Captain Phillips (2013)

Tom Hanks hat bereits zwei Oscars für den besten Hauptdarsteller in der Tasche (Philadelphia und Forrest Gump) und weitere drei Nominierungen vorzuweisen (Big, Der Soldat James Ryan und Cast Away). Und als Captain Phillips darf er sich zumindest schon mal vorsichtig einen weiteren Platz für einen Goldjungen suchen, denn was er hier besonders zum Ende hin spielt, ist ganz großes Kino.

Richard Phillips ist Kapitän der MV Maersk, einem amerikanischen Containerschiff. Dieses wird vor der Küste von Somalia von einer kleinen Gruppe Piraten gekapert. Das ist dann tatsächlich auch schon die gesamte Handlung. Mehr braucht man nicht zu wissen. Als Geisel muss der Kapitän dann qualvolle Stunden und Tage in der Gewalt der ausgehungerten Banditen verbringen. Captain Phillips

Die erste Hälfte ist dabei noch eher ruhig und konventionell. Tom Hanks ist einfach nur ein bierernster älterer Herr, der das Kommando über einen großen Kahn hat und auf professionelle Art und Weise agiert. Mit zunehmender Dauer und besonders am Schluss baut sich eine so gewaltige Spannung auf, dass man trotz des Fehlens großer Actionszenen förmlich erdrückt wird. Regisseur Paul Greengrass gelingt es, den Druck immer wieder aufzubauen und stellenweise zu lösen, sodass man auch als Zuschauer nicht die Lust am Geschehen verliert. Und obwohl ich kein großer Fan von Greengrass‘ Wackelkamera bin, passt sie in dieses maritime Setting hinein und gibt dem Film eine gute Portion Leben. Dabei bleibt die Situation die meiste Zeit übersichtlich und leicht nachvollziehbar. Verfolgungsjagden, wie man sie aus dem Bourne Ultimatum kennt, gibt es einfach nicht.

So müssen die Darsteller den Film tragen. Und das tun sie. Nicht nur Tom Hanks spielt ähnlich stark wie in Cast Away, auch die vier afrikanischen Entführer machen ihre Sache gut, allen voran der Anführer Muse, gespielt von Barkhad Abdi. Obwohl man die Hintergründe der Entführer nachvollziehen kann und sogar etwas Mitleid hat, bleiben sie Antagonisten. Bei mir entstanden so im Laufe durchaus ambivalente Gefühle. Man sorgt sich um Phillips, doch den Tod wünscht man den Somaliern irgendwie auch nicht. Dabei haben diese vorher  rücksichtslos auf Zivilisten geschossen. Demgegenüber steht das amerikanische Militär, das den Piraten technisch um Lichtjahre voraus ist. Es ergibt sich eine beklemmende Mischung aus Leuten, die alle nicht unbedingt das tun wollen, was sie da gerade tun. Und die unmöglich vom gleichen Planeten stammen können.

Anfangs wirkt der Kapitän auch etwas fremd und abgeklärt. Man möchte fast denken, dass Tom Hanks hier nichts zu schauspielern hätte. Falsch gedacht. Gerade die letzte Szene mit Captain Phillips ist so bewegend und emotional, dass es einem selbst schon Tränen in die Augen treibt. Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass der vom Film inszenierte Psychoterror sich auf den Zuschauer überträgt. Man leidet mit. Ähnlich schlecht habe ich mich tatsächlich damals in der Szene in Cast Away gefühlt, als Wilson für immer verlorenging. Dafür kommen die Hintergründe der Piraten etwas kurz. Insofern gibt es nicht so wirklich eine tiefere Botschaft.

Captain Phillips ist und wirkt dabei mit 134 Minuten relativ lang, vor allem weil Greengrass einen fast dokumentarischen Stil pflegt. Der Realismus trägt jedoch ein großes Stück zur Atmosphäre bei, die mich vage an Flight mit Denzel Washington erinnerte. Dort ist der Protagonist allerdings charakterlich die Gegenthese zu der von Tom Hanks verkörperten Figur. Beide Filme leben jeweils von ihren großartigen Hauptdarstellern. Und keiner würde Hanks den Oscar für diese Rolle missgönnen, selbst wenn der Streifen hierzulande nicht so große Wellen geschlagen hat [ha ha].

 

Regie: Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung, Das Bourne Ultimatum, Flug 93, Green Zone)

Schauspieler: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=n8evZjn7IxM

The Purge (2013)

Die Prämisse von The Purge ist reichlich obskur. Wir schreiben das Jahr 2022. An einem Tag im Jahr darf jeder Amerikaner massiv die Sau rauslassen und morden, vergewaltigen und rumballern wie er oder sie gerade will. Ohne Bestrafung. Das senkt die Verbrechensrate und gibt den Leuten die Chance, das Tier in ihnen rauszulassen. Im Grunde also wie Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und mit mehr Mord und Totschlag als bei den üblichen Familientreffen. Man merkt bereits an der Idee, dass es sich hier um einen Indie-Film handeln muss. Das ist natürlich nicht verwerflich. Es ist jedoch auch nicht so, dass einen dieses Konzept von den Socken reißt.

The Purge

Am Abend der Purge-Nacht kommt Familienvater James Sandin (Ethan Hawke) nach Hause. Er hat ein Vermögen mit eigens für dieses Ereignis konstruierten Sicherheitsanlagen verdient. Seine Frau Mary (Lena Headey), die vermutlich dem einen oder anderen Gläschen Wein tagsüber nicht abgeneigt ist, der nerdige Psychopathen-Sohn Charlie sowie die frühreife Teenie-Tochter Zoey sind also wohlbehalten und in Sicherheit. Man will sich einfach für die Säuberungsnacht daheim einschließen und gemütlich den Terror aussitzen. Natürlich, wer hätte damit rechnen können, läuft nicht alles so wie geplant. Einerseits schleicht sich der Freund der Tochter ins Haus, bevor die Schotten dicht gemacht werden. Andererseits lässt der Sohnemann während des Purges einen Mann ins Haus, der von einer Gruppe Psychopathen verfolgt wird.

Und dann geht ein Psychospiel los. Die Leute draußen wollen den Kerl haben. Der versteckt sich im Haus und man kann ihn nicht finden. Nebenbei fällt der Strom aus und alles spielt sich in der Dunkelheit ab. Es stellt sich außerdem heraus, dass die Sicherheitsanlagen gar nicht mal so sicher sind. Das ist sicherlich ärgerlich.

Mit 85 Minuten Laufzeit ist The Purge erfreulich kurz. Das ist auch ganz gut so, weil man merkt, wie dem Film nach kurzer Zeit die Puste ausgeht. Das geht damit los, dass kein einziges Familienmitgleid sympathisch ist. Die Tochter ist die typische spätpubertäre Göre, der Sohn bringt auf dümmliche Art und Weise seine ganze Familie in Gefahr und Ethan Hawke ist irgendwie total merkwürdig. Im einen Moment will er seinen „Besucher“ noch foltern, im nächsten ist er plötzlich Humanist geworden. Was ihn aber nicht daran hindert, diverse Männer und eine Frau mit einer Schrotflinte in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Hier ist der Film sich dann offensichtlich nicht sicher, wie er seine Message rüberbringen soll. Denn auf der einen Seite soll man lernen, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben hat. Doch auf der anderen Seite scheint es den Protagonisten wenig auszumachen, Leute umzubringen. Tatsächlich ist es die Mutter, die sich hier am Ende als der stärkste Charakter etabliert, aber davor vergehen erst noch 80 Minunten. Dann ist der Film auch schon wieder vorbei. Es ist eben schiere Gleichgültigkeit, mit der man den einzelnen Protagonisten gegenübersteht. Keiner interessiert einen, niemand sagt irgendetwas Schlaues. Dialoge sind spärlich und das Gezeigte eben nicht ausdrucksstark genug, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen.

Furchtbar uninspiriert kommen die letzten fünf Minuten daher, in denen zwei unheimlich vorhersehbare Twists passieren. Dabei hat diese dystopische Zukunftsvision durchaus etwas Erschreckendes. Der Film vergibt aber überall sein Potential. Auch weil diverse Szenen wenig Sinn ergeben. Es wirkt zum Beispiel so, als ob das zweistöckige Haus 200 Zimmer besäße. Weil 10 Leute darin rumlaufen und sich nicht ständig auf die Füße treten. Die Bösen sind, außer dem Anführer, dermaßen gesichtslos, dass einem sogar klar wird, warum die alle Masken aufhaben. Vermutlich steht bei denen in ihrem Xing-Account lediglich das Hobby „Töte gerne Menschen“. Das soll einen als Zuseher schockieren oder anekeln, aber es ruft keine Emotion hervor. Auch weil diese Antagonisten nicht viel mehr als Gegner in einem Ballerspiel sind. Der Oberschurke, gespielt von Rhys Wakefield, soll dann ein Hybrid aus eloquentem Gentleman und mordlüsterndem Psychopathen sein. Seine Figur ist neben der der Mutter die einzige, die heraussticht. In der ganzen Geschichte wirkt sein Tun und Handeln aber aufgesetzt und bemüht cool. Der Joker aus The Dark Knight lässt grüßen.

The Purge spielt mit der Idee, dass eine entmenschlichte Gesellschaft zum Verlust von moralischen Werten führt. Und wie in Einzelnen, exemplarisch Ethan Hawke, dann doch der Sinn für die gerechte Sache geweckt wird. Leben sind nichts mehr wert, wobei die Reichen eine tolle Lösung gefunden haben, damit sich die Unterschicht selbst auffrisst. Das ist schön und gut. Es wäre aber vermessen, dem Film viel Tiefgang zu unterstellen. Zumal die Message am Ende nicht subtil, sondern viel mehr mit der Brechstange in den Zuschauer reingeprügelt wird. Tatsächlich hätten vielleicht ein paar Minuten mehr den Charakteren ganz gut getan. So hat James DeMonaco als Regisseur und Drehbuchautor einen kurzweiligen, aber auch genauso emotionsarmen Film gemacht. Dabei gibt es vor allem mit Funny Games, aber auch mit Equilibirum, V wie Vendetta, Children of Men, Gattaca, 1984 und Blade Runner thematisch ähnliche Werke, die sehr viel besser funktionieren. Verdammt, sogar Panic Room war spannender. Der Herr Pönack kann The Purge sehr viel mehr abgewinnen, wie hier nachzulesen ist. Mir geht es aber so, dass eine interessante Idee allein noch keinen guten Film macht. Vielleicht macht es das Sequel ja besser.

 

Regie: James DeMonaco (Staten Island, Drehbuchautor für Verhandlungssache)

Schauspieler: Ethan Hawke, Lena Headey, Rhys Wakefield

Bewertung: 

World War Z (2013)

Es gab einmal Zeiten, da waren Zombies noch eine Randerscheinung im Filmgschäft. John Romero hat das Genre dabei in den 60ern und 70ern massiv geprägt, wobei die Thematik noch viele Jahre eher Nische blieb. Dann war es einige Zeit lang ein wenig stiller um die lebenden Toten, bis in den letzten paar Jahren mit The Walking Dead, den 28-Filmen und leider Gottes auch der Resident Evil-Reihe zunehmend mehr Zombies ihren Weg ins Kino oder Fernsehen fanden. Und dann ist da World War Z. Der unumstößliche Beweis, dass Zombies endlich angekommen sind. Im Mainstream.

Gerry Lane (Brad Pitt) hat früher für die UN in Krisengebieten gearbeitet. Doch nun kümmert er sich lieber um seine Familie. Eines schönen Morgens bricht die Zombie-Apokalypse über die Welt herein und die Lanes rennen um ihr Leben. Dank seiner vorzüglichen Kontakte kommt die Sippe auf einem Flugzeugträger unter und Gerry macht sich auf den Weg, die Ursprünge der Seuche ausfindig zu machen. Dabei reist der Globetrotter unter anderem nach Südkorea und Israel.World War Z

Dabei bleibt die Handlung stets linear und simpel, was dem Film sehr gut tut. Es wird eben nicht unnötig komplex. Daher wirkt World War Z mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit sehr straff. Für Längen bleibt keine Zeit. Auch die Schauplatzwechsel tragen dazu bei, dass sich keine Langeweile einstellt. Über den Realismusgehalt eines Zombie-Streifens kann man sich natürlich immer streiten, aber die Story ist alles in allem konsistent und alles funktioniert wie es soll. Es macht halt Sinn, warum Brad von A nach B muss und sich dadurch schrittweise der Rekonstruktion der Geschehnisse nähert. Lediglich ein gezeigter Flugzeugabsturz in der zweiten Hälfte ist irgendwie zu viel des Guten, stört aber nicht nachhaltig.

Die Geschichte ist also in Ordnung. Was jedoch eher Bauchschmerzen bereitet, sind die Charaktere. Brads Famillie zum Beispiel ist leider völlig belanglos und stellenweise störend. So ruft ihn seine Frau im natürlich denkbar schlechtesten Augenblick an und beschwert sich vor dessen Abreise noch, dass er nicht wieder seinen alten Job aufnehmen soll. Da steht die Menschheit vor ihrer Vernichtung, aber die Frau stellt ihre Befindlichkeiten über das Wohl der Spezies. Interessanterweise schafft es World War Z allerdings, die Szenen mit Brads Familie sehr gering zu halten. Stellenweise weiß man nicht mal, was mit ihnen los ist. Dadurch fällt dieser Kritikpunkt zum Ende hin nicht mehr sehr ins Gewicht.

Größter negativer Aspekt ist tatsächlich Brad Pitts Rolle, denn er ist einfach nur übermenschlich. Gerry Lane behält in jeder Situation seine Coolness und löst jedes Problem auf smarte Art und Weise. So wie MacGyver. Und als ob das noch nicht ausreicht, sieht er mit seiner blonden Mähne und seinen fürsorglichen Augen auch noch unverschämt gut aus. Relativ weit am Anfang hat er noch eine Auseinandersetzung mit einem Zombie, der ihm in den Mund hustet. Selbstlos stellt sich Brad auf den Rand des Häuserdachs, um sich im Falle einer Ansteckung vom Dach schmeißen und seine Familie vor sich selbst retten zu können. Solche wohlüberlegten Handlungen sind zu Beginn noch sehr nett, entmenschlichen den Charakter aber zusehends. Man sieht eben, wie selbst in den chaotischsten Situationen Brad die Übersicht und Ruhe behält. Angst kennt er nicht.

Und warum sollte er sich auch fürchten? Selbst in der schlimmsten Situation fällt ihm noch etwas ein. So verliert World War Z ein wenig an Spannung. Übrigens ist das eher kein Actionfilm. Ja, die aus dem Trailer bekannten Massenzombie-Szenen tauchen auf, sind aber sonst sehr rar gesät. Das ist nicht schlimm, doch die Werbung versprach etwas anderes. Dafür ist das Finale überraschend anders und zaubert einem schon so ein verschmitztes Lächseln aufs Gesicht. Kann man, oder eher darf man einem so tollen Mann wie Brad Pitt ein paar Unzulänglichkeiten nicht verzeihen?

Bleibt die Frage, für wen dieser Film eigentlich gemacht ist. Tja, vermutlich für alle außer Zombie-Film-Liebhaber. World War Z ist so poliert und frei von Kanten, dass tatsächlich der Großteil der Menschheit auf seine Kosten kommen könnte. Sogar Kinder, denn jedes Anzeichen von Gewalt oder Blut wird halbwegs geschickt kaschiert. Und wer Action mag, bekommt sie. Wer gerne einem schönen Mann zwei Stunden lang zuschauen möchte, kriegt auch das. Und hier ist das Problem: Der Streifen hat überhaupt keine Seele. Dem Gesehenen steht man die meiste Zeit emotionslos gegenüber. Vor allem, weil man sich auch offensichtlich nicht entscheiden konnte, eine Richtung einzuschlagen. Ein bisschen Horror, hier und da Aciton, vereinzelte Thriller- und Krimielemente. Die ganze Suppe made in Hollywood funktioniert tatsächlich auch. Aber bleibt auch irgendeine Szene in Erinnerung? Nein.

Warum auch? Der Film ist ganz klar und offensichtlich nicht die Visualisierung einer künstlerischen Idee. Keine Botschaft oder Message steckt hier drin, keine neue Geschichte wird erzählt. Es wurden allerhand populäre Elemente aus anderen Zombiefilmen genommen, um ein Produkt herzustellen. Und Geld zu verdienen. Das ist World War Z: ein Produkt, beworben von Brad Pitt. Man wird unterhalten und es gibt keine eklatanten Fehler im Film. Ein professionelles Produkt eben. Doch eben auch nicht mehr. Willkommen im Mainstream.

 

Regie: Marc Forster (Ein Quantum Trost, Schräger als Fiktion, Monster’s Ball)

Schauspieler: Brad Pitt, Moritz Bleibtreu!

Bewertung: 

Fast & Furious 6 (2013)

Ich weiß noch nicht, was mich mehr verblüfft. Der Fakt, dass es bereits sechs Teile dieser Reihe gibt oder die zunehmend positiveren Ratings von Zuschauern und Kritikern. Und habe ich schon erwähnt, dass dieser eine Film hier knapp 700 Millionen Dollar eingespielt hat bisher? Weltweit hat das Franchise weit über 2 Milliarden an den Kinokassen eingenommen. Der Erfolg liegt an mehreren Dingen, auf die ich später eingehen werde. Zuallererst möchte ich jedoch alles Negative aufzählen, dass dem Nicht-Fan der Reihe sofort ins Gesicht springt.Fast & Furious 6

Die Handlung ist total dämlich: Verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew soll andere verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew aufhalten, denn die Polizei ist zu dämlich. Letty (Michelle Rodriguez) ist doch nicht tot. Irgendein Scheiß soll gestohlen werden und unsere Helden sollen das verhindern. Dabei ist jeder einzelne Charakter dämlich. Vin Diesel hat nicht einen schlauen Satz zu sagen und bildet trotzdem den Kopf der Bande. Ständig brabbelt er von familiären Werten, doch eine emotionale Auseinandersetzung gibt es ohnehin nicht. Und wirklich sympathisch ist er auch nicht. Der Rest der Bande ist genauso flach wie man es aus den Vorgängern kennt.

Die Krone der schauspielerischen Leistung zeigt Michelle Rodriguez, die ihre typsiche Rolle „spielt“. Mit finsterem Blick und einer Mimik, als ob sie permanent an Scheiße riechen müsste, bildet sie sogar mit den Dreh- und Angelpunkt der nicht vorhandenen Handlung. Geschenkt. Dwayne Johnson, Tyrese Gibson und Ludacris sind auch nicht viel besser. Der Bösewicht Shaw wird verkörpert von Luke Evans. Sein Plan, ein von der Nato beherbergtes IRGENDETWAS zu stehlen ist, naja, sagen wir mal nicht unbedingt nachvollziehbar. Aber hey.

Die Logik geht dem Film beim Finale völlig abhanden, wenn ein Flieger auf einer mindestens 50 Meilen langen Landebahn unterwegs sein muss. Ach ja, man kann übrigens mit Autos durch Flugzeuge krachen. Dabei habe ich noch gar nicht die vorherige minutenlange Sequenz mit einem Panzer auf einer Autobahnbrücke erwähnt, in der Vin Diesel einen Stunt vollführt, der, selbst wenn er funktionieren dürfte, seinen Körper doch mindestens in einen anderen Aggregatzustand befördern müsste. Der Übergang von der Panzer- zur Flugzeugszene wartet in Sachen Nachvollziehbarkeit mit neuen Genrestandards auf, wenn der böse Bube erst laufen gelassen wird, um ihn dann kurz darauf doch zu verfolgen und natürlich noch einer der guten Mitstreiter sich in einem furiosen Twist als Maulwurf entpuppt hat. Die Action ist so dermaßen übertrieben und unrealistisch, dass selbst Die Hard wie ein ruhiger Krimi wirkt. Nebenbei rotieren alle berühmten toten Physiker im Grab, denn die Gesetze der Natur werden nicht nur einmal gebrochen.

Fans der Reihe freuen sich aber über das ganze Zeug. Zumal der Film an alle vorherigen Teile anknüpft und Verbindungen aufspannt. Und deswegen feiern die Leute diesen Streifen so. Da wird die Szene aus Teil 3 nochmal gezeigt und ergänzt, genauso mit Teil 4. Das soll eine komplexe Welt vermitteln, ist jedoch eigentlich Augenwischerei, denn die Fast & Furious-Dimension ist weit davon entfernt, Tiefe zu besitzen. An allen Ecken und Enden werden Vin Diesels Prinzipien erwähnt und was für ein ehrbarer Mann er ist. Trotzdem scheint der Verlust eines Crew-Mitglieds am Ende niemanden wirklich zu kümmern. Ich könnte mich über die Unlogik stundenlang aufregen. Aber das wäre ohnehin vergeudete Zeit. Wer die Reihe mag, wird auch hier Spaß haben. Dass die Serie schon lange nichts mehr mit Autorennen zu tun hat und bald mehr Folgen als Police Academy vorzuweisen hat, ist genauso erstaunlich wie die Menge an Material und Autos, die bei der Produktion vernichtet wurden. Ständig fliegt was in die Luft und überall laufen muskulöse Männer und schöne Frauen rum. Eine polierte und oberflächliche Welt ohne viel Raum oder Zeit zum Nachdenken. Vielleicht ist es ganz gut so, dass Fast & Furious 6 einem keine Zeit zum Grübeln lässt. Denn sonst bröckelt die Fassade.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ihr mögt die Filme? Guckt euch Teil 6 an und habt Spaß damit, freut euch auf Teil 7 mit einem neuen coolen Schurken, der hier kurz am Ende vorgestellt wird. Ich werde kein Fan der Reihe mehr. Klar, hirnlose Action ohne Tiefe kann Spaß machen. Aber muss man daraus gleich 7 Filme machen?

 

Regie: Justin Lin (Fast & Furious III, IV, V)

Schauspieler: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Sung Kang, Ludacris, Luke Evans, Jordana Brewster, Gal Gadot

Bewertung: 

 

 

hoerdatei Episode 4: Die Hard

In Episode 4 geht es um die Stirb langsam-Reihe, die fulminant beginnt und mit dem fünften Teil inzwischen massiv und drastisch abgebaut hat. Eine Reihe, mit der wir aufgewachsen sind und die trotz ihres alternden Helden irgendwie nichts dazugelernt hat. Mit an Bord sind Severus Snape, Carl Winslow, ein Düsenjet und natürlich Tschernobyl.podcast logo

Zudem haben wir diesmal mit Skype aufgenommen, was sich positiv auf die Qualität der Aufnahmen ausgewirkt haben dürfte.

Spoilerwarnung! Auch wenn es nicht viel zu spoilern gibt, das Ende vom ersten und zweiten sowie dem fürchterlichen fünften Teil verraten wir. Zudem wird Harry Potter gespoilert, also Vorsicht, wer gerade noch mitten im sechsten Teil steckt!

 

 

00:05:06 Stirb langsam, McClane und Carl Winslow gegen Snape

00:24:39 Stirb langsam 2, McClane gegen Django

00:36:59 Stirb langsam: Jetzt erst recht, McClane und Samuel gegen Snapes Bruder

00:47:00 Stirb langsam 4.0, McClane und der Mac und Silent Bob gegen Hitman

01:05:20 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben, McClane gegen RUSSLAND

01:21:10 Persoenliche Rankings

01:31:17 Ende

 

 

weiterführende Links:

[youtube] Alternatives Ende von Stirb langsam 3 spill.com-review zu Stirb langsam 5 How to fix Die Hard 5

[n24] Reise zum Sarkophag

[imdb] Stirb langsam Stirb langsam 2 Stirb langsam: Jetzt erst recht Stirb langsam 4.0 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben

Stirb langsam (1988)

Es war das Jahr 1988, als sich inmitten der Schwarzeneggers und Stallones ein barfüßiger und mit Blut beschmierter Typ im Unterhemd erhob, um einer Bande von deutschen Terroristen, angeführt von Severus Snape, gehörig in den Allerwertesten zu treten. Dass Bruce Willis selbst in Idar-Oberstein geboren ist und bis dahin nur durch die Krimiserie ‚Das Model und der Schnüffler‘ (im Original ‚Moonlighting‘) bekannt war, sind nur kleine Randnotizen. Schließlich hat uns ‚Die Hard‘ erst gezeigt, dass man keine delphingroßen Bizepse braucht, um den Tag zu retten. Oder Schuhe…

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) reist zu seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) nach Los Angeles. Schließlich ist es Weihnachten und um der beiden Kinder willen soll die Ehe gerettet werden. Doch auf der Feier von Hollys Firma im Nakatomi-Tower überfällt eine bis an die Zähne bewaffnete Bande von deutschen Terroristen (nicht Touristen!) die Gesellschaft und nimmt alle Anwesenden als Geiseln. Außer natürlich John McClane, der sich fortan im Unterhemd und barfuß alleine durch das Gebäude ballert.Stirb langsam

Ausgefeilt ist die Story nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein. Denn so schafft es der Film, John McClane nie hochzustilisieren zum übermächtigen und intelligenten Terminator-Rambo, der mit irgendwelchen komplexen Welteroberungsplänen konfrontiert wird. Zugegeben, nicht jeder wird mit einem Hochhaus voller böser Buben fertig. Doch McClane blutet, flucht und raucht ständig. Zudem scheint er permanent mit der Situation überfordet zu sein. Das macht ihn sehr sympathisch und einfach nur menschlich. Ich kann mich nicht erinnern, einen Arnold Schwarzenegger jemals barfuß in einem Film gesehen zu haben. Natürlich ist das wiederum nur ein kleines Detail, aber wenn sich später McClane die Füße an Glasscherben blutig schneidet, dann leidet man da mit. Und in welchem Arnold-Aciton-Film dieser Art hatte man jemals die Befürchtung, dass er es nicht packen würde? So ist McClane ein stinknormaler Sterblicher, der im Grunde einfach nur seinen Job erledigt, ohne dabei besonders viel Spaß zu haben. Aber einer muss es ja eben machen. Selbst an Weihnachten.

Der Held ist allerdings nicht alles, was ‚Die Hard‘ so gut macht. Der Kopf der Geiselnehmer-Bande namens Hans Gruber, verkörpert von Alan Rickman, ist skrupellos und böse, dabei aber zu jeder Zeit smart und eloquent. Er hat einfach Stil. Das gipfelt dann in einer Szene kurz vor Schluss, als sich Gruber für eine der Geiseln ausgibt, um McClane hinters Licht zu führen. Und warum auch nicht? Die beiden sind sich ja bis dahin noch nie wirklich begegnet. So schafft es der Film, auf durchaus subtile Art und Weise die Spannung oben zu halten. Der Rest der Bösen ist dann allerdings entbehrlich und nicht unbedingt ‚kluk‚, dafür aber allzeit besser bewaffnet als McClane, der dadurch stets unterlegen zu sein scheint. Zudem gibt es Seitenhiebe auf überhebliche Business-Affen und das überforderte FBI.

Was den Anfang der Stirb Langsam-Reihe um einiges besser macht als seine Nachfolger, ist, dass es im gesamten Film nur eine Szene gibt, in der die Action ausartet. Da kracht dann ein Heli auf das Häuserdach und McClane seilt sich mit einem Feuerwehrschlauch ab. Aber geschenkt, es passt alles immer noch gut zusammen. In den Sequels widerum nehmen diese „What the Fuck?“-Action-Sequenzen dann überhand. In Teil 4 gipfelt es in dem nett anzuschauenden, aber gleichzeitig auch vollkommen übertriebenen Kampf zwischen LKW und Düsenjet. So hat der erste Film auch einfach noch den Charme, mit 28 Millionen Dollar Budget ein billiger, dabei aber auch größtenteils realistischer wie auch nachvollziehbarer Actionstreifen zu sein. Beispielsweise wurde kostensparend das Fox Plaza als Drehort gewählt, welches auch Sitz der Produktionsfirma ist. Und am Ende wird ein Miniatur-Nachbau in die Luft gejagt. Das fällt aber gar nicht mal unbedingt auf. Die nach heutigen Maßstäben miesen Spezialeffekte von Teil 2 und 3 sind da viel mehr ein Dorn im Auge.

Was auch nicht wirklich astrein funktioniert, ist die Synchronisation. Das liegt weniger an den deutschen Sprechern, die einen tollen Job machen, sondern vor allem an der Tatsache, dass im Original von den Bösen ohne Untertitelung Deutsch gesprochen wird, was eben nicht so gut in der Lokalisierung funktioniert. Dadurch werden die Terroristen zu einer internationalen Verbrecherbande gemacht und Hans Gruber heißt dann auf einmal Jack. Manfred Lehmann, der Bruce Willis seine Stimme leiht und unter anderem auch aus der Praktiker-Werbung bekannt sein dürfte, ist zumindest im deutschen Sprachraum aber so ikonisch, dass es tatsächlich für manch einen ungewohnt sein dürfte, McClane im Original zuzuhören. Da muss dann jeder für sich selbst entscheiden, welche Version man vorzieht. Doch auch als Englisch-Laie vernimmt man an vielen Ecken deutsche Sätze (wenn auch nicht immer richtig) und vor allem die Bösen leiden weniger unter der Übersetzung.

Ungeachtet der Fortsetzungen ist ‚Stirb Langsam‘ ein verflucht guter Actionfilm, der von vorne bis hinten funktioniert und einem alles gibt. Sei es ein leidender Held, ein guter Bösewicht oder ein geflügeltes Wort. Verdammt, sogar Carl Winslow aus ‚Alle unter einem Dach‘ ist am Start! Dabei hat der Film dermaßen viel Einfluss auf das Action-Genre gehabt, dass man einfach nur den Hut ziehen muss (Alarmstufe Rot I + II, Passagier 57, Speed, Air Force One, Cliffhanger, Der Kaufhaus Cop, Con Air, Sudden Death). Und was gibt es schöneres an Weihnachten, als die Familie vor dem Fernseher zu versammeln und der wundersamen (und im TV arg geschnittenen) Geschichte um John McClane und Hans Gruber beizuwohnen? In diesem Sinne:

Yippee-ki-yay, motherfucker!

 

Regie: John McTiernan (Predator, Jagd auf Roter Oktober, Stirb langsam – Jetzt erst recht)

Schauspieler: Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson

Bewertung: 

 

 

Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

Sieben (1995)

Eines muss man den 90ern auf alle Fälle zu Gute halten. Neben dem ganzen Techno-Blümchen-Quatsch gab es eine große Anzahl guter Thriller: ‚Das Schweigen der Lämmer‘, ‚Die üblichen Verdächtigen‘, ‚L.A. Confidential‘ und ‚Mission Impossible‘. Tja, und natürlich ‚Sieben‘. Wer noch nie etwas von David Finchers Meisterwerk gehört hat, dem sei gesagt, dass es nicht um sieben Zwerge oder Geißlein geht, sondern um ziemlich brutale Morde. Aus irgendeinem Grund werden solche Filme heutzutage kaum noch gemacht. Weiß der Geier, wieso. Vielleicht waren aber auch die 90er ein magisches Jahrzehnt, indem man noch gute Geschichten erzählt bekam. Oder das Krimigenre ist einfach zur Gänze ins TV abgewandert und nennt sich nun CSI oder Law & Order und dergleichen…Sieben

Detective David Mills (Brad Pitt) wird zum bald in Rente gehenden Detective Lt. William Sommerset (Morgan Freeman) zugeteilt. Die beiden gehören dem Morddezernat irgendeiner amerikanischen Großstadt an und bekommen gleich am ersten Tag eine ziemlich übel zugerichtete Leiche vorgesetzt: Ein dicker Mann wurde offensichtlich solange vollgestopft, bis sein Magen geplatzt ist. Nachdem am nächsten Tag der nächste Ermordete auftaucht, neben ihm die Inschrift „Habgier“ und bei der ersten Leiche auch noch der Schriftzug „Maßlosigkeit“ gefunden wird, ist klar, dass es sich um eine Mordserie handelt. So spielt sich die Handlung innerhalb einer Woche ab und die beiden Cops müssen sich an den kleinen Spuren des Täters entlanghangeln, der offensichtlich in seinen Aktionen die sieben Todsünden darstellen will.

‚Sieben‘ ist trotz der grausig zugerichteten Opfer kein Splatter-Film. Natürlich ist das nichts für Kinder, aber die Gewalt erfüllt ihren erzählerischen Zweck. Dabei schafft es der Krimi, eine tatsächlich sinnvolle wie auch nachvollziehbare Detektivgeschichte zu erzählen, die in einem überwältigenden Finale einem lange im Gedächtnis bleibt. Mehr will ich nicht verraten, aber selten hat mich das Ende eines Films mehr mitgenommen. Und das ist auch gut so. Heutzutage sieht man viel zu oft dahingeschluderte Twists, die so rein gar nicht in die Handlung passen wollen oder plumpe Endfights zwischen dem Bösen und dem Guten. So packt ‚Sieben‘ einen, gelinde gesagt, ziemlich bei den Eiern.

Nicht zu vergessen ist das Cop-Duo aus Pitt und Freeman, die anfangs so rein gar nicht zusammenpassen wollen. Einerseits weil der alte Summerset durch seinen Job ein ziemlich unsympathischer Sack ist und andererseits weil Mills als junger Gesetzeshüter wie ein überhebliches Greenhorn daherkommt. So werden die beiden im Verlauf der Woche zusammengeschweißt und entwickeln sich tatsächlich. Und dadurch gewinnt das Duo dann auch beim Zuschauer an Sympathie.

Doch keine guten Helden ohne anständigen Antagonisten. Und gerade in ‚Sieben‘ gibt es keinen dummen Mörder, sondern einen cleveren und ebenbürtigen Gegenspieler, der zu keinem Zeitpunkt für den Zuseher berechenbar erscheint. Das ist eine große Leistung, denn auch wenn der Killer nie ein Sympath ist, so handelt er an keiner Stelle undurchdacht und macht das Finale so nochmal eine Spur smarter.

Überhaupt fügt sich ziemlich alles im Film gut zusammen. David Fincher, dem mit Alien 3 zugegebenermaßen kein gutes Erstlingswerk geglückt ist, hat dafür mit ‚Sieben‘ einen genialen und unterhaltsamen Thriller hinbekommen, der düster und packend eine wirklich geile Geschichte erzählt. Fincher hat einfach einen eigenen Stil, Filme zu machen, den man in jedem seiner Filme erkennen kann. ‚Verblendung‘ und ‚Fight Club‘, aber auch ‚The Social Network‘ und ‚Benjamin Button‘ sind allesamt in einem düsteren Ton gehalten.

Die 90er sind vorbei und mir fällt persönlich niemand ein, der irgendwas heutzutage im Stile von ‚Sieben‘ macht. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, so bleibt die zweistündige Jagd auf einen nach der Bibel mordenden Psychopathen umso einzigartiger.

Regie: David Fincher (Fight Club, Verblendung, The Social Network, Benjamin Button, Zodiac)

Schauspieler: Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow

Bewertung: 

 

Stolen (2012)

Manchmal passiert es, dass man Eurosport oder Sport 1 einschaltet und glaubt, ein hochklassiges Fußballmatch zu sehen. Brasilien gegen Argentinien. Qualifikation zur Weltmeisterschaft. Doch nach ein paar Minuten merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. Es schleicht sich ein vages Gefühl ein. Warum sind die Spieler alle so klein und das Stadion nur zu einem Zehntel gefüllt? Und wo ist Messi?Und dann beginnt man, im Teletext nachzuschauen und stellt erschrocken fest, dass es sich um die U17 handelt und Ernüchterung macht sich breit. Dumm gelaufen. Aber hin und wieder muss es ja nicht die Weltklasse sein. Es reicht halt weniger, um gut unterhalten zu werden.

Manchmal passiert es, dass man Pro 7 einschaltet und glaubt, einen hochklassigen Actionfilm zu sehen. 96 Hours. Mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Doch nach ein paar Minuten merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. Es schleicht sich ein vages Gefühl ein. Warum sind die Schauspieler so schlecht und die Handlung so dumm? Und wo ist Liam Neeson? Und dann taucht auf einmal Nicolas Cage auf und man stellt erschrocken fest, dass es sich eben nicht um 96 Hours handelt und Ernüchterung macht sich breit. Dumm gelaufen. Aber hin und wieder muss es ja nicht die Weltklasse sein. Es reicht halt weniger, um gut unterhalten zu werden.

Außer bei ‚Stolen‘, denn der Film ist reichlich blöd.

Will Montgomery (Nicolas Cage) ist ein Meister-Dieb aus New Orleans. Zusammen mit seinen Kollegen Vincent (Josh Lucas), Riley (Malin Åkerman) und Hoys (M.C. Gainey) erleichtert er eine Bank um 10 Milionen Dollar. Doch die Aktion geht schief und Will endet ohne Geld alleine im Knast. Nach acht Jahren kommt er wieder frei und will wieder Kontakt zu seiner mittlerweile entfremdeten Tochter Alison (Sami Gayle) aufbauen. Die weist ihn jedoch ab, wird dann aber kurz darauf von Vincent in einem Taxi entführt, der von Will die damals entwendeten 10 Millionen Dollar haben will. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit durch New Orleans, denn einerseits muss Will das Geld auftreiben und auch seine Tochter finden.

Der Film beginnt durchaus nett. Das Ausrauben der Bank ist angenehm und die anschließende Verfolungsjagd mit der Polizei meistert Nicolas Cage cool und realistisch. Dass seine Tochter eine ziemliche Bitch ist und der Rest seiner Bande irgendwie überflüssig, kann man verkraften. Allerdings beginnen nach einer Weile die Problemchen. Sein Kollege wird zum Bösen, weil keiner so recht weiß, was mit der ganzen Knete passiert ist. Doch der Plan mit der Entführung ist ziemlich bescheuert. So fährt Vincent den ganzen Tag lang durch die Stadt mit seinem Taxi und der Entführten im Kofferraum. Warum? Weil er es kann! Und weil er eine Flachpfeife ist. Natürlich wird er nebenbei von der Polizei angehalten und ist gezwungen, den Beamten umzulegen. Ist das vielleicht ein Zeichen, dass man sich lieber an einem Ort verstecken sollte? Nein! Nebenbei tobt ein Volksfest durch die Stadt, was dem Film so eine Art New Orleans-Flair geben soll. Das kann man mit einem Schulterzucken quittieren.

‚Stolen‘ dauert 96 Minuten und zur Mitte entsteht tatsächlich das Gefühl, dass der Film durchaus in Ordnung ist. Natürlich ist Nicolas Cage nicht Liam Neeson, aber eine gewisse Coolness hat er durchaus. Dann aber passiert das, was man schon die ganze Zeit befürchten musste. Halbherzigerweise muss Will in der Mitte nochmal einen Job abziehen, um die Knete zu beschaffen. Dadurch gerät die Geschichte ins Lächerliche, weil „Hey, ich hab gerade 5 Minuten. Wollen wir nochmal die gleiche Bank wie vor acht Jahren ausrauben?“ kein Satz ist, den man wirklich ernst nehmen kann. Ocean hat auch nicht beim Zähneputzen geplant, drei Casinos auf einmal auszurauben. ‚Contraband‚ hat einen ähnlichen Fehler gemacht, aber tatsächlich hat man Mark Wahlberg seine Rolle mehr abgekauft als Nicolas Cage, obwohl letzterer eigentlich ein viel besserer Schauspieler ist.

Und so büßt ‚Stolen‘ einfach alles ein, was in der ersten Hälfte noch sympathisch war. Das wirklich Schlimme ist dann das Ende, das völlig verkorkst ist. Der Showdown ist dermaßen dämlich, dass mir die Worte fehlen. Und die Szene nach dem Showdown, die nochmal zeigen soll, wie unglaublich clever Will Montgomery, der Meisterdieb, ist, macht es auch nicht besser. Damit ist ‚Stolen‘ der nächste schlechte Nicolas Cage-Film. Aber wie so oft liegt es nicht an ihm, sondern am überaus dämlichen Drehbuch. Das macht es auch nicht besser, aber das kleine Fünkchen der Hoffnung, dass in mir lodert und sagt, dass Cage irgendwann auch mal wieder einen guten Film bringen kann, existiert noch. Aber nur wie lange?

 

Regie: Simon West (Con Air, Wehrlos, Lara Croft: Tomb Raider, The Mechanic, The Expendables 2)

Schauspieler: Nicolas Cage, Josh Lucas, Danny Huston

Bewertung: 

 

30 Days of Night (2007)

Irgendeine Kleinstadt irgendwo in Alaska. Die Einwohner bereiten sich gerade auf die bevorstehende 30-tägige Nacht vor. Die meisten verlassen das Dorf einfach. Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett) aber bleibt und muss feststellen, dass sich die merkwürdigen Begebenheiten häufen. Nicht nur wurden die Hunde eines Anwohners allesamt bestialisch abgeschlachtet, auch ein Fremder (Ben Foster) taucht auf und muss vorläufig dingfest gemacht werden. Was der Ordnungshüter noch nicht ahnt, ist, dass eine Schar von Vampiren die Stadt überfallen und sich an den Anwohnern satttrinken möchte. Glücklicherweise hat Olesons Ex, Stella (Melissa George), ihren Flug verpasst und muss mit ihm ums Überleben kämpfen. Allerdigns sind 30 Tage eine lange Zeit und die Blutsauger haben gut Hunger mitgebracht.

Der Film ist mit 113 Minuten Laufzeit relativ lang und dabei öfter mal eher ruhig. Das liegt daran, dass die Protagonisten sich vor den schier übermächtigen Vampiren verstecken müssen. Gerade in der ersten Hälfte gelingt es dadurch, Spannung zu erzeugen, zumal es bis hierhin noch recht logisch zugeht. Mit zunehmender Zeit gerät ’30 Days of Night‘ zunehmend in Schwierigkeiten und es ergeben sich doch zahlreiche Logiklücken. Höhepunkt der Fehler ist, als in einer Szene zum Ende hin ein Vampir getötet und durch den Fleischwolf gedreht wird, um kurz darauf im richtigen Finale wieder am Start zu sein. Das könnte man noch verzeihen, aber dafür wirkt vieles andere konstruiert und nicht natürlich.

Stella meint, sie rennt los und lenkt die Widersacher ab. Daraufhin meint Eben, er macht das schon. Der Plan ist im Nachhinein ziemlich bescheuert, dass aber die Frau ohne mit der Wimper zu zucken Josh Hartnett in den schier sicheren Tod schickt, ist dagegen mehr als lächerlich. Und so verstrickt sich der Film zum Ende hin in zu viel und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Wenn dann einer unserer Helden in die Luft gesprengt wird, um dann aber doch irgendwie noch zu leben, wirkt das alles sehr merkwürdig.

Das ist wirklich schade, weil die Vampire eigentlich cool sind und veritable Gegner darstellen, vor allem ihr Anführer Marlow (Danny Huston). Dafür sind es dann die Menschen, die durch die Bank weg wenig Sympathie wecken und die meiste Zeit wie verängstigtes Vieh in der Ecke hocken. Stella ist so nervig und unrettenswert, dass man sich wundert, warum Eben auch nur einen Finger für sie krumm macht. Allerdings gibt es auch nicht so viele gut aussehende Weibchen da oben am Polarkreis, weswegen er entschuldigt sei. Der Rest der Bande ist ersetzbar und erschreckend farblos. Dagegen ist die Szenerie an und für sich nett und der Rahmen des Films durchaus erfrischend, auch wenn es vielleicht ein wenig an ‚The Thing‘ (Das Ding aus einer anderen Welt) erinnert.

Es gibt auch Blut zu sehen, stellenweise sogar auf ziemlich drastische Art und Weise. Das passt gut zu den bösen Vampiren, die dadurch unglaublich brutal und blutrünstig wirken. Es ist insofern dann schon eigentlich lustig, dass Regisseur David Slade drei Jahre nach ’30 Days of Night‘ auch Regie beim dritten Twilight-Film führte. Mit den handzahmen Regenbogen-Vampiren aus den Teeniefilmen haben die Kreaturen hier jedoch glücklicherweise wenig am Hut.

So ist ’30 Days of Night‘ ein netter Horror-Film und übrigens eine Comicbuch-Adaption. Er beginnt gut, zum Schluss geht der Geschichte jedoch ein wenig die Puste aus. Gerade die letzte Szene ist eher merkwürdig. Ansonsten ist der Streifen für Menschen wie mich, die etwas mit kleinen Horrorfilmchen anfangen können, durchaus sehenswert. Zumindest hinterließ er bei mir kein negatives Gefühl am Ende, ohne dass ich in Enthusiasmus ertrunken wäre. Wer dem Genre jedoch abgeneigt ist, wird sich sehr an den Logikfehlern und Ungereimtheiten stören und sollte die lieber die Finger hiervon lassen.

 

Regie: David Slade (Eclipse – Biss zum Abendrot, Hard Candy)

Schauspieler: Josh Hartnett, Melissa George, Danny Huston, Ben Foster

Bewertung: 

D-Tox – Im Auge der Angst (2002)

Willkommen auf der Beauty-Farm vom Trainer von Vampirjäger Blade, Kris Kristofferson. Irgendwo im amerikanischen Nirgendwo werden hier traumatisierte und drogenabhängige Polizisten vor einer malerischen Schneekulisse entschlackt und ermordet. Mittendrin unser Lieblingspolizist Sylvester Stallone, der in so einer Art Trauma versucht, sein Schauspieltalent zu entdecken, allerdings als moderner Don Quijote von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Der Hausmeister ist Tom Berenger (Inception, Training Day) und die Krankenschwester wird verkörpert von Polly Walker. Außerdem spielen noch ungefähr zwanzig weitere Protagonisten eine Rolle, deren Namen man sofort vergisst. Ein Glück benutzt D-Tox daraufhin jeden gottverdammten Namen dutzendfach pro Minute, um das eigene Gedächtnis zu trainieren.

Aber sachte. Worum geht es in diesem eineinhalbstündigen „Thriller“? Jake Malloy (Sylvester Stallone) ist FBI-Ermittler und einem Polizisten-Mörder auf der Spur. Dieser bringt seine Opfer auf bestialische Art und Weise um. Als Malloy ihm immer näher kommt, wird seine Frau ermordet und der Beamte wird depressiv. Alkoholisiert versucht er, sich das Leben zu nehmen. Das gelingt natürlich nicht und sein Kollege Hendricks (Charles S. Dutton) schickt ihn nach Wyoming, wo der Doc (Kris Kristofferson) eine Art Atombunker als Therapiezentrum für Cops führt. Bis hierhin hat man noch einen halbwegs akzeptablen Film, der aufgrund der Morde stark an ‚Sieben‘ erinnert. Aber leider kommen nun die letzten 60 Minuten.

Nach und nach werden die Patienten ermordet. Manchmal fragt man sich jedoch, wer denn nun genau tot ist. Schließlich hat man nur kurz alle zehn Insassen kennengelernt und die erste Leiche sieht man eher flüchtig. Dann teilt sich die Gruppe auch noch auf und wir erleben tatsächlich ein „lasst uns alle einzeln alles absuchen“. Dabei stirbt der eine oder andere. Und in dem ganzen Sterben wird unser Held Malloy in Einzelhaft gesperrt. Doch, wer hätte das gedacht, in der gottverdammten Zelle gibt es einen mannsgroßen Lüftungsschacht, den er mit seinem gottverdammten Ehering aufbekommt. Dann wird noch ein wenig mehr gestorben, es kommt zum Showdown und natürlich taucht die Nebenhandlung zum Schluss auf, die aus seinem Kollegen besteht, der in der Nähe Eisangeln war.

Alle in der Anstalt sind merkwürdige Arschlöcher und selbst Malloy hat nicht viel, was man an ihm mögen kann. Das liegt nicht zuletzt an Sylvester Stallone, der hier die Ausstrahlung einer Gurke hat. Und auch das Verwirrspiel darum, wer am Ende denn der Böse ist, ist ziemlich vorhersehbar. Nichtsdestotrotz ist die ganze Aktion von vorn bis hinten völlig bescheuert. Die Idee hinter der Einrichtung ist völlig hirnrissig und das Verhalten der Protagonisten, die alle (angeblich) Polizisten sein sollen grenzt an pure Dummheit. Und, oh Wunder, die heiße Krankenschwester wird zur einzigen Vertrauensperson unseres Psycho-Rambos. Das Finale ist vorhersehbar und am Ende hat man den Eindruck, dass die Hälfte der beteiligten Personen einfach vergessen oder rausgeschnitten wurden. Da ist dann irgendwann auch die, na nennen wir sie mal Spannung, verpufft.

D-Tox ist ein sehr trauriger Film, ohne jegliche Handlung oder auch nur ein bisschen schauspielerischer Leistung. Das ist ein von der Bank weg uninspiriertes Stück Müll, das vermutlich auf der Welle von ‚Sieben‘ schwimmen und mit den Namen Stallone, Krisofferson und Berenger werben soll. Ich habe wirklich nicht den blaßesten Schimmer, wem das hier gefallen sollte. Der Regisseur, Jim Gillespie, zeichnet sich verantwortlich für ‚Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast‘. Und genauso blöd wie diese Billigthriller aus den 90ern ist eben auch D-Tox. Da hilft auch nicht der auf cool gemachte Name (detox ist englisch für entgiften). Alternativen sind vor allem, wie bereits mehrfach erwähnt, ‚Sieben‘ und ‚Die purpurnen Flüsse‘. Die sind nämlich H-mmer.

 

Regie: Jim Gillespie (‚Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast‘, Venom)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Kris Kristofferson, Tom Berenger, Jeffrey Wright, Stephen Lang

Bewertung: 

A Lonely Place to Die (2011)

Im Deutschen heißt der Film tatsächlich ‚Todesfalle Highlands‘, was mir erst im Nachhinein aufgefallen ist. Sogar auf der DVD steht ‚A Lonely Place to Die‘. Ich weigere mich, diese blödsinnige und unnötige Übersetzung zu benutzen. Ohne über den Film zu urteilen, der Titel ist an sich gut gewählt und die deutsche Variante totaler Müll. Aber das ist man ja inzwischen gewöhnt von so machen Übersetzungen. ‚Todesfalle Highlands‘ klingt wie irgendein beliebiger Heimatfilm im Abendprogramm der ARD, während ‚A Lonely Place to Die‘ wenigstens Spannung und Interesse weckt.

Eine fünfköpfige Gruppe von Bergsteigern will eigentlich einen gemütlichen Kletterurlaub irgendwo in den britischen Bergen verbringen. Jedoch finden Alison, Ed, Rob, Alex und Jenny auf ihrem Trip ein völlig verwahrlostes und gefangenes kleines Mädchen, das sie mitnehmen. Das verstörte Kind stellt die Gruppe vor die Frage, wie es dort hingekommen ist und wie man so etwas nur jemandem antun kann. Nach kurzer Zeit beantworten sich die meisten Fragen von selbst, denn zwei Männer machen mit Scharfschützengewähren Jagd auf unsere Helden. Es entwickelt sich ein durchaus brutales und schonungsloses Rennen zur nächstgelegenen Stadt.

Es sei so viel verraten, dass man es in das Dörfchen schafft und der Film somit im letzten Drittel von einem ziemlich atmosphärischen Natur-Thriller zu einem recht gewöhnlichen Baller-Streifen verkommt. Das ist eigentlich ziemlich schade. In der ersten Stunde befindet man sich noch mutterseelenlein irgendwo im Wald bzw. im Gebirge und die Klettereinlagen geben der Sache einen abenteuerlichen Charme. Es wirkt oft realistisch, was die Gruppe da treibt. Die Entdeckung des Mädchens ist dabei ziemlich gruselig anfangs und eigentlich ziemlich nett umgesetzt. Dazu trägt eben vor allem die Kulisse bei. Problematisch sind dann die Auseinandersetzungen mit den Verfolgern. So stirbt einer der Protagonisten auf reichlich beknackte Art und Weise, die heroisch und mutig wirken soll, aber letztendlich ziemlich hirnrissig und einfach nicht nachvollziehbar ist.

In den letzten 30 Minuten gibt sich der Film dann Mühe, die Hintergründe der Entführung und der Angreifer zu erklären, was der Geschichte die ganze Spannung nimmt. Hinzu kommt der Schauplatzwechsel und der nicht mehr realistische Verlauf der Story. Die Verlorenheit in der Natur wird durch wilde Schusswechsel in einem beschaulichen Dörfchen verdrängt und so geht ein großer Teil der Atmosphäre verloren. Der Film bleibt zwar immer hart und es wird durchgängig und sinnlos gestorben, doch zum Schluss muss es dann doch noch einmal kitschig werden.

Problematisch ist in gewisser Weise auch die fehlende Sympathie der Reisetruppe gegenüber. Von den beiden Pärchen ist eines ziemlich nervig und der junge Mann, der keine Freundin hat, ist ein blödes Arschloch. Uns wird zwar 10 Minuten lang Zeit gegeben, uns mit den Personen anzufreunden, doch so richtig ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. Da geht es einem z. Bsp. bei ‚The Grey‘ mit Lian Neeson in der Hauptrolle deutlich anders. Hier erleben wir hautnah mit und fühlen den Schmerz und die innere Zerrissenheit. Bei ‚A Lonely Place to Die‘ sehen wir eine hübsche Sportlerin, die außer einem leeren Blick sonst nicht viel auszudrücken hat. Und dann werden wir zum Ende hin mit den bösen Buben vertraut gemacht, was weder interessant noch hilfreich ist. Der Mystery-Aspekt, den man anfangs noch hatte, weil die Bedrohung kein Gesicht besaß, geht verloren.

Am Ende haben wir hier einen kleinen und streckenweise netten Film, der besonders zum Ende hin viele Schwächen aufweist und gerne mal ein wenig in die Belanglosigkeit abdriftet. ‚The Grey‘ macht vieles besser, weil man durchweg in der Natur bleibt und wegen Liam Neeson. Trotzdem kommt hier oft Spannung auf und neben dem völlig überzogenen ‚Vertical Limit‘ und dem noch abstruseren ‚Cliffhanger‘ hat ‚A Lonely Place to Die‘ auch seine Daseinsberechtigung. Genauso wie der Ort des Geschehens eben nicht in der Nähe von Hollywood liegt, so ist das hier eben auch kein Blockbuster. Man muss es hier eben mit den Briten halten und einfach mal ruhig abwarten und Tee trinken.

Regie: Julian Gilbey (Rise of the Footsoldier, Rollin‘ with the Nines)

Schauspieler: Alec Newman, Ed Speleers, Melissa George

Bewertung: 

Haywire (2011)

Quiz-Frage: Was haben Channing Tatum, Antonio Banderas, Ewan McGregor und Michael Fassbender allesamt gemeinsam, ausgenommen, dass sie alle Schauspieler sind? Antwort: Allen Herrschaften wird mal so richtig ordentlich die Kauleiste poliert, undzwar von der MMA-Kämpferin Gina Carano! Denn in Haywire (zu deutsch ‚übergeschnappt‘) muss die toughe (und gut aussehende) Frau einer Menge Menschen ‚den Kopf verdrehen‘. Aber nicht im netten Sinne, denn hier wird gemordet und so mancher Knochen gebrochen. Wenn einem die genannten Schauspieler nicht ausreichen, dann seien noch Michael Douglas, Bill Paxton und Mathieu Kassovitz zu erwähnen. Das sollte doch genug Prominenz sein. Etwas anderes ist man schließlich von Regisseur Steven Soderbergh nicht gewohnt.

Es beginnt in einem kleinen Lokal zur Winterzeit. Mallory Kane (Gina Carano) sitzt darin und wird von Aaron (Channing Tatum) überrascht, der die gute Frau scheinbar verfolgt hat. Nach einem kurzen Wortwechsel kommt es zu einem harten Kampf, in dessen Verlauf dem guten Mann ziemlich übel zugesetzt wird. Dabei ist Channing Tatum nicht gerade ein Spargeltarzan. Mallory flieht mit einem zufälligen Passanten namens Scott (Michael Angarano) in dessen Auto. Die verletzte Frau erzählt dem jungen Mann die Umstände, die zu ihrer misslichen Lage geführt haben. Wir erfahren, dass Mallory für das Sicherheitsunternehmen von Kenneth (Ewan McGregor) arbeitete und dass sie bei einem Einsatz in Barcelona Aaron kennengelernt hat. Nach der erfolgreichen Verrichtung dieser Rettungsmission will Mallory Urlaub machen, doch Kenneth überredet sie zu einem weiteren kurzen Auftrag, aufgegeben von Coblenz (Michael Douglas) und Rodrigo (Antonio Banderas). So fliegt sie nach Dublin, um zusammen mit Paul (Michael Fassbender) zu arbeiten. Hier merkt sie jedoch, dass jemand ein falsches Spielt mir ihr treibt, sodass sie kurz darauf auf der Flucht vor der Staatsmacht ist.

Die Handlung wird in mehreren Rückblenden erzählt und ist dabei nicht unbedingt einfach zu verfolgen. So bleiben diverse Rollen von Leuten lange Zeit im Dunkeln und man sollte tatsächlich 90 Minuten Zeit haben, um dem Film aufmerksam zu folgen. So werden die Beziehungen dann letztendlich irgendwann final aufgelöst und erklärt, was in gewisser Weise an Soderberghs Ocean’s-Franchise erinnert. Herausragend, neben dem ganzen Boot voll mit tollen Nebendarstellern, sind die Kampfsequenzen mit Gina Carano. Man merkt zu jedem Zeitpunkt, dass die Frau weiß, was sie da macht. Ohne Stunt-Doubles oder Effekte oder dergleichen. Es ist schon cool, wenn sie einen durchtrainierten Kerl   nach einer wilden Prügelei mit ihren Beinen in die Sankaku-Würge nimmt, aus der man eben nicht so einfach herauskommt. Dabei erreicht der Film einen sehr hohen Grad an Realität und Glaubwürdigkeit.

Interssant und auch gewöhnungbedürftig ist dabei der Soundtrack. Wenn sie beispielsweise vor einer Polizeitstaffel über Häuserdächer flieht, ertönt keine aufgeregte Thriller-Musik, sondern ein mehr oder weniger ruhiges und souliges Gedudel. Das unterstreicht ihre Coolness. Als es dann doch zu einem Handgemenge kommt, verstummt die Musik und man hört nur noch Schläge und Schmerzensschreie. Und im nächsten Schnitt hören wir wieder Gedudel und verfolgen weiter ihre Flucht. An sich finde ich das schon ziemlich gelungen, auch wenn mir das auf Dauer dann doch zu distanziert wird.

Und nicht nur mit der Musik ist der Film sparsam, insgesamt ist das vorgesetzte Bildmaterial spartanisch. Das soll heißen, dass nicht jede von Mallorys Bewegungen und Aktionen gezeigt wird. Die meisten Filme hätten zum Beispiel gezeigt, wie sie jeweils in einen Flieger steigt, um die Stadt zu wechseln. Das macht Haywire nicht und so wird dieser Schritt der Fantasie des Zuschauers überlassen, was widerum eben Aufmerksamkeit erfordert. Ansonsten ist man recht leicht verwirrt. Krass spürbar ist das am Ende, das relativ plötzlich kommt, aber mit dem finalen Ausspruch unheimlich gelungen wirkt.

Mir persönlich hat Haywire ziemlich gut gefallen. Mallory Kane ist eine Art weiblicher Jason Bourne, nur ohne Wackelkamera. Und mit mehr Wumms. Die Kampfszenen stehen hier ganz klar im Vordergrund und überzeugen durch Authentizität und gute Choreographie. Es hat sich gelohnt, keine weltbekannte Schauspielerin für die Hauptrolle zu nehmen, sondern eine erfahrene MMA-Kämpferin. Dass der Film auf imdb lediglich eine Wertung von 5.9 hat, kann ich mir nur damit erklären, dass viele mit dem bisschen an Handlung, das Haywire hergibt, wenig anfangen konnten bzw. eben nicht aufmerksam genug waren und dass Gina Carano schauspielerisch nicht viel Erfahrung vorzuweisen hat. Vielleicht ist Soderberghs Art auch nichts für jedermann, schließlich spürt man auch hier seine Handschrift. Meiner Meinung funktioniert aber sein Stil, Filme zu machen, gerade in dieseo Agentenszenario sehr gut. Man muss ja nicht schon wieder irgendein krasses Casino mit hundert tollen Schauspielern überfallen.

Regie: Steven Soderbergh (Traffic, Out of Sight, Erin Brockovich, Ocean’s 11/12/13, Che, Contagion)

Schauspieler: Gina Carano, Channing Tatum, Michael Douglas, Antonio Banderas, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz, Bill Paxton

Bewertung: 

 

 

28 Weeks Later (2007)

Basierend auf den Ereignissen aus ‚28 Days Later‚ erleben wir, was nach der Epidemie geschieht. Das Virus, das Menschen in wütende Wilde verwandelte, scheint ausgerottet und unter amerikanischer Führung wird begonnen, Großbritannien wieder zu besiedeln. Don (Robert Carlyle), der den Alptraum knapp überlebte und aus Feigheit seine Frau zurückließ, trifft sich mit seinen beiden Kindern, die vor dem Ganzen ins Ausland gebracht wurden. Doch ist *suprise, surprise* der Virus wirklich weg? Oha!

So beknackt sich die Zusammenfassung anhören mag, der Film fügt sich sehr gut an den ersten Teil an. Vor allem die Anfangsszene, in der sich Don samt Frau und anderen Überlebenden vor den Infizierten verstecken und letztendlich überwältigt werden ist ziemlich hart und auch spannend. Vordergründig geht es irgendwie auch hier weniger um Splatter und Zombies, sondern viel mehr um die Menschen und wie sie damit bzw. miteinander umgehen. Insofern wird besonders das US-Militär drastisch, kalt und beinahe als unantastbar dargestellt. Beispielsweise werden viele Zivilisten weggeschlossen, woraufhin sich der Virus in der Masse ausbreitet und diese in ihrer Panik ausbrechen. Der darauf folgende Schießbefehl und die amerikanischen Soldaten, die mit der Aufgabe, Menschen und Erkrankte auseinanderzuhalten, überfordert sind, verdeutlichen den geringen Wert eines Lebens, zumindest eben für das Militär. Dons Kinder versuchen mit Hilfe von Scarlet (Rose Byrne), einer Militärärztin, und Doyle (Jeremy Rener), einem amerikansichen Scharfschützen, das verseuchte London lebend zu verlassen. Nicht nur die Infizierten erweisen sich dabei als Hindernis, sondern vor allem (eigentlich verbündete) Soldaten.

Besonders hart dabei ist, wie brutal teilweise auch mit Leuten umgegangen wird, von denen man annimmt, sie würden überleben. In jedem anderen Zombie-Film kann man üblicherweise an irgendeinem Punkt ausmachen, wer seinen Arsch aus der Scheiße ziehen wird. Dem ist hier nicht so. So stellt sich eben auch eine Tristess ein, denn jeder ist verwundbar. Es ist auch irgendwo ein Kampf für die Menschlichkeit, sowohl gegen die Zombies als auch gegen das Militär. Man kann das Gezeigte als Kritik gegen die amerikanische ‚Kolonialpolitik‘ der letzten Jahre auslegen, doch ich finde, dass man jede Armee, egal welchen Landes, dort hätte einsetzen können. Somit richtet sich der Film eher gegen die lebensverachtende Idee des Soldaten und Kriegers, der für das Töten anderer bezahlt wird.

Insgesamt geht ’28 Weeks Later‘ 100 Minuten und es werden öfter Handkameras benutzt. Eine Szene sieht man komplett durch das Nachtsichtobjektiv eines Scharfschützen. Der Film hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger eine linearere Struktur und mehr Elemente eines Survival-Films. Man muss sich zu einem Treffpunkt unter Zeitdruck durchschlagen. Das hat wohl ein bisschen was von Left 4 Dead. Ehrlich gesagt war mir keine der Figuren besonders sympathisch, außer vielleicht Doyle. Einerseits kennt man Jeremy Renner (The Town, The Hurt Locker, S.W.A.T.), andererseits widersetzt er sich seinen Anweisungen und tötet Kameraden, um das Leben der beiden Geschwister zu beschützen. Irgendwie scheint dem Jungen die Rolle des Waffen- und Schießexperten auf den Leib geschneidert zu sein, denn er spielt eigentlich immer ähnliche Rollen. Das soll aber nicht stören, schließlich ist er einer der Guten!

Das Problem an ’28 Weeks Later‘ ist, dass der erste Teil sehr logisch war. Vor allem was die Infektion und auch das Verhalten der Zombies betrifft. Hier jedoch gibt es ab und an Ungereimtheiten. Dass man die Story weiterführen will und dazu natürlich nicht den gleichen Film nochmal machen kann ist verständlich. Man sollte sich jedoch an die Gegebenheiten halten. So gibt es eine Szene, in der ein Infizierter einen Menschen mit einer Waffe zu Tode schlägt. Das passt nicht, denn das haben die Dinger vorher noch nie gemacht. Dadurch geht zum Ende hin ein wenig der erzählerischen Leichtigkeit flöten. Auch das Verhalten des Vaters der beiden Kinder im späteren Verlauf ist schwer in den logischen Grenzen des Films zu erklären.

Das kann einen stören, muss es aber nicht. Mir ist es aufgefallen, aber das soll nicht heißen, dass man mit einem riesigen „WTF!“ plötzlich dasitzt und meint, verarscht zu werden. ’28 Days Later‘ ist meiner Meinung nach jedoch atmosphärischer und die involvierten Personen einfach bedauernswerter. Die Kritik, die im zweiten Teil geäußert wird, ist härter und offensichtlicher, geradezu politisch. Das macht mir den Film sympathisch, denn ich kenne sonst keinen weiteren Zombie-Film, der auch nur ansatzweise solch einen Anspruch besitzt. Soviel dazu. ’28 Weeks Later‘ finde ich gut und wer den ersten mag, dem gefällt auch der zweite und der freut sich auch schon auf den dritten (2013 oder so). Hoffentlich sind dort dann nicht mehr die Amis für unsere Sicherheit verantwortlich, denn dann wären wir alle am Sack…

Regie: Juan Carlos Fresnadillo (Intruders, Intacto)

Schauspieler: Robert Carlyle, Rose Byrne, Jeremy Renner

Bewertung:  

28 Days Later (2002)

Im Internet gibt es alle möglichen Diskussionen, ob Zombies rennen dürfen oder nicht. Verfechter der leise dahinschlurfenden Untoten sind der Meinung, dass man das alte Konzept nicht brechen darf, dass George A. Romero einst mit ‚Night of the living Dead‚ installierte. Genauso gut könnte man Joanne K. Rowling dafür kritisieren, dass es keine Zauberer gibt oder George Lucas, dass Raumschiffe keine „Pew-pew“-Geräusche machen im Weltall und Laser nicht einfach so nach einem Meter aufhören. Sollte ein Klugscheißer ankommen und meinen, dass er die Zombies in ’28 Days Later‘ scheiße findet, weil die rennen, dann darf man ihn oder sie zurecht fragen, wo er denn Zombies gesehen hat? Denn richtige Zombies sind das nicht, sondern „Infizierte“! Die Leute sterben nicht und erstehen wieder auf. Die Infizierten können verhungern und sterben auch an normalen Wunden im Körper, nicht unbedingt nur durch Schaden am Kopf. Es dauert lediglich Sekunden von der Infektion zum Ausbruch der, wie so schön im Film beschrieben, WUT! Man hat es mit einem Virus zu tun, der einen in ein Zombie-ähnliches Wesen verwandelt, das andere zerfleischt, aber noch irgendwie ein Bewusstsein besitzt (ein bisschen zumindest), denn manchmal kotzen die Dinger Leute nur an, um sie (absichtlich) zu infizieren. Es sind also eher Kranke, was den Film ein Stück weit realistischer macht als den Rest des Zombie-Genres.

Natürlich ist auch das Krümmelkackerei und am Ende sowieso egal. Aber nehmen wir ’28 Days Later‘ doch einfach als einen Zombie-Film mit ‚modernen Zombies‘. Sie rennen, sind super wütend und beißen, töten, kotzen. Ekelig.

Beginnen tut das alles mit einer Bande Weltverbesserer, die Schimpansen in England befreien wollen, dabei jedoch eben den ollen Virus freisetzen, der sie zu Killern macht. Wir sehen, wie Jim (Cillain Murphy) im Krankenhaus aufwacht. 28 Tage nach Beginn der Katastrophe. Er ist nackt und allein. Jim zieht sich ein paar Klamotten, die dort rumliegen, an und kommt aus dem verschlossenen Zimmer, weil irgendwer unter der Tür den Schlüssel durchgeschoben hat. Schreiend schaut er sich um, doch niemand. Nichts. An einem aufgebrochenen Pepsi-Automaten bekommt er etwas zu trinken, nimmt sich ein paar Getränke in einer Tüte mit und betritt London. Dort erwartet ihn die große Leere: Ausgestorbene Straßen, Totenstille, Ungewissheit. Der Big Ben und wie die ganzen Sehenswürdigkeit auch heißen mögen, einfach niemand ist in Sicht. Jim ist völlig allein. Und man fühlt mit ihm. Der Anblick dieser Millionenmetropole ohne Menschenseele ist so grotesk wie furchteinflößend. Eine ganze Weile durchstreift er die Straßen und findet schließlich in einer Kirche eine große Ansammlung toter Menschen. Warum die dort sind oder ob sie sich selbst umgebracht haben, wer weiß? Er schreit, plötzlich recken ein paar Gestalten ihre Köpfe in seine Richtung und fangen an zu rennen. Der Priester kommt auf ihn zu, mit roten Augen und knurrend. Jim versucht auf ihn einzureden, will wissen was los ist. Im letzten Moment verprügelt er den geistlichen Infizierten mit seiner Tüte Dosen und sucht das Weite, verfolgt von rennenden Wütenden. Er bekommt Hilfe von zwei vermummten Gestalten und gelangt in Sicherheit. Fürs erste.

’28 Days Later‘ lebt stark von den erzeugten Emotionen. Das sind zumeist sehr negative, beispielsweise das verwaiste London. Hinzu noch den psychotischen Soundtrack und man hat eine Stimmung, die nur heulen zulässt. Denn wirkliche Hoffnung keimt selten auf. Wer gebissen wurde, muss sterben. Man hat nur Sekunden, bis ein angesteckter zu einem richtigen Infizierten wird. Darum gibt es nicht sowas wie in anderen Zombie-Filmen, wo einer gebissen, aber nicht umgebracht und man schon ahnen kann, was bald passieren wird. So entsteht eine kalte und raue Welt. Und zugleich ein realistisches Bild davon, was wäre, wenn der Ernstfall eintreten würde. Man merkt gleich zu Beginn, dass dies kein Film wie andere seines Genres ist.

Besonders zum grandiosen Ende hin wird deutlich, dass teilweise nicht die Infizierten die Bösen sind, sondern dass die Menschheit, selbt wenn sie vor dem Abgrund steht, immer noch in der Lage ist, sich gegenseitig Schlimmes anzutun. Das macht den Film zu einem durchdachten Abbild unserer Selbst und wie wir uns, wenn es darauf ankommt, im Stich lassen. Oder eben auch nicht. Ich will nichts spoilern, aber die letzten 20 Minuten sind wirklich wie aus einem Guss und sehr fesselnd.

Insofern ist dies kein Feel-Good-Movie. Es ist eine apokalyptische und geradezu alptraumhafte Achterbahnfahrt durch die Niederungen der Menschheit. Dazu trägt auch bei, dass die Zombies (oder halt Infizierte) rennen. Der Film wäre vollkommen anders, würden diese sich langsam bewegen. Es würde so einfach nicht funktionieren und insofern bin ich dankbar, dass dieser Stereotyp des Schleichens aufgebrochen und dadurch ein völlig neues Gefühl der akuten Bedrohung geschaffen wurde. Die einzelnen Charaktere sind nicht wirklich tiefgründig oder enorm wichtig, es wird auch nicht viel Wichtiges erzählt in den Dialogen. Aber darum geht es doch auch nicht, oder? Es geht wirklich nur ums nackte Überleben in einer Welt, in der man vielleicht doch nicht leben sollte. Es gibt in die Mitte hinein eine Szene, in der die Hauptprotagonisten einkaufen gehen und für einen kurzen Moment alles um sich herum vergessen, um einfach nur wie glückliche Kinder alles, was sie wollen, mitzunehmen. Mit dem Wissen, was sich auf den Straßen, in denen sie sich bewegen, zugetragen hat und noch immer zuträgt, ist das so eine unglaubliche Flucht aus der Realität, gleicheitig schön und grausam, denn wer weiß, was hinter der nächsten Straßenecke lauert?

Mir gefällt zudem Cillian Murphy unglaublich gut. Er wird komplett ins kalte Wasser geworfen und findet sich im worst-case-scenario wieder. Er schien mir glaubwürdig. Naomie Harris‘ Charakter gefiel mir nicht so gut, aber das sei mal dahingestellt. Ihre Beziehung zueinander wirkte im Nachhinein ein bisschen künstlich, was meinen guten Eindruck aber nicht zu trüben vermag. Jeder, der auch nur irgendwie etwas mit dem Szenario anfangen kann, sollte sich ’28 Days Later‘ anschauen. Denn der Film ist großartig. Außerdem ist das wohl der Zombie-Film, der mit Abstand am meisten Inhalt hat und auch die größte Seriösität besitzt. Man findet auf jeden Fall genügend Gesellschaftskritik darin, um ihn nicht als Splatter- oder Horrormovie abzustempeln. Was nicht heißen soll, dass darin nicht auch gemordet und mit Blut herumgespritzt wird. Jedoch finde ich, dass das hier keine Gewaltorgie ist wie manch reichlich dummer Splatterfilm (Hallo Saw 2 bis 15 & Hostel!). Also, bitte gucken.

PS: ’28 Days Later‘ ist der erste Teil einer (wer hätte das gedacht) Trilogie. Der zweite Teil ‚28 Weeks Later‚ und der wohl ab 2013 produzierte dritte Teil ’28 Months Later‘ folgen auf ihn und basieren logisch aufeinander.

Regie: Danny Boyle (Trainspotting, Slumdog Millionaire, 127 Hours)

Schauspieler: Cillian Murphy, Naomie Harris, Brendan Gleeson

Bewertung:  

Matthew Delaney: Golem (2010)

Die Welt im Jahre 2049: Praktisch jede Krankheit ist besiegbar, alles durch Veränderung der Gene. Die Firma Genico beherrscht den Markt, und so bleibt nur gesund, wer auch Geld hat. Zur gleichen Zeit werden Transkriptoren produziert, eine Art künstlicher Mensch mit Verfallsdatum, der jedoch über keine Rechte verfügt und ein moderner Sklave ist. Mittendrin ist unser Held, Thomas Roosevelt, Sohn des Konzerngründers. Als Herr Papa ihn und nicht seinen Bruder zum Nachfolger erwählt, eskaliert der brüderliche Wettstreit und Thomas ist plötzlich auf der Flucht.

‚Golem‘ ist ein Thriller über ca. 500 Seiten. Das Zukunfts-Szenario ist ganz nett und erfreulicherweise nicht ganz so bis ins kleinste Detail ausgemalt wie ‚Limit‚ von Frank Schätzing. Richtig Science-Fiction sieht man nicht (so wirklich, finde ich), Autos haben einen neuen Antrieb und die Sache mit den Genen halt. Der Rest erinnert einen an heute. Dezente Veränderungen. In ‚Limit‘ gab ja noch so viel neues, dass man seitenlang darüber unterrichtet wurde und bald nicht mehr wusste, was zur Hölle das alles denn soll.

Wir erleben, wie Thomas ein eigentlich sorgenfreies Leben in der Oberschicht führen darf. Sein Bruder hängt ihm jedoch einen Mord an und so wird er als Transkriptor abgestempelt, frei von Rechten, verheizt als Arbeiter und Gladiatoren-Kämpfer. Sonderlich bewegende Wendungen sollte man nicht erwarten, zumindest war mir früh schon klar, worauf alles hinausläuft. Es wird so oft mit dem Finger auf die Transkriptoren gezeigt und geschrien „Sie sind auch Menschen und verdienen Rechte!“, dass die Grundbotschaft natürlich etwas auch mit Thomas Roosevelt zutun haben muss. Doch wird wirklich Sozialkritik betrieben? Meiner Meinung nach nicht, was vor allem zum Ende hin deutlich wird. Eine Lösung wird nicht präsentiert, die Sklaven werden nicht wirklich befreit, die Welt wird zwar erschüttert, aber das interessiert uns da schon nicht mehr so. Das fand ich schade. So geht eigentlich eine Message flöten. Übrig bleibt ein futuristischer Thriller mit eher wenig Tiefgang. Da wäre mehr drin gewesen.

Besonders die erste Hälfte des Buches gefiel mir gut. Dort wurde noch viel von der Welt ‚gemalt‘, jedoch immer in eher kurzen Kapiteln. Das gab dem Ganzen eine Portion Dynamik und Abwechslung. Hälfte Nummer 2 ist dann wieder so eben etwas, das man in jedem anderen Roman dieser Art auch liest. Kampfszenen, Weglaufszenen, Racheszenen. Und zum Schluss dann ein wenig seicht. Langweilig war mir aber nie, zu 100% sympathisch war mir der Held aber auch nicht. Dafür ist er zu perfekt. Keine einzige schlechte Eigenschaft hat er. Die Natur will er schützen, Vegetarier, perfekte Freundin, freundlich, beliebt, sympathisch, Top-Job, Top-Abschluss, Top-Sportler, Top-Auto (für heutige Standards). Da wirkt der drogenabhängige Verräter-Bruder doch gleich ein wenig greifbarer, trotz des Verratens eben. Sympathie-Punkte sammelt der jedoch auch nicht, vor allem weil er ein ziemliches Arschloch ist. Deswegen liest man eher nicht wegen den Personen als viel mehr des Szenarios wegen.

Wie dem auch sei. ‚Golem‘ ist absolut ok. Keine Weltliteratur, nichts was einem lange in Erinnerung bleibt. Im Vergleich zu ‚Limit‘ aber würde ich ‚Golem‘ vermutlich lieber emphelen, ganz einfach weil man sich nicht durch teils unendliche Bauanleitungen und Standortbeschreibungen durcharbeiten muss. Mehr Platz für die Fantasie des Lesers! Allerdings frage ich mich, ob heutzutage alle Romane mit einer Szene beginnen müssen, in der eine Person ellenlang vorgestellt wird, um sie dann übers Messer springen zu lassen. Oder ist das einfach modern? Oder bin ich zu ignorant für wahre Kunst? Keine Ahnung, aber wer noch Lektüre für den Strand braucht, macht hier nichts falsch.

Bewertung: 

 

Breakdown (1997)

Jeffrey (Kurt Russell) und Amy sind unterwegs durch die Weiten der amerikanischen Pampa. Als sie eine Autopanne haben, nimmt ein Trucker (J. T. Walsh) Amy mit zur nächsten gastronomischen Einrichtung während Jeff beim Auto bleibt. Schnell kriegt er die Karre wieder flott und macht sich auf den Weg zu besagtem Restaurant um festzustellen, dass weder Frau noch Trucker da sind. Er findet den LKW-Fahrer auf der Straße und stellt ihn zur Rede, doch der leugnet, Jeff oder Amy jemals in seinem Leben getroffen zu haben. Die Polizei ist auch nicht sonderlich hilfreich, und so bleibt es unserem Helden mit den tiefblauen Babyaugen, Frau und Vaterland zu retten.

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass unser Trucker wohl doch nicht so ganz nett ist, wie er erscheint! Und dass er nicht alleine handelt. Aber darum geht es auch nicht. ‚Breakdown‘ ist wohl ein wirklich klassischer Thriller. Man rätselt nicht, wer denn nun böse ist und wer nicht. Sehr viel Action wird einem auch nicht geboten. Die Frage, ob Jeff seine Frau jedoch noch lebend wieder zu Gesicht bekommt, macht den Streifen über weite Strecken packend. Eine riesige Ungerechtigkeit ereignet sich, womit sofort eindeutig die Grenzen zwischen Gut und Böse gezogen und auch nicht noch einmal hinterfragt werden.

Natürlich kann man nun hin und wieder über Szenen schimpfen: „Das hätte ich aber anders gemacht in dieser Situation!“ oder „Bruce Willis in Stirb Langsam hätte den Bösen jetzt aber viel krasser den Arsch aufgerissen!“. Das ist wahr. In einer Szene springt der Kurt auf einen fahrenden LKW auf, wo doch gerade noch die vielen Polizeistreifen in der Nähe des Aufsprungortes gezeigt wurden. Und natürlich überschlägt sich irgendwo ein Auto drei Mal und explodiert sofort, in den 90ern waren Autos eben noch nicht so sicher wie heute. Allerdings wahrt ‚Breakdown‘ stets einen gewissen Realismus. Niemand ist im wahren Leben ein John McClane oder eine  Beatrix Kiddo (Stirb Langsam & Kill Bill). Wenn man es so sieht, wird einem die Rolle des Kurt Russell auch eher sympathisch vorkommen, oder eben zumindest ehrlich.

Der Rest der Rollen ist eigentlich ziemlich unwichtig. Die zu rettende Amy besticht weder durch Charisma oder Attraktivität, aber das ist in Ordnung. Der oberböse Trucker ist ein ziemlicher Psychopath, besitzt aber eine Familie, inklusive Sohn und Scheune (welche übrigens einen Keller besitzt *hust, hust*). Ja, die Bösen sind auch nicht wirklich helle. Aber wären sie helle, wären sie dann noch überhaupt böse?

Was mir als Mitteleuropäer auch nocht auffällt ist der ‚amerikanische‘ Touch, vor allem was Waffenbesitz angeht. Zumindest sollten bereits 6-Jährige den Umgang mit Waffen üben. Außerdem kenne ich keinen Menschen, der seine Zündschlüssel in der Sonnenblende zurücklässt. Es wundert auch keinen Bankangestellten dort, wenn ein schmutziger, aus der Stirn blutender Mann in eine Bank kommt und all sein Vermögen abheben will.

Wie dem auch sei. ‚Breakdown‘ ist ein guter Film. Das Ende, oder eher den Showdown, fand ich sehr nett. 90 Minuten lang Unterhaltung ohne viel Gehirnschmalz, warum auch nicht? Alles eine Frage der Erwartungen.

Regisseur: Jonathan Mostow (U-571, Terminator 3, Surrogates)

Schauspieler: Kurt Russell, J. T. Walsh, M. C. Gainey

Bewertung: 

Source Code (2011)

Captain Colter Stevens (Jake Gyllenhal) wacht ohne Erinnerung in einem Zug auf. Er ist verwirrt und weiß nicht wie er dort hingelangt ist. Zudem sieht er im Spiegel nicht sein gewohntes Erscheinungsbild, sondern das eines ihm völlig fremden Mannes. Nach acht Minuten explodiert der Zug und alle Insassen sterben. Doch Colter erwacht in einer kleinen dunklen Kammer und erfährt nach und nach warum er dort ist und wie es sein kann, dass sich ihm dieses achtminüte Zeitfenster des öfteren öffnet.

Es ist ein semi-futuristisches Szenario. Wir bewegen uns in der Gegenwart und die USA verfügen über ein wenig mehr Know-How, als man es für möglich halten sollte. Es geht um den Source Code im nachhinein und Colters Einbindung in ihn. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Zeitreise-Abenteuer wie vielleicht ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Beziehungsweise wird das einem weißgemacht.  Sicher bin ich mir auch nicht mehr ganz, in den 90 Minuten des Films wird viel erklärt und vieles dann auch wieder ein wenig verworfen.

Mir fällt es schwer, alles über diesen Thriller zu sortieren. Denn vor allem zum Ende hin schraubt sich die Handlung in vermeintliche Komplexität. Es ist nich schwer, dem ganzen zu folgen oder es zu verstehen. Doch viele Erklärungen sind nicht elegant. Wenn der Source Code kurz erklärt wird und auf welchen physikalischen Methoden er beruht, dann geht ein wenig die Nachvollziehbarkeit verloren. Ein ‚Inception‘ war da in gewisser Hinsicht stimmiger (auch wenn dort vielleicht nicht für jeden alles befridiegend gelöst wurde).

Spannend fand ich ‚Source Code‘ allemal. Diese Du-hast-8-Minuten-Zeit-im-Zug-Passagen sind spanned, man rätselt mit, wer der Bombenleger sein könnte. Die Stellen in der Kammer lockern auf und geben die nötigen Background-Infos, um dann im Zug das Puzzle ein wenig besser lösen zu können. Rein stilistisch finde ich das gut gelöst. So kommt eigentlich kein Leerlauf auf.

Rein von der Action und den Schauspielern gefiel mir der Film auch ganz gut. Ich bin zwar kein großer Fan von Jake Gyllenhal, aber er ist mir hier grundsätzlich sympathisch und ich stehe auf seiner Seite. Einzig dieses bisschen amerikanischen Patriotismus, dass zum Ende mal hier und da zum Vorschein tritt, fand ich nicht nötig.

Mein Problem ist, dass ich ‚Moon‘ von Duncan Jones sah und infolgedessen überhöhte Erwartungen in ‚Source Code‘ gesetzt habe. ‚Moon‘ ist nicht unähnlich. Dort hat man auch einen einzelnen, der verwirrt ist und sich in einem unwirklichen Szenario wiederfindet. Sam Rockwell trägt den Film komplett allein und auch auf so überzeugende Art und Weise. Dieses Potential bietet ‚Source Code‘ einfach nicht, weil hier die Handlung mit ihren Twists und Tücken in den Vordergrund tritt.

So wird Colter Stevens mehr oder weniger eher zum Opfer seiner Lage, während Sam Bell (Sam Rockwell in ‚Moon‘) die Dinge in seine Hand nimmt. Zum Ende hin passiert viel auf einmal, vieles was eigentlich nicht möglich gewesen wäre, jedoch lapidar erklärt wird. Damit wird die Auflösung nicht unbedingt so 100% befridiegend, wie sie vielleicht hätte sein können. Wer also einen cleveren Thriller erwartet, sollte wissen, dass das Gewicht eher beim ‚Thriller‘ liegt. Das ist nicht schlimm, man wird gut unterhalten. Ich glaube, Duncan Jones (übrigens der Sohn von David Bowie) kann man sich vormerken. Zumindest scheint er ein Regisseur zu sein, der von plumpen Storys Abstand nimmt.

Es gibt natürlich bessere Filme als ‚Source Code‘, die in eine ähnliche Kerbe schneiden. ‚Inception‘ und ‚Matrix‘ sind natürlich ein bisschen unrealistischer, spielen jedoch auch mit dem Bewusstsein des Menschen. Noch immer der mit Abstand beste und einfach nur unterhaltsamste Zeitreise-Film für mich ist ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Kein anderer Film nutzt die Zeit auf so konsequente und einfache Art und Weise. Natürlich sollte man auch an ’12 Monkeys‘ denken, der super ist (und auch besser als Source Code).

Regie: Duncan Jones (Moon)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga

Bewertung: 

Devil (2010)

5 Personen bleiben in einem Hochhaus in Philadelphia im Fahrstuhl stecken. Zeitgleich untersucht Detective Bowden (Chris Messina) einen Selbstmord in besagtem Gebäude und muss feststellen, dass alle Personen im Aufzug Dreck am Stecken haben. Es dauert nicht lange, bis wieder jemand sterben muss.

Allzuviel mehr kann man auch nicht sagen. Schließlich findet ein großer Teil des Films im Fahrstuhl statt. Entsprechend kurz ist dieser Mystery-Horror-Thriller mit lediglich 72 Minuten. Langeweile kommt jedoch nicht auf, denn es gibt viele Wechsel zwischen den ‚Gefangenen‘ und dem Cop. Das ist ganz nett und wird auch nicht langweilig. Jedes mal, wenn einer im Fahrstuhl stirbt, geht das Licht aus und man hört nur noch Atmen und Schreien. Das hat mir wirklich gut gefallen und war auch überraschend.

Dass M. Night Shyamalan die Story geschrieben hat, merkt man dem Film vor allem an seiner sowohl religiösen wie auch philosophischen Komponente an. Das hätte man, meiner Meinung nach, in realistischer Form, viel überzeugender hinbekommen können. So driftet das Ganze zum Ende hin in etwas zu viel ‚Mystery‘. Das stört den Gesamteindruck nicht. Im Gegenteil, für einen Shyamalan-Film wurde ich sehr positiv überrascht.

Das Verwirrspiel, wer denn nun der Mörder ist und wer warum in diese Situation gelangt ist, unterhält und wird durch die Kürze des Streifens auch nich zu sehr gedähnt. Die Charaktere in dem Höllending hingegen sind mehr oder weniger alles Gurken. Der Hausmeister ist so blöd wie sinnlos, jedoch als potenzielles Todesopfer einfach zu integrieren. Sogar die alte Frau im Fahrstuhl ist unsympathisch. Einzig der Bulle, der immer noch durch den Tod seiner Familie traumatisiert ist, ‚tut‘ etwas. Er arbeitet und versucht die Leute am Leben zu halten. Letztendlich bleibt er jedoch auch nur Zuschauer der Ereignisse im Aufzug. Dieses Ausgelifersein

Was ist ‚Devil‘ nun also? Es ist definitiv kein Blockbuster. Ein Horror-Film ist es auch nicht, auch wenn die eine oder andere Szene gruselig ist. Wer aber mal ein wenig Lust auf so einen kleinen Thriller à la ‚The Others‘ oder ‚Disturbia‘ Lust hat, wird ‚Devil‘ nicht schlecht finden. Es gibt einiges, was einen stören kann, aber ich wurde nicht gelangweilt. Er ist in Ordnung. Man guckt ihn, vergisst ihn zwar schnell, sauer über ihn wird man aber wohl nicht sein.

Regie: John Erick Dowdle (Quarantäne)

Schauspieler: Chris Messina, Logan Marschall-Green, Bokeem Woodbine, Geoffrey Arend

Bewertung: 

Unknown Identity (2011)

Martin Harris (Liam Neeson) kommt mit seiner Frau nach Berlin, um an einem wichtigen Bio-Kongress teilzunehmen. Er vergisst jedoch seine Aktentasche am Flughafen und will dorthin schnell alleine zurückfahren. Allerdings erleidet sein Taxi mit der Fahrerin Gina (Diane Kruger) einen Unfall und er wacht erst 4 Tage später mit großen Erinnerungslücken aus dem Koma auf. Als Martin wieder alles in Ordnung bringen will, scheint ihn niemand wiederzuerkennen, sogar die eigene Frau nicht. Zusätzlich ist ein anderer Martin Harris aufgetaucht und hat seine Identität angenommen, sodass er selbst nicht mehr genau weiß, wer er eigentlich ist.

Daraus entwickelt sich dann ein sehr unterhaltsames Detektiv-Spiel quer durch Berlin. Liam Neeson als Mann ohne Erinnerung und verloren inmitten Fremder. Die Handlung hat mir sehr gefallen, sie war durchweg spannend und konnte am Ende noch mal richtig gut überraschen (ohne zu viel verraten zu wollen). Insgesamt war ‚Unknown Identity‘ ein stimmiger Film, der von Anfang an zum Mitgrübeln einlädt. Zusätzlich ist es immer eine Wonne als Berliner Berlin in einem Film zu sehen und all die verwendeten Schauplätze zu kennen (Straße des 17. Juni, Adlon, Hauptbahnhof, Berliner U-Bahn & Tram).

Liam Neeson gefällt mir zusehnds mehr bzw. die Rolle die er verkörpert. ‚Unknown Identity‘ erinnert ein wenig an ’96 Hours‘, ist jedoch nicht so ein Action-Film sondern vielmehr ein Crime-Mystery-Action-Gemisch. In beiden Streifen hat seine Figur eine nachvollziehbare Motivation und erweckt Sympathie. Gefallen hat mir auch Bruno Ganz als alter Ex-Stasi-Schnüffler, der ein wenig Ost-Flair versprüht hat.

Überhaupt weiß ich nichts, worüber ich großartig meckern könnte. Es ist vielleicht vielmehr die Verwöhntheit von ähnlichen Filmen, die ‚Unknown Identity‘ nicht herauragend macht. So gibt es keine spannenden Dialoge, aber die vermisst man auch nicht wirklich. Vielleicht war auch das Ende nicht zu 100% überzeugend, denn eigentlich wird vor dem Finale eine moralische Frage aufgeworfen und dann nicht ganz zu Ende gedacht, sodass Liam Neesons Figur nicht das letzte Quentchen Zuschauer-Sympathie erreichen kann. Das macht ‚Unknown Identity‘ ein wenig flacher als er hätte sein können.

Es ist natürlich kein weltbewegender Film, den man hier serviert bekommt, aber so stelle ich mir zumindest gute Unterhaltung vor. Man langweilt sicht über die 113 Minuten nicht und fiebert der Auflösung entgegen. Großartige Komplexität erreicht die Identitäts-Sucherei natürlich nicht und die ‚Bösen‘ bleiben farblose und unwichtige Statisten, doch das stört den durchweg guten und stimmigen Gesamteindruck nicht. Ein ‚Die üblichen Verdächtigen‘ oder ‚Fight Club‘ stechen mehr heraus was die Story angeht und die Bourne-Trilogie ist packender, aber mit einem netten Mix aus beidem kann man auch anständig leben.

Regie: Jaume Collet-Serra (House of Wax, Goal II, Orphan)

Schauspieler: Liam Neeson, Diane Kruger, Bruno Ganz

Bewertung: