Lockout (2012)

Selten hat mich ein Trailer mehr abgetörnt als der von Lockout. Innerhalb von zwei Minuten hat man darin nämlich ein gutes dutzend dummer Sprüche und Oneliner zusammengeschnipselt, die alle auf ein junges und unreifes Publikum abzielen. Viel schockierender dabei war für mich eher, dass man Guy Pearce eine ‚coolere‘, weil tiefere,  Synchronstimme verliehen hat und dass der Kerl eigentlich so gar nicht in diese Art von Film passt. Besonders in L.A. Confidential, The Time Machine und Memento hat er mir gut gefallen und jetzt das? Nichtsdestotrotz hat Clive Owen jedoch bereits in Shoot ‚Em Up bewiesen, dass auch ein eher dümmlicher Actionfilm unglaublich viel Spaß machen kann. Und wer sonst außer Luc Besson sollte sowas hier produzieren?

Snow (Guy Pearce) sitzt in der Klemme. Der Ex-CIA-Agent wurde bei einer Datenübergabe hinters Licht geführt und soll nun 30 Jahre lang in einem Hochsicherheitsgefängnis im All sein Dasein fristen. Da trifft es sich gut, dass nach einer Revolte die Präsidententochter Emilie (Maggie Grace) als Geisel genommen wird und der großmäulige Snow als Einmannarmee die gute Frau befreien soll. Problematisch sind jedoch die gut 500 ziemlich psychotischen Gefangenen, die ihren Frost-Tiefschlaf alles andere als nett empfunden haben.

Gleich die erste Szene verdeutlicht, wer Snow ist: ein exzentrisches Arschloch, das in seiner Coolness auf alles und jeden scheißt. Im Grunde verarscht er jede einzelne Person, die ihm begegnet und hat auch noch Spaß dabei. Im Sekundentakt fallen ihm schlaue Sprüche ein, die sein Leben nicht unbedingt einfacher machen. Trotzdem bleibt Snow immer Herr der Lage und sorgt so, zumindest in der ersten Hälfte des Films, für ordentliche Unterhaltung. Die hohe Frequenz und die Konsequenz seines Dummgelabers ist so dermaßen over the top, dass er mir tatsächlich sympathisch wird, trotz oder gerade wegen der für Guy Pearce ungewohnten Rolle. Man merkt auch, dass dem Kerl dieser Film vermutlich eine gehörige Portion Spaß bereitet hat.

Allerdings hält sich diese Atmosphäre nicht sehr lange. In der zweiten Hälfte bekommt das Präsidententöchterchen immer mehr zu sagen, was dem Film überhaupt nicht gut bekommt. Denn Emilie ist leider nicht mehr als ein naiver Klotz am Bein unseres eigentlichen Helden. Da will sie unbedingt die anderen Geiseln retten, obwohl ihr doch extra davon abgeraten wurde. Und auf einmal predigt sie Moral, ohne dabei irgendwie große Dankbarkeit für ihren Retter zu zeigen. Emilie ist es auch, die ständig Probleme bereitet und dadurch völlig Fehl am Platz wirkt. Zwar soll sie dem Film so eine Art Botschaft verleihen bzw. den netten Menschen in Snow ansprechen, doch so treten die Schwächen von Lockout zu Tage.

Die Handlung wäre im Grunde akezptabel, wird aber zum Schluss hin zunehmend bemühter und unsinniger. Anstatt eines coolen Showdowns zwischen Snow und dem zahlreich vorhandenen Gefängnisgemüse erwartet einen bloß ein wenig Geballer hier und da. Mehr nicht. Da will die Regierung beispielsweise Kampfraumschiffe zum Space-Knast schicken, um es in die Luft zu jagen. Die meisten der Angreifer fliegen allerdings in die Luft, weil das Gefängnis ein Abwehrsystem besitzt. Warum müssen bitteschön so viele von den Guten dabei draufgehen? Hätte man das Gerät nicht von weitem aufs Korn nehmen können? Stattdessen wird Star Wars-mäßig erstmal durch den Weltraum gedüst, weil der Sprengsatz natürlich nur an einer bestimmten Stelle aufgetragen werden kann. Es entsteht der Eindruck, dass man auf Gedeih und Verderb unbedingt noch einen Fight im Kosmos einbauen wollte. Die Vorgeschichte um Snows Festnahme ist außerdem relativ einfach zu durchschauen und es stellt sich die Frage, warum der ansonsten so smarte Kerl da nicht von alleine auf die Lösung gekommen ist. Dass natürlich da noch ein Twist hineingeschmuggelt werden muss tut mir ehrlich gesagt ziemlich weh, weil dieser völlig unnötig ist und dem Film gar nichts gibt.

Im Gefängnis selber gibt es mit Alex (Vincent Regan) eigentlich einen ziemlich charismatischen Oberbösen, der aber keine Screentime bekommt und in der Mitte aus irgendeinem Grund eine ganze Weile lang nicht auftaucht. Hier wurde meiner Meinung nach Potential verschenkt, zumal man über das Raumschiff-Kommunikations-System noch den einen oder anderen guten Dialog zwischen den Protagonisten hätte einbauen können. So sind Snow und Emilie nicht viel mehr als sinnlos im Weltraum unterwegs. Stellenweise fühlte ich mich an Luc Bessons ‚Das fünfte Element‘ bzw. den ‚Transporter‘ erinnert, doch dafür mangelt es Lockout irgendwie an Seele. Zum Ende hin wirkt alles unrund und eilig zusammengeschustert. Besonders der finale Dialog ist dermaßen lächerlich und grenzdebil, dass man einfach mit einem negativen Gefühl entlassen wird. Das soll aber nicht heißen, dass der Film nicht auch ein paar nette Szenen hat. Die sieht man jedoch lustigerweise alle im Trailer, der mir ja eigentlich nicht gefallen hat. Außerdem macht es Shoot ‚Em Up einfach besser, weil man den Helden nicht unnötig vermenschlicht. Michael Bay-Freunde werden vermutlich mit Lockout trotzdem 95 Minuten lang hohlen Spaß haben, der Rest erfreut sich an Clive Owen, Jason Statham oder Danny Trejo.

Regie: James Mather (Adam & Paul, Prey Alone), Stephen St. Leger (Prey Alone)

Schauspieler: Guy Pearce, Maggie Grace, Peter Stormare, Vincent Regan

Bewertung: