Jul 102012
 

Seit Twilight haben Vampire einen schweren Stand. Die früher furchterregenden Kreaturen der Nacht sind heute nicht viel mehr als der fleischgewordene Traum pubertierender Gören mit einem Faible für Stalker, die in diesem Fall zugegebenermaßen sehr anmutig in der Sonne funkeln. Dass der wenig männliche Eindruck mit weiteren Genre-Ablegern à la Vampire Diarrhea selbst Rainbow Dash wie einen superbrutalen Cartoon-Charakter aussehen lässt, ist weitreichend bekannt. Doch vor lauter Tränen über unsere verlorenen Blutsauger-Freunde vergisst man manchmal, dass es da noch die Kehrseite der Medaille gibt. Vor gar nicht allzu langer Zeit streifte noch der Daywalker alias Blade durch die Straßen und sorgte für ordentliche Kopfschmerzen unter Vampiren. Da Herr Snipes aber noch bis Mitte 2013 im Knast abhängt, müssen andere Leute für Action sorgen: Selene!

Im vierten Teil der Underworld-Reihe muss die mächtige Vampirin Selene (Kate Beckinsale) feststellen, dass sie ganze 12 Jahre von einer bösen Biofirma eingefroren wurde und nun eine Tochter hat, die irgendwie aus ihrer Beziehung zum Hybriden Michael genetisch hervorgeht. Damit ist die junge Eve irgendwie Werwölfin und Vampirin zugleich, nur voll krasser. Mutter und Kind können auch irgendwie teilweise sehen was der andere gerade sieht, weil sie so miteinander verbunden sind oder so. In Selenes Abwesenheit haben die normalen Menschen eine Art Genozid an allen Vampiren und Lykanern (also Werwölfen) durchgeführt und nur wenige Kreaturen sind übrig. Dann tauchen doch noch ein paar Wölfchen auf, wobei unsere Helden erschrocken feststellen müssen, dass ein Bello scheinbar in einen Topf voller Steroide gefallen ist.

Die Handlung ist unheimlich belang- und sinnlos. Ich wüsste auch nicht so Recht, was Fans der Reihe darin so Tolles sehen könnten. Selene ist im Grunde das, was passiert, wenn man Trinity (Matrix) und Beatrix Kiddo (Kill Bill) miteinander kreuzt. Die Frau trägt permanent ihr Lederoutfit und wird nach längerem Koma mit einem Kind ”gesegnet”. Dann verprügelt und tötet sie ganz viele Menschen, ohne dabei auch nur ein einziges mal mit der Wimper zu zucken. Die Kampfszenen könnten genauso auch aus einem der Resident Evil-Filme sein, so wie auch die Handlung. Die Bösen sind die Lykaner, wobei die Halb-Wolf-Halb-Vollidioten ihre Ausrottung verdient hätten. Das, was als so ungemein ausgeklügelter böser Plan hier verkauft wird, ist sowas von fernab jeglichen Sinns, dass ich das hier auch einfach nicht spoilern will oder kann.

Besonders verstörend empfand ich eine Szene am Anfang des Films. Hier wird Selene am Hafen von der Polizei beschossen. Sie rennt auf ihren Lover Michael zu, der daraufhin auch den Gewehrsalven ausgesetzt ist. Was macht er in dieser so unglaublich bedrohlichen Situation? Er reißt sich das Shirt vom Leib und genießt, an der selben Stelle weiterstehend, den Kugelhagel, während er sich in was-auch-immer verwandelt. Dann explodiert irgendwie irgendwas und beide sind unter Wasser mit noch mehr Beschuss und einer krassen Bombe. Sowas entzieht sich dann meinem Verständnis. Hatte man kein Geld oder was? Hätte der Typ nicht wenigstens ein wenig so tun können, als ob das echte Patronen waren?

Der Rest ist dann das reinste Déjà-vu-Erlebnis. Ob Matrix, Resident Evil oder American Beauty. American Beauty? American Beauty! In einer kleinen und kurzen Nebenrolle sehen wir den Typen, der damals Kevin Spacey Dope verkaufte und der Plastiktüte beim Rumfliegen zusah. Karrierefördernd würde ich Underworld: Awakening allerdings nicht gerade nennen. Dafür stimmt hier einfach gar nichts. Kate Beckinsales Rolle ist unterkühlt und absolut unsympathisch und alle anderen sind völlig egal. Die Kämpfe gibt es schon anderswo und besser und ich kann mich einfach nicht so recht mit dem Aussehen der Wölfe anfreunden, wobei das natürlich Ansichtssache ist. Nicht mal Harry Potter hatte einen ‘guten’ Werwolf anzubieten.

Problematisch ist, dass mir die ersten beiden Underworld-Teile überhaupt nicht gefallen haben (den dritten habe ich leider verpasst). Und dieser Film ist im Grunde genau das Gleiche, nur eben noch schlechter. Ich finde Selene als Hauptcharakter auch vollkommen merkwürdig. Sie soll ja cool sein. Aber sie ist so unterkühlt, dass ich keine Sympathie empfinden kann, lediglich ein einziges mal im finalen Fight mit dem Steroid-Wolf kam so etwas wie Verbundenheit auf. Blade hat in seiner Coolness und seinem tollen Schwert halt noch eine Schippe Style mitgebracht. Und eine brauchbare Comic-Vorlage. Aber es soll ja auch Leute geben, die Mila Jovovich im Resident Evil-Franchise feiern.

Ich kann jedem von diesem eineinhalb Stunden langen Style-Blödsinn abraten, zumal es auch verdammt gute Vampir-Filme gibt. Daybreakers fand ich gelungen, der erste Blade-Film ist auch ganz brauchbar und manch einer da draußen munkelt, dass From Dusk Till Dawn wunderbar ist. So wie Underworld: Awakening endet, wird es wohl noch eine oder mehrere Fortsetzungen geben. Dann kann sich Selene mit Alice (Resident Evil) um den Titel der ausgelutschtesten Filmreihe streiten.

Regie: Måns Mårlind, Björn Stein (schwedisches TV vorher)

Schauspieler: Kate Beckinsale, Stephen Rea, Michael Ealy, Wes Bentley (der aus American Beauty)

Bewertung: 

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