Spaceballs (1987)

Heutzutage ist Klamauk ziemlich schlecht. Beilight – Biss zum Abendbrot, Disaster Movie, Fantastic Movie, Date Movie, Meine Frau, die Spartaner und Ich und die ganzen Scary Movies, alles im Grunde filmische Abführmittel (ja, Scary Movie 1 bis 4 sind nicht sooooooooo fürchterlich wie die davor, aber auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei) . Bei allen sind die Herren Jason Friedberg und Aaron Seltzer beteiligt, die diesen Müll praktisch am Fließband schreiben, drehen und / oder produzieren. Und alle diese Werke sind sehr billig und seelenlos und zielen mit dümmlichen popkulturellen Anspielungen auf ein minderjähriges Publikum ab. So gibt es zum Beispiel in Meine Frau, die Spartaner und Ich eine Szene, in der eine heulende Britney Spears ein Baby im Arm hält und sich dabei singend eine Glatze rasiert, woraufhin der Leonidas-Verschnitt sie in die Grube tritt. Das ist dann nicht nur dumm, sondern auch einfach fernab von allem, was lustig ist. Da wurden live beim Dreh die aktuellesten Klatsch-Spalten durchforstet und verfilmt. Nicht umsonst belegen einige dieser „Filme“ die hintersten Plätze in der internet movie database. Dass das auch anders geht, hat Leslie Nielsen zur Genüge mit der Nackten Kanone unter Beweis gestellt. Und ebenso Mel Brooks.

Die Spaceballs haben nicht mehr genug Luft zum Atmen auf ihrem Heimatplaneten. Deswegen beschließt ihr Präsident Skroob (Mel Brooks), Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) zu entführen und ihren Vater König Roland (Dick Van Patten) zu erpressen, um an die gesamte Luft vom Planeten Druidia zu gelangen. Seinem Schergen Lord Helmchen (Rick Moranis) gelingt die Entführung der Adeligen, die gerade vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem nicht ganz so munteren Prinz Valium flieht. Allerdings erscheint Lone Starr (Bill Pullman) zusammen mit seinem treuen Möterbegleiter Waldi (John Candy) und rettet Vespa. Nun müssen unsere Helden vor den bösen Spaceballs fliehen und sich dabei mit der Macht des Saftes auseinandersetzen.

Spaceballs persifliert vor allem die alten Star Wars-Filme, es finden sich aber auch beispielsweise Referenzen zu Alien (inklusive dem im Originalfilm spielenden John Hurt in seiner Originalrolle, dem ein Alien aus dem Magen herausbricht), Star Trek (Spocks Nackengriff), Planet der Affen und dem Zauberer von Oz. Die Fülle an Bezügen ist riesig und glücklicherweise hier zusammengetragen. Und die meisten Witze sind auch heute noch, fast 25 Jahre später, lustig. Das liegt vor allem daran, dass man nicht wie die anfangs erwähnten heutigen Klamauk-Versuche irgendwelche popkulturellen und geschmacklosen Scherze über (teilweise längst vergessene) Prominente reißt. Großartig ist, wenn die Bösen eine Spaceballs-Kassette einschieben, um den Guten auf die Schliche zu kommen und der Film damit aus seiner Dimension ausbricht und direkten Bezug auf den Zuschauer nimmt. Das passiert öfter. In einer Szene faselt Mel Brooks als Yoda-Verschnitt namens Yogurth über Merchandising oder gar über die (nie gedrehte) Fortsetzung „Spaceballs 2 – Auf der Suche nach noch mehr Geld“. Zuvor hat Lord Helmchen noch aus Versehen die Kamera angerempelt oder einen Tontechniker zersäbelt.

Zugegebenermaßen ist der Film nicht an jeder Stelle unbedingt gut gealtert und die Handlung ist gelinde gesagt völlig verquer. John Candys Maske als halb-Mensch-halb-Köter sieht aus als ob er gerade vom Fasching kommt und Lone Starrs Raumschiff ist ein Wohnmobil mit Pappflügeln. Der billige Look ist aber meiner Meinung  nach Absicht und die unzähligen Referenzen auf entsprechende ernste Filme machen einen ungeheuren Charme aus und sind zudem Beweis dafür, dass sich jemand Mühe gegeben hat. Wenn Lone Starr von „Pizza the Hutt“ erpresst wird oder doch tatsächlich Michael Winslow alias der Typ, der bei Police Academy die coolen Sounds mit seinem Mund macht, auftaucht, geht einem schonmal das Herz auf. Solche Szenen gibt es zuhauf und sie machen Spaceballs zu guter Unterhaltung, die es heutzutage einfach nicht mehr gibt, weil es billiger ist, schnell einen Witz über die großen Hupen von C-Prominentin XYZ zu machen. Allein der Fakt, dass der Held in Spaceballs ‚Lone Starr‘ heißt und damit eine Verballhornung der Nachnamen von ‚Han Solo‘ und ‚Luke Skywalker‘ darstellt, ist nicht unbedingt sofort ersichtlich und macht Spaceballs im Vergleich zu Meine Frau, die Spartaner und Ich zu einem Arthouse-Kinoerlebnis.

Rein von der Art des Films ist Spaceballs dem Schuh des Manitu gar nicht mal unähnlich. Wer sowieso nichts mit Star Wars und Konsorten anfangen kann und sich auf diesem Sachgebiet nicht auskennt, wird jedoch eher wenig Spaß hiermit haben. Es gehen dann nämlich einfach viel zu viele Witze nicht auf. Jüngere Generationen werden auch nicht unbedingt mit den Spaceballs warm werden, doch ich bin mit diesem Film aufgewachsen und er zählt für mich zum Besten, was Klamauk herzugeben hat. Und Mel Brooks muss man kennen und mögen, oder eben nicht. Seine Filme treffen definitiv nicht jedermanns Humor, sind jedoch ein Pflichterlebnis für jeden, der von heutigen Hollywood-Komödien nicht angesprochen wird.

Princess Vespa: [looking up at the night sky] Which one’s yours?
Lone Starr: Who knows?
Princess Vespa: You don’t know where you’re from?
Lone Starr: Not really. I was found on the doorstep of a monastery.
Princess Vespa: A monastery? Where?
Lone Starr: Somewhere in the Ford Galaxy.

 

Regie: Mel Brooks (The Producers, Frankenstein Junior, Die verrückte Geschichte der Welt, Das Leben stinkt)

Schauspieler: Mel Brooks, John Candy, Bill Pullman, Rick Moranis

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