Dead Man Down (2013)

Dead Man Down ist eine der größten Enttäuschungen auf filmischer Ebene der letzten Zeit für mich. Nicht etwa, weil das zweistündige Krimi-Drama schlecht wäre, sondern weil es gerade zum Schluss hin all sein Potential verschenkt und zum konventionellen und flachen Geballer abstumpft. Dabei ist der Film ziemlich gut besetzt und fängt sehr spannend an.

Vicor (Colin Farrell) arbeitet für den Gangster-Boss Alphonse (Terrence Howard). Dieser wird in letzter Zeit von irgendeinem Unbekannten brieflich bedroht und geradezu in den Wahnsinn getrieben, ohne genau zu wissen, warum. Gegenüber von Victor lebt die ehemalige Kosmetikerin Beatrice (Noomi Rapace), die seit einem Autounfall physische wie auch psychische Narben hat und nicht verarbeiten kann. Aus einem zufälligen Blickkontakt kommt es zu einem Date zwischen den Nachbarn. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Romanze geht.Dead Man Down

Besonders der Beginn lässt schnell auf einen Psychothriler hoffen. Einerseits ist Victor nicht durchschaubar, andererseits ist Beatrice alles andere als eine normale Frau. Zudem wirkt die ganze Geschichte rund um den bedrohten Alphonse als ein vertracktes Spiel. So wechselt der Film zwischen Victor und Beatrice und spinnt eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre, die sich irgendwann entladen muss. Außerdem ist noch Darcy (Dominic Cooper) als Kollege von Colin Farrell dabei, der als liebender Familienvater eigentlich nur die seinen ernähren möchte.

Nach kurzer Zeit bekommt Dead Man Down jedoch allmählich Risse. Das liegt vor allem an Beatrice, der man leider ein großes Maß an Oberflächlichkeit und Überreaktion vorwerfen muss. Ja, ihr fehlt ein Teil ihres einen Ohres und sie hat ein paar Narben im Gesicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Noomi Rapace sieht auch so noch wunderbar aus. Und der Vogel wird abgeschossen mit einer Gruppe Jugendlicher, die die arme Frau mit Steinen bewerfen und sie als Hexe beschimpfen. Hier wird mit dem Dampfhammer nochmal die Moral eingeprügelt, was leider völlig unnötig und wenig subtil ist. Ähnlich verhält es sich mit Victor, dessen Vergangenheit langsam aufgeschlüsselt wird und dessen Plan leider irgendwie gar keinen Sinn ergibt.

Aber gut. Mit den Unzulänglichkeiten hätte man sich noch arrangieren können. Doch dann kommt es zum finalen Showdown, der sämtliche tiefgründigen Ansätze vergessen macht und nur noch auf Action und seichte Unterhaltung setzt. Rache ist im westlichen Kino leider viel zu oft die ultimative Lösung für jedes Problem und die Bösen müssen umgebracht werden. Gerade wenn man nach Korea blickt und sich die Revenge-Trilogie von Chan-wook Park anschaut. Der schafft es, das Thema Rache mit verschiedenen Facetten und niemals oberflächlich zu beleuchten.

Dead Man Down ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Nicht genug Psychospiel, nicht genug Action, nicht genug Drama. Alle Ansätze werden verwässert und eine klare Linie findet Regisseur Niels Arden Oplev nicht. Dabei ist der Anfang so undurchschaubar und spannend. Dafür gibts dann zum Schluss weder Twist noch Wendung oder Punchline. Ganz im Gegensatz zu Park. Der traut sich, dem Zuschauer mit Anlauf nochmal in die Magengrube zu hauen und einen zum Nachdenken anzuregen. Ob Oldboy oder Sympathy for Mister bzw. Lady Vengeance.

Ansonsten kann man sich Dead Man Down antun. An einem verregneten Sonntag-Nachmittag wird man meistens angenehm unterhalten, ohne diesen Film sehr viel länger im Gedächtnis zu behalten. Ist ja auch irgendwie in Ordnung.

 

Regie: Niels Arden Oplev (Verblendung, Der Traum, Worlds Apart)

Schauspieler: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper

Bewertung: 

 

Payback (1999)

Brian Helgeland, Regisseur von Payback, hat 1998 an einem Wochenende einen Oscar und eine Goldene Himbeere erhalten. Beide jeweils für seine Drehbücher. Der Oscar war für L.A. Confidential (Hell yeah!), die Himbeere für den furchtbaren Postman-Film (Hell no!). Außerdem hat der Mann Mystic River geschrieben und auch noch Regie bei Ritter aus Leidenschaft geführt. Andererseits ist Herr Helgeland auch für die Drehbücher für Ridley Scotts Robin Hood-Verwurstung und das Pelham 1 2 3-Remake verantwortlich. Was lernen wir daraus? Wo Licht ist, ist auch Schatten. Aber auf welcher Seite der Macht steht nun Payback?Payback

Porter (Mel Gibson) wurde bei einem geglückten Raub von seinem Partner Val Resnick (Gregg Henry) aufs Kreuz gelegt und um 70000 $ geprellt. Er wacht dementsprechend mit ein paar Kugeln im Körper auf. Das schreit nach Rache. So begibt sich Porter auf die Suche nach seinem ehemaligen Kollegen, der inzwischen Mitglied der Mafia ist. Mit dabei sind asiatische Gangster samt Lucy Liu als Domina, korrupte Polizisten und Kris Kristofferson als Gangsterboss.

Tja, und das ist im Grunde die Handlung. Porter arbeitet sich die Nahrungskette der Mafia allmählich herauf und schreckt vor nichts zurück. Das zeichnet den Film auch aus: Mel Gibson ist die coolse und skrupelloseste Sau auf dem Planeten. Schon alleine die Anfangssequenz, in der er völlig abgebrannt einem wahllosen Mann die Brieftasche klaut und sich mit den Kreditkarten in einem Zusammenschnitt wieder eine Existenz aufbaut, macht klar, mit wem man es hier zu tun hat. Dabei wird deutlich, dass Mel alles andere als ein guter Mensch ist. So gibt es viele Interaktionen mit meist zwielichtigen Gestalten, die nicht fassen können, dass ein Kerl so viel Wind um so wenig Geld macht. Dabei geht es ihm auch ums Prinzip. Humor entsteht durch die kauzige und lässige Art von Porter und die teils skurrilen Konfrontationen mit allerhand Gestalten. So spinnt sich ein Geflecht von Protagonisten auf, die im Grunde alle nur irgendwas von ihm wollen.

Zugegeben, das Ende ist ein wenig gekünstelt und bei aller Liebe nicht so schlau wie der Film einem vermitteln will. Eine Schießerei mit einer asiatischen Gangsterbande ist auch ein wenig over the top. Aber es ist in Ordnung. Und die Story an sich wirkt teilweise, als ob sie auch von einem Guy Ritchie stammen könnte. Nur mit etwas weniger Hektik und mehr ruhigen Momenten. Für mich ist Mel Gibson auch einfach ein harter Typ, alle seine persönlichen Probleme mal beiseite geschoben, der gerne mal entgegen der persönlichen Sehgewohnheiten handelt. Der Rest des Casts geht klar und Payback hat mit seinen 100 Minuten Laufzeit auch keine Längen drin.

Klar, irgendeine tiefere Botschaft oder eine Moral wird nicht transportiert. Der Film gibt sich auch keine Mühe, mehr zu sein, als er ist. Und Porter ist ein Antiheld. Trotzdem funktioniert die Geschichte gut und unterhält durchgängig. Kiss Kiss Bang Bang zum Beispiel ist viel humoriger und auf seine eigene Art innovativer. Payback dafür ist härter und düsterer. Ein kleiner, aber auch guter Krimi mit Action. Warum auch nicht?

 

Regie: Brian Helgeland (Ritter aus Leidenschaft, Sin Eater)

Schauspieler: Mel Gibson, Gregg Henry, David Paymer, Bill Duke, Lucy Liu, Kris Kristofferson

Bewertung: 

Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Chan-wook Park ist nicht unbedingt der Regisseur, der Feel-good-movies macht. Sein vielleicht berühmtester Film Oldboy von 2003 ist besonders zum Schluss so dermaßen ein Schlag in die Magengrube des Zuschauers, dass man erstmal gar nicht so richtig weiß, was da gerade passiert ist. Zudem gibt es darin eine der coolsten Kampfszenen der jüngeren Vergangenheit. Dabei schuf Park eine Rache-Trilogie, die inhaltlich nicht mehr verbindet als das Thema. ‚Sympathy for Mr. Vengeance‘ bildet dabei Teil 1. Und dass das auch kein Film für mal so Zwischendurch ist, sollte klar sein. Besonders wenn das Töten losgeht.Sympathy for Mr. Vengeance

Ryu (Shin Ha-kyun) ist taubstumm. Seine schwerkranke Schwester benötitgt dringend eine Niere. Trotz harter Arbeit wird er entlassen und steht mittellos da. Weder er noch seine militante Freundin Yeong-mi eignen sich als Spender und so wendet er sich an die Mafia. So wendet er sich in seiner Verzweiflung an eine Organhändlerin, die ihn nicht nur um sein Geld, sondern auch um eine seiner Nieren erleichtert. Als letzten Ausweg schlägt ihm Yeong-mi vor, die Tochter seines ehemaligen Chefs zu entführen und die Transplantation mit Hilfe von Lösegeld zu finanzieren. Kurzfristig wird jedoch ein anderes Mädchen gekdinappt, undzwar das Kind des Geschäftsmanns Park Dong-jin (Song Kang-ho).

Von vornherein soll das Kidnapping human verlaufen. Ryu, seine Schwester und Yeong-mi spielen mit der Entführten, sodass diese sich nicht langweilt oder fürchtet. Dass die blauäugige Aktion nicht glatt laufen kann, sollte spätestens klar sein, wenn man weiß, wer da auf dem Regiestuhl sitzt. So besteht der Film aus zwei Teilen. Im ersten verfolgen wir hauptsächlich Ryu, während im zweiten Park Dong-jin als Vater der Entführten im Vordergrund steht. Dabei sind alle Charaktere weder besonders gut noch allzu schlecht. Man versteht, warum Ryu tut, was er tut. Genauso gut kann man aber auch mit der Gegenseite in Form des verzweifelten Herrn Papa mitfühlen. So erleben wir die Geschichte aus zwei Perspektiven und die Grenzen zwischen Pro- und Antagonisten verschwinden. Lediglich die Organhändler sind einseitig bösartige Charaktere, stören dabei aber nicht. Viel verstörender ist allerdings, dass man als Zuschauer kaum eine Seite beziehen kann.

Irgendwann nach der Hälfte der zwei Stunden Laufzeit bricht der Film dann auf und entlädt sich in Gewalt und sehr subtiler Spannung. Wer dann jedoch erwartet, dass in einem coolen asiatsichen Showdown die Bösen auf blutige Weise gelyncht werden, hat offensichtlich noch nie einen Park-Film gesehen. Außerdem gibt es, wie gesagt, keine eindeutig auszumachende schlechte Seite. Das ist auch gerade das, was Sympathy for Mr. Vengeance so besonders macht. Weil man nämlich Sympathie empfindet für die Charaktere, die irgendwie auch nur versuchen, über die Runden zu kommen. Dabei bleibt bis zum Ende hin die Erzählweise eher langsam und subtil. Und zum Schluss sitzt man auch wieder da, weil man einen Schlag in die Magengrube bekommen hat und sich teilweise Dinge selber zusammenreimen muss.

Sympathy for for Mr. Vengeance ist ein schwerer Film. Nicht weil er langatmig ist, sondern weil er einen emotional ziemlich mitnimmt und man keine Antwort auf einem Silbertablett serviert bekommt. Vor allem blebit es einem selbst überlassen, wer eher im Recht ist. Exemplarisch wird einem vor Augen geführt, wie Rache aus Menschen Monster macht. Man muss außerdem aufpassen und den Film in seiner Stille wirken lassen, zumal Ryu als taubstummer Protagonist in einer lautfreien Welt wohnt. Parks Oldboy ist zwar konstruierter, hat aber einen etwas höheren Unterhaltungswert. Nichtsdestotrotz ist Sympathy for Mr. Vengeance ein psychologisches und vertraktes Drama, das ich jedem ans Herz legen kann.

 

Regie: Park Chan-wook (Oldboy, Stoker, Lady Vengeance, Thirst)

Schauspieler: Song Kang-ho, Shin Ha-kyun, Doona Bae

Bewertung: 

 

Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

7 Psychos (2012)

Die Handlung von ‚7 Psychos‘ ist eigentlich erschreckend banal. Im Grunde geht es tatsächlich nämlich um nicht sehr viel mehr als einen Typen, der versucht, ein Drehbuch zu schreiben. Über sieben Psychopathen eben. Dabei muss Marty (Colin Farrell) nicht nur seine Alkoholprobleme und die stressende Freundin in den Griff bekommen, sondern sich mit seinem übermotivierten Kumpel Billy (Sam Rockwell) und dessen Komplizen Hans (Christopher Walken) auseinandersetzen. Denn Billy und Hans haben den Shih Tzu von Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) entführt und bringen so eine Menge von bösen Buben gegen sich auf. Und als ob das noch nicht reicht, treibt sich ein Serienkiller namens Karo Bube umher und legt diverse Mafia-Mitglieder um.7 Psychos

Okay, zugegeben, ganz so banal ist die Handlung dann doch nicht. Lustig ist aber vor allem, dass der Film sich sehr angenehm auf seiner eigenen Metaebene bewegt und dabei nie müde wird, sich selbst und die Protagonisten auf ironische Art und Weise zu betrachten. Allen voran Billy, dargestellt durch den überwältigenden Sam Rockwell, bricht hier wie da völlig aus der Normalität, was in einer unglaublich lustigen imaginären Szene gipfelt, die alle Akteure in einem finalen Showdown vereint. Dabei ist das Ende von ‚7 Psychos‘ selbst etwas später weniger spektakulär, aber durchaus gelungen.

Dominiert wird der Film von allerhand Rückblicken, die in erster Linie die verschiedenen Psychopathen thematisieren. Besonders die Art und Weise, wie die Geschichte rund um einen vietnamesischen Attentäter aufgelöst und die Story um den Mann erst im Verlauf entwickelt und immer wieder variiert wird, ist sehr überraschend und verdammt cool. Die Vielzahl an absurden und merkwürdigen Charakteren macht aus der gesamten Geschichte ohnehin schon eine unvorhersehbare Achterbahnfahrt. Wenn möglich sollte man jedoch ‚7 Psychos‘ auf Englisch sehen, denn im Deutschen geht Wortwitz verloren. Außerdem hat Colin Farrell nicht die übliche Synchronstimme und kommt dadurch, zumindest anfangs, ungewohnt anders rüber. Auch die Performance von Sam Rockwell leidet ein wenig unter der Übersetzung. Nichtsdestotrotz bleibt der Film aber auch im Deutschen lustig genug, um ihn ungeschadet weiterempfehlen zu können.

Größtes Manko ist, dass ab der Mitte der 110 Minuten so ein wenig der rote Faden verloren geht. Was anfangs als eine Art Krimi-Komödie anfing, wird besonders mit einem Szeneriewechsel in die Wüste ein wenig ziellos, denn alle Rätsel sind aufgelöst und die Helden hocken so ein wenig aufeinander. Zudem geht der Film mit seinen Charakteren teilweise reichlich lieblos um und ein paar Psychopathen bekommen einfach zu wenig Screentime. Das ist aber auch mit der großen Zahl der Protagonisten zu erklären. Überhaupt ist der Humor sehr schwarz und wenn mal Blut fließt, dann richtig.

Man merkt aber auch ganz deutlich, dass hier der Regisseur und Drehbuchautor von ‚Brügge sehen… und sterben?‘ zu Werke war. Den fand ich ein wenig besser, vor allem weil die Handlung einfacher und der Humor subtiler war. Außerdem ist Brügge auch eine sehenswerte Stadt. Trotzdem ist Martin McDonagh mit ‚7 Psychos‘ eine ebenso kultige wie unterhaltsame und an manch einer Stelle auch überraschende Komödie gelungen, die ein wenig überladen ist. Desweiteren kommt diese in Sachen Wortwitz und Leichtigkeit bei Weitem nicht an ‚Pulp Fiction‘ oder ‚Kiss Kiss Bang Bang‚ heran, doch den Namen McDonagh sollte man sich vormerken.

Regie: Martin McDonagh (Brügge, Six Shooter)

Schauspieler: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson

Bewertung: 

Sieben (1995)

Eines muss man den 90ern auf alle Fälle zu Gute halten. Neben dem ganzen Techno-Blümchen-Quatsch gab es eine große Anzahl guter Thriller: ‚Das Schweigen der Lämmer‘, ‚Die üblichen Verdächtigen‘, ‚L.A. Confidential‘ und ‚Mission Impossible‘. Tja, und natürlich ‚Sieben‘. Wer noch nie etwas von David Finchers Meisterwerk gehört hat, dem sei gesagt, dass es nicht um sieben Zwerge oder Geißlein geht, sondern um ziemlich brutale Morde. Aus irgendeinem Grund werden solche Filme heutzutage kaum noch gemacht. Weiß der Geier, wieso. Vielleicht waren aber auch die 90er ein magisches Jahrzehnt, indem man noch gute Geschichten erzählt bekam. Oder das Krimigenre ist einfach zur Gänze ins TV abgewandert und nennt sich nun CSI oder Law & Order und dergleichen…Sieben

Detective David Mills (Brad Pitt) wird zum bald in Rente gehenden Detective Lt. William Sommerset (Morgan Freeman) zugeteilt. Die beiden gehören dem Morddezernat irgendeiner amerikanischen Großstadt an und bekommen gleich am ersten Tag eine ziemlich übel zugerichtete Leiche vorgesetzt: Ein dicker Mann wurde offensichtlich solange vollgestopft, bis sein Magen geplatzt ist. Nachdem am nächsten Tag der nächste Ermordete auftaucht, neben ihm die Inschrift „Habgier“ und bei der ersten Leiche auch noch der Schriftzug „Maßlosigkeit“ gefunden wird, ist klar, dass es sich um eine Mordserie handelt. So spielt sich die Handlung innerhalb einer Woche ab und die beiden Cops müssen sich an den kleinen Spuren des Täters entlanghangeln, der offensichtlich in seinen Aktionen die sieben Todsünden darstellen will.

‚Sieben‘ ist trotz der grausig zugerichteten Opfer kein Splatter-Film. Natürlich ist das nichts für Kinder, aber die Gewalt erfüllt ihren erzählerischen Zweck. Dabei schafft es der Krimi, eine tatsächlich sinnvolle wie auch nachvollziehbare Detektivgeschichte zu erzählen, die in einem überwältigenden Finale einem lange im Gedächtnis bleibt. Mehr will ich nicht verraten, aber selten hat mich das Ende eines Films mehr mitgenommen. Und das ist auch gut so. Heutzutage sieht man viel zu oft dahingeschluderte Twists, die so rein gar nicht in die Handlung passen wollen oder plumpe Endfights zwischen dem Bösen und dem Guten. So packt ‚Sieben‘ einen, gelinde gesagt, ziemlich bei den Eiern.

Nicht zu vergessen ist das Cop-Duo aus Pitt und Freeman, die anfangs so rein gar nicht zusammenpassen wollen. Einerseits weil der alte Summerset durch seinen Job ein ziemlich unsympathischer Sack ist und andererseits weil Mills als junger Gesetzeshüter wie ein überhebliches Greenhorn daherkommt. So werden die beiden im Verlauf der Woche zusammengeschweißt und entwickeln sich tatsächlich. Und dadurch gewinnt das Duo dann auch beim Zuschauer an Sympathie.

Doch keine guten Helden ohne anständigen Antagonisten. Und gerade in ‚Sieben‘ gibt es keinen dummen Mörder, sondern einen cleveren und ebenbürtigen Gegenspieler, der zu keinem Zeitpunkt für den Zuseher berechenbar erscheint. Das ist eine große Leistung, denn auch wenn der Killer nie ein Sympath ist, so handelt er an keiner Stelle undurchdacht und macht das Finale so nochmal eine Spur smarter.

Überhaupt fügt sich ziemlich alles im Film gut zusammen. David Fincher, dem mit Alien 3 zugegebenermaßen kein gutes Erstlingswerk geglückt ist, hat dafür mit ‚Sieben‘ einen genialen und unterhaltsamen Thriller hinbekommen, der düster und packend eine wirklich geile Geschichte erzählt. Fincher hat einfach einen eigenen Stil, Filme zu machen, den man in jedem seiner Filme erkennen kann. ‚Verblendung‘ und ‚Fight Club‘, aber auch ‚The Social Network‘ und ‚Benjamin Button‘ sind allesamt in einem düsteren Ton gehalten.

Die 90er sind vorbei und mir fällt persönlich niemand ein, der irgendwas heutzutage im Stile von ‚Sieben‘ macht. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, so bleibt die zweistündige Jagd auf einen nach der Bibel mordenden Psychopathen umso einzigartiger.

Regie: David Fincher (Fight Club, Verblendung, The Social Network, Benjamin Button, Zodiac)

Schauspieler: Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow

Bewertung: 

 

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

Es gibt da draußen eine ganze Menge Filme, die ihren Plot über einen Erzähler an Frau und Mann bringen. Ob ‚American Beauty‘, ‚300‘,  ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‚ oder ‚The Big Lebowski‘. Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Auch ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ verfügt über diesen Kniff, geht dabei aber noch darüber hinaus und spricht den Zuschauer noch direkter an. Das weicht das klassische Filmkonzept stark auf und zieht einen dabei mehr in die ganze Geschichte rein. Man hat ein persönlicheres Erlebnis. Gleichzeitig kann dieser Versuch aber auch ziemlich plump wirken. Vor allem wenn die Story mies ist. Und kann man viel von einem Film erwarten, der ‚Kuss Kuss Bumm Bumm‘ heißt?

Hary Lockhart (Robert Downey Jr.) spielt Harry Lockhart, einen abgehalfterten Kleinkriminellen aus New York. Als ein Einbruch in einen Spielwarenladen in die Hose geht und sein Partner dabei angeschossen wird, gerät der vom rechten Weg Abgekommene an einen Hollywood-Produzenten. Dieser schustert Harry eine Rolle zu und schickt ihn auf eine Party in Los Angeles, die von Harlan Dexter (Corbin Bernsen) geschmissen wird, wo er auf Gay Perry (Val Kilmer), einen Privatdetektiven, sowie seine alte Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) trifft. Perry lädt unseren Helden ein, ihn bei einer Beschattung zu begleiten und Erfahrungen für seine bevorstehende Rolle zu sammeln. Die Geschichte läuft jedoch schnell aus dem Ruder und die beiden müssen sich plötzlich mit einer Frauenleiche und allerhand zwielichtigen Gestalten rumplagen.

Die gesamte Handlung findet innerhalb weniger Tage statt und wird uns durch Harry höchstpersönlich erzählt, der dabei aber auch diverse Zeitsprünge und Rückblenden verwendet, denn er ist selbst, wie er sagt, ein ziemlich beschissener Erzähler. Das stört aber nicht sonderlich, denn ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ entfaltet von der ersten bis zur letzten Minute einen sympathsichen Charme. In 103 Minuten passiert eine ganze Menge Blödsinn, doch Robert Downey Jr. schafft es als dümmlicher wie auch gutherziger Loser, den Film zu tragen. Dabei ist die Handlung zwar hier wie da undurchsichtig, aber komplex oder gar schlau ist die Geschichte nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein.

Der Film läuft einen Spagat aus absurden Unterhaltungen und beknackten Entwicklungen und Verstrickungen, die ohne Leerlauf unterhalten. Es ist einfach die Art und Weise, wie konsequent bescheuert Harry ist. Ein Antiheld ohne große Perspektive, der durch sein großes Maul permanent weitere Probleme verursacht. Dabei geht er einem jedoch nicht auf den Zeiger wie beispielsweise ein Chris Tucker. Zeigleich bekommt Harry mit dem coolen Gay Perry eine Art Partner, der aber so richtig nichts mit ihm zu tun haben will. So erinnert ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ ab und an einen Buddy-Movie.

Es gibt in dieser Komödie jedoch auch ernste Stellen, zum Beispiel als Harry zum ersten Mal jemanden umbringen muss. Die heben jetzt nicht sonderlich die Bedeutung oder den Sinn des Gesehenen, aber so entstehen auch mal ein paar Verschnaufpausen. Die sind bei den Schlussfolgerungen, die die Handlung ein wenig undurchsichtig machen, aber auch bitter nötig. So wird vor allem die größte Stärke des Films deutlich: Alles ist gut gemacht. Das Drehbuch ist gut, die Witze sitzen meistens und die Schauspieler hatten Spaß an ihren Rollen. So ist das hier keine lustlose Komödie, sondern eine herrliche Persiflage auf die Krimi-Thriller der 90er. Das Ende passt meiner Meinung nach gut, fällt aber vielleicht ein wenig plötzlich aus. Womöglich hatte ich aber auch einfach keine Lust, mich schon so früh aus der ‚Kiss Kiss Bang Bang‘-Welt zu verabschieden. Vor allem wenn einer der letzten Sätze des Erzählers folgender ist:

Und keine Sorge. Ich hab den letzten Teil von Herr der Ringe gesehen. Ich lass den Film jetzt nicht 17 mal enden.

Wer also ohnehin sowas wie ‚Rush Hour‘ gut leiden kann und der sich ein modernes ‚Leathal Weapon‘ wünscht, ist hier goldrichtig. Und der Rest eigentlich auch, denn selten hat ein Film die Eier, solch ein Konzept wie hier so konsequent durchzuziehen und sich dabei selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Großen Respekt dafür.

Regie: Shane Black (Iron Man 3, Drehbuchautor: Leathal Weapon I+II+III+IV+V, Last Action Hero, Last Boy Scout)

Schauspieler: Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Dash Mihok

Bewertung: 

 

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Fire with Fire (2012)

Wenn Filme direkt auf DVD erscheinen, dann ist das in der Regel ein schlechtes Zeichen. Das Vertrauen in den kommerziellen Erfolg scheint nicht gegeben. Und das hat oft auch seine Gründe. Hin und wieder aber entdeckt man jedoch eine Perle. So erschien ‚Lucky Number Slevin‘ mit Bruce Willis, Josh Hartnett, Morgan Freeman, Ben Kingsley, Lucy Liu und Stanley Tucci hierzulande tatsächlich nur auf der silbernen Scheibe und wurde den Kinogängern vorenthalten (in den USA kam der Streifen ins Kino). Was für ein Fehler! Und was für eine geile Besetzung und was für ein verflucht guter Film!

Der nächste Anlauf mit ‚Fire with Fire‘: Josh Duhamel, Rosario Dawson, Vincent D’Onofrio, 50 Cent, Julian McMahon (aus Nip/Tuck), Vinnie Jones und wieder Bruce Willis. Zugegeben, diese Riege ist nicht ganz so gut wie beim zuvor erwähnten Film, aber hey, wir sind hier im Direct-to-DVD-Markt. Da nehmen wir alles was wir bekommen. Und was soll schon bei einem Film mit Beteiligung eines ehemaligen Rappers schief gehen? (*hust, hust*)

Jeremy Coleman (Josh Duhamel, der coole und patriotische Soldat aus den Transformers-Filmen) ist Feuerwehr- und Lebemann. Sein Job macht ihm Spaß und er führt ein heiteres Leben ohne große Beziehungen. Doch eines Tages passiert das Unerwartete: Er wird Zeuge, wie ein Ladenbesitzer samt Sohn von David Hagan (Vincent D’Onofrio) und Boyd (Vinne Jones), beide ihres Zeichens Anhänger der arischen Bruderschaft, ermordet werden. Unser gutaussehender Recke ist der einzige Zeuge und von nun auf der Flucht. Der Polizist Mike Cella (Bruce Willis) ist jedoch froh, denn mit Jeremy hat er endlich den nötigen Beteiligten, um Hagan ein für alle mal in den Knast zu befördern. Schließlich hat dieser seinen Partner vor nicht allzu langer Zeit auf dem Gewissen. Na, kommen wir nocht mit? Wenn  ja, dann gehts munter weiter. Jeremy kommt in den Zeugenschutz, muss also sein altes Leben aufgeben und sich umbenennen und nach New Orleans ziehen, wo er sich in die Polizisten Talia Durham (Rosario Dawson) verliebt, die ihm das Schießen beibringt. Das ist irgendwie nicht ganz legal, aber total romantisch. Wirklich! Also zumindest ist Rosario Dawson ziemlich hübsch. Sehen tut man trotzdem nicht viel… Dann eröffnet allerdings der Auftragskiller Robert (Julian McMahon) die Jagd auf die beiden und bringt die gute Talia sogar fast um, sodass unser Held sich ohne polizeiliche Hilfe auf den Weg in die Heimat macht, um dem bösen Nazi ein für alle mal den gar auszumachen. Und an wen wendet man sich, wenn man böse Rechte umbringen möchte? Nicht etwa an die ‚Inglorious Basterds‘, nein, sondern an die Crips. Bei denen macht übrigens ‚Rampage‘ Jackson mit und 50 Cent ist ihr Anführer. Die netten Jungs verkaufen Jeremy dann eine Knarre, weil die arische Bruderschaft ihnen ihr Gebiet streitig macht.

‚Fire with Fire‘ ist so ungefähr 97 Minuten lang und wir haben gerade mal etwas weniger als die Hälfte hinter uns. Die Handlung ergibt genauso viel Sinn wie Jeremys Liebe für seinen Feuerwehrmannjob. Er mag es nämlich, wenn beim Leute-aus-brennenden-Häusern-Retten die Opfer sich an ihn klammern und er durch die Glut manövrieren muss. Voll Romantisch. Er hätte auch genausogut Müllmann sein können. Ein durchtrainierter, hübscher und zugleich total philosphischer Müllmann.

Ich entsorge nicht einfach nur halbe abgelaufene Mortadella-Verpackungen und Scheiße. Nein. Ich bin der Messias, der den Leuten erst ermöglicht, sich selbst zu verwirklichen und sich in ihrem eigenen Müll wiederzufinden. Der Kreislauf allen Lebens beginnt und endet mit mir, dem Abfallbeseitiger!

Nur eben mit Feuer und so. Ganz klar, inhaltlich erwartet uns hier also nicht viel. Aber womöglich verbirgt sich ja doch noch ein passabler Action-Film hinter ‚Fire with Fire‘. Vinnie Jones und Bruce Willis müssen doch wissen, wie man Kauleisten poliert. Und nein. Bruce hat eine gute Szene, ansonsten ist er mehr oder weniger damit beschäftigt, die Augen zusammenzukneifen und ein ernster Ermittler zu sein. Vinnie Jones hingegen wird viel eher als der Zuschauer aus diesem Trauerspiel erlöst und darf bereits ab der Hälfte des Films damit anfangen, ‚Fire with Fire‘ zu vergessen. Lustigerweise ist der Streifen ab 18 und das liegt an zwei Szenen: In der einen hackt Jeremy einem bösen Buben die Finger ab und in der einen geht es um eine Axt, die in einem Körper steckt.

Der ganze Unfug mündet in ein mehr als dämliches Finale, dass auf Teufel komm raus mit dem Feuerwehrmann-Beruf verknüpft wurde. Da hilft auch die Axt in einem menschlichen Körper nicht mehr, um das irgendwie noch zu retten. Inklusive der blödesten Todesszenen, die man in einer garantiert nicht billigen Produktion jemals finden wird. Da plumpst ein großer böser Nazi aus einem hohen Haus und bleibt Kartoffel-Sack-artig unten liegen. Und weil das noch nicht reicht, plumpst ein weiterer hinterher.

Ich weiß auch nicht, warum das Filmplakat mit 50 Cent wirbt. Der Kerl ist ungefähr 30 Sekunden zu sehen. Das Plakat selbst ist sowieso ein Witz in sich, weil über Willis‘ Kopf Duhamel, über Dawsons Kopf Willis und über Duhamels Kopf Dawson prangert. Vermutlich wurde das Teil, ähnlich dem Film selbst, in der Mittagspause von einem anderen, besseren Film zusammengeschustert. Da haben sich die Schauspieler, Kameramänner und der Herr Regisseur zufällig im Park getroffen und gedacht: „Hey, lass mal ’nen Film machen!“ Anders ist das nämlich nicht so recht erklärbar. Sowieso könnte man sich so über ziemlich alles hierdrin auslassen. Die Dialoge und sogar die schauspielerischen Leistungen sind wirklich nicht gut. Zugegeben, der Film ist nicht „billig“. Aber du meine Güte, wer um alles in der Welt schreibt denn sowas? Es gibt doch Leute, die verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Filmgeschäft. Da wird doch mal irgendwo jemanden irgendwie aufgefallen sein, dass die ganze Chose weder vorne noch hinten so recht Spaß macht.

Die Moral von der Geschichte ist, dass man besonders im Direct-to-DVD-Segment aufpassen muss. Jeder andere Polizei-/Vergeltungs-Film oder Krimi ist besser. Jeder. Auch ‚Mein Partner mit der kalten Schnauze‘ und selbst ‚Police Academy V‘ machen mir persönlich mehr Spaß als diese unspirierte Versammlung von bekannten Gesichtern.

Regie: David Berrett (TV: Castle, The Mentalist, V – Die Besucher, Cold Case)

Schauspieler: Josh Duhamel, Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Rosario Dawson, 50 Cent, Vinnie Jones, Kevin Dunn, Julain McMahon, Rampage Jackson

Bewertung: 

War (2007)

Es hört sich ja eigentlich sehr vielversprechend an, wenn zwei Action-Schwergewichte wie Jason Statham und Jet Li aufeinanderprallen. Und der brachial kurze Titel verspricht vor allem eines, undzwar Blut in Strömen und coole Typen, die andere Typen aufmischen und irgendwelche Gangster und dergleichen. Und Waffen. Kung Fu. Schöne Frauen. Und ganz viel Blut. Doch was sich als einfacher Action-Film ankündigt, entpuppt sich zu etwas ganz anderem. Leider.

Die beiden FBI-Agenten Tom Lone (Terry Chen) und John Crawford (Jason Statham) sind dem gefährlichen Killer Rogue auf den Fersen, welcher für die japanische Yakuza arbeitet. Dabei erwischt Lone den Gangster im Gesicht, doch die Leiche kann nicht gefunden werden. Und so revanchiert sich der noch recht lebendige Rogue und tötet Lone samt Frau und Kind. Drei Jahre später ist Crawfords Ehe am Ende, denn er sucht immer noch auf besessene Art und Weise nach dem Killer seines Partners. Dann taucht Rogue plötzlich wieder in San Francisco auf und mordet sich durch einen Nachtclub voll mit Yakuza. Er schleust sich außerdem beim lokalen Triadenboss ein und spielt die beiden verbrecherischen Syndikate gegeneinander aus, womit er einen Krieg der Banden forcieren will.

Zugegebenermaßen ist die Handlung gar nicht mal so übel. Denn der Film hat am Ende einen dermaßen harten Twist, dass die gesamte Story auf den Kopf gestellt wird. Zumindest beim ersten Sehen wird man überrascht. Das ist wirklich cool, entpuppt sich dann leider in den Auswirkungen als reichlich obeflächlich. So handelt es sich bei ‚War‘ im groben Sinne um einen Rachefilm, in dem reichlich (asiatisches) Blut vergossen wird. Problematisch ist nur, dass man mit einem ungemein unbefriedigenden Ende entlassen wird, sodass sich das Gefühl einstellt, dass der Film sein Potential verschwendet.

Auch auf beinharte Action muss man größtenteils verzichten. Jet Li schlägt sich mal hier und da durch die Gegend, Jason Statham verkommt aber komplett zum Nebendarsteller, der wenig bis gar nichts zu tun hat. Dabei hätte man sich doch so gewünscht, dass sich die beiden ordentlich die Kauleiste polieren. Schlimmer ist noch, dass die Protagonisten teilweise reaktionslos über den Jordan geschickt werden. So wird ein Partner von Statham in einem Restaurant erschossen, doch weder ihn noch sonst jemanden scheint das zu jucken. Coolness und Action ist eine Sache, aber diese Gleichgültigkeit den Charakteren gegenüber durchzieht den Film und spiegelt sich besonders in der allerletzten Szene wieder, die, wie bereits erwähnt, eher so auf die Schnelle dahingeschludert wirkt.

Dann sind da noch die Gangster, die Yakuza und die Triaden. Der Film vergeudet mehrere Minuten darauf, zu zeigen, wie krass diese Banden teilweise drauf sind. So wird die Tochter des Yakuza-Bosses, Kira (Davon Aoki), eingeführt. Erst wird sie nach Amerika eingeflogen. Dort ist sie die meiste Zeit lang eine ziemliche Bitch. Dann wird sie wieder ausgeflogen. Was das ganze mit ihr sollte, bleibt im Grauen. So wird, anstatt sich auf wenige Hauptcharaktere zu beschränken, unnötigerweise versucht, der ganzen Geschichte mehr Komplexität zu verleihen. Das funktioniert aber einfach mal gar nicht, weil jede einzelne Person von vorne bis hinten eindimensional und klischeehaft ist. Schlimm ist das nicht, schließlich erwartet niemand von Jason Statham eine schauspielerische Meisterleistung. Dadurch bleiben dann aber in den 103 Minuten Spielzeit nicht mehr so viele Möglichkeiten, Action und Prügeleien einzubauen. Sowieso wird recht viel geballert, was doch gerade bei Li und Statham nicht nachvollziehbar ist.

Aber seis drum. ‚War‘ ist kein totaler Reinfall. Und der Twist um die Identität von Rogue ist für diese Art von Film ziemlich einzigartig. Trotzdem hätte das hier durchaus besser sein können. Man schaue sich nur ‚Shoot ‚Em Up‘ oder ‚From Paris with Love‘ an, wo zugunsten von Action und Style auf jedweden Ansatz von Handlung verzichtet wird. Da hat man einfach mehr Spaß, wenn man das Hirn ausschaltet. Wer mit solchen Unzulänglichkeiten allerdings umgehen kann und nicht zu viel erwartet, wird durchaus unterhalten. Jet Li hat man schon in cooleren Rollen gesehen, beispielsweise in ‚Unleashed‘ oder ‚Kiss of the Dragon‘. Und Statham macht als Transporter oder Chev Chelios ohnehin eine viel bessere Figur.

 

Regie: Philip G. Atwell (The Shield, 50 Cent: The New Breed, The Up in Smoke Tour)

Schauspieler: Jet Li, Jason Statham, John Lone, Luis Guzmán, Devon Aoki

Bewertung: 

D-Tox – Im Auge der Angst (2002)

Willkommen auf der Beauty-Farm vom Trainer von Vampirjäger Blade, Kris Kristofferson. Irgendwo im amerikanischen Nirgendwo werden hier traumatisierte und drogenabhängige Polizisten vor einer malerischen Schneekulisse entschlackt und ermordet. Mittendrin unser Lieblingspolizist Sylvester Stallone, der in so einer Art Trauma versucht, sein Schauspieltalent zu entdecken, allerdings als moderner Don Quijote von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Der Hausmeister ist Tom Berenger (Inception, Training Day) und die Krankenschwester wird verkörpert von Polly Walker. Außerdem spielen noch ungefähr zwanzig weitere Protagonisten eine Rolle, deren Namen man sofort vergisst. Ein Glück benutzt D-Tox daraufhin jeden gottverdammten Namen dutzendfach pro Minute, um das eigene Gedächtnis zu trainieren.

Aber sachte. Worum geht es in diesem eineinhalbstündigen „Thriller“? Jake Malloy (Sylvester Stallone) ist FBI-Ermittler und einem Polizisten-Mörder auf der Spur. Dieser bringt seine Opfer auf bestialische Art und Weise um. Als Malloy ihm immer näher kommt, wird seine Frau ermordet und der Beamte wird depressiv. Alkoholisiert versucht er, sich das Leben zu nehmen. Das gelingt natürlich nicht und sein Kollege Hendricks (Charles S. Dutton) schickt ihn nach Wyoming, wo der Doc (Kris Kristofferson) eine Art Atombunker als Therapiezentrum für Cops führt. Bis hierhin hat man noch einen halbwegs akzeptablen Film, der aufgrund der Morde stark an ‚Sieben‘ erinnert. Aber leider kommen nun die letzten 60 Minuten.

Nach und nach werden die Patienten ermordet. Manchmal fragt man sich jedoch, wer denn nun genau tot ist. Schließlich hat man nur kurz alle zehn Insassen kennengelernt und die erste Leiche sieht man eher flüchtig. Dann teilt sich die Gruppe auch noch auf und wir erleben tatsächlich ein „lasst uns alle einzeln alles absuchen“. Dabei stirbt der eine oder andere. Und in dem ganzen Sterben wird unser Held Malloy in Einzelhaft gesperrt. Doch, wer hätte das gedacht, in der gottverdammten Zelle gibt es einen mannsgroßen Lüftungsschacht, den er mit seinem gottverdammten Ehering aufbekommt. Dann wird noch ein wenig mehr gestorben, es kommt zum Showdown und natürlich taucht die Nebenhandlung zum Schluss auf, die aus seinem Kollegen besteht, der in der Nähe Eisangeln war.

Alle in der Anstalt sind merkwürdige Arschlöcher und selbst Malloy hat nicht viel, was man an ihm mögen kann. Das liegt nicht zuletzt an Sylvester Stallone, der hier die Ausstrahlung einer Gurke hat. Und auch das Verwirrspiel darum, wer am Ende denn der Böse ist, ist ziemlich vorhersehbar. Nichtsdestotrotz ist die ganze Aktion von vorn bis hinten völlig bescheuert. Die Idee hinter der Einrichtung ist völlig hirnrissig und das Verhalten der Protagonisten, die alle (angeblich) Polizisten sein sollen grenzt an pure Dummheit. Und, oh Wunder, die heiße Krankenschwester wird zur einzigen Vertrauensperson unseres Psycho-Rambos. Das Finale ist vorhersehbar und am Ende hat man den Eindruck, dass die Hälfte der beteiligten Personen einfach vergessen oder rausgeschnitten wurden. Da ist dann irgendwann auch die, na nennen wir sie mal Spannung, verpufft.

D-Tox ist ein sehr trauriger Film, ohne jegliche Handlung oder auch nur ein bisschen schauspielerischer Leistung. Das ist ein von der Bank weg uninspiriertes Stück Müll, das vermutlich auf der Welle von ‚Sieben‘ schwimmen und mit den Namen Stallone, Krisofferson und Berenger werben soll. Ich habe wirklich nicht den blaßesten Schimmer, wem das hier gefallen sollte. Der Regisseur, Jim Gillespie, zeichnet sich verantwortlich für ‚Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast‘. Und genauso blöd wie diese Billigthriller aus den 90ern ist eben auch D-Tox. Da hilft auch nicht der auf cool gemachte Name (detox ist englisch für entgiften). Alternativen sind vor allem, wie bereits mehrfach erwähnt, ‚Sieben‘ und ‚Die purpurnen Flüsse‘. Die sind nämlich H-mmer.

 

Regie: Jim Gillespie (‚Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast‘, Venom)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Kris Kristofferson, Tom Berenger, Jeffrey Wright, Stephen Lang

Bewertung: 

Contraband (2012)

Hinter dem Begriff ‚Contraband‘ verbirgt sich das englische Wort für Schmuggelware. Glücklicherweise ist niemand irgendwo auf die Idee gekommen, den Titel einzudeutschen. Mittendrin dabei in der ziemlich gut besetzten Schauspieler-Regie Mark Wahlberg, der wieder einmal Mark Wahlberg spielt. Vorneweg: Mark Wahlberg ist kein guter Schauspieler. Er spielt immer den gleichen Typen: ein rebellischer und gerne zuhauender Amerikaner aus einfachen Verhältnissen, der für seine Werte und Prinzipien eintritt und im Herzen ein guter Mensch ist. Beispiele? The Departed, Vier Brüder, The Fighter, Shooter, Max Payne, The Happening und Die etwas anderen Cops. Das ist grundsätzlich nicht schlimm. Ein Jason Statham oder Steven Seagal sind genauso eindimensional und trotzdem beliebt. Gerade bei Contraband ist Mark Wahlberg goldrichtig.

Chris Farrady (Mark Wahlberg) hat vor Jahren dem Schmuggelgeschäft abgeschworen und jetzt mit seiner Frau Kate (Kate Beckinsale), seinen beiden Söhnen und seiner Alarmanlagenfirma genug zu tun. Kates junger Bruder Andy (Caleb Landry Jones) importiert jedoch Drogen ins Land. Sein letzter Job misslingt ihm und er steht bei dem Gangster Tim Briggs (Giovanni Ribisi) tief in der Kreide. Als Chris versucht, beschwichtigend dazwischenzugehen, wird seine Familie bedroht und er sieht sich gezwungen, einen weiteren lukrativen Schmuggel durchzuführen. Bei der Finanzierung hilft ihm sein bester Freund Sebastian (Ben Foster), der gerade selber auch Probleme mit seinem Geschäft hat.

Im Grunde ist die Handlung ziemlich simpel konstruiert. Die Grundmotivation ist klar und logisch und Chris‘ Vorgehen stets nachvollziehbar. Dabei schafft es der Film, gerade zum Ende hin nochmal mit dem einen oder anderen (teils vorhersehbaren) Twist zu punkten. Meiner Meinung nach blüht Mark Wahlberg hier auf, denn seine Rolle ist zugleich Familienmensch wie auch Kämpfer. Das passt zu ihm. Ich persönlich mag Ben Foster sehr und hier wirkt er nicht ganz so unterkühlt wie in Pandorum. Und obwohl mir auch Giovanni Ribisi gefällt, ist seine deutsche Synchronstimme unglaublich nervig und der gesamte Charakter irgendwie total strohdumm. Der Rest ist in Ordnung und keiner Erwähnung wert.

Lustigerweise ist der Film mit seinen 109 Minuten etwas zu lang. Das liegt nicht daran, dass es langweilig wird, sondern an der Handlung in der Mitte. Der geplante Schmuggel von Chris in Panama artet aus und wird plötzlich zu einer Sequenz voll mit Geballer und Action. Das passt widerum überhaupt nicht zum Film und macht das eigentlich sehr realistische Setting lachhaft. Man hat sich dort vermutlich in gewisser Weise Richtung Heat orientiert, doch die Spannung geht einfach in dem ganzen Chaos flöten. Das ist unheimlich schade, denn mehr Einfachheit wäre ungemein sympathischer gewesen. Mark Wahlberg sollte hier eben eine reale Person sein und nicht zum Actionhelden mutieren. Er ist ein guter Schmuggler und ein einfacher Mann von der Straße. Mehr nicht. Glücklicherweise ist die entsprechende Stelle nur fünf Minuten lang und danach geht Contraband wieder seines gewohnten gemächlichen Ganges.

Das Ende ist dann wieder zwiespältig. Einerseits finde ich den Abschluss des Schmuggels ziemlich cool und nicht vorhersehbar. Der Sideplot rund um Chris‘ Frau ist jedoch irgendwie nervig und im Gegensatz zum Rest ziemlich einfallslos. Die letzten Szenen sind dann in diesem Stil, also ziemlich weichgespühlt. Hier hätte ein wenig mehr Mut zum Drama vielleicht geholfen.

Am Ende überwiegt der positive Eindruck. Contraband ist ein kleiner Action-Krimi-Film mit teilweise sehr netten Einfällen zu einem nicht ausgelutschten Thema. Eine Art Ocean’s Eleven des kleinen Mannes, der es sich eben nicht leisten kann, Casinos zu überfallen und somit auf einfachen Wegen an Geld kommen muss. Den Mittelteil muss man verschmerzen, aber das sollte einem leicht fallen. Wer Mark Wahlberg sowieso gut leiden kann, darf gerne mal einen Blick riskieren. In eine ähnliche Bresche schlägt zum Beispiel auch The Town mit Ben Affleck und Jeremy Renner, welches aber in vielen Belangen besser und ausgefeilter ist. Auf jeden Fall sehe ich Marky Mark viel lieber in soliden Filmen der Machart von Contraband als in der widerlichen Max Payne-Verfilmung, die auf Videospielebene wie Gotteslästerung wirkt.

Regie: Baltasar Kormákur (Inhale, Der Tote aus Nordermoor)

Schauspieler: Mark Wahlberg, Ben Foster, Giovanni Ribisi, Kate Beckinsale

Bewertung: 

The Yellow Sea (2010)

Ein koreanisches Thriller-Krimi-Drama! Und nur mit englischen Untertiteln, dazu noch 140 Minuten lang in der westlichen Version (157 im Original). Und ganz viele Leute, deren Namen und Gesichter man sich nicht so gut merken kann, zumindest fiel es mir sehr schwer. Und verdammt, die Koreaner mögen Messer…

The Yellow Sea handelt von Gu-Nam (Jung-woo Ha), einem ärmlichen Taxifahrer in der Grenzregion von China, Nordkorea und Russland. Er ist ein Joseonjok, also ein in China lebender Koreaner und damit ziemlich weit unten in der Nahrungskette. Vor sechs Monaten ging seine Frau ins reiche Südkorea, um dort zu arbeiten und so die Familie zu unterstützen. Sie hat sich seitdem nicht mehr gemeldet und Gu-Nam versinkt in Schulden, Alkohol und Glücksspiel. Der Gangster-Boss Myun (Yun-seok Kim) bietet ihm die Auflösung seiner Schulden an, wenn er jemanden für ihn in Südkorea um die Ecke bringt. So begibt sich Gu-Nam auf die Reise, um einen Mord zu begehen und dabei noch irgendwie seine Frau zu finden. Rund um den Auftrag ergeben sich Probleme und so ist die Polizei, die nach ihm fandet, bald sein geringstes Problem.

The Yellow Sea ist das genaue Gegenteil eines Feel-Good-Movies. Wer auf nette zwischenmenschliche Interaktionen wartet und weder mit Armut, Kriminalität und abgetrennten Gliedmaßen konfrontiert werden möchte, sollte Hong-jin Nas zweiten Film absolut meiden. Ansonsten entspinnt sich hier ein relativ komplexes Gefüge, dem man nicht immer allzu einfach folgen kann. Gegliedert ist der Film in 4 Kapitel, die jedoch nicht ganz so einschneidende Brüche bewirken wie beispielsweise bei Quentin Tarantinos Kill Bill-Filmen.

Gu-Nam ist im Grunde ein niemand. Er kann nicht kämpfen, hat kein Geld und unbedingt sympathisch ist er auch nicht. Doch man fühlt mit ihm in seiner aussichtslosen Situation mit. Das liegt teilweise auch an der Härte einiger Szenen. Es gibt teilweise minutenlange Verfolgungssequenzen, die einfach nur einen Typen zeigen, der überleben will und dabei von 20 Männern mit Messern, Äxten und Stangen verfolgt wird. Das sind die ganz starken Momente des Films. Und hier erinnert er ein wenig an Oldboy.

Der ‚Oberböse‘ ist Myun. Ein anfangs irgendwie ganz schön asozialer Typ, der liebend gern eine Axt benutzt. Man begegnet ihm relativ früh und kann ihn eigentlich überhaupt nicht einschätzen. Doch zum Ende hin nimmt er fast schon übermenschliche Fähigkeiten an und scheinbar machen ihm Messerstiche in den Leib nicht allzuviel aus. Und verdammt, mit seiner Axt kann man so viel machen, vor allem Amputationen am lebenden Subjekt. Er verfolgt Gu-Nam und ist einfach mal ein Boss, der das Heft selbst in die Hand. In einer Szene hat er keine Axt zur Hand, da nimmt er halt einen gottverdammten Knochen und verprügelt damit Leute. Ein weiterer Bösewicht ist ein gepflegter und reicher Mafioso, der in Sachen Coolness nie an Myun herankommt. So hat man jedoch enorm viele Charaktere, die alle Probleme miteinander haben und irgendwo in der Mitte ist Gu-Nam und versucht nur, am Leben zu bleiben.

Das Ende wiederum fand ich eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass die letzte Szene nach dem Abspann noch einmal Fragen aufwirft und einen komplett unbefriedigt zurücklässt. Genauso auch eine andere Szene zum Schluss, die ich zwar deuten kann, die aber ansonsten irgendwie nicht allzuviel Aussagekraft besitzt und meiner Meinung nicht ganz in die Geschichte passt. The Yellow Sea hätte besser sein können, wenn man vielleicht die eine oder andere Sequenz weggelassen hätte. Nichtsdestotrotz bleibt der Film trotz seiner ausufernden Länge meistens spannend und geht einem an die Nieren. Diese Brutalität und Armut sieht man in der westlichen Hollywood-Welt selten. Während Oldboy jedoch ein sehr psychologischer und philosphischer Film ist, bleibt Yellow Sea glasklar in der Realität und konfrontiert einen einfach nur mit der Wirklichkeit. Meiner Meinung nach sollte man diesem Streifen durchaus eine Chance geben, zumal er noch im Mai 2012 ins Kino kommt und es gerade hierzulande neben den ganzen Tatorten und CSIs an Krimis nicht viel mehr in diesem Segment gibt.

Regie: Hong-jin Na (The Chaser)

Schauspieler: Jung-woo Ha, Yun-seok Kim, Jo Seong-Ha

Bewertung: 

Death Note (2006 – 2007)

Death note heißt übersetzt Todesmeldung. Und in dieser japanischen Anime-Serie gibt es davon so einige. In 37 Episoden zu je 20 Minuten wird die Geschichte des Schülers Light Yagami erzählt, der ein Notizbuch findet, das eigentlich einem Shinigami bzw. Todesgott namens Ryuk gehört und jedem die Fähigkeit verleiht, Menschen umzubringen. Ganz einfach durch Eintragen eines Namens und der Kenntnis des betreffenden Gesichts kann man auf praktische Art und Weise jeden um die Ecke bringen. Da Light ein guter Mensch ist und ein Musterschüler, beschließt er in seinem Größenwahn, alle bösen Personen auf dem Planeten zu töten. So fängt er an, die bösen Buben, die in den Nachrichten erscheinen, einzutragen. Praktischerweise ist sein Vater Polizist und so gelangt er an noch mehr tötenswerte Leute. Schließlich schaltet sich jedoch der krasseste Detektiv der Welt namens L in die Geschichte, um der ratlosen Polizei zu helfen. So beginnt der richtig gute Teil, nämlich ein Katz- und Mausspiel zwischen Light (der unter dem Namen Kira operiert) und L. Das dauert bis Folge 25.

Bis hierhin fesselte mich so gut wie alles in der Serie. Die Krimi-Elemente waren durchdacht und unterhaltsam, die Fantasy-Elemente mit den Todesgöttern eine nette Abwechslung. Der Kampf beider Hauptprotagonisten mit dem Verstand war spannend, denn beide sind clever und gleichzeitig auch wieder merkwürdig. Während sich Light zum Gott einer utopischen Welt frei von Kriminalität aufschwingen will, ist L ein merkwürdiger, beinahe an Gollum erinnernder Charakter. Dabei ist Light nach außen hin ein mustergültiges Mitglied unserer Gesellschaft, obwohl er zu keinem einzigen Punkt sympathisch ist. Er manipuliert, tötet und lügt, vollkommen ohne Skrupel. Wer seiner Idee im Weg steht, muss umgebracht werden.

Nach Folge 25 jedoch verliert die Serie viel an Sympathie. Die Handlung wird ein paar Jahre in die Zukunft getragen und unnötig verkompliziert. Vor allem, weil viel zu viele Leute an der Geschichte beteiligt werden und weil keine neuen interessanten Personen hinzukommen. Das ist sehr schade, denn so wird das Finale weniger spannend wie es hätte sein können. Lights Freundin bzw. spätere Frau, die ebenfalls über ein Death Note verfügt, ist eigentlich nur ein dummes Blondchen. Ich weiß nicht, ob das der asiatischen Vorstellung von witzigen Charakteren entspricht, jedoch passt sie meiner Meinung nach überhaupt nicht in den sonst so düsteren Tonus der Serie.

Insgesamt fand ich Death Note gut. Ich gucke nicht viele Animes, doch hier wurde ich, zumindest für die ersten 25 Folgen, sehr gut unterhalten. Wahrscheinlich gingen den Schreibern am Ende einfach die Ideen aus. An sich bietet Death Note eine Menge Denkstoff über die Todesstrafe und über die Verantwortung der Medien. Inwiefern ist unsere Gesetzgebung gerecht? Darf man Mörder einfach umbringen bzw. wo zieht man die Grenze für Straftaten, für die jemand den Tod verdient hätte? Interessant finde ich auch den Aspekt, ob man einen Mord verüben würde, wenn man in jedem Fall nicht erwischt werden könnte, da man die Tötung nicht durchgeführt hat. Im Grunde schwingt sich Light zum Richter und Henker für den ganzen Planeten auf mit Informationen, die er über die Medien erhält. Er polarisiert die Menschheit, denn es gibt Befürworter seiner Arbeit und auch Gegner. Und so tötet er eben auch unschuldige Gegner. Menschen, die sich dazu aufmachen, Gott zu spielen und irgendwann von sich selbst und ihrer Schöpfung korumpiert werden: Das kennt man aus Frankenstein oder Blade Runner, nur hier eben als Anime.

Bewertung: