Lock Up – Überleben ist alles (1989)

Es gibt Filme, bei denen ist eigentlich von vornherein klar, was passieren wird. Und dann gibt es ja auch noch Schauspieler, bei denen von vornherein klar sein sollte, auf was für Rollen sie gebucht werden. Und wer hinter ‚Lock Up‘ mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle ein gesellschaftskritisches Stück mit facettenreicher Handlung vermutet, hat vermutlich noch nie Rambo gesehen. Oder Over the Top. Oder Rocky. Oder Cliffhanger. Oder The Expendables. Oder jeglichen anderen Film mit Sly in der Hauptrolle. Außer Copland, der war wirklich gut. Aber wir sind hier schließlich bei Lock Up, und dahinter verbirgt sich, wer hätte das gedacht, ein Knast-Action-Streifen. Mit Dramaelementen!Lock Up

Frank Leone (Sylvester Stallone) ist ein eigentlich herzensguter Mensch. Wer hätte das gedacht? Zwar kommt er von der Straße, doch seinen Lebensunterhalt verdingt er sich als Automechaniker. Fair und ehrlich und irgendwie auch sehr amerikansich. Wer hätte das gedacht? Außerdem hat er eine hübsche Freundin. Wer hätte das jetzt nun gedacht? Unschuldig wie er nun mal ist, als guter Amerikaner, muss er jedoch eine gewisse Zeit im Knast absitzen. Kurz vor seiner Entlassung wird Frank verlegt und muss nun unter dem tyrannischen Knastdirektor Warden Drumgoole (Donald Sutherland) leiden, der noch eine offene Rechnung mit ihm hat. Und so beginnt ein harter Kampf ums Überleben.

Natürlich findet der gute Franky-Boy schnell Freunde im Knast. Unter anderem Dallas (Tom Sizemore) und First Base (Larry Romano). Und noch natürlicher findet er diverse Feinde. Nicht nur unter dem Mitinsassen Chink Weber (Sonny Landham), sondern auch, wer hätte das gedacht, unter den Wärtern. Allerdings kann er sich dank der hausinternen KFZ-Meisterwerkstatt im Gefängnis von seinen täglichen Sorgen ablenken. Das hätte wirklich keiner gedacht. Mit Franks näher rückenden Entlassung scheint der beknackte Direktor allerdings auch zunehmend an Verstand zu verlieren, was zur Eskalation führen muss. Involviert sind dabei auch ein elektrischer Stuhl und ein Showdown, der die Grenzen logischen Denkens souverän durchbricht.

Besondere Erwähnung sollten dabei zwei bis drei Szenen unter den Männern in der Werkstatt finden, die ungewollt eine gewisse erotische Anziehungskraft der Häftlinge zueinander vermuten lassen können. Hey, das soll nicht verurteilt werden. Aber vermutlich war das nicht die Inention von Regisseur John Flynn. Ansonsten nimmt sich der Film an vielen Stellen furchtbar ernst und portraitiert unseren Recken als unerschrockenen Mann aus der Unterschicht, der sich nicht von der Obrigkeit verbiegen lässt. Was für ein Schweinehund!

Und tatsächlich, man empfindet hier und da schon etwas Sympathie für Frank oder einen seiner Freunde. Dabei ist das natürlich niemals auch nur annähernd so fesselnd wie Die Verurteilten. Aber für einen Sly-Film doch schon echt in Ordnung. Leider verliert der Streifen gerade zum Ende hin furchtbar stark, weil das Finale, wie man es auch wenden mag, einfach wenig Sinn macht. Aber vermutlich ist das auch egal. Hier ging es nie um eine schlüssige Handlung. Und wer Sylvester Stallone mag und sich mit allen eingangs erwähnten Filmchen gut anfreunden kann, wird auch mit Lock Up angenehme 109 Minuten verbringen. Schließlich ist da, wo Stallone draufsteht, auