X-Men: Erste Entscheidung (2011)

Der Film zeigt, wie Charles Xavier (James McAvoy) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) aufwachsen und 1962 im Zuge des Kalten Krieges zu Freunden und Verbündeten werden. Sie stehen mit ihren Mutantenfähigkeiten dem skrupellosen Kriegstreiber und ebenfalls Mutanten Sebastian Shaw (Kevin Bacon) gegenüber, welcher den dritten Weltkrieg forciert.

In gut zwei Stunden wird mit dieser Comic-Verfilmung ein weiteres Puzzle-Teil in der Sage um die X-Men hinzugefügt. Dabei werden viele Querverweise auf Szenen und Charaktere aus den bisher 4 vorher erschienenen Filmen um die Mutanten geschlagen. Das ist ziemlich cool und ist (bis auf die eine oder andere Kleinigkeit) sehr stimmig und vermittelt einem eine große Komplexität des gesamten Settings. Wer also die anderen Filme alle kennt, freut sich, hier und dort ein bekanntes Gesicht zu sehen (Striker, Logan, den Bruder von Cyclops, etc.). Sollte man die anderen Filme alle nicht kennen, geht auf jeden Fall ein wenig Flair verloren.

Die gesamte Handlung und Vorgeschichte war auch ganz nett. Der Kalte Krieg als Kulisse für das erste Auftauchen der Mutanten bzw. X-Men mit Einspielern von Kennedy sowie die Kindheit Eriks im KZ, es wirkt alles nicht aufgesetzt oder künstlich. Natürlich ist Kevin Bacon als Bösewicht ein wenig überzeichnet und nicht bis in die Haarspitze durchdacht (seine Pläne sind irgendwie schon ganz schön seltsam oder sogar dämlich), macht jedoch eine ganz gute Figur. Am meisten sticht wohl die Freundschaft zwischen Xavier und Lehnsherr (bzw. Professor X und Magneto) hervor, die jedoch nicht so unbedingt tiefgründig ist wie sie vielleicht hätte sein können. Das stört einen aber nicht unbedingt stark.

Was mich als Kenner der anderen Filme störte, war die eine oder andere nicht ganz saubere Sache. So wird in einigen wenigen Szenen Striker dargestellt, welcher der Schurke in X-Men 2 ist, der jedoch unmöglich 1962 schon so alt gewesen sein kann. Auch Mystique, die man aus X-Men 1, 2 und 3 kennt, wirkt rein vom Körper nicht ganz so elegant und ‚mystisch‘, wie man sie eben aus der Trilogie kennt. Das ist im Endeffekt aber in Ordnung, oder zumindest zu verkraften.

Wirklich gestört haben mich die Kinder, die von X und Erik rekrutiert wurden. Diese waren so unglaublich belanglos und teilweise doof, dass man wohl auch auf die hätte verzichten können. So spielt beispielweise ein rothaariger Junge mit erstaunlicher Ähnlichkeit zu Ronald Weasley mit, dessen Fähigkeit das Kreischen von Tönen ist. Jedoch soll er damit auch fliegen können. Das möge vielleicht noch durchgehen, dass er beim Fliegen aber wirklich nicht gut animiert wirkt und eher wie eine fliegende Puppe ausschaut, ist nicht gut. Gott sei Dank bleiben solche Szenen aber nicht lange zu sehen. Auch die eine Mutantin mit den Libellenflügeln und Feuerspuckereigenschaften (die übrigens die Tochter von Lenny Kravitz ist: Zoë Kravitz) ist einfach nur ein farbloser Fleck. Ihre Fähigkeiten sind nicht sonderlich toll oder nützlich und deswegen nimmt sie auch nicht wirklich großen Anteil am Geschehen.

Kevin Bacon als Bösewicht war gut. Jedoch hätte ich mir noch mehr Screentime mit ihm gewünscht, wo er noch mehr Bösartigkeit oder Wahnsinn hätte vermitteln können. Ein Joker ist er nicht. Und dass der Fiesling in X-Men-Filmen immer ein paar gesichtslose Mutanten-Sidekicks haben muss, ist nicht sonderlich innovativ.

Die restlichen Effekte (bis eben auf den Schalljungen) sind gut, das Herausheben eines U-Bootes aus dem Wasser sieht echt ganz cool aus. Der ganze 60er-Flair des Films hat auch gut gepasst, von den Frisuren, den Dessous, den Autos oder der Kleidung her.

Im Endeffekt ist ‚X-Men: Erste Entscheidung‘ definitiv ein guter Film (und Gott sei Dank deutlich besser als X-Men Origins: Wolverine). Wer die X-Men sowieso mag, wird sich sehr wohl in diesem Prequel fühlen. An die Tiefe eines Watchmen reicht das natürlich nicht heran, aber dadurch ist das ganze Mutantenspektakel auch leichter zugänglich und verdaulich.  Auch als Nicht-Kenner der anderen Filme kann man seinen Spaß damit haben, zumal die einzelnen verschiedenen Fähigkeiten der Protagonisten zumeist echt cool sind.

Regie: Matthew Vaughn (Kick-Ass, Der Sternenwanderer, Layer Cake)

Schauspieler: James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon

Bewertung: