Silent Hill (2006)

Und wieder schlage ich vor lauter Vorfreude das Kapitel der Computerspieleverfilmungen auf. Moment, waren die nicht meistens ziemlich mies? Na klar! Da hätten wir hier auf dieser Seite bereits Doom, Resident Evil I, II, III, IV. Und die Reihe der nicht gelungenen Filmchen lässt sich mit Lara Croft I, II, Prince of Persia, Super Mario, Dead or Alive, Tekken, Street Fighter und so ziemlich allem von Uwe Boll auch eine ganze Weile fortsetzen. Heiliger Kuhmist, war Max Payne (mit Mark Wahlberg) blöd! Zu dem Thema gab es übrigens letztens auf GameOne einen 8 – (!!!!!!!) stündigen Podcast und als einziger Film gelobt wurde ‚Silent Hill‘. Here we go!

Rose (Radha Mitchell) und Christopher (Sean Bean) Da Silva haben ihre Tochter Sharon adoptiert. Diese leidet unter Alpträumen und schlafwandelt, wobei sie nebenbei Silent Hill erwähnt. Rose beschließt, mitsamt Töchterchen in die entlegene Geisterstadt zu fahren und so den Hintergründen für Sharons Ruhelosigkeit auf die Spur zu kommen. Im nebligen Dunst von Silent Hill verschwindet Sharon und so muss sich Rose mit Hilfe der Polizistin Cybil Benett (Laurie Holden) auf die Suche machen. Problematisch ist jedoch, dass alle paar Stunden, angekündigt durch eine Sirene, verstörende und blutrünstige Kreaturen auftauchen und den Frauen nach ihren Leben trachten. Und mit Kreaturen sind hier nicht etwa lustige Gremlins oder anderweitige Monster gemeint, sondern unheimlich fantasievolle Alptraum-Gestalten. Zum Beispiel gesichtslose Torsos mit Beinen oder eine zerfledderte und in Maschendraht gewickelte Leiche. Es ist schwierig zu beschreiben, aber es gibt kaum andere Filme, in denen die Widersacher so psychotisch und real erscheinen. Und so erfahren Rose und Cybil zunehmend mehr über die Hintergründe von Silent Hill und seinen Bewohnern, während Christopher sich auf die Suche nach Frau und Tochter begibt.

Ursprünglich wollte Regisseur Christphe Gans nur Frauen in der Handlung haben. Dass er das umschreiben musste, merkt man der Rolle von Sean Bean an, denn Christopher Da Silva ist merkwürdig deplatziert und fügt sich überhaupt nicht in die Handlung, die diesen Balast überhaupt nicht nötig hat. Man benutzt ihn zwar, um dem Zuschauer Verschnaufpausen vom Alptraum zu gewähren, dennoch fühlt er sich wie ein Fremdkörper an und streckt ‚Silent Hill‘ nur unnötig. Überhaupt ist der Horrorfilm mit gut zwei Stunden Laufzeit relativ lang, was dazu führt, dass sich die anfangs aufgebaute Spannung nicht bis komplett zum Ende hin trägt.

Das ist schade, weil der ganze Rest nämlich sehr stimmig und stilvoll ist. Die Hintergrundhandlung, die erst zum Ende hin klar wird, empfinde ich als schön schaurig und geradezu passend. Und noch nie habe ich gruseligere Figuren gesehen, denn weil man diese entmenschlichten Etwasse selber kaum begreift, fühlt man sehr gut mit der Hauptprotagonistin Rose mit.

Da ich die Spiele nie gespielt habe, kann ich leider keinen direkten Vergleich ziehen. Es sei nur so viel gesagt, dass es sehr viele Parallelen zum ersten Teil aus dem Jahre 1999 von Konamis Silent Hill-Reihe gibt, indem jedoch ein Mann die Hauptrolle innehat. Die Polizistin sowie die Suche nach der Tochter sind allerdings gleich. Außerdem benutzt der Film, ähnlich wie das Videospiel, teils außergewöhnliche Kamerafahrten und -Perspektiven. Das ist etwas, was Leuten, die das Spiel gespielt haben, vermutlich auf- und gefallen wird.

Letztendlich habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Trotzdem ist ‚Silent Hill‘ für jemanden wie mich, an dem die Spiele vorbeigegangen sind, nicht unbedingt ein erinnerungswürdiger Film. Ein netter Horror-Streifen ist das allemal und für Fans der Games wohl auch absolut emphelenswert. Und das soll ‚Silent Hill‘ auch sein: Ein Film für die Anhänger des ruhigen Dorfes. So haben die Resident Evil-Filme fast gar nichts mehr mit den Spielen zu tun. Das zeigt, dass hier jemand am Werke war, dem die Reihe am Herzen liegt und der nicht das Franchise in Hollywood-Manier ausbeuten wollte, oder zumindest nicht so gefühllos wie man es sonst erwarten würde.  Das ist ja auch schon mal was, obwohl es ein Sequel geben soll…

Regie: Christophe Gans (Der Pakt der Wölfe, Crying Freeman)

Schauspieler: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden

Bewertung: