Der Kaufhaus Cop (2009)

Herzlich willkommen zur jugendfreien Variante von Stirb Langsam! Natürlich ist in der Hauptrolle kein glatzköpfiger und schuhloser Bruce Willis, sondern sein dicker, von Hyperglykämie gepeinigter kleiner Bruder Kevin James (Brüder im Geiste, die sind nicht verwandt oder verschwägert, soweit ich weiß). Und noch nie habe ich mir in einer Komödie sehnlicher gewünscht, dass die Hauptfigur mal endlich so langsam stirbt. Dabei ist die Prämisse gar nicht mal so unbedingt schlecht.

…Alternativer Artikelanfang: Herzlich willkommen zum Segway-Werbefilm #1. Mit Ihrem Segway kommen sie nicht nur durch ihre Einkaufshalle in beeindruckendem Tempo, nein, Sie können damit auch böse Buben das Fürchten lehren. Hören Sie auf, Ihre verdammten Füße zu benutzen, kaufen Sie sich eines, nein lieber gleich zwei von diesen geilen Teilen zum Super-Sonderpreis von lediglich 8000 €  pro Stück. Und wenn Ihr Esel leider kein Gold kackt oder Sie sich nicht mal einen Esel leisten können, dann kriechen Sie doch mit dem dreckigen Pöbel auf dem Boden rum, Sie Arsch! Und nun, weiterhin viel Vergnügen mit der Filmrezension…

Paul Blart (Kevin James) ist ein übergewichtiger Vater einer pubertierenden Tochter, der von seiner Frau verlassen wurde. Zudem arbeitet er in einem Einkaufszentrum in New Jersey als Sicherheitsmann, verzeihung, Sicherheitsbeamter (Insider…). Er ist tollpatschig, schüchtern und eigentlich ein Trottel. Weil er die Aufnahmeprüfung zur Polizei nicht schafft, nimmt er seinen Job selber ziemlich ernst. Eines Tages überfällt eine Bande von Skateboardern und Akrobaten die Mall und will an die Kreditkartennummern von den Leuten, oder so. Inklusive Geiselnahme und Paul Blart als Einzelkämpfer gegen alle.

Frage #1: Wer um alles in der Welt überfällt ein beschissenes Einkaufszentrum? Auch wenn dann am Ende gesagt wird, dass da 30 Millionen Dollar zu holen sind, ist der gesamte Plan ziemlich bescheuert. Nicht minder beknackt sind auch die Gangster, die zwar mit Waffen rumlaufen, aber weder sonderlich bedrohlich noch intelligent wirken.

Frage #2: Warum muss Paul Blart nur so ein dummes Arschloch sein? Im Grunde ist er ein tollpatschiger Stalker, der genausogut auch Fahrkarten kontrollieren könnte.  Ganze 35 Minuten (von insgesamt 90 Minuten Laufzeit) nimmt sich der Film Zeit, uns diesen Vollidioten vorzustellen, bevor die Action losgeht. Und irgendwie soll das Mitgefühl erzeugen, mit dem eigentlich doch ganz netten Typen, der schon so viel Pech hatte. Ehrlicherweise war da nicht mehr drin als Fremdschämen. Er ist weder in seinem Job gut nocht verhält er sich sonderlich nett. Kevin James war als Doug Heffernan in King of Queens unheimlich sympathisch. Dort war er auch nur Paketlieferant, aber er nahm seinen Job nicht so furchtbar ernst. Hier haben wir aber Paul Blart, der einem Opa im Elektroroller einen Strafzettel geben will, weil der zu schnell im Kaufhaus rumgefahren ist.

Das meiste, was der Film an Komik zu bieten hat, sind Szenen, in denen Paul gegen Türen rennt und dabei wegkugelt. Voll der Slapstick. Und weil das einmal einfach noch nicht lustig genug ist, widerfährt ihm dieser Schwachsinn fünf bis sechs mal. Aus irgendeinem mir nicht erfindlichen Grund wird auch noch ein indischer Hacker-Kerl eingebaut, der ihm später im Film ein wenig hilft. Haha, ein Inder mit indischem Akzenten. Voll lustig. Am Ende gibt es noch total den krassen Twist, der einem aber ziemlich egal ist. Weil einfach alles total bemüht und auch nicht wirklich unterhaltsam ist. Und dann gibt es da noch diese lächerlichen Musikeinspieler. Die könnten auch völlig okay sein. Aber in der finalen Szene z. Bsp. werden gleich zwei Songs hintereinander unter das Geschehen gelegt, was dem Film einen völlig diletantischen Touch gibt. Vermutlich kann das einem auch egal sein, aber Paul Blart sowie der Rest aller Figuren war mir zu dem Zeitpunkt einfach schon so unglaublich auf den Sack gegangen.

Wenig verwunderlich ist, dass Adam Sandler den Dreck mitprodzuziert hat. Von Regisseur Steve Carr stammen außerdem solche Klassiker wie ‚Sind wir endlich fertig?‘, ‚Der Kindergarten Daddy‘ (eine von Eddie Murphys miesesten Rollen) und ‚Dr. Dolittle 2‘. Für Kinder könnte Der Kaufhaus Cop vielleicht und unter Umständen noch was taugen, der Rest macht bitte einen großen Bogen drum. Mit Hot Fuzz und Shaun of the Dead gibt es viel bessere Komödien (mit Nick Frost als lustigem dicken Typen) da draußen und über allen thront sowieso immer noch Leslie Nielsen in ‚Die Nackte Kanone‘. Obwohl ich Kevin James mag, ist eigentlich alles von ihm nach King of Queens nicht mehr gut. Schade. Na wenigstens konnte er ein paar Runden auf seinem Segway drehen. Fazit: Stirb langsam, Paul Blart. Langsam und qualvoll.

Regie: Steve Carr (Sind wir schon da?, Dr. Dolittle 2, Der Kindergarten Daddy)

Schauspieler: Kevin James, Jayma Mays

Bewertung: