The Cabin in the Woods (2011)

Die Hütte im Wald ist vermutlich einer der abstrusesten Filme, die ich kenne. Nicht ganz so beknackt wie Zardoz vielleicht, indem ein Slip-tragender haariger Sean Connery auf einer Metaebene über die Menschheit philosphiert, aber dennoch ziemlich abgefahren. Das liegt vor allem daran, dass die altbackene Geschichte über ein paar junge Leute fernab der Zivilisation, die mit einem brutalen Grauen konfrontiert werden, auf satirische Art und Weise durch den Kakao gezogen wird und am Ende eine Art Film im Film ist.

‚The Cabin in the Woods‘ beginnt mit zwei Angestellten (Richard Jenkins, Bradley Whitford), die sich über ihr Privatleben unterhalten und nach einer Weile dann zur Arbeit schreiten. Diese hat mit fünf jungen Leuten zu tun (u. a. Chris Hemsworth a.k.a. Thor), die übers Wochenende zu einer einsamen Hütte rausfahren und Party machen wollen. Natürlich geschehen merkwürdige Dinge inklusive der gruseligen Begegnung mit einem Einheimischen an einer Tankstelle und schon bald stellt sich das Häuschen als Schauplatz unmenschlicher Morde heraus. Die Zombie-Familie lässt nicht lange auf sich warten und es beginnt ein blutiger Kampf ums Überleben. Dabei wird stellenweise nicht mit Blut gespart. Im letzten Drittel löst sich der Film dann komplett vom Schauplatz und es wird richtig absurd. Großartig ist, dass dies der womöglich erste Film ist, in dem ein Einhorn einfach mal so einen Menschen aufspiest.

Es ist schwierig, viel mehr zu verraten, ohne alles zu spoilern. Es sei nur so viel gesagt, dass ‚The Cabin in the Woods‘ auf seine eigene Art und Weise eine Satire auf das gesamte Horror-Genre ist. Joss Whedon (Avengers, Firefly, Buffy) und Drew Goddard (Cloverfield, Lost, Buffy) kritisieren mit dem Drehbuch direkt die Entwicklung der Gruselfilme, wie Whedon in einem Interview verriet (Quelle):

On another level it’s a serious critique of what we love and what we don’t about horror movies. I love being scared. I love that mixture of thrill, of horror, that objectification/identification thing of wanting definitely for the people to be alright but at the same time hoping they’ll go somewhere dark and face something awful. The things that I don’t like are kids acting like idiots, the devolution of the horror movie into torture porn and into a long series of sadistic comeuppances. Drew and I both felt that the pendulum had swung a little too far in that direction.

Man kann sagen, dass der Film im Grunde wirklich jeden Horror- bzw. Splatterfilm abdeckt. Ob Werwolf, böses Einhorn oder gar mordlüsterne Ballerina, hier dürfen zum Ende alle mal ran. Und dann gibt es noch einen Überraschungsauftritt von Sigourney Weaver. Am Ende ist dann klar, dass das Geschehene nur zweitrangig ist und der gesamte Film auf dieser Meta-Schiene fährt. Besonders alles, was nicht über die fünf jungen Menschen handelt, ist derart merkwürdig und satirisch, dass schnell klar wird, dass der Film eben nicht in erster Linie ein „Horrorstreifen“ Marke „5 Dummbatzen im Wald“ ist. Stellenweise fühlte ich mich mitunter an ‚Tucker & Dale vs. Evil‚ erinnert. Aber die Hütte im Wald ist eben mehr als nur eine Komödie.

Auch wenn mir die Message unheimlich gut gefallen hat, der Film hat durchaus seine Längen. Da hätte vielleicht das dezentere Einstreuen von ‚Merkwürdigem‘ mehr Spannung erzeugt, aber das liegt natürlich nicht in meinen Händen. Im Grunde ist der Film nie in großem Maße überaus aufregend. Auch wenn gerade der eine oder andere dahingemeuchelt wird, bleibt immer das Gefühl der Kontrolle und der Absicht hinter jeder Aktion.

 

Der Film wurde übrigens bereits 2009 gedreht, lag jedoch wegen der Insolvenz von MGM stolze drei Jahre irgendwo rum. Mehr dazu gibt es in diesem Interview mit Regisseur Drew Goddard. Wie man es auch sieht, im Endeffekt ist ‚The Cabin in the Woods‘ ein sehr spezielles und einmaliges Filmerlebnis für alle, die von dem ganzen ‚Saw‘-Blödsinn genug haben und ein bisschen was mit ‚Meta‘ anfangen können.

Regie: Drew Goddard (Writer für Lost, Cloverfield, Buffy)

Schauspieler: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Anna Hutchison, Fran Kranz, Jesse Williams

Bewertung: 

John Niven: Gott bewahre (2011)

Es gibt Bücher, die sind einfach nur geil. Von der ersten bis zur letzten Seite. Aus einem Guss, nie langweilig und irgendwie überzeugend. Und das hier ist so eines. Die einzigen Menschen, die vielleicht vor den Kopf gestoßen werden, sind ganz krass-gläubige Christen und Muslime, aber ein wenig Selbst-Reflektion darf man schließlich erwarten. Doch ganz langsam. Worum gehts eigentlich in ‚Gott bewahre‘?

Gott ist angepisst. Nicht nur so ‚Fuck, mein Fußball-Team hat verloren‘-angepisst, sondern so à la ‚Fuck, ich rotte gleich die Menschheit aus‘-angepisst. Doch warum? Seine Schöpfung, wir Menschen, gefielen ihm eigentlich ganz gut. Dann entschloß er sich, mal ein wenig Urlaub zu nehmen. Einfach mal richtig gechillt Angeln gehen. Da war gerade die Renaissance angesagt. Leider vergeht die Zeit im Himmel viel viel langsamer als bei uns, und als er wiederkommt, muss er feststellen, dass er die ‚Prime-Time‘ unserer Existenz verpasst hat. Hexenverbrennung, Weltkriege, Holocaust, Atombomben, etc. Da isser not amused. Also wird beschlossen, Jesus zu uns runter zu schicken um ein bisschen Liebe und sowas zu verbreiten. Dass dieser jedoch eher kiffender Hippie als Erlöser ist, scheint ein wenig hinderlich. Gesagt, getan. Und so lebt Gottes Sohn unter uns als ein ziemlich netter Mann, bis er dazu gebracht wird, an der amerikanischen Variante von ‚Blabla sucht den Superstar‘ teilzunehmen, um Preisgeld abzusahnen und seine Botschaft unters Volk zu bringen.

Und dabei wirkt wirklich jede Idee und Wendung so herrlich unkonventionell und geistreich, dass es eine wahre Freude ist, weiterzulesen. Dem einen oder anderen mag es vielleicht etwas zu viel Sozialkritik sein, aber das störte mich nicht ein bisschen. Es geht um die Verschwendung in der modernen Konsumgesellschaft, Toleranz, Kapitalismus, Nächstenliebe und sogar um die Todesstrafe. Und welches Land ist da nicht geiler als die Vereinigten Staaten von Republikanien? So sammelt Jesus einen Tross Jünger um sich, die verschiedener nicht sein könnten. Vom HIV-infizierten Obdachlosen zur drogenabhängigen, alleinerziehenden Ex-Prostituierten. Der ‚Abschaum‘ unserer Gesellschaft kommt zu Wort und darf der herzlosen und geldgierigen Welt die Stirn bieten. Dabei entwickelt sich um die Teilnahem bei der Casting-Show eine Art Road-Trip Richtung Kalifornien. Der zweite Teil ist dann ein wenig anders und auch statischer und es spitzt sich dann in Sachen Ernsthaftigkeit und Brutalität alles zu.

Ehrlich gesagt frage ich mich, warum sich keiner über dieses Buch je aufgeregt hat. Zumindest findet sich dazu nichts im Internet. Mit welcher Unverblümtheit hier teilweise die christlichen und republikanischen Denkweisen kritisiert werden. Beispielsweise erklärt Gott, dass er nichts gegen Schwule hat und wie denn die ‚dummen Kirchenmänner‘ auf die Idee kämen, es sei in Ordnung, Leute auszugrenzen. Sowas ist dann echt geil. Oft sagt Gott auch, dass er nur eine Botschaft hat: ‚Seid nett‘. Nicht mehr und nicht weniger. Doch Moses das Arschloch hätte daraus dann 10 dumme Regeln gedreht und so Auslegungen und so weiter ermöglicht. Ähnlich geht es weiter. Da wird dann der Himmel und die Hölle genauer beschrieben und wer wie bestraft wird. Auch Hitler mittendrin fehlt nicht. Natürlich lässt sich das Buch immer als ‚liberaler Schwachsinn‘ abtun, aber in sich ist alles stimmig und schlüssig. Es ist böse Kritik an dem ganzen Scheiß, den die Menschheit sich über die letzen Jahre und Jahrhunderte angehäuft hat. Und in erster Linie wird offengelegt, wie vermeintliche Christen einfach nur puren Hass und Intoleranz predigen und mit so einem Dreck dann auch noch genügend Menschen erreichen.

Dass Jesus‘ Aufenthalt hier gewisse Parallelen zum ersten Erlebnis hier vor 2000 Jahren hat, ist klar und eigentlich auch ganz cool eingeflochten. Wer die Bibel nicht kennt, sieht trotzdem diese Stellen und freut sich dann über solche Modernisierungen. Der Lesefluss ist außerdem sehr nett. Vieles wird direkt gesagt und gedacht und kommt dann auch wie ein Film rüber, dem man zuschaut. Es wirkt nicht wie ein Schauspiel und man fühlt sich, als ob man danebensteht. Damit meine ich, dass in Büchern, in denen komplexere Satzstrukturen und dergleichen verwendet werden, die Distanz zwischen Leser und Protagonisten größer ist als hier. Das ist Niven in ‚Coma‘ schon echt gut gelungen. Und hier fühle ich mich auch thematisch berührt. Es werden eben Dinge angesprochen, die niemanden kalt lassen. Großartig ist, dass in einem Abschnitt über die Todesstrafe Britney Spears zitiert wird („Ich bin für die Todesstrafe. Wer schreckliche Dinge getan hat, muss eine angemessene Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste Mal.“). Das ist intelligent, böse, satirisch und lustig. Alles zur gleichen Zeit.

‚Gott bewahre‘ ist gemein für alle Konservativen und sehr kritisch. Meiner Meinung nach ist es ein super Buch und ich würde es jedem uneingeschränkt empfehlen. Das ist nicht die besinnlich-weihnachtliche Feel-Good-Lektüre, sondern sozialkritische Komödie!

Bewertung: 

American Psycho (2000)

Patrick Bateman  (Christian Bale) arbeitet an der Wall Street und führt ein dekadentes Leben inmitten der Schickeria New Yorks. Doch alles was er tut und sagt ist letzendlich nur eine Maskerade, denn Patrick Bateman ist eine leere Hülle ohne besondere Emotionen. In seiner Verzweiflung über seine Lage fängt er an, zu morden und zu schänden. Die Story basiert auf dem Buch von Bret Easton Ellis, welches seinerzeit eine Weile lang auf dem Index stand (Klick).

Doch anstatt so in die Langweile abzudriften wie das Buch, gerät der Film zu einem munteren 102-minütigen Trip durch die Niederungen der menschlichen Psyche. Da wird viel Monolog dazu verwendet, all die kleinen Pflegemittel aufzuzählen, die Patrick tagtäglich aufträgt. Doch dies ist keineswegs langweilig, sondern sehr unterhaltsam. So hat jede Szene Symbolcharakter.

Die Kürze des Films ist sein großer Trumpf. Das Buch fand ich wirklich schrecklich, sehr aufgebläht und langatmig. Auch hatten viele Szenen eine tiefere Bedeutung, waren aber viel zu langsam. Wo im Buch die Emotionslosigkeit weitestgehend Langeweile erzeugt, gibt es im Film viel mehr Abwechslung, wohl auch weil die Original-Handlung zusammengestaucht wurde. Eher eines der seltenen Beispiele, wo ein Film zu einem Buch besser ist als das Bucher selber.

Großartig ist auch Christian Bale. Er verkörpert einen emotionslosen Schönling ohne großartige Probleme im Leben. Immer wieder dringt der Wahnsinnn nach außen und baut sich langsam auf, bis er sich in einer großen verqueren und verstörenden Szenerie entlädt. Zusätzlich besitzt der Film ‚American Psycho‘ ein Ende, dass so durchdacht erscheint und auf so viele Weisen befridiegend und motivierend ist. Im Vergleich: Das Buch endet erst sozusagen 50 Seiten später und verpasst so, sich in irgendeiner Weise mit einem Twist zu verabschieden.

Patrick Bateman ist also eine Karikatur eines modernen Menschen, der nur noch für Äußerlichkeiten lebt und dessen einzige Befridiegung in der Auslebung tierischer Triebe besteht. Das ist kontrovers und in der Brutalität teilweise auch schockierend, doch gibt sich sowas im Film nie als hirnloser Splatter-Mist zu erkennen. Vielmehr gibt es eine Szene, in der Patrick jemanden mit einer Axt ermordet und im Hintergrund läuft ‚Hip to be Square‘ von Huey Lewis and the News, während er selbst sein sinnloses Fachgelaber über Musik zum Besten gibt. Das sind so herrliche Gegensätze zwischen Alltag und kaltblütigem Morden, dass man sie nie als ernsthaften Saw-Tötungs-Akt betrachtet.

Ich halte den Film in seinem Gesamten für sehr intelligent und durchdacht. Er ist nicht wirklich spannend, aber dennoch sehr unterhaltsam. Eine Persiflage auf das moderne Leben und die 90er mit viel Liebe zum Detail. Es gibt keine zufälligen Dialoge, nichts passiert einfach so. Hinter allem steckt ein Motiv und eine Überlegung, die ‚American Psycho‘ zu einem wunderbaren Film machen. Wer auf intelligente Satire steht, macht sicherlich nichts falsch. Ein ‚American Beauty‘ oder ‚Fight Club‘ schlägt ungefähr in die gleiche Bresche.

Regie: Mary Harron (I Shot Andy Warhol, The Notorious Bettie Page)

Schauspieler: Christian Bale, Jared Leto, Reese Witherspoon, Justin Theroux

Bewertung: