The Amazing Spider-Man (2012)

Mit Remakes ist das ja immer so eine Sache. Gerade in der Filmindustrie gehören sie mittlerweile zum Tagesbrot und finden immer häufiger den Weg auf die Leinwand. Paradoxerweise würde man bei Büchern von Plagiatur reden, wenn Ideen kopiert und neu verwurstet werden. Allerdings hinkt der Vergleich, weil erst über das Remaken diverse Filmstoffe für ein großes Publikum zugänglich gemacht werden. Beispielsweise war ‚The Girl with the Dragon Tattoo‘, die Neuinterpretation von ‚Verblendung‘, für den Großteil der amerikanischen Bevölkerung ein Novum, einfach weil kaum einer dort in einen skandinavischen Film mit Untertiteln gehen würde. ‚The Departed‘, Martin Scorseses Remake zum chinesischen ‚Internal Affairs‘, streichte zahlreiche Oscars ein. Auch hier wurde eine gute ausländische Idee für einen größeren Markt erschlossen. Wenn Hollywood aber anfängt, Hollywood zu remaken und zu rebooten, dann sollte man gewarnt sein. Und so erscheint mit ‚The Amazing Spider-Man‘ 5 Jahre nach Spider-Man 3 und 10 nach dem ersten Film mit Tobey Maguire als Spinne bereits das Reboot der Serie. Halleluja.

Die Story ist im Grunde altbekannt. Peter Parker (Andrew Garfield) ist ein Außenseiter, hat sich aber in seine Klassenkameradin Gwen Stacy (Emma Stone) verguckt. Außerdem ist der junge Mann ein Waisenkind und superschlau. Mit seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und seiner Tante May (Sally Field) läuft es auch nicht so gut. Da findet er die alte Aktentasche seines Vaters, die irgendeine krasse Formel enthält. Damit geht er zum ehemaligen Kollegen seines alten Herren, Dr. Curt Connors (Rhys Ifans). Der hat ebenfalls so seine Problemchen, beispielsweise fehlt ihm ein Arm und seine Forschung steckt in der Sackgasse. Peter geht verbotenerweise irgendwohin, wird von einer Spinne gestochen und entwickelt Superkräfte. Dann wird sein Onkel erschossen, er will sich rächen und für das Gute kämpfen. Zeitgleich dreht Connors durch und schluckt irgendein Mittel, das ihn in eine große Echse verwandelt. Natürlich hat er dann auch noch den total krassen Plan, den Spider-Man verhindern muss. Rein storytechnisch bietet der Film also nichts Neues, was nicht unbedingt schlecht sein muss.

Was ‚The Amazing Spider-Man‘ am meisten von der Ursprungs-Trilogie unterscheidet, ist die Teenie-Film-Komponente. Diese Version ist eindeutig an jüngeres Publikum gerichtet. So gibt es keine größere Botschaft mehr am Ende („Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“), das sowieso deutlich positiver ausfällt. Die Beziehung zwischen Peter und Gwen könnte auch irgendeiner Teenie-Schmonzette entstammen. Außerdem prunkt der 3D-Film mit teilweise richtig netten Effekten, fällt dann aber widerum beim Finale deutlich weniger bombastisch aus. Der Kameo-Auftritt von Stan Lee, der klassischer Musik lauschend nicht mitbekommt, dass hinter ihm Spider-Man und die Echse gerade die Schule zerlegen, fällt ziemlich cool aus. Man vermisst dann aber auch die Tiefe von Tobey Maguire und Willem Dafoe. Gerade Letzterer war ein so abgedrehter Bösewicht im Gollum-Style, sodass Rhys Ifans als Eidechse mehr oder weniger unterkühlt und distanziert wirkt. Und vor allem weniger erinnerungswürdig.

Mehr Realismus soll wohl dadurch erzeugt werden, dass Spider-Man nun technische Hilfsmittel benutzt, um beispielsweise Fäden zu verschießen. Des öfteren sieht man ihn mit Rucksack, was lustig aussieht und ihn eben wie einen Schüler aussehen lässt. Außerdem ist Andrew Garfield witziger, allerdings nicht unbedingt der Typ Außenseiter, den man von Tobey Maguire kennt. Mit Skate-Board und massiver Intelligenz ausgestattet. Merkwürdigkeiten gibt es dann aber trotzdem. Wenn die Kranführer von New York sich zusammentun, um Spider-Man den Weg zum Finale zu ebnen. Dann fragt man sich, ob es in jedem Häuserblock wohl einen Kran gibt. Das wirkt mitunter arg erzwungen und irgendwie zufällig. Besonders die Beziehung zum Vater seiner Angebeteten, Polizei-Captain Stacy (Denis Leary), ist total blöd und erinnert an eine Telenovela. Auch die Liebesgeschichte wirkt aufgesetzt und pubertär. Aber womöglich bin ich auch einfach nicht die Zielgruppe.

Und das ist es dann. ‚The Amazing Spider-Man‘ ist nicht amazing. Es wird nichts neu gemacht. Irgendwelche eigenständigen Ideen vermisst man, viele Szenen kennt man schon. Den Tiefgang, den Sam Raimi einst eingebaut hatte, gibt es nicht mehr. Einen coolen Bösewicht sucht man vergebens. Mir gefiel insbesondere Tobey Maguire als Spider-Man und Willem Dafoe als Goblin, obwohl Teil 2 und 3 dann ziemlich abfielen. Und nun ja, auch die sind jetzt Geschichte. Andrew Garfield ist nicht schlecht, aber das ungute Gefühl, dass das hier eine seelen- wie ideenfreie Hollywood-Geldanlage ist, stellt sich zum Ende bei mir ein. Ein Remake mit dem einzigen Hintergedanken, Dollars zu machen. Dabei ist der Film nicht schlecht, sondern einfach verdammt massenkompatibel. 5 Jahre waren nicht genug, um den alten Spidey zu vergessen. Und hurra, bereits 2014 gehts mit dem neuen weiter.

 

Regie: Marc Webb (Seascape, (500) Days of Summer)

Schauspieler: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Martin Sheen

Bewertung: