Zardoz (1974)

Vor ungefähr einem Jahr hab ich einem Podcast auf spill.com, einer amerikanischen Rezensionsseite für Filme (und inzwischen auch Games), gelauscht. Irgendwie unterhielten sich dort zwei über alte und beknackte Filme, und einer fing an zu lachen und sich an den Aufzug von Sean Connery in Zardoz zu erinnern. Ich googelte das Bild und siehe da, ein großes WTF. Es ergab sich nun, dass ich mich in meiner allmächtigen Weisheit irgendwie wieder vor kurzem daran erinnerte und beschloß, dieses Meisterwerk der Filmkunst doch einfach mal zu gucken. Und vorneweg, das WTF ist geblieben…

Willkommen in der Metaebene

Zum Film begrüßt uns ein Kopf vor schwarzem Hintergrund und erklärt uns, dass wir jetzt irgendwie eine Geschichte zu hören bekommen. Oder so. Es stellt sich heraus, dass in der fernen Zukunft die Menschheit aufgespalten ist in eine nicht-ganz-so-supertolle Welt mit Mord und Sklaverei, wo Exekutoren wie Zed (Sean Connery) andere Menschen töten und vergewaltigen und in eine Sonnenschein-super-duper-Welt, den Vortex. Auf Befehl eines Quasi-Gottes in Form eines großen, umherfliegenden Steinkopfes namens Zardoz kontrollieren die unsterblichen Vortexianer die Leute außerhalb ihrer heilen Welt. Nun begibt sich unser Sean in den Kopf, tötet seinen „Lenker“ und gelangt in den Vortex, wo er als Sklave und Brutalo leben muss und die irgendwie nicht ganz so perfekten Verhältnisse in der Teletubbie-Hemisphäre aufwühlt. Ich will jetzt auch nicht zu viel preisgeben, aber wen es interessiert, der liest es einfach mal auf Wikipedia nach.

Was das alles dann genau soll, erschloß sich mir nicht sofort. Vieles wirkt einfach so unglaublich krude dahingeworfen. Allerdings entfaltet sich irgendwo recht weit am Anfang des 105-Minüters ein ganz nettes Gefühl des „Oha, das könnte ja ähnlich der Matrix hier sein“. Ist es dann nicht, weil es unnötig verkompliziert wird. Und so nimmt die Langeweile voller philosophischem Zeugs und Quark seinen Lauf. Dann gibt es Rückblenden und wir erfahren, warum es Zed erst dorthin verschlagen hat. Unfreiwillig lustig wird der Film dann, als Sean Connery Nackt-Bade-Szenen gezeigt werden und mann sich wundert, warum er keine Erektion bekommt (er wird ‚untersucht‘). Dann guckt er eine der Wissenschaftlerinnen an und bekommt doch eine Latte. Liebe führt eben über den mächtigen Ständer. Zum Ende hin wurde mir alles viel zu wirr und konfus und dahingeworfen.

Eigentlich fand ich die Idee ja ganz interessant, denn sie hat ja was von der Matrix mit ihrer Zweiklassengesellschaft. Aber wenn einem alles doch so dermaßen dumpf vorgesetzt wird, verliere ich jede Lust. Am Ende kann man, darf man, viel Intelligenz in das Ganze hineininterpretieren. Doch mir fiel es schwer, in so teilweise unglaublich lächerlichen Vorgängen einen tieferen Sinn zu sehen. Man sieht das Ende der Welt und die Erde, die einerseits von Slipper-tragenden Nudisten und andererseits von gelangweilten Hippies bewohnt wird. Und ja, da bekommt man Angst. Doch hätte man das nicht eleganter, oder einfach weniger lächerlich und umständlich darstellen können?

Ich schwöre, ich habe versucht, allem eine Chance zu geben! Doch der Film gab mir keine Chance, ihn gut zu finden. Belustigend finde ich, dass Sean Connery diese Rolle nur annahm, weil er wegen seiner 007-Vergangenheit kaum noch andere Rollen bekam und ‚Zardoz‘ dadurch billig gehalten werden konnte.

Und nu?

Rätselhaft ist mir, wie es auf imdb zum Film fast nur gute Reviews gibt. Dabei ist Zardoz weder für die Familie nett, noch für einen netten Abend. Das alljährliche Treffen der Philosophen und Suizidgefährdeten kann ihm sicherlich was abgewinnen. Und auch wenn ich mir Feinde mache: Wer den Film gut findet, hat nur Angst, für blöd gehalten zu werden. Zardoz ist kein Kunstwerk und auch kein missverstandenes Meisterwerk. Zardoz ist wie eines dieser Gemälde, wo ein Haufen Kot zu sehen ist und man dann das Leben dort hineininterpretieren soll. Und so lecke man mir doch die Eier, folgende Dialogzeile kann doch keiner Ernst nehmen:

The Tabernacle: You have penetrated me. There is no escape. You are within me. Come into my center. Come into the center of the crystal!

So, Zardoz ist totaler Blödsinn.  Wer mir nicht glaubt, überzeuge sich bitte selbst davon.

Regie: John Boorman (Der Schneider von Panama, The General, Beim Sterben ist jeder der Erste)

Schauspieler: Sean Connery, …

Bewertung: