The Yellow Sea (2010)

Ein koreanisches Thriller-Krimi-Drama! Und nur mit englischen Untertiteln, dazu noch 140 Minuten lang in der westlichen Version (157 im Original). Und ganz viele Leute, deren Namen und Gesichter man sich nicht so gut merken kann, zumindest fiel es mir sehr schwer. Und verdammt, die Koreaner mögen Messer…

The Yellow Sea handelt von Gu-Nam (Jung-woo Ha), einem ärmlichen Taxifahrer in der Grenzregion von China, Nordkorea und Russland. Er ist ein Joseonjok, also ein in China lebender Koreaner und damit ziemlich weit unten in der Nahrungskette. Vor sechs Monaten ging seine Frau ins reiche Südkorea, um dort zu arbeiten und so die Familie zu unterstützen. Sie hat sich seitdem nicht mehr gemeldet und Gu-Nam versinkt in Schulden, Alkohol und Glücksspiel. Der Gangster-Boss Myun (Yun-seok Kim) bietet ihm die Auflösung seiner Schulden an, wenn er jemanden für ihn in Südkorea um die Ecke bringt. So begibt sich Gu-Nam auf die Reise, um einen Mord zu begehen und dabei noch irgendwie seine Frau zu finden. Rund um den Auftrag ergeben sich Probleme und so ist die Polizei, die nach ihm fandet, bald sein geringstes Problem.

The Yellow Sea ist das genaue Gegenteil eines Feel-Good-Movies. Wer auf nette zwischenmenschliche Interaktionen wartet und weder mit Armut, Kriminalität und abgetrennten Gliedmaßen konfrontiert werden möchte, sollte Hong-jin Nas zweiten Film absolut meiden. Ansonsten entspinnt sich hier ein relativ komplexes Gefüge, dem man nicht immer allzu einfach folgen kann. Gegliedert ist der Film in 4 Kapitel, die jedoch nicht ganz so einschneidende Brüche bewirken wie beispielsweise bei Quentin Tarantinos Kill Bill-Filmen.

Gu-Nam ist im Grunde ein niemand. Er kann nicht kämpfen, hat kein Geld und unbedingt sympathisch ist er auch nicht. Doch man fühlt mit ihm in seiner aussichtslosen Situation mit. Das liegt teilweise auch an der Härte einiger Szenen. Es gibt teilweise minutenlange Verfolgungssequenzen, die einfach nur einen Typen zeigen, der überleben will und dabei von 20 Männern mit Messern, Äxten und Stangen verfolgt wird. Das sind die ganz starken Momente des Films. Und hier erinnert er ein wenig an Oldboy.

Der ‚Oberböse‘ ist Myun. Ein anfangs irgendwie ganz schön asozialer Typ, der liebend gern eine Axt benutzt. Man begegnet ihm relativ früh und kann ihn eigentlich überhaupt nicht einschätzen. Doch zum Ende hin nimmt er fast schon übermenschliche Fähigkeiten an und scheinbar machen ihm Messerstiche in den Leib nicht allzuviel aus. Und verdammt, mit seiner Axt kann man so viel machen, vor allem Amputationen am lebenden Subjekt. Er verfolgt Gu-Nam und ist einfach mal ein Boss, der das Heft selbst in die Hand. In einer Szene hat er keine Axt zur Hand, da nimmt er halt einen gottverdammten Knochen und verprügelt damit Leute. Ein weiterer Bösewicht ist ein gepflegter und reicher Mafioso, der in Sachen Coolness nie an Myun herankommt. So hat man jedoch enorm viele Charaktere, die alle Probleme miteinander haben und irgendwo in der Mitte ist Gu-Nam und versucht nur, am Leben zu bleiben.

Das Ende wiederum fand ich eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass die letzte Szene nach dem Abspann noch einmal Fragen aufwirft und einen komplett unbefriedigt zurücklässt. Genauso auch eine andere Szene zum Schluss, die ich zwar deuten kann, die aber ansonsten irgendwie nicht allzuviel Aussagekraft besitzt und meiner Meinung nicht ganz in die Geschichte passt. The Yellow Sea hätte besser sein können, wenn man vielleicht die eine oder andere Sequenz weggelassen hätte. Nichtsdestotrotz bleibt der Film trotz seiner ausufernden Länge meistens spannend und geht einem an die Nieren. Diese Brutalität und Armut sieht man in der westlichen Hollywood-Welt selten. Während Oldboy jedoch ein sehr psychologischer und philosphischer Film ist, bleibt Yellow Sea glasklar in der Realität und konfrontiert einen einfach nur mit der Wirklichkeit. Meiner Meinung nach sollte man diesem Streifen durchaus eine Chance geben, zumal er noch im Mai 2012 ins Kino kommt und es gerade hierzulande neben den ganzen Tatorten und CSIs an Krimis nicht viel mehr in diesem Segment gibt.

Regie: Hong-jin Na (The Chaser)

Schauspieler: Jung-woo Ha, Yun-seok Kim, Jo Seong-Ha

Bewertung: