Krieg der Götter (2011)

Diese Review zu Krieg der Götter beginnt als ein multimediales Erlebnis, welches ich mit Hilfe der GZSZ-Titelmelodie ausstaffiere. Man möge sich bitte in einem Tab das hier öffnen und laufen lassen, während man den etwas angepassten Text zeitlich passend liest (oder singt) und so die Handlung mitbekommt:

 

Theseus hatte Träume,
wusste genau, wohin er will.
Immer auf der Suche,
bis er Hyperion killt.

Ich seh in sein Herz.
Sehe gute Griechen, schlechte Griechen,
ein Leben, das neu beginnt.

Durch Schwerter und Schmerz
werden alle Griechen gelyncht und auch
sein Schicksal bestimmt.

 

 

Alles geklappt? Alle Silben (sollten) passen, also bei Misserfolg noch einmal hörlesen! Ansonsten geht die Soap-Opera-Achterbahnfahrt weiter und wir benutzen unsere langweiligste Erzählerstimme (einfach total angestrengt alles überdramatsich betonen und schnell lesen, danke):

Theseus (Henry Cavill) versteht sich gut mit seiner Mutter. Als jedoch Hyperion (Mickey Rourke) mit seiner Armee vorbeischaut, „entgleitet“ ihm sein Dolch und Theseus wird zum Vollwaisen und Sklaven. Theseus ist sehr wütend und möchte Hyperion zur Rede stellen, doch der ist gerade wieder weg, um den Epeiros-Bogen zu finden, mit dem er die Titanen befreien und so den Göttern das Geschäft vermiesen will. Das gefällt Zeus natürlich nicht. Er will Theseus jedoch nicht helfen, weil ihn seine Vergangenheit verfolgt. Können die anderen Götter vielleicht die Situation retten? Bei Theseus‘ Flucht aus der Gefangenschaft begegnet er dem Orakel Phaedra (Freida Pinto), dem Mönchen (Greg Bryk) und dem Ex-Dieb Stavros (Stephen Dorff). Gemeinsam begeben sie sich auf die Reise, um Hyperions furchbaren Plan zu vereiteln und die Firma von Theseus‘ Vater noch zu retten. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass Stavros‘ Zwillingsbruder eigentlich der Cousin 7. Grades von Hyperion ist und dass man beim Begräbnis der eigenen Mutter immer die Augen offen halten sollte, um nach dem einen oder anderen versteckten Schatz zu suchen. Plötzlich taucht der lange verschollene Onkel von irgendwem auf und stellt den Anspruch auf das Erbe von Stavros‘ Stiefvater, der jedoch in seiner Wut seinen gesamten Besitz anzündet und nur knapp überlebt. Die Götter stellen Untersuchungen an und finden heraus, dass Hyperion gar nicht verwandt sein kann mit irgendeinem der vorher erwähnten Charaktere, doch Phaedra spührt noch immer eine gewisse Verbindung zwischen dem König und Theseus. Da Theseus aber beim Fitnesstraining sich den rechten Fußknöchel verstaucht, kann er nicht bei der Premiere von Hyperions Musical dabei sein und so wird die Beziehung der beiden, die durch Hyperions Mord an Theseus‘ Mutter sowieso schon eher nicht so gut war, noch verschlechtert. Der Mönch hat sich mittlerweile die Zunge herausgeschnitten, einerseits, weil er den Aufenthaltsort von Phaedra nicht verraten wollte, andererseits, weil er verwirrt ist, da man sich bei der Handlung eigentlich die Augen und die Ohren abhacken müsste. Die prikäre Situation wird durch die latente Spannung zwischen Ober- und Unterschicht verschärft und es gibt noch einen Krieg. Oder so

Zugegebenermaßen ist die Fantasie ein wenig mit mir durchgegangen. Ist aber auch ziemlich egal, weil viel weniger Sinn könnte die gesamte Handlung von Krieg der Götter kaum haben. Und das meine ich ernsthaft. Die ersten zehn Minuten finde ich noch nachvollziehbar, doch von da an ist alles vollkommen behämmert. Wir haben eine Gruppe von Leuten, von denen uns jeder egal ist (inklusive Theseus) und die irgendwie rumlaufen, um erst einen Bogen zu finden, den sie dann (auf dümmlichste Art und Weise) verlieren, um dann in die finale Schlacht zu ziehen. In dieser finalen Schlacht kämpfen dann ungefähr 20 Leute gegen Mickey Rourkes 3-Millionen-Mann-Armee. Aus dieser Schlacht entfernen sich dann unsere Helden, warum auch immer, wird schon gut gehen. Aber gut, vergessen wir die Handlung. Der Film ist in erster Linie eines: eine Grafik-Hure. Und mehr auch nicht.

Problematisch ist dann jedoch, dass mir Krieg der Götter neben einem 300 wie ein lustiger Kindergeburtstag aussieht. Die Götter strahlen keine Autorität aus und obwohl Kampf der Titanen ein vollkommen lausiger Film ist, waren dort die griechischen Götter, angeführt von Liam Neeson und Ralph Fiennes, relativ cool. Auch die göttliche Inkonsequenz in Bezug auf das Einmischen in die Geschicke der Menschen macht sie noch lächerlicher und unlogischer, womit wir wieder bei der Handlung sind. Im Grunde sind Zeus und co. eine Bande von gelangeweilten Emo-Calvin-Klein-Unterwäsche-Models.

Der Einzige, dem ich in der Plörre seine Motivation abkaufe, ist Mickey Rourke bzw. Hyperion, der, wie Mickey Rourke sonst auch immer, ein ziemlich fieser Assi ist. Freida Pinto läuft nur rum, um gut auszusehen. Und der Rest schwafelt vor sich hin. Lustigerweise kopiert der Film dann hier und da Szenen aus anderen Filmen, allen voran eine Situation, in der 3 Frauen lebendig gekocht werden und dann um ihren Tod betteln. In bester Alien-4-Manier heißt es dann „Töte mich“ und ich komme mir vor wie ein Psychopath, weil das alles so blöd ist, dass es mich zum Lachen bringt. Weit am Anfang schnätzelt sich noch Theseus durch ein paar Gegner, wie einst Gerard Butler durch Perser. Doch meiner Meinung gibt es einfach nicht wirklich viele coole Kampfszenen, um das ganze als hohlen, aber coolen Actionfilm durchgehen zu lassen. Viel zu oft wird innegehalten und das Geschehene refkletiert. Wenn man aber über Blödsinn sinniert, dann gewinnt man nicht an Tiefe, sondern an unweigerlich lächerlichen Momenten. Die eine wichtige Ansprache vor dem finalen Kampf von Theseus ist keine bedeutende Ansprache, sondern vielmehr total uninspiriert. Und das Ende verstehe ich nicht. Vielleicht, weil ich zu blöd bin, vielleicht, weil ich nach einem Sinn suche. Alles, was mir bleibt, ist zu hoffen, dass man keine (durchaus mögliche) Fortsetzung hieraus spinnt und die arme geschändete griechische Mythologie in Ruhe lässt. Wer coole Griechen in krassen Schlachten sehen will, der guckt 300 oder Troja. Wer eine antike Geschichte mit Inhalt braucht, der liegt mit Gladiator oder Braveheart besser. Ich glaube, ich finde sogar Xena und Hercules besser als diesen Müll.

Regie: Tarsem Singh (The Cell, Spieglein Spieglein)

Schauspieler: Henry Cavill, Mickey Rourke, Stephen Dorff, Freida Pinto

Bewertung: 

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