The World’s End (2013)

Nach dem großartigen Shaun of the Dead 2004 und dem nicht weniger amüsanten Hot Fuzz 2007 kommen Edgar Wright (Regie und Drehbuch) und Simon Pegg (Drehbuch und Hauptrolle) 2013 erneut zusammen, um das Finale der Trilogie über Blut und Cornetto-Eis zu machen. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter und natürlich die gewohnte Reihe an popkulturellen Anspielungen, aber auch, man halte sich fest, eine große Schippe Ernsthaftigkeit.

Gery King (Simon Pegg) hat im Gegensatz zu seinen vier Freunden aus der Jugend (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine) nicht viel im Leben erreicht. Trotzdem trommelt er die alte Truppe zusammen, um einen erneuten Versuch zu wagen, die Goldene Meile zu vollenden. Diese ist ein Sauftrip durch Newton Haven, bestehend aus je einem Bier in zwölf Pubs der Ortschaft. Doch nach kurzer Zeit entpuppen sich die Einwohner als alles andere als Normalsterbliche. Es beginnt ein Wettlauf, einerseits gegen die Alien-Einheimischen, andererseits gegen den eigenen stetig steigenden Alkoholpegel.The World's End

Und obwohl sich die Geschichte lustig anhört und es durchaus viele Witze und Anspielungen gibt, durchzieht eine gewisse Seriösität diesen Film. Es wird oft gelacht, und genauso oft werden ernstere Töne angeschlagen. Klar, in Shaun of the Dead gab es auch einen recht traurigen Moment, in dem einer der Protagonisten über das Leben seiner eigenen Mutter entscheiden musste. Doch The World’s End beginnt mit Gerry und dessen Alkoholkrankheit und zeigt immer wieder seine Probleme auf. Als einziger der Bande ist er nämlich auf der Vergangenheit sitzen geblieben und kommt nicht aus diesem Loch heraus. Dabei ist es fast schon irritierend, wie wenig ihn seine einstigen Kumpanen mögen und eigentlich keine Zeit mit ihm verbringen möchten. Gerry King ist nämlich überheblich, unzuverlässig und ein Lügner wie er im Buche steht. Und als ob das noch nicht reichen würde, hält er sich für den Größten. Den King.

Trotzdem zeigt The World’s End auch, dass es den vermeintlich erfolgreichen Kumpanen auch nicht nur gut geht. Zwar sind diese im Gegensatz zu Gerry erwachsen geworden, aber auch das hat seine Schattenseiten. Überhaupt, die angesprochenen Themen sind durchaus vielschichtig und mögen einen irritieren, wenn man von einer tumben Komödie im Vorhinein ausgegangen ist. Besonders das Ende lässt einen ziemlich ratlos dar, wo man doch von den beiden Vorgängerfilmen einen seichteren Umgang gewohnt war. Da werden dann urplötzlich noch die moderne Vernetzung und Fremdenfeindlichkeit angesprochen. Warum auch nicht, eine Komödie darf schließlich ein Statement haben. Shaun of the Dead deutete bereits recht offensichtlich an, dass wir heutzutage durchaus als Zombies dem Arbeitstrott und der Routine verfallen sind. Doch The World’s End macht es einem nicht so einfach und wird dadurch sicher für den einen oder anderen merkwürdig befremdlich wirken, gerade zum Ende hin. Trotzdem großen Respekt an Pegg und Wright, die mit dem gewählten Ton Mut beweisen und sich nach Hot Fuzz klar vom Mainstream wegbewegen, dabei sogar von der bewährten Erfolgsformel der beiden ersten Teile abweichen.

Nicht zu vergessen seien übrigens die Anwohner von Newton Haven, die aufgrund einer Alieninvasion zu merkwürdigen Roboter-Gummipuppen geworden sind. Und zu denen sich eine ganze Reihe muntere Nebendarsteller gesellen, beispielsweise Pierce Brosnan, David Bradley und Michael Smiley. Als ob es außerdem ein Klacks wäre, gibt es an einigen Stellen wirklich toll inszenierte und famos umgesetzte Kämpfe, was man so nicht unbedingt erwarten würde. Überhaupt kann man den Machern handwerklich nichts vorwerfen. Trotz vieler Effekte und blutiger Auseinandersetzungen merkt man nicht, dass The World’s End nur läppische 20 Millionen Dollar Budget hatte, was immer noch mehr ist als Shaun of the Dead und Hot Fuzz zusammen.

Tja, ist das Ende der famosen Trilogie jetzt gelungen? Klare Antwort: Auf jeden Fall. Eins sollte einem dabei jedoch klar sein: Seit Shaun of the Dead ist über ein Jahrzeht vergangen und die beteiligten Protagonisten sind alle reifer und erwachsener geworden. Das merkt man auch an The World’s End. Gerade das macht einem den Abschied leichter, denn diese Riege an coolen Leuten scheint ihren Humor nicht verloren und auch gleichzeitig genügend dazugelernt zu haben. Das macht den Abschluss nicht ganz so leicht und locker konsumierbar wie die Vorgänger. Ich freue mich aber jetzt schon auf alles, was mit Wright, Pegg oder Frost zu tun hat.

 

Regie: Edgar Wright (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Hot Fuzz, Shaun of the Dead, Spaced)

Schauspieler: Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike

Bewertung: 

 

 

Abgedreht (2008)

Es gibt diverse Filme, die Trends losgetreten haben. Stirb Langsam hatte großen Einfluss auf das Action-Genre und Blair Witch Project war seiner Zeit die Erfindung des Found Footage-Streifens.  Ach ja, und seit dem Herren der Ringe kommt jedes Buch, jeder Comic oder sonstwas mit einer Trilogie (Matrix, Bourne, Fluch der Karibik, Ocean, X-Men, Spider-Man) oder sogar mit mehr Teilen (Twilight, Harry Potter, usw.) um die Ecke. Und dann ist da Abgedreht. Zwar wurde hier nicht unbedingt etwas total Neues erfunden, aber manchmal reicht es ja auch, der Sache einen Namen zu geben. Und in diesem Falle ist es das ‚Sweding‘.Abgedreht

Mike (Mos Def) arbeitet in der Videothek von Mr. Fletcher (Danny Glover) in Passaic, New Jersey. Der vertreibt in seinem vom Abriss bedrohten Laden nur VHS-Kassetten. In Zeiten von DVD und großen Ketten ist das natürlich alles andere als förderlich und lukrativ. Als Mr. Fletcher für ein paar Tage verreist ist, kommt der magnetisierte Jerry (Jack Black) daher und löscht sämtliche Kassetten im Laden. Kurzerhand beschließen Mike und der Verursacher, die entsprechenden Filme einfach mit einer Kamera nachzudrehen. Ohne Budget oder Effekte entsteht so an einem Nachmittag ihre 20-minütige Version der Ghostbusters in der örtlichen Bibliothek. Was sich wie eine blöde Idee anhört, entpuppt sich als grandioses Geschäftsmodell, das dem Laden in kürzester Zeit zu großer Popularität und sogar zu beachtenswerten Einnahmen verhilft. Allerdings haben sie dabei die Rechnung ohne die Rechteinhaber gemacht.

Die ungewohnten Versionen altbekannter Filme werden als schwedische Variation verliehen, daher der Name ‚Sweding‘. Und um ganz ehrlich zu sein, diese kleinen Werke sind teilweise ziemlich großartig. Wenn Jack Black und Mos Def beispielsweise Rush Hour 2 auf einem Kinderspielplatz nachspielen und sich genauso wie Jackie Chan und Chris Tucker anbrüllen, dann passt das ganz gut. Und trifft auch irgendwie den Kern des Originals. So werden es immer mehr geschwedete Filme, die zwar mit einfachsten Mitteln, dafür aber sehr liebevoll gemacht sind. Leider ist das Gros der Figuren dafür reichlich dämlich. Mos Def ist nicht unsympathisch, doch so richtig charismatisch ist er widerum auch nicht. Und Jack Black ist einfach nur ein Idiot. Danny Glover hat zu wenig Screentime, um wirklich Akzente zu setzen bzw. ist das Beharren auf VHS einfach nicht nachvollziehbar. Die Frauen spielen auch keine besonders einprägsame Rolle. So plätschert Abgedreht eine ganze Weile vor sich hin. Klar, die Handlung ist halt eben nicht unbedingt besonders clever. Nichtsdestotrotz kriegt Michel Gondry am Ende doch noch die Kurve und macht hieraus ein durchaus bewegendes Drama.

Die finale Szene berührt nämlich dann doch und gibt der manchmal etwas plumpen Komödie ein tiefere Ebene. Es geht hier nämlich gar nicht mal primär um das Drehen lustiger kleiner Filmchen, sondern um das Bestehen einer kleinen Gemeinde in Zeiten von Internet und Globalisierung. Denn gerade einzelne Schicksale kommen in der Flut von Massenwaren und Anonymität abhanden. Das Ende macht tatsächlich viel aus und hinterlässt einen tollen Eindruck. Denn wo andere Komödien im Adam Sandler-Stil das fette Happy End herausholen, in dem die Bösen alle bestraft werden, schlägt Gondry leisere Töne an. Schließlich gibt es auch keinen wirklich greifbaren Antagonisten.

Zugegeben, Abgedreht kommt langsam in Fahrt und hat trotz der kurzen 102 Minuten Laufzeit die eine oder andere Länge. Auch Jack Black ist mir hier so gar nicht sympathisch. Dafür ist seine Rolle einfach zu ‚abgedreht‘ (haha, Wortwitz). Dies ist garantiert nicht der beste Film von Michel Gondry und man muss auch ein wenig in der richtigen Stimmung sein. Dafür gibt es am Schluss das wohlige Gefühl, eine kreative und liebevolle Komödie genossen zu haben, die frei von Klischees ist und sogar eine Message bietet. Schade, dass das keinen Trend losgetreten hat.

 

Regie: Michel Gondry (Vergiss mein nicht, The Green Hornet, Anleitung zum Träumen)

Schauspieler: Mos Def, Jack Black, Danny Glover

Bewertung: 

 

 

 

 

7 Psychos (2012)

Die Handlung von ‚7 Psychos‘ ist eigentlich erschreckend banal. Im Grunde geht es tatsächlich nämlich um nicht sehr viel mehr als einen Typen, der versucht, ein Drehbuch zu schreiben. Über sieben Psychopathen eben. Dabei muss Marty (Colin Farrell) nicht nur seine Alkoholprobleme und die stressende Freundin in den Griff bekommen, sondern sich mit seinem übermotivierten Kumpel Billy (Sam Rockwell) und dessen Komplizen Hans (Christopher Walken) auseinandersetzen. Denn Billy und Hans haben den Shih Tzu von Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) entführt und bringen so eine Menge von bösen Buben gegen sich auf. Und als ob das noch nicht reicht, treibt sich ein Serienkiller namens Karo Bube umher und legt diverse Mafia-Mitglieder um.7 Psychos

Okay, zugegeben, ganz so banal ist die Handlung dann doch nicht. Lustig ist aber vor allem, dass der Film sich sehr angenehm auf seiner eigenen Metaebene bewegt und dabei nie müde wird, sich selbst und die Protagonisten auf ironische Art und Weise zu betrachten. Allen voran Billy, dargestellt durch den überwältigenden Sam Rockwell, bricht hier wie da völlig aus der Normalität, was in einer unglaublich lustigen imaginären Szene gipfelt, die alle Akteure in einem finalen Showdown vereint. Dabei ist das Ende von ‚7 Psychos‘ selbst etwas später weniger spektakulär, aber durchaus gelungen.

Dominiert wird der Film von allerhand Rückblicken, die in erster Linie die verschiedenen Psychopathen thematisieren. Besonders die Art und Weise, wie die Geschichte rund um einen vietnamesischen Attentäter aufgelöst und die Story um den Mann erst im Verlauf entwickelt und immer wieder variiert wird, ist sehr überraschend und verdammt cool. Die Vielzahl an absurden und merkwürdigen Charakteren macht aus der gesamten Geschichte ohnehin schon eine unvorhersehbare Achterbahnfahrt. Wenn möglich sollte man jedoch ‚7 Psychos‘ auf Englisch sehen, denn im Deutschen geht Wortwitz verloren. Außerdem hat Colin Farrell nicht die übliche Synchronstimme und kommt dadurch, zumindest anfangs, ungewohnt anders rüber. Auch die Performance von Sam Rockwell leidet ein wenig unter der Übersetzung. Nichtsdestotrotz bleibt der Film aber auch im Deutschen lustig genug, um ihn ungeschadet weiterempfehlen zu können.

Größtes Manko ist, dass ab der Mitte der 110 Minuten so ein wenig der rote Faden verloren geht. Was anfangs als eine Art Krimi-Komödie anfing, wird besonders mit einem Szeneriewechsel in die Wüste ein wenig ziellos, denn alle Rätsel sind aufgelöst und die Helden hocken so ein wenig aufeinander. Zudem geht der Film mit seinen Charakteren teilweise reichlich lieblos um und ein paar Psychopathen bekommen einfach zu wenig Screentime. Das ist aber auch mit der großen Zahl der Protagonisten zu erklären. Überhaupt ist der Humor sehr schwarz und wenn mal Blut fließt, dann richtig.

Man merkt aber auch ganz deutlich, dass hier der Regisseur und Drehbuchautor von ‚Brügge sehen… und sterben?‘ zu Werke war. Den fand ich ein wenig besser, vor allem weil die Handlung einfacher und der Humor subtiler war. Außerdem ist Brügge auch eine sehenswerte Stadt. Trotzdem ist Martin McDonagh mit ‚7 Psychos‘ eine ebenso kultige wie unterhaltsame und an manch einer Stelle auch überraschende Komödie gelungen, die ein wenig überladen ist. Desweiteren kommt diese in Sachen Wortwitz und Leichtigkeit bei Weitem nicht an ‚Pulp Fiction‘ oder ‚Kiss Kiss Bang Bang‚ heran, doch den Namen McDonagh sollte man sich vormerken.

Regie: Martin McDonagh (Brügge, Six Shooter)

Schauspieler: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson

Bewertung: 

Scary MoVie (2013)

Auch wenn man sich größte Mühe gegeben hat, die ‚5‘ im Titel zu verstecken. Das inzwischen vierte Sequel zu Scary Movie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass man zum, nun ja, fünften Mal das Gleiche macht. Die einzige Neuerung sind die Filme, die persifliert werden. Im Vordergrund stehen ‚Paranormal Activity‘ und ‚Mama‘. Weil das aber nicht genügend Material geliefert hätte, werden zudem noch ‚Black Swan‘, ‚Inception‘ und, praktisch völlig zusammenhanglos, ‚Planet der Affen‘ auf die Schippe genommen. Ein paar weitere Anspielungen gibt es dann noch hier wie dort und eine ganze Reihe von prominenten Gastauftritten, die das Geschehen auf 86 Minuten strecken.scary movie 5

Die Handlung ist einfach: Jody Sanders (Ashley Tisdale) und ihr Mann Dan (Simon Rex) nehmen die beiden Töchter von Dans verstorbebnem Bruder unter ihre Fittiche, welche von irgendeinem Dämon besessen sind. Oder so. Bla bla bla, et cetera und so weiter. Gastauftritte haben Charlie Sheen, Lindsay Lohan, Snoop Dogg, Mike Tyson und Mac Miller. Was die da drin zu suchen haben? Kinder in die Kinos locken, mehr nicht. Die dicke mexikanische Haushälterin präsentiert sich im Bikini und hat eine heimliche Liebesbeziehung mit dem Staubsauger. Die eine kleine Göre steckt sich ihre Zahnbürste in den Hintern. Ein Säugling wird in Brand gesteckt. Und der schwarze Geisteraustreiber entpuppt sich als Dieb und Kreditkartenbetrüger. Was womöglich ein wenig rassistisch ist, aber wen kümmert es.

Mein grundlegendes Problem mit ‚Scary MoVie‘ ist, dass man sich tatäschlich die Dreistigkeit herausnimmt, sich beispielsweise über ‚Inception‘ lustig zu machen, dabei aber selbst meilenweit davon entfernt ist, einen ansprechenden Film abzuliefern. So bedient man sich popkultureller Anspielungen, ohne auch nur irgendeine eigene kreative Leistung dazu beigetragen zu haben. Dem Affen aus ‚Planet der Affen‘ wird permanent auf die Fresse gehauen. Das mag dann einmal lustig sein, aber mehr fiel den Verantwortlichen auch nicht ein. Und tatsächlich ist es ‚Black Swan‘, welches hier mit am meisten verarscht wird. Das reine Ballett als Grundlage für Witze zu nehmen spricht ganz klar für den pubertären Humor und die Ausrichtung auf eine Zielgruppe jugendlicher Menschen, die so einen Scheiß total abfeiern.

Zugegeben, auch die vorigen Filme haben schon nichts anders gemacht. Aber bei denen war ich noch jünger und naiver. Das hier ist wirklich von vorne bis hinten dumm und eine Unverschämtheit. Klar, im Suff und mit Freunden kann man sich diese Idiotie geben. Aber wie man auf clevere Art und Weise zitiert beweisen ‚Hot Fuzz‘ und ‚Shaun of the Dead‚, die von vorne bis hinten liebevoll mit den Vorbildern umgehen und zu jeder Zeit vor allem eines sind: lustig. Weil nur weil es dumm ist, nicht zwangsläufig auch lustig sein muss. Außer man ist noch zwölf Jahre alt. Gleiches gilt übrigens auch in die andere Richtung. Lustiges muss nicht dümlich sein. Und entweder waren die Schreiber und Macher noch auf dem geistigen Level von Vorschülern, oder, und das ist der wahrscheinlichere Fall, Scary Movie Episode 5 ist nicht viel mehr als der Versuch, auf schnelle und einfache Art und Weise Geld zu verdienen. Da gucke ich mir lieber zum tausendsten Mal die Nackte-Kanone-Trilogie an. Prost.

Regie: Malcolm D. Lee (Soul Men, Roll Bounce, Undercover Brother)

Schauspieler: Ashley Tisdale, Simon Rex, Erica Ash, Katt Williams

Bewertung: 

Die Schlange im Schatten des Adlers (1978)

Dieses kleine und inzwischen doch recht betagte Filmchen gehört leider zu der Sorte, die man hierzulande nur arg geschnitten vorfindet. Wenn Kabel 1 den Streifen ausstrahlt, dann sind ein gutes halbes Dutzend Todesszenen entfernt, was den einen oder anderen Kampf arg bescheuert aussehen lässt. Gerade noch werfen sich die Kontrahenten Todesdrohungen an den Kopf, einen Schnitt weiter liegt einer der beiden röchelnd am Boden. Und die ungeschnittene DVD-Fassung ist leider eine Seltenheit. Aber im Gegensatz zu seinen anderen totgeschnittenen Kollegen (‚Born 2 Die‘ zum Beispiel) hat ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ noch sehr viel mehr zu bieten. Und damit ist nicht die klischeehafte deutsche Synchroniastion gemeint.

Auch die Geschichte ist reichlich einfach und ja, ein wenig blöd: Chien Fu (Jackie Chan) ist der Prügelknabe und Abfalleimer in einer Kung Fu-Schule und kann selber so rein gar nicht kämpfen. Eines Tages taucht ein alter Mann (Siu Tien Yuen) auf, der sich als Großmeister Pai Cheng-Tien herausstellt, welcher widerum Anführer einer Untergrundgruppe ist, deren Mitglieder der Reihe nach von der Obrigkeit eliminiert werden. Besagter Greis bringt unserem Helden die Künste des Schlangen-Kung Fu bei, böse Buben bzw. die Vertreter des Adler-Kung Fu tauchen auf und trachten den beiden nach dem Leben und so weiter. Im Grunde ist die ganze Story keines Gedankens wert, denn noch flacher geht es kaum. Da taucht dann noch ein völlig unnötiger christlicher Missionar auf, der sich zum Schluss als böse herausstellt. Und im finalen unnötigen Twist ist dann noch ein Kerl plötzlich Antagonist. Das ist dann einfach nur Trash.

Nichtsdestotrotz zähle ich die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘  zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme. Das liegt in erster Linie an den coolen Kampf- und Trainingszenen und zum anderen an einem einzelnen Lied. Oxygène II von Jean Michel Jarre. Ich habe noch nie einen passenderen Track für einen Trainingszusammenschnitt gesehen. Da erreicht der Film einen Charme, dem ich mich einfach nicht mehr entziehen kann. Gleichzeitig trägt einfach noch Jackie Chan mit all seinen Skills sein Übriges dazu. Er lässt selbst die simpelste Dehnübung wie krasses Kung Fu aussehen. Und selbst wenn der Film mit seiner Handlung cheesy ist, die dargebotenen Kämpfe und Bewegungen sind echt. Das zeichnet ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ aus.

Mich hat der Film in meiner Kindheit sehr beeindruckt. Und selbst heute noch kann ich ihn mir ansehen. Verdammt, ich habe ihn vermutlich schon ein dutzend Mal gesehen. Man sollte Jackie Chan eben nicht wegen ‚Rush Hour‚ und dergleichen in erster Linie kennen, sondern durch seine alten Kung Fu-Filme. Zu nennen wäre da auch noch ‚Drunken Master‘, der fürchterlicherweise hierzulande zu ‚Ein Halleluja für 2 Schlitzohren‘ verstümmelt wurde. Ganz im Gegensatz zu dem ganzen seelenlosen Hollywood-Zeug von Brett Ratner haben diese Frühwerke aus China einen großartigen Charme und die ‚Die Schlange im Schatten des Adlers‘ ist eine Perle der damaligen Zeit. Klar, wer hier auch nur im Entferntesten Handlung oder Dialoge erwartet, steht auf verlorenem Posten. Doch wem die choreografierten Kämpfe Spaß bereiten, den entlässt der Film auch mit dem guten Gefühl, dass man wahren Meistern bei ihrer Kunst beigewohnt hat. Dass Kampfsportler auch heutzutage keine guten Filme im eigentlichen Sinne machen, zeigen Jet Li und Tony Jaa, ja sogar viel zu oft Jackie Chan selbst, zur Genüge.

Regie: Woo-ping Yuen (Drunken Master, Kampfchoreografie für Tiger & Dragon, Matrix, Kill Bill)

Schauspieler: Jackie Chan, Siu Tien Yuen, Jang Lee Hwang, Chi Ling Chiu

Bewertung: 

 

Rush Hour (1998)

Brett Ratner ist wohl der Prototyp des amerikanischen Hollywood-Regisseurs. Seine Filme sind allesamt irgendwie in Ordnung. Wenig Handlung, aber meistens kann man dann doch über die albernen Witze schon irgendwie lachen. ‚Money Talks‘ mit Charlie Sheen und Chris Tucker ist echt voll okay. ‚Roter Drache‘ hat mir nicht gefallen, allerdings wirklich schlecht war er auch nicht. Der dritte X-Men-Film war eigentlich gut, aber jeder zweite wichtige Charakter wird weggemetzelt. Ich schätze mal, dass das wohl so in Ordnung geht. Ach, und ‚Aushilfsgangster‚ war ja auch nicht sooooooooooo übel. Und dann ist da ‚Rush Hour‘. Der erste Teil ist richtig gut, der zweite ist voll in Ordnung und der dritte totaler Dreck. Also statistisch gesehen ist die Reihe mittelmäßig. Außerdem haben wir auch ‚Prison Break‘ dem guten Mann zu verdanken. Und ‚Skyline‚, einen der miesesten Filme aller Zeiten. Der Mann macht eine ganze Menge als Produzent. Tatsächlich ist ‚Rush Hour‘ meiner Meinung nach das Beste, was er je gemacht hat. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Die Tochter des chinesischen Konsuls wird von Sang (Ken Leung) entführt. Weil der asiatische Staatsvertreter einen eigenen Landsmann zur Unterstützung der Behörden ins Land holt, rekrutiert das FBI kurzerhand einen Polizisten, der als Babysitter den Chinesen möglichst aus den Ermittlungen raushalten soll. So sind Lee (Jackie Chan) und Carter (Chris Tucker) anfangs noch nicht wirklich mit Polizeiarbeit beschäftigt. Dabei stoßen sie nach kurzer Zeit auf Juntao, einem aus dem asiatischen Raum bekannten Gangsterboss, der seine Finger in der Angelegenheit zu haben scheint.

Dabei hat ‚Rush Hour‘ so ziemlich gar nichts mit der Hauptverkehrszeit zu tun, außer, dass die Kleine halt während einer Fahrt entführt wird. Das ist aber auch nicht wichtig. Entscheidend ist eher die Dynamik des Duos Tucker und Chan. Damit ist der Film im Grunde ein klassisches Buddy-Movie mit zwei sehr unterschiedlichen Charakteren. Während Lee für die wenigen coolen Kampfszenen zuständig ist und sonst eher wortkarg agiert, darf Carter plappern wie ein Wasserfall. So kennt man Chris Tucker auch schon aus ‚Das fünfte Element‘ und allen anderen Filmen, in denen er mitwirkt. Außer vielleicht ‚Silver Linings Playbook‘. Dort ist er überraschanderweise fast schon auf sympathische Weise nicht so aufdringlich.

Der Rest ist eigentlich Standardkost. Eine simple Handlung mit einem ganz kleinen Twist. Ein paar Schießereien zum Ende hin. Und die unermüdliche große Klappe von Chris Tucker. So fällt und steht ‚Rush Hour‘, ob man von dem Gelaber genervt wird. Wenn nicht, dann sind das sehr unterhaltsame 98 Minuten. Wer Chris Tucker nicht leiden mag, wird schnell genervt sein. Überhaupt richtet sich der Film, trotz durchaus ein oder zwei blutiger Szenen, eher an ein jüngeres Publikum. Zumindest was den Humor angeht.

Mich persönlich unterhält ‚Rush Hour‘ auch heute noch ziemlich gut. Ich mag Jackie Chan und ich kann Chris Tucker, zumindest hierdrin, auch leiden. Dass der Plan der Bösen irgendwie nicht so ganz sinnvoll ist, stört nicht sehr. Natürlich sind die zwei nicht im Entferntesten so kultig wie Bud Spencer und Terence Hill. Dafür macht das Jackie durch ein paar coole Kampfszenen wieder wett. Das Problem ist dann eher, dass das gleiche Konzept in den Fortsetzungen wiederverwurstet wird. Und da stößt die Reihe unterhalterisch an ihre Grenzen.

Im Zweifelsfall liegt man aber mit der Entscheidung, ‚Rush Hour‘ einzuschalten, nie verkehrt. Zumal das hier irgendwie das künstlerische Hauptwerk von Brett Ratner ist. Obwohl sich das komisch anhört. Ein Kubrick oder Scorsese ist er eben nicht, doch auch seine Filme haben eine Daseinsberechtigung. Zumindest oder vor allem ‚Rush Hour‘.

Regie: Brett Ratner (X-Men 3, Roter Drache, Money Talks, Aushilfsgangster)

Schauspieler: Jackie Chan, Chris Tucker, Tom Wilkinson

Bewertung: 

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

Es gibt da draußen eine ganze Menge Filme, die ihren Plot über einen Erzähler an Frau und Mann bringen. Ob ‚American Beauty‘, ‚300‘,  ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‚ oder ‚The Big Lebowski‘. Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Auch ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ verfügt über diesen Kniff, geht dabei aber noch darüber hinaus und spricht den Zuschauer noch direkter an. Das weicht das klassische Filmkonzept stark auf und zieht einen dabei mehr in die ganze Geschichte rein. Man hat ein persönlicheres Erlebnis. Gleichzeitig kann dieser Versuch aber auch ziemlich plump wirken. Vor allem wenn die Story mies ist. Und kann man viel von einem Film erwarten, der ‚Kuss Kuss Bumm Bumm‘ heißt?

Hary Lockhart (Robert Downey Jr.) spielt Harry Lockhart, einen abgehalfterten Kleinkriminellen aus New York. Als ein Einbruch in einen Spielwarenladen in die Hose geht und sein Partner dabei angeschossen wird, gerät der vom rechten Weg Abgekommene an einen Hollywood-Produzenten. Dieser schustert Harry eine Rolle zu und schickt ihn auf eine Party in Los Angeles, die von Harlan Dexter (Corbin Bernsen) geschmissen wird, wo er auf Gay Perry (Val Kilmer), einen Privatdetektiven, sowie seine alte Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) trifft. Perry lädt unseren Helden ein, ihn bei einer Beschattung zu begleiten und Erfahrungen für seine bevorstehende Rolle zu sammeln. Die Geschichte läuft jedoch schnell aus dem Ruder und die beiden müssen sich plötzlich mit einer Frauenleiche und allerhand zwielichtigen Gestalten rumplagen.

Die gesamte Handlung findet innerhalb weniger Tage statt und wird uns durch Harry höchstpersönlich erzählt, der dabei aber auch diverse Zeitsprünge und Rückblenden verwendet, denn er ist selbst, wie er sagt, ein ziemlich beschissener Erzähler. Das stört aber nicht sonderlich, denn ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ entfaltet von der ersten bis zur letzten Minute einen sympathsichen Charme. In 103 Minuten passiert eine ganze Menge Blödsinn, doch Robert Downey Jr. schafft es als dümmlicher wie auch gutherziger Loser, den Film zu tragen. Dabei ist die Handlung zwar hier wie da undurchsichtig, aber komplex oder gar schlau ist die Geschichte nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein.

Der Film läuft einen Spagat aus absurden Unterhaltungen und beknackten Entwicklungen und Verstrickungen, die ohne Leerlauf unterhalten. Es ist einfach die Art und Weise, wie konsequent bescheuert Harry ist. Ein Antiheld ohne große Perspektive, der durch sein großes Maul permanent weitere Probleme verursacht. Dabei geht er einem jedoch nicht auf den Zeiger wie beispielsweise ein Chris Tucker. Zeigleich bekommt Harry mit dem coolen Gay Perry eine Art Partner, der aber so richtig nichts mit ihm zu tun haben will. So erinnert ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ ab und an einen Buddy-Movie.

Es gibt in dieser Komödie jedoch auch ernste Stellen, zum Beispiel als Harry zum ersten Mal jemanden umbringen muss. Die heben jetzt nicht sonderlich die Bedeutung oder den Sinn des Gesehenen, aber so entstehen auch mal ein paar Verschnaufpausen. Die sind bei den Schlussfolgerungen, die die Handlung ein wenig undurchsichtig machen, aber auch bitter nötig. So wird vor allem die größte Stärke des Films deutlich: Alles ist gut gemacht. Das Drehbuch ist gut, die Witze sitzen meistens und die Schauspieler hatten Spaß an ihren Rollen. So ist das hier keine lustlose Komödie, sondern eine herrliche Persiflage auf die Krimi-Thriller der 90er. Das Ende passt meiner Meinung nach gut, fällt aber vielleicht ein wenig plötzlich aus. Womöglich hatte ich aber auch einfach keine Lust, mich schon so früh aus der ‚Kiss Kiss Bang Bang‘-Welt zu verabschieden. Vor allem wenn einer der letzten Sätze des Erzählers folgender ist:

Und keine Sorge. Ich hab den letzten Teil von Herr der Ringe gesehen. Ich lass den Film jetzt nicht 17 mal enden.

Wer also ohnehin sowas wie ‚Rush Hour‘ gut leiden kann und der sich ein modernes ‚Leathal Weapon‘ wünscht, ist hier goldrichtig. Und der Rest eigentlich auch, denn selten hat ein Film die Eier, solch ein Konzept wie hier so konsequent durchzuziehen und sich dabei selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Großen Respekt dafür.

Regie: Shane Black (Iron Man 3, Drehbuchautor: Leathal Weapon I+II+III+IV+V, Last Action Hero, Last Boy Scout)

Schauspieler: Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Dash Mihok

Bewertung: 

 

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Die fabelhafte Welt der Amélie (2001)

Gerne sagt man französischen Filmen nach, dass sie künstlerisch und sentimental sind. Und dabei einen gewissen Anspruch an den Intellekt des Zuschauers stellen. Das trifft durchaus auch auf ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ zu. Man erkennt, dass eben nur Frankreich so eine Art Film hinbekommen kann. Natürlich soll das nicht böse gemeint sein, aber der Stil ist unverkennbar und polarsiert dabei. Und das ist allemal besser als die übliche Hollywood-Verwurstungs-Maschine, die dermaßen massentaugliche Ware am laufenden Band produziert, dass man längst den Überblick über den ganzen Michael Bay-Blödsinn verloren hat. Nichtsdestotrotz sticht dieses Werk von Jean-Pierre Jeunet heraus und war auch nicht umsonst für 5 Oscars nominiert. Und das gerade mal mit einem Budget von 10 Millionen Dollar.

Im Grunde ist Amélie einzweistündiger  Liebesfilm. Die vereinsamte und melancholische, trotzdem jedoch ziemlich hübsche Amélie Poulain (Audrey Tautou) lernt dabei über Umwege bei ihren Weltverbesserungsversuchen den chaotischen Nino Quincampoix (Mathieu Kassovitz) kennen und lieben. Und das ist tatsächlich grob umspannt die gesamte Handlung. Aber ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ lebt eben gerade nicht von der Geschichte, sondern von den beteiligten Personen.

Praktisch jeder Protagonist wird charakterisiert und auf liebevolle Art und Weise in die Geschichte miteinbezogen. Jean-Pierre Jeunet nimmt sich ganz viel Zeit, um allerlei Nebensächlichkeiten auf fantasievolle Art und Weise darzustellen. So werden alle Leute quasi mit kurzen Steckbriefen eingeführt. Ob dabei erläuftert wird, dass Amélie das Gefühl ihrer Finger in den Sonnenblumenkernen vor ihrem Gemüsehändler mag oder ob ihr Vater es liebt, seinen Werkzeugkasten zu reinigen, jeder und jede ist einzigartig und wichtig. Dabei wirkt keine Information unnötig, egal wie nebensächlich sie doch eigentlich ist. Und so spannt sich ein komplexes Universum aus Persönlichkeiten auf, die alle etwas Besonderes sind. Dasss nicht jeder perfekt ist, sollte klar sein. Aber trotzdem vermag es der Film, einem den Eindruck zu vermitteln, dass man selbst auch nicht einfach nur ein Zahnrädchen in einer kalten Gesellschaft ist. So entfaltet sich eine gewisse Magie, der man sich nur schwer entziehen kann.

An einigen Stellen hat der Film durchaus Ähnlichkeiten mit einem Märchen. So werden in einer Szene die Gegenstände in Amélies Schlafzimmer lebendig und unterhalten sich miteinander. Das hat keinen Einfluss auf die Handlung und passiert auch nur ein einziges Mal, macht aber die Liebe zum Detail und die fantasievolle Zeichnung der Charaktere deutlich und wirkt nicht wie ein Fremdkörper. So bricht der Film mit den üblichen RomComs. Dabei dürfte auch gleichzeitig klar sein, dass Freunde von explodierenden Helikoptern und blutigen Auseinandersetzungen hier an der falschen Adresse sind. Trotzdem sollte man den Film gewähren lassen, denn wenn man sich einlässt, wird man merken, dass alle, Schauspieler wie auch der  Regisseur große Freude an den Rollen und Geschichten hatten.

Amélie ist dabei eine Weltverbesserin, die versucht, ihren Mitmenschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dabei vernachlässigt sie ihr eigenes Glück. Hier schlägt der Film gerne mal auch sehr melancholische und traurige Töne an, die einen sofort packen und an dem emotionalen Karussell teilnehmen lassen. Selten hat mich eine Romanze, gerade zum Ende hin, so mitgenommen. Hier wird nicht im Stile eines Til Schweigers eine kitschige wie auch banale Liebelei in ein süßliches und Diabetes verursachendes Happy End ertränkt. Das muss man schon mal hinbekommen. Denn auch wenn dies hier eine Komödie ist, gibt es genug Tiefe. Dabei wird nicht jedes Schicksal aufgeklärt, sodass letztendlich Amélie mehr in den Vordergrund rückt. Das muss man nicht unbedingt mögen, stören tut es jedoch auch nicht unbedingt.

‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ ist ein toller Film. Voller Fantasie und mit ganz viel Liebe gemacht. Vielleicht sollten sich die ganzen Schweighöfers und Schweigers hierzulande mal ein Beispiel daran nehmen und nicht die Standard-Schmonzetten-Kost immer wieder von neuem auflegen. Kitsch gehört eben nicht zwangsläufig in romantische Filme und chaotische Handlungen sind nicht nötig, wenn einen die Charaktere interessieren. Vielleicht ist es ja oft die Liebe zum Detail, die den französischen Film so viel populärer macht als den deutschen. Dass natürlich nicht alles aus Frankreich auch wieder gut ist, hat in den letzten Jahren Gérard Depardieu eindrucksvoll bewiesen (Diamant 13, 36, Babylon A.D.). Trotzdem, Amélie ist großartig und uneingeschränkt weiterzuemphelen.

Regie: Jean-Pierre Jeunet (Alien – Die Wiedergeburt, Mathilde, Die Stadt der verlorenen Kinder)

Schauspieler: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Jamel Debbouze

Bewertung: 

Rango (2011)

Es gibt ja durchaus viele gute Regisseure da draußen. Gore Verbinski würde vielleicht nicht jeder dazuzählen, doch der Kerl hat eine paar sehr ansehnliche Filme rausgehauen. Abgesehen von der eher debilen ‚Mäusejagd‘ hat er mit ‚Ring‘, ‚Mexican‘ und ‚The Weather Man‘ ein paar sehenswerte Streifen gedreht. Und natürlich hat Verbinski die toten Piraten vom Meeresgrund hochgeholt und in den ersten drei ‚Fluch der Karibik‘-Filmen reanimiert. Sogar einen Oscar hat der Kerl schon in der Tasche, undzwar für Rango!

Es war einmal ein Chamäleon (Johnny Depp). Das lebte friedlich in seinem Terrarium und spielte Theater. Bei einem Ausweichmanöver fällt das Behältnis samt Reptil aus dem Auto seines Besitzers irgendwohin mitten in die Prärie. Unser Held ist gestrandet. Für die Aktion war ein überfahrenes Gürteltier verwantwortlich, das sich ‚Roadkill‘ nennt und dem Chamäleon vom Geist des Westens erzählt und ihn in Richtung der nächsten Stadt schickt. Dort trifft er unter anderem auf Bohne (Isla Fisher), die ihm von der Wasserknappheit berichtet, die das Städtchen Dirt an den Rand des Untergangs treibt. Großmäulig wie das Reptil nun mal ist, gibt es sich als großer Revolverheld namens Rango aus und wird kurzerhand zum Sheriff.

Dank seinem Improvisationtalent gelingt es ihm, sich Respekt unter den Einwohnern zu verschaffen, die alle den unterschiedlichsten Spezies angehören. Hasen, Katzen, Schildkröten, Maulwürfe, allerhand Getier und sogar ein Rabe mit indianischen Wurzeln. Gerade das Charakterdesign ist herausragend. Jeder Protagonist hat Wiedererkennungswert und sieht ziemlich cool aus. Ganz zu schweigen von Rango selbst, der von Johnny Depp als kauziger Tolpatsch in einer Art Jack Sparrow im Wilden Westen gesprochen wird. Die restlichen vermenschlichten Tiere wirken dabei allesamt sehr merkwürdig und geben dem Ganzen dauerhaft einen abstrusen Unterton. Das zeichnet diesen Animationsfilm auch in besonderem Maße aus. Alles sieht dreckig und überzeichnet aus. So ist eine ziemlich dicke Kröte beispielsweise eine überschminkte Nutte mit riesigem Ausschnitt. Das kennt man so eben nicht unbedingt.

 Überhaupt ist Rango für einen Film seiner Art hin und wieder überraschend ernst. Es wird hier und da gemordet. Nicht viel natürlich, aber trotzdem sieht man eine Leiche. Das wäre in Toy Story oder in jedem Disney-Animationsfilm nicht vorstellbar. Und dann gelingt es dem Film tatsächlich ziemlich ernste Töne anzuschlagen. Gar nicht mal durch den Tod als Stilmittel, sondern viel mehr über die Verbindung zum Hauptprotagonisten, der einen Schicksalsschlag verkraften und zum Schluss sich selbst stellen muss. Nicht dass die Handlung allzu sinnvoll ist oder überraschende Wendungen annimmt. Das Ende ist ziemlich vorhersehbar. Aber das stört eigentlich überhaupt nicht. Einfach weil Rango und die anderen Tiere auf total verschrobene Art sehr menschlich sind. Und natürlich ziemlich gute Dialoge haben.

Die Message, die am Ende transportiert wird, ist recht erwachsen. Nebensächlich geht es um den Wilden Westen und wie man sich darin behauptet. Hauptsächlich wird jedoch thematisiert, wie man als einzelnes Subjekt in der großen Welt wahrgenommen wird. Also die Suche nach der eigenen Persönlichkeit. So hat Rango, bevor er anfängt, seine Rolle als Revolverheld zu spielen, nicht einmal einen Namen. Man merkt dann auch, wie er in einen Konflikt mit den anderen gerät, als herauskommt, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Genauso verliert er dann natürlich auch das Gefühl dafür, wer er selbst ist. Das ist in Bezug auf alle anderen Animationsfilme eine nicht kindgerechte Botschaft, die noch einmal unterstreicht, dass Rango sich wohl eher an ein erwachsenes Publikum richtet.

Genauso erlebt man auch ein wenig den Untergang der Revolverhelden. Ihre Zeit ist abgelaufen und der Fortschritt macht ihr Dasein obsolet. Insofern karikiert die Figur des Rango als Cowboy-Darsteller die Klischees und Vorstellungen, wie so ein harter Kerl zu sein hat. Das mag vielleicht zu weit führen, aber gerade zum Ende hin taucht aus der Weite der Wüste plötzlich ein Clint Eastwood-Verschnitt in einem Golfauto auf, welches hinten mehrere Emmys aufgeladen hat. 

Rango ist eine anmierte Western-Komödie mit einem namenlosen Chamäleon als Hauptdarsteller. Wer den ganzen Disney-Kram zu steril findet und überhaupt etwas mit Western und Antihelden anfangen kann, dürfte von Rango gut unterhalten werden. Zumal die Detailverliebtheit und einfach mal die ganzen Charaktere in dieser Form überragend sind. Das soll nicht heißen, dass der Film in seinen 107 Minuten Laufzeit nicht mal hier und da ein paar Längen hat. Das macht er aber mit seinem Style wieder wett. So begleitet uns ein mexikanisches Eulenquartett musikalisch und erzählerisch durch viele Szenen, was anfangs absurd wirkt, aber doch nur wieder zeigt, wie stilsicher der Film mit seinem Genre und dem ganzen Drumherum umgeht. 

Auch wenn die Konkurrenz um den Animationsoscar 2012 nicht unbedingt so hart war (Chico & Rita, Kung Fu Panda 2, Der gestiefelte Kater, A Cat in Paris) und mir persönlich Toy Story 3 noch ein Stückchem mehr gefällt, ist Rango ein außergewöhnlicher Film der den Oscar unbedingt verdient hat. Und so wie Tim Burton scheint auch Gore Verbinski Gefallen an Johnny Depp bekommen zu haben, denn mit ‚The Lone Ranger‘ kommt 2013 bereits ihre fünfte Zusammenarbeit auf die Leinwand. Das ist aber auch nicht verwunderlich, so ist Depp schließlich einer der besten Darsteller unserer Zeit, selbst wenn man er „nur“ mit seiner Stimme spielt.

 

Regie: Gore Verbinski (Fluch der Karibik I, II, III, The Weather Man, Ring, Mäusejagd, Mexican)

Schauspieler: Johnny Depp, Isla Fisher, Abigail Breslin, Ned Beatty, Alfred Molina, Bill Nighy, Timothy Olyphant

Bewertung: 

 

 

Juan of the Dead (2011)

Wenn ein Film bei imdb nicht einmal sein Poster aufgeführt hat, dann kann es sich wohl nicht um einen großen Hollywood-Streifen handeln. Und wahrlich, ‚Juan of the Dead‘ ist eine kleine spanisch-kubanische 3-Millionen-$-Produktion. Mit Zombies. Auf Kuba. Als Komödie. Wer sich allerdings an ‚Shaun of the Dead‚ erinnert, weiß, dass selbst mit geringen Mitteln ein lustiger und vor allen Dingen ziemlich guter Zombie-Film zustande kommen kann. Schließlich hat das britische Vorbild nur sage und schreibe 4 Millionen Pfund gekostet. Geradezu lachhaft im Vergleich zum letzten Resident Evil-Teil, der allerdings mit 65 Millionen $ an Kosten kaum an den großen Comic-Verwurstungen aus Hollywood der letzten Jahre kratzt. Doch genug mit den Zahlen. Auf nach Kuba!

Juan (Alexis Díaz de Villegas) führt zusammen mit seinem Freund Lazaro (Jorge Molina) ein beschauliches und geruhsames Leben auf der kommunistischen Karibik-Insel. Im Grunde saufen die beiden tagein tagaus oder beobachten die Nachbarsfrauen von ihrem Dach aus. Doch plötzlich tauchen vermehrt „Dissidenten“ auf, die scheinbar von den USA unterstützt werden und für Unruhe sorgen. Schon bald merkt das Grüppchen um Juan, dem auch seine Tochter angehört, dass die vermeintlichen Feinde keine politischen Ziele verfolgen, sondern vielmehr vom Hunger nach Fleisch angetrieben werden. Es sind also Zombies. Doch warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Und so beginnt Juan, mit den lebenden Untoten Geld zu verdienen. Mit der Firma ‚Juan of the Dead‘ wird er zu einer Art Anführer eines Säuberungstrupps. Natürlich laufen irgendwann die Dinge zunehmend aus dem Ruder und der Kampf ums Überleben beginnt.

‚Juan of the Dead‘ ist tatsächlich im Geiste ein ‚Shaun of the Dead‘ auf Kuba. Das geht sogar so weit, dass die Protagonisten auch hier erst eine Weile brauchen, um zu raffen, dass sie Zombies gegenüberstehen. Problematisch ist nur, dass der südamerikanische Humor anders ist als das, woran man als Westeuropäer gewöhnt ist. Und um nicht lange um den heißen Brei herumzureden, viele Witze sind ganz und gar plump. Wenn beispielsweise Lazaro, Juans bester Freund, sich neben ihn stellt, um sich auf eine Frau im gegenüberliegenden Gebäude einen herunterzuholen. Dabei ist dieser Kerl eine ziemliche Kopie der Figur, die Nick Frost in ‚Shaun of the Dead‘ spielt. Außerdem werden durch Lazaro im gesamten Film drei normale Menschen umgebracht, ohne dass auch nur irgendwer sich großartig darum kümmert. Natürlich ist dies eine schwarze Komödie, aber das große Lachen überkommt mich nicht, wenn ein Opa im Rollstuhl umgebracht wird, um sein Fortbewegungsmittel zu klauen, um damit den Rum leichter zu transportieren.

Schwarzer Humor ist natürlich so eine Sache. Man kann recht leicht den Bogen überspannen und an die Grenzen des guten Geschmacks stoßen, gerade in einem blutigen Horror-Film. Und so habe ich bei ‚Juan of the Dead‘ recht oft den Eindruck, dass viele Witze auch aufgrund kultureller Unterschiede einfach nicht gut rüberkommen. So schließen sich beispielsweise ein Transvestit und ein riesiger Muskelprotz der Gruppe an. Ersterer ist so über alle Maßen weiblich, dass es stellenweise unpassend wirkt. Letzterer kann kein Blut sehen und so kämpft er sich durch die  Zombiemassen mit Augenbinde. Das mag womöglich einmal lustig sein, nervt später aber, weil es mehrmals zur Sprache kommt. Besonders krass, weil in unseren Sphären kaum vorstellbar, ist eine Szene, in der die Gruppe fliehen will. Es stellt sich jedoch heraus, dass keiner das Autofahren beherrscht. Das muss man dann hinnehmen, aber es bleibt trotzdem der Eindruck, dass man ein Fremder ist.

Schließlich kommt man zur Erkenntnis, dass eigentlich keiner der Charaktere sonderlich sympathisch ist. Juan selbst ist als semi-obdachloser Lebemensch mehr oder weniger geeignet, die Gruppe zu leiten und das Geldverdienen mit dem Leid anderer erzeugt wenig Verständnis. Der Rest ist in erster Linie ziemlich dämlich. Die gestörte Beziehung zwischen Juan und seier Tochter wird zwar beleuchtet, kann aber über die Oberflächlichkeit in dem Ganzen nicht hinwegtäuschen.

Nichtsdestotrotz sehen die Zombies ganz nett aus und mit Blut wird hier und da nicht gespart. Dafür sind die Effekte, wenn beispielsweise ein Helikopter in das Kapitol von Havanna kracht, geradezu lächerlich. Aber was erwartet man auch von so einem kleinen Filmchen.

Ganz ehrlich, ‚Juan of the Dead‘ ist kein wirklich schlechter Film. Er funktioniert einfach nur teilweise nicht. Das liegt, wie bereits erwähnt, an kulturellen Unterschieden. Doch auch so ist der Plot reichlich blöd und die Witze teilweise arg niveaulos. Wer aber gerne Zombie-Filme schaut, wird die Erfahrung mit kubanischen Untoten nicht bereuen. Zumal es beinahe so etwas wie Systemkritik gibt und wo sonst hat man die Monster schon unter Palmen an paradiesischen Stränden gesehen? Zombie-Verschmäher sollten aber lieber nicht die Segel Richtung Kuba setzen.

 

Regie: Alejandro Brugués (Fabula, Personal Belongings)

Schauspieler: Alexis Díaz de Villegas, Jorge Molina, Andrea Duro

Bewertung: 

Hot Shots! – Die Mutter aller Filme (1991)

Es hat schon etwas Befremdliches, wenn man sich im Jahre 2012 Hot Shots! ansieht und auf dem Bildschirm plötzlich Charlie Sheen neben Jon Cryer auftaucht. Schließlich sollten die beiden viele Jahre später in siebeneinhalb Staffeln ‚Two and a Half Men“ die Gebrüder Harper verkörpern. Als ob das nicht reicht, erblickt man bei genauem Hinsehen weiter zum Ende hin Ryan Stiles, besser bekannt als Dr. Herb Melnick. Damit ist dieses Filmchen schon so etwas wie ein wenig Zeitgeschichte, auch weil alle möglichen und damals aktuellen Filme aufs Korn genommen werden, allen voran natürlich Top Gun.

Lieutnant Topper Harley (Charlie Sheen) wird wieder in die Navy einberufen, um an der geheimen Operation „Schläfriges Wiesel“ teilzunehmen. Dabei leidet der Kampfjetpilot unter dem Trauma, dass sein eigener Vater bei einem Einsatz in einem Düsenjäger ums Leben gekommen ist. Glücklicherweise hilft ihm die Psychologin Ramda Thompson (Valeria Golino), mit dem Schicksalschlag fertig zu werden. Auf den Rest seiner Kollegen kann er sich jedenfalls nicht verlassen, denn die sind in der Regel sehbehindert, dumm oder beides.

Die Handlung ist mehr oder weniger egal und soll einfach nur eine enorme Anzahl von Witzen irgendwie zusammenhalten. Hauptthema bildet hierbei Top Gun, schließlich spielt der Film zum großen Teil auf einem Flugzeugträger oder in der Luft. Es werden jedoch noch unzählige andere Filme auf die Schippe genommen, beispielsweise Der mit dem Wolf tanzt, Rocky, Superman, Der Pate, Full Metal Jacket und Vom Winde Verweht. Erkennt man, was da gerade persifliert wird, funktioniert das eigentlich ganz gut. Die Witze verlieren jedoch enorm, wenn man einen Film nicht kennt. So habe ich bis dato Top Gun nicht gesehen. Dafür kann Hot Shots! natürlich nichts, aber nichtsdestotrotz beeinflusst es die Menge an Spaß, die einem bereitet wird. Im Grunde ist alles kindertauglich und in diesem Sinne auch ziemlich flach. Manchmal besteht der Humor einer Szene einfach nur darin, dass jemand stolpert. Hier muss man dann für sich entscheiden, ob man mit dem Niveau leben kann.

Für mich persönlich ist Hot Shots! zeitgleich auch ein gutes Stück Kindheitserinnerung und so übersehe ich gerne aus nostalgischer Verklärung, dass mancher Dialog vollkommen albern und gut zwei Jahrzehnte später nicht mehr ganz so lustig ist, wie noch vielleicht in den 90ern. Außerdem erinnert man sich gerne daran, dass Charlie Sheen damals noch ein junger und durch die Bank weg sympathischer Comedian war. Die mit 84 Minuten Laufzeit recht kurze Komödie ist definitv ein netter Film für Zwischendurch, ohne Tiefgang, aber am Ende liebenswürdig. Wer also die Nackte Kanone mag und mit dem persiflierten Material einigermaßen vertraut ist, darf gerne mal reingucken. Schließlich werden solche Komödien nicht mehr wirklich gemacht und wenn, dann auf billige und abstoßende Art und Weise. Damit ist nicht Will Ferrell gemeint. Der wirkt nämlich neben Hot Shots! beinahe schon ernst und geradezu tiefgründig.

Der zweite Teil geht dann in die Rambo- und Kriegsfilm-Richtung und gefällt mir dadurch sogar besser, zumal man die gleiche Schauspielerriege vorfindet hat.

Regie: Jim Abrahams (Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Mafia! – Eine Nudel macht noch keine Spaghetti!, Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone)

Schauspieler: Charlie Sheen, Valeria Golino, Lloyd Bridges, Kevin Dunn, Jon Cryer

Bewertung: 

 

 

Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy (2004)

2010 hat Forbes Will Ferrell zum überbezahltesten Schauspieler Hollywoods gekürt. Zugegebenermaßen war das Auswahlverfahren dafür alles andere als besonders sinnvoll und der Kalifornier hatte zu dem Zeitpunkt gerade mit ‚Die fast vergessene Welt‘ einen Megaflop gelandet. Der Rest seiner Filme schlägt sich jedoch meistens relativ gut an den Kinokassen. So war ‚Anchorman‘ von 2004 mit einem Budget von 26 Millionen Dollar und Einnahmen in Höhe von 90 Millionen Dollar alles andere als ein Reinfall. Allerdings sagen solche Zahlen oft wenig über die Qualität eines Filmes aus. Das größte Problem an Will Ferrell-Komödien ist viel eher der Humor. Dieser ist ungemein polarisierend, abstrus und brachial. Und zugegebenermaßen recht dümlich. Von vornherein muss das aber nicht unbedingt schlecht sein.

In Anchorman spielt Will Ferrell den Nachrichtensprecher Ron Burgundy, der im San Diego der 70er eine angesehene und schillernde Persönlichkeit ist. An seiner Seite hat er die Kollegen und Mitstreiter Brian Fantana (Paul Rudd), Champ Kind (David Koechner) und Brick Tamland (Steve Carell). Den vier Männern passt es überhaupt nicht in den Kram, dass mit der Journalistin Veronica Corningstone (Christina Applegate) eine smarte wie auch gut aussehende Frau in die von Männern beherrschte Welt der Nachrichtensendungen tritt. Es entwickelt sich ein Kleinkrieg, der Ron Burgundy schnell ins Abseits befördert.

Es geht also im Grunde um den aufkeimenden Feminismus. Wer jetzt an ein zorniges Pamphlet gegen die Unterdrückung der Frau denkt, hat vermutlich noch nie einen Film mit Will Ferrell in der Hauptrolle gesehen. Das heißt soviel wie, dass es eine Szene gibt, in der er plötzlich eine Erektion bekommt und diese deutlich sichtbar und unabsichtlich eine Minute lang zur Schau trägt. Und dieser Humor wird auch den Rest des Films beibehalten. Es sind immer relativ platte und oft improvisierte Witze. Steve Carell spielt beispielsweise den Wetterfrosch, der im Grunde geistig zurückgeblieben ist. Oft kann er sich nicht richtig artikulieren und labert irgendeinen Schrott nach. Das völlig blöde Verhalten wird dann in der abgefahrensten Szene des Films so dermaßen auf die Spitze getrieben, dass ich mir eingestehen musste, dass mir ‚Anchorman‘ unglaublich viel Freude bereitet.

Die vier Männer geraten nämlich in einem Hinterhof an ein anderes Nachrichtenteam und die Situation eskaliert in eine gewalttätige Auseindersetzung, in der man sich auf Gastauftritte von Tim Robbins, Luke Wilson und Ben Stiller freuen kann. Das ist die meiner Meinung nach beste Szene des Films, denn nie erreicht der Humor sonst diese Überspitzung. Trotzdem musste ich oft mindestens schmunzeln. Auch schon ob der Gastauftritte von Jack Black, Seth Rogan und Denny Trejo. Oder weil Burgundy und sein Hund den gleichen Schlafanzug tragen. Oder weil er seinen Kummer in Milch ertränkt. Und so weiter. Es läuft eben auf die Frage hinaus, ob man mit dieser Art von Späßen etwas anfangen kann. Ist dem so, dann ist ‚Anchorman‘ der vermutlich beste Film mit Will Ferrell. Einfach weil quantitativ so viel passiert und die Art und Weise unheimlich erfrischend und einem Ron Burgundy sympathisch ist. Andererseits, wem das zu flach ist, wird sich die 94 Minuten lieber sparen. Dann ist der Film nämlich nicht viel mehr als eine Anhäufung von Witzen über Kot.

Mich persönlich hat ‚Die etwas anderen Cops‘ bereits positiv überrascht und in die gleiche Kerbe schlägt auch ‚Anchorman‘. Es ist eben seichter, aber nie verletzender Spaß. Man macht sich hier nicht über Britney Spears lustig wie beispielsweise ‚Meine Frau, die Spartaner und Ich‘ und bleibt eben auf diesem kindlichen Level, wie es einst auch Leslie Nielsen in ‚Die Nackte Kanone‘ gemacht hat. Ganz so gut ist die Geschichte um Ron Burgundy nicht, aber ich freue mich tatsächlich auf die Fortsetzung, bei der die ganze Saturday Night Live Crew wieder am Start ist.

Regie: Adam McKay (Die etwas anderen Cops, Stiefbrüder, Ricky Bobby)

Schauspieler: Will Ferrell, Christina Applegate, Paul Rudd, Steve Carrell, David Koechner, Fred Willard

Bewertung: 

Spaceballs (1987)

Heutzutage ist Klamauk ziemlich schlecht. Beilight – Biss zum Abendbrot, Disaster Movie, Fantastic Movie, Date Movie, Meine Frau, die Spartaner und Ich und die ganzen Scary Movies, alles im Grunde filmische Abführmittel (ja, Scary Movie 1 bis 4 sind nicht sooooooooo fürchterlich wie die davor, aber auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei) . Bei allen sind die Herren Jason Friedberg und Aaron Seltzer beteiligt, die diesen Müll praktisch am Fließband schreiben, drehen und / oder produzieren. Und alle diese Werke sind sehr billig und seelenlos und zielen mit dümmlichen popkulturellen Anspielungen auf ein minderjähriges Publikum ab. So gibt es zum Beispiel in Meine Frau, die Spartaner und Ich eine Szene, in der eine heulende Britney Spears ein Baby im Arm hält und sich dabei singend eine Glatze rasiert, woraufhin der Leonidas-Verschnitt sie in die Grube tritt. Das ist dann nicht nur dumm, sondern auch einfach fernab von allem, was lustig ist. Da wurden live beim Dreh die aktuellesten Klatsch-Spalten durchforstet und verfilmt. Nicht umsonst belegen einige dieser „Filme“ die hintersten Plätze in der internet movie database. Dass das auch anders geht, hat Leslie Nielsen zur Genüge mit der Nackten Kanone unter Beweis gestellt. Und ebenso Mel Brooks.

Die Spaceballs haben nicht mehr genug Luft zum Atmen auf ihrem Heimatplaneten. Deswegen beschließt ihr Präsident Skroob (Mel Brooks), Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) zu entführen und ihren Vater König Roland (Dick Van Patten) zu erpressen, um an die gesamte Luft vom Planeten Druidia zu gelangen. Seinem Schergen Lord Helmchen (Rick Moranis) gelingt die Entführung der Adeligen, die gerade vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem nicht ganz so munteren Prinz Valium flieht. Allerdings erscheint Lone Starr (Bill Pullman) zusammen mit seinem treuen Möterbegleiter Waldi (John Candy) und rettet Vespa. Nun müssen unsere Helden vor den bösen Spaceballs fliehen und sich dabei mit der Macht des Saftes auseinandersetzen.

Spaceballs persifliert vor allem die alten Star Wars-Filme, es finden sich aber auch beispielsweise Referenzen zu Alien (inklusive dem im Originalfilm spielenden John Hurt in seiner Originalrolle, dem ein Alien aus dem Magen herausbricht), Star Trek (Spocks Nackengriff), Planet der Affen und dem Zauberer von Oz. Die Fülle an Bezügen ist riesig und glücklicherweise hier zusammengetragen. Und die meisten Witze sind auch heute noch, fast 25 Jahre später, lustig. Das liegt vor allem daran, dass man nicht wie die anfangs erwähnten heutigen Klamauk-Versuche irgendwelche popkulturellen und geschmacklosen Scherze über (teilweise längst vergessene) Prominente reißt. Großartig ist, wenn die Bösen eine Spaceballs-Kassette einschieben, um den Guten auf die Schliche zu kommen und der Film damit aus seiner Dimension ausbricht und direkten Bezug auf den Zuschauer nimmt. Das passiert öfter. In einer Szene faselt Mel Brooks als Yoda-Verschnitt namens Yogurth über Merchandising oder gar über die (nie gedrehte) Fortsetzung „Spaceballs 2 – Auf der Suche nach noch mehr Geld“. Zuvor hat Lord Helmchen noch aus Versehen die Kamera angerempelt oder einen Tontechniker zersäbelt.

Zugegebenermaßen ist der Film nicht an jeder Stelle unbedingt gut gealtert und die Handlung ist gelinde gesagt völlig verquer. John Candys Maske als halb-Mensch-halb-Köter sieht aus als ob er gerade vom Fasching kommt und Lone Starrs Raumschiff ist ein Wohnmobil mit Pappflügeln. Der billige Look ist aber meiner Meinung  nach Absicht und die unzähligen Referenzen auf entsprechende ernste Filme machen einen ungeheuren Charme aus und sind zudem Beweis dafür, dass sich jemand Mühe gegeben hat. Wenn Lone Starr von „Pizza the Hutt“ erpresst wird oder doch tatsächlich Michael Winslow alias der Typ, der bei Police Academy die coolen Sounds mit seinem Mund macht, auftaucht, geht einem schonmal das Herz auf. Solche Szenen gibt es zuhauf und sie machen Spaceballs zu guter Unterhaltung, die es heutzutage einfach nicht mehr gibt, weil es billiger ist, schnell einen Witz über die großen Hupen von C-Prominentin XYZ zu machen. Allein der Fakt, dass der Held in Spaceballs ‚Lone Starr‘ heißt und damit eine Verballhornung der Nachnamen von ‚Han Solo‘ und ‚Luke Skywalker‘ darstellt, ist nicht unbedingt sofort ersichtlich und macht Spaceballs im Vergleich zu Meine Frau, die Spartaner und Ich zu einem Arthouse-Kinoerlebnis.

Rein von der Art des Films ist Spaceballs dem Schuh des Manitu gar nicht mal unähnlich. Wer sowieso nichts mit Star Wars und Konsorten anfangen kann und sich auf diesem Sachgebiet nicht auskennt, wird jedoch eher wenig Spaß hiermit haben. Es gehen dann nämlich einfach viel zu viele Witze nicht auf. Jüngere Generationen werden auch nicht unbedingt mit den Spaceballs warm werden, doch ich bin mit diesem Film aufgewachsen und er zählt für mich zum Besten, was Klamauk herzugeben hat. Und Mel Brooks muss man kennen und mögen, oder eben nicht. Seine Filme treffen definitiv nicht jedermanns Humor, sind jedoch ein Pflichterlebnis für jeden, der von heutigen Hollywood-Komödien nicht angesprochen wird.

Princess Vespa: [looking up at the night sky] Which one’s yours?
Lone Starr: Who knows?
Princess Vespa: You don’t know where you’re from?
Lone Starr: Not really. I was found on the doorstep of a monastery.
Princess Vespa: A monastery? Where?
Lone Starr: Somewhere in the Ford Galaxy.

 

Regie: Mel Brooks (The Producers, Frankenstein Junior, Die verrückte Geschichte der Welt, Das Leben stinkt)

Schauspieler: Mel Brooks, John Candy, Bill Pullman, Rick Moranis

Bewertung: 

 

Der Kaufhaus Cop (2009)

Herzlich willkommen zur jugendfreien Variante von Stirb Langsam! Natürlich ist in der Hauptrolle kein glatzköpfiger und schuhloser Bruce Willis, sondern sein dicker, von Hyperglykämie gepeinigter kleiner Bruder Kevin James (Brüder im Geiste, die sind nicht verwandt oder verschwägert, soweit ich weiß). Und noch nie habe ich mir in einer Komödie sehnlicher gewünscht, dass die Hauptfigur mal endlich so langsam stirbt. Dabei ist die Prämisse gar nicht mal so unbedingt schlecht.

…Alternativer Artikelanfang: Herzlich willkommen zum Segway-Werbefilm #1. Mit Ihrem Segway kommen sie nicht nur durch ihre Einkaufshalle in beeindruckendem Tempo, nein, Sie können damit auch böse Buben das Fürchten lehren. Hören Sie auf, Ihre verdammten Füße zu benutzen, kaufen Sie sich eines, nein lieber gleich zwei von diesen geilen Teilen zum Super-Sonderpreis von lediglich 8000 €  pro Stück. Und wenn Ihr Esel leider kein Gold kackt oder Sie sich nicht mal einen Esel leisten können, dann kriechen Sie doch mit dem dreckigen Pöbel auf dem Boden rum, Sie Arsch! Und nun, weiterhin viel Vergnügen mit der Filmrezension…

Paul Blart (Kevin James) ist ein übergewichtiger Vater einer pubertierenden Tochter, der von seiner Frau verlassen wurde. Zudem arbeitet er in einem Einkaufszentrum in New Jersey als Sicherheitsmann, verzeihung, Sicherheitsbeamter (Insider…). Er ist tollpatschig, schüchtern und eigentlich ein Trottel. Weil er die Aufnahmeprüfung zur Polizei nicht schafft, nimmt er seinen Job selber ziemlich ernst. Eines Tages überfällt eine Bande von Skateboardern und Akrobaten die Mall und will an die Kreditkartennummern von den Leuten, oder so. Inklusive Geiselnahme und Paul Blart als Einzelkämpfer gegen alle.

Frage #1: Wer um alles in der Welt überfällt ein beschissenes Einkaufszentrum? Auch wenn dann am Ende gesagt wird, dass da 30 Millionen Dollar zu holen sind, ist der gesamte Plan ziemlich bescheuert. Nicht minder beknackt sind auch die Gangster, die zwar mit Waffen rumlaufen, aber weder sonderlich bedrohlich noch intelligent wirken.

Frage #2: Warum muss Paul Blart nur so ein dummes Arschloch sein? Im Grunde ist er ein tollpatschiger Stalker, der genausogut auch Fahrkarten kontrollieren könnte.  Ganze 35 Minuten (von insgesamt 90 Minuten Laufzeit) nimmt sich der Film Zeit, uns diesen Vollidioten vorzustellen, bevor die Action losgeht. Und irgendwie soll das Mitgefühl erzeugen, mit dem eigentlich doch ganz netten Typen, der schon so viel Pech hatte. Ehrlicherweise war da nicht mehr drin als Fremdschämen. Er ist weder in seinem Job gut nocht verhält er sich sonderlich nett. Kevin James war als Doug Heffernan in King of Queens unheimlich sympathisch. Dort war er auch nur Paketlieferant, aber er nahm seinen Job nicht so furchtbar ernst. Hier haben wir aber Paul Blart, der einem Opa im Elektroroller einen Strafzettel geben will, weil der zu schnell im Kaufhaus rumgefahren ist.

Das meiste, was der Film an Komik zu bieten hat, sind Szenen, in denen Paul gegen Türen rennt und dabei wegkugelt. Voll der Slapstick. Und weil das einmal einfach noch nicht lustig genug ist, widerfährt ihm dieser Schwachsinn fünf bis sechs mal. Aus irgendeinem mir nicht erfindlichen Grund wird auch noch ein indischer Hacker-Kerl eingebaut, der ihm später im Film ein wenig hilft. Haha, ein Inder mit indischem Akzenten. Voll lustig. Am Ende gibt es noch total den krassen Twist, der einem aber ziemlich egal ist. Weil einfach alles total bemüht und auch nicht wirklich unterhaltsam ist. Und dann gibt es da noch diese lächerlichen Musikeinspieler. Die könnten auch völlig okay sein. Aber in der finalen Szene z. Bsp. werden gleich zwei Songs hintereinander unter das Geschehen gelegt, was dem Film einen völlig diletantischen Touch gibt. Vermutlich kann das einem auch egal sein, aber Paul Blart sowie der Rest aller Figuren war mir zu dem Zeitpunkt einfach schon so unglaublich auf den Sack gegangen.

Wenig verwunderlich ist, dass Adam Sandler den Dreck mitprodzuziert hat. Von Regisseur Steve Carr stammen außerdem solche Klassiker wie ‚Sind wir endlich fertig?‘, ‚Der Kindergarten Daddy‘ (eine von Eddie Murphys miesesten Rollen) und ‚Dr. Dolittle 2‘. Für Kinder könnte Der Kaufhaus Cop vielleicht und unter Umständen noch was taugen, der Rest macht bitte einen großen Bogen drum. Mit Hot Fuzz und Shaun of the Dead gibt es viel bessere Komödien (mit Nick Frost als lustigem dicken Typen) da draußen und über allen thront sowieso immer noch Leslie Nielsen in ‚Die Nackte Kanone‘. Obwohl ich Kevin James mag, ist eigentlich alles von ihm nach King of Queens nicht mehr gut. Schade. Na wenigstens konnte er ein paar Runden auf seinem Segway drehen. Fazit: Stirb langsam, Paul Blart. Langsam und qualvoll.

Regie: Steve Carr (Sind wir schon da?, Dr. Dolittle 2, Der Kindergarten Daddy)

Schauspieler: Kevin James, Jayma Mays

Bewertung: 

Dark Star (1974)

Die Dark Star ist ein Raumschiff, welches durch das Weltall tingelt, um instabile Planeten in die Luft zu jagen. Seit 20 Jahren ist die Crew nun schon unterwegs und dabei völlig heruntergekommen. Genauso wie ihr Gefährt, welches allmählich den Geist aufgibt, sich jedoch öfter mal mit einer eintönigen weiblichen Stimme meldet. So kann die Besatzung nicht mehr in ihren Schlafkojen nächtigen, weil der entsprechende Abschnitt zerstört ist. Toilettenpapier gibt es auch keines mehr. Die vier Männer gehen ihrem monotonen Tagesablauf nach und steuern hin und wieder irgendwelche Planeten und Sterne an. Die Sprengung erfolgt mit Hilfe von intelligenten Atombomben, die eine eigene Persönlichkeit besitzen. Kürzlich ist bei einem Defekt der Kapitän umgekommen, was die allgemeine Stimmung weiter verschlechtert.

Dark Star ist ein ziemlich alter Film von John Carpenter. 1974 mit lediglich 60 000$ Budget gedreht gilt er vielen als Klassiker des Sci-Fi-Genres. So ist das der erste Film, in dem das Wort ‚Alien‘ benutzt wird, was im Deutschen jedoch mit ‚Exot‘ übersetzt wurde. Besagter Außerirdischer ist eigentlich nur ein bemalter Gymnastikball mit zwei Händen dran. Auch die Außenaufnahmen sehen unheimlich billig aus. Da wirken die Einspieler von ‚Unter Traumschiff‘ aus der Bullyparade nicht unrealistischer. Die Raumanzüge sehen aus, wie umgebaute Styropor-Staubsauger. Doch gerade dieses Billige macht auch einen Teil des Charmes aus, zumal die vier Protagonisten allesamt bärtig und ungepflegt aussehen und so, wie eigentlich kaum sonst in Weltraumfilmen, nicht steril und rausgeputzt wirken.

Komik entsteht zum großen Teil durch die Unterhaltungen. So wird beispielsweise deutlich, dass einer der Männer gar kein ausgebildeter Astronaut ist, sondern eher zufällig über eine Verwechslung an Bord geraten ist. In erster Linie erlangte Dark Star Berühmtheit für die philosphische Grundlagendiskussion einer der Männer mit einer Atombombe. Auch das Ende ist, sofern man das sagen kann, ziemlich eigen und sehr stimmig.

Dark Star wird als Persiflage Carpenters auf ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ von Stanley Kubrick gesehen. Dabei erreicht er natürlich nicht die Tiefe und die große Anerkennung, die Kubrick erfuhr. Dafür ist Dark Star mit 83 Minuten Laufzeit zu kurz und zu beschränkt auf den kleinen Raum der Kapsel. Nichtsdestotrotz muss ich eingestehen, dass mich die Geschichte interessiert und auch berührt hat. Es sind im Grunde 4 arme Schweine, die in der großen Apparatur der Menschheit einen Drecksjob machen, dessen Ergebnisse sie nicht mehr erleben werden. So wird der in unserer Gesellschaft hochgeschätzte Beruf des Astronauten heruntergebrochen und seiner Illusion von Ruhm und Komfort beraubt. Das ist erschreckend und faszinierend zugleich. Denkt heute irgendwer in Zusammenhang mit der Mondlandung daran, wie Neil, Buzz und Michael ihr Geschäft verrichtet haben? Und nicht nur das: Die Besatzung der Dark Star hat sogar ein Alien entdeckt, doch das interessiert keinen. Die Entfernungen im Weltraum sind überwunden und weiteres intelligentes Leben gefunden, doch mit der Zeit verkommt selbst die größte Erfahrung zur Routine. Eigentlich ist das ziemlich deprimierend.

An Dark Star scheiden sich, wie bei vielen Filmen von John Carpenter, die Geister. Man findet im Internet viel Lob und auch Kritik. Es stellt sich wohl so dar, dass jemand, der den Film bereits in den 70ern kannte, deutlich mehr mit ihm verbindet, auch weil es damals, in den Jahren vor Star Wars, kaum bzw. wenig Science-Fiction gab. Die jüngeren Generationen kommen mit der Tricktechnik nicht zurecht. Die Bildqualität ist eigentlich auch eine Zumutung. Das ist aber alles zu verkraften. Wenn man sich ein wenig auf die Stimmung einlässt, kann man wohl auch heute noch was aus diesem Film mitnehmen. Mein Ersteindruck war auch ehrlich gesagt erst negativer. Doch in der Reflexion erscheint mir vieles sympathischer. In erster Linie auch durch das Wissen, mit welchen beschränkten finanziellen Mitteln Carpenter hier gearbeitet hat. Oder alleine der Fakt, dass er hierfür auch die Musik komponiert hat. Oder dass Dan O’Bannon, der eines der Besatzungsmitglieder spielt und mit am Drehbuch schrieb, 5 Jahre später am Drehbuch für ‚Alien‘ beteiligt war.

Dark Star ist kein allzu bekannter Film. Einfach weil 6 Jahre zuvor ‚2001‘ kam und ein paar Jahre danach ‚Star Wars‘ und ‚Alien‘. Doch trotz allem ist das eine kleine Filmperle, die fernab des Mainstream durchaus viele Fans vorweisen kann. Wen die Bild- und Effektqualität nicht verschreckt und wer auf Kriegsfuß mit Hollywoods monotonen Sci-Fi-Auswürfen steht (z. Bsp. Event Horizon), darf einen Blick riskieren. Man bedenke zudem, dass es sich lohnt, den Film ein bis zwei Tage sacken zu lassen, bevor man sich eine finale Meinung bildet. Definitiv ist Dark Star besser als John Carpenters Ghosts of Mars aus dem Jahre 2001. Und dazwischen liegen immerhin 27 Jahre und 18 Filme.

Regie: John Carpenter (Big Trouble in Little China, Halloween, Das Ding aus einer anderen Welt, Jagd auf einen Unsichtbaren)

Schauspieler: Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dre Pahich, Dan O’Bannon

Bewertung: 

RocknRolla (2008)

Ein krimineller Immobilien-Hai mit seinem Assistenen, ein reicher russischer Investor, eine geldgeile Buchhalterin und ihr schwuler Scheinehemann, eine Bande von drei Kleinkriminellen, der cracksüchtige Sohn des Immobilien-Hais, der früher Rockstar war, seine beiden ehemaligen Manager, zwei russische Söldner und ein Gemälde. Richtig, es handelt sich um einen Film von Guy Ritchie!

Archy (Mark Strong) ist der Assistent von Lenny (Tom Wilkinson), welcher die Immobilien Londons fest in seiner Hand hat. Aus Archys Sicht erleben wir, wie der reiche Russe Uri (Karel Roden) über Lenny in der britischen Hauptstadt bauen will. Uris Buchhalterin Stella (Thandie Newton) soll dafür Geld am Fiskus vorbei in Lennys Taschen schmuggeln. Diese möchte jedoch auch was vom Kuchen abhaben, weswegen sie die Kleinganoven One Two (Gerard Butler) und Mumbles (Irdis Elba) beauftragt, das Geld zu entwenden. Währenddessen steht One Twos bester Kumpel Bob (Tom Hardy) kurz vor seinem fünfjährigen Haftantritt. Außerdem hat Uri sein Lieblingsgemälde Lenny zur Aufbewährung gegeben, da es dem bevorstehenden Deal Glück bringen soll. Dieses wird jedoch von Lennys Stiefsohn Johnny Quid (Toby Kebbell) entwendet. Johnny ist ehemals Rockstar gewesen und hat, um seiner Cracksucht nachzugehen, seinen eigenen Tod vorgetäuscht. So beauftragt Archy, die beiden ehemaligen Manager von Johnny, Roman (Jeremy Piven) und Mickey (Ludacris), diesen mitsamt dem Gemälde zu finden.

Puh, erstmal durchatmen. Wie bei fast allen Filmen von Guy Ritchie (mit Ausnahme der Sherlock Holmes-Verfilmungen) hat er auch das Drehbuch geschrieben, welches reichlich komplex ausfällt. Das liegt vor allem an der großen Anzahl der Protagonisten, die teilweise in lose aneinandergereihten Szenen miteinander interagieren. Und genau wie bei Snatch, Bube Dame König grAs und Revolver spielt sich die Geschichte in der Londoner Unterwelt ab. Dabei gibt es keinen richtigen Hauptcharakter. Wir hören zwar Archy als Erzähler, ein Übergewicht an Screen-Time hat er jedoch nicht. Beeindruckend ist die Verflechtung aller Personen miteinander, die im Grunde logisch ist, jedoch auch ein Maß an Konzentration abverlangt. Ein flüchtiges Nebenherschauen, während man gerade eine SMS schreibt oder Facebook checkt, ist nicht ratsam und wird im fortgeschrittenen Verlauf zu reichlich Orientierungslosigkeit führen. Auch weil man sich nicht nur an Gerard Butler orientieren kann, um alles zu verstehen. So begegnet dieser zum Beispiel niemals dem russischen Investor Uri, beklaut ihn jedoch und beide verbringen relativ viel Zeit mit Stella.

Wer am Ball bleibt, erlebt ein ziemlich stimulierendes Filmerlebnis mit bösen Buben, die so cool wie skurril sind. Der RocknRolla selbst ist ein Junkie, der ständig monologisierend über das Leben schwadroniert. Hierin liegt meiner Meinung nach der Punkt, warum der Film nicht so gut wie Ritchies Vorgängerfilme aufgenommen wurde. Johnny Quid erschien mir als lustiger und zum Ende hin auch überraschender Charakter, der einem aber auch durchaus auf die Nerven gehen kann. Das muss man dann für sich selbst entscheiden.

Überhaupt ist die Riege an Schauspielern überragend. Ich mag Mark Strong, weil er mit seiner Art den stereotypen aalglatten Gangster verkörpert. Tom Wilkinson ist der perfekte böse alte Mann. Und Gerard Butler ist halt eben Gerard Butler – ein einfacher Typ, ob hier oder in 300. Natürlich ist RocknRolla kein Film, der besondere schauspielerische Leistung erfordert. Es ist vielmehr das englische Gangster-Flair, das alles beisammen hält und die auf Guy Ritchie-Art zusammengeschnittene Handlung, in der unversehens eingestreute Rückblenden gerne mal Komik erzeugen.

So ist RocknRolla einer meiner Lieblingsfilme. Einfach nur, weil ich vom Anfang bis zum Ende Spaß habe. Vor allem wegen der Atmosphäre und den ganzen Leuten, die trotz ihrer großen Zahl nie wirklich den Rahmen des Verstehens sprengen und weil durch die vielen Szenenwechsel ein hohes Tempo gegangen wird. Es gibt keinen Leerlauf, obwohl Action rar gesät ist und es viele Dialoge gibt. Das Ende knüpft viele lose Fäden dann nochmal zusammen und lässt ein anfangs irgendwie unwichtiges Plotdetail plötzlich zum zentralen Element aller Personen werden. Dann stellt sich das befriedigende Gefühl ein, für die Aufmerksamkeit, die man dem Film entgegengebracht hat, belohnt worden zu sein. Doch dafür muss man eben zwei Stunden seiner Zeit opfern und sich von jeglicher Ablenkung loslösen. So versteht sich eben auch, dass jemand, der eher desinteressiert an diesen Streifen geht, am Ende völlig überfordert oder orientierungslos im Wald voll von Nebenhandlungen steht. Wer also sowieso gerne Filme schaut oder Guy Ritchie mag, dürfte eine gute Zeit haben, auch wenn Snatch mehr Absurditäten und mehr Humor bietet.

RocknRolla ist übrigens als Trilogie angelegt und laut Guy Ritchie gibt es wohl bereits ein Skript für Teil 2. Hoffen wir alle das Beste. Zumindest wären Fortsetzungen hiervon allemal besser als der nächste Teil einer gewissen Vampirsaga…

Regie: Guy Ritchie (Snatch, Bube Dame König grAs, Revolver, Sherlock Holmes I + II)

Schauspieler: Gerard Butler, Mark Strong, Tom Wilkinson, Thandie Newton, Idris Elba, Tom Hardy, Ludacris, Karel Roden

Bewertung: 

Men in Black 3 (2012)

Im dritten Teil der Saga um die sonnenbebrillten Anzugträger wird es ein wenig abstruser: Der Gefängnisinsasse Boris bricht aus seiner Isolationshaft (mit Hilfe von Nicole Scherzinger) aus und will Rache an Agent K (Tommy Lee Jones) nehmen, der vor 40 Jahren Boris den Arm abschoss und ihn festnahm. Dazu reist er in die Vergangenheit und bringt den jungen Agent K (Josh Brolin) um. Nun ist es an J (Will Smith), Boris durch die Zeit zu folgen und alles wieder ins Lot zu bringen, bevor eine Alieninvasion die Menschheit vernichtet. Außerdem gibts den Spaß in der dritten Dimension!

Men in Black 3 ist mit 103 Minuten Laufzeit nicht viel länger als seine beiden Vorgänger und damit erfreulich kurz. So gibt es in der Handlung keine Längen und man hangelt sich relativ schnell von Ort zu Ort. Dabei ist das Konzept aller drei Filme ziemlich ähnlich: J und K verfolgen einen Alien-Oberbösewicht und folgen manchmal nicht wirklich sinnvollen Indizien. Neu ist halt eben nur, dass K die meiste Zeit jünger als sonst ist. Zudem gibt es hier und da Anspielungen auf Außerirdische, die sich mehr oder weniger erfolgreich in unsere Gesellschaft integriert haben, zum Beispiel Lady Gaga. So richtig sinnvoll ist die ganze Geschichte ohnehin meiner Meinung nach nicht, aber das steht auch nicht im Vordergrund.

Die Filme leben von der Coolness, die die Agenten dem Umgang mit oft gefährlichen Situationen und Wesen entgegenbringen und von Js großer Klappe. Und davon gibt es auch hier wieder mehr als genug. Erwähnt sei eine Szene, in der J gegen einen autogroßen Fisch kämpft und mit größter Ruhe, bevor ihm das Vieh den Unterkörper abbeißt, ein Metall-Tablet aus einem Restaurant zwischen die Zähne steckt, während er selbst doch noch halb in dem Fisch drin ist. Lobenswert finde ich zudem, dass bis auf einen Kurzeinsatz die Wurmlinge sowie der Mops Frank keine Rolle spielen. So verzichtet man auf die repititive Komik der Aliens, die schon zur Genüge in den beiden Vorgängern auftauchten. Der Jar Jar Binks-Effekt bleibt aus.

Die Effekte und die Action gehen absolut in Ordnung, wobei das Design der Außerirdischen im Grunde schon immer sehr gut und kreativ war. Lediglich Boris ist kein wirklich mächtiger Bösewicht, denn außer Stacheln zu verschießen kann er nichts. Das ist der größte Schwachpunkt des Films. Mit ein wenig mehr Screen-Time hätte er vielleicht bedrohlicher gewirkt, so ist er jedoch einfach nur ein grantiger Motorradfahrer mit Sonnenbrille. Die Schabe aus dem ersten Men in Black beispielsweise war einfach nur durch den Ekelfaktor und ihre Größe abstoßend. Boris hat das alles nicht zu bieten.

Schade finde ich auch, dass nicht mehr mit der Zeitreise als Element der Absurdität gearbeitet wurde. Es gibt nur eine Szene im Film, in der das verbaut ist. Jedoch muss ich eingestehen, dass mit mehr Zeitreisen der Film auch enorm an Leichtigkeit verloren und zu viel Balast aufgenommen hätte. Nichtsdestotrotz wird die Beziehung zwischen J und K im Film vertieft und erklärt, was einem die beiden Vorgängerfilme auch noch einmal schmackhaft macht. Josh Brolin als junger Tommy Lee Jones ist wirklich gut und überzeugend und Will Smith tut eben das, was er am besten kann: dummschwätzen.

Ein Kritikpunkt ist das völlig sinnlose 3D-Feature, das außer einem erhöhten Ticketpreis keine nennenswerten Auswirkungen hat.  Es gibt wirklich nur eine Szene im Film, in der es ganz nett wirkt und ansonsten bleibt die dritte Dimension ungemein nutzlos. Das ist dann schon irgendwie Abzocke und man muss selbst entscheiden, ob einem die Men in Black um die 12 € wert sind. Wenn nicht, kann man ja immer noch einfach auf die DVD warten.

Am Ende muss ich zugeben, dass ich wirklich gut unterhalten wurde und mir die Geschichten um J und K auch noch 15 Jahre nach dem ersten Teil viel Spaß bereiten. Wer die Vorgänger mochte, wird mit Teil 3 nicht unglücklich. Die MiB sind eben sommerliches Popcorn-Kino für Jung und Alt.

Regie: Barry Sonnenfeld (Men in Black I + II, Wild Wild West, Die Addams Family, Schnappt Shorty)

Schauspieler: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Emma Thompson

Bewertung: 

Iron Sky (2012)

Während Günter Grass wohl nie wieder nach Isreal reisen darf und sich die Aufregung um sein Gedicht auch irgendwie wieder total gelegt hat, scheint es keinen zu jucken, dass da gerade ein Film über Nazis auf dem Mond in den Kinos läuft. Diese bösen Nationalsozialisten, die immer noch hasspredigen und im Jahre 2018 wieder die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Oder soll es etwas möglich sein, dass man nicht alles ernst und persönlich nimmt und den Menschen die allgemeine Meinungs- und Pressefreiheit lässt? Oder ist Iron Sky etwa die Darstellung von Space-Nazis erlaubt, weil es eine internationnale Produktion (Finnland, Deutschland, Australien) ist? Und hat der englische Begriff ‚irony‘ irgendetwas mit dem englischen Wort für Eisen (‚iron‘) zu tun? Fragen über Fragen!

Um es einfach mal vorweg zu nehmen: irony und iron stehen nach meinen Recherchen in keiner Verbindung zueinander. Währen nämlich die Ironie auf den griechischen Komödien-Charakter Eiron zurückgeht, entstammt das Eisen dem etruskischen Begriff ‚aiser‘ für ‚die Götter‘, weil das erste gewonnene Metall den göttlichen, weil vom Himmel stammenden, Meteoriten entstammte. Warum erzähle ich das alles? Weil Iron Sky ein sehr ironischer Film ist, indem unglaublich viel Eisen im Weltraum und auf dem Mond in die Luft gejagt wird.

Wir erfahren, dass die Nazis während des zweiten Weltkriegs eine geheime Basis auf der dunklen Seite des Mondes errichtet haben und sich dort versteckt halten, um sich auf die Rückeroberung der Erde vorzubereiten. Das erinnert den einen oder anderen womöglich an Transformers 3, nur halt eben mit Space-Faschisten anstelle von Space-Robotern. Im Jahr 2018 schickt die amerikanische Präsidentin, die Sarah Palin sehr ähnlich sieht, aus PR-Gründen ein paar Astronauten auf den Mond, darunter das schwarze Model James Washington (Christopher Kirby). Diese stoßen auf die Nazi-Basis mit ihrem Neu-Führer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier). Washington wird anschließend albinisiert (bzw. stark gepudert) und zusammen mit dem SS-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) und der naiven Lehrerin Renate Richter (Julia Dietze) auf die Erde geschickt, um Mobilgeräte für die Fertigstellung des Nazi-Eroberungs-Raumschiffs, der Götterdämmerung, zu besorgen.

Man merkt, allzuviel Sinn ergibt das alles nicht. Aber darum geht es auch nicht. Wir verfolgen also, wie die Mond-Nazis in unsere Gesellschaft kommen und dabei überraschend gut akzeptiert werden. Das liegt vor allem an der unglaublich skrupellosen PR-Frau Vivian Wagner, die Klaus und Renate für eine Werbekampagnge der Präsidentin einspannt. So wird der heutige Wahlkampf auf eine Stufe mit der Propaganda im Dritten Reich gestellt. Das ist einer der starken Momente des Films, denn hier erhält das ganze Spektakel einen bitterbösen Beigeschmack und karikiert auf eine humoristische Art aktuelle Missstände. Herauszuheben ist des Ende von Iron Sky, welches überraschenderweise einen ernsteren Ton anschlägt, den Film meiner Meinung nach aufwertet und ihm eine durchaus clevere Message mitgibt.

Problematisch ist der gut einstündige Mittelteil des 90-Minüters, welcher auf der Erde spielt und irgendwo zwischen Langeweile und seichtem Klamauk schwebt. Denn allzuviel wird mit den Nazis auf unserem Heimatplaneten nicht gemacht und so wird es relativ seicht, zumal man hier optisch nicht auftrumpfen kann. Denn trotz seines geringen Budgets sieht Iron Sky, vor allem in den Mond- und Weltraumszenen, fantastisch aus. Das gräulich angehauchte Flair der Nazis ist passend und macht besonders am Anfang Spaß. Die Weltraumschlachten am Ende sehen auch gut aus und fühlen sich nicht wie Low-Budget an. Gerade zum Schluss nimmt der Film dann noch einmal Fahrt auf und wird wieder interessanter. Eine offensichtliche Hommage an Star Trek finde ich äußerst gelungen und bei Weitem cooler als alle Witze bei Bullys Traumschiff Surprise.

So ist Iron Skys größtes Problem die Handlung. Natürlich steht diese bei so einem Film nicht im Vordergrund, aber so viele Witze gibt es in der Mitte nicht, die einen unterhalten und so entsteht ein gewisser Leerlauf. Außerdem wirken die Protagonisten eher orientierungslos und man weiß selbst nicht, wo das Ganze hin will. Nichtsdestotrotz überraschte mich der Film und unterhielt über die meiste Zeit ganz gut. Götz Otto spielt den jungen aufstrebenden SS-General authentisch und mit einer erschreckenden Souveränität, während Julia Dietze mit ihrer naiven und irgendwie profillosen Rolle ziemlich abfällt und eher den Eindruck eines Dummchens hinterlässt. Washington ist nicht viel mehr als ein Klischee, sodass die Guten weniger interessant sind als die Bösen.

Am Ende bleibt ein netter Film mit coolen Effekten aber ohne erinnerungswürdige Charaktere und mit Längen. Die Botschaft am Ende ist klar und deutlich und macht Iron Sky eindeutig besser als ein Traumschiff Surprise. Womöglich hätte ein Hans Landa, verkörpert vom Oscar-prämierten Christoph Waltz in Inglorious Basterds, Wunder bewirkt und hieraus einen B-Movie-Klassiker gemacht. Wer überhaupt auch nur ein wenig mit Science-Fiction anfangen kann, sollte jedoch gut unterhalten werden.

Regie: Timo Vuorensola (Star Wreck: In the Pirkinning, Norjalainen huora)

Schauspieler: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier, Christopher Kirby

Bewertung: 

Johnny English – Jetzt erst Recht (2011)


Es ist wie immer das gleiche Spiel. Ich sehe einen Trailer und freue mich tierisch auf einen Film. So war es schon mit allen möglichen Streifen, die am Ende dann mehr oder weniger scheiße waren oder sind. Von World Invasion: Battle Los Angeles über G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra, Kampf der Titanen bis hin zu Apollo 18. Die Liste ist endlos forsetzbar (Outlander, Sucker Punch, Fluch der Karibik 4, Wolverine, Legion, Transporter 2 + 3, alle Transformers). Inzwischen herrscht ein problematisches Verhältnis zu Trailern, die Angst vor einer weiteren Verarsche überwiegt. Das Vertrauen zerstört, die Hoffnung nicht mehr vorhanden. Wie tragisch… doch dann kam vor gut einem Jahr der Trailer zu Johnny English – Jetzt erst Recht daher und da war sie, die Hoffnung auf einen total lustigen und geilen Film mit Mister Bean a.k.a. Rowan Atkinson! Jaja, Eye of the Tiger im Trailer ist eigentlich kein gutes Zeichen, aber was hab ich früher Mister Bean gesuchtet. In den 90ern. Als das Leben noch einfach und die Trailer ehrlich waren.

Und Johnny English 2 beginnt eigentlich ganz in Ordnung. Der ehemalige Geheimagent des MI-7 (Rowan Atkinson) ist nach einem missglückten Einsatz ins Exil gegangen, doch eine geheime Geheimgesellschaft plant einen geheimen Anschlag auf den (geheimen?) britischen Premierminister und den (noch geheimeren?) chinesischen Regierungschef und so reaktiviert man Mister English. Jedoch gibt es einen Maulwurf in den Reihen des britischen Geheimdienstes und so muss English mit seinem Gehilfen Agent Tucker (Daniel Kaluuya) die Welt retten. Zur Mitte hin verliert der Film jedoch zusehends an Ideen und Feinschliff und so klamaukt es irgendwie vor sich hin.

Im Trailer sieht man, wie Johnny auf einem hochmotorisierten Rollstuhl vor allerlei Gegnern flieht, doch eine spannende Verfolgungsjagd mit solch einem merkwürdigen Gefährt wird nicht großartig verwendet. Alles, was man dazu bereits aus dem Trailer kennt, sieht man auch im Film. Das ist schade und gerade mit so etwas hätte man den üblichen Agenten-Film ganz gut parodieren können. Zu Beginn hatte English sogar noch einen netten Charme: Als ein Fiesling in bester Parcours-Manier vor ihm flieht und er relaxt hinter ihm herschlendert, dachte ich bereits, man schafft es, einen sympathischen und nicht allzu beschämenden Film hinzubekommen. Leider wird es von da an immer schlechter. Ich versuchte, Rowan Atkinson immer noch eine Chance einzuräumen, doch auch sein Credit ist irgendwann verspielt und so ist Johnny English gerade am Ende so vollkommen belanglos und unlustig, dass es einfach nur schade ist. Wenn er zum Beispiel im Tiefflug einen Helikopter zu einem Krankenhaus fliegt und sich in den Autoverkehr einreiht, dann mag das vielleicht noch für Kinder einigermaßen lustig sein, aber mir war das dann einfach zu blöd. Und das tut mir leid, weil ich immer noch ein großer Fan von Mister Bean bin und Johnny English im Vergleich dazu einfach nur ein profilloser Schatten einer so glorreichen Vergangenheit ist. An den ersten Teil erinnere ich mich nicht mehr ganz genau, doch ich denke, dass der zweite ein wenig besser ist. Aber nicht viel. Ein Fan von Austin Powers bin ich nicht, doch der ist auf jeden Fall besser. Wenigstens schafft es Johnny English, nicht ganz so dermaßen blöd zu sein wie ein Knight and Day. Eine große Leistung ist das jedoch nicht.

Regie: Oliver Parker (Othello, Ein perfekter Ehemann, Das Bildnis des Dorian Gray)

Schauspieler: Rowan Atkinson, Rosamund Pike, Daniel Kaluuya)

Bewertung: 

 

Aushilfsgangster (2011)

Aushilfsgangster ist einer dieser Filme, wo man sich fragt, warum der Originaltitel eingedeutscht wurde. ‚Tower Heist‘ klingt ja nun nicht so unbedingt schlecht und man kann dem deutschen Kinogänger doch eigentlich zutrauen, das zu verstehen. Bei Inception hat es doch auch geklappt bzw. klänge „Anfang“ auch nicht so wirklich beeindruckend. Dass das Eingedeutsche von fremdländischen Filmen gerne mal in die Hose geht, beweisen zahlreiche Filme vor Aushilfsgangster, allen voran der Fluch der Karibik. Im Original „Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl“ für den ersten Teil, wurde die Namensgebung für Teil 2 schon ziemlich abstrus. Wo im Englischen noch „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“ zu lesen war, schauten wir in Deutschland „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“, um dann im dritten Teil wieder auf die Zahl und ‚Fluch der Karibik‘ zu verzichten: „Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt“ (Original: Pirates of the Caribbean: At World’s End). Zum ersten mal Kontinuität haben wir jetzt, da der vierte Part „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ heißt. Warum erzähle (äh schreibe) ich das ganze? Ach ja, Tower Heist. Oder Aushilfsgangster? Warum benennt man sowas um? Ganz einfach, nämlich dann, wenn der Film selbst nicht genug Charakter hat, um mit Originaltitel hierzulande zu bestehen.

In Aushilfsgangster steht Josh Kovacs (Ben Stiller) im Vordergrund, der selber aus ärmlichen Verhältnissen kommt, dabei jedoch Manager der teuersten Immobilie der Welt ist. Das klingt ehrlich gesagt nicht so wirklich logisch, aber man kann damit leben. Der Tower ist ein Wolkenkratzer im Herzen von New York, in dem reiche Leute leben. Ganz oben wohnt der stinkreiche Finanzjongleur Arthur Shaw (Alan Alda). Dieser verwaltet auch den Pensions-Fonds aller Mitarbeiter des Towers. Leider veruntreut er das gesamte Geld und die ganzen Leute stehen ohne Absicherung oder Ersparnisse dar. Das macht Josh wütend und so fasst er den Entschluss, zusammen mit Charlie (Casey Affleck), Mr. Fitzhugh (Matthew Broderick) und dem abgehalfterten Kleinkriminellen Slide (Eddie Murphy) den vor Gericht immunen Shaw zu beklauen. So entwickelt sich der Film zu einem Heist-Movie im Stile eines Ocean’s Eleven, nur eben mit einer Bande von Vollpfosten anstatt cooler Ganoven wie George Clooney und Brad Pitt.

Interessanterweise fand ich die ersten zwanzig Minuten sehr unterhaltsam. Da geht es noch nicht um irgendeinen Raubüberfall, sondern vielmehr um das Leben der kleinen Menschen im Schatten der stinkreichen Bewohner des Towers. Wir sehen, wie Ben Stiller Leuten die Türen aufhält und sein Leben der Befriedigung fremder Bedürfnisse widmet. Und hier dachte ich noch, dass womöglich eine sozialkritische Komponente den Film umgibt, ein humoristischer Kommentar auf die gesamte Occupy Wall Street-Bewegung. Doch diese Hoffnung verflüchtigt sich schnell, denn dann greifen die typischen Elemente von Raubüberfall-Filmen. Erst wird die Mannschaft gesammelt, dann wird geplant, dann wird durchgeführt und natürlich läuft nicht alles nach Plan.

So verspielt Aushilfsgangster jegliche Tiefgründigkeit, die man ihm anfangs noch versuchte, zu unterstellen. Problematisch ist dann, dass der Raubüberfall einfach vollkommen blöd ist. Es gibt keine coolen Abläufe, die ein Ocean’s Eleven bietet oder harte Schießereien wie bei Heat. Die Beteiligten wissen einfach nicht so recht, was sie da machen und so scheint das ganze Handeln nach völlig zufälligen Mustern abzulaufen, die keinen Sinn ergeben. Hier sticht eben das unheimlich schwache Drehbuch hervor, das keinen einzigen Protagonisten sympathisch erscheinen lässt. Besonders Slide, verkörpert von Eddie Murphy, ist völlig unlogisch und ein peinlich-klischeebehafteter Typ. Das liegt nicht etwa daran, dass Eddie Murphy ihn schlecht spielt. Es sind eher die ganzen Dialoge und Interaktionen, die einfach nur dumm sind.

Am Ende versucht dann Aushilfsgangster, einen cleveren Twist anzubringen, den man ihm jedoch einfach nicht mehr abkauft. Außerdem wird es unlogisch. Ich würde jetzt den Film spoilen, wenn ich allzu viel davon reden würde, aber soviel sei gesagt: Niemand notiert seine illegalen Geschäfte haargenau in einem Notizbuch, um dieses Büchlein dann bei sich zu Hause rumliegen zu lassen. Außer ganz blöde Menschen vielleicht. Und blöde Filme eben. Und so hinterlässt Tower Heist einen schlechten Nachgeschmack bei mir. Das ist schade. Ich mag nämlich Ben Still und Matthew Broderick, und auch Eddie Murphy, obwohl der eigentlich schon alle seine Kredits verspielt hat (Kindergarten Daddy, I Spy, Dr. Dolittle, Norbit, Die Geistervilla sind allesamt natürliche Abführmittel fürs Auge). Doch die lustigsten Leute können einen Film nicht retten, der nicht wirklich viel Sinn ergbit und am Ende seiner 104 Mintuten Laufzeit eher seelenlos bleibt. Aushilfsgangster ist genau wie sein Drehbuch: sehr, sehr schwach. Bessere Bankräuberfilme gibt es unzählige, bessere Komödien auch. Lustige Heist-Filme existieren mit der Ocean’s-Trilogie sowie den älteren Guy Ritchie-Streifen auch. Damit steht Tower Heist auf verlorenem Posten. Niemand wird sich daran noch in 10 Jahren erinnern.

Regie: Brett Ratner (Rush Hour I, II, III, Money Talks, X-Men 3, Roter Drache)

Schauspieler: Ben Stiller, Casey Affleck, Matthew Broderick, Eddie Murphy

Bewertung: