Toy Story 3 (2010)

Es gibt Filme, die liebt man einfach nur, weil man mit ihnen aufgewachsen ist. Als Kind taucht man dann für eine Weile in eine ‚coolere‘ Welt ab, in der nichts unmöglich und alles viel toller ist als in der harten und bitteren Realität (oha wie misanthropisch). Ich bin mit dem ganzen Disney-Kram aufgewachsen, von ‚Die Schöne und das Biest‘ über ‚101 Dalmatiner‘ bis hin zu ‚Tarzan‘. Damals war irgendwie noch alles gezeichnet, von Hand und so. Old-School. So weit so gut.

Dann ging es los mit den Animationsstudios und -filmen. Und die waren einfach mal besser, oder einfach moderner. ‚Toy Story‘, den ersten, hab ich noch gar nicht mitgenommen (1995) bzw. nicht so sehr gemocht. Dann kam jedoch 1998 und ‚Antz‘ von DreamWorks raus. Den Film habe ich geliebt, einfach weil der gesamte Humor nicht mehr so kindlich war wie die meisten anderen animierten oder gezeichneten Streifen. Soweit es überliefert ist, begann nun sowas wie ein Wettstreit zwischen DreamWorks und Pixar (bzw. Disney, wobei Pixar die Ideen und die Produktion machte und sich dann Disney um Verleih und Marketing kümmerte). In diesem Sinne wurde das ‚Animationsfilmgenre‘ zunehmend wichtiger und profitabler, sodass man jedes Jahr mit mehreren animierten Movies rechnen musste oder durfte. 1999 kam ‚Toy Story 2‘, den ich dann auch im Kino sah und superendgeil fand. Da hat halt einfach alles gestimmt. Man lacht und irgendwo gibt es auch eine Stelle, wo es ernster wird. Während ‚Findet Nemo‘ 2003 dann soweit einer der letzten Filme von Pixar war, die ich noch geguckt habe, schloss ich DreamWorks‘ Shrek ins Herz und genoss 2005 noch ‚Madagascar‘. Und dann war es für mich vorbei, ich hatte einfach mal so gar keinen Bock mehr auf irgendwas Animiertes. War ja eh immer alles das Gleiche. Der dritte Shrek war nicht mehr so gut, der vierte ein klein wenig besser und der Rest von DreamWorks sehr kindlich. Pixar andererseits: Ratatouille war nett, aber die Motivation für ‚Wall-E‘ und ‚Up‘ hat nicht mehr gereicht. Das soll jetzt nicht heißen, dass ‚Wall-E‘ und ‚Up‘ doof waren, ich hatte halt einfach mal keinen Bock drauf.

So, schließlich sind wir angekommen im Jahr 2010 und bei ‚Toy Story 3‘. 2010 hatte ich auch auf lebendige Spielzeuge keine Lust, trotz unglaublichen kommerziellen Erfolgs und überwältigender Kritiken weltweit. Angst bereitete mir vor allem das Wissen, wie viele gute Filme in Fortsetzungen schon verwurstet und vernichtet wurden, allen voran natürlich ‚Matrix‘ als König der „BOA, geiler erster Film, BOA, dummer zweiter Film, BOA, beschissener dritter Film“-Trilogien. Der dritte Shrek war nicht gut und ich wusste, dass im vergangenen Jahrzehnt ganz viele Straight-to-DVD-Fortsetzungen gemacht wurden von meinen Kinderfilmen und die allesamt lieblos und scheiße waren (Dschungelbuch 2, Schöne und das Biest 2, Arielle 2, Bambi 2, Pocahontas 2, König der Löwen 2, Glöckner 2, 101 Dalmatiner 2, König der Löwen 3, Mulan 2, Tarzan 2, Lama 2). Wahrscheinlich sind die noch für Kinder in Ordnung, zeitlose Klassiker sind sie allesamt aber nicht geworden und ich dachte mir nur: „FUCK YOU DISNEY!“, immer wenn dann irgendwie der 30. Werbespot für ‚Bambi 3 – Rache der Waldtiere‘ auf DVD kam. Somit ging ich an ‚Toy Story 3‘ auch mit größter Vorsicht heran, um nicht Opfer der Franchise-generierenden Kapitalisten an der Spitze von Disney zu werden.

Die ganzen (lebenden) Spielzeuge aus den ersten beiden Teilen erleben mit, wie ihr Besitzer Andy groß wird und sie nicht mehr braucht. Über eine Verwechslung gelangt die Crew in einen von einem Don-Teddybären regierten Kindergarten, wo das Leben alles andere als angenehm ist, zumindest für Spielsachen.

Das ist auch schon die Handlung. Sie ist einfach und unterhält zu jeder Zeit. Das liegt vor allem an den tollen Charakteren, allen voran der metrosexuelle Ken (gesprochen von Christian Tramitz) und die altbekannten Spielzeuge von Andy. Es steckt einfach mal Liebe in jeder einzelnen Animation und in allen Dialogen. Und zum Ende hin kommt eine Spannung auf, die ich dem Film niemals zugetraut hätte. Und dann, ganz am Schluss, weiß man auch, dass das der garantiert letzte Teil der Toy Story war, und man ist gerührt. Einfach auch, weil die Figuren, die es seit 1995 gibt, nicht verwurstet wurden. Man hat mit Respekt ein würdiges Ende für die Reihe gefunden und dabei auch irgendwie ein kindertaugliches, teils auch erwachsenes Abenteuer erschaffen.

Mit Andy ist man auch als Zuschauer älter geworden und braucht das Spielzeug von früher nicht mehr. Das ist im Endeffekt ein einfacher wie auch bewegender und intelligenter Gedanke. Und ganz zum Ende hatte sogar ich fast ein wenig Pippi in den Augen, denn obwohl alles animiert ist, mochte ich jede Figur.

‚Toy Story3‘ ist 103 Minuten lang wieder jung (bzw. jünger) sein, ohne das Gefühl, von irgendeiner Produktionsfirma verarscht zu werden. Respekt!

Regie: Lee Unkrich (Findet Nemo, Monster AG, Toy Story 2)

Schauspieler (deutsche Fassung)Michael Bully Herbig, Walter von Hauff, Christian Tramitz, Rick Kavanian

Andy:  Thanks, guys.

Bewertung: 

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