Rubber (2010)

Ein Film von dem Typen, der den Flat Beat gemacht hat! Über einen mordenden Autoreifen! Mit telekinetischen Kräften! Und explodierenden Köpfen! Und ganz viel Metaebene! Wuut?

In Rubber sehen wir, wie ein Autoreifen zum Leben erwacht und losrollt, dabei jedoch seine finstere Seite entdeckt und anschließend mordend durch die Unweiten der amerikanischen Landstraßen tigert. Beobachtet von einer Gruppe Menschen mit Ferngläsern, die die Zuschauer darstellen sollen und zeitgleich die Metaebene des Zuschauers selber durchdringen. Oder so. Eigentlich ist die Handlung ziemlich egal, weil der Film sich nie so wirklich ernst nimmt. Als ein Zuschauer dann anfängt, mit den Protagonisten zu reden, wird es total absurd…

Der Anfang ist ziemlich cool. Wir sehen, wie der Reifen losrollt und seine dunkle Seite entdeckt. So tötet er erstmal ein Karnickel und freut sich auch ein wenig darüber, begleitet von netter Musik. Der Kontakt zu anderen Menschen wird dann jedoch schnell weniger nett und die ersten Köpfe müssen explodieren. So habe ich mir zumindest anfangs noch versucht, einen Sinn dahinter zu denken. Das wird aber immer schwieriger, sodass am Ende das totale Chaos herrscht. Auf dieser Seite habe ich jedoch eine wirklich gut passende Interpretation gefunden:

The movie interperates the movie companies. The officer at the beggining is a high up man that gives the orders to other people. The pale man with the bike is his ’servant‘ and does anything. The people spectating are regular movie goers that easily get poisoned by the crap that the movie industry puts out. The old man in the wheel chair represents a critic that isnt fooled into taking the poison. At the end, the tire turns into a tricycle and that is the same idea being reproduced. The tricycle then gathers an army of tires and goes to hollywood to mass produce that idea again and again.

Und in diesem Licht wirkt der Film wirklich clever. Das war mir persönlich nicht klar, denn trotz seiner kurzen 82 Minuten Laufzeit bin ich fast eingepennt. Emphelen würde dahingehend Rubber kaum jemandem. Es ist ein Kunstfilm, ohne richtiges Plot. Wer mit sowas umgehen kann und wer Lust hat, sich hinter jeder möglichen Szene einen Sinn dahinterzudenken, wird sich wohl unterhalten fühlen. Somit ist Rubber halt auch nichts für den Massenmarkt. Ich habe ihn geguckt, weil Leute meinten, dass das wohl ein total (absichtlich) doofer Film über einen psychopathischen Autoreifen wäre und ich keine Lust hatte, mein Gehirn zu überfordern (was einem Studenten nach seiner Klausurphase ja wohl erlaubt sein dürfte). Das ist er aber eben nicht.

Mein Problem ist auch, dass wenn man eine Botschaft eines Films nicht versteht, eher dazu geneigt ist, ihn für schlecht zu halten. Vor allem, weil man sich seine eigene Dummheit nicht eingestehen will. Und weil ich gut mit meiner eigenen Dummheit leben kann, ziehe ich mein Fazit folgendermaßen:

Rubber ist ein chaotischer, esoterischer Kunst-Film, dessen Bedeutung sich mir anfangs überhaupt nicht erschlossen hat und der trotz Splatter-Elementen kein Splatter-Film ist. Die Musik ist meistens wirklich gut und unterstreicht die Gefühlslage des Reifens. Die Interpretation aus dem Internet ist einleuchtend, aber nicht offensichtlich und somit bleibt Rubber schwierig, vor allem schwierig zu genießen. Auf jeden Fall ist das hier etwas, was einem sonst nicht alle Tage über den Weg läuft.

Regie: Quentin Dupieux (Mr. OIZO!!!!)

Schauspieler: Stephen Spinella

Bewertung:  

Walhalla Rising (2009)

Der Kämpfer Einauge (Mads Mikkelsen) wird als Sklave gehalten, um gegen andere auf Leben und Tod zu kämpfen. Einauge selbst spricht nicht, das erledigt später der kleine Junge Are (Maarten Stevenson) für ihn. Als er sich befreien kann, schließen sich die beiden einer Gruppe von Kreuzfahrern an, die ins gelobte Land fahren wollen. Die Reise dorthin ist jedoch nicht wirklich einfach.

In gut eineinhalb Stunden wird eine etwas diffuse Geschichte erzählt. Dabei muss man bedenken, dass ‚Walhalla Rising‘ weder Abenteuer- noch Action-Film ist. Es ist ein Kunstfilm und ich kann mir gut vorstellen, dass so etwas dem einen oder anderen gefällt. Mir persönlich nicht, aber wie gesagt, Geschmacksfrage. Was meine ich mit Kunstfilm?

Zum einen redet der Hauptcharakter Einauge nicht. Es wird wenig gesprochen und viel Natur gezeigt. Lange Szenen von Landschaften mit einer diffusen Musik. Eine kalte und rauhe Welt wird  präsentiert, hier und da gibt es brutale Szenen. Alles untergliedert in 6 Kapitel, die jedoch selbst nicht hilfreich bei der Erzählung sind, sondern eher Phasen darstellen.

Mir fällt es schwer, das alles zu beschreiben, zumal solche Filme selten sind. Mads Mikkelsen spielt einen total rohen und distanzierten Wilden, der ohne zu fragen jeden umbringt, wenn es sein muss. So rücken eigentlich alle Figuren in den Hintergrund, man identifiziert sich mit niemandem. Die teilweise langen Shots geben dem ganzen noch einen etwas dokumentarischen Charakter. Alles findet langsam statt, alles ist irgendwie kalt und unwirklich. Vielleicht auch irgendwie verträumt.

Die Handlung an sich ist relativ wirr, ich hatte Schwierigkeiten, alles nachzuvollziehen und musste mir am Ende den Wikipedia-Artikel zum Film durchlesen, um zu wissen, was genau denn nun passiert ist. Vieles wird halt eben nur angedeutet, man merkt sich nicht jedes Gesicht und wenn eines dann fehlt, ist man als Zuschauer auf sich alleine gestellt. Dinge passieren, ohne dass man es mitbekommt und werden dann auch nicht erklärt. Das machte mir alles sehr unzugänglich, obwohl wir nur einen linearen Handlungsstrang vorfinden.

So gibt es auch keinen wirklichen Spannungsbogen, man plätschert bis zum Ende und steht auch dort wieder völlig allein da. Vielleicht soll das auch dem Einzelnen Interpretationsspielräume lassen. Die einzelnen Kämpfe fand ich ganz nett, brachial und brutal, so auch realistisch. Doch dann gerät wieder alles in Langsamkeit. Nicht jede Szene ist chronologisch auf die andere folgend bzw. gibt es Sprünge. Dass Einauge Zukunftsvisionen hat, hat sich mir gar nicht erschlossen (dies soll jedoch laut Wiki der Fall sein). Und zwischen den Szenen wird vieles auch nicht erklärt. Das wirkt dann lückenhaft.

Wer mal für 90 Minuten etwas fernab von Hollywood oder den üblichen Filmchen erleben will, sollte sich ruhig mal ‚Walhalla Rising‘ geben. Es ist auf jeden Fall ein individuelles Filmerlebnis. Nichts für einen gemütlichen Filmabend. Am ehesten kommt Mel Gibsons ‚Apocalypto‘ vielleicht heran, wenn man die Spannung herausnimmt und ein wenig mehr schneidet. Mir persönlich ist so ein Arthouse-Streifen einfach zu abgehoben, ich bin mir nicht sicher, ob ich auf so etwas noch einmal Lust hätte. Ich bereue es nicht unbedingt, ihn gesehen zu haben, doch am Ende stellt sich halt kein Gefühl wie „Jetzt habe ich eine tolle Geschichte miterlebt“ ein.

Man kann sicherlich viel hineininterpretieren. Doch ob man das will, bleibt jedem selbst überlassen. Auf jeden Fall ist ‚Walhalla Rising‘ nicht dumm, zugleich aber auch nur eine schwer-verdauliche Kost. Ich bleibe neutral, denn der Film ist nichts für so Zwischendurch.

Der Trailer ist ein wenig irreführend, da er mehr Action und Spannung verspricht, als der Film zu bieten hat.

Regie: Nicolas Winding Refn (Bronson, Pusher I – III)

Schauspieler: Mads Mikkelsen, Gary Lewis, Maarten Stevenson

Bewertung: