Resident Evil: Afterlife (2010)

Willkommen zurück als Regisseur, Paul W. S. Anderson! Die Drehbücher schreibt er sonst ja eh immer, für alle Teile. Doch ob das so gut ist?

Naja. Wir wissen aus dem dritten Teil (Extinction), dass die Erde halt nur noch aus Wüsten besteht und wir alle so ziemlich am Sack sind. Ein Teil konnte wohl (vielleicht) nach Alaska fliehen. Währenddessen hat Alice (Milla Jovovich) festgestellt, dass die (immernoch böse) Umbrella Corporation sie hundertfach klonte. Das macht sich die toughe Frau mit telekinetischen Fähigkeiten zu Nutze, um die Zweigstelle in Tokyo mitsamt all ihrer Schwestern zu besuchen und zu reklamieren. Hier erinnert der Film derart stark an den ersten Teil der Matrix-Reihe, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Außerdem kann man hier bereits feststellen, dass die Hauptrolle weniger die Milla hat, sondern die Zeitlupe. Das liegt zum einen daran, dass der Film in 3D gedreht wurde und 3 Dimensionen nur in Zeitlupe genossen werden können. Außerdem wäre es sonst echt schwer geworden, die angepeilten 90 Minuten zu füllen. Wie auch immer, Alice zerpflückt die armen Japaner und bezahlt dafür mit dem Entzug all ihrer Fähigkeiten. Und hier frage ich mich, wie behindert kann man denn sein?

Das war wirklich ein Alleinstellungsmerkmal des Films! Das hat Extinction cooler und die Rolle der Alice viel interessanter gemacht. Tough und schlagfertig bleibt sie zwar, aber hier vermisse ich den Mut, mal was neues auszuprobieren. Na gut. Nun schlägt sie sich Richtung Alaska durch, um die Überlebenden aus dem dritten Teil ausfindig zu machen. Erster interessanter Moment: Alice trägt Lippenstift. Alle sind tot oder Zombies, aber wenigstens sitzt das Make-Up! Wahrscheinlich, damit sie in ihrem Video-Tagebuch nicht so Kacke ausschaut. Die Leute in Alaska sind übrigens alle weg und sie findet lediglich die völlig verwirrte Claire (Ali Larter). Den Zufluchtsort für die Menschheit gibt es leider nicht und so machen wir uns auf nach…. na, was ist denn gleich um die Ecke da bei Alaska? Genau, Los Angeles. Und auch hier verstehe ich das wieder nicht. Die Frauen sind mit einer mickrigen Ein-Propeller-Maschine unterwegs. Tankstellen gibt es nicht, geschweige denn sichere Gegenden. Es sind mindestens 3500 Kilometer, die sie zurücklegen müssen! Aber als zivilisierter Mensch und Zuschauer nimmt man das hin und interpretiert es als die Freiheit des Regisseurs und Drehbuchautors.

So, wir kommen in L.A. an und die Mädels landen auf einem Gefängnis, in dem sich ein paar Leute vor ungefähr 4 Millionen Zombies außerhalb in Sicherheit gebracht haben. Und hier knüpft der Film wieder an, ein halbes dutzend Leute einzuführen, wo man beim ersten Blick schon weiß, dass die verrecken werden. War das ein Spoiler? Nein, denn man sieht das einfach, das muss man einfach sehen. Lustigerweise haben die Knastbewohner den Typen aus Prison Break (Wentworth Miller) eingeknastet…ein Film in einem Film?

Eines muss man Afterlife lassen. Während es in den Vorgängern nicht wirklich allzu wichtige Charaktere gab, so sind die unwichtigen jetzt sogar unsympathisch und total blöd. Und trotz beraubter Kräfte rennt Alice rum, als ob sie unterblich ist. Erstaunlich auch, dass es in jedem Film der Reihe einen Kampf mit irgendwelchen mutierten Hunden gab, so auch hier. Der sprichwörtliche rote Faden? Und ich bin der Meinung, dass der (standardmäßige) Cliffhanger hier so krass wie noch nie zuvor war. Ich würde mich ja gerne eingehender darüber aufregen, aber dann hätte ich den Film noch mehr gespoilert als ohnehin schon. Und das wollen wir ja nicht.

Natürlich gibt es Dinge, die ganz nett waren. Vor allem in (realem!) 3D sieht ‚Resident Evil: Afterlife‘ richtig geil aus. Alice hackt sich durch eine Gruppe Zombies in Zeitlupe und man sieht im Vorder- und Hintergrund die Untoten auf sie zurennen. Der Regen am Anfang ist schön. Überhaupt, rein optisch hat der Film einen coolen Style. Das ist aber eben nicht alles, außer man ist eine gottverdammte Grafik-Hure. Insgesamt fühlt es sich für mich an, als ob man nach dem soliden dritten Teil einen Schritt zurück macht und nur noch auf Zeitlupen-Action setzt. Ach ja, und die letzte Szene vor dem Ende ist auch noch irgendwie aus Michael Bays ‚Die Insel‘ geklaut, zumindest vom Look.

So, und jetzt das Lustige: Ich fühlte mich unterhalten, obwohl der 4. Teil eigentlich ziemlich schwach ist und fast so bescheuert wie der zweite Teil der Reihe. Zuhause und ohne 3D oder anständigem HD sehe ich keinen Grund, warum einem das Gegurke gefallen sollte. Da ich jedoch alle Filme in einem Rutsch konsumiert habe und irgendwie in der ‚Scheiß-auf-die-Handlung-denn-es-ist-Resident-Evil‘-Stimmung war, fühlte ich mich wohl. Oh nein, ich bin eine Grafik-Hure!

Regie: Paul W. S. Anderson (Resident Evil 1, Mortal Kombat, Event Horizon, Alien versus Predator)

Schauspieler: Milla Jovovich, Ali Larter, Wentworth Miller, die Zeitlupe

Bewertung: