The Purge (2013)

Die Prämisse von The Purge ist reichlich obskur. Wir schreiben das Jahr 2022. An einem Tag im Jahr darf jeder Amerikaner massiv die Sau rauslassen und morden, vergewaltigen und rumballern wie er oder sie gerade will. Ohne Bestrafung. Das senkt die Verbrechensrate und gibt den Leuten die Chance, das Tier in ihnen rauszulassen. Im Grunde also wie Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und mit mehr Mord und Totschlag als bei den üblichen Familientreffen. Man merkt bereits an der Idee, dass es sich hier um einen Indie-Film handeln muss. Das ist natürlich nicht verwerflich. Es ist jedoch auch nicht so, dass einen dieses Konzept von den Socken reißt.

The Purge

Am Abend der Purge-Nacht kommt Familienvater James Sandin (Ethan Hawke) nach Hause. Er hat ein Vermögen mit eigens für dieses Ereignis konstruierten Sicherheitsanlagen verdient. Seine Frau Mary (Lena Headey), die vermutlich dem einen oder anderen Gläschen Wein tagsüber nicht abgeneigt ist, der nerdige Psychopathen-Sohn Charlie sowie die frühreife Teenie-Tochter Zoey sind also wohlbehalten und in Sicherheit. Man will sich einfach für die Säuberungsnacht daheim einschließen und gemütlich den Terror aussitzen. Natürlich, wer hätte damit rechnen können, läuft nicht alles so wie geplant. Einerseits schleicht sich der Freund der Tochter ins Haus, bevor die Schotten dicht gemacht werden. Andererseits lässt der Sohnemann während des Purges einen Mann ins Haus, der von einer Gruppe Psychopathen verfolgt wird.

Und dann geht ein Psychospiel los. Die Leute draußen wollen den Kerl haben. Der versteckt sich im Haus und man kann ihn nicht finden. Nebenbei fällt der Strom aus und alles spielt sich in der Dunkelheit ab. Es stellt sich außerdem heraus, dass die Sicherheitsanlagen gar nicht mal so sicher sind. Das ist sicherlich ärgerlich.

Mit 85 Minuten Laufzeit ist The Purge erfreulich kurz. Das ist auch ganz gut so, weil man merkt, wie dem Film nach kurzer Zeit die Puste ausgeht. Das geht damit los, dass kein einziges Familienmitgleid sympathisch ist. Die Tochter ist die typische spätpubertäre Göre, der Sohn bringt auf dümmliche Art und Weise seine ganze Familie in Gefahr und Ethan Hawke ist irgendwie total merkwürdig. Im einen Moment will er seinen „Besucher“ noch foltern, im nächsten ist er plötzlich Humanist geworden. Was ihn aber nicht daran hindert, diverse Männer und eine Frau mit einer Schrotflinte in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Hier ist der Film sich dann offensichtlich nicht sicher, wie er seine Message rüberbringen soll. Denn auf der einen Seite soll man lernen, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben hat. Doch auf der anderen Seite scheint es den Protagonisten wenig auszumachen, Leute umzubringen. Tatsächlich ist es die Mutter, die sich hier am Ende als der stärkste Charakter etabliert, aber davor vergehen erst noch 80 Minunten. Dann ist der Film auch schon wieder vorbei. Es ist eben schiere Gleichgültigkeit, mit der man den einzelnen Protagonisten gegenübersteht. Keiner interessiert einen, niemand sagt irgendetwas Schlaues. Dialoge sind spärlich und das Gezeigte eben nicht ausdrucksstark genug, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen.

Furchtbar uninspiriert kommen die letzten fünf Minuten daher, in denen zwei unheimlich vorhersehbare Twists passieren. Dabei hat diese dystopische Zukunftsvision durchaus etwas Erschreckendes. Der Film vergibt aber überall sein Potential. Auch weil diverse Szenen wenig Sinn ergeben. Es wirkt zum Beispiel so, als ob das zweistöckige Haus 200 Zimmer besäße. Weil 10 Leute darin rumlaufen und sich nicht ständig auf die Füße treten. Die Bösen sind, außer dem Anführer, dermaßen gesichtslos, dass einem sogar klar wird, warum die alle Masken aufhaben. Vermutlich steht bei denen in ihrem Xing-Account lediglich das Hobby „Töte gerne Menschen“. Das soll einen als Zuseher schockieren oder anekeln, aber es ruft keine Emotion hervor. Auch weil diese Antagonisten nicht viel mehr als Gegner in einem Ballerspiel sind. Der Oberschurke, gespielt von Rhys Wakefield, soll dann ein Hybrid aus eloquentem Gentleman und mordlüsterndem Psychopathen sein. Seine Figur ist neben der der Mutter die einzige, die heraussticht. In der ganzen Geschichte wirkt sein Tun und Handeln aber aufgesetzt und bemüht cool. Der Joker aus The Dark Knight lässt grüßen.

The Purge spielt mit der Idee, dass eine entmenschlichte Gesellschaft zum Verlust von moralischen Werten führt. Und wie in Einzelnen, exemplarisch Ethan Hawke, dann doch der Sinn für die gerechte Sache geweckt wird. Leben sind nichts mehr wert, wobei die Reichen eine tolle Lösung gefunden haben, damit sich die Unterschicht selbst auffrisst. Das ist schön und gut. Es wäre aber vermessen, dem Film viel Tiefgang zu unterstellen. Zumal die Message am Ende nicht subtil, sondern viel mehr mit der Brechstange in den Zuschauer reingeprügelt wird. Tatsächlich hätten vielleicht ein paar Minuten mehr den Charakteren ganz gut getan. So hat James DeMonaco als Regisseur und Drehbuchautor einen kurzweiligen, aber auch genauso emotionsarmen Film gemacht. Dabei gibt es vor allem mit Funny Games, aber auch mit Equilibirum, V wie Vendetta, Children of Men, Gattaca, 1984 und Blade Runner thematisch ähnliche Werke, die sehr viel besser funktionieren. Verdammt, sogar Panic Room war spannender. Der Herr Pönack kann The Purge sehr viel mehr abgewinnen, wie hier nachzulesen ist. Mir geht es aber so, dass eine interessante Idee allein noch keinen guten Film macht. Vielleicht macht es das Sequel ja besser.

 

Regie: James DeMonaco (Staten Island, Drehbuchautor für Verhandlungssache)

Schauspieler: Ethan Hawke, Lena Headey, Rhys Wakefield

Bewertung: 

Godzilla (1954)

Das berühmteste Reptil der Filmgeschichte hat schon viele Jahre auf dem Buckel. Aber trotz seines Alters hat der Senior wenig von seinem Schrecken eingebüßt. Und die Botschaft, die Godzilla transportiert, bleibt selbst heute, 60 Jahre nach seiner Geburt, überraschend aktuell. Zumindest wenn einem Schwarz-Weiß und die Puppenoptik nicht zu viel Unbehagen bereiten. Zusätzlich beweist der Klassiker, dass Roland Emmerich mit seiner plumpen Hollywood-Action-Fassung von 1998 nicht ein bisschen den Flair der Vorlage eingefangen hat. Die Echse muss nicht unbedingt rennen, um Bedrohung auszustrahlen. Viel intensiver wirkt es nämlich, wenn das Unheil langsam und stetig auf einen, oder eben Tokyo, zumarschiert.

Mehrere Fischerboote verschwinden im Meer. Die Angst geht um, denn es wird gemunkelt, dass Godzilla (bzw. Gojira im Original) dem Wasser entstiegen sei und nun die Menschen vernichten wird. Professor Yamane (Takashi Shimura) untersucht die Fußstapfen. Er findet heraus, dass das Ungetüm über viele millionen Jahre unter Wasser gehaust hat, bis Atombombentests es aufgeschreckt und an Land gelockt haben. Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), die eine Beziehung mit dem Marineoffizier Ogata (Akira Takarada) führt, besucht nebenbei Dr. Serizawa (Akihiko Hirata), dem sie seit frühester Kindheit zur Ehe versprochen ist. Dieser führt ihr eine neue Art Kampfstoff vor, vor dessen Auswirkungen selbst er sich fürchtet. Währenddessen marschiert Godzilla unaufhaltsam Richtung Tokyo, wo er mit Hilfe seines Feueratems große Schäden anrichtet.Godzilla_

Zugegeben, diese Dreiecksbeziehung ist einem ziemlich egal. Deswegen ist die deutsche Fassung auch eine Viertelstunde kürzer als das 96-minütige Original, denn viele Szenen, die das japanische Leben zeichnen, wurden einfach entfernt. Klar ist jedoch, dass der wahre Star Godzilla ist. Inspiriert von ‚Panik in New York‘, einem Saurierfilm aus dem Jahre 1953, in dem eine Echse den Big Apple verwüstet, hat Regisseur Ishiro Honda einen düsteren wie auch spannenden Streifen inszeniert, der in Sachen Atmosphäre auch heute noch funktioniert. Dabei trägt der verflucht gute Soundtrack einen erheblichen Teil zur Stimmung bei. Irgendwie befremdlich ist auch, dass Godzilla sich langsam fortbewegt. Das macht ihn gruselig, denn die schleichende Bedrohung ist sichtbar, aber auch nicht aufzuhalten. So wird Tokyo dem Erdboden gleichgemacht, was ganz klar Bilder der amerikanischen Atombombenangriffe ins Gedächtnis ruft.

Und tatsächlich fungierte ein Vorfall im Zusammenhang mit Atombomben als Ideengeber für den Produzenten Tomoyuki Tanaka. Am 1. März 1954 führte der US-amerikanische Kernwaffentest Castle Bravo zur Kontamination eines gesamten Fischkutters und zum Tode eines Besatzungsmitglieds und später zur Krebserkrankung weiterer Matrosen. Die Entrüstung im Volk war groß und so entschloss man sich, mit dem Film auch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki zu verarbeiten. Ganz klar ist, dass Godzilla für mehr steht als bloß für einen Kaltblüter, der Tokyo plattmacht. Er ist der schleichende Tod, der unaufhaltsam ist und der keine Gnade kennt. Genauso wie die Atombombe, die keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und deren einziger Zweck die Vernichtung ebenjener ist. Der Film zeigt ganz klar das Leiden der Bevölkerung, die mit dieser Massenvernichtungswaffe konfrontiert wird und die ihr nichts entgegensetzen kann. Denn am Ende drückt nur ein einziger auf einen Knopf und besiegelt das Schicksal vieler. Wie so oft. Godzilla aus dem Jahr 1954 ist damit eine Allegorie auf die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Atombombe.

Ich bin mit diesen Filmen groß geworden und verbinde eine nostalgische Verklärtheit damit. Nichtsdestotrotz ist das hier ein absoluter Klassiker, der gerade durch die Schwarz-Weiß-Optik und die Musik absolut fesselt, weil alles bedrohlich und düster erscheint. Klar, an der einen oder anderen Stelle sieht man Spielzeug-Autos durch die Gegend fliegen. Das erste Auftauchen von Godzilla hinter einem Berg sieht ziemlich merkwürdig aus. Aber damit muss oder kann man sich arrangieren. Wer ohnehin auf Monsterfilme steht, sollte diesen Urvater des Genres definitv nicht verpassen. Denn er ist im Gegensatz zu den meisten späteren Ablegern des Faches (zum Beispiel Godzilla von 1998 und Cloverfield von 2008) sehr viel mehr als einfach nur ein Actionstreifen über ein Tier, das in der großen Stadt sein Glück sucht.

Regie: Ishiro Honda (sehr viele Godzilla-Filme)

Schauspieler: Takashi Shimura, Akira Takarada, Momoko Kochi, Akihito Hirata

Bewertung: 

 

 

30 Days of Night (2007)

Irgendeine Kleinstadt irgendwo in Alaska. Die Einwohner bereiten sich gerade auf die bevorstehende 30-tägige Nacht vor. Die meisten verlassen das Dorf einfach. Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett) aber bleibt und muss feststellen, dass sich die merkwürdigen Begebenheiten häufen. Nicht nur wurden die Hunde eines Anwohners allesamt bestialisch abgeschlachtet, auch ein Fremder (Ben Foster) taucht auf und muss vorläufig dingfest gemacht werden. Was der Ordnungshüter noch nicht ahnt, ist, dass eine Schar von Vampiren die Stadt überfallen und sich an den Anwohnern satttrinken möchte. Glücklicherweise hat Olesons Ex, Stella (Melissa George), ihren Flug verpasst und muss mit ihm ums Überleben kämpfen. Allerdigns sind 30 Tage eine lange Zeit und die Blutsauger haben gut Hunger mitgebracht.

Der Film ist mit 113 Minuten Laufzeit relativ lang und dabei öfter mal eher ruhig. Das liegt daran, dass die Protagonisten sich vor den schier übermächtigen Vampiren verstecken müssen. Gerade in der ersten Hälfte gelingt es dadurch, Spannung zu erzeugen, zumal es bis hierhin noch recht logisch zugeht. Mit zunehmender Zeit gerät ’30 Days of Night‘ zunehmend in Schwierigkeiten und es ergeben sich doch zahlreiche Logiklücken. Höhepunkt der Fehler ist, als in einer Szene zum Ende hin ein Vampir getötet und durch den Fleischwolf gedreht wird, um kurz darauf im richtigen Finale wieder am Start zu sein. Das könnte man noch verzeihen, aber dafür wirkt vieles andere konstruiert und nicht natürlich.

Stella meint, sie rennt los und lenkt die Widersacher ab. Daraufhin meint Eben, er macht das schon. Der Plan ist im Nachhinein ziemlich bescheuert, dass aber die Frau ohne mit der Wimper zu zucken Josh Hartnett in den schier sicheren Tod schickt, ist dagegen mehr als lächerlich. Und so verstrickt sich der Film zum Ende hin in zu viel und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Wenn dann einer unserer Helden in die Luft gesprengt wird, um dann aber doch irgendwie noch zu leben, wirkt das alles sehr merkwürdig.

Das ist wirklich schade, weil die Vampire eigentlich cool sind und veritable Gegner darstellen, vor allem ihr Anführer Marlow (Danny Huston). Dafür sind es dann die Menschen, die durch die Bank weg wenig Sympathie wecken und die meiste Zeit wie verängstigtes Vieh in der Ecke hocken. Stella ist so nervig und unrettenswert, dass man sich wundert, warum Eben auch nur einen Finger für sie krumm macht. Allerdings gibt es auch nicht so viele gut aussehende Weibchen da oben am Polarkreis, weswegen er entschuldigt sei. Der Rest der Bande ist ersetzbar und erschreckend farblos. Dagegen ist die Szenerie an und für sich nett und der Rahmen des Films durchaus erfrischend, auch wenn es vielleicht ein wenig an ‚The Thing‘ (Das Ding aus einer anderen Welt) erinnert.

Es gibt auch Blut zu sehen, stellenweise sogar auf ziemlich drastische Art und Weise. Das passt gut zu den bösen Vampiren, die dadurch unglaublich brutal und blutrünstig wirken. Es ist insofern dann schon eigentlich lustig, dass Regisseur David Slade drei Jahre nach ’30 Days of Night‘ auch Regie beim dritten Twilight-Film führte. Mit den handzahmen Regenbogen-Vampiren aus den Teeniefilmen haben die Kreaturen hier jedoch glücklicherweise wenig am Hut.

So ist ’30 Days of Night‘ ein netter Horror-Film und übrigens eine Comicbuch-Adaption. Er beginnt gut, zum Schluss geht der Geschichte jedoch ein wenig die Puste aus. Gerade die letzte Szene ist eher merkwürdig. Ansonsten ist der Streifen für Menschen wie mich, die etwas mit kleinen Horrorfilmchen anfangen können, durchaus sehenswert. Zumindest hinterließ er bei mir kein negatives Gefühl am Ende, ohne dass ich in Enthusiasmus ertrunken wäre. Wer dem Genre jedoch abgeneigt ist, wird sich sehr an den Logikfehlern und Ungereimtheiten stören und sollte die lieber die Finger hiervon lassen.

 

Regie: David Slade (Eclipse – Biss zum Abendrot, Hard Candy)

Schauspieler: Josh Hartnett, Melissa George, Danny Huston, Ben Foster

Bewertung: 

Abraham Lincoln Vampirjäger (2012)

Geschichtsstunde mit Timur Bekmambetov. Und wer ‚Wanted‘ kennt, weiß, was das heißt. Da sind dann Vampire für den Sklavenhandel in den Südstaaten verantwortlich, Abraham Lincoln ist ein Axt-schwingender Kämpfer für Recht und Ordnung und aus irgendeinem Grund ist Silber das probate Mittel im Kampf gegen die Twilight-Vorfahren. Aber ich will mich nicht beschweren. ‚Wanted‘ hat trotz der mehr als beknackten Handlung unglaublich viel Spaß gemacht, aber da waren ja auch eine Angelina Jolie und vor allem ein unheimlich sympathischer James McAvoy dabei.

Der junge Abraham Lincoln sieht mit an, wie ein Vampir seine Mutter tötet. Dann stirbt noch irgendwann sein Vater und unser irgendwann erwachsener Held (Benjamin Walker) will irgendwie Rache üben, auf irgendeine Art und Weise. In einer Bar lernt er Henry Sturges (Dominic Cooper) kennen, der Abes Pläne durchschaut und ihm daraufhin das Leben rettet, bevor der Mörder seiner Mutter auch ihn beseitigen kann. Henry entpuppt sich als Vampirjäger und wird zu Abrahams Mentor und unterrichtet ihn in der hohen Kunst des, nun ja, Holzhackens. Dann schickt der Meister seinen Schüler in irgendein Kaff, wo er Vampire beseitigen soll, nebenbei verliebt er sich in die verlobte Mary (Mary Elizabeth Winstead), entdeckt seinen Hang zur Politik und kommt hinter eine noch größere Vampirverschwörung. Spätestens hier ist ganz klar, dass die Handlung nicht einfach bleiben wird und dabei konsequent den Weg der Verblödung geht. Die Story spannt sich dann später über mehrere Jahrzehnte auf, bis zur finalen Schlacht im Bürgerkrieg, wo die Vampire ihr Händchen im Spiel haben. Interessanter Nebenaspekt: Die Fledermäuse können sich bei Sonnenlicht umherbewegen und besitzen die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Warum diese dann trotzdem öfter mal den Kürzeren ziehen bleibt mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Anstatt unsichtbar ihre Gegner wegzumorden, müssen in dreidimensionalen Verrenkungen Kampfchoreographien abgearbeitet werden. Wirtschaftlich ist was anderes.

Tja, und dann ist da Abraham Lincoln. Natürlich ist das eine sehr witzige Idee, dem Zylinderträger eine Axt und schier übermenschliche Kräfte zu verleihen. Leider hat der Kerl die Ausstrahlung und Coolness einer Kartoffel. Man bringt ihm nie wirklich Sympathie entgegen, nichtmal als ein enges Familienmitglied von ihm ermordet wird. Lustigerweise ist dafür Henry als sein Lehrer die Coolness in Person. Der rennt permanent mit Sonnenbrille und Drei-Wetter-Taft-Fönfrisur umher und schafft es tatsächlich, dass man ihn mag. Ansonsten sind die ganzen anderen Weggefährten unglaublich egal. Jimmi Simpson (aus ‚It’s always sunny in Philadelphia‘) spielt den Chef und Freund von Abe, hintergeht ihn, dann doch nicht und irgendwie hat man auch schon keine Lust, sich groß darum zu kümmern.

Der Oberböse Adam (Rufus Sewell, der Böse in ‚Ritter aus Leidenschaft‘) ist, nun ja, voll fies. Aber auch ihm kauft man das nicht ab, zumal sein beknackter Plan mit den Sklaven vorne und hinten keinen Sinn ergibt. An seiner Seite sorgt die böse Vampirin Vadoma (Erin Wasson) unfreiwillig für die bescheuerteste Szene im ganzen Film, als sie im Finale aus einem mir nicht erfindlichen Grund der Präsidentengattin gegenübersteht.

Da helfen die zwei bis drei Twists im Film nicht weiter. Es gibt durchaus nette Kampfszenen, aber man wird das Gefühl nicht los, dass alles halbherzig und dahingeschludert ist. Und selten war mir ein Held so unsympathisch wie hier. Er ist kein Arschloch, aber als Nicht-Amerikaner habe ich keine persönliche Bindung zu Abraham Lincoln. Da schaue ich mir lieber zum zehnten mal ‚Blade‘ an.

 

Regie: Timur Bekmambetov (Wanted, Nochnoy dozor, Nochnoy bazar, Wächter des Tages)

Schauspieler: Benjamin Walker, Dominic Cooper Anthony Mackie

Rating: 

 

The Cabin in the Woods (2011)

Die Hütte im Wald ist vermutlich einer der abstrusesten Filme, die ich kenne. Nicht ganz so beknackt wie Zardoz vielleicht, indem ein Slip-tragender haariger Sean Connery auf einer Metaebene über die Menschheit philosphiert, aber dennoch ziemlich abgefahren. Das liegt vor allem daran, dass die altbackene Geschichte über ein paar junge Leute fernab der Zivilisation, die mit einem brutalen Grauen konfrontiert werden, auf satirische Art und Weise durch den Kakao gezogen wird und am Ende eine Art Film im Film ist.

‚The Cabin in the Woods‘ beginnt mit zwei Angestellten (Richard Jenkins, Bradley Whitford), die sich über ihr Privatleben unterhalten und nach einer Weile dann zur Arbeit schreiten. Diese hat mit fünf jungen Leuten zu tun (u. a. Chris Hemsworth a.k.a. Thor), die übers Wochenende zu einer einsamen Hütte rausfahren und Party machen wollen. Natürlich geschehen merkwürdige Dinge inklusive der gruseligen Begegnung mit einem Einheimischen an einer Tankstelle und schon bald stellt sich das Häuschen als Schauplatz unmenschlicher Morde heraus. Die Zombie-Familie lässt nicht lange auf sich warten und es beginnt ein blutiger Kampf ums Überleben. Dabei wird stellenweise nicht mit Blut gespart. Im letzten Drittel löst sich der Film dann komplett vom Schauplatz und es wird richtig absurd. Großartig ist, dass dies der womöglich erste Film ist, in dem ein Einhorn einfach mal so einen Menschen aufspiest.

Es ist schwierig, viel mehr zu verraten, ohne alles zu spoilern. Es sei nur so viel gesagt, dass ‚The Cabin in the Woods‘ auf seine eigene Art und Weise eine Satire auf das gesamte Horror-Genre ist. Joss Whedon (Avengers, Firefly, Buffy) und Drew Goddard (Cloverfield, Lost, Buffy) kritisieren mit dem Drehbuch direkt die Entwicklung der Gruselfilme, wie Whedon in einem Interview verriet (Quelle):

On another level it’s a serious critique of what we love and what we don’t about horror movies. I love being scared. I love that mixture of thrill, of horror, that objectification/identification thing of wanting definitely for the people to be alright but at the same time hoping they’ll go somewhere dark and face something awful. The things that I don’t like are kids acting like idiots, the devolution of the horror movie into torture porn and into a long series of sadistic comeuppances. Drew and I both felt that the pendulum had swung a little too far in that direction.

Man kann sagen, dass der Film im Grunde wirklich jeden Horror- bzw. Splatterfilm abdeckt. Ob Werwolf, böses Einhorn oder gar mordlüsterne Ballerina, hier dürfen zum Ende alle mal ran. Und dann gibt es noch einen Überraschungsauftritt von Sigourney Weaver. Am Ende ist dann klar, dass das Geschehene nur zweitrangig ist und der gesamte Film auf dieser Meta-Schiene fährt. Besonders alles, was nicht über die fünf jungen Menschen handelt, ist derart merkwürdig und satirisch, dass schnell klar wird, dass der Film eben nicht in erster Linie ein „Horrorstreifen“ Marke „5 Dummbatzen im Wald“ ist. Stellenweise fühlte ich mich mitunter an ‚Tucker & Dale vs. Evil‚ erinnert. Aber die Hütte im Wald ist eben mehr als nur eine Komödie.

Auch wenn mir die Message unheimlich gut gefallen hat, der Film hat durchaus seine Längen. Da hätte vielleicht das dezentere Einstreuen von ‚Merkwürdigem‘ mehr Spannung erzeugt, aber das liegt natürlich nicht in meinen Händen. Im Grunde ist der Film nie in großem Maße überaus aufregend. Auch wenn gerade der eine oder andere dahingemeuchelt wird, bleibt immer das Gefühl der Kontrolle und der Absicht hinter jeder Aktion.

 

Der Film wurde übrigens bereits 2009 gedreht, lag jedoch wegen der Insolvenz von MGM stolze drei Jahre irgendwo rum. Mehr dazu gibt es in diesem Interview mit Regisseur Drew Goddard. Wie man es auch sieht, im Endeffekt ist ‚The Cabin in the Woods‘ ein sehr spezielles und einmaliges Filmerlebnis für alle, die von dem ganzen ‚Saw‘-Blödsinn genug haben und ein bisschen was mit ‚Meta‘ anfangen können.

Regie: Drew Goddard (Writer für Lost, Cloverfield, Buffy)

Schauspieler: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Anna Hutchison, Fran Kranz, Jesse Williams

Bewertung: 

Silent Hill (2006)

Und wieder schlage ich vor lauter Vorfreude das Kapitel der Computerspieleverfilmungen auf. Moment, waren die nicht meistens ziemlich mies? Na klar! Da hätten wir hier auf dieser Seite bereits Doom, Resident Evil I, II, III, IV. Und die Reihe der nicht gelungenen Filmchen lässt sich mit Lara Croft I, II, Prince of Persia, Super Mario, Dead or Alive, Tekken, Street Fighter und so ziemlich allem von Uwe Boll auch eine ganze Weile fortsetzen. Heiliger Kuhmist, war Max Payne (mit Mark Wahlberg) blöd! Zu dem Thema gab es übrigens letztens auf GameOne einen 8 – (!!!!!!!) stündigen Podcast und als einziger Film gelobt wurde ‚Silent Hill‘. Here we go!

Rose (Radha Mitchell) und Christopher (Sean Bean) Da Silva haben ihre Tochter Sharon adoptiert. Diese leidet unter Alpträumen und schlafwandelt, wobei sie nebenbei Silent Hill erwähnt. Rose beschließt, mitsamt Töchterchen in die entlegene Geisterstadt zu fahren und so den Hintergründen für Sharons Ruhelosigkeit auf die Spur zu kommen. Im nebligen Dunst von Silent Hill verschwindet Sharon und so muss sich Rose mit Hilfe der Polizistin Cybil Benett (Laurie Holden) auf die Suche machen. Problematisch ist jedoch, dass alle paar Stunden, angekündigt durch eine Sirene, verstörende und blutrünstige Kreaturen auftauchen und den Frauen nach ihren Leben trachten. Und mit Kreaturen sind hier nicht etwa lustige Gremlins oder anderweitige Monster gemeint, sondern unheimlich fantasievolle Alptraum-Gestalten. Zum Beispiel gesichtslose Torsos mit Beinen oder eine zerfledderte und in Maschendraht gewickelte Leiche. Es ist schwierig zu beschreiben, aber es gibt kaum andere Filme, in denen die Widersacher so psychotisch und real erscheinen. Und so erfahren Rose und Cybil zunehmend mehr über die Hintergründe von Silent Hill und seinen Bewohnern, während Christopher sich auf die Suche nach Frau und Tochter begibt.

Ursprünglich wollte Regisseur Christphe Gans nur Frauen in der Handlung haben. Dass er das umschreiben musste, merkt man der Rolle von Sean Bean an, denn Christopher Da Silva ist merkwürdig deplatziert und fügt sich überhaupt nicht in die Handlung, die diesen Balast überhaupt nicht nötig hat. Man benutzt ihn zwar, um dem Zuschauer Verschnaufpausen vom Alptraum zu gewähren, dennoch fühlt er sich wie ein Fremdkörper an und streckt ‚Silent Hill‘ nur unnötig. Überhaupt ist der Horrorfilm mit gut zwei Stunden Laufzeit relativ lang, was dazu führt, dass sich die anfangs aufgebaute Spannung nicht bis komplett zum Ende hin trägt.

Das ist schade, weil der ganze Rest nämlich sehr stimmig und stilvoll ist. Die Hintergrundhandlung, die erst zum Ende hin klar wird, empfinde ich als schön schaurig und geradezu passend. Und noch nie habe ich gruseligere Figuren gesehen, denn weil man diese entmenschlichten Etwasse selber kaum begreift, fühlt man sehr gut mit der Hauptprotagonistin Rose mit.

Da ich die Spiele nie gespielt habe, kann ich leider keinen direkten Vergleich ziehen. Es sei nur so viel gesagt, dass es sehr viele Parallelen zum ersten Teil aus dem Jahre 1999 von Konamis Silent Hill-Reihe gibt, indem jedoch ein Mann die Hauptrolle innehat. Die Polizistin sowie die Suche nach der Tochter sind allerdings gleich. Außerdem benutzt der Film, ähnlich wie das Videospiel, teils außergewöhnliche Kamerafahrten und -Perspektiven. Das ist etwas, was Leuten, die das Spiel gespielt haben, vermutlich auf- und gefallen wird.

Letztendlich habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Trotzdem ist ‚Silent Hill‘ für jemanden wie mich, an dem die Spiele vorbeigegangen sind, nicht unbedingt ein erinnerungswürdiger Film. Ein netter Horror-Streifen ist das allemal und für Fans der Games wohl auch absolut emphelenswert. Und das soll ‚Silent Hill‘ auch sein: Ein Film für die Anhänger des ruhigen Dorfes. So haben die Resident Evil-Filme fast gar nichts mehr mit den Spielen zu tun. Das zeigt, dass hier jemand am Werke war, dem die Reihe am Herzen liegt und der nicht das Franchise in Hollywood-Manier ausbeuten wollte, oder zumindest nicht so gefühllos wie man es sonst erwarten würde.  Das ist ja auch schon mal was, obwohl es ein Sequel geben soll…

Regie: Christophe Gans (Der Pakt der Wölfe, Crying Freeman)

Schauspieler: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden

Bewertung: 

Pandorum (2009)

Die Pandorum ist ein riesiges Raumschiff, das dazu entwickelt wurde, in einer Flugzeit über 123 Jahre so viele Menschen und Spezies wie möglich auf den Planeten Tanis zu bringen. Dieser ist erdähnlich. Die Erde selbst steht kurz vor dem Kollaps und so ist die Elysium gleichzeitig auch eine Art Arche Noah, um den Fortbestand dieses allseits beliebten Homo Sapiens zu sichern (Shoutout an alle Dodos und Tasmanischen Wölfe). Leider lief wohl nicht unbedingt alles nach Plan und so erwachen die beiden Crew-Mitglieder Payton (Dennis Quaid) und Bower (Ben Foster) nach ihrem Tiefschlaf, ohne eine Menschenseele vorzufinden. Gleichzeitig steht der Reaktor kurz vor dem Supergau und der Aufwachraum ist von außen verriegelt. So begibt sich Bower unter telefonischer Anweisung von Payton durch einen Lüftungsschacht nach draußen, um den Antrieb zu reparieren und Freundschaft mit einer illustren Bande von sehr hungrigen Kreaturen mit Stöckchen zu schließen. Hinzu kommt der Gedächtnisverlust, unter dem die beiden Männer leiden und der die Story phasenweise ein wenig von hinten aufrollt.

Pandorum als Begrifflichkeit stellt in diesem 108-minütigen Sci-Fi-Horror-Streifen eine Art Lagerkollaps dar, der einen in einer Art suizidalen Kurzschlussreaktion dazu veranlasst, einfach alles und jeden an Bord eines Raumschiffs zu ermorden. Die Verbindung dieser Krankheit zu unseren Hauptprotagonisten ist zu Beginn nicht ganz klar und auch die Herkunft der Monster bleibt ziemlich lange im Dunkeln, wird jedoch in einer ziemlich gelungenen Art und Weise am Ende aufgelöst. Der Trick mit der Amnesie und den daraus resultierenden Rückblenden, die zunehmend mehr Sinn ergeben, gefällt mir richtig gut und gibt dem Film mehr Tiefe, als er eigentlich hat. Denn im Grunde ist das hier Survival-Horror im Weltraum. Bei weitem nicht so düster und beklemmend wie z. Bsp. ‚Alien‘, jedoch deutlich einfallsreicher und unterhaltsamer als ‚Event Horizon‚.

Und sogar Dennis Quaid gefällt mir hier drin. Obwohl er nicht gerade großartig anders spielt als sonst, ist das auf jeden Fall in Ordnung. Seit ‚Todeszug nach Yuma‘ mag ich außerdem Ben Foster, der hier den aktiven Part übernimmt, während (der) Dennis eingesperrt bleibt. Allerdings ist Foster nie so richtig zu 100% der Held, mit dem man bis zum Schluss mitfiebert. Dafür wirkt er einfach zu steril und unterkühlt. Das ist natürlich der Rolle selbst geschuldet, aber ein wenig Selbstreflektion über seine Situation findet einfach nicht statt. Wenn es die Situation erfordert, ballert er. Muss man mutig und kühn durch eine Horde von schlafenden Monstern kriechen, so tut er das. Zurückblicken und sich darüber wundern, dass er als Bordmechaniker eigentlich ein anderes Betätigungsfeld hat, tut er nicht. Hier wäre mehr drin gewesen. Das muss nicht heißen, dass er à la Guy Pearce in ‚Lockout‘ oder Vin Diesel als Riddick ständig irgendeinen pseudo-coolen One-Liner raushauen muss, doch ich hätte mir mehr Profil für ihn gewünscht.

Die bösen Viecher empfand ich okay. Nichts ist bedrohlicher natürlicher als diese schwarzen Dinger in ‚Aliens‘, aber hier hat man immerhin probiert, etwas Eigenes zu finden. So eine Mischung aus Brandopfer und Kellerbräune. Der Horror kommt dann eher über die Verfolgungen als über das Aussehen. So richtig konnte man sich dann aber nicht entscheiden, wann sich unser Held verstecken muss und wann nicht. Zumindest wirkt es unnatürlich, wenn sich Bower in der einen Szene noch gerade so verstecken konnte, um kurz darauf seelenruhig weiterzuschlendern bzw. durch das verseuchte Schiff zu rufen. Dadurch verfliegt die Spannung ein wenig.

Trotz alledem fühlte ich mich sehr gut unterhalten. Das mag einerseits daran liegen, dass mir solch Weltraumzeug gut gefällt, andererseits ist der Story-Twist am Ende (den es in dieser Art von Film scheinbar immer geben muss…) nett und einfach mal etwas Neues. Gerade nach ‚Event Horizon‘ bin ich über jedes halbwegs brauchbare Ende dankbar. Natürlich ist dem deutschen Regisseur Christian Alvart mit Pandorum kein Geniestreich gelungen und zum Genre wird auch nichts Innovatives beigetragen. Allerdings gibt es hierdrin auch nicht wirklich viel, was einen stören könnte. Deswegen empfehle ich Pandorum jedem, der die Wartezeit auf ‚Prometheus‚ verkürzen will und dem die ‚Alien‘-Filme bereits zum Hals raushängen.

Regie: Christian Alvart (Fall 39, Antikörper, 8 Uhr 28)

Schauspieler: Ben Foster, Dennis Quaid, Cam Gigandet, Antje Traue

Bewertung: 

Event Horizon (1997)

Das Weltall. Unendliche Weiten. Irgendwo mittendrin: eine Horde von entwickelten Affen, die auf einem gigantischen Raumschiff aus Stein mit 107 000 km pro Stunde durch den Kosmos reisen. Einer von ihnen dreht schlechte Filme über Spiele und ähnliches und schimpft sich Paul W. S. Anderson. Bekannt dürfte er vor allem für seine Resident Evil-Verfilmungen sein, deren Rezensionen auch auf dieser Seite zu finden sind (1, 2, 3 & 4 für Such-Faule) und für seine Gemahlin Milla Jovovich. Halt! Warum spielt die hier nicht mit? Ganz einfach, 1997 war die gute Frau noch mit Luc Besson verheiratet (und war so auch beim 5. Element dabei). Und jetzt ohne Umschweife ab ins Weltall!

Im Jahre 2047 muss die Mannschaft der ‚Lewis & Clark‘ das gestrandete Raumschiff ‚Event Horizon‘ in der Nähe des Neptuns untersuchen. Captain Miller (Laurence Fishburne) mit seiner Crew sowie Dr. William Weir (Sam Neill) stoßen dabei auf niemanden, beginnen jedoch, allesamt zu haluzinieren und durchzudrehen. Wichtig ist dabei auch der neuartige Antrieb der Event Horizon, der über Gravitations-Blablablas ein schwarzes Loch erzeugt, um den Raum und die Zeit zu krümmen und so mit Überlichtgeschwindigkeit im Weltall rumzuschippern. Da ist aber eben irgendwas schief gegangen und die Ex-Crew hat das nicht ganz so gut vertragen. Ich warne schon mal vor: Die Auflösung am Ende ist durchaus mit einem großen „WHAT THE FUCK“ zu umschreiben.

Der 90-minütige Mix aus Sci-Fi, Horror und Mystery beginnt noch ganz nett. Unbekanntes Raumschiff, ein paar Leute untersuchen es, trennen sich auf, einem passiert was und dann entspinnt sich ein wenig Spannung aus gelegentlichen Schockmomenten. Das kennt man (Alien, Sunshine, Das Ding aus einer anderen Welt), das mag der eine oder andere noch. Hin und wieder stirbt mal jemand, doch das ist egal, weil es keinen Helden gibt. Die acht Leute sind allesamt nicht allzu ‚deep‘, zumal Sam Neill überraschend farb- und lustlos wirkt. Besonders eine Szene, in der ihm seine Frau erscheint, die zuvor Suizid begangen hat, wirkt total merkwürdig und fernab jeglicher Schauspielerei. Matrix-Freunde freuen sich jedoch über Laurence Fishburne, der in seiner Rolle scheinbar schon mal für den Morpheus zwei Jahre später trainiert hat. Und so ist es tatsächlich Fishy, der den Film noch halbwegs erträglich macht, obwohl seine Figur auch nicht sonderlich viel zu erzählen weiß.

Die Effekte und dergleichen gehen in Ordnung. Jedoch wirkt eine Szene, in der einer aus der Mannschaft in den Weltraum geschleudert wird und versucht, wieder zurückzugelangen, doch arg animiert. Für 1997 ist das aber wohl nichts, was man unbedingt ankreiden müsste. Das Design des Gravitations-Dingstas ist aber tatsächlich gelungen und wirkt cool. Dann wird Event Horizon jedoch zusehends mehr zum Mystery-Film und das tut der ganzen Angelegenheit überhaupt nicht gut. Hier ließ sich Paule wohl von ‚Doom‘ inspirieren. Und am Ende fragt man sich, was das alles sollte. Es gibt dann noch Elemente aus dem Splatter-Film (Hallo Saw!) und das Standard-Ende für Filme dieser Machart.

Event Horizon ist für mich der typische Paul W. S. Anderson-Film: Ein seelenloser Abklatsch von irgendwas, was einst mal vielleicht eine nette Idee war. ‚Sunshine‘ von Danny Boyle mit Cillian Murphy ist relativ ähnlich, aber ungemein besser. ‚Alien‘ von Ridley Scott hat 18 Jahre vor dem Ereignishorizont bereits einen Standard für Sci-Fi-Horror gesetzt, dem Paul W. S. Anderson nichts entgegenzubringen hat. Und sogar ein ‚Lost in Space‘ ist zumindest meiner Meinung nach deutlich besser oder unterhaltsamer. Wer jetzt noch Lust auf Event Horizon hat, dem sei vor allem bei den letzten 10 Minuten viel Spaß gewünscht. Ich stürze mich derweil lieber in das nächste schwarze Loch.

Regie: Paul W. S. Anderson (Resident Evil 1 + 4, Death Race, Alien vs. Predator)

Schauspieler: Sam Neill, Laurence Fishburne, Joely Richardson

Bewertung: 

Ghosts of Mars (2001)

Die Menschheit auf dem Mars. Immer eine gute Idee. Oder etwa nicht? Mir persönlich fallen zwei gute Filme ein, undzwar Total Recall und Watchmen. Tja, und dann gibt es die nicht ganz so guten Vertreter. Da wären Der Onkel vom Mars, Mission to Mars, Red Planet, Mars Attacks, Doom und der zuletzt im Kino gescheiterte John Carter, der sich gerade zum größten Filmflop der letzten Jahre mausert. Steht damit John Carpenter’s Ghosts of Mars unter einem schlechten Stern? Oder können etwa der Transporter und XXX II. („Tripple X, der Zweite“) das Marsgenre retten und dem Roten Planeten einen Platz in unseren Herzen sichern? Außerdem genießt Regie-Legende John Carpenter doch Kultstatus unter so manchen Filmfreunden!

Wir schreiben das Jahr 2176. Der Mars ist kolonisiert und verstreut leben Menschen darauf. Lieutenant Melanie Ballard (Natasha Henstridge) soll mit ein paar anderen (u. a. Jason Statham) den Schwerverbrecher Desolation Williams (Ice Cube) in seiner Zelle abholen, um ihn vor ein Gericht zu schaffen, weil er (*hust, hust* angeblich *hust*) mehrere Morde verübt hat. Jedoch stimmt etwas nicht mit der sonst so lebhaften Minenstadt, denn die Bewohner neigen merkwürdigerweise dazu, tot und mit abgetrennten Köpfen von der Decke zu baumeln. Außerdem rennen große Teile der Ex-Bevölkerung als sich selbst verstümmelnde Vollhonks rum und wollen unserer bunten Reisetruppe ans Leder. So kämpft man sich dann irgendwie dann zum Zug durch, um das Städtelein zu verlassen während die Hauptprotagonistin auch noch auf Drogen ist und so richtig Sinn ergibt das alles dann auch schon lange nicht mehr.

SPOILER: Bei Minenarbeiten wurden die Geister einer einstigen Zivilisation freigeschaufelt, die von den Menschen Besitz ergreifen und diese zu mordenden Zombies machen. Bei Tod entsteigt der Geist und sucht sich weitere Opfer. Zudem wird die Handlung quasi im Rückblick durch unsere Heldin erzählt, wobei es am Ende eine Art Cliffhanger gibt, welcher den Film den Mount Everest der Lächerlichkeit erklimmen lässt.

Die Darsteller sind alle richtig mies. Die Handlung ist unglaublich blöd. Die Action ist lächerlich und ziemlich schwach. Die lustigen Stellen sind überhaupt nicht lustig. Einfach alles wirkt total billig. Es gibt wirklich nichts Gutes an diesem Film. Reihenweise sterben Leute, ohne dass auch nur irgendeiner der Protagonisten sich darum schert. Dadurch verkommt das alles zu einem merkwürdigen Klamauk in einem surrealen Setting mit Sci-Fi-Elementen, der einen irgendwie an Resident Evil erinnert, nur in (noch) schlechter. Und wer nennt seinen pseudo-coolen Helden bitteschön Desolation Williams? Nicht nur, dass Ice Cubes grimmiges Gesicht und sein Schauspieltalent die Kirsche auf dem Misthaufen darstellen, nein, sein Rollenname soll noch der Wink mit dem Zaunpfahl auf einen unglaublich tiefgründigen Charakter sein. Man stelle sich vor, der Hulk hieße „Aggressionsbewältigungs-Peter“.

Das Einprägsamste an Ghosts of Mars ist für mich die Hose von Ice Cube. Diese sieht aus, als ob er sie direkt dem Prinzen von Bel-Air aus den 90ern geklaut hätte. Nur dass Will Smith in seiner Rolle damals viel besser war als es Ice Cube je sein könnte. Und so bleibt der Mars filmtechnisch ein schwieriges Pflaster. Wie wärs mal stattdessen mit einem Abstecher zum Mond (Moon, Apollo 13, Iron Sky)? Vergesst den Mars, der ist doof.

Regie: John Carpenter

Schauspieler: Natasha Henstridge, Ice Cube, Jason Statham

Bewertung: 

 

Cloverfield (2008)

Vor ungefähr 15 Jahren, also so Ende der 90er, da kamen auf Pro 7 am Wochenende zur Mittagszeit immer Monsterfilme, meistens mit Godzilla in der Hauptrolle.  Das war noch eine coole Zeit, denn es gab viele krasse Viecher, die es zu bekämpfen galt (Mothra, Gamera, King Kong, Machagodzilla, etc…. hier ist eine lang Liste). Auch wenn die Animationen und Effekte mehr oder weniger ähnlich denen der Power Rangers entsprachen und die Synchronisierung nicht so richtig synchron wirkte, so war doch die Riesenechse ein nicht wegzudenkender Teil meiner Jugend. Daraus folgt auch meine sehr kritische Einstellung gegenüber anderen großen Tierchen, allen voran King Kong, dessen Sieg über Godzilla in King-Kong vs. Godzilla fernab jeder Realität ist und unter normalen Bedingungen natürlich anders ausgegangen wäre. Wer die Filme gar nicht kennt, bekommt hier ein wenig was vom Flair von damals mit.

Nachdem jedoch Godzilla 1998 einmal von Hollywood (bzw. Roland Emmerich) verwurstet wurde, spielten Monster eigentlich keine wirkliche Rolle mehr. So richtig erschreckend waren sie halt nicht mehr, und so kamen mit den ganzen Horror- und Alien- (und inzwischen Splatter-) filmen „packendere“ Erlebnisse auf die Leinwand. Außerdem wurden die modernen japanischen Godzilla-Filme immer esoterischer, kreisten dabei teilweise um solche unmonströsen Dinge wie Naturschutz und andere ökologische Themen. Die Frage ist jetzt natürlich, ob denn Cloverfield ein klassischer Monster-Streifen ist?

Hier erleben wir aus der Sicht einer Handkamera im Stile eines Found-Footage-Horrorfilms à la Blair Witch Project die Geschehnisse um einen Angriff auf New York. Eine Gruppe von Freunden und Bekannten bekommt auf einer Party mit, wie ein wolkenkratzergroßes Wesen anfängt, die Stadt in Schutt und Asche zu legen und nebenbei noch kleinere Viecher das Militär angreifen. Zusammen wollen sie sich nun zu einer Freundin durchschlagen, die irgendwo in einem zerstörten Gebäude feststeckt.

Besonders auffällig ist erst einmal der Kamera führende Kerl namens Hud (T. J. Miller), der eine ziemliche Flachpfeife ist. Ständig labert er dummes Zeug und ist so hilfreich für die Gruppe wie ein Kropf. In einem dunklen Tunnel baggert er die eine Frau an und faselt danach irgendetwas vollkommen Merkwürdiges von angezündeten Obdachlosen. Wahrscheinlich soll das seine Panik und Aufgewühltheit zur Schau stellen, mir ging der Typ jedoch vollkommen auf die Nerven. Der Rest der Truppe ist in Ordnung, wobei sowas wie eine tiefe Verbundenheit zu einem der Helden nie eintritt. Das soll aber auch nicht Ziel des Films sein. Uns werden die ganzen Leute am Anfang auf einer Party ein wenig näher gebracht mit allen ihren kleinen Problemchen und ohne jemanden in den absoluten Vordergrund zu rücken.

Vielmehr ist die Kamera der wahre Hauptdarsteller von Cloverfield (‚Kleefeld‘). Wir sind im Grunde bei jeder Bewegung dabei und wissen zu jedem Zeitpunkt so viel wie die einzelnen Protagonisten. Dadurch gestaltet sich der Verlauf unvorhersehbar und es gibt keine Längen, denn in den 85 Minuten wird halt eben immer das Wichtigste von Hud aufgenommen. Am Anfang stellt sich beispielsweise ein ziemlich beklemmendes Gefühl ein, als eine riesige Rauchwolke durch New York zieht und man sich ein wenig an 9/11 erinnert fühlt. Wir sehen die Bedrohung auch nie so richtig eingängig und in Ruhe, dadurch bleibt das Monster mysteriös und das Verhalten aller panisch. Man bleibt schließlich nicht stehen, sondern rennt um sein Leben. Hin und wieder wird das Filmband von alten Aufnahmen aus noch schöneren Zeiten unterbrochen und stellt so einen harten Kontrast zu der entsetzlichen Lage der Gegenwart dar. Die Thematik, dass man für die Liebe bis an seine Grenzen geht und den Tod dafür in Kauf nimmt, fließt stark ein und bildet die Motivation.

Es steht somit nicht wie bei Godzilla das Monster im Scheinwerferlicht, sondern die ganz normalen Leute, die sich nicht im Stich lassen. Dadurch erscheint Cloverfield in dem Rahmen, in dem es spielt, realistisch. Das Militär kämpft zwar hier und da, doch ein strahlender Held taucht nicht auf, der das Vieh in den Arsch tritt und den Tag rettet. Es gibt nur die Flucht vor der bösen Kreatur, deren Ursprung im Dunklen bleibt. Zudem gibt es durch die Kameraperspektive keine neutrale, alleswissende Sicht auf die Dinge. Wir können, wie die Protagonisten, nur spekulieren. Das ist etwas, was man sonst nicht sieht. Bei Godzilla wird stets gesagt, dass es sich um einen mutierten Leguan handelt, der irgendwo aus dem Meer auftaucht und Japan plattmacht, bevor er auf irgendeine Art und Weise doch geschlagen werden kann.

Jetzt will ich Cloverfield nun aber auch nicht zu viel Tiefe unterstellen, im Endeffekt bleibt er ein guter Monsterfilm, der wirklich gut unterhält. So richtig fies bei den Eiern gepackt wie damals mit Blair Witch Project wurde ich nicht, doch ist er bei den ganzen Found-Footage-Filmen definitiv ganz oben mit dabei. Blair Witch Project ist selbst nicht so wirklich gut, aber es war eben das erste Filmerlebsnis dieser Art und dazu dann auch noch so unglaubich verstörend zum Ende hin. Vielleicht kommt übrigens noch Cloverfield 2 und 2014 ein neuer Godzilla. Lang leben die Monster.

Regie: Matt Reeves (Let Me In, schrieb Alarmstufe Rot 2 (Steven Seagal!!!))

Schauspieler: Michael Stahl-David, Jessica Lucas, T. J. Miller

Bewertung:  

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Rubber (2010)

Ein Film von dem Typen, der den Flat Beat gemacht hat! Über einen mordenden Autoreifen! Mit telekinetischen Kräften! Und explodierenden Köpfen! Und ganz viel Metaebene! Wuut?

In Rubber sehen wir, wie ein Autoreifen zum Leben erwacht und losrollt, dabei jedoch seine finstere Seite entdeckt und anschließend mordend durch die Unweiten der amerikanischen Landstraßen tigert. Beobachtet von einer Gruppe Menschen mit Ferngläsern, die die Zuschauer darstellen sollen und zeitgleich die Metaebene des Zuschauers selber durchdringen. Oder so. Eigentlich ist die Handlung ziemlich egal, weil der Film sich nie so wirklich ernst nimmt. Als ein Zuschauer dann anfängt, mit den Protagonisten zu reden, wird es total absurd…

Der Anfang ist ziemlich cool. Wir sehen, wie der Reifen losrollt und seine dunkle Seite entdeckt. So tötet er erstmal ein Karnickel und freut sich auch ein wenig darüber, begleitet von netter Musik. Der Kontakt zu anderen Menschen wird dann jedoch schnell weniger nett und die ersten Köpfe müssen explodieren. So habe ich mir zumindest anfangs noch versucht, einen Sinn dahinter zu denken. Das wird aber immer schwieriger, sodass am Ende das totale Chaos herrscht. Auf dieser Seite habe ich jedoch eine wirklich gut passende Interpretation gefunden:

The movie interperates the movie companies. The officer at the beggining is a high up man that gives the orders to other people. The pale man with the bike is his ’servant‘ and does anything. The people spectating are regular movie goers that easily get poisoned by the crap that the movie industry puts out. The old man in the wheel chair represents a critic that isnt fooled into taking the poison. At the end, the tire turns into a tricycle and that is the same idea being reproduced. The tricycle then gathers an army of tires and goes to hollywood to mass produce that idea again and again.

Und in diesem Licht wirkt der Film wirklich clever. Das war mir persönlich nicht klar, denn trotz seiner kurzen 82 Minuten Laufzeit bin ich fast eingepennt. Emphelen würde dahingehend Rubber kaum jemandem. Es ist ein Kunstfilm, ohne richtiges Plot. Wer mit sowas umgehen kann und wer Lust hat, sich hinter jeder möglichen Szene einen Sinn dahinterzudenken, wird sich wohl unterhalten fühlen. Somit ist Rubber halt auch nichts für den Massenmarkt. Ich habe ihn geguckt, weil Leute meinten, dass das wohl ein total (absichtlich) doofer Film über einen psychopathischen Autoreifen wäre und ich keine Lust hatte, mein Gehirn zu überfordern (was einem Studenten nach seiner Klausurphase ja wohl erlaubt sein dürfte). Das ist er aber eben nicht.

Mein Problem ist auch, dass wenn man eine Botschaft eines Films nicht versteht, eher dazu geneigt ist, ihn für schlecht zu halten. Vor allem, weil man sich seine eigene Dummheit nicht eingestehen will. Und weil ich gut mit meiner eigenen Dummheit leben kann, ziehe ich mein Fazit folgendermaßen:

Rubber ist ein chaotischer, esoterischer Kunst-Film, dessen Bedeutung sich mir anfangs überhaupt nicht erschlossen hat und der trotz Splatter-Elementen kein Splatter-Film ist. Die Musik ist meistens wirklich gut und unterstreicht die Gefühlslage des Reifens. Die Interpretation aus dem Internet ist einleuchtend, aber nicht offensichtlich und somit bleibt Rubber schwierig, vor allem schwierig zu genießen. Auf jeden Fall ist das hier etwas, was einem sonst nicht alle Tage über den Weg läuft.

Regie: Quentin Dupieux (Mr. OIZO!!!!)

Schauspieler: Stephen Spinella

Bewertung:  

Land of the Dead (2005)

Ein wenig in der Zukunft ist die gesamte Erde zombifiziert. Doch halt, die ganze Erde? Nein, denn ein kleines Dorf irgendwo in den U.S.A. lebt umzäunt von den Untoten vor sich hin. In der Mitte der Siedlung steht ein Turm, in dem die Schickeria haust, drumherum muss der Rest in ärmlichen Verhältnissen hausen. Einen Moment, ein Turm mit Schnöseln drin, irgendwo in der Pampa? Fallout 3? Ja, die Ähnlichkeit ist schon groß. Ob sich das Spiel von Bethesda vom Film hat inspierieren lassen? Auf jeden Fall, wie man in diesem Interview mit einem Entwickler entnehmen kann.

Jedenfalls wohnt in der City Riley Denbo (Simon Baker), der zusammen mit einem Trupp (darunter John Leguizamo) durch die Zombie-Gegenden herumfährt und noch brauchbare Sachen in die Stadt trägt. Merkwürdigerweise scheinen die Teile einen Verstand zu haben und sich (oha!) zusammenzurotten. Das wäre noch nicht so schlimm, aber einige tragen auch, Achtung!, Waffen! Ja, lernende Zombies! Holy Shit, eine Frage der Zeit, bis die Stadt in der Kacke sitzt. Übrigens ist Kaufman (Dennis Hopper) der böse und fiese Regent über das Örtchen und so ergeben sich innerhalb der menschlichen Gemeinschaft, nun ja, sagen wir Interessenkonflikte. Mord und Totschlag, und sogar noch ein Hauch Kapitalismus haben den Weltuntergang überlebt. So merken die dämlichen Menschen nicht, dass die nicht ganz so dämlichen Zombies sich langsam der Stadt nähern und irgendwann einfach alle am Sack sind.

Gut und gerne 90 Minuten dauert der Zombie-Horror-Film von George A. Romero. Ich persönlich habe mit einem ziemlich dummen und dämlichen Splatter-Gedöns gerechnet und wurde positiv überrascht. Einerseits ist ‚Land of the Dead‘ wohl ein B-Movie, aber das ist nicht unbedingt schlimm. Den einen oder anderen Schauspieler kennt man und dadurch, dass die Untoten ein wenig kommunizieren und nicht ganz so stupide sind wie in allen anderen Filmen, hat das ganze einen leicht innovativen Touch.

Natürlich gibt es auch hier wieder eine Gruppe weniger guter Leute, wo ab und an mal einer stirbt. Das ist immer ein wenig ungewollt komisch, stört aber im groben Verlauf nicht (unbedingt). Unser Held Riley Denbo ist der gutaussehende, ehrliche Ritter der Apokalypse, der stets die Ruhe bewahrt. Der Rest ist ziemlich egal. Was solls? Den Part, mit dem man ein wenig mitfühlt, sind lustigerweise die Zombies! Es werden die Menschen als Monster dargestellt, die die teils wehrlosen Biester niedermetzeln und nun folgt der Aufstand. Meiner Meinung nach ist das einzigartig in diesem Genre und man kann das, wenn man schon so viele andere Zombie-Filme gesehen hat (wie ich), tatsächlich akzeptieren. Wenn man sich natürlich darauf einlässt.

Ansonsten ist ‚Land of the Dead‘ wohl eher als altmodisch zu sehen. Die modernen schnellen Untoten sind dies hier nicht, trotz ihrer scheinbaren Evolution. Und das muss ich Romero lassen: Es ist kein Rip-Off von irgendwas, kein Remake oder so. Es ist ein kleiner feiner Zombie-Film. Wem das Genre liegt, dem gefällt auch dieser Streifen. Er ist wirklich brauchbar. Wer Zombies nicht mag, wird auch hiermit nicht glücklich. Dafür gibt es einfach nicht genug andere Elemente, die es interessant machen würden. Meine Erwartungen wurden jedenfalls übertroffen und im Hinblick auf das ganze Resident-Evil-Franchise hat ‚Land of the Dead‘ auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung.

Regie: George A. Romero

Schauspieler: Simon Baker (der Mentalist!), John Leguizamo, Dennis Hopper

Bewertung: 

Dawn of the Dead (2004)

Eigentlich möchte die Krankenschwester Ana (Sarah Polley) nur ein wenig chillaxen am Wochende, schließlich ist ihre Arbeit anstrengend und Überstunden muss sie auch noch schieben. Das wäre auch kein Problem, würde nicht während des gemeinsamen Schläfchens mit ihrem Mann die Zombie-Apokalypse über die Welt, ihre Nachbarstochter und den Gatten hereinbrechen. Sie kann sich gerade noch so retten und stößt nach einer Weile auf den Cop Kenneth (Ving Rhames), mit dem sie sich zusammen mit ein paar anderen in einem Kaufhaus verschanzt. Eigentlich ein geiler Ort, um gemütlich abzuhängen und auf Rettung zu warten, wäre nicht die komplett behinderte Shopping-Security, die sich für die neue Exekutive des Planeten hält. Man gewinnt jedoch die Oberhand und so können unsere Helden ein wenig entspannter vor sich hin leben. Vor den Toren der Mall jedoch sammeln sich die Untoten und warten auf die Insassen. Wir erfahren, dass sogar das Militär nicht viel bewerkstelligen kann und ein Stützpunkt völlig überrannt wurde. Ewig kann man jedoch nicht dort bleiben, irgendwann werden Pläne geschmiedet.

‚Dawn of the Dead‘ ist ein Remake von George A. Romeros gleichnamigem Film aus dem Jahre 1978, welchen ich noch nicht gesehen habe. Aber was Zack Snyder hier zeigt, ist durch und durch ein ‚moderner‘ Zombie-Film (übrigens taucht das Wort Zombie nicht ein einziges Mal im Film auf). Die Untoten rennen und klettern, verwesen langsam und sind sehr aggressiv. Das langsame Schlurfen von früher ist nicht mehr vorhanden. Und ähnlich wie in dem einen oder anderen Stephen-King-Roman stehen sich die Menschen gegenseitig im Weg, trotz der Gefahr draußen. Das ist ganz nett, weil so viele verschiedene Typen aufeinandertreffen und interagieren. Der Film spielt eben größtenteils in einem Einkaufszentrum, wird trotz allem aber nicht langweilig. Nicht jeder ist nett und Ving Rhames ist einfach nur die Coolness in Person. Überzogen oder superdämlich ist eigentlich niemand, jeder hat Probleme und eine Geschichte zu erzählen. Da ist zum Beispiel der ‚Anführer‘, der jedoch im normalen Leben nur Fernsehgeräte verkauft hat und jetzt in eine Führungsrolle schlüpfen muss oder will.

Außerdem halte ich dem Film zugute, dass in sich alles stimmig und plausibel ist. Es gibt keine Logik-Lücken oder Schwarz-Weiß-Malerei. Auch die weniger netten Leute haben die Chance, sich zu ändern. Und so muss die Gruppe, wohl oder übel, irgendwann aus dem Center raus. Dann nimmt der Film sein Ende. Richtig fies ist, dass während das Abspanns noch Szenen gezeigt werden. Das darf man nicht auslassen, sonst verpasst man noch die eine oder andere wichtige Information. Was ‚Dawn of the Dead‘ zudem gut macht, ist der Fakt, dass es im Gegensatz zu beispielsweise ‚Resident Evil‘ (I, II, III, IV) keine Übermenschen gibt. Jeder sitzt in der gleichen Situation und niemand ist sicher. Es gibt keine Super-Kämpfer a lá Alice, die jeden Zombie vermöbeln und zerschnetzeln. Das macht das Szenario realistischer. Sehr schön ist das stimmige Intro mit Musik von Johnny Cash, das den Zusammenbruch der Zivilisation zeigt.

Es mag sein, dass sich ‚Dawn of the Dead‘ in den knapp eineinhalb Stunden hin und wieder ein wenig zieht. Das hat mich jetzt aber nicht gestört. Gesplattert wird eher dezent, inklusive hier und da einem Schockmoment. Ansonsten fand ich alles wirklich realistisch (sofern man die Zombies für ‚realistisch‘ hält) und nachvollziehbar. 28 Days Later war besser, weil emotionaler und spannender, ansonsten kann ich jedem ‚Dawn of the Dead‘ weiteremphelen als einen wirklich ansprechenden Zombie-Film. Ob er einem gefällt, entscheidet sich, ob einem das Szenario zusagt. Dann kann man sich auch auf das Setting mit den ganzen Charakteren einlassen.

Regie: Zack Snyder (300, Watchmen, Sucker Punch)

Schauspieler: Sarah Polley, Ving Rhames

Bewertung:

28 Weeks Later (2007)

Basierend auf den Ereignissen aus ‚28 Days Later‚ erleben wir, was nach der Epidemie geschieht. Das Virus, das Menschen in wütende Wilde verwandelte, scheint ausgerottet und unter amerikanischer Führung wird begonnen, Großbritannien wieder zu besiedeln. Don (Robert Carlyle), der den Alptraum knapp überlebte und aus Feigheit seine Frau zurückließ, trifft sich mit seinen beiden Kindern, die vor dem Ganzen ins Ausland gebracht wurden. Doch ist *suprise, surprise* der Virus wirklich weg? Oha!

So beknackt sich die Zusammenfassung anhören mag, der Film fügt sich sehr gut an den ersten Teil an. Vor allem die Anfangsszene, in der sich Don samt Frau und anderen Überlebenden vor den Infizierten verstecken und letztendlich überwältigt werden ist ziemlich hart und auch spannend. Vordergründig geht es irgendwie auch hier weniger um Splatter und Zombies, sondern viel mehr um die Menschen und wie sie damit bzw. miteinander umgehen. Insofern wird besonders das US-Militär drastisch, kalt und beinahe als unantastbar dargestellt. Beispielsweise werden viele Zivilisten weggeschlossen, woraufhin sich der Virus in der Masse ausbreitet und diese in ihrer Panik ausbrechen. Der darauf folgende Schießbefehl und die amerikanischen Soldaten, die mit der Aufgabe, Menschen und Erkrankte auseinanderzuhalten, überfordert sind, verdeutlichen den geringen Wert eines Lebens, zumindest eben für das Militär. Dons Kinder versuchen mit Hilfe von Scarlet (Rose Byrne), einer Militärärztin, und Doyle (Jeremy Rener), einem amerikansichen Scharfschützen, das verseuchte London lebend zu verlassen. Nicht nur die Infizierten erweisen sich dabei als Hindernis, sondern vor allem (eigentlich verbündete) Soldaten.

Besonders hart dabei ist, wie brutal teilweise auch mit Leuten umgegangen wird, von denen man annimmt, sie würden überleben. In jedem anderen Zombie-Film kann man üblicherweise an irgendeinem Punkt ausmachen, wer seinen Arsch aus der Scheiße ziehen wird. Dem ist hier nicht so. So stellt sich eben auch eine Tristess ein, denn jeder ist verwundbar. Es ist auch irgendwo ein Kampf für die Menschlichkeit, sowohl gegen die Zombies als auch gegen das Militär. Man kann das Gezeigte als Kritik gegen die amerikanische ‚Kolonialpolitik‘ der letzten Jahre auslegen, doch ich finde, dass man jede Armee, egal welchen Landes, dort hätte einsetzen können. Somit richtet sich der Film eher gegen die lebensverachtende Idee des Soldaten und Kriegers, der für das Töten anderer bezahlt wird.

Insgesamt geht ’28 Weeks Later‘ 100 Minuten und es werden öfter Handkameras benutzt. Eine Szene sieht man komplett durch das Nachtsichtobjektiv eines Scharfschützen. Der Film hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger eine linearere Struktur und mehr Elemente eines Survival-Films. Man muss sich zu einem Treffpunkt unter Zeitdruck durchschlagen. Das hat wohl ein bisschen was von Left 4 Dead. Ehrlich gesagt war mir keine der Figuren besonders sympathisch, außer vielleicht Doyle. Einerseits kennt man Jeremy Renner (The Town, The Hurt Locker, S.W.A.T.), andererseits widersetzt er sich seinen Anweisungen und tötet Kameraden, um das Leben der beiden Geschwister zu beschützen. Irgendwie scheint dem Jungen die Rolle des Waffen- und Schießexperten auf den Leib geschneidert zu sein, denn er spielt eigentlich immer ähnliche Rollen. Das soll aber nicht stören, schließlich ist er einer der Guten!

Das Problem an ’28 Weeks Later‘ ist, dass der erste Teil sehr logisch war. Vor allem was die Infektion und auch das Verhalten der Zombies betrifft. Hier jedoch gibt es ab und an Ungereimtheiten. Dass man die Story weiterführen will und dazu natürlich nicht den gleichen Film nochmal machen kann ist verständlich. Man sollte sich jedoch an die Gegebenheiten halten. So gibt es eine Szene, in der ein Infizierter einen Menschen mit einer Waffe zu Tode schlägt. Das passt nicht, denn das haben die Dinger vorher noch nie gemacht. Dadurch geht zum Ende hin ein wenig der erzählerischen Leichtigkeit flöten. Auch das Verhalten des Vaters der beiden Kinder im späteren Verlauf ist schwer in den logischen Grenzen des Films zu erklären.

Das kann einen stören, muss es aber nicht. Mir ist es aufgefallen, aber das soll nicht heißen, dass man mit einem riesigen „WTF!“ plötzlich dasitzt und meint, verarscht zu werden. ’28 Days Later‘ ist meiner Meinung nach jedoch atmosphärischer und die involvierten Personen einfach bedauernswerter. Die Kritik, die im zweiten Teil geäußert wird, ist härter und offensichtlicher, geradezu politisch. Das macht mir den Film sympathisch, denn ich kenne sonst keinen weiteren Zombie-Film, der auch nur ansatzweise solch einen Anspruch besitzt. Soviel dazu. ’28 Weeks Later‘ finde ich gut und wer den ersten mag, dem gefällt auch der zweite und der freut sich auch schon auf den dritten (2013 oder so). Hoffentlich sind dort dann nicht mehr die Amis für unsere Sicherheit verantwortlich, denn dann wären wir alle am Sack…

Regie: Juan Carlos Fresnadillo (Intruders, Intacto)

Schauspieler: Robert Carlyle, Rose Byrne, Jeremy Renner

Bewertung:  

28 Days Later (2002)

Im Internet gibt es alle möglichen Diskussionen, ob Zombies rennen dürfen oder nicht. Verfechter der leise dahinschlurfenden Untoten sind der Meinung, dass man das alte Konzept nicht brechen darf, dass George A. Romero einst mit ‚Night of the living Dead‚ installierte. Genauso gut könnte man Joanne K. Rowling dafür kritisieren, dass es keine Zauberer gibt oder George Lucas, dass Raumschiffe keine „Pew-pew“-Geräusche machen im Weltall und Laser nicht einfach so nach einem Meter aufhören. Sollte ein Klugscheißer ankommen und meinen, dass er die Zombies in ’28 Days Later‘ scheiße findet, weil die rennen, dann darf man ihn oder sie zurecht fragen, wo er denn Zombies gesehen hat? Denn richtige Zombies sind das nicht, sondern „Infizierte“! Die Leute sterben nicht und erstehen wieder auf. Die Infizierten können verhungern und sterben auch an normalen Wunden im Körper, nicht unbedingt nur durch Schaden am Kopf. Es dauert lediglich Sekunden von der Infektion zum Ausbruch der, wie so schön im Film beschrieben, WUT! Man hat es mit einem Virus zu tun, der einen in ein Zombie-ähnliches Wesen verwandelt, das andere zerfleischt, aber noch irgendwie ein Bewusstsein besitzt (ein bisschen zumindest), denn manchmal kotzen die Dinger Leute nur an, um sie (absichtlich) zu infizieren. Es sind also eher Kranke, was den Film ein Stück weit realistischer macht als den Rest des Zombie-Genres.

Natürlich ist auch das Krümmelkackerei und am Ende sowieso egal. Aber nehmen wir ’28 Days Later‘ doch einfach als einen Zombie-Film mit ‚modernen Zombies‘. Sie rennen, sind super wütend und beißen, töten, kotzen. Ekelig.

Beginnen tut das alles mit einer Bande Weltverbesserer, die Schimpansen in England befreien wollen, dabei jedoch eben den ollen Virus freisetzen, der sie zu Killern macht. Wir sehen, wie Jim (Cillain Murphy) im Krankenhaus aufwacht. 28 Tage nach Beginn der Katastrophe. Er ist nackt und allein. Jim zieht sich ein paar Klamotten, die dort rumliegen, an und kommt aus dem verschlossenen Zimmer, weil irgendwer unter der Tür den Schlüssel durchgeschoben hat. Schreiend schaut er sich um, doch niemand. Nichts. An einem aufgebrochenen Pepsi-Automaten bekommt er etwas zu trinken, nimmt sich ein paar Getränke in einer Tüte mit und betritt London. Dort erwartet ihn die große Leere: Ausgestorbene Straßen, Totenstille, Ungewissheit. Der Big Ben und wie die ganzen Sehenswürdigkeit auch heißen mögen, einfach niemand ist in Sicht. Jim ist völlig allein. Und man fühlt mit ihm. Der Anblick dieser Millionenmetropole ohne Menschenseele ist so grotesk wie furchteinflößend. Eine ganze Weile durchstreift er die Straßen und findet schließlich in einer Kirche eine große Ansammlung toter Menschen. Warum die dort sind oder ob sie sich selbst umgebracht haben, wer weiß? Er schreit, plötzlich recken ein paar Gestalten ihre Köpfe in seine Richtung und fangen an zu rennen. Der Priester kommt auf ihn zu, mit roten Augen und knurrend. Jim versucht auf ihn einzureden, will wissen was los ist. Im letzten Moment verprügelt er den geistlichen Infizierten mit seiner Tüte Dosen und sucht das Weite, verfolgt von rennenden Wütenden. Er bekommt Hilfe von zwei vermummten Gestalten und gelangt in Sicherheit. Fürs erste.

’28 Days Later‘ lebt stark von den erzeugten Emotionen. Das sind zumeist sehr negative, beispielsweise das verwaiste London. Hinzu noch den psychotischen Soundtrack und man hat eine Stimmung, die nur heulen zulässt. Denn wirkliche Hoffnung keimt selten auf. Wer gebissen wurde, muss sterben. Man hat nur Sekunden, bis ein angesteckter zu einem richtigen Infizierten wird. Darum gibt es nicht sowas wie in anderen Zombie-Filmen, wo einer gebissen, aber nicht umgebracht und man schon ahnen kann, was bald passieren wird. So entsteht eine kalte und raue Welt. Und zugleich ein realistisches Bild davon, was wäre, wenn der Ernstfall eintreten würde. Man merkt gleich zu Beginn, dass dies kein Film wie andere seines Genres ist.

Besonders zum grandiosen Ende hin wird deutlich, dass teilweise nicht die Infizierten die Bösen sind, sondern dass die Menschheit, selbt wenn sie vor dem Abgrund steht, immer noch in der Lage ist, sich gegenseitig Schlimmes anzutun. Das macht den Film zu einem durchdachten Abbild unserer Selbst und wie wir uns, wenn es darauf ankommt, im Stich lassen. Oder eben auch nicht. Ich will nichts spoilern, aber die letzten 20 Minuten sind wirklich wie aus einem Guss und sehr fesselnd.

Insofern ist dies kein Feel-Good-Movie. Es ist eine apokalyptische und geradezu alptraumhafte Achterbahnfahrt durch die Niederungen der Menschheit. Dazu trägt auch bei, dass die Zombies (oder halt Infizierte) rennen. Der Film wäre vollkommen anders, würden diese sich langsam bewegen. Es würde so einfach nicht funktionieren und insofern bin ich dankbar, dass dieser Stereotyp des Schleichens aufgebrochen und dadurch ein völlig neues Gefühl der akuten Bedrohung geschaffen wurde. Die einzelnen Charaktere sind nicht wirklich tiefgründig oder enorm wichtig, es wird auch nicht viel Wichtiges erzählt in den Dialogen. Aber darum geht es doch auch nicht, oder? Es geht wirklich nur ums nackte Überleben in einer Welt, in der man vielleicht doch nicht leben sollte. Es gibt in die Mitte hinein eine Szene, in der die Hauptprotagonisten einkaufen gehen und für einen kurzen Moment alles um sich herum vergessen, um einfach nur wie glückliche Kinder alles, was sie wollen, mitzunehmen. Mit dem Wissen, was sich auf den Straßen, in denen sie sich bewegen, zugetragen hat und noch immer zuträgt, ist das so eine unglaubliche Flucht aus der Realität, gleicheitig schön und grausam, denn wer weiß, was hinter der nächsten Straßenecke lauert?

Mir gefällt zudem Cillian Murphy unglaublich gut. Er wird komplett ins kalte Wasser geworfen und findet sich im worst-case-scenario wieder. Er schien mir glaubwürdig. Naomie Harris‘ Charakter gefiel mir nicht so gut, aber das sei mal dahingestellt. Ihre Beziehung zueinander wirkte im Nachhinein ein bisschen künstlich, was meinen guten Eindruck aber nicht zu trüben vermag. Jeder, der auch nur irgendwie etwas mit dem Szenario anfangen kann, sollte sich ’28 Days Later‘ anschauen. Denn der Film ist großartig. Außerdem ist das wohl der Zombie-Film, der mit Abstand am meisten Inhalt hat und auch die größte Seriösität besitzt. Man findet auf jeden Fall genügend Gesellschaftskritik darin, um ihn nicht als Splatter- oder Horrormovie abzustempeln. Was nicht heißen soll, dass darin nicht auch gemordet und mit Blut herumgespritzt wird. Jedoch finde ich, dass das hier keine Gewaltorgie ist wie manch reichlich dummer Splatterfilm (Hallo Saw 2 bis 15 & Hostel!). Also, bitte gucken.

PS: ’28 Days Later‘ ist der erste Teil einer (wer hätte das gedacht) Trilogie. Der zweite Teil ‚28 Weeks Later‚ und der wohl ab 2013 produzierte dritte Teil ’28 Months Later‘ folgen auf ihn und basieren logisch aufeinander.

Regie: Danny Boyle (Trainspotting, Slumdog Millionaire, 127 Hours)

Schauspieler: Cillian Murphy, Naomie Harris, Brendan Gleeson

Bewertung:  

Zombie Strippers! (2008)

Hurra, Titten! Hurra, Stripperinnen! Und Zombies? Nein! Zombie-Stripperinnen!

Also irgendwie in der Zukunft ist George W. Bush in seiner 4. Amtszeit und er braucht mehr Soldaten, weil er viele Kriege führt. Also lässt er halt ein Virus oder so entwickeln, welches tote Soldaten weiterkämpfen lässt (wie schlau!). In der Forschungseinrichtung kommt es jedoch zur Katastrophe und die ganze Belegschaft wird zombifiziert. Ein Super-Duper-Überkrass-Überhart-Ultra-Special-Einsatzteam soll die Viechers beseitigen. Einer in der Crew (der Neue) wird gebissen. Um nicht von den Kollegen exekutiert zu werden, flieht er. Lustigerweise ist gleich neben dem Labor ein geheimes Striplokal. Ach Moment mal. Man sollte noch wissen, dass unter dem guten alten George W. Nacktheit und somit auch Striplokale verboten sind. So. Deswegen ist die Bude auch illegal und geheim und wird geführt von Robert Englund. Wie seine Rolle hieß, habe ich leider vergessen. Ist auch egal. So. Wo waren wir? Ach ja: unser gebissener Soldat versteckt sich also in dieser Busenhölle, die scheinbar vier Meter von dem Labor entfernt ist. Dort chillt er dann, während wir ein paar Mädels zu sehen bekommen. Hurra, Titten! Unter anderem die von der Ober-Stripperin Jenna Jameson (ihren Filmnamen hab ich auch vergessen, kann aber nach gründlicher Recherche auf einschlägigen Seiten sagen, dass sie in vielen Pornos mitspielt. In sehr sehr vielen…). Unser gebissener Recke fällt jetzt die Jenna an (die übrigens riesige Milchtüten hat) und beißt sie. Ihr Ableben scheint kaum wen zu kratzen und kurz darauf steht sie auch wieder auf, blutüberströmt und irgendwie mit fehlender Luftröhre. Und was macht man in solch einer Situation? Na klar, Strippen! Hurra, Titten! So. Äh, jetzt muss man noch wissen, dass das dumme Virus (bla bla) Männer in dümliche Zombies, aber Frauen in untote Superheldinnen verwandelt, die noch 1000 mal krasser strippen als vorher. Also hurra, Titten! Aber halt? Will man verwesende Milchtüten mit blutüberströmten Weibers beim Tanzen zusehen? Keine Ahnung, das Publikum ist jedoch begeistert und so lassen sich auch ein paar andere Stripperinne beißen (wie schlau!), um zu supergeilen Zombie-Stripperinnen zu werden.

Ich glaube damit habe ich ungefähr das erste Drittel des 1,5-Stünders abgedeckt. Danach gibt es auch keine Titten mehr, zumindest keine geilen. Was man dafür aber noch zu sehen bekommt: Die untote Jenna Jameson, die ihre Zombie-Stripper-Erzfeindin mit Tischtennisbällen und Billardkugeln aus ihrer Mumu torpediert, einen mexikanischen Hausmeister, der jedes auch nur erdenkliche Klischee über Mexikaner abdeckt und einen riesigen Haufen der mit Abstand behindertsten Dialoge, die das menschliche Gehör vernehmen durfte. Kostprobe?

Paco: [after seeing that a bar patron has been killed] Holy shit! Hey, do I have to clean this mess up?

~

Jessy: Your optimism makes you an idiot.
Berengé: What did you call me?
Jessy: An idiot.
Berengé: No, an optimist! Don’t you ever call me an optimist again!

~

Jessy: They’re zombies.
Madame Blavatski: No. They’re strippers.
Berengé: [cocking shotgun] They’re zombie strippers!

Aber was erwartet man auch, ist ja nur ein B-Movie. Mit Titten und Zombies. Die sowieso schon beknackte Handlung nimmt ganz am Ende noch einmal ein wenig Schwung und wird noch beknackter (Achtung, es gibt einen Twist!). Und jede einzelne Nutte, entschuldigung, ich meinte Stripperin, ist so schlau wie eine Packung Schuhcreme. Robert Englund ist ein ganz komischer Typ. Ihm gehört zwar der Stripladen, aber Frauen oder Körperkontakt scheint er nicht zu mögen. Und Herr im Himmel, ein paar der Splatter-Momente sind so künstlich, dass man die benutzte Puppe schon fast bauchreden hört.

Irgendwie bleibt die Zombie-Apokalypse jedoch aus, denn unsere ‚Helden‘ schaffen es, den Virus im Laden zu halten. Dass alles doch irgendwann aus dem Ruder läuft, ist natürlich abzusehen. Der wahre Star des Films ist somit der Zuschauer, der sich teilweise an total beknackten Sachen amüsieren darf. Allerdings unterhält das alles nicht durchgängig. Die ersten 30 Minuten gehen noch, teilweise auch Dank dem vermehrten Einsatz leicht bekleideter, barbusiger Damen. Der Rest plätschert dann so vollkommen ziel- und hirnlos in die Hölle und man wünscht sich, Robert Englund würde sich die Krallen umschnallen und wie in der Elm Street dem Trauerspiel ein Ende bereiten.

Ich muss allerdings zugeben, schon langweiligere Filme gesehen zu haben. Insofern bekommt man eigentlich alles, was auf der Packung steht: einen großen Brei aus Möpsen und Untoten. Und die Mädels sehen auch alle ganz nett aus. Nichtsdestotrotz bleibt ‚Zombie Strippers‘ Trash, den man jedoch in einer illustren und betrunken Männerrunde durchaus konsumieren kann. In diesem Sinne:

Paco: It’s Paco time.

 

Regie: Jay Lee (The Slaughter, Empty Rooms)

Schauspieler: Jenna Jameson, Robert Englund

Bewertung:  

Der Nebel (2007)

Nach einem schwereren Sturm in dem Städtchen Castle Rock macht sich David Crayton (Thomas Jane) mit Sohn und Nachbarn zum Supermarkt auf, um sein Haus reparieren zu können. Als sich dann urplötzlich ein ganzer Nebel um das Geschäft legt und erste Monster angreifen, begreifen die Eingeschlossenen, dass man nicht mehr so leicht aus der ganzen Geschichte herauskommt.

Der 112-minütige Monsterfilm geht relativ schnell zur Sache. Bis zum Einschluss im Supermarkt vergehen nur 10 Minuten. Und danach beginnt das große Sterben. Insgesamt fängt der Streifen den Stephen-King-Flair des Buches, auf dem er basiert, ganz gut ein. Besonders interessant fand ich persönlich, wie die Gefahr nicht nur draußen in Form von spinnenähnlichen Viechern lauert, sondern dass die Probleme schon bei den Menschen selbst anfangen. Wenn zum Beispiel die religiöse Fanatikerin Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) anfängt, die Leute anzustacheln und aufzuhetzen. Das erinnert dann auch schon ein wenig an ‚Die Arena‘ (Klick), ein weiterer Roman Kings, indem eine ganze Stadt eingeschlossen ist.

Unser Hauptcharakter ist David, ein Künstler und Familienvater, der das Leben seines Sohnes schützen will. Bei der Fülle an verschiedenen Charakteren sticht er nicht unbedingt sehr stark heraus, doch er trifft praktisch alle Entscheidungen und ist sowas wie ein Alpha-Tier zu Beginn. Er muss sich behaupten gegen intrigante Großkotze und Fanatiker und ist doch irgendwie von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das ist ganz gut in Szene gesetzt, die Stimmung im Supermarkt verschlechtert sich zusehends und die Monster werden zusehends größer.

Überhaupt gefiel mir das Design der Ungetüme, die irgendwann riesig werden und hungrig sind. Es ist natürlich kein Meileinstein des Monster-Film-Genres, doch ich glaube, dass der Film wohl weniger ein Horror- als eher eine Art Gesellschafts-Drama darstellt. Es geht natürlich von der drohenden Gefahr des Nebels und der Monster aus, aber die meiste Screen-Time bekommen die Menschen mit all ihren Problemchen. Und das macht die einzelnen Tode nicht zu einfachen Schnetzelorgien im Stile irgendwelcher Splatter-Massaker. Wenn beispielsweise die aufgestachelte Meute einen Menschen den ‚Hunden‘ zum Fraß vorwirft, dann ist das einem nicht egal. So erkennt man in den Menschen die wahren Monster, was spannend und verstörend zu gleich ist.

Rein schauspielerisch wird keiner der Beteiligten einen vom Hocker hauen. Aber das ist auch nicht nötig, denn ‚Der Nebel‘ lebt viel mehr von der Gruppendynamik als von den Einzelnen. Es gibt sozusagen keine Superhelden im realen Leben, und wenn die Kacke am Dampfen ist und Monster einen filettieren wollen, dann ist sich jeder selbst der nächste. Besonders faszinierend und extrem ist das Ende, dass ich um keines Willen spoilern will. Aber dieser Schluss war noch einmal ein krasser Kick meiner Meinung nach, der mir dieses Filmerlebnis noch ein Stück näher ans Herz gebracht hat. Man braucht kein 200-Millionen-Dollar-Budget und superbe Special Effects, um einen super Film zu machen, was ‚Der Nebel‘ für mich eindrucksvoll beweist. Stephen King weiß einfach, wie man sein Publikum unterhält.

Wem ‚Cloverfield‘ zu hektisch war und die normale Horror- bzw. Monster-Filmwelt zu hohl ist, macht mit ‚Der Nebel‘ nichts falsch. Auch Freunde von ’28 Days Later‘ werden meiner Meinung nach nicht enttäuscht sein.

Regisseur: Frank Darabont (Die Verurteilten, The Green Mile, The Majestic)

Schauspieler: Thomas Jane, Marcia Gay Harden, Toby Jones

Bewertung: 

Devil (2010)

5 Personen bleiben in einem Hochhaus in Philadelphia im Fahrstuhl stecken. Zeitgleich untersucht Detective Bowden (Chris Messina) einen Selbstmord in besagtem Gebäude und muss feststellen, dass alle Personen im Aufzug Dreck am Stecken haben. Es dauert nicht lange, bis wieder jemand sterben muss.

Allzuviel mehr kann man auch nicht sagen. Schließlich findet ein großer Teil des Films im Fahrstuhl statt. Entsprechend kurz ist dieser Mystery-Horror-Thriller mit lediglich 72 Minuten. Langeweile kommt jedoch nicht auf, denn es gibt viele Wechsel zwischen den ‚Gefangenen‘ und dem Cop. Das ist ganz nett und wird auch nicht langweilig. Jedes mal, wenn einer im Fahrstuhl stirbt, geht das Licht aus und man hört nur noch Atmen und Schreien. Das hat mir wirklich gut gefallen und war auch überraschend.

Dass M. Night Shyamalan die Story geschrieben hat, merkt man dem Film vor allem an seiner sowohl religiösen wie auch philosophischen Komponente an. Das hätte man, meiner Meinung nach, in realistischer Form, viel überzeugender hinbekommen können. So driftet das Ganze zum Ende hin in etwas zu viel ‚Mystery‘. Das stört den Gesamteindruck nicht. Im Gegenteil, für einen Shyamalan-Film wurde ich sehr positiv überrascht.

Das Verwirrspiel, wer denn nun der Mörder ist und wer warum in diese Situation gelangt ist, unterhält und wird durch die Kürze des Streifens auch nich zu sehr gedähnt. Die Charaktere in dem Höllending hingegen sind mehr oder weniger alles Gurken. Der Hausmeister ist so blöd wie sinnlos, jedoch als potenzielles Todesopfer einfach zu integrieren. Sogar die alte Frau im Fahrstuhl ist unsympathisch. Einzig der Bulle, der immer noch durch den Tod seiner Familie traumatisiert ist, ‚tut‘ etwas. Er arbeitet und versucht die Leute am Leben zu halten. Letztendlich bleibt er jedoch auch nur Zuschauer der Ereignisse im Aufzug. Dieses Ausgelifersein

Was ist ‚Devil‘ nun also? Es ist definitiv kein Blockbuster. Ein Horror-Film ist es auch nicht, auch wenn die eine oder andere Szene gruselig ist. Wer aber mal ein wenig Lust auf so einen kleinen Thriller à la ‚The Others‘ oder ‚Disturbia‘ Lust hat, wird ‚Devil‘ nicht schlecht finden. Es gibt einiges, was einen stören kann, aber ich wurde nicht gelangweilt. Er ist in Ordnung. Man guckt ihn, vergisst ihn zwar schnell, sauer über ihn wird man aber wohl nicht sein.

Regie: John Erick Dowdle (Quarantäne)

Schauspieler: Chris Messina, Logan Marschall-Green, Bokeem Woodbine, Geoffrey Arend

Bewertung: 

Legion (2010)

Gott hat auf einmal keinen Bock mehr auf die Menschheit, also sollen die Engel los und den Tag des jüngsten Gerichts einleiten. Das Baby einer schwangeren Kellnerin (Adrianne Palicki) draußen in der amerikanischen Pampa kann als einziges die nahende Apokalypse verhindern. Deswegen schickt der Himmel seine Armeen los gen kleinem Restaurant (Chef davon ist Dennis Quaid), wo sich ein paar Leute (inklusive besagter Schwangeren) mit Hilfe des beistehenden Engels Michael (Paul Bettany) verschanzen.

Man mag denken: Mensch gegen Gott? Und ja, Sinn ergibt die ganze Chose nicht. Anstatt die Menschheit einfach wegzufegen, werden einzelne Menschen von Engeln „besessen“, ähnlich wie die Agenten in Matrix in die Haut von Personen in der Matrix schlüpften. Und auch die Problemchen der einzelnen Leutchen in der Fritten-Bude werden kurz beleuchtet, nur um anschließend einen nach dem anderen über den Jordan zu schicken. So nimmt der Film teilweise Züge eines Survival-Horror-Streifens an, was wohl noch am gelungensten erscheint. Der Rest ist eine hanebüchene Story ohne Sinn und Verstand.

Die Riege an Schauspielern kann sich durchaus sehen lassen. Besonders sympathisch ist allerdings niemand. Der Engel redet wenig und ballert mehr und der Rest stirbt dümmlichst einer nach dem anderen. Nebenbei in aller Hektik wird noch ein Kind zur Welt gebracht und der Rest der Menschheit niedergemacht. Dennis Quaid gibt den trostlosen Versager-Vater, sein Sohn will den Vater für die sitzengelassene Schwangere geben und man selber will sich irgendwann die Kugel geben.

An und für sich kommt Spannung auf, als sich die illustre Gruppe verbarrikadieren muss und immer fiesere (jedoch sehr ähnliche) Gegnerwellen anrücken. Das eine oder andere Horror-Element ist auch nicht schlecht, zum Beispiel als ein besessener kleiner Junge in das Restaurant eindringt und die Leute ohne Licht und unter Panik der Gefahr ausgesetzt sind.

Das ist jedoch nur ein kleiner Lichtblick in ansonsten vollkommen hohler Unterhaltung. Zum Ende hin kommt es dann sozusagen zum finalen Fight. Die Auflösung der ganzen Story anschließend ist so unglaublich unzufriedenstellend und einfach nur lieblos. Das ist fast wie Gotteslästerung.

Ein wahrlich durch und durch schwacher Film von vorne bis hinten. Wer gute Unterhaltung in einem ähnlichen Universum sucht, der ist mit Constantine (mit Keanu Reeves) besser dran. Das ist eigentlich schade, denn Paul Bettany war einfach klasse in „Ritter aus Leidenschaft“ (A Knight’s Tale, mit Heath Ledger). Also lieber Finger weg von diesem Werk, außer man ist süchtig nach schwachen Filmen mit Dennis Quaid (von denen es unglaublich viele gibt).

Regie: Scott Charles Stewart

Schauspieler: Paul Bettany, Dennis Quaid, Tyrese Gibson

Bewertung: 

Cannibal Holocaust (1980)

Eine Gruppe Naturfilmer begibt sich in den Dschungel, um Kannibalen zu filmen. Jedoch fehlt nach zwei Monaten jede Spur von ihnen. Also begibt sich der Wissenschaftler Harold Monroe (Robert Kerman) dorthin, den Gefahren des Dschungels zum Trotz.

Also gut. Ich bin kein Freund von Splatter- und Schocker-Filmen, und man hat mir erzählt, dass dieser Film richtig hart und brutal ist. Und ja, das ist er. Man muss schon wissen, ob man sich sowas reinziehen will. Das ist weder ein Feel-Good-Movie noch irgendwie lustig oder herausragend geschauspielert. Vor allem ist das hier überhaupt nichts für Kinder!!! Und doch ist das nicht einfach nur Müll. Schwierig, aber auch solche Filme haben wohl irgendwo ihre Daseinsberechtigung.

Man sieht diverse Tötungs- und auch Vergewaltigungsszenen, Genitalien und die echte Tötung von Tieren. Wie gesagt, man muss wissen, worauf man sich einlässt.

Das ist nicht wirklich geistreich oder spannend, aber doch guckt man es sich an. Man gafft dem Zeug hinterher. Naja.

Die Erzählweise der ganzen Geschichte finde ich nicht schlecht. Der Film besteht quasi aus 2 Teilen. Im ersten reist der Professor in den Dschungel, im zweiten wird seine Suche sozusagen ausgewertet (klingt doof, aber anders formuliert ergäbe sich ein Spoiler).

Durch ziemlich befremdliche Musik wird auch oft eine gewisse bedrohliche Atmosphäre erzeugt. Große Spannung kommt aber nie auf. Die einzelnen schauspielerischen Leistungen sind gewiss auch nicht überragend, vielleicht ist das aber auch nicht wirklich nötig, denn im Großen und Ganzen hat der Streifen einen dokumentarischen Charakter.

Natürlich kann man die Brutalität im Film verurteilen. Womöglich ist das aber auch in gewisser Weise eine Darstellung der harten Realität. Es ist in jedem Fall etwas, das Aufmerksamkeit erregt. Und für einen Film mit einem Budget von 100 000$ sehen die Szenen sehr echt aus. Ich kann niemandem wirklich „Cannibal Holocaust“ uneingeschränkt empfehlen. Er zeigt aber, wie weit man in diesem Medium gehen kann. Im Endeffekt war er auch nicht langweilig. Auf jeden Fall schwierig und kontrovers.

Ich finde den Film ok. Was ihn für mich erträglich gemacht hat, war, dass er im Gegensatz zu solch neuem Splatter-Gedöns wie Hostel oder Saw eine Botschaft zu vermitteln wusste. Undzwar wurde angesprochen, wer die wirklichen Kannibalen waren bzw. sind, wir als moderne Menschen oder die Eingeborenen.

Regie: Ruggero Deodato

Schauspieler: Robert Kerman, Francesca Ciardi, Perry Perkanen

Bewertung: 

* Anmerkung: Ich habe den Film in English geguckt, im Deutschen heißt er „Nackt und Zerfleischt“ *