Frank Schätzing: Limit (2009)

Handlung: Der Thriller spielt im Jahr 2025. Julian Orleys Firma ist es vor mehreren Jahren gelungen, einen Weltraumfahrstuhl zu bauen und so die Förderung von Helium-3 zu beginnen, mit dessen Hilfe alle Energieprobleme der Menschheit gelöst wären. Er begibt sich mit einer Gruppe von Reichen und Prominenten auf einen Urlaubstripp zum Mond.    Zeitgleich wird der in Shanghai lebende Online-Detektiv Owen Jericho damit beauftragt, die verschwundene Tochter eines Mannes zu suchen. Diese musste fliehen, weil sie an sensible Informationen einer unbekannten Organisation gelangt ist. Nebenher versucht die Journalistin Loreena Keowa, das missglückte Attentat auf den strategischen Leiter des untergehenden Ölkonzerns EMCO, Gerald Palstein, aufzuklären.

Alles greift dann auch noch ineinander über, die gesamte Handlung ist komplexer. Handlungsorte wie Shanghai, Berlin, London und der Mond zeigen eine globalisierte und technologisierte Welt von morgen.

Dieses Werk ist einer der globalsten Thriller, die ich je gelesen habe. Über diverse Kontinente hinweg bis in den Weltraum ist die Menschheit ineinander verflechtet, kommuniziert, agiert und manipuliert. Dabei weiß man nie, wem man vertrauen kann. Das macht die Geschichte spannend, zumal ich die Auflösung des Ganzen als glaubwürdig und gelungen betrachte.

Die Welt, die Frank Schätzing hier konstruiert, ist so deatiliert und auch nachvollziehbar vom technologischen Standpunkt, dass man das Buch in gewisser Weise als einen Ausblick auf eine bevorstehende Zukunft betrachten kann. Mir als Berliner war der Abschnitt der Handlung, der in Berlin spielte, überaus sympathisch, da Straßennamen eine gewisse Glaubwürdigkeit erzeugten. Überhaupt ist der Roman wahrscheinlich der Globalisierungs-Thriller schlechthin.

Auch die meisten Personen und ihr Verhalten erschienen mir realistisch, vor allem das Töten wird in keinster Form verschönigt und in all seiner Intensität, Abscheulichkeit und Sinnlosigkeit aufgeführt.  Und einige Figuren waren mir auch überaus sympathisch, vor allem da es keine Übermenschen gab, jede Person im Buch hat ihre Makel.

Es gibt Abschnitte im Buch, die sind so filmisch und spannend, dass einem der Atem stockt, speziell einer weiter am Ende, als plötzlich das momentane Geschehen aus der Sicht von drei oder vier Personen alternierend geschildert wird.

Insgesamt hat mir auch der Sprachstil gefallen, der für einen Thriller dieser Ausmaße oft gut für Spannung gesorgt hat. Viel Faktenwissen und gute Recherche kann man dem Werk zum Guten auslegen, jedoch auch zum Negativen…

Es findet eine Verfolgungsjagd statt oder ein Dialog, und ständig erklärt Schätzing die Dinge dahinter. Z. Bsp. unterhalten sich zwei Figuren, es fällt das Wort Internet, und der Dialog wird unterbrochen, um das Internet des Jahres 2025 zu erklären und wie E-Mails funktionieren. Das hat mich an manchen Stellen wirklich sehr wütend gemacht. Ich war an diesem Dialog interessiert und nicht an allem dahinter. Ab der Mitte bzw. nach dem ersten Drittel sind diese Lexikon-Passagen wirklich sehr nervig. Sie unterbrechen den Spannungsfluss teilweise enorm.

Außerdem stellt das Buch so viele Personen und Namen vor, dass einem schwindelig wird. Die Reisegruppe zum Mond wird gleich relativ weit am Anfang vorgestellt, und bei ungefähr zwei dutzend Personen und Lebensläufen ist das schwierig. Es gibt sage und schreibe !!!96!!! Personen im Buch, die mit Namen vorgestellt werden. Das ist alles andere als einfach zu verarbeiten, aber bei einem Buch dieser Ausmaße noch einigermaßen verträglich bzw. machbar.

Anzukreiden ist, dass es ein Register aller vorkommenden Personen mit kurzen Beschreibungen gibt, jedoch erst am Ende. Und dieses fiel mir erst auf, als ich mit dem Buch fertig war. Es hätte mir sicher geholfen, aber ein kleiner Hinweis weiter vorne wäre nett gewesen.

Ein weiter Punkt der Kritik ist, dass in manchen Passagen meine Fantasie heillos überfordert wurde. Es findet beispielsweise eine Verfolgungsjagd statt, die Protagonisten gelangen in eine Fabrikhalle, und diese wird detailreich über eine halbe Seite beschrieben. Das waren einfach viel zu viele Informationen, im Endeffekt wurden mir dann solche detailierten Beschreibungen dann zum Ende hin komplett gleichgültig, so anstrengend waren sie.

Fazit: Die Kritikpunkte hören sich schlimm an, ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass dies ein erstklassiger Thriller ist, von beinahe epischen Ausmaßen. Die Thematik (nahe Zukunft) ist wirklich interessant, Spannung gibt es auch genug. Ein Buch für zwischendurch ist es allemal nicht.

Für Gelegenheitsleser ist „Limit“ nicht zu emphelen. Wer jedoch angefangene Bücher beharrlich weiterliest, wird sein Vergnügen finden, zumal die hier konstruierte Welt wirklich zum Abtauchen einlädt. Einer der besten Beweise, dass Lesen eine ebenbürtige Alternative zum Fernsehen darstellt.

Auch Freunde der Wissenschaft und Technik werden diesem Werk so einiges abgewinnen können. Direkt Science-Fiction würde ich dem Buch nicht unterstellen, jedoch geht es auch schon ein wenig prophetisch in diese Richtung.

Ein guter Thriller, detailreich und groß. Nicht perfekt, aber definitiv gute Lektüre.

Bewertung: