Stolen (2012)

Manchmal passiert es, dass man Eurosport oder Sport 1 einschaltet und glaubt, ein hochklassiges Fußballmatch zu sehen. Brasilien gegen Argentinien. Qualifikation zur Weltmeisterschaft. Doch nach ein paar Minuten merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. Es schleicht sich ein vages Gefühl ein. Warum sind die Spieler alle so klein und das Stadion nur zu einem Zehntel gefüllt? Und wo ist Messi?Und dann beginnt man, im Teletext nachzuschauen und stellt erschrocken fest, dass es sich um die U17 handelt und Ernüchterung macht sich breit. Dumm gelaufen. Aber hin und wieder muss es ja nicht die Weltklasse sein. Es reicht halt weniger, um gut unterhalten zu werden.

Manchmal passiert es, dass man Pro 7 einschaltet und glaubt, einen hochklassigen Actionfilm zu sehen. 96 Hours. Mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Doch nach ein paar Minuten merkt man, dass irgendwas nicht stimmt. Es schleicht sich ein vages Gefühl ein. Warum sind die Schauspieler so schlecht und die Handlung so dumm? Und wo ist Liam Neeson? Und dann taucht auf einmal Nicolas Cage auf und man stellt erschrocken fest, dass es sich eben nicht um 96 Hours handelt und Ernüchterung macht sich breit. Dumm gelaufen. Aber hin und wieder muss es ja nicht die Weltklasse sein. Es reicht halt weniger, um gut unterhalten zu werden.

Außer bei ‚Stolen‘, denn der Film ist reichlich blöd.

Will Montgomery (Nicolas Cage) ist ein Meister-Dieb aus New Orleans. Zusammen mit seinen Kollegen Vincent (Josh Lucas), Riley (Malin Åkerman) und Hoys (M.C. Gainey) erleichtert er eine Bank um 10 Milionen Dollar. Doch die Aktion geht schief und Will endet ohne Geld alleine im Knast. Nach acht Jahren kommt er wieder frei und will wieder Kontakt zu seiner mittlerweile entfremdeten Tochter Alison (Sami Gayle) aufbauen. Die weist ihn jedoch ab, wird dann aber kurz darauf von Vincent in einem Taxi entführt, der von Will die damals entwendeten 10 Millionen Dollar haben will. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit durch New Orleans, denn einerseits muss Will das Geld auftreiben und auch seine Tochter finden.

Der Film beginnt durchaus nett. Das Ausrauben der Bank ist angenehm und die anschließende Verfolungsjagd mit der Polizei meistert Nicolas Cage cool und realistisch. Dass seine Tochter eine ziemliche Bitch ist und der Rest seiner Bande irgendwie überflüssig, kann man verkraften. Allerdings beginnen nach einer Weile die Problemchen. Sein Kollege wird zum Bösen, weil keiner so recht weiß, was mit der ganzen Knete passiert ist. Doch der Plan mit der Entführung ist ziemlich bescheuert. So fährt Vincent den ganzen Tag lang durch die Stadt mit seinem Taxi und der Entführten im Kofferraum. Warum? Weil er es kann! Und weil er eine Flachpfeife ist. Natürlich wird er nebenbei von der Polizei angehalten und ist gezwungen, den Beamten umzulegen. Ist das vielleicht ein Zeichen, dass man sich lieber an einem Ort verstecken sollte? Nein! Nebenbei tobt ein Volksfest durch die Stadt, was dem Film so eine Art New Orleans-Flair geben soll. Das kann man mit einem Schulterzucken quittieren.

‚Stolen‘ dauert 96 Minuten und zur Mitte entsteht tatsächlich das Gefühl, dass der Film durchaus in Ordnung ist. Natürlich ist Nicolas Cage nicht Liam Neeson, aber eine gewisse Coolness hat er durchaus. Dann aber passiert das, was man schon die ganze Zeit befürchten musste. Halbherzigerweise muss Will in der Mitte nochmal einen Job abziehen, um die Knete zu beschaffen. Dadurch gerät die Geschichte ins Lächerliche, weil „Hey, ich hab gerade 5 Minuten. Wollen wir nochmal die gleiche Bank wie vor acht Jahren ausrauben?“ kein Satz ist, den man wirklich ernst nehmen kann. Ocean hat auch nicht beim Zähneputzen geplant, drei Casinos auf einmal auszurauben. ‚Contraband‚ hat einen ähnlichen Fehler gemacht, aber tatsächlich hat man Mark Wahlberg seine Rolle mehr abgekauft als Nicolas Cage, obwohl letzterer eigentlich ein viel besserer Schauspieler ist.

Und so büßt ‚Stolen‘ einfach alles ein, was in der ersten Hälfte noch sympathisch war. Das wirklich Schlimme ist dann das Ende, das völlig verkorkst ist. Der Showdown ist dermaßen dämlich, dass mir die Worte fehlen. Und die Szene nach dem Showdown, die nochmal zeigen soll, wie unglaublich clever Will Montgomery, der Meisterdieb, ist, macht es auch nicht besser. Damit ist ‚Stolen‘ der nächste schlechte Nicolas Cage-Film. Aber wie so oft liegt es nicht an ihm, sondern am überaus dämlichen Drehbuch. Das macht es auch nicht besser, aber das kleine Fünkchen der Hoffnung, dass in mir lodert und sagt, dass Cage irgendwann auch mal wieder einen guten Film bringen kann, existiert noch. Aber nur wie lange?

 

Regie: Simon West (Con Air, Wehrlos, Lara Croft: Tomb Raider, The Mechanic, The Expendables 2)

Schauspieler: Nicolas Cage, Josh Lucas, Danny Huston

Bewertung: