Outlander (2008)

Outlander ist ein ein Wikinger-Sci-Fi-Action-Film. Also quasi Cowboys & Aliens, nur ohne Cowboys. Dafür mit Wikingern. Schließlich haben die auch viel mehr was auf dem Kasten als diese lächerlichen Kuhjungen. Und unser Held ist auch noch Jesus! Also jetzt nicht wirklich der Sohn Gottes, Caviezel hat ihn nur verkörpert in Die Passion Christi. Und hab ich schon die Aliens erwähnt? Naja, jetzt nicht so wie in Aliens, weniger und auch weniger cool. Dafür können die leuchten und geben eine prima kuschelige Leselampe ab. Davon kann Sigourney Weaver nur träumen! Und wer darf in einem altertümlichen Szenario nicht fehlen? Ron Perlman a.k.a. Hellboy a.k.a. Conans Vater (in der Neuverfilmung) natürlich! Herr der Ringe-Freunde freuen sich zudem über den einen Charakter, der Boromir heißt. Also wieder mal ein bunter Cocktail aus allem möglichen. Ob das funktioniert?

Fangen wir doch erst einmal mit der Handlung an. Kainan (Jim Caviezel) kommt von einem anderen Planeten, sieht aber so aus wie wir. Auf der Erde zu Zeiten der Wikinger muss er bruchlanden (es ist jedoch kein Zeitreise-Film!). Leider und aus Versehen auch an Bord befindet sich ein Moorwen, eine Mischung aus einem hausgroßen Löwen und einem Tiefseeangler (diese Fische der Tiefsee, die mit sonem Lichtschein ihre Beute anlocken). Gepaart mit dem Charakter von Godzilla. Eine wunderbare Kombination. Das Vieh entkommt und er muss sich erst einmal alleine zurechtfinden, bis ein paar Wikinger ihn aufgreifen und für ein vom Moorwen angerichtetes Massaker verantwortlich machen. Dann jagen sie das Teil und so weiter und sofort. Der Film geht gut und gerne zwei Stunden und an dieser Stelle hat man noch einen weiten, weiten Weg vor sich.

Das größte Problem ist nämlich die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Ich musste mich selbst davon abhalten, mal auf Facebook vorbeizusurfen. Der Film ist so unglaublich träge, vor allem die ersten 80%. Danach schlägt es ins genau andere Extrem und wir erleben wild zusammengeschusterte Szenen und unlogische Stellen. Die Idee insgesamt finde ich nett, schließlich gibt es nicht viele dieser Art. Jedoch gibt es teilweise zwei- oder dreiminütige Dialoge, die nicht klug oder spannend oder eloquent oder lustig sind. Und damit langweilig. Dann taucht hin und wieder das Alien auf, das wir bis zur zweiten Hälfte nur andeutungsweise zu Gesicht bekommen. Das ist nicht wirklich gruselig oder spanned oder actiongeladen oder innovativ. Während sich unsere Helden, bei denen nicht ein einziger auch nur ansatzweise große Sympathien weckt, noch gegen das Moorwen zur Wehr setzen, kommt als Subplot noch ein Konflikt zum Nachbardorf hinzu. Das streckt Outlander zusätzlich und ist sehr unnötig. Ich finde, hier hätte man auf dieses Stück verzichten müssen. Dann wäre am Ende ein vielleicht logischerer und nicht so ausufernder 90-Minuten-Film herusgekommen.

Wie dem auch sei. Am Ende wurde es mir dann vollends zu blöd. Die eine Frau im Film wird entführt und will fliehen, sitzt jedoch vermeintlich in einer Sackgasse einer Höhle fest. Unser Held sagt ihr, sie solle sich durch einen Spalt auf die andere Seite zu ihm quetschen. Das schafft sie nicht und muss so gegen das Alien kämpfen. In der nächsten Szene braucht dann Kainan ungefähr 4 SCHRITTE!!!!!, um den engen Spalt zu umgehen und der in Gefahr befindlichen Frau zu helfen. Das ist dann einfach Faulheit. Man hatte keine Lust mehr, sich darum zu kümmern, also machen wir halt irgendwas, der Zuschauer wirds schon schlucken. Besonders dann bei Kämpfen mit dem Alien finde die Schnitte teilweise völlig mies. Ich will mich jetzt nicht zum großen Regisseur aufschwingen, aber mich stört das einfach. Ich hatte irgendwann dann auch den Faden verloren und wunderte mich nur über die Souverenität der Protagonisten.

Der Anfang war eigentlich sehr nett. So wird Kainan die Wikinger-Sprache erst im Matrix-Style über einen Computer innerhalb von Sekunden beigebracht. Auch die Rückblende, die Kainans Vergangenheit und den Ursprung der Moorwens aufklärt, ist cool. Der Rest ist jedoch einfach nur ein halbgarer Mix aus Versatzstücken anderer Filme. Genau wie bei Cowboys & Aliens habe ich den Eindruck, dass der Film zu lang ist. Es gibt einen Film mit Val Kilmer und Michael Douglas, der praktisch den gleichen Plot hat: Der Geist und die Dunkelheit, einer meiner Lieblingsfilme früher. Nur spielt das ganze in Afrika zur Kolonialzeit und anstatt des Aliens gibt es zwei Löwen. Das ist einfacher, spannender und überzeugender. Besonders zum Ende hin. So erzeugt ein im Vergleich zum Alien fast schon „gewöhnlicher“ Löwe viel mehr Horror.

Outlander ist ein meiner Meinung nach schwacher Film, der einem nicht lange im Kopf bleibt. Leider, denn gerade zum Anfang fand ich das Szenrio aussichtsreich. Vielleicht können Fans des Sci-Fi-Wikinger-Action-Genres eher etwas damit anfangen. Viele gibt es aber glaube ich nicht.

Regie: Howard McCain (TV-Zeugs)

Schauspieler: Jim Caviezel, Sophia Myles, Ron Perlman

Bewertung: