Jonah Hex (2010)

Josh Brolin. John Malkovich. Michael Fassbender. Michael Shannon. Wes Bentley (der Junge mit der Mülltüte aus American Beauty). Und Megan Fox. Okay, Megan Fox ist keine Schauspielerin, sondern einfach nur ein nett anzuschauendes Püppchen, dass in Jonah Hex passenderweise eine Nutte spielt. Aber die ersten fünf Herren sind gute Schauspieler! Brolin, Malkovich und Fassbender sogar sehr populäre. Daraus könnte man einen epischen Film machen. Vor allem, wenn man 47 Fucking Millionen Dollar zur Verfügung hat. Und dass dieser, naja, nennen wir ihn mal „Film“, weltweit nicht einmal 11 Millionen eingespielt hat, spricht schon Bände. Zumal er auf einer Comicreihe basiert und hier und da bereits Fans besitzt.

Das Beste an Jonah Hex ist, dass der Blödsinn nur knappe 81 Minuten dauert. Zudem sieht man nicht alles, weil es Szenen gibt, die zu dunkel sind. Außerdem sind die Actionszenen so geschnitten, dass man ohnehin kaum etwas mitbekommt. Aber nicht zu schnell! Da gibt es ja noch eine Story zu erzählen:

Jonah Hex (Josh Brolin) ist Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg. Dann hat er aber plötzlich die totale Erleuchtung und weigert sich, Leute zu töten. Das findet sein Befehlshaber Quentin Turnbull (John Malkovich) nicht so schön und in irgendeiner Auseinandersetzung stirbt dann dessen Sohn. Aus Rache tötet er Hex‘ Familie und markiert seine Backe mit einem Brandzeichen. Jonah stirbt dabei fast, wird jedoch von irgendeinem Indianerstamm gerettet. Die Nahtoderfahrung verschafft ihm jedoch die Fähigkeit, sich mit Leichen unterhalten zu können. Dann macht er sich auf die Jagd nach seinem Peiniger, der sich jedoch als tot herausstellt. Was tut ein Mann mit entstelltem Gesicht in so einer Lage? Klar, er wird Kopfgeldjäger. Und kein normaler, nein. Unser Recke hat ein Pferd mit Gatling-Guns an der Seite. Richtig gehört, diese sich drehenden Maschinenpistolen. Und das im Wilden Westen. Keine Ahnung ob es die auch so im Comic gibt, aber sowas findet man höchstens als 12-Jähriger cool. Leider sind das die meisten Menschen eher nicht und so kommt diese Technik reichlich albern rüber. Zumal unser finsterer Held permanent sehr dunkle und tiefgründige Monologe hält. Natürlich ist der Oberschurke Turnbull nicht tot. Er klaut aber die scheinbar erste Massenvernichtungswaffe der Welt und will damit die USA vernichten, weil ihm der Verlauf des Bürgerkriegs nichts ganz passt. An seiner Seite ein völlig verschenkter Michael Fassbender. Daraufhin wendet sich der Präsident von Amerika an Jonah Hex, der die bösen Buben aufhalten soll. Jonah vernascht nebenbei noch Megan Fox, die so eine Art Kampfhure ist, die über sein entstelltes Gesicht hinwegsieht und den Menschen dahinter erkennt: einen leeren wie auch blöden Westernheld.

Vieles erinnert an Wild Wild West. Anders ist nur, dass hier von vorne bis hinten alles superernst sein soll. Und da geht es auch schon los. Während Wild Wild West eben kein wirklich guter Film war, so konnte man die ganze Geschichte immerhin auf lustiger Ebene abfrühstücken. Jonah Hex will aber so unbedingt cool und unlustig sein, dass hier so ziemlich alles von vorne bis hinten lächerlich wirkt. Ob Gatling-Gun-Pferd, Dynamit-Schleuder-Pistole oder Leichen-Gequatsche, nie wird gelacht. Und anstatt den Weg einer Komödie zu gehen, möchte man so sein wie Sin City oder Clint Eastwood. Aber wie soll das gehen mit einem Gatling-Gun-Pferd? Es gibt dann so eine metaphysische Szene, in der Jonah einen Kampf gegen Turnbull in seinem Kopf führt, die so plump und dahingeschludert wirkt, dass es mir einfach in der Seele wehtut. Womöglich freut man sich, wenn man den Comic kennt. Aber hierzulande werden das wohl nicht so viele Leute sein.

Das wirklich Schlimme ist dann, dass Jonah Hex auch rein handwerklich ein ganz mieser Film ist. Das liegt nicht an Kostümen und Drehorten, sondern eben an technischen Aspekten. Mehrere Szenen sind so dunkel, dass man nichts erkennt, viele Schnitte sind völlig nervig und die Dialoge sind völlig blöd. Da fragt man sich, ob die fast 50 Millionen Dollar zu wenig waren, um gescheite Scheinwerfer zu besorgen? Man hätte doch auch eine Kerze anzünden können, oder ein paar Autoscheinwerfer.

Die Handlung ist an Klischees und Einfallslosigkeit nicht zu überbieten. Die Schauspieler, inklusive Josh Brolin, sind entweder lustlos oder völlig unterfordert. Und das auch zurecht. Denn es gibt nichts, rein gar nichts, was der Film auch nur ansatzweise gut macht. Für mich ist Jonah Hex eine der widerlichsten Comic-Verwurstungen, die ich je gesehen habe und markiert einen Tiefpunkt in meiner Beziehung zu Hollywood. Es wurde versucht, mit Namen wie Brolin und Fox, dem Western-Setting sowie dem Comic-Ursprung entsprechende Zielgruppen zu ködern. Als ob irgendein BWL-Heini vorher mal durchgerechnet hat, wie viel der Film abwerfen wird und wie viel er kosten darf. Leider fehlt es dadurch Jonah Hex vor allem an einem, undzwar einer Seele.

Und selbst wenn man 12 Jahre alt ist und Pferde-Maschinengewehre voll geil findet, dann gibt es mit Wild Wild West, und wer hätte gedacht dass ich das jemals einmal sagen würde, einen deutlich interessanteren, besseren und lustigeren Film. Also Finger weg von diesem Unfug und lieber nochmal True Grit mit einem guten Josh Brolin oder die alten Sergio Leone-Klassiker geben. Schließlich hat man zu den Zeiten noch gute Storys erzählt.

Regie: Jimmy Hayward (Horton hört ein Hu)

Schauspieler: Josh Brolin, John Malkovich, Megan Fox, Michael Fassbender

Bewertung: 

 

Rango (2011)

Es gibt ja durchaus viele gute Regisseure da draußen. Gore Verbinski würde vielleicht nicht jeder dazuzählen, doch der Kerl hat eine paar sehr ansehnliche Filme rausgehauen. Abgesehen von der eher debilen ‚Mäusejagd‘ hat er mit ‚Ring‘, ‚Mexican‘ und ‚The Weather Man‘ ein paar sehenswerte Streifen gedreht. Und natürlich hat Verbinski die toten Piraten vom Meeresgrund hochgeholt und in den ersten drei ‚Fluch der Karibik‘-Filmen reanimiert. Sogar einen Oscar hat der Kerl schon in der Tasche, undzwar für Rango!

Es war einmal ein Chamäleon (Johnny Depp). Das lebte friedlich in seinem Terrarium und spielte Theater. Bei einem Ausweichmanöver fällt das Behältnis samt Reptil aus dem Auto seines Besitzers irgendwohin mitten in die Prärie. Unser Held ist gestrandet. Für die Aktion war ein überfahrenes Gürteltier verwantwortlich, das sich ‚Roadkill‘ nennt und dem Chamäleon vom Geist des Westens erzählt und ihn in Richtung der nächsten Stadt schickt. Dort trifft er unter anderem auf Bohne (Isla Fisher), die ihm von der Wasserknappheit berichtet, die das Städtchen Dirt an den Rand des Untergangs treibt. Großmäulig wie das Reptil nun mal ist, gibt es sich als großer Revolverheld namens Rango aus und wird kurzerhand zum Sheriff.

Dank seinem Improvisationtalent gelingt es ihm, sich Respekt unter den Einwohnern zu verschaffen, die alle den unterschiedlichsten Spezies angehören. Hasen, Katzen, Schildkröten, Maulwürfe, allerhand Getier und sogar ein Rabe mit indianischen Wurzeln. Gerade das Charakterdesign ist herausragend. Jeder Protagonist hat Wiedererkennungswert und sieht ziemlich cool aus. Ganz zu schweigen von Rango selbst, der von Johnny Depp als kauziger Tolpatsch in einer Art Jack Sparrow im Wilden Westen gesprochen wird. Die restlichen vermenschlichten Tiere wirken dabei allesamt sehr merkwürdig und geben dem Ganzen dauerhaft einen abstrusen Unterton. Das zeichnet diesen Animationsfilm auch in besonderem Maße aus. Alles sieht dreckig und überzeichnet aus. So ist eine ziemlich dicke Kröte beispielsweise eine überschminkte Nutte mit riesigem Ausschnitt. Das kennt man so eben nicht unbedingt.

 Überhaupt ist Rango für einen Film seiner Art hin und wieder überraschend ernst. Es wird hier und da gemordet. Nicht viel natürlich, aber trotzdem sieht man eine Leiche. Das wäre in Toy Story oder in jedem Disney-Animationsfilm nicht vorstellbar. Und dann gelingt es dem Film tatsächlich ziemlich ernste Töne anzuschlagen. Gar nicht mal durch den Tod als Stilmittel, sondern viel mehr über die Verbindung zum Hauptprotagonisten, der einen Schicksalsschlag verkraften und zum Schluss sich selbst stellen muss. Nicht dass die Handlung allzu sinnvoll ist oder überraschende Wendungen annimmt. Das Ende ist ziemlich vorhersehbar. Aber das stört eigentlich überhaupt nicht. Einfach weil Rango und die anderen Tiere auf total verschrobene Art sehr menschlich sind. Und natürlich ziemlich gute Dialoge haben.

Die Message, die am Ende transportiert wird, ist recht erwachsen. Nebensächlich geht es um den Wilden Westen und wie man sich darin behauptet. Hauptsächlich wird jedoch thematisiert, wie man als einzelnes Subjekt in der großen Welt wahrgenommen wird. Also die Suche nach der eigenen Persönlichkeit. So hat Rango, bevor er anfängt, seine Rolle als Revolverheld zu spielen, nicht einmal einen Namen. Man merkt dann auch, wie er in einen Konflikt mit den anderen gerät, als herauskommt, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Genauso verliert er dann natürlich auch das Gefühl dafür, wer er selbst ist. Das ist in Bezug auf alle anderen Animationsfilme eine nicht kindgerechte Botschaft, die noch einmal unterstreicht, dass Rango sich wohl eher an ein erwachsenes Publikum richtet.

Genauso erlebt man auch ein wenig den Untergang der Revolverhelden. Ihre Zeit ist abgelaufen und der Fortschritt macht ihr Dasein obsolet. Insofern karikiert die Figur des Rango als Cowboy-Darsteller die Klischees und Vorstellungen, wie so ein harter Kerl zu sein hat. Das mag vielleicht zu weit führen, aber gerade zum Ende hin taucht aus der Weite der Wüste plötzlich ein Clint Eastwood-Verschnitt in einem Golfauto auf, welches hinten mehrere Emmys aufgeladen hat. 

Rango ist eine anmierte Western-Komödie mit einem namenlosen Chamäleon als Hauptdarsteller. Wer den ganzen Disney-Kram zu steril findet und überhaupt etwas mit Western und Antihelden anfangen kann, dürfte von Rango gut unterhalten werden. Zumal die Detailverliebtheit und einfach mal die ganzen Charaktere in dieser Form überragend sind. Das soll nicht heißen, dass der Film in seinen 107 Minuten Laufzeit nicht mal hier und da ein paar Längen hat. Das macht er aber mit seinem Style wieder wett. So begleitet uns ein mexikanisches Eulenquartett musikalisch und erzählerisch durch viele Szenen, was anfangs absurd wirkt, aber doch nur wieder zeigt, wie stilsicher der Film mit seinem Genre und dem ganzen Drumherum umgeht. 

Auch wenn die Konkurrenz um den Animationsoscar 2012 nicht unbedingt so hart war (Chico & Rita, Kung Fu Panda 2, Der gestiefelte Kater, A Cat in Paris) und mir persönlich Toy Story 3 noch ein Stückchem mehr gefällt, ist Rango ein außergewöhnlicher Film der den Oscar unbedingt verdient hat. Und so wie Tim Burton scheint auch Gore Verbinski Gefallen an Johnny Depp bekommen zu haben, denn mit ‚The Lone Ranger‘ kommt 2013 bereits ihre fünfte Zusammenarbeit auf die Leinwand. Das ist aber auch nicht verwunderlich, so ist Depp schließlich einer der besten Darsteller unserer Zeit, selbst wenn man er „nur“ mit seiner Stimme spielt.

 

Regie: Gore Verbinski (Fluch der Karibik I, II, III, The Weather Man, Ring, Mäusejagd, Mexican)

Schauspieler: Johnny Depp, Isla Fisher, Abigail Breslin, Ned Beatty, Alfred Molina, Bill Nighy, Timothy Olyphant

Bewertung: 

 

 

Zwei glorreiche Halunken (1966)

Wer im englischen Raum nach „Two glorious rascals“ oder Ähnlichem sucht, wird schnell festellen, dass darunter nichts zu finden ist. Vielleicht der eine oder andere Querverweis auf ‚Die kleinen Strolche‘, ansonsten muss man schon wissen, wie dieser Film eben im Englischen heißt. Undzwar ‚The Good, the Bad and the Ugly‘, bzw. im Original ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘. Zugegebenermaßen klingt ‚Zwei glrorreiche Halunken‘ besser als ‚Der Gute, der Schlechte und der Häßliche‘, oder wenigstens ein wenig epischer und dreckiger. Nichtsdestotrotz muss man zugeben, dass der Badass-Faktor des englischen und italienischen Titels deutlich höher ausfällt als für uns Deutsch sprechendes Volk. Und eigentlich wäre sowas egal, jedoch handelt es sich hier um einen der besten Western, die je gedreht wurden und da muss man wissen, was Sache ist. Sergio Leones Film steht bei imdb seit jeher ganz weit oben und hält trotz seines Alters die Frodos, Batmans und Luke Skywalkers in Schach. Und bei Quentin Tarantino steht der Streifen seit Jahren auf Platz 1 seiner Charts. Aber kann so ein Film, der bald ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, noch aktuell sein? Und ob!

Grundlegend kann man sagen, dass es um drei Typen geht, die einen Goldschatz suchen. Der befindet sich irgendwo in den Weiten des Westens und ist in irgendeinem Grab versteckt. Was den guten Blonden (Clint Eastwood), den häßlichen Tuco (Eli Wallach) und den bösen Sentenza (Lee Van Cleef) verbindet, ist, dass sie allesamt nach Geld streben und damit ganz klar Antihelden sind. Es ist eben wenig Platz für Ideale und Prinzipien, wenn man in einer rauen Gegend über die Runden kommen will. So ist der böse Sentenza ein skrupelloser Kopfgeldjäger, der über Leichen geht. Da ist es egal, ob er einen blutjungen Burschen über den Haufen schießen muss oder geradewegs seinen Auftraggeber umbringt. Zeitgleich verdingen sich Blondie und Tuco ihren Lebensunterhalt damit, dass der Gute in diversen Städten das Kopfgeld für den Häßlichen kassiert, um diesen dann bei dessen Hinrichtungen zu befreien. Doch zwischen den beiden herrscht keine Freundschaft und so löst sich die symbiotische Partnerschaft kurzerhand auf, sodass Tuco alleine in der Wüste zurückbleibt und auf Rache sinnt. Dass dieser, obwohl er der lustige Charakter in dem Film ist, kein Mitgefühl besitzt, wird dadurch gezeigt, dass er den Blonden in einer Art Todesmarsch zu einem qualvollen Tod geleiten will. Doch wie der Zufall so spielt, erfahren sie von dem versteckten Goldschatz und sind, zumindest für eine gewisse Zeit, aufeinander angewiesen. Nebenher geraten sie in die Wirren des Bürgerkrieges und der Film entwickelt sich in der zweiten Hälfte gar zu einem Antikriegsfilm.

Die Handlung ist relativ simpel, auch wenn rückblickend viel passiert. Das liegt daran, dass der Film ein sehr gemächliches Erzähltempo hat und öfter von dialogfreien Passagen dominiert wird. In den 161 Minuten wird man als Zuschauer öfter in der kargen Gesellschaft allein gelassen. Zwar kann man Tuco als Labertasche bezeichnen, aber umso weniger redet der Blonde. Sowieso ist das nicht sein richtiger Name und wir erfahren eigentlich nichts über den Menschen, was ihm eine gewisse Coolness und Abgebrühtheit verleiht. Sentenza taucht eigentlich nur am Anfang, in der Mitte und am Ende auf und ist ansonsten fast nicht im Film zu sehen. Das erklärt insofern auch die Wahl des deutschen Titels, denn Clint Eastwood und Eli Wallach haben mit Abstand am meisten Screentime. Schließlich ist es Tuco, dessen Bruder wir kurz kennenlernen und der als einziger ein wenig mehr von sich preisgibt. Doch schnell geht es weiter und man merkt, dass Familie und Freundschaft nichts zählen.

Satirisch wird es dann vor allem in Szenen zum Ende hin, in denen der Blonde und Tuco zur Armee gelangen und so hautnah die Wirren des Bürgerkriegs vorgezeigt bekommen. Es bekriegen sich beide Seiten monatelang um eine Brücke. So rennen pünktlich tagtäglich Männer aufeinander ein und bringen sich gegenseitig um, um kurz darauf auf einer Bare oder in einem Sarg wieder zurückgebracht zu werden. Der ernste Tenor bleibt und erreicht hier ein Stück Sozialkritik, was man dem Film hoch anrechnen kann. Zumal man gerade Western als ein eher oberflächliches Genre betrachtet, schließlich haben obercoole harte Männer auf Pferden mit Schießeisen keine Zeit, eine politische Meinung zu haben. Die Unmenschlichkeit, die so ein Krieg mit sich bringt, wird dann an einem einzelnen jungen Soldaten verdeutlicht, der im Sterben liegt und der von seinen Leuten zum Krepieren zurückgelassen wurde. Das ist ein Moment, in dem Sergio Leone die Fesseln des Western-Settings aufbricht und glasklar vorführt, dass Krieg scheiße ist, egal auf welcher Seite man steht.

Das Finale ist dann schließlich eine minimalistische, aber gerade auch deswegen sehr erinnernswerte Szene. Da sprechen die Protagonisten fast nur noch mit den Augen. Und am Ende wird man dann doch, trotz der ganzen schlechten Dinge und der menschlichen Abgründe, mit einem Lächeln aus dem Film entlassen. Für mich ist ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘ ein runder Film. Es gibt keine zufälligen und unausgereiften Stellen, in denen man das Gefühl bekommt, hier wäre Sergio Leone nichts eingefallen. Und meiner Meinung ist es die Stärke des Films, nicht alles zu zeigen. Damit meine ich, dass man sich als Zuschauer das eine oder andere dazudenken muss, gerade weil beispielsweise Sentenza eher nicht so oft auftritt und dann plötzlich in militärischer Funktion auftaucht. Wer generell Western mag, wird viel Freude hieran haben. Und auch wenn man sonst nicht so auf Cowboys steht, sollte man Sergio Leone die Chance geben, einen vom Gegenteil zu überzeugen. Meiner Meinung nach ist nämlich ‚Il buono, il brutto, il cattivo‘ herausragend und eine ganze Spur unterhaltsamer als Leones ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘. Dass der Soundtrack von Ennio Morricone großartig ist, sollte spätestens dann klar sein, wenn man die Musik kennt, ohne je den Film gesehen zu haben.

Und selten sieht man so eine coole Sau wie Clint Eastwood. Das Bild von ihm mit Zigarre und Poncho ist so ikonisch und lässig, dass man den Eindruck nicht los wird, dass er bereits mit Stoppelbart und Revolver am Mann zur Welt gekommen sein muss. Dabei ist ‚Zwei glorreiche Halunken‘ inhaltlich das Prequel zu ‚Für ein handvoll Dollar‘ (1964) und ‚Für ein paar Dollar mehr‘ (1965) und schließt die Dollar-Trilogie ab. Damit tritt Clint den Filmreihen um Frodo, Bruce und Neo aber sowas von dermaßen in den Arsch, dass die freiwillig bei imdb ein paar Plätze unter ihm bleiben.

 

Regie: Sergio Leone (Spiel mir das Lied vom Tod, Für eine handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr, Es war einmal in Amerika, Mein Name ist Nobody)

Schauspieler: Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach

Bewertung: 

Cowboys & Aliens (2011)

Ein einsamer Cowboy (Daniel Craig) wacht irgendwo im nirgendwo auf und weiß weder, wer er ist, noch, warum er da ist wo er ist. In der nächsten Stadt gelangt er schließlich zu seinem Namen, denn scheinbar ist er wohl ein gesuchter Straftäter. Das fällt auch dem Gesetz auf sowie dem Quasi-König des Kaffs, dem Colonel (Harrison Ford). Nach einer guten Weile kommen schließlich noch Aliens ins Spiel, welche Menschen entführen und ein bisschen umherballern. So werden diverse Leute entführt und man macht sich in einer illustren Runde auf den Weg, den Tag zu retten und alle gesund nach Hause zu bringen.

Der Sci-Fi-Western-Film ist fast genau zwei Stunden lang. Und das ist auch meiner Meinung nach das größte Problem: Er ist zu lang! Fast eine Stunde lang wird nach den Aliens gesucht, nebenbei trifft man auf Banditen, Indianer, erfährt, dass die eine Frau (Olivia Wilde) auch nicht von der Erde ist (SPOILER!) und trifft kurz auf ein einzelnes Alien. Hier geht dem eigentlich interessanten Setting die Puste aus. Es ist durchaus nett, zwei so vollkommen nicht zueinander passende Genres zu mixen, aber nur weil man irgendwie einen Western dreht, muss man nicht auch noch z. Bsp. Indianer ins Spiel bringen. Mut zur Kürze! Das hätte den wirklich laaaaangen mittleren Teil, also die Verfolgung bzw. Suche deutlich knackiger gemacht. Die Story beruht auf einem Comic und es scheint so, als ob man sich nicht traute, einfach irgendwas wegzulassen. Stattdessen musste einfach alles draus auch in den Film.

Betrachtet man nur den Western-Part, so gibt es da schon Unterschiede. Daniel Craig ist ein markiger, raubeiniger und verdammt cooler Cowboy. Harrison Ford ist Bösewicht und Vater zugleich, auch charismatisch. Und dann gibt es so unglaublich bescheuerte und beknackte Leute, allen voran den Sohn des Colonels, der nichts weiter tut außer Scheiße zu faseln und unsympathisch zu sein. Sam Rockwell spielt einen Barkeeper, dessen Frau entführt wird. Und wer ihn aus ‚Moon‘ kennt, weiß, dass hier viel schauspielerisches Können in eine einfach nur nicht besonders anspruchsvolle, ja geradezu doofe Rolle gesteckt wurde. Insofern gibt es bessere Western, sowohl moderne (True Grit, Todeszug nach Yuma, Open Range) als auch alte (Zwei glorreiche Halunken, Spiel mir das Lied vom Tod, Für eine handvoll Dollar).

Die Sache mit den Aliens ist auch nicht völlig befriedigend. Die Viecher sehen cool aus, die Raumschiffe sind nett. Doch warum man unbedingt so ins Details gehen musste, um zu erklären, warum die überhaupt auf der Erde sind… Das Problem an der Sache ist, dass es eigentlich ganz cool wäre, wenn unsere Cowboy-Helden mit ihren beschränkten Mitteln sich solchen Dämonen stellen müssten, waffentechnisch unterlegen als auch vom Wissensstand. Nun stellt sich jedoch heraus, dass eine Person ganz genau alles weiß. Das wirkt dann immer so dahingeschustert. Als Zuschauer muss man es dann halt schlucken. Ich denke, ein wenig weniger Details und mehr Unklarheit hätten dem Setting ganz gut bekommen. Und so gibt es auch bessere Alien-Filme, allen voran die ersten beiden Teile der Alien-Saga mit Sigourney Weaver, aber auch das supergeile ‚District 9‘ oder ‚Cloverfield‘.

Ansonsten ist ‚Cowboys & Aliens‘ solide und alles in allem akzeptabel. Es gibt Längen, die sich aber aushalten lassen und auch ganz nette Effekte. Ich musste eine Weile überlegen, bis mir etwas einfiel, dass dem Genremix ähnlich kommt, doch siehe da: Firefly! Firefly ist eine Sci-Fi-Serie mit Western-Elementen, die leider nur eine Staffel hat, sich jedoch dank DVD-Vermarktung und einem richtig guten Film (Serenity – Flucht ins Weltall) einer großen Fanbase erfreut. Die mischen Cowboy-mäßige Ballereien mit Raumschiff-Alltag. Ansonsten ist die Riege der Sci-Fi-Western eher überschaubar, ‚C & A‘ ist jedoch garantiert nicht der schlechteste darin.

Regie: Jon Favreau (Iron Man I + II, Zathura, Buddy – Der Weihnachtself)

Schauspieler: Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde, Sam Rockwell

Bewertung: 

True Grit (2010)

Ein kleines Städtchen in Arkansas. Der Vater der 14-jährigen Mattie Ross (Hailee Steinfeld) wird ermordet. Auf eigene Faust bezahlt sie den heruntergekommenen Marshall Reuben „Rooster“ Cogburn (Jeff Bridges), dem flüchtigen Mörder Tom Chaney in ein Reservat zu folgen. Zu den beiden gesellt sich noch Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon), welcher schon länger Chaney auf den Fersen ist und diesen ausliefern will.

Der Film ist ein Western, wie man ihn sich nur wünschen kann. Das Rachemotiv trägt bis zum Ende. Die Gruppe aus den beiden Männern und dem Mädchen ist sehr unterschiedlich und die diversen Dialoge unterhalten ungemein.

Gleichzeitig ist vieles sehr rau und in gewisser Weise auch brutal. Der wilde Westen wird mit seinem ganzen Dreck und seiner Häßlichkeit präsentiert, angefangen bei Alkoholismus über gefährliche Tiere bis hin zu Amputation. Das macht ihn durchaus realistischer als die bekannten Western-Klassiker, was ihn herausstellt.

Herausragend sind die drei Hauptcharaktere. Das toughe Mädchen, der abgehalfterte Alkoholiker und der edle Rittersmann. Es ist nicht wirklich ein Buddy-Movie, dazu fehlt der Humor. Es gibt viele lustige Momente, die sich durch die Unterhaltungen ergeben. Letztendlich handelt es sich hier jedoch nicht um eine Komödie. Das zeigt vor allem das Ende, welches einen sehr harten Bruch zum Rest des Films darstellt, jedoch die Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit unterstreicht.

Im Endeffekt muss man sagen, dass alles sehr einfach und logisch ist und dadurch wie aus einem Guss erscheint. Die Dialoge überzeugen mindestens genauso wie die einzelnen schauspielerischen Leistungen. Wer dachte, Jeff Bridges war ein wenig Assi in ‚The Big Lebowski‘, so wird das hier über alle Maße getoppt. Ein ausgezeichneter Film für jeden, der auch nur im entferntesten etwas mit Western anzufangen weiß.

Regie: Ethan Coen, Joel Coen (The Big Lebowski, No Country for Old Men, Burn After Reading, Fargo)

Schauspieler: Hailee Steinfeld, Jeff Bridges, Matt Damon, Josh Brolin

Bewertung: