The Happening (2008)

Im New Yorker Central Park ticken die Leute plötzlich aus und begehen kollektiven Selbstmord. Das Phänomen weitet sich aus, und so beschließen der Lehrer Elliot Moore (Marc Wahlberg) und sein Kollege Julian (John Leguizamo), mit Sack und Pack das Weite zu suchen. Doch so einfach ist die Flucht vor der unbekannten Bedrohung nicht. Nebenbei muss noch die Beziehungskrise zwischen Elliot und seiner Frau Alma (Zooey Deschanel) gelöst werden.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich die Namen der Protagonisten noch einmal nachschlagen musste. Kein einziger ist mir wirklich im Gedächtnis geblieben. Und so ergibt sich auch schon das erste wirkliche Problem von ‚The Happening‘ (Das Ereignis): die Figuren sind einem vollkommen egal. Man lernt am Anfang Marc Wahlbergs Charakter kennen, doch so richtig sympathisch ist er nicht. Und wirklich Zeit, sich mit ihm anzufreunden, bleibt in gut 1,5 Stunden auch nicht. Es passieren die Suizide, in den Nachrichten hört man von einem terroristischen Anschlag. Sein Kollege meint: Hey, lass uns nach Philadelphia fahren, dort sind wir sicher und außerdem hat das der Fresh Prince von Bel-Air auch schon gemacht. Ok! Und so schleift man sich in den Zug, nebenbei bekommt man die Beziehungskrise zwischen Elliot und Alma mit und bemerkt, dass auch das einem ziemlich egal ist.

Warum ist das so?

Zuallererst gibt es einfach mal keine Szenen mit den Charakteren am Anfang, die sie ’strahlen‘ oder eine gewisse Grundsympathie aufbauen lassen. Die Dialoge sind sehr flach, wenig geistreich und einfach nur Mobiliar. Es existiert kein Wortwitz, keine Idee. Und so ist es kein Wunder, wenn Mensch um Mensch stirbt und es einen kalt lässt. Zudem werden hin und wieder Figuren eingebaut, die kurz darauf sterben. Doch die sind so farblos und uninspiriert. Anführen möchte ich hier einen Soldaten, der daherkommt wie ein 17-Jähriger Bubi und trotzdem das Kommando angibt. Der verrückte Naturliebhaber, der 3 Sätze spricht und zufällig die richtige Vermutung hegt, warum das Ganze passiert. Eine kauzige und verrückte Oma, die auch 4 Sätze hat und für einen kurzen Schockmoment sorgt. Niemand, der einen sagen lässt: ‚Hoffentlich überlebt der / die das!‘.

Man kann sich auch streiten, dass Marc Wahlberg schlecht schauspielert. Aber das wäre nicht rechtens, denn mit dem Dialog kann man einfach nicht gut da stehen. Und so wirkt das ganze Filmchen doch so ziemlich lieblos zusammengeschustert. Es hat eine große Message, die dann irgendwie den Rest des Films, vor allem aber die Charaktere, erdrückt. In ‚Signs – Zeichen‘ ist alles ähnlich. Eine Katastrophe (dort eine Alieninvasion) ereignet sich, und dann wird eine Familie gezeigt,die daran fast zerbricht und damit umgehen muss. Doch in Signs hat man ein deutlich befriedigenderes Erlebnis. Mel Gibson und Joaquin Phoenix als ungleiche Brüder sind sympathisch. Marc Wahlberg ist weit davon entfernt, für irgendjemanden wichtig zu sein. Das zieht den Gesamteindruck runter. Seine Frau in ‚The Happening‘ wirkt distanziert und nicht anwesend. Es herrscht viel Leerlauf in den Beziehungen der einzelnen Figuren. Hinzu kommt, dass das Ende in solch einer Weise uninspiriert erscheint. Ich meine, es sterben ein paar millionen Menschen, doch dieser Fakt scheint nicht wirklich für irgendwen von Bedeutung zu sein.

Natürlich ist auch einiges ganz Interessantes an dem Film dran. Er enthält sozusagen eine Öko-Komponente, die zuerst im Verborgenen bleibt und im Nachhinein einen kritschen Blick auf den Menschen in seiner Interaktion mit der Natur liefert. Niemand kann ohne den Planeten Erde weiterexistieren. Doch auch hier ist wieder mit dem Ende des Films weniger geklärt als Fragen aufgeworfen werden. Ist die Liebe denn nun stärker als die Natur? Und warum erscheint einem das kleine Mädchen am Ende wie ein überflüssiger Beutel, den man überallhin mitschleppen muss? Warum werden 2 Kinder in die Gruppe eingebaut, um sie ganz einfach ohne Erklärung hinzurichten?

Ich finde, die Glaubwürdigkeit eines Films hängt stark mit den einzelnen Charakteren zusammen. Doch die sture Leere der Dialoge lässt praktisch jeden für nicht allzu wichtig erscheinen. Somit ist ‚The Happening‘ nichts weiter als ein schwacher Film, der selbst nicht so genau weiß, was er ist, Mystery-Thriller, Survial-Horror oder doch lieber ein Gesellschafts-Drama? M. Night Shyamalan hat mit ‚Signs – Zeichen‘, ‚The 6th Sense‘ und ‚Unbreakable‘ relative ähnliche Filme gemacht, die alle deutlich besser und vor allem cleverer sind. Ich würde eigentlich niemandem emphelen, sich ‚The Happening‘ anzusehen. Es gibt natürlich Schlechteres, aber wer auf Mystery steht, wird mit den älteren Werken Shyamalans glücklicher.

Regie: M. Night Shyamalan

Schauspieler: Marc Wahlberg, Zooey Deschanel, John Leguizamo

Bewertung: 

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