Unknown Identity (2011)

Martin Harris (Liam Neeson) kommt mit seiner Frau nach Berlin, um an einem wichtigen Bio-Kongress teilzunehmen. Er vergisst jedoch seine Aktentasche am Flughafen und will dorthin schnell alleine zurückfahren. Allerdings erleidet sein Taxi mit der Fahrerin Gina (Diane Kruger) einen Unfall und er wacht erst 4 Tage später mit großen Erinnerungslücken aus dem Koma auf. Als Martin wieder alles in Ordnung bringen will, scheint ihn niemand wiederzuerkennen, sogar die eigene Frau nicht. Zusätzlich ist ein anderer Martin Harris aufgetaucht und hat seine Identität angenommen, sodass er selbst nicht mehr genau weiß, wer er eigentlich ist.

Daraus entwickelt sich dann ein sehr unterhaltsames Detektiv-Spiel quer durch Berlin. Liam Neeson als Mann ohne Erinnerung und verloren inmitten Fremder. Die Handlung hat mir sehr gefallen, sie war durchweg spannend und konnte am Ende noch mal richtig gut überraschen (ohne zu viel verraten zu wollen). Insgesamt war ‚Unknown Identity‘ ein stimmiger Film, der von Anfang an zum Mitgrübeln einlädt. Zusätzlich ist es immer eine Wonne als Berliner Berlin in einem Film zu sehen und all die verwendeten Schauplätze zu kennen (Straße des 17. Juni, Adlon, Hauptbahnhof, Berliner U-Bahn & Tram).

Liam Neeson gefällt mir zusehnds mehr bzw. die Rolle die er verkörpert. ‚Unknown Identity‘ erinnert ein wenig an ’96 Hours‘, ist jedoch nicht so ein Action-Film sondern vielmehr ein Crime-Mystery-Action-Gemisch. In beiden Streifen hat seine Figur eine nachvollziehbare Motivation und erweckt Sympathie. Gefallen hat mir auch Bruno Ganz als alter Ex-Stasi-Schnüffler, der ein wenig Ost-Flair versprüht hat.

Überhaupt weiß ich nichts, worüber ich großartig meckern könnte. Es ist vielleicht vielmehr die Verwöhntheit von ähnlichen Filmen, die ‚Unknown Identity‘ nicht herauragend macht. So gibt es keine spannenden Dialoge, aber die vermisst man auch nicht wirklich. Vielleicht war auch das Ende nicht zu 100% überzeugend, denn eigentlich wird vor dem Finale eine moralische Frage aufgeworfen und dann nicht ganz zu Ende gedacht, sodass Liam Neesons Figur nicht das letzte Quentchen Zuschauer-Sympathie erreichen kann. Das macht ‚Unknown Identity‘ ein wenig flacher als er hätte sein können.

Es ist natürlich kein weltbewegender Film, den man hier serviert bekommt, aber so stelle ich mir zumindest gute Unterhaltung vor. Man langweilt sicht über die 113 Minuten nicht und fiebert der Auflösung entgegen. Großartige Komplexität erreicht die Identitäts-Sucherei natürlich nicht und die ‚Bösen‘ bleiben farblose und unwichtige Statisten, doch das stört den durchweg guten und stimmigen Gesamteindruck nicht. Ein ‚Die üblichen Verdächtigen‘ oder ‚Fight Club‘ stechen mehr heraus was die Story angeht und die Bourne-Trilogie ist packender, aber mit einem netten Mix aus beidem kann man auch anständig leben.

Regie: Jaume Collet-Serra (House of Wax, Goal II, Orphan)

Schauspieler: Liam Neeson, Diane Kruger, Bruno Ganz

Bewertung: