Star Trek: Der Film (1979)

Falls man jemals in der Situation steckt, auf die Frage antworten zu müssen, für wie viele Oscars der erste Star Trek-Film von 1979 nominiert wurde, dann sei an dieser Stelle für Aufklärung gesorgt: 3! Bestes Set, beste Effekte und beste Musik. Gewonnen hat das 132-minütige Filmchen dann nichts, aber immerhin gibt es nicht viele andere Franchises, die so einen Einschlag auf die heutige Popkultur genommen haben.Star Trek

Captain Kirk (William Shatner), eigentlich Admiral und inzwischen Sesselfurzer, übernimmt wieder das Kommando über die Enterprise, was dem nun Ex-Captain Decker (Stephen Collins) gehörig gegen den Strich geht. Schließlich ist der alte Sack nicht mit den Modernisierungen vertraut. Mit an Bord sind die altbekannten Scotty (James Doohan), Sulu (George Takei), Uhura (Nichelle Nichols) und Chekov (Walter Koenig). Und weil es sonst zu langweilig wäre, werden in kürzester Zeit auch noch Dr. McCoy (DeForest Kelley) und Spock (Leonard Nimoy) reaktiviert. Dabei hat die Crew keine Zeit zu verlieren, denn eine gigantische Energiewolke zieht gen Erde und vernichtet alles und jeden, der sich ihr in den Weg stellt.

Der Film zeichnet sich dabei teilweise durch ewig lange (fast volle 10 Sekunden!) Sequenzen im Weltall aus, die das Schiff oder das merkwürdige Energie-Dingsbums zeigen. Gerade in Zeiten der heutigen Schnittgewitter ist das ungewohnt ruhig und, leider auch mitunter, ermüdend. Damals waren diese langen Shots sicherlich interessanter. Das soll aber nicht als grundlegend negativer Aspekt ausgelegt werden. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass der Film träge ist und über die lange Laufzeit betrachtet gar nicht mal so viel passiert. Das meiste spielt sich ohnehin an Bord in Form von Dialogen zwischen den Besatzungsmitgliedern ab, die für mich als Nicht-Trekkie jedoch nicht so recht harmonisch wirken. Da fehlt offentsichtlich das Vorwissen der alten Serie, denn dem Zuschauer werden die einzelnen Verhältnisse untereinander nicht in großem Maße erklärt. Was aber ehrlich gesagt ganz nett ist. Man braucht nicht alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen.

Die Story, die eigentlich ganz cool ist und auch Raum für moralische Betrachtungen liefert, wird zum Schluss jedoch mit wenig Tiefgang und ohne herausragende Konsequenzen abgefrühstückt. Der Verlust von Crew-Mitgliedern scheint dem Rest der Besatzung ziemlich egal zu sein. Hier scheinen die Reboot-Filmchen mehr Augenmerk auf die Persönlichkeiten und deren Emotionen gelegt zu haben. Dafür gab es 1979 noch keine Lens Flares. Und ehrlich gesagt, auch wenn die Effekte natürlich alles andere als taufrisch sind, billig wirken sie nicht und sind damit auch heute noch eigentlich in Ordnung. Da haben aktuellere Filme viel schlimmere CGI-Verbrechen begangen (Catwoman, Die Mumie kehrt zurück, Die Another Day, Superman 4, …).

Was ist der erste Star Trek-Film jetzt also? Ein Klassiker? Alter Müll? Nur für Fans? Oder Allgemeinwissen? Braucht man ihn, wo es doch jetzt die total tollen Reboot-Streifen gibt, die sich in erster Linie durch Lens Flares auszeichnen?

Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Für tiefgründige Betrachtungen ist der Film zu oberflächlich und reicht nicht an Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum heran. Dann aber ist Star Trek auch viel zu speziell und träge, um so massentauglich wie Star Wars zu sein. Trotzdem besitzt der Film einen Charme und eine (nerdige) Faszination, den die Reboots meiner Ansicht nach nicht mehr haben. Hier ist das Universum, wie es sich Gene Roddenberry vorgestellt und produziert hat. Nicht für die Massen herausgebürstet und zurechtgebogen, sondern in seiner Kauzigkeit mit Ecken und Kanten versehen. Dessen sollte man sich bewusst sein. Es ist kein perfektes Entertainment-Produkt, aber dafür wird man vielleicht mit Freude feststellen, wie viele popkulturelle Referenzen Bezug auf dieses Universum nehmen. Alleine dafür lohnt es sich schon, zumindest mal reinzuschauen. Und vielleicht sitzt man irgendwann in ferner Zukunft bei einer Quizsendung und weiß: Der erste Star Trek-Film wurde für genau 3 Oscars nominiert!

 

Regie: Robert Wise (The Sound of Music, West Side Story, Der Tag, an dem die Erste stillstand)

Schauspieler: William Shatner, Leonard Nimoy, Stephen Collins

Bewertung: 

 

The World’s End (2013)

Nach dem großartigen Shaun of the Dead 2004 und dem nicht weniger amüsanten Hot Fuzz 2007 kommen Edgar Wright (Regie und Drehbuch) und Simon Pegg (Drehbuch und Hauptrolle) 2013 erneut zusammen, um das Finale der Trilogie über Blut und Cornetto-Eis zu machen. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter und natürlich die gewohnte Reihe an popkulturellen Anspielungen, aber auch, man halte sich fest, eine große Schippe Ernsthaftigkeit.

Gery King (Simon Pegg) hat im Gegensatz zu seinen vier Freunden aus der Jugend (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine) nicht viel im Leben erreicht. Trotzdem trommelt er die alte Truppe zusammen, um einen erneuten Versuch zu wagen, die Goldene Meile zu vollenden. Diese ist ein Sauftrip durch Newton Haven, bestehend aus je einem Bier in zwölf Pubs der Ortschaft. Doch nach kurzer Zeit entpuppen sich die Einwohner als alles andere als Normalsterbliche. Es beginnt ein Wettlauf, einerseits gegen die Alien-Einheimischen, andererseits gegen den eigenen stetig steigenden Alkoholpegel.The World's End

Und obwohl sich die Geschichte lustig anhört und es durchaus viele Witze und Anspielungen gibt, durchzieht eine gewisse Seriösität diesen Film. Es wird oft gelacht, und genauso oft werden ernstere Töne angeschlagen. Klar, in Shaun of the Dead gab es auch einen recht traurigen Moment, in dem einer der Protagonisten über das Leben seiner eigenen Mutter entscheiden musste. Doch The World’s End beginnt mit Gerry und dessen Alkoholkrankheit und zeigt immer wieder seine Probleme auf. Als einziger der Bande ist er nämlich auf der Vergangenheit sitzen geblieben und kommt nicht aus diesem Loch heraus. Dabei ist es fast schon irritierend, wie wenig ihn seine einstigen Kumpanen mögen und eigentlich keine Zeit mit ihm verbringen möchten. Gerry King ist nämlich überheblich, unzuverlässig und ein Lügner wie er im Buche steht. Und als ob das noch nicht reichen würde, hält er sich für den Größten. Den King.

Trotzdem zeigt The World’s End auch, dass es den vermeintlich erfolgreichen Kumpanen auch nicht nur gut geht. Zwar sind diese im Gegensatz zu Gerry erwachsen geworden, aber auch das hat seine Schattenseiten. Überhaupt, die angesprochenen Themen sind durchaus vielschichtig und mögen einen irritieren, wenn man von einer tumben Komödie im Vorhinein ausgegangen ist. Besonders das Ende lässt einen ziemlich ratlos dar, wo man doch von den beiden Vorgängerfilmen einen seichteren Umgang gewohnt war. Da werden dann urplötzlich noch die moderne Vernetzung und Fremdenfeindlichkeit angesprochen. Warum auch nicht, eine Komödie darf schließlich ein Statement haben. Shaun of the Dead deutete bereits recht offensichtlich an, dass wir heutzutage durchaus als Zombies dem Arbeitstrott und der Routine verfallen sind. Doch The World’s End macht es einem nicht so einfach und wird dadurch sicher für den einen oder anderen merkwürdig befremdlich wirken, gerade zum Ende hin. Trotzdem großen Respekt an Pegg und Wright, die mit dem gewählten Ton Mut beweisen und sich nach Hot Fuzz klar vom Mainstream wegbewegen, dabei sogar von der bewährten Erfolgsformel der beiden ersten Teile abweichen.

Nicht zu vergessen seien übrigens die Anwohner von Newton Haven, die aufgrund einer Alieninvasion zu merkwürdigen Roboter-Gummipuppen geworden sind. Und zu denen sich eine ganze Reihe muntere Nebendarsteller gesellen, beispielsweise Pierce Brosnan, David Bradley und Michael Smiley. Als ob es außerdem ein Klacks wäre, gibt es an einigen Stellen wirklich toll inszenierte und famos umgesetzte Kämpfe, was man so nicht unbedingt erwarten würde. Überhaupt kann man den Machern handwerklich nichts vorwerfen. Trotz vieler Effekte und blutiger Auseinandersetzungen merkt man nicht, dass The World’s End nur läppische 20 Millionen Dollar Budget hatte, was immer noch mehr ist als Shaun of the Dead und Hot Fuzz zusammen.

Tja, ist das Ende der famosen Trilogie jetzt gelungen? Klare Antwort: Auf jeden Fall. Eins sollte einem dabei jedoch klar sein: Seit Shaun of the Dead ist über ein Jahrzeht vergangen und die beteiligten Protagonisten sind alle reifer und erwachsener geworden. Das merkt man auch an The World’s End. Gerade das macht einem den Abschied leichter, denn diese Riege an coolen Leuten scheint ihren Humor nicht verloren und auch gleichzeitig genügend dazugelernt zu haben. Das macht den Abschluss nicht ganz so leicht und locker konsumierbar wie die Vorgänger. Ich freue mich aber jetzt schon auf alles, was mit Wright, Pegg oder Frost zu tun hat.

 

Regie: Edgar Wright (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Hot Fuzz, Shaun of the Dead, Spaced)

Schauspieler: Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike

Bewertung: 

 

 

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (1999)

Vielleicht war es der Alkohol. Oder ein tiefer innerer Haß. Aber hey, warum nicht einfach mal Star Wars: Episode I angucken? Was soll schon Schlimmes passieren? Schließlich habe ich die Original-Trilogie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Vielleicht ist das ja ein guter Film, wenn man nicht Fanboy der alten Streifen ist? Womöglich ist es gar nicht so schlimm, wie alle behaupten. Was, wenn sich alle irren? Was, wenn George Lucas sich mehr gedacht hat, als alle denken? Und was wäre, wenn ich der Menschheit die Augen öffne und sie in ein zufriedenes Zeitalter führe, in dem es nicht nur 3, sondern gleich 6 gute Star Wars-Filme gibt?

Nun, es könnte auch sein, dass Tripper ein unterhaltsamer Spaß für jedermann ist. Oder dass Michael Bay mal einen tiefgründigen und ruhigen Independant-Film über das Leben und Schaffen von Tim Wiese macht. Es ist die kindliche Naivität, die mir auf brutale Art und Weise dank Star Wars: Episode I ausgetrieben wird. Das Vertrauen in Hollywood und seine Filmschaffenden, die sich schon seit Jahren mehr gedacht haben und eine erzählenswerte Geschichte mitteilen wollen, die das Universum bereichert. Ich habe damals 1999 diesen Film im Kino gesehen. War ich enttäuscht? Nein, denn ich war noch jung und irgendwie waren Laserschwerter cool. Ohnehin habe ich nicht alles verstanden, was dort gezeigt wurde. Allzu großen Haß auf das hier hatte ich somit nicht. Doch jetzt, 14 Jahre später und mit ein bisschen mehr Filmerfahrung, ist Star Wars I leider ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis. Doch worum geht es hier eigentlich?Star Wars Episode I

Die beiden Jedis Quaigon-Jin (Liam Neeson) und Obi Wan Kenobi (Ewan McGregor) werden als Vermittler eingesetzt, weil die Handelsföderation eine Blockade um den Planeten Naboo errichtet hat. Um Protest gegen erhöhte Handelszölle zu leisten. Und weil irgendein böser Typ mit Kapuze die beiden Föderations-Obernasen lenkt. So gelangen unsere beiden Jedis auf das Hauptschiff der Föderation, wo sie jedoch umgebracht werden sollen. Doch sie überleben und gelangen auf Naboo, wo gerade die Eroberung des armeelosen Planeten vorbereitet wird. Gott sei Dank treffen sie im Wald beim Kacken auf den Autisten Jar Jar Binks, der sie zu seinem Volk der Frosch-Dyslexiker bringt, von wo sie aus Königin Amidala (Natalie Portman) aus der Hauptstadt befreien, um daraufhin die äußerst effektive Blockade mit einem Schiffchen zu durchbrechen. Notlandung auf Tatooine. Treffen mit Anakin (Jake Lloyd), der ohne Vater gezeugt wurde (zwinker, zwinker). Anakin und Mutter sind Sklaven. 30 Minuten Pod-Racer-Szene. Auf nach Coruscant samt Anakin (scheiß auf seine Mom), nachdem kurz Darth Maul auftritt. Auf Croissant 10-minütiges Parlaments-Geschwafel. Zurück nach Naboo. Krieg zwischen Frosch-Autisten und Robotern, während Anakin die Hauptzentrale ausschaltet, weil er aus Versehen ein Kampfschiff gestartet hat, während Obi und Gin gegen Darth Maul kämpfen und Amidala die Ober-Händler cool verarscht. Oskar Schindler stirbt, Darth Maul stirbt, aber die Guten haben gewonnen, die Zölle werden noch weiter erhöht und keiner gibt einen Scheißdreck auf Anakins Mudder. Puuuuhhhhh.

Die Story ist scheiße. Sie ergibt kaum Sinn und ist tatsächlich komplex, doch trotzdem dümmlich. Was für eine Leistung. Kein einziger Charakter funktioniert. Weder die guten Jedis, noch die Königin oder der kleine Junge, der irgendwo zwischen nervig und überheblich schwebt. Der Laserkampf am Ende ist gut, aber es sterben zwei Leute, die einem am Arsch vorbeigehen. Die Podrace-Szene ist viel zu lang. Der finale Plan ist total behämmert. Am Ende laufen vier parallele Handlungsstränge ab, die nur funktionieren, weil der kleine Junge zufällig das große Raumschiff der Föderation sprengt. Die Roboter machen keinen Sinn, weil die Jedis sie mit einem Blick wegschnipsen. Die Mutter von Anakin juckt keinen. Und so weiter. Es macht alles keinen Sinn. Sei es die endlose Szene im Parlament, die die Handlung nicht voranbringt oder das angebliche Sterben der Leute auf Naboo nach zwei Tagen ohne Handelsimporte. Der weise Jedirat ist reichlich lahm und tatsächlich wenig weise. Und so weiter. Der Anfang, in dem die Jedis ohne große Gefahr auf einmal umgebracht werden sollen, entbehrt jeglicher Logik. Und in all dem Gewühl gibt es noch den kleinen Jar Jar Binks:

Ihr besser nicht auf michse zählen. Lieber tot hier als noch toter im Kern. Du Güte gut! Was ich da reden?

Der Film funktinoniert nicht nicht, weil die Erwartugnshaltung so groß war. Er ist einfach nur eine komplett unlogische Sache und ein völliges Durcheinander. Ich bin kein großer Star Wars-Fan, aber man kann dem Film einfach nicht sehr viel abgewinnen. Ja, Raumschiffe sind cool. Und Laserschwerter. Ich schau mir auch eigentlich ganz gerne fremde Welten an und Schlachtren. Aber das ist nicht alles, was einen bei der Stange halten kann. Vor allem, wenn man an jeder Stelle mit dieser uninspirierten Geschichte konfrontiert wird. Mir ist das einfach zu dämlich. Dafür gibt es dank RedLetterMedia und Mr. Plinkett die vermutlich lustigste und beste Video-Review zu Star Wars aller Zeiten, hier zu finden. Lustigerweise hat mir Teil II noch ein ganzes Stück schlechter gefallen. Das kann ich diesem Streifen noch abgewinnen.

 

Regie: George Lucas (Star Wars IV, American Graffiti, THX 1138, Star Wars II + III)

Schauspieler: Liam Neeson, Ewan McGreger, Natalie Portman, Jake Lloyd

Bewertung: 

Krieg der Welten (2005)

Das Original von 1953 heißt „The War of the Worlds“ und im Deutschen „Kampf der Welten“. Dieses Remake von Steven Spielberg ist im Original „War of the Worlds“ benannt, hierzulande als „Krieg der Welten“. Klar soweit? Und an und für sich ist die Idee ja gar nicht mal so schlecht, denn die alte Version ist schon recht in die Jahre gekommen und sieht heutzutage angestaubt aus. Nichtsdestotrotz ist das Filmchen immer noch ein Klassiker. Nicht weltbewegend gut, aber an und für sich noch ganz nett. Nachvollziehbar, dass einer der erfolgreichsten Blockbuster-Regisseure unserer Zeit sich anschickt, ein Effektfeuerwerk sondergleichen auf uns loszulassen und den Krieg oder Kampf gegen böse Aliens auf furiose Art und Weise zu inszenieren.

Und wahrlich. Krieg der Welten hat hier und da Szenen, die verflucht gut gefilmt sind. So gibt es eine Sequenz während einer Autobahnfahrt, in der wir eine Konversation im Auto mitverfolgen und die Kamera dabei ständig um das Gefährt herumfährt und uns ungeschnitten Blicke auf den Hintergrund und die Protagonisten gewährt. Das ist ganz cool. Und noch viel cooler wäre das Ganze, wenn uns die Darsteller nicht so furchtbar egal wären. Oder die lausige Handlung.Krieg der Welten

Ray Ferrier (Tom Cruise) ist ein einfacher Arbeiter sowie überforderter Vater und lebt von seiner Ex-Frau Mary Ann (Miranda Otto) geschieden. Als die Gute ihm übers Wochende Sohn Robbie (Justin Chatwin) und Töchterchen Rachel (Dakota Fanning) dalässt, bricht wenig später die Scheiße über die Welt herein, denn Aliens beginnen mit der systematischen Ausrottung und Eroberung der Menschheit. So ist es an Ray, seine beiden Kinder heil aus der Sache herauszuholen. Mit an Bord ist für kurze Zeit auch der verrückte Harlan (Tim Robbins), der für eine merkwürdigsten Szenen im Film sorgt, die so gar nicht in einen einfachen Action-Film passen will.

Außerdem wird uns ständig die zerrütte Beziehung zwischen Vater und Sohn präsentiert, wobei man Robbie auch einfach nur als eine spätpubertäre Bitch bezeichnen könnte, die sich nach der Hälfte der 116 Minuten tatsächlich einfach aus dem Staub macht. Leider wird er wenig später von Tim Robbins ersetzt, sodass im Grunde immer ein Idiot an Bord ist. Ganz zu schweigen von Dakota Fanning, deren Rolle als Tochter vor allem aus hysterischem Gekreische besteht. Dann ist da noch Tom Cruise. Der macht seinen Job eigentlich ganz gut. Er ist ein unauffälliger Kerl aus der Arbeiterklasse, der einfach nur ums Überleben kämpft. Gleichzeitig geht Tom dadurch aber so ein wenig unter in der Fülle an dämlichen Leuten um ihn herum, die alle so rein gar nicht den Zuschauer in die Handlung involvieren. Die orientiert sich übrigens, abgesehen vom Alien-Invasions-Plot, nur zum Schluss am Original, funktioniert aber auch nicht so richtig.

Wie gesagt, einige Sequenzen sehen alleine wegen der Kamera-Arbeit ganz gut aus. Dafür sind dann die Aliens irgendwie nicht cool. Man kann sich natürlich streiten, was gutes Design ist. Wirklich Interesse weckt der Anblick der mehrbeinigen Viecher allerdings nicht. Zudem ist der Film in einem leuchtenden Farbton gehalten, der besonders zu Beginn reichlich Gewöhnung braucht. Da jedoch zum Ende hin ohnehin alles in Dunkelheit gehüllt ist, fällt das später weniger auf. Trotzdem besitzt das erste Viertel einen merkwürdigen Look. Dann gibt es wieder ganz nette Tom-rennt-um-sein-Leben-Szenen, während um ihn herum Menschen zu Staub zerfallen. Ein besonders starker Moment erinnert übrigens an einen Stephen King-Roman. Wenn sich ein Mob verzweifelter Menschen daran macht, unserer Familie Ferrier mit Waffengewalt das Auto zu entreißen, dann entsteht dieses Gefühl, dass wir als Spezies nicht besser sind als die Invasoren. Doch viel Tiefsinn sollte man nicht erwarten, denn es folgen bald die nächsten Szenen der Flucht. Irgendwann später sehen wir einen Regen aus Kleidung oder diverse Leichen, die in einem Fluss schwimmen. Hier kommt man sich ein wenig vor wie in einem Film von M. Night Shyamalan. Was eigentlich gut ist, doch gleichzeitig auch nicht konsequent. So pendeln wir irgendwo zwischen Abenteuer und Mystery, ohne je wirklich furiose Schlachten geliefert zu bekommen.

Vielleicht ist das das Überraschendste an Krieg der Welten. Der Regisseur, der die unglaubliche Anfangsszene aus Der Soldat James Ryan gemacht hat, verschont uns hier die meiste Zeit mit Gefechten. Action gibt es nur ein wenig am Anfang. Klar, wir sollen nicht den Krieg an sich miterleben, sondern nur die Sicht eines kleinen Mannes mitbekommen, der um das Leben seiner beiden Kinder kämpft. Das funktioniert aber halt nicht. Einerseits weil man keinen Charakter wirklich leiden kann, andererseits weil die Action zwar öfter mal angedeutet, dann aber jedoch nicht gezeigt wird. Männer verstehen, wie enttäuschend das sein kann (knick knack). Hier und dort kommen noch Logiklöcher hinzu, die einen mitunter verärgern könnten. Und naja, das Ende ist nicht sehr befriedigend. Oder tiefsinnig.

Nichtsdestotrotz, das hier ist kein totaler Reinfall. Wer mit den ganzen Roland Emmerich- und Shyamalan-Streifen klarkommt, wird auch hier seinen Spaß haben. Leider hätte man so viel mehr machen können. Das ist schade. Zumal das Original wohl noch immer einen bedeutend höheren Stellenwert in der Filmgeschichte einnehmen wird als Spielbergs Versuch. Wer sich unsicher ist, sollte sich vielleicht mal einfach Children of Men von Alfonso Cuarón geben, der stellenweise ähnliche Töne anschlägt und einige der geilsten Kameraeinstellungen der jüngeren Vergangenheit bietet, dabei aber eine viel bewegendere und geilere Geschichte erzählt.

PS: Justin Chatwin spiel in Dragonball Evolution den Son-Goku. JA! Diese kleine Bitch aus Krieg der Welten! Das ist noch ein zusätzlicher Wermutstropfen für alle Dragonball-Fans.

 

Regie: Steven Spielberg (Schindlers Liste, Der Soldate James Ryan, Jurassic Park, E.T., Indiana Jones, Hook, A.I., Der weiße Hai)

Schauspieler: Tom Cruise, Dakota Fanning, Tim Robbins, Justin Chatwin

Bewertung: 

Elysium (2013)

Als Neill Blomkamp 2009 mit District 9 einen mit 30 Millionen Dollar Budget nicht nur billigen, sondern auch verdammt guten Sci-Fi-Streifen ablieferte, überschlugen sich die Kritiken samt Kritikern. Vier Oscar-Nominierungen und über 200 Millionen an den Kinokassen sind auch nicht gerade schlecht für ein Debüt-Filmchen. Mit Elysium darf der Südafrikaner nun mit 4 mal so viel Geld und mehr Star-Power beweisen, ob die gesteckten Erwartungen auch berechtigt sind.

In naher Zukunft lebt die Menschheit in Armut auf der Erde. Die Reichen fliehen vor dem überbevölkerten Planeten auf die Raumstation Elysium, wo sie dank modernster Technologie in ihrem Luxus schwelgen und frei von Krankheiten leben. Max (Matt Damon) träumt seit seiner Kindheit von dem ständig sichtbaren Paradies am Himmel, muss sich jedoch mit einem ärmlichen Leben als ehemaliger Kleinkrimineller und Arbeiter in einer Roboterfabrik abgeben. Als er eines Tages verstrahlt wird und nur noch 5 Tage zu leben hat, setzt Max alles daran, um nach Elysium zu gelangen, um seinem nahenden Ende zu entrinnen. Allerdings hat die Quasi-Herrscherin Delacourt (Jodie Foster) etwas dagegen, denn wer will schon den Pöbel an den Annehmlichkeiten der Reichen teilhaben lassen? Außerdem hetzt sie den Söldner Kruger (Sharlto Copley) auf unseren kahlköpfigen Helden, der neben seinem Katana auch noch ein paar andere technische Spielereien mitbringt.Elysium

Eines ist klar: Wer District 9 kennt und mochte, fühlt sich auch bei Elysium heimisch. Die Optik und das Design erinnern an das Erstlingswerk von Blomkamp, wobei er hier nun mit mehr Action und Ballerei punkten kann. Besonders die erste größere Schießerei ist dank diverser Zeitlupen und manch geiler Kameraperspektive sehr schön anzuschauen. Die Raumstation ist ebenfalls wie aus einem Guss. Wenn Jodie Foster durch Elysium schreitet und mit ihrer geradezu androgynen Gestalt aus einer weißen Tasse Kaffee trinkt, dann ist das alles sehr stylisch.

Doch so schön die meisten Kulissen auch aussehen, sämtliche Charaktere bleiben die meiste Zeit über ziemlich oberflächlich. Insbesondere Max besitzt leider kaum herausstechende Eigenschaften. Eine große Klappe reicht nicht aus, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen. Er wird einem zwar als so eine Art netter Kerl verkauft, der öfter mal im Leben die falsche Entscheidung getroffen hat, doch wahre Emotionen zeigt er selten. Und das, obwohl er eine Wandlung durchmacht und gerade zum Ende hin nicht mehr nur aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus handelt. Hier kann man sich streiten, ob er als Vertreter der Unterschicht absichtlich so ist wie er ist. Also einfach nur der 08/15-Arbeiter, der keine Ziele außer dem Fortsetzen des eigenen unwichtigen Lebens verfolgt. Nichtsdestotrotz vermisse ich hier die menschliche Note, die hier leider ziemlich plakativ in Form eines Mädchens mit Leukämie aufgedrückt wird. Eine Spur weit merkwürdiger sind die Antagonisten, die so dermaßen eintönig böse sind, dass der Film aus seinen sozialkritischen Ansätzen zu Beginn nicht mehr viel herauszuholen vermag. Sharlto Copley beispielsweise ist tatsächlich einfach nur noch ein Psychopath und irgendwie viel zu abgedreht. Jodie Foster und William Fichtner als Vertreter der Oberschicht werden auch sehr einseitig als schlecht hingestellt. Darunter leidet dann auch die Story.

So ist Elysium, gerade was die meisten Protagonisten angeht, reichlich oberflächlich. Die Handlung, die mit Max‘ anfänglicher Erkrankung und dem daraus resultierenden Ziel noch angenehm simpel bleibt, verliert gerade zum Finale hin etwas den roten Faden. Das liegt in erster Linie daran, dass man nicht mehr so genau weiß, was das essenzielle Ziel sein soll. Hier hätte eine simplere Struktur das eine oder andere Logikloch vermeiden können. Zumal die Auflösung zum Schluss alles andere als wirklich zufriedenstellend ist. Hier bleibt es einem selbst überlassen, wie sehr man sich die Geschichte dekonstruieren möchte. Es gibt aber die eine oder andere Szene, die sich nicht ganz so organisch in die Story einfügt. Wenn beispielsweise das besagte kranke Mädchen sowohl bei Max als auch beim Zuschauer auf die Tränendrüse drücken soll, dann fühlt man sich irgendwie befremdlich.

Es ist gerade im Sci-Fi-Genre oft ziemlich einfach, einen Film aufgrund seines Realitätsgrades zu kritisieren. Allerdings schafft Elysium eine Welt, die funktioniert und die sich gut anfühlt. Großen Respekt dafür und auch für den passenden Gewaltgrad, der nicht extra auf 12-jähriges Publikum zugeschnitten wurde. Nur die Figuren in dieser Welt bleiben die gesamten 109 Minuten Laufzeit lang Pappaufsteller. Und das ist und bleibt leider ein Kritikpunkt, der sich nie wirklich abschütteln lässt. So hat Blomkamps zweiter Film zwar ein cooleres Setting als ‚Oblivion‚ oder ‚After Earth‚, doch wie im kürzlich erschienen ‚Total Recall‚-Remake bleiben einem die Protagonisten egal. Einen ähnlichen Ansatz fährt der unterschätzte ‚Dredd‚, der nochmal ein ganzes Stück brutaler, aber auch gleichzeitig konsequenter in seinem Stil ist. ‚Moon‚ von Duncan Jones kommt ganz ohne Gewalt aus und lebt zeitgleich komplett von dem von Sam Rockwell verkörpertern Charakter.

Ehrlich gesagt verschafft mir Elysium keine negativen Emotionen. Klar, man hätte mehr aus dem Setting herausholen können. Doch zeitgleich sind die Erwartungen dank District 9 auch nicht gerade gering gewesen. Um die Zukunft von von Neill Blomkamp mache ich mir zumindest keine Sorgen, denn Sci-Fi kann er. Und so ein Sci-Fi-Action-Streifen ohne viel Tiefgang kann ja auch mal ganz unterhaltsam sein.

 

Regie: Neill Blomkamp (District 9)

Schauspieler: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga, William Fichtner

Bewertung: 

Pacific Rim (2013)

Wenn riesige maschinenartige Ungetüme Städte in Schutt und Asche legen, dann ging oft die erste Assoziation Richtung Transformers. Beachte: „ging“. Denn das dürfte sich mit Pacific Rim hoffentlich bald ändern, weil Guillermo del Toros Film zeigt, dass man eine ähnliche Prämisse in einen funktionierenden Streifen verwandeln kann. Ohne die grenzdebilen Dialoge, das massive Product-Placement oder den nervtötenden amerikanisch-patriotischen Pathos, der Michael Bays Spielzeugfilme stets begleitet.Pacific Rim

Die Handlung ist simpel. Und hört sich zugegebenermaßen recht albern an. Ach verdammt, sie ist auch albern. In naher Zukunft überfallen gigantische Ungeheuer, die Kaiju, aus einer Paralleldimension heraus die Erde. Das Tor, durch das diese schreiten, befindet sich irgendwo im Pazifik. Nur die von Menschen gebauten Jaeger, gigantische Kampfroboter, sind in der Lage, den Monstern Einhalt zu gebieten. Im Mittelpunkt steht der Pilot Raleigh Becket (Charlie Hunnam), der seinen Bruder an einen Kaiju  verloren hat und der nun von Stacker Pentecost (Idris Elba) erneut rekrutiert wird, um einen letzten verzweifelten Versuch zu unternehmen, um die Menschheit vor der drohenden Vernichtung zu bewahren. Ihm zur Seite steht Mako Mori (Rinko Kikuchi), denn die großen Kampfmaschinen lassen sich nur zu zweit kontrollieren.

Wir sind also rein geschichtlich nicht am Anfang der Invasion, sondern befinden uns mehr oder weniger am Ende. Denn der Riss spuckt immer häufiger Kaiju aus und die Menschen rund um den Pazifik sind wohl dem Untergang geweiht. So ist Pacific Rim die meiste Zeit relativ düster. Das funktioniert auch ganz gut. Es stellt sich für den Zuschauer jedoch die Frage, ob er mit diesem Sci-Fi-Monster-Setting leben kann. Guillermo del Toro erschafft eine eigenständige und detailierte Welt, die für manchen Realisten arg konstruiert wirken wird. Natürlich ist es nicht sinnvoll, gigantische Roboter zu bauen. Natürlich sind Paralleldimensionen mit großen Seeungeheuern nicht realistisch und ganz klar, der eine oder andere Charakter ist stark überzeichnet. Aber wenn man den Film gewähren lässt und sich auf das Szenario einlässt bzw. einlassen kann, dann erlebt man eine recht coole und stellenweise tatsächlich durchdachte Welt. Vor allem für Leute wie mich, die früher jeden Samstag um 5:00 die Power Rangers im Morgenprogramm geschaut haben, entfaltet Pacific Rim so eine Art Retro-Charme.

Was den Film so viel besser macht als die Transformers, ist der Fakt, dass selbst die gigantischste Action-Sequenz angenehm geschnitten ist. Während bei Michael Bay Schnitt auf Schnitt folgt und man in der Hektik jegliche Übersicht verliert, weiß man in Pacific Rim immer, was gerade passiert. Dabei ist die Handlung simpel und wirkt nich so hingeklatscht wie bei den Transformern, wo man optisch und inhaltlich meist gar nicht mehr weiß, was da los ist. Auch die Kämpfe sind durch die Wesen und die Roboter geradezu menschlich und haben eine sehr natürliche Dynamik. Wenn gerade eine der Maschinen einen riesigen Öltanker als Baseballschläger benutzt, dann ist das auf der Coolness-Skala schon zeimlich weit oben. Und dazu dann noch der motivierende Soundtrack von Ramin Djawadi (seines Zeichens auch für den Soundtrack von Game of Thrones verantwortlich), der sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film zieht. Wenn das Lied ertönt, dann weiß man, gleich brennt die Hütte. Die Wiedersacher erinnern rein von der Optik her stark an die Wesen aus den Hellboy-Filmen, bei denen Guillermo del Toro auch auf dem Regiestuhl saß.

Aber! So einiges funktioniert auch nicht. Die meisten Charaktere sind ziemlich oberflächlich und teilweise unsympathisch. Auch wenn ich Idris Elba liebe, seine Rolle schwingt irgendwo zwischen aufgesetzter Wichtigkeit und nervtötender Dominanz. Hauptprotagonist Raleigh ist so gut wie charakterlos, seine Kollegen ebenso. Die Dialoge der Protagonisten sind dahingehend auch alles andere als wirklich sinnvoll. Dazu kommt, dass mit Charlie Day, Burn Gorman und Ron Perlman gleich drei Charaktere in einer Art Nebenhandlung für einen Comic Relief sorgen sollen und dabei öfter mal so gar nicht in die düstere Stimmung hineinpassen. Vermutlich wäre es auch zu ermüdend, zwei Stunden lang nur Monster-Roboter-Kämpfe zu sehen. Aber ich verzeihe dem Film, weil es eben nicht wie in Transformers 2 eine Riesen-Maschine mit Klöten gibt. Oder ständiges Einblenden von Automarken oder Handyherstellern. Oder eine Art Werbeblock für die amerikansiche Armee, wie in Transformers 3. Oder eine Megan Fox, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, ihren Arsch in die Kamera zu recken.

Und hier liegt vermutlich auch irgendwo der Hund begraben. Die Menschen sind die großen Roboterschlachten mittlerweile leid. Vor allem dank Michael Bay. Nur so lässt sich für mich erklären, warum das Transformers-Franchise so massiv mehr eingenommen hat als Pacific Rim, welches gerade mal seine Produktionskosten wieder drin hat. Hier tut es mir wirklich leid, denn Guillermo del Toros Film ist natürlich kein erzählerisches Meisterwerk, aber es macht das, was es machen soll. Und um so viel besser als die Konkurrenz.

Wer als Kind mit den Power Rangern, den Transformern, Godzilla und co. oder dem Saber Rider aufgewachsen ist, wird auch mit Pacific Rim sicher viel Freude haben. So wie ich. Aber auch als Sci-Fi-Actioner taugt das ganze hier. Wenn man sich jedoch an allerhand Logiklücken aufhängt à la „Warum hat ein Riesenroboter drei Arme?“, dann dürfte Pacific Rim nicht gerade das Gelbe vom Ei sein. Aber hey, viel wichtiger ist dann allerdings die Frage, warum man ohne Power Rangers aufgewachsen ist.

 

Regie: Guillermo del Toro (Hellboy I + II, Pans Labyrinth)

Schauspieler: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Ron Perlman, Diego Klattenhoff

Bewertung: 

After Earth (2013)

Gefahr ist real. Angst ist eine Entscheidung. Das ist das Motto dieses illustren Ausflugs auf eine verlassene Erde, die voll ist mit allerhand bösen Tieren. Und weil es an Gefahren noch nicht genug ist, bringen unsere Helden sogar ihren eigenen Antagonisten mit. Dass besagte arme Kreatur nicht sehen oder hören kann, scheint aber niemanden stören. Wo steckt Greenpeace, wenn offensichtlich behinderte Tiere massakriert werden?After Earth

In der Zukunft hat die Menschheit die Erde schon lange verlassen, da diese unbewohnbar geworden ist. Warum genau wird nicht klar, denn die ganzen Tiere chillen dort immer noch. Vielleicht waren es die horrenden Immobilienpreise. Jedenfalls fand man mit Nova Prime einen neuen Heimatplaneten. Dieser stellte sich jedoch als bereits bewohnt heraus. Die bösen Aliens hatten außerdem keinen Bock auf Touristen bzw. eine verflucht rassistische Einwanderungspolitik und hetzten Ursas auf uns. Das sind blinde / taube / dämliche Monster-Ungetüme, die anhand von Angst-Pheromonen Menschen aufspüren und als Baumdekoration aufhängen. Zum Glück jedoch stellte sich ein Mann namens Cypher Raige (Will Smith) als so cool heraus, dass er keine Angst hatte und deswegen unsichtbar für die Ursas war. So gewann die Menschheit den Krieg und konnte sich an die Aufgabe machen, den nächsten Planeten zu vergewaltigen. Leider geht Kampfgeschick nicht mit den Fähigkeiten des Papaseins Hand in Hand und so führen Cypher und Sohnemann Kitai (Jaden Smith) eine typische Beziehung: Autoritäre Vaterfigur und sein Junge, der nicht an die Leistungen seines Stammhalters heranreicht und erwachsen werden muss. Alles schon bekannt. Cypher nimmt Kitai mit auf irgendeine Mission, ein Trainings-Ursa mit an Bord. Dann stürzen sie auf dämliche Art und Weise auf der Erde ab, der Prinz von Bel-Air bricht sich beide Beine und der Sohn muss irgendein Föhn-ähnliches Gerät aus 100km Entfernen besorgen. Leider sind Flora und Fauna alles andere als gut auf die Menschheit anzusprechen und die Reise stellt sich als selbstmörderischer Trip heraus. Bla bla bla. Wer nicht von Beginn an weiß, worauf es im Film hinausläuft, hat vermutlich noch nie von Mister Miyagi, Yoda oder Splinter gehört.

After Earth hat aber auch sehr viele hilfreiche Weisheiten parat, die man unbedingt wissen muss:

  • Selbst auf Raumschiffen im Weltall sollte man sich immer anschnallen.
  • Ein gottverdammter Strohhalm von einem Trinkpäckchen eignet sich hervorragend, um einen Shunt (zur Flüssigkeitsübertragung getrennter Blutgefäße) zu legen.
  • Die Schweizer Taschenmesser der Zukunft passen nicht mehr in die Hosentasche. Dafür hat man zugunsten von 37 verschiedenen Messerarten auf Dosenöffner, Nagelknipser und Pinzette verzichtet.
  • Der Handyempfang auf einem aktiven Vulkan ist fantastisch.
  • Paviane sind immer Arschlöcher. Nicht nur, weil sie so merkwürdige Arschlöcher besitzen.

After Earth ist öde, vorhersehbar und erschreckend uninspiriert. Es gibt keine sympathische Figur. Schlimmerweise gibt es trotz des Settings auch nichts Interessantes zu erzählen. Will Smith ist der beschissenste Vater seit ewigen Zeiten, Jaden Smith ist kein guter Schauspieler und nie, zu keinem Zeitpunkt, auch nur im Entferntesten sympathisch. Mit wem soll man da mitfiebern? So plätschert der Müll vor sich hin. Fürchterlich sind diverse Szenen, in denen After Earth unfreiwillig komisch rüberkommt. Der Film nimmt sich so ernst, dass scheinbar niemandem aufgefallen ist, dass das Erzählte furchtbar dämlich ist. Keine Ahnung, wer M. Night Shyamalan noch 130 Millionen Dollar in die Hand gibt. Aber hoffentlich war das hier das letzte Mal.

Finger weg von diesem Scheiß.

Regie: M. Night Shyamalan (The 6th Sense, Unbreakable, Signs)

Schauspieler: Will Smith, Jaden Smith, Zoe Kravitz

Bewertung: 

Oblivion (2013)

Heute kochen wir! Man nehme:

  • eine kleine Prise Planet der Affen-Setting
  • zwei Teelöffel The Day After Tomorrow oder wahlweise 2012-Endzeit-Szenario
  • ein wenig Feeling aus I am Legend
  • die Optik aus einem Apple-Store

WICHTIG #1: Auf gar keinen Fall greifbare Antagonisten verwenden! Lieber auf die altbewährten Drohnen setzen, die die bedrohliche Aura einer Waschmaschine versprühen und soviel spannender sind als lebendige „Bösewichte“.Oblivion

WICHTIG #2: Sollte die Menschheit jemals untergehen, so werden Schallplatten und entsprechende Spieler als einzige Medien überleben. Deswegen schon vorher Vorrat mit Lieblings-Platten anlegen. Beachte dabei: offensichtlich brauchen diese keinen Strom.

Die Zutaten vorsichtig verrühren, bis ein wichtiger schwarzer Mann auftaucht, der verdächtig an Denzel Washington in The Book of Eli erinnert. Ist er aber nicht. Es ist nämlich Morgan Freeman, der Léon dem Profi die Brille geklaut hat. Ab hier den bereits im Trailer erwähnten Story-Twist vorsichtig drüberstreuen, weil Menschen heutzutage keine Trailer mehr gucken. Weil dieses „Intranetz“ ohnehin Nischen-Technologie ist. Von jetzt an noch größere Vorsicht beim weiteren Kneten, denn die beiden nervigen wie auch belanglosen Frauenfiguren machen die teigige Masse schnell bitter. Noch sehr viel bitterer: Olga Kurylenko hat keine Nacktszene.

WICHTIG #3: Auf gar keinen Fall zu viel Screentime für Morgan Freeman einplanen, denn keiner mag ihn.

Sollte sich der Story-Teig zunehmend sandig und ziellos färben und die an Star Wars-Spiele der 90er erinnernde Flug-Kampf-Szene zu Ende sein, schnell einen weiteren Story-Twist reinbringen, bis das Interesse des Zusehers wieder steigt. Hier eine Sequenz aus Der Englische Patient untermischen, weil dadurch die Spannung ins Unermessliche steigt und die Zuschauer sonst zu sehr an Moon denken.

Jetzt kann die Pampe in den Backofen. Nach 2 Stunden bei 200°C rausholen und zum Schluss mit Independence Day und 2001 – Odyssee im Weltraum glasieren. Abkühlen lassen. Servieren.

Voilà.

 

Der Film zitiert nicht nur, sondern bedient sich fröhlich aus dem Sci-Fi-Fundus der letzten Jahre und Jahrzehnte. Von 2001 bis Planet der Affen, Independence Day, Total Recall und ganz erheblich vor allem von Moon. Da ist keine einzige originelle Idee dabei gewesen. Ästhetisch ist er. Und ja, am Ende habe auch ich gehofft, Aliens oder was auch immer zu sehen. Dann aber ist widerum die ganze Handlung reichlich konstruiert und Morgan Freeman völlig verschwendet. Kurylenko sieht nett aus, aber beide Frauenfiguren sind irgendwo zwischen nervig und belanglos. Tom Cruise ist sympathisch und der eine oder andere Twist unterhalten tatsächlich, aber trotzdem ist Oblivion, besonders das Finale, überraschend unoriginell.

So stirbt der Film in seiner weißen Touchscreen-Apple-Store-Optik den Designer-Tod. Nett und unterhaltend, aber keiner Erinnerung wert.

 

Regie: Jospeh Kosinski (TRON: Legacy)

Schauspieler: Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko

Bewertung: 

 

 

Dredd (2012)

Man stelle sich vor, ein einbeiniger Mann ohne Gleichgewichtssinn und mit Schaum vor dem Mund versucht, humpelnd, einem die Zehennägel mit einer Kettensäge zu schneiden. Auf einem wackeligen Floß mitten im reißendsten Strom. Während sein Kopf in Flammen steht. Dann hat man ungefähr eine Vorstellung vom Einfühlungsvermögen von Judge Dredd (Karl Urban). Der hat trotz seines Namens vermutlich weder das erste noch das zweite Staatsexamen abgelegt und wohl auch noch nie eine Richter-Robe getragen. Trotzdem weist der Mann einen einfachen wie effektiven Gerechtigkeitssinn auf: Wer gut ist, darf leben. Wer Böses treibt, wird gnadenlos hingerichtet. Willkommen in der Zukunft, Motherfucker!Dredd

Irgendwo in der futuristischen Stadt Mega City One mit abermillionen Einwohnern bleibt keine Zeit für zeitaufwendige Gerichtsverfahren und Verhaftungen. Die Judges, die so eine Mischung aus Polizei, Richter, Henker, Detektiv und SWAT-Einsatzkommando darstellen, patrouillieren durch die Straßen und haben dabei mehr als genug zu tun. Dem erfahrenen Judge Dredd wird der Neuling Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) zugeteilt. Diese hat zwar die etwaigen Prüfungen nicht bestanden, verfügt aber über paranormale Kräfte, die im Kampf gegen den Abschaum der Stadt nützlich sein können und werden. Als das Duo in einem Hochhaus eine Dealerbande aushebt, die mit der neuen Droge SLO-MO handelt, werden sie von der Bandenchefin Ma-Ma (Lena Headey) in dem Wolkenkratzer eingesperrt und müssen sich den Weg freikämpfen.

Und das ist die Handlung. Wer sich an ‚The Raid‚ erinnert fühlt, liegt gar nicht mal so falsch. Nur ist das hier die amerikanische Sci-Fi-Version davon. Anstatt krassem Martial Arts bekommt man stattdessen eine bleihaltige Gewaltorgie sondergleichen. Und mit Gewalt ist hier nicht „Peng Peng“ gemeint. Judge Dredd ballert jedem zweiten Schurken in Zeitlupe durch das Gesicht, überall spritzt und spratzt und klebt das Blut. Ohne den Film in 3D gesehen zu haben, behaupte ich einfach mal, dass sich die 3D-Effekte durchaus gut anfühlen sollten. Überhaupt ist der dreckige futuristische Look sehr sehenswert und macht ‚Dredd‘ zu einem stylischen Streifen.

Wer sinnlose Gewalt überhaupt nicht sehen kann, sollte hier auch gar nicht erst reinschauen. Wenn Menschen aus 200 Metern Höhe geworfen werden, dann wird nämlich auch gezeigt, wie sie in Zeitlupe aufkommen, während ihr Gehirn auf dem Bordstein verteilt wird. Das ist eklig, aber auch realistisch. Vermutlich. Zumindest in diesem brutalen Kontext. Und mehr als einmal bin ich zusammengezuckt, als beispielsweise schon wieder einer armen Sau das Gesicht weggeballert wurde. Ob dieses hohe Maß an Gewalt unterhält, sei jedem selbst überlassen. Mir hat es tatsächlich gefallen. Dabei ist ‚Dredd‘ von vorne bis hinten nie intelligent oder gehaltvoll. Das kann man aber verschmerzen, weil der Film sich konsequent an seine Linie hält und an keiner Stelle versucht, mehr zu sein, als er ist, nämlich ein flacher und geradliniger Action-Streifen. Gerade im Bezug auf das kürzlich erschienene ‚Total Recall‚-Remake macht ‚Dredd‘ als Neuverwurstung vieles richtig, vor allem was die Effekte und Schauwerte angeht.

Karl Urban in der Hauptrolle und mit Helm zeigt dabei nur seinen Mund. Und das fand ich schon ziemlich stylisch. Zumal seine Mundwinkel nur zwei Positionen kennen: Entweder nach unten gezogen oder noch sehr viel weiter nach unten gezogen. Dabei ist er so unheimlich entmenschlicht und maschinenartig, dass man sich zwangsläufig an ‚RoboCop‚ erinnert fühlt. Gott sei Dank gibt Judge Dredd dann auch einfach mal nichts von sich preis. Nur, dass er tierisch angepisst ist. Dafür hat er dann ein ganzes Hochhaus voll mit Bösen, um sich abzureagieren. An seiner Partnerin könnte man sich womöglich hier und da ein wenig stören, allerdings beweist sie gerade zum Ende hin echte Nehmerqualitäten und gibt dem Film noch so ein wenig optischen Schauwert und tatsächlich auch ein ganz kleines bisschen Inhalt. Aber keine Sorge, nur ganz wenig. Und die böse Mutti ist jetzt nicht wirklich eine ernstzunehmende Gegenspielerin, doch vermutlich würden sich selbst Bane und Freddy Krueger vor Angst in die Hose machen, wenn sie gegen Judge Dredd antreten müssten.

Es bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Ihr mögt Action und könnt ohne Handlung und Dialoge leben? Bitteschön, ‚Dredd‘ ist einfach, brutal und brachial. Und optisch absolut cool anzusehen. Wer aber schon von Michael Bay-Filmen angewidert wird, der sollte sich den Ausflug nach Mega City One sparen. Schließlich ist es auch mal ganz schön, sich die Fußnägel gemütlich mit einer einfachen Nagelschere zu schneiden und auf den brennenden Kettensägen-Typen zu verzichten.

Judge Dredd: Judgement time.

 

Regie: Pete Travis (8 Blickwinkel, Endgame)

Schauspieler: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey, Wood Harris

Bewertung: 

Prometheus – Dunkle Zeichen (2012)

Das mit den Prequels ist immer so eine Sache. Im Grunde geht es meistens darum, ein vorhandenes Universum zu erweitern und dadurch den Fans der Vorlage mehr vom Gleichen zu geben. Prequels können dabei gut sein, oder aber auch seelenlose Verwurstungen von etwas einstmal Gutem. Im Grunde ist der Pate II das beste Beispiel für gelungene Vorgeschichten. Auch Planet der Affen: Prevolution oder X-Men: Erste Entscheidung funktionieren gut und sind dabei auch selbstständig als Filme interessant genug, um mit ihren Vorgängern mithalten zu können. Zeitgleich ist jedoch X-Men Origins: Wolverine ziemlich blöd. Ein weiterer Blick auf Wikipedia offenbart, dass Prequels meistens eher Low-Budget-Streifen sind, die dem Original nicht das Wasser reichen können und den Fans einfach nur noch ein wenig Geld aus der Tasche ziehen sollen. Wenn wir jetzt ins Alien-Universum einschwenken, dann wissen wir auch, dass mit den beiden ‚Alien vs. Predator‘-Filmen zwei grenzdebile „Prequels“ bereits Einzug in dieses Franchise gehalten haben.

Nun kehrt Regisseur Ridley Scott zu seinem eigenen Alien-Universum zurück. 33 Jahre nach Alien. Und nachdem sich James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet an dieser Welt ausprobiert haben und dabei doch so grundlegend unterschiedliche Filme gemacht haben, die in Sachen Spannung und Horror nie an das Erstlingswerk herangereicht haben. Denn Alien verwandelte den Weltraum in einen fürchterlichen und unheimlichen Ort. Vorher war praktisch alles abenteuerlich und kindgerecht. Ob Star Wars oder Trek, nie fürchteten sich die Protagonisten in den Weiten des Alls. Bis sich Sigourney Weaver auf einmal alleine mit diesem Monster herumschlagen musste. Wen die Hintergründe der vier Alien-Filme interessieren, dem sei diese Seite hier ans Herz gelegt. Ansonsten sei gesagt, dass ‚Prometheus‘ definitiv ein Prequel ist. Aber vermutlich nicht so, wie man es erwartet hätte.

Der Film beginnt mit einem weißen muskulösen Männchen. Das haarlose Etwas konsumiert irgendetwas und fängt daraufhin an, sich aufzulösen und fällt anschließend in einen Wasserfall hinein. Über ihm schwebt nebenbei ein Raumschiff. Was diese Szene zu bedeuten hat? Wahrscheinlich die Erschaffung des Menschen. Hurra! Nun beginnt der eigentliche Film. Wir sehen, wie im Jahre 2089 die beiden Wissenschaftler Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) auf ein sich wiederholendes Sternen-Muster in alten Höhlenmalereien stoßen. Dieses interpretieren sie als Einladung und so wird das Forschungsraumschiff Promtheus zum Mond LV-223 geschickt, der wohl bewohnbar und Ursprung der Botschaften sein soll. Gesponsert wird die Reise von der Weyland Corp. und die Leitung hat die wenig sympathische Meredith Vickers (Charzlize Theron). Mit an Bord ist der Android David (Michael Fassbender) und Captain Janek (Idris Elba). Das Schiff erreicht 2093 den Zielort und man stößt schnell auf Spuren einer alten Zivilisation, undzwar auf eine komplexe Höhlenanlage.

Was genau der Film dann nun sein soll, ist schwer zu sagen. In den 124 Minuten gibt es Action, ein ganz kleines bisschen Horror und total viele Rätsel. Das ist dann auch vermutlich das größte Problem. ‚Prometheus‘ kann sich nie festlegen, was es sein soll. Es wird ein ziemlich bescheuerter Disput innerhalb der Weyland-Familie angedeutet, es wird ein wenig mit den aus ‚Alien‘ bekannten Elementen gespielt und es wird ein wenig geforscht. Dabei ist die Handlung linear, aber trotzdem unlogisch und die Protagonisten sind allesamt merkwürdig flach und unnahbar. Während Vickers die größte Bitch im Universum ist und der Android David ohnehin künstlich, sind alle anderen Charektere wenig nachvollziehbar. Ein Geologe, der eine Karte der zu untersuchenden Höhlen anlegt, um sich kurz darauf zu verirren. Ein Biologe, der unbedingt mit einer gefährlichen Alien-Schlange schmusen will und dann auch muss. Holloway, der trotz der überwältigenden Funde urplötzlich den Emo macht. Und noch ganz viele andere Kleinigkeiten. Ich habe mir beim Schauen die Mühe gemacht, einzelne Fehler und Ungereimtheiten aufzuschreiben und komme auf ungefähr 20, von denen einige schon zusammengefasst sind und sich durch den ganzen Film ziehen. Warum schickt man die größten Dummbatzen der Welt auf eine Mission, die eine Billion Dollar kostet? Warum lernen die sich nicht schon vorher kennen?

Und warum muss man so einen grundlegend dämlichen Story-Twist rund um die Weyland-Corporation einbauen, der so rein gar nicht hilfreich ist? Dann gibt es noch so einige weitere Dinge, aber es wäre zu müßig, alle aufzuzählen. Zumal ich damit auch den gesamten Film spoilen würde. Interessanterweise sind mir beim ersten Schauen alle diese Sachen nicht so sehr aufgefallen. Doch beim zweiten Gucken ist es schwer, darüber hinwegzusehen. ‚Prometheus‘ hat natürlich auch positive Seiten. Die Naturaufnahmen und die gesamte Optik, die sich am Ende in einer gigantischen Actionsequenz die Kante gibt, sind spitze. Und wer sich im ‚Alien‘-Franchise zurechtfindet, bekommt ein paar Anleihen zu spüren, die sich durchaus sinnvoll in das Universum fügen.

Das Ende und das Finale an sich empfand ich dann auch echt gut, zumal ein mögliches Sequel wünschenswert wäre. Dabei grenzt sich ‚Prometheus‘ auch deutlich von ‚Alien‘ ab und bewahrt sich Selbständigkeit. Weniger befriedigend ist allerdings, dass diverse aufgeworfene Mysterien nicht aufgelöst werden.

Der Film gefällt mir. Die bombastische Bildsprache ist im Sci-Fi-Genre nicht unbedingt oft anzutreffen und das gesamte Franchise gefällt mir. Trotzdem gibt es an so gut wie jeder Stelle auch Macken. Sei es die doch sehr lose Handlung oder die völlig oberflächlichen Protagonisten. Noomi Rapce ist neben Michael Fassbender im Grunde die Einzige, die ihrer Figur wahres Leben einhaucht, nicht zuletzt auch durch den ersten Live-Kaiserschnitt der Filmgeschichte. Guy Pearce ist in seiner Rolle völlig verschwendet und seine Maske zudem wirklich mies. Dann ist doch aber zeitgleich Fassbender in seiner Rolle überwältigend gut. Ich habe noch nie einen glaubwürdigeren künstlichen Menschen gesehen. Bewegungen, Aussprache, Mimik und Gestik sind unglaublich gut.

Es ist nicht leicht, ‚Prometheus‘ in eine Kiste zu stecken. Manches funktioniert, vieles nicht. Prinzipiell finde ich den Film sehenswert. Allerdings weiß ich nicht, ob ‚Alien‘-Fans ihn mögen würden oder nicht. Es ist mehr Hollywood hier drin und ein Klassiker wie das Original ist dies einfach nicht. Leider werden Ridley Scotts Filme im Alter nicht gerade besser. Für mich persönlich funktioniert die Welt jedoch, die hier konsturiert wird. Es ist aber auch nachzuvollziehen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

2014 oder 2015 kommt das Sequel, ebenfalls von Ridley Scott. Dann wird sich zeigen, ob die Geschichte ihr Potential nutzt, das es auf alle Fälle hat, oder ob hieraus letztendlich doch nur Hollywood-Sci-Fi-Standardkost wird. Dann kann sich ‚Prometheus‘ hoffentlich auch komplett von ‚Alien‘ emanzipieren, was der Geschichte nur zuträglich wäre.

Regie: Ridley Scott (Blade Runner, Alien, American Gangster, Gladiator, Black Hawk Down)

Schauspieler: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, Guy Pearce

Bewertung: 

Aliens vs. Predator 2 (2007)

Willkommen zu AvP 2, dem Film der Superlativen. Von den Strause-Brothers, die mit ‚Skyline‚ bereits einen der einflussreichsten und besten Alien-Streifen aller Zeiten abgeliefert haben. Von den zwei Genies, die an Skyfall, Looper, Avengers, The Social Network, Iron Man 2, Terminator 3, Constantine, Kiss Kiss Bang Bang, X-Men 3, 300, Shooter, Benjamin Button und Avatar beteiligt waren (kein Witz, siehe hier). Aliens vs. Predator 2, der vermutlich größte und einzigartigeste Film seiner Art. Ein Film, der es wagt, Grenzen zu überschreiten und neue Maßstäbe zu setzen. Vor allem im Bereich der Kindes- und Säuglingstötung. Und allen voran: Der dunkelste Film, der je gemacht wurde. Ein Film, der Aliens mit Predatoren gekreuzt hat und der ein Alien beinhaltet, das aussieht, als ob es eine Rastafari-Perücke anhat. Völerkverständigung, auf Strause-Art. Pass that dutch!

Und die beiden müssen eine Menge Ganja geraucht haben. Ansonsten ist das hier nämlich nicht zu erklären. Der fucking Film ist zu dunkel! Man erkennt in über 50% aller Szenen kaum etwas, geschweige denn in den Actionsequenzen. Das macht es schwierig, die ganzen Aliens und den einen Predator auseinanderzuhalten. Außerdem watschelt da jetzt auch noch ein Alien-Predator-Mischling rum, der die Predator-Locken trägt. Und weil es dunkel ist, kann man die beiden noch viel öfter als ohnehin schon verwechseln. Hallo, hat denn keiner mal vielleicht in das Filmchen reingeguckt, bevor es auf den Markt kam? Wie kann man denn vergessen, ein paar Lampen aufzustellen? Scheiße nochmal, 40 Millionen Dollar Budget! Konnte da nicht wenigstens einer mal sein Handy rausholen und wenigstens das Licht davon auf die Szenerie halten?

Und der Predator! Von allen Außerirdischen, die uns hätten heimsuchen können, schicken die tatsächlich den mit Alzheimer. Erst bringt er nämlich zwei Menschen um und entsorgt die Leichen mit einer Säure, damit auch ja keiner was merkt, um kurz darauf dann eine dritte Leiche gehäutet im Wald aufzuhängen. Halt, wird jetzt der eine oder andere rufen. Vielleicht gab es eine Planänderung und er ist in die Offensive gegangen? Klar, wenn er nur nicht kurz darauf die Leichen 5, 6 und 7 auch weggeätzt hätte. Was sagt uns das? Entweder er ist sehr vergesslich, oder einfach nur auch auf Ganja. So wie die beiden Regisseur-Brüder.

In einer der ersten Szenen wird übrigens ein Kind erst infiziert und daraufhin getötet. Also mit einem Alien, das aus seinem Brustkorb bricht. Geschmacklos? Geradezu lachhaft, wenn man bedenkt, dass im Verlauf des Films ein Alien auf eine Säuglingsstation im Krankenhaus geht. Leider zeigt uns der Film dann nicht mehr, was dort geschieht. Dafür wird dann eine Hochschwangere kurz vor der Entbindung angegriffen, um gleich darauf drei kleine Aliens zu gebären. Und spätestens hier ist man gezwungen, als Zuschauer selber Ganja zu rauchen. Denn sonst läuft man Gefahr, sich selbst zu verstümmeln. So gut ist der Film!

Im Nachhinein ist die Dunkelheit vielleicht ganz gut, um nicht alles mitzubekommen. Das Beste kommt nämlich noch. Noch bevor in den 94 Minuten Film nämlich die Kämpfe losgehen, sehen wir die wichtigen Protagonisten. Da wäre der kleine Loser-Bruder, der Pizza ausfahren muss. Der große Loser-Bruder, der frisch aus dem Knast kommt. Der Dorf-Sheriff, der entweder geistig behindert oder einfach auch durchgängig bekifft ist. Und die Dorfhure, die erst dem kleinen Loser-Bruder beim Verprügelt-Werden durch ihren Freund zuschaut, um dann mit diesem Schluss zu machen, um im Anschluss im Schwimmbad den kleinen Loser-Bruder flachzulegen. Dann ist da die Mutter, die frisch aus der Armee heimkommt. Als ein Alien jedoch ihren Mann killt, bleibt sie überraschend gelassen. Vielleicht hat sie sich auch nur ein paar Tricks im Männermanagement von der Dorf-Hure abgeguckt. Einfach nur zum Haareraufen. Das Beste wäre gewesen, wenn Predator und Aliens sich zusammengetan und die ganze Crew samt Regisseuren erlegt hätten. Weil hier einfach nichts funktioniert. Nicht mal die Effekte, für die die Strause-Brothers scheinbar ein Händchen haben.

Außerdem frage ich mich, warum der erste ‚Alien vs. Predator‘ hieß und der hier nun ‚Aliens vs. Predator – Requiem‘. Und sogar der zweite Matrix-Film wirkt hierzu wie ein Meisterwerk der Logik und des Feinschliffs.

Die Handlung gespoilert: Alien-Predator-Rastafari strandet auf der Erde, weil siehe Cliffhanger aus erstem Teil. Predator kommt, um alles und jeden zu beseitigen. Außer Leiche #3, die wird schön öffentlich im Wald präsentiert. Fast alle Menschen sterben (leider nicht alle). Inklusive Atombombe von der Regierung. Loser-Brüder und Armeetussi mit Kind überleben in Helikopter Atombombe (leider). Aliens und Predator nicht. The End.

Ein furchtbarer Film, der noch eine ganze Ecke bescheuerter ist als sein Vorgänger. Vielleicht reicht das Teil hier, um sich zusammen zu amüsieren und diesen Franchise-Hybriden ein für alle mal unter die Erde zu bringen. Aber ansonsten sollte man das Tuch des Schweigens über diesen Scheiß hängen, der sogar Paul W.S. Anderson fast wie einen (guten) Regisseur aussehen lässt. Ihr braucht was zum Lachen? Dann rupft euch die Zehennägel aus. Oder die Zähne. Da habt ihr mehr Entertainment von.

Regie: Colin & Greg Strause (Skyline)

Schauspieler: Steven Pasquale, Reiko Aylesworth, John Ortiz

Bewertung: 

Predator 2 (1990)

Die meisten Menschen, die man auf die Fortsetzung vom Original anspricht, machen erst einmal ein verdutztes Gesicht. Dann glauben die Leute, man redet von ‚Predators‘, was aber so eine Art Remake-Fortsetzung aus dem Jahre 2010 mit Adrien Brody in der Hauptrolle ist. Aber nein, darum geht es hier tatsächlich nicht. Und Arnold Schwarzenegger spielt hier auch nicht mit. Eigentlich sollte er einen Auftritt bekommen, aber der gute Mann hatte damals zu viel mit ‚Terminator 2‘ zu tun. Und natürlich musste auch ein Sequel gemacht werden, denn ‚Predator‚ hatte an den Kinokassen weltweit beinahe das 7-fache seiner Produktionskosten eingespielt. Doch wie Hollywood so ist, verzichtet man intelligenterweise auf im Grunde alles, was den Vorgänger so groß gemacht hat.

Und leider war dieser Streifen der Ideengeber für die widerlichen ‚Alien vs. Predator‘-Filme. Dazu kommen wir noch.

Nachdem ein Predator-Alien Arnis Crew im Dschungel dezimiert hat, verfolgen wir nun die lustigen Abenteuer eines weiteren Außerirdischen in Los Angeles. Die Stadt gleicht dabei eher einem Kriegsgebiet, in dem sich die Polizei jeden Tag gegen über die Zähne bewaffente Gangsterhorden behaupten muss. In der Hauptrolle sehen wir Lieutenant Mike Harrigan (Danny Glover). Richtig gehört, Danny „Ich bin zu alt für so eine Scheiße.“ Glover! In irgendwelchen Nebenrollen erscheinen Gary Busey und Bill Paxton, wobei Kevin Peter Hall wieder den Predator gibt.

Es gibt keinen Dschungel mehr und auch keine eingeschworene männliche Crew. Nur den eigentlich viel zu alten und ungelenken Danny Glover, der einfach mal so rein gar nicht in diese Rolle passt und sich ungefähr ein halbes dutzend Mal über vorbeischwirrende Tauben aufregt. Es kann doch kein Mensch mit halbwegs brauchbarem Verstand annehmen, dass man Arni auf diese Art und Weise ersetzen könnte. Aber was solls. Dafür kriegt unser Freund aus dem Weltall jetzt ein wenig mehr Screentime und Szenen aus der Ego-Perspektive. Warum sich Herr Predator allerdings in L.A. aufhält und wofür er dort die ganzgen Gangster umbringt, ist allen ein Rätsel. Wahrscheinlich auch den Drehbuchschreibern. Lustig ist aber dafür, dass der Predator jamaikanische Gangmitglieder umbringt. Wahrscheinlich, weil die seine Rastafari-Frisur abgekupfert haben.

In einer Szene wird fröhlich in der U-Bahn geschnetzelt. Das ist eigentlich ziemlich sinnbefreit. Aber zu dem Zeitpunkt hat man sich bereits daran gewöhnt. Und irgendwie, ja geradezu auf eine nostalgische „Die meinen es doch nur gut!“-Weise, ist das Filmchen doch irgendwie ein wenig unterhaltsam. Zwar sind im Grunde alle Protagonisten trotz ihrer Berufe und dem Stadtszenrio sogar fast noch ein stück weit flacher als die beinharte Söldnertruppe um Arni. Aber irgendwie mag man Danny Glover. Vielleicht weil er wirklich zu alt ist, um sich mit Aliens rumzuschlagen. Oder weil der Gute ein Stück weit realistischer und greifbarer ist als der muskulöse Arnold.

Hier und da spricht der Predator dann auch noch. Das ist für die Freunde, die unbedingt noch mehr von dem Vieh sehen müssen. Zum Ende hin gibt es dann noch so ein wenig Kritik an der exekutiven Obrigkeit. Allerdings bleibt es handlungstechnisch natürlich sehr flach. Der Film bemüht sich dann, so ein wenig mehr Antworten zu geben als ‚Predator‘, was gerade im Sci-Fi-Genre ein dämlicher Fehler ist. Man darf sich selbst nicht des Mystischen berauben, denn puren Realismus, in dem alles vorne bis hinten durchdacht ist, kann man ohnehin nicht erreichen. Schon alleine wegen des futuristischen Settings.

‚Predator 2‘ ist ein unnötiger Film. Ganz eindeutig. Aber kein schlechter. Wer das Genre mag und die ganze Geschichte rund um die Predatoren, findet vielleicht einen gewissen Unterhaltungswert hierdrin. Alle anderen halten sich dann wohl lieber fern und lassen sich eher nochmal von ‚Arni‘ im Dschungel berieseln. Und tun dabei so, als ob es das Sequel nicht gibt und ‚Predator‘ einfach nur alleine für sich steht.

Predator: Want some candy?

 

Regie: Stephen Hopkins (24, Lost in Space, Der Geist und die Dunkelheit)

Schauspieler: Danny Glover, Gary Busey, Kevin Peter hall, Bill Paxton

Bewertung: 

Predator (1987)

Predator (sprich [ˈpɹɛdɪtəɹ]) ist ein aus dem Māori stammendes Wort. Um seine wahre Bedeutung herauszufinden, ist eine beschwerliche 4-Tages-Reise durch den tiefsten Dschungel und die entlegensten Steppen Neuseelands notwendig. Viele Männer überleben die Strapazen nicht und erliegen den gefährlichen Schlangen, Spinnen oder der als ‚Dschungelpest‘ bekannten Krankheit, die innerhalb weniger Stunden aus gestandenen Seefahrern kleine, um ihr Leben flehende Heulsusen macht. Am Ende des Weges erreicht man auf der Spitze eines kilometerhohen Gebirgsmassivs eine kleine Strohhütte, in der ein steinalter Mann haust. Wenn man kriechend und mit letzten Kräften vor seinen Füßen zusammenbricht, mehr tot als lebend, flüstert er einem ins Ohr. Die paar Worte, wegen der man die Reise auf sich genommen hat und die das Letzte sind, was man hört, bevor die letzten Kräfte den eigenen Körper verlassen und man letztendlich stirbt. Qualvoll, aber um eine Erkenntnis reicher. Und diese finalen Worte sind die Übersetzung von ‚Predator‘ ins Deutsche:

Muckimänner im Wald

Im gleichnamigen Film von John McTiernan wird Dutch (Arnold Schwarzenegger) auf eine Geisel-Rettungsmission in den Dschungel geschickt. Seiner Crew zur Seite steht der CIA-Agent Dillon (Carl Weathers). Bevor die Bande von hartgesottenen Bodybuildern ein Guerilla-Nest aushebt, müssen sie jedoch feststellen, dass irgendwas im Wald seine Runden zieht und Menschen tötet und häutet. Wenig später sind sie dem Kampf gegen ein Wesen aus einer anderen Welt ausgeliefert, das sich unsichtbar machen kann und einen nach dem anderen filettiert.

Das ist auch die gesamte Handlung des Films. Und das ist verdammt nochmal gut so. In ‚Predator‘ wird die Handlung auf den Überlebenskampf einer superkrassen Spezialtruppe reduziert, die einem technisch überlegenen Gegner gegenüberstehen. Ein wenig patriotischen Quatsch gibt es noch hier und da in ein oder zwei Sätzen, aber das wird glücklicherweise nicht in den Vordergrund gestellt.

