X-Men Origins: Wolverine (2009)

Logan (Hugh Jackman) und Victor (Liev Schreiber) sind zwei Mutanten-Brüder, die über Selbstheilungskräfte verfügen und nicht altern. Zusammen durchwandern sie Epoche um Epoche, bis sich ihre Wege trennen und nur über den blutigen Pfad der Rache wieder zuammenkommen.

Allzuviel mehr kann man über die Handlung auch leider nicht sagen, denn allzu viel ist nicht vorhanden. Der Anfang ist allerdings gut gelungen: Wie sich die beiden Brüder durch jeden möglichen Krieg kämpfen, Seite an Seite und ohne Schaden zu erleiden. Dann wird das ganze jedoch zusehends komplizierter und oberflächlicher. Das gesamte Drehbuch ist wohl der größte Schwachpunkt des Films, vieles ist einfach aneinandergereiht und vermisst jegliche Interaktion. Ein Beispiel: Logan erreicht zum Ende hin ein Labor, indem sich ein Wissenschafter befindet, den er umbringen möchte. Da taucht jedoch eine Totgeglaubte wieder auf. Und plötzlich beschließt er, er muss sofort gehen. Dann wird sie jedoch bedroht und er kommt doch nochmal wieder! Besonders an solch einer Stelle wird einem klar, wie unglaublich oberflächlich die einzelnen Personen sind. Jeglicher Bezug zum Zuschauer ist nicht vorhanden.

Was einen auch noch von den Protagonisten distanziert ist die einfach lieblose Art ihres Ablebens. Ein altes Ehepaar wird in die Story eingebaut, um nach wenigen Minuten kurzerhand weggeballert zu werden, ohne Kommentar durch unseren Helden. Das ist weder clever noch nachvollziehbar und alles andere als befriedigend. So spielt Will I Am ebenfalls einen Mutanten, der erst hilft, afrikanische Bauern zu lynchen, um ein paar Jahre später den geläuterten Heldenhelfer zu geben, den jedoch auch nach weniger Zeit und ohne große Beachtung von Logan a.k.a. Wolverine das Zeitliche segnet. Somit ist Wolverine nichts weiter als eine umherlaufende Actionfigur mit Krallen, oberflächlich und für manch einen auch ganz ‚cool‘. Der Rest der auftauchenden Mutanten ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen von gesichtslosen und höchstens für einen Witz taugenden Nebenfiguren.

Die eine oder andere Actionszene hingegen macht auch einfach mal Spaß. Wolverine, der an einem Helikopter hängt und mit seinen Krallen den Rotor stutzt. Auch der Endkampf mag ganz lustig sein. Und doch, auch am Ende, wirkt die gesamte Erzählung unstimmig und dahingeschustert. Auch wenn das gesamte Mutanten-Universum um die X-Men nicht realistisch ist, so haben die drei X-Men-Filme durchaus eine logische Struktur und befriedigende Erzählweise. Das lässt X-Men Origins: Wolverine jedoch völlig vermissen. So entstand zumindest bei mir der Eindruck eines Spin-Offs zum schnellen Gelddrucken. Natürlich darf auch hier kein zweiter Teil fehlen.

Bei soviel Kritik muss man auch das eine oder andere Gute loswerden. Zum einen mochte ich die X-Men-Filme. Vieles in Wolverine ist ganz gut und sinnvoll verflochten mit der Trilogie, die ja nach ihm spielt. Es ist ganz schön, Charles Xavier oder Cyclops in jung zu sehen. Sozusagen ein Easter-Egg für Fans der gesamten Geschichte. Und auch die einigermaßen sinnvolle Aufklärung von vielen Dingen, die in X-Men 1 und 2 noch nicht ganz zu Ende erzählt wurden (wie Wolverine an seine Klauen gekommen ist z. Bsp.).

Insgesamt ist also Wolverine für Freunde der X-Men durchaus brauchbar. Mit ein paar Bier und Freunden kann man ihn sich schon mal antun. Im Grunde ist der Streifen jedoch ein schwacher und ohne viel Liebe erzählter Science-Fiction-Aufguss. Eher zu emphelen ist die X-Men-Trilogie an sich. Auch Iron Man 1 und 2 würde ich über Wolverine stellen, auch wenn er einer der coolsten Comic-Superhelden aller Zeiten ist.

Regie: Gavin Hood (Machtlos)

Schauspieler: Hugh Jackman, Liev Schreiber, Danny Huston

Bewertung: