überraschend) befreit. Er ist mehr oder weniger ein menschlicher Vulkan, der die Leute anbrüllt. Sehr viel mehr macht er nicht. Außerdem bewegt sich diese mächtige Kreatur, als ob ihm seine Beine eingeschlafen wären. Das ist aufgrund der langen Auszeit vermutlich auch nicht verwunderlich, doch es ist erschreckend, dass das, was einem als der ultimative Endboss und Göttervernichter verkauft wird, sich nach einer kurzen Überlegung als ziemlich überflüssiger Spezial-Effekt entpuppt. Man hat versucht, die dämliche Krake aus Teil 1 zu toppen und ist fürchterlich gescheitert. Zusätzlich fliegt auch hier wieder Perseus auf dem Rücken des (schwarzen) Pegasus auf das Vieh zu, um es zu vernichten. Womit wir bei der Star Wars-Anleihe sind. Aus einem mir nicht erfindlichen Grund fliegt unser tollkühner wie krasser Held mit seinem krassen Pferdevieh und dem Stab der krassen Coolness, der alles und jeden derbe krass kaputtmacht, in den Rachen von Kronos und somit irgendwie in sein Verdauungssystem, um das Teil dann zu werfen. Wer hier nicht unweigerlich an die Vernichtung des ersten Todessterns durch Luke Skywalker denken muss, hat leider einmal weniger zu lachen.

Kurz zuvor musste dann noch Perseus gegen Ares kämpfen. Hier gibt es die Anleihe zu ‚American History X‘, denn der Kriegsgott haut mit dem Fuß dem Guten in ähnlicher Manier wie einst Edward Norton ordentlich auf den Schädel. Das scheint unserem Kämpfer aber nicht viel auszumachen. Daraus ergibt sich auch das mit Abstand größte Problem des Films: Man weiß nie, wie mächtig die ganzen Idioten darin sind. Warum sollte ich mitfiebern, wenn Perseus offensichtlich unsterblich ist? Dann widerum sind die Götter plötzlich allesamt sterblich, oder auch wieder nicht. Plötzlich kämpfen Zeus und Hades mit, sehen dabei aber eher aus wie zwei verkappte X-Men, die sich ins Dragonball-Universum verirrt haben.  Diese brüderliche Geschichte über Betrug, Verrat und Vergebung entbehrt ohnehin jeglicher Logik und scheinbar hätte eine Aussprache bei einer beliebigen Talkshow den ganzen Film verhindert.

Die ganze Triebkraft hinter Perseus‘ Schaffen soll übrigens sein Sohn Helios sein. Dafür nimmt sich der Film 2 Sätze und eine Minute Zeit, um zu zeigen, wie dolle Perseus seinen Sohnemann liebt. Wenn dann noch auf die Schnelle eine Liebesbeziehung am Ende zu Andromeda dahergezaubert wird, kann man sich ziemlich sicher sein, dass hier nichts mehr zu retten ist. Was da teilweise für Logiklöcher drin sind. Hephaistos (Bill Nighy) bringt unser Heldentrio in ein Labyrinth, das extra als ein unüberwindbares Hindernis präsentiert wird, für welches man Wochen braucht. Nach einem wenig überraschenden Auftritt des Minotaurus allerdings gehen wir noch um eine Ecke und sind plötzlich da. Und natürlich wird die Karte dem Dummbatzen in die Hand gedrückt, damit er seine zwei bis drei „Wir haben uns bestimmt nicht verlaufen!“-Witze abdrücken kann.

Ich glaube nicht einmal, dass der Film unbedingt dumm ist. Es ist nämlich noch sehr viel schlimmer: ‚Zorn der Titanen‘ ist ein fauler Haufen Dreck ohne auch einen Funken Liebe oder Ambition. Niemand macht sich die Mühe, Nachvollziehbarkeit zu erzeugen. Es wird versucht, dem Zuschauer Effekt um Effekt entgegenzuwerfen auf banale wie dämliche Art und Weise und mit dutzenden von Schauplätzen, ohne auch nur eine sinnvolle Verknüpfung herzustellen. Wir haben genug vom Labyrinth nach einer Minute? Bitte dort entlang, der zweite Gang rechts geht gleich raus zu Zeus. Wir können den kilometerhohen Kratos nicht gegen normale Menschen kämpfen lassen? Kein Problem, er hat noch ein Rudel dunkler Monster mit mehreren Torsos parat, damit Rosamund Pike auch noch was zu tun bekommt. Die Zielgruppe langweilt sicht? Schnell, noch einen flachen Witz reingebaut.

Ich wundere micht nicht, dass so ein Quatsch aus Hollywood kommt. Schließlich sind das alles Firmen, die Geld verdienen wollen und das auch recht erfolgreich tun. 150 Millionen Dollar Investition sind ein lohnenswertes Risiko, wenn man nichtsdestotrotz 300 Millionen am Ende wieder rausbekommt. Viel trauriger ist, dass hier erfolgreich den Leuten dank 3D recht viel Geld aus der Tasche gezogen wird für ein offensichtlich minderwertiges Produkt. Wobei natürlich Trailer wie Optik nur Fassade für die schreckliche und traurige Wahrheit sind. Das ist, als ob man ein edles Auto kauft, weil es geil aussieht. Doch dann beim Fahren entpuppt sich der Motor als ein aus einem Trabant geklautes Schrottteil, das nach 5 Minuten bereits den Geist aufgibt. Am Ende ist es aber wieder wie mit den ganzen ‚Resident Evil‘-Filmen. Solange genug Leute reingehen, wird auch noch viel mehr hinterherkommen, zumal das Ende hier einen Nachfolger verspricht.

Vergesst ‚Zorn der Titanen‘. Verzeiht den Schauspielern, dass auch sie irgendwie ihr Geld verdienen müssen (die armen Schlucker). Lest euch lieber die realen Göttersagen durch. Die sind nicht viel sinnvoller, aber da gibt es wenigstens Sex am laufenden Band, Zeus sei Dank. Und hofft darauf, dass die nächste Gurke dieser Art dem Franchise den Todesstoß versetzt. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Regie: Jonathan Liebesman (World Invasion: Battle LA, Texas Chainsaw Massacre: The Beginning)

Schauspieler: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Rosamund Pike, Bill Nighy, Danny Huston

Bewertung: 

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