Poncho: You’re bleeding, man. You’re hit.
Blain: I ain’t got time to bleed.

Arni ist hier in seiner Paraderolle als Elitesoldat. Muskelbepackt, unbarmherzig und brutal. Und mit allerhand One-Linern ausgestattet, die sich im Originalton besonders lustig anhören. Einen österreichischen Akzenten hört man normalerweise nicht so oft im Dschungel. Der Rest seiner Truppe ist genauso hart und stumpfsinnig. Sogar ein indianischer Fährten-Leser ist dabei. Und natürlich ist hier alles klischeehaft, aber das hält den Film einfach und flach. Eine richtige tiefgründige Handlung oder Dialoge sind nämlich nicht nötig, wenn man um sein Leben rennt und kämpft.

Wer weiß, was 80er-Jahre-Action-Kino ist und das Zeug mag, hat hier einen der besten Filme aus der Zeit und dem Genre an sich. Um einiges besser als das halbgare Remake ‚Predators‘ mit Adrien Brody als schmächtigem Arni-Abklatsch. Dabei geht es im Original teilweise ziemlich blutig zu. Besonders wenn Körper zerschossen und weggeballert werden.

Dutch: If it bleeds, we can kill it.

Bitt das Hirn ausschalten. Dann ist ‚Predator‘ ein spannender Film mit Arnold Schwarzenegger in Höchstform. Wer Handlung und gezeichnete Charaktere braucht, die mit gewitzten Dialogen hantieren, sollte einen großen Bogen um den Dschungel machen. Denn neben den gestählten Bizepsen und Maschinengewehren ist einfach kein Platz für weiteren Ballast, der unseren Helden nur die Füße schwer machen würde.

Der Film sieht, trotz recht alter Special Effects, auch heute noch akzeptabel aus. Nicht umsonst ist ‚Predator‘ für die besten Effekte sogar Oscar-nominiert gewesen. Das Alien ist gut gemacht und die Szenen aus seiner Sicht erzeugen subtilen Horror, noch viele Jahre bevor der Found-Footage-Stil aus Gruselfilmen billige Massenware gemacht hat (danke Blair Witch Project). So bleibt nur noch eins zu sagen:

Dutch: Get to the Chopper!

 

Regie: John McTiernan (Stirb Langsam I + II, Last Action Hero, Der 13. Krieger)

Schauspieler: Arnold Schwarzenegger, Carl Weathers, Bill Duke, Kevin Peter Hall

Bewertung: 

The 6th Day (2000)

Eigentlich hatte ich ‚The 6th Day‘ als guten Film in Erinnerung. Aber manchmal glorifiziert man das alte Zeug aus der Jugend. Und wenn man dann eines Abends die alten Helden wiedersieht, wundert man sich, was zur Hölle mit einem damals los war und wie man diesen Blödsinn überhaupt auch nur in irgendeiner Weise gut finden konnte. Tja, was erwartet man auch von einem Film mit einem gealterten Schwarzenegger über das Klonen?

Adam Gibson (Arni): I might be back.

Arnold Schwarzenegger spielt Adam Gibson, einen Helikopterpiloten und Familienvater in einer nicht zu weit entfernten Zukunft. Das Geschäft läuft. Die Menschheit diskutiert währenddessen über das Für und Wieder des Klonens. Das 6th-Day-Gesetz verbietet zwar die künstliche Menschenproduktion, aber das Kopieren von Haustieren ist legal. Eines Tages kommt Adam nach Hause, nur um festzustellen, dass er bereits zu Hause ist. Zumindest nicht er, sondern ein Doppelgänger. Kurz darauf wird er dann auch schon verfolgt. Unter anderem von Vincent (Terry Crews), der für das führende Unternehmen in Sachen Klonen arbeitet. Long story short: Arni wurde verwechselt und aus Versehen geklont und jetzt soll der eine um die Ecke gebracht werden, bevor die Welt dahinter kommt, dass die böse Firma schon seit geraumer Zeit gegen das 6th-Day-Gesetz verstößt. Der Oberböse ist dabei Michael Drucker (Tony Goldwyn), der zudem seine Klone mit tödlichen Gendefekten ausstattet, um ihre Lebenszeit zu verkürzen und ein etwaiges Geschäft am Laufen zu halten. A dolla makes me holla.

Ach ja, außerdem ist Robert Duvall als ein schlauer Arzt mit am Start, der trotz seiner moralischen Gewissensbisse überraschend aktiv beim Klonen mit dabei ist. Und der Vater aus ‚Hinterm Sofa an der Front‘, Michael Rapaport, spielt mit. Der doppelte Arni ist aber natürlich der Star, obwohl ihn der Fakt, dass er geklont wurde, ungefähr 10 Sekunden aus der Fassung bringt. Vermutlich ist einfach jemand, der bereits Aliens im Dschungel gejagt und als zeitreisender Kampfroboter agiert hat, ohnehin nicht leicht zu überraschen. „Du bist ein Klon und dein ganzes Leben ist eine Lüge!“ Das entlockt Arni ein kurzes Schulterzucken, bevor weitergeballert wird.

Adam Gibson: If you really believe that then you should clone yourself while you’re still alive.
Drucker: Why is that? So I can understand your unique perspective?
Adam Gibson: No. So you can go fuck yourself!

Tatsächlich ist die Thematik und Handlung gar nicht mal so uninteressant. Das Problem ist eher die total plumpe Art und Weise, auf die die Geschichte rübergebracht wird. Richtig komplex geht es nicht zu, doch Arni wirkt in seiner Rolle hölzern und etwas zu alt. Er und alle anderen Protagonisten sind zudem flacher als ein Bügelbrett, was erklärt, warum das Klonen nie wirklich tiefgründig behandelt wird. Der böse Bube ist dabei unglaublich unglaubwürdig und Arnis Verfolger sind allesamt saublöd. Allen voran Wiley (Rodney Rowland), dem es gelingt, mehrere Male hintereinander auf dämlichste Art und Weise zu verrecken.

Dem Finale fehlt es an Wumms. Schlimmer ist allerdings, dass die Effekte fürchterlich und billig sind. Da hängt Arni von einem Helikopter runter und es sieht einfach total unecht aus. Das wundert einen, vor allem weil die Helis im Film allesamt animiert sind und gar nicht mal so übel aussehen. Dabei hatte der Film ein Budget von stolzen 82 Millionen Dollar! Weltweit eingespielt hat ‚The 6th Day‘ keine 100 Millionen. Traurig, gerade weil doch ein Arnold Schwarzenegger mal als größter Actionstar überhaupt galt.

Die Idee hinter diesem Film ist eigentlich gut und erinnert so in etwa vom Stil her an das Remake von ‚Total Recall‚. Nach kurzer Zeit geht allerdings allen Darstellern die Puste aus und so ziemlich alles versinkt in Mittelmäßigkeit. Halbgare Actionszenen, wenig glaubwürdige böse Gegenspieler und ein leider wenig sympathischer Arni. Da hätte man viel mehr rausholen können. Vor allem weil die Message am Ende nicht weit von der von ‚Moon‚ abweicht, einem meiner absoluten Lieblingsfilme.

Wenn ‚The 6th Day‘ eines klar macht, dann, dass spätestens zu jener zeit Arnis Zenit überschritten war. Vor allem weil er danach mit ‚Collateral Damage‘ und ‚Terminator 3‘ weitere ziemlich dürftige Filme nachlieferte. Seine Fans werden wohl aber auch diesem Streifen etwas abgewinnen können. Seine glorreiche Zeit als Terminator oder Predator-Jäger ist aber vorbei. Man kann ja auch nicht ewig jung bleiben, außer man heißt Keanu Reeves.

Adam Gibson: That’s enough philosophy for now.

 

Regie: Roger Spottiswoode (Der Morgen stirbt nie, Scott & Huutsch, Air America)

Schauspieler: Arnold Schwarzenegger, Michael Rapaport, Tony Goldwyn, Michael Rooker, Terry Crews, Robert Duvall

Bewertung: 

2001: Odyssee im Weltraum (1968)

Einen Film von Stanley Kubrick zu kritisieren ist im Grunde Gotteslästerung. Vor allem fühlt man sich dann dumm, weil man scheinbar den Film nicht verstanden hat. Da muss man aufpassen, nicht in der falschen Gesellschaft plötzlich zum stupiden Hollywood-Liebhaber abgestempelt zu werden. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und weil die Leserzahlen hier im einstelligen Bereich liegen, bin ich in nicht allzugroßer Gefahr, von einem Kubrick-Jünger in die Luft gesprengt zu werden. Hier der Frevel am großen Meister: 2001 ist ein langweilliger Film! Jetzt hab ich es gesagt und ich nehms so schnell auch nicht zurück. Lang lebe die freie Meinungsäußerung!

Die meisten Filme da draußen umspannen einen relativ engen Zeitrahmen. Ein paar Stunden oder Tage, manchmal vielleicht auch Monate oder ein paar Järchen. 2001: Odyssee im Weltraum behandelt mehrere Millionen Jahre Menschheitsgeschichte. Bäm!

Kleine Bemerkung: Ich werde den Film ein wenig spoilern. Dabei geht nicht sonderlich viel Spannung verloren, da es einfach mal nicht sehr spannend zugeht. Wer jedoch unbedingt einen ungetrübten Blick auf diese fast zweineinhalbstündige Fahrt durch die Menschheitsgeschichte haben will, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen und sich zuerst einen eigenen Eindruck verschaffen. Oder auch nicht, ist ganz euch überlassen. Aber es soll dann nicht heißen, ich hätte nicht jeden gewarnt.

2001 ist in fünf Teile gegliedert. Den ersten bekommt man im Fernsehen nicht vollständig zu sehen. Hier ertönt drei Minuten lang zu schwarzem Bild ein Orchesterwerk, dass mich erst an der Funktionsfähigkeit meiner DVD zweifeln ließ. Danach sind übrigens auch die TV-Leute endlich mit dabei. So folgt, nach dem Einblenden des MGM-Logos, ein Blick auf Erde, Mond und Sonne in Konjunktion und es ertönt ‚Also sprach Zarathustra‚. So weit, so ungewohnt.

Wir erleben den Beginn der Menschheit. Eine Gruppe von affenartigen Wesen kämpft um ihr Leben. Gebeutelt von Feinden, Hunger und Kälte. Die Affen erwachen eines Morgens neben einem schwarzen Monolithen und tanzen um ihn herum.  Das bewirkt eine Veränderung. Ein Affe kommt auf die bahnbrechende Idee, einen Knochen als Waffe einzusetzen. Es folgt wenig später ein Kampf gegen eine rivalisierende Gruppe, den der Bewaffnete gewinnt und so den Siegeszug des Menschen einleitet. Er schleudert den Knochen gen Himmel und wir sehen den berühmtesten Schnitt der Filmgeschichte, in der der fliegende Knochen zu einem Raumschiff im Weltall wird.

Wir haben also einen Sprung von mehreren Millionen Jahren gemacht und befinden uns in der (damaligen) Zukunft, im Jahr 1999. Die  Menschheit hat begonnen, den Weltraum zu erobern. Dr. Heywood Floyd (William Sylvester) ist auf dem Weg über eine Raumstation zum Mond, wo ein seltsamer schwarzer Monolith gefunden wurde. Bei der Begutachtung des Objekts fassen die Wissenschaftler das Ding an, woraufhin ein elektromagnetisches Signal Richtung Jupiter gesendet wird.

Nächster Sprung. Wir befinden uns im Jahr 2001 und das amerikanische Raumschiff Discovery One ist unterwegs zum Jupiter. Die Astronauten Dave Bowman (Keir Dullea) und Frank Poole (Gary Lockwood) sind zusammen mit drei weiteren Kollegen, die sich im Kryoschlaf befinden, auf Forschungsmission. Sie wissen also gar nicht, was der eigentliche Zweck ihrer Reise ist. Ganz im Gegensatz zum sechsten Besatzungsmitglied, dem Supercomputer HAL 9000, der die wichtigsten Funktionen des Raumschiffs steuert. Ganz so perfekt erweist sich die Künstliche Intelligenz dann jedoch nicht, denn durch einen Fehler beginnt HAL mit der systematischen Ermordung aller Besatzungsmitglieder. Mit Müh und Not gelingt es Bowman, HAL schrittweise zu deaktivieren. Dabei ist die Todesszene des Computers ebenso berühmt wie auch genial. Nach HALs Abschaltung wird ein Video abgespielt, das den einzig verbliebenen Astronauten über Sinn und Zweck der Mission aufklärt.

Das letzte Kapitel kann man auch als den medialen LSD-Trip interpretieren. Oder auch als den krassesten Brainfuck der Filmgeschichte. Bowman erreicht den Jupiter, in dessen Umlaufbahn ein weiterer Monolith schwebt. Als er sich diesem in einer Kapsel nähert, beginnt eine minutenlange psychedelische Achterbahnfahrt voll mit bunten Farben. Plötzlich erwacht Bowman in seiner Kapsel in einem futuristischen Zimmer. Dann erblickt er sich selbst, nur um einige Jahre gealtert. Es wechselt die Perspektive zum Alten und die Raumkapsel ist verschwunden. Bowman schaut sich in einem Spiegel an und erblickt eine weitere Person ein Zimmer weiter. Dort sieht er sicht selbst, noch älter. Die Perspektive springt wieder zum älteren Bowman, der an einem Tisch sitzend eine Mahlzeit zu sich nimmt. Als dieser jetzt aufsteht, sieht er das nächste Ich, liegend in einem Bett und noch viel älter, sogar dem Tod nahe. Der nächste Sprung und wir sehen wie der sterbende Bowman vor sich den Monolithen erblickt. Er streckt die Arme, um ihn anzufassen und im letzten Schnitt erscheint anstatt seiner ein Fötus auf dem Bett. Es folgt die letzte Sequenz, in der zu ‚Also sprach Zarathustra‘ Erde und Mond aus dem Weltraum zu sehen sind, über ihnen das Space-Baby.

Alles klar? Einfach mal ein wenig durchatmen und sacken lassen. Immer noch nicht alles klar? Dann ein paar Worte der Erleuchtung. Oder so ähnlich.

Moon (2009)

Moon ist das Langfilm-Regiedebüt von Duncan Jones, dessen Vater niemand geringerer als David Bowie ist und der mit Source Code leider nicht alle Erwartungen erfüllen konnte. Der junge Mann darf sich bald an der ‚World of Warcraft‘-Verfilmung versuchen. Aber sachte, erstmal gehts rauf zum Mond.

In naher Zukunft wird der Energiebedarf der Erde zu großen Teilen durch Helium-3 gedeckt, welches auf dem Mond gewonnen wird. Dafür ist ein einzelner Mann für Lunar Industries dort stationiert: Sam Bell (Sam Rockwell). Sein Vertrag ist auf drei Jahre begrenzt und schon bald darf er nach Hause zu seiner Familie. An Sams Seite ist der Roboter GERTY (gesprochen von Kevin Spacey). Ansonsten ist der Astronaut komplett isoliert und vom Rest der Menschheit abgeschnitten. Bei einem Außeneinsatz jedoch verunglückt Sam und wacht wenig später in der Medizinstation der Mondbasis auf. Zumindest scheint es so. Doch die Dinge sind ganz anders und schon bald kommen erste Zweifel auf, ob alles seine Richtigkeit hat.

Ohne einen gewaltigen Spoiler wäre die Handlung jetzt nicht fortzuführen. Deswegen sei es jedem selbst überlassen, herauszufinden, was dort oben vor sich geht. Trotzdem kann man, ohne viel zu verraten, erzählen, dass der Film eine bewegende wie auch tiefgründige Botschaft transportiert.

Einerseits wird mit Sci-Fi-Mitteln auf die Frage eingegangen, ob der Zweck denn die Mittel heiligt. Darf man zum Wohle der Menschheit eine einzelne Person opfern? Andererseits werden ganz existenzielle Themen angeschnitten. So geht es in ‚Moon‘ in gewisser Weise auch darum, ab wann menschliches Leben beginnt. Gerade im Hinblick auf aktuelle Diskussionen rund um Stammzellenforschung und dergleichen. Ferner wird deutlich, dass Duncan Jones auch Kritik an der profitorientierten Gesellschaft übt, die zu jeder Zeit für ein größeres Return on Investment auf Menschlichkeit pfeift.

Dabei ist ‚Moon‘ kein Scheinwerfer, der auf alle diese Probleme gehalten wird und laut schreit. Es geht sehr ruhig zu und Sam Rockwell trägt den Film komplett alleine. Er lebt halt in völliger Isolation. Das ist stellenweise ebenso gespenstisch wie auch schön. Zwar hat er den womöglich schönsten Ausblick im Universum, doch die Isolation nagt an seinem Verstand und die rettende Erde ist eine 3-Tages-Reise entfernt. Niemand kann ihm helfen und er ist dem großen Nichts genauso ausgeliefert wie dem Riesenkonzern, der ihn beauftragt hat. Zwar nimmt ‚Moon‘ zum Ende seiner 96 Minuten Laufzeit noch ein wenig Fahrt auf, doch richtig spannend wird es nie. Aber das ist auch nicht unbedingt nötig. Schließlich lebt der Film von seiner Ruhe. Und die durchzieht auf atmosphärische Art und Weise die gesamte Handlung.

Ganz klar ist das hier kein Feel-Good-Movie. Ein wenig fühlte ich mich stellenweise hier und da an Kubricks ‚2001‘ erinnert. Aber der Roboter ist keine fiese Maschine und die Interpretation fällt einem nicht so schwer, gerade weil im weitesten Sinne alles realistisch wirkt und die Message mehr oder weniger offener serviert. Zudem ist ‚Moon‘ im wahrsten Sinne des Wortes ein kleiner Film. Mit kleinen Mitteln und mit insgesamt sehr wenig Dialog. Mir fallen auch nicht viele ähnlich Streifen ein, die einem dermaßen an die Haut gehen könnten. Vor allem dieses einzelne Schicksal eines Mannes, der den Verstand zu verlieren droht, hat mich sehr bewegt. Wenn man es jedoch nicht schafft, mit ihm mitzufühlen, kann der Film sehr schnell, trotz kurzer Laufzeit, langatmig werden. Deswegen sollte man das Licht möglichst ausmachen und so die langen Shots auf das Mondpanorama einsaugen, um mehr von diesem Weltall-Feeling aufzunehmen.

Für mich ist ‚Moon‘ einer der schönsten und intensivsten Filme, die ich kenne. Er ist auf keinen Fall perfekt und die Handlung hat gerade am Ende so ein wenig Leerlauf, weil der entscheidende Twist ziemlich früh passiert. Aber das stört mich dann nicht mehr. So muss Sci-Fi mit Message einfach sein. Und Sam Rockwell hat sich hiermit zu einem meiner Lieblingsschauspieler gemausert, der einen Film auch ganz alleine tragen kann. Das kann nicht jeder Actor von sich behaupten. Ich würde die schauspielerische Leistung sogar ein wenig mit der von Ryan Reynolds in ‚Buried‚ vergleichen, obwohl die beiden Filme thematisch wie inhaltlich nichts vereint.

Am Ende bleibt es jedem selbst überlassen, ob ‚Moon‘ einen packt. Doch wenn es einem gelingt, die vermittelten Emotionen zu verinnerlichen, hat man ein in seiner Art seltenes Filmerlebnis. Also auf zum Mond!

Regie: Duncan Jones (Source Code, Warcraft)

Schauspieler: Sam Rockwell, Kevin Spacey

Bewertung: 

Total Recall (2012)

„2012 gab es eine ganze Menge an Remakes. Da wären Fright Night, The Amazing Spider-Man, Planet der Affen: Prevolution, 21 Jump Street, …“

So hätte ich gerne angefangen, aber es gibt tatsächlich gar nicht mal so viele Neuauflagen von Altbekanntem. Vieles waren Fortsetzungen und Prequels (Bourne, Batman, Resident Evil, Underworld, Ghost Rider, Kampf der Titanen, American Pie, Avengers, Men in Black, Madagaskar, „Alien“, Ice Age, Expandables, Rec, Taken, Bond, Twilight,  ….). Vieles war tatsächlich neu, und 2013 kommen dann erst so richtig viele Remakes. Von den Nauauflagen aus 2012 war vermutlich die Spider-Man-Verwurstung das aus meiner Sicht Dreisteste, obwohl der Film an und für sich gar nicht mal so schlecht ist. Doch man soll bekanntlich nicht den Tag vor dem Abend loben, vor allem wenn in der zweiten Jahreshälfte das Remake zu Paul Verhoevens Total Recall ansteht, das mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle und einer dreibrüstigen Prostituierten auch heute noch ziemlich kultig ist.

Im Jahre 2084 ist die Erde unbewohnbar, außer zwei Gebieten. Eines davon ist Großbritannien, die United Federation of Britain, das andere ist Australien, welches als „die Kolonie“ bezeichnet wird. Es gibt nur eine Verbindung zwischen den Territorien, undzwar über einen Tunnel über das Erdinnere, der auch „the Fall“ genannt wird. Douglas Quaid (Colin Farrell) lebt mit seiner Frau Lori (Kate Beckinsale) in der Kolonie und pendelt tagein tagaus, um in einer Roboterfabrik der Föderation künstliche Polizisten anzufertigen. Frustriest von seinem monotonen Leben begibt er sich in die Hände der Firma Rekall, die ihren Kunden künstliche Erinnerungen und Erlebnisse verschafft, die direkt in den Körper injiziert werden. Doch Schreck lass nach, es läuft nicht alles nach Plan und plötzlich findet sich Douglas von der Polizei verfolgt wieder. Er muss feststellen, dass er krasse Kampffertigkeiten besitzt und dass seine Gattin nicht ganz die nette Ehefrau von früher ist. Außerdem will der böse Präsident der Föderation, Cohaagen (Bryan Cranston), die Kolonie unterjochen und nebenbei taucht auch noch Melina (Jessica Biel) auf, die Quaid bei seiner Flucht hilft.

Interessanterweise nimmt der Film sich den eigenen Twist selbst vorweg, indem mit einer Szene gestartet wird, die bereits zeigt, dass Quaid kein normaler Monteur sein kann. Dafür gibt es tatsächlich zwei Stellen, in denen an das Original erinnert wird. Einmal wird eine dreitittige Nutte gezeigt. Ein weiteres Mal wird an die berühmte Stelle an einem Flughafen erinnert, an der sich im Original Arni als dicke Frau entpuppt und nicht als der Kerl dahinter. Das ist nett. Ansonsten hat man sich von so ziemlich allem verabschiedet, was den Verhoeven-Film ausgezeichnet hat.

Dort spielte sich das Geschehen noch auf dem Mars ab, sogar mit Alien-Relikten und so. Und mit Unmengen an entstellten Leuten. Das ist in Ordnung bzw. fügt sich dort ganz gut in das abgefahrene Szenario ein. Das Remake schmeißt alles über Bord und klaut frech von so ziemlich jedem futuristischen Film, den es gibt. Als da wären: Star Wars, Matrix, Das fünfte Element, Blade Runner, Terminator, Minority Report, ein wenig Children of Men und I, Robot. Damit ist nicht das gute Klauen gemeint, so à la „Oha, das ist ja eine tolle und liebevolle Hommage an Film XYZ“, sondern dieses „Warum vergewaltigen die da gerade meinen Lieblingsfilm?“. Es gibt eine Armee von Robo-Klon-Kriegern.  Es gibt einen Kampf am Ende im Regen gegen den völlig blassen Bryan Cranston. Es gibt irgendwelche Cyborgs hier und da. Es gibt irgendwelche, zugegebenermaßen, coolen Technik-Gadgets. Es gibt magnetische Schwebeautos. Das ist ja nicht unbedingt schlecht, aber der Film hat nicht eine einzige eigene Idee. Keine. Und auch das kann man verkraften. Aber selbst die vielen coolen Szenen, die das Original ausgezeichnet haben und die teilweise auch auf Arnis lustiger Aussprache beruhen, gibt es einfach nicht.

Donnie Darko (2001)

Donnie Darko ist ein Indiefilm von 2001 mit gerade einmal einem Budget in Höhe von 6 Millionen $. Nichtsdestotrotz ist man durchaus verdutzt über die ganzen Schauspieler, die man alle kennt, u.a. die noch sehr jungen Jake und Maggie Gyllenhaal, Crazy Swayze, Drew Berrymore sowie den einen Typen aus Emergency Room (Noah Wyle). Sogar Seth Rogan erblickt man nach näherem Hinsehen. Ein großer Erfolg war der Film anfangs jedoch nicht, was nicht zuletzt auch an der Nähe zu 9/11 lag. Schließlich spielt ein abstürzendes Flugzeug bzw. ein Teil davon im Film eine Rolle. Das führte dazu, dass sich Regisseur Richard Kelly erst im Nachhinein durch die zunehmenden DVD-Verkäufe die Lizenzen an bestimmten Musiktiteln sichern konnte, was 2004 wiederum zu einem Director’s Cut führte, welcher 133 anstatt 113 Minuten dauert. So ist Donnie Darko, ähnlich wie auch Fight Club, erst nachträglich zu einem kommerziellen Erfolg geworden. Inzwischen ist der Film Kult und genießt eine treue Schar von Anhängern.

Jake Gyllenhal spielt Donnie Darko, einen verstörten und psychisch labilen Jungen, der in einer kleinen Stadt in Virginia lebt. Die Handlung findet im Verlauf des Oktobers 1988 statt. Donnie haluziniert und schlafwandelt und bekommt dabei von dem Hasen Frank die Botschaft mitgeteilt, dass die Welt innerhalb der nächsten 28 Tage untergehen wird. Gleich zu beginn stürzt eine Flugzeugturbine in das Haus der Darkos und genau auf Donnies Bett, der zu dem Zeitpunkt auf einem Golfplatz schlafwandelt und deswegen das Unglück unbeschadet übersteht. Von diesem Ereignis aus erleben wir chronologische Geschehnisse aus dem Alltag des Jungen. So schildert er beispielsweise seiner Therapeutin die Begegnungen mit seinem imaginären Freund, der ihn dazu veranlasst, seine Schule unter Wasser zu setzen. Frank ist es auch, der Donnie dazu bringt, über Zeitreisen zu forschen. Nebenher sieht man, dass der Junge eine eher schwierige Beziehung zu seiner Familie unterhält. Trotz seiner psychischen Probleme freundet er sich mit Gretchen Ross (Jena Malone) an, die für den weiteren Verlauf keine unwichtige Rolle spielt.

Es fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht leicht, den Film zusammenzufassen. Das liegt daran, dass die Handlung teilweise Interpretationsspielraum lässt und dass unglaublich viele Charaktere daran beteiligt sind. Drew Berrymore spielt zum Beispiel eine eigentlich unwichtige Lehrerin, doch praktisch alle Personen werden zum Schluss zusammengeführt und spielen eben doch irgendwie wieder eine Rolle. Die Geschichte bewegt sich dabei zwischen Science-Fiction und Drama und gerade, wo man denkt, zu wissen, worauf es hinausläuft, entlässt der Film einen mit einem Ende, mit dem so garantiert nicht gerechnet hätte.

Besonders Jake Gyllenhal, der vielen leider nur als Prinz aus Persien oder schwuler Cowboy bekannt sein könnte, ist großartig. Er hat so eine Art, bei der man nicht weiß, ob er gleich etwas ziemlich Cooles sagt oder aus seiner Psychose heraus ein Haus anzündet. Damit ist er ein Antiheld, der undurchschaubar und zugleich nie so wirklich sympathisch ist. Was sich am Ende dann wieder ändert. Doch damit ist dann auch schon wieder womöglich zu viel gesagt.

Im Film gibt es dann den einen oder anderen ungemein miesen Charakter, allen voran der aalglatte Jim Cunningham (Patrick Swayze), der als Guru den Leuten irgendeinen Blödsinn über das Leben andreht. Hier gefällt dann Donnie Darko als Typ, der sich nicht anpassen kann oder will und den Leuten eben ins Gesicht sagt, was er denkt und sie so entblößt. Damit eckt er an und entfremdet sich zunehmend von der Gesellschaft. Es bleibt auch die andauernde Befürchtung, dass Donnie nur ein geisteskranker Spinner ist. Der Film spielt hier ein wenig mit den Erwartungen und Vorstellungen des Zuschauers, der sich darauf verlässt, dass immer alles so ist wie gezeigt. Dadurch lädt das Finale zum Nachdenken, Interpretieren und Diskutieren ein. Man kann sich zudem nicht sicher sein, ob Donnie haluziniert oder nicht, was das Gesehene noch ein wenig mehr verschleiert.

Donnie Darko ist ein düsterer, ruhiger und intelligenter Film. Erst zum Schluss wird ein wenig Fahrt aufgenommen. Es gibt zudem dezent eingesetzte Special Effects (was natürlich auch eine Budgetfrage ist), doch besonders aufgeregt und actionreich ist die Geschichte nie. Das braucht sie auch nicht zu sein, denn hier geht es ganz klar um eine unheimlich innovative und beeindruckende Handlung, die man mit eher wenigen anderen Filmen vergleichen kann. Am ehesten ähnelt der Film womöglich Take Shelter, Moon, K-Pax und Another Earth, da man auch dort mit einem Hauptcharakter alleingelassen wird, der irgendwo zwischen Melancholie und Wahnsinn schwebt. Alle diese Filme leben von der Ungewissheit und bieten ziemlich geile Enden.

Auf Wikipedia ist eine Deutung des Regisseurs zu finden, die man sich tunlichst erst geben sollte, wenn man auch den Film gesehen hat. Mich persönlich hat Donnie Darko jedenfalls dermaßen umgehauen wie es sonst kein bombastisches Hollywood-Spektakel in 3D und mit 300 Millionen $ Budget schafft.

PS: Das Sequel von 2009 hat mit Richard Kelly oder Jake Gyllenhal nichts zu tun, kam direkt auf DVD raus, stinkt und sollte tunlichst vermieden werden.

Regie: Richard Kelly (Southland Tales, The Box)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Maggie Gyllenhal, James Duval, Patrick Swayze, Jena Malone

Bewertung: 

Spaceballs (1987)

Heutzutage ist Klamauk ziemlich schlecht. Beilight – Biss zum Abendbrot, Disaster Movie, Fantastic Movie, Date Movie, Meine Frau, die Spartaner und Ich und die ganzen Scary Movies, alles im Grunde filmische Abführmittel (ja, Scary Movie 1 bis 4 sind nicht sooooooooo fürchterlich wie die davor, aber auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei) . Bei allen sind die Herren Jason Friedberg und Aaron Seltzer beteiligt, die diesen Müll praktisch am Fließband schreiben, drehen und / oder produzieren. Und alle diese Werke sind sehr billig und seelenlos und zielen mit dümmlichen popkulturellen Anspielungen auf ein minderjähriges Publikum ab. So gibt es zum Beispiel in Meine Frau, die Spartaner und Ich eine Szene, in der eine heulende Britney Spears ein Baby im Arm hält und sich dabei singend eine Glatze rasiert, woraufhin der Leonidas-Verschnitt sie in die Grube tritt. Das ist dann nicht nur dumm, sondern auch einfach fernab von allem, was lustig ist. Da wurden live beim Dreh die aktuellesten Klatsch-Spalten durchforstet und verfilmt. Nicht umsonst belegen einige dieser „Filme“ die hintersten Plätze in der internet movie database. Dass das auch anders geht, hat Leslie Nielsen zur Genüge mit der Nackten Kanone unter Beweis gestellt. Und ebenso Mel Brooks.

Die Spaceballs haben nicht mehr genug Luft zum Atmen auf ihrem Heimatplaneten. Deswegen beschließt ihr Präsident Skroob (Mel Brooks), Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) zu entführen und ihren Vater König Roland (Dick Van Patten) zu erpressen, um an die gesamte Luft vom Planeten Druidia zu gelangen. Seinem Schergen Lord Helmchen (Rick Moranis) gelingt die Entführung der Adeligen, die gerade vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem nicht ganz so munteren Prinz Valium flieht. Allerdings erscheint Lone Starr (Bill Pullman) zusammen mit seinem treuen Möterbegleiter Waldi (John Candy) und rettet Vespa. Nun müssen unsere Helden vor den bösen Spaceballs fliehen und sich dabei mit der Macht des Saftes auseinandersetzen.

Spaceballs persifliert vor allem die alten Star Wars-Filme, es finden sich aber auch beispielsweise Referenzen zu Alien (inklusive dem im Originalfilm spielenden John Hurt in seiner Originalrolle, dem ein Alien aus dem Magen herausbricht), Star Trek (Spocks Nackengriff), Planet der Affen und dem Zauberer von Oz. Die Fülle an Bezügen ist riesig und glücklicherweise hier zusammengetragen. Und die meisten Witze sind auch heute noch, fast 25 Jahre später, lustig. Das liegt vor allem daran, dass man nicht wie die anfangs erwähnten heutigen Klamauk-Versuche irgendwelche popkulturellen und geschmacklosen Scherze über (teilweise längst vergessene) Prominente reißt. Großartig ist, wenn die Bösen eine Spaceballs-Kassette einschieben, um den Guten auf die Schliche zu kommen und der Film damit aus seiner Dimension ausbricht und direkten Bezug auf den Zuschauer nimmt. Das passiert öfter. In einer Szene faselt Mel Brooks als Yoda-Verschnitt namens Yogurth über Merchandising oder gar über die (nie gedrehte) Fortsetzung „Spaceballs 2 – Auf der Suche nach noch mehr Geld“. Zuvor hat Lord Helmchen noch aus Versehen die Kamera angerempelt oder einen Tontechniker zersäbelt.

Zugegebenermaßen ist der Film nicht an jeder Stelle unbedingt gut gealtert und die Handlung ist gelinde gesagt völlig verquer. John Candys Maske als halb-Mensch-halb-Köter sieht aus als ob er gerade vom Fasching kommt und Lone Starrs Raumschiff ist ein Wohnmobil mit Pappflügeln. Der billige Look ist aber meiner Meinung  nach Absicht und die unzähligen Referenzen auf entsprechende ernste Filme machen einen ungeheuren Charme aus und sind zudem Beweis dafür, dass sich jemand Mühe gegeben hat. Wenn Lone Starr von „Pizza the Hutt“ erpresst wird oder doch tatsächlich Michael Winslow alias der Typ, der bei Police Academy die coolen Sounds mit seinem Mund macht, auftaucht, geht einem schonmal das Herz auf. Solche Szenen gibt es zuhauf und sie machen Spaceballs zu guter Unterhaltung, die es heutzutage einfach nicht mehr gibt, weil es billiger ist, schnell einen Witz über die großen Hupen von C-Prominentin XYZ zu machen. Allein der Fakt, dass der Held in Spaceballs ‚Lone Starr‘ heißt und damit eine Verballhornung der Nachnamen von ‚Han Solo‘ und ‚Luke Skywalker‘ darstellt, ist nicht unbedingt sofort ersichtlich und macht Spaceballs im Vergleich zu Meine Frau, die Spartaner und Ich zu einem Arthouse-Kinoerlebnis.

Rein von der Art des Films ist Spaceballs dem Schuh des Manitu gar nicht mal unähnlich. Wer sowieso nichts mit Star Wars und Konsorten anfangen kann und sich auf diesem Sachgebiet nicht auskennt, wird jedoch eher wenig Spaß hiermit haben. Es gehen dann nämlich einfach viel zu viele Witze nicht auf. Jüngere Generationen werden auch nicht unbedingt mit den Spaceballs warm werden, doch ich bin mit diesem Film aufgewachsen und er zählt für mich zum Besten, was Klamauk herzugeben hat. Und Mel Brooks muss man kennen und mögen, oder eben nicht. Seine Filme treffen definitiv nicht jedermanns Humor, sind jedoch ein Pflichterlebnis für jeden, der von heutigen Hollywood-Komödien nicht angesprochen wird.

Princess Vespa: [looking up at the night sky] Which one’s yours?
Lone Starr: Who knows?
Princess Vespa: You don’t know where you’re from?
Lone Starr: Not really. I was found on the doorstep of a monastery.
Princess Vespa: A monastery? Where?
Lone Starr: Somewhere in the Ford Galaxy.

 

Regie: Mel Brooks (The Producers, Frankenstein Junior, Die verrückte Geschichte der Welt, Das Leben stinkt)

Schauspieler: Mel Brooks, John Candy, Bill Pullman, Rick Moranis

Bewertung: 

 

Lockout (2012)

Selten hat mich ein Trailer mehr abgetörnt als der von Lockout. Innerhalb von zwei Minuten hat man darin nämlich ein gutes dutzend dummer Sprüche und Oneliner zusammengeschnipselt, die alle auf ein junges und unreifes Publikum abzielen. Viel schockierender dabei war für mich eher, dass man Guy Pearce eine ‚coolere‘, weil tiefere,  Synchronstimme verliehen hat und dass der Kerl eigentlich so gar nicht in diese Art von Film passt. Besonders in L.A. Confidential, The Time Machine und Memento hat er mir gut gefallen und jetzt das? Nichtsdestotrotz hat Clive Owen jedoch bereits in Shoot ‚Em Up bewiesen, dass auch ein eher dümmlicher Actionfilm unglaublich viel Spaß machen kann. Und wer sonst außer Luc Besson sollte sowas hier produzieren?

Snow (Guy Pearce) sitzt in der Klemme. Der Ex-CIA-Agent wurde bei einer Datenübergabe hinters Licht geführt und soll nun 30 Jahre lang in einem Hochsicherheitsgefängnis im All sein Dasein fristen. Da trifft es sich gut, dass nach einer Revolte die Präsidententochter Emilie (Maggie Grace) als Geisel genommen wird und der großmäulige Snow als Einmannarmee die gute Frau befreien soll. Problematisch sind jedoch die gut 500 ziemlich psychotischen Gefangenen, die ihren Frost-Tiefschlaf alles andere als nett empfunden haben.

Gleich die erste Szene verdeutlicht, wer Snow ist: ein exzentrisches Arschloch, das in seiner Coolness auf alles und jeden scheißt. Im Grunde verarscht er jede einzelne Person, die ihm begegnet und hat auch noch Spaß dabei. Im Sekundentakt fallen ihm schlaue Sprüche ein, die sein Leben nicht unbedingt einfacher machen. Trotzdem bleibt Snow immer Herr der Lage und sorgt so, zumindest in der ersten Hälfte des Films, für ordentliche Unterhaltung. Die hohe Frequenz und die Konsequenz seines Dummgelabers ist so dermaßen over the top, dass er mir tatsächlich sympathisch wird, trotz oder gerade wegen der für Guy Pearce ungewohnten Rolle. Man merkt auch, dass dem Kerl dieser Film vermutlich eine gehörige Portion Spaß bereitet hat.

Allerdings hält sich diese Atmosphäre nicht sehr lange. In der zweiten Hälfte bekommt das Präsidententöchterchen immer mehr zu sagen, was dem Film überhaupt nicht gut bekommt. Denn Emilie ist leider nicht mehr als ein naiver Klotz am Bein unseres eigentlichen Helden. Da will sie unbedingt die anderen Geiseln retten, obwohl ihr doch extra davon abgeraten wurde. Und auf einmal predigt sie Moral, ohne dabei irgendwie große Dankbarkeit für ihren Retter zu zeigen. Emilie ist es auch, die ständig Probleme bereitet und dadurch völlig Fehl am Platz wirkt. Zwar soll sie dem Film so eine Art Botschaft verleihen bzw. den netten Menschen in Snow ansprechen, doch so treten die Schwächen von Lockout zu Tage.

Die Handlung wäre im Grunde akezptabel, wird aber zum Schluss hin zunehmend bemühter und unsinniger. Anstatt eines coolen Showdowns zwischen Snow und dem zahlreich vorhandenen Gefängnisgemüse erwartet einen bloß ein wenig Geballer hier und da. Mehr nicht. Da will die Regierung beispielsweise Kampfraumschiffe zum Space-Knast schicken, um es in die Luft zu jagen. Die meisten der Angreifer fliegen allerdings in die Luft, weil das Gefängnis ein Abwehrsystem besitzt. Warum müssen bitteschön so viele von den Guten dabei draufgehen? Hätte man das Gerät nicht von weitem aufs Korn nehmen können? Stattdessen wird Star Wars-mäßig erstmal durch den Weltraum gedüst, weil der Sprengsatz natürlich nur an einer bestimmten Stelle aufgetragen werden kann. Es entsteht der Eindruck, dass man auf Gedeih und Verderb unbedingt noch einen Fight im Kosmos einbauen wollte. Die Vorgeschichte um Snows Festnahme ist außerdem relativ einfach zu durchschauen und es stellt sich die Frage, warum der ansonsten so smarte Kerl da nicht von alleine auf die Lösung gekommen ist. Dass natürlich da noch ein Twist hineingeschmuggelt werden muss tut mir ehrlich gesagt ziemlich weh, weil dieser völlig unnötig ist und dem Film gar nichts gibt.

Im Gefängnis selber gibt es mit Alex (Vincent Regan) eigentlich einen ziemlich charismatischen Oberbösen, der aber keine Screentime bekommt und in der Mitte aus irgendeinem Grund eine ganze Weile lang nicht auftaucht. Hier wurde meiner Meinung nach Potential verschenkt, zumal man über das Raumschiff-Kommunikations-System noch den einen oder anderen guten Dialog zwischen den Protagonisten hätte einbauen können. So sind Snow und Emilie nicht viel mehr als sinnlos im Weltraum unterwegs. Stellenweise fühlte ich mich an Luc Bessons ‚Das fünfte Element‘ bzw. den ‚Transporter‘ erinnert, doch dafür mangelt es Lockout irgendwie an Seele. Zum Ende hin wirkt alles unrund und eilig zusammengeschustert. Besonders der finale Dialog ist dermaßen lächerlich und grenzdebil, dass man einfach mit einem negativen Gefühl entlassen wird. Das soll aber nicht heißen, dass der Film nicht auch ein paar nette Szenen hat. Die sieht man jedoch lustigerweise alle im Trailer, der mir ja eigentlich nicht gefallen hat. Außerdem macht es Shoot ‚Em Up einfach besser, weil man den Helden nicht unnötig vermenschlicht. Michael Bay-Freunde werden vermutlich mit Lockout trotzdem 95 Minuten lang hohlen Spaß haben, der Rest erfreut sich an Clive Owen, Jason Statham oder Danny Trejo.

Regie: James Mather (Adam & Paul, Prey Alone), Stephen St. Leger (Prey Alone)

Schauspieler: Guy Pearce, Maggie Grace, Peter Stormare, Vincent Regan

Bewertung: