Sucker Punch (2011)

Den Namen der Hauptfigur erfahren wir nicht, aber im späteren Verlauft wird sie jedoch stets Baby Doll (Emily Browning) genannt. Deren Mutter stirbt und als ihr Stiefvater versucht, ihre kleine Schwester zu vergewaltigen, bedroht sie diesen mit einer Waffe, wobei Baby Doll aus Versehen ihre eigene Schwester erschießt und von dem Typen dann in eine Klapsmühle abgeschoben wird. Dort soll in fünf Tagen eine Lobotomie an ihr durchgeführt werden, die sie zu Gemüse macht.

Das ist der ungefähre Rahmen. In der Anstalt selber flieht sie während der Sitzungen mit der Psychologin in eine Traumwelt, in der die Einrichtung zu einem Bordell / Stripladen wird. In dieser Traumwelt wiederum flieht sie beim Tanzen in eine weitere Welt, in der dann die ganze Action abläuft. Somit spielt der Film auf 3 Ebenen, ist jedoch von Tiefgründigkeit so weit entfernt wie  die Erde vom nächsten Stern.

Der Anfang von ‚Sucker Punch‘ ist ziemlich cool. Zu einem Cover von ‚Sweet Dreams‘ werden die grausamen Umstände von Baby Dolls Einlieferung gezeigt. Das weckt gut Emotionen, und die Kamerafahrten sind richtig nice. Die Stimme aus dem Off kommt zwar mit irgend einem tiefgründigen Quatsch, das ist bis dahin aber noch nicht störend.

So, und dann gehts los. Nun wirds richtig bunt. Angelehnt an die reale Welt, wird in der Bordell-Welt ein Plan zur Flucht geschmiedet. Dazu braucht man scheinbar vier Gegenstände, die dann in der dritten Welt gesammelt werden. Diese finale Welt ist der Action-Fantasy-Samurai-Nazis-Drachen-Explosionen-Part. Episodenhaft werden hier die Objekte der Begierde von irgendwelchen Robotern oder Nazis oder Drachen eingesackt. Das ist das erste Mal noch ganz cool, wenn Baby Doll gegen metallene Gatling-Gun-tragende Samurais kämpfen muss im  Schülerinneoutfit und nur mit einer Pistole und einem Schwert bewaffnet. Als sich die weiteren Mädels zu ihr gesellen, wird es relativ ähnlich. Und hier ist das erste Problem. Die ganzen Kampfszenen sind sich alle so ähnlich und so übertrieben cool, dass sie schon wieder irgendwie belanglos sind. Es ist zwar immer klar, dass diese ausgedachte Welt nur den zermarterten Geist einer jungen Frau darstellt und die trübe Tristess ihres Alltags kaschieren soll, doch mangelt es an Reflektion in die reale Welt. Wir sehen das wahre Geschehen nur am Anfang und am Ende, doch wird das alles müßig.

Der Fakt, dass sie lostanzen muss, um die dritte Welt betreten zu können, war okay, beim vierten Mal erscheint mir das jedoch dann schon wieder lächerlich. Warum wird die Realität so krass ausgeblendet? Das kann man natürlich als tiefgründiges stilistische Mittel auslegen, wenn es denn nicht so nerven würde! Und so wird der Film zu einem hohlen Mix aus Kill Bill und Inception, ohne jemals auch nur ein wenig die erzählerische Stärke seiner Vorbilder zu erreichen. Es gibt zwar hier und da ein paar coole Kampfszenen, die, wie ich finde, nur Hülle sind, für viel zu wenig Substanz.

Problematisch ist auch, dass unsere Heldin in der Realität nicht ein einziges Wort sagt und sonst auch eher wenig spricht. Der Rest der Girlie-Crew ist auch nich besonders helle, man kommt aber nicht um den Gedanken hinweg, dass nur Models im Irrenhaus einsitzen. Berufsrisiko? Die Art und Weise, wie sich die Beziehungen und Ideen der Weiber entspinnen, ist auch vollkommen sinnfrei und vermisst Tiefe. Der Einstieg in jede einzelne Mission der dritten Welt wird immer wieder mit (wirklich guter) Musik unterlegt, sodass sich hier ein erzählerischer Wiederholungs-Charakter ergibt. Das hat dann auch ein wenig gestört. Nebenbei belegen die pseudo-schlauen Dialoge die wenig clevere Handlung.

Das Ende fand ich dann merkwürdig. Mich hat es nicht wirklich befriedigt. Es sollte zwar irgendwie schlau sein, das fand ich jedoch nicht. Wie dem auch sei, ich will das nicht spoilern. Gesagt sei nur, dass eine tiefgründige und nachdenkliche Stimme aus dem Off mit entsprechendem Pathos alleine nicht ausreicht, um dem, was man sieht, auch Tiefe zu geben. Am Ende darf Jon Hamm (aus Mad Men, The Town) kurz auftreten. Und mein Gott, ist sein Charakter doof. Die Psychologin fügt sich da nahtlos ein.

Und was hat man nun am Ende? In der Realität ein (nicht wirklich) bewegendes Drama um die Psychatrie, in der ersten Traumwelt ein Chick-Flick à la ‚Dreamgirls‘ oder ‚Burlesque‘ und in der finalen Actionwelt ist man bei ‚3 Engel für Charlie‘. Ich weiß nicht, ob das wirklich funktionieren kann. Die meisten Kritiken sind sehr kritisch, wobei durchaus viele Comments aus jungen Kreisen von tiefer Begeisterung zeugen. Mir persönlich war das alles zu mager, es gibt zig Filme, die zwar keine Genres mixen, jedoch in ihrem Bereich es viel besser machen als ‚Sucker Punch‘. Was die Action und Fights angeht, so fährt man mit Kill Bill, 300 oder Shoot Em Up besser. Wer diese ‚Frauen-arbeiten-im-Puff‘-Filme mag, der ist mit ‚Moulin Rouge‘ besser dran. Und was die Drama-Komponente angeht, so gibt es das überragende ‚Pan’s Labyrinth‘. Für mich war ‚Sucker Punch‘ leider nur eine Grafik-Hure. Sieht gut aus und nicht viel dahinter.

Regie: Zack Snyder (300, Watchmen, Dawn of the Dead)

Schauspieler: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone

Bewertung: