Zwei glorreiche Halunken (1966)

Wer im englischen Raum nach „Two glorious rascals“ oder Ähnlichem sucht, wird schnell festellen, dass darunter nichts zu finden ist. Vielleicht der eine oder andere Querverweis auf ‚Die kleinen Strolche‘, ansonsten muss man schon wissen, wie dieser Film eben im Englischen heißt. Undzwar ‚The Good, the Bad and the Ugly‘, bzw. im Original ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘. Zugegebenermaßen klingt ‚Zwei glrorreiche Halunken‘ besser als ‚Der Gute, der Schlechte und der Häßliche‘, oder wenigstens ein wenig epischer und dreckiger. Nichtsdestotrotz muss man zugeben, dass der Badass-Faktor des englischen und italienischen Titels deutlich höher ausfällt als für uns Deutsch sprechendes Volk. Und eigentlich wäre sowas egal, jedoch handelt es sich hier um einen der besten Western, die je gedreht wurden und da muss man wissen, was Sache ist. Sergio Leones Film steht bei imdb seit jeher ganz weit oben und hält trotz seines Alters die Frodos, Batmans und Luke Skywalkers in Schach. Und bei Quentin Tarantino steht der Streifen seit Jahren auf Platz 1 seiner Charts. Aber kann so ein Film, der bald ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, noch aktuell sein? Und ob!

Grundlegend kann man sagen, dass es um drei Typen geht, die einen Goldschatz suchen. Der befindet sich irgendwo in den Weiten des Westens und ist in irgendeinem Grab versteckt. Was den guten Blonden (Clint Eastwood), den häßlichen Tuco (Eli Wallach) und den bösen Sentenza (Lee Van Cleef) verbindet, ist, dass sie allesamt nach Geld streben und damit ganz klar Antihelden sind. Es ist eben wenig Platz für Ideale und Prinzipien, wenn man in einer rauen Gegend über die Runden kommen will. So ist der böse Sentenza ein skrupelloser Kopfgeldjäger, der über Leichen geht. Da ist es egal, ob er einen blutjungen Burschen über den Haufen schießen muss oder geradewegs seinen Auftraggeber umbringt. Zeitgleich verdingen sich Blondie und Tuco ihren Lebensunterhalt damit, dass der Gute in diversen Städten das Kopfgeld für den Häßlichen kassiert, um diesen dann bei dessen Hinrichtungen zu befreien. Doch zwischen den beiden herrscht keine Freundschaft und so löst sich die symbiotische Partnerschaft kurzerhand auf, sodass Tuco alleine in der Wüste zurückbleibt und auf Rache sinnt. Dass dieser, obwohl er der lustige Charakter in dem Film ist, kein Mitgefühl besitzt, wird dadurch gezeigt, dass er den Blonden in einer Art Todesmarsch zu einem qualvollen Tod geleiten will. Doch wie der Zufall so spielt, erfahren sie von dem versteckten Goldschatz und sind, zumindest für eine gewisse Zeit, aufeinander angewiesen. Nebenher geraten sie in die Wirren des Bürgerkrieges und der Film entwickelt sich in der zweiten Hälfte gar zu einem Antikriegsfilm.

Die Handlung ist relativ simpel, auch wenn rückblickend viel passiert. Das liegt daran, dass der Film ein sehr gemächliches Erzähltempo hat und öfter von dialogfreien Passagen dominiert wird. In den 161 Minuten wird man als Zuschauer öfter in der kargen Gesellschaft allein gelassen. Zwar kann man Tuco als Labertasche bezeichnen, aber umso weniger redet der Blonde. Sowieso ist das nicht sein richtiger Name und wir erfahren eigentlich nichts über den Menschen, was ihm eine gewisse Coolness und Abgebrühtheit verleiht. Sentenza taucht eigentlich nur am Anfang, in der Mitte und am Ende auf und ist ansonsten fast nicht im Film zu sehen. Das erklärt insofern auch die Wahl des deutschen Titels, denn Clint Eastwood und Eli Wallach haben mit Abstand am meisten Screentime. Schließlich ist es Tuco, dessen Bruder wir kurz kennenlernen und der als einziger ein wenig mehr von sich preisgibt. Doch schnell geht es weiter und man merkt, dass Familie und Freundschaft nichts zählen.

Satirisch wird es dann vor allem in Szenen zum Ende hin, in denen der Blonde und Tuco zur Armee gelangen und so hautnah die Wirren des Bürgerkriegs vorgezeigt bekommen. Es bekriegen sich beide Seiten monatelang um eine Brücke. So rennen pünktlich tagtäglich Männer aufeinander ein und bringen sich gegenseitig um, um kurz darauf auf einer Bare oder in einem Sarg wieder zurückgebracht zu werden. Der ernste Tenor bleibt und erreicht hier ein Stück Sozialkritik, was man dem Film hoch anrechnen kann. Zumal man gerade Western als ein eher oberflächliches Genre betrachtet, schließlich haben obercoole harte Männer auf Pferden mit Schießeisen keine Zeit, eine politische Meinung zu haben. Die Unmenschlichkeit, die so ein Krieg mit sich bringt, wird dann an einem einzelnen jungen Soldaten verdeutlicht, der im Sterben liegt und der von seinen Leuten zum Krepieren zurückgelassen wurde. Das ist ein Moment, in dem Sergio Leone die Fesseln des Western-Settings aufbricht und glasklar vorführt, dass Krieg scheiße ist, egal auf welcher Seite man steht.

Das Finale ist dann schließlich eine minimalistische, aber gerade auch deswegen sehr erinnernswerte Szene. Da sprechen die Protagonisten fast nur noch mit den Augen. Und am Ende wird man dann doch, trotz der ganzen schlechten Dinge und der menschlichen Abgründe, mit einem Lächeln aus dem Film entlassen. Für mich ist ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘ ein runder Film. Es gibt keine zufälligen und unausgereiften Stellen, in denen man das Gefühl bekommt, hier wäre Sergio Leone nichts eingefallen. Und meiner Meinung ist es die Stärke des Films, nicht alles zu zeigen. Damit meine ich, dass man sich als Zuschauer das eine oder andere dazudenken muss, gerade weil beispielsweise Sentenza eher nicht so oft auftritt und dann plötzlich in militärischer Funktion auftaucht. Wer generell Western mag, wird viel Freude hieran haben. Und auch wenn man sonst nicht so auf Cowboys steht, sollte man Sergio Leone die Chance geben, einen vom Gegenteil zu überzeugen. Meiner Meinung nach ist nämlich ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘ herausragend und eine ganze Spur unterhaltsamer als Leones ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘. Dass der Soundtrack von Ennio Morricone großartig ist, sollte spätestens dann klar sein, wenn man die Musik kennt, ohne je den Film gesehen zu haben.

Und selten sieht man so eine coole Sau wie Clint Eastwood. Das Bild von ihm mit Zigarre und Poncho ist so ikonisch und lässig, dass man den Eindruck nicht los wird, dass er bereits mit Stoppelbart und Revolver am Mann zur Welt gekommen sein muss. Dabei ist ‚Zwei glorreiche Halunken‘ inhaltlich das Prequel zu ‚Für ein handvoll Dollar‘ (1964) und ‚Für ein paar Dollar mehr‘ (1965) und schließt die Dollar-Trilogie ab. Damit tritt Clint den Filmreihen um Frodo, Bruce und Neo aber sowas von dermaßen in den Arsch, dass die freiwillig bei imdb ein paar Plätze unter ihm bleiben.

 

Regie: Sergio Leone (Spiel mir das Lied vom Tod, Für eine handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr, Es war einmal in Amerika, Mein Name ist Nobody)

Schauspieler: Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach

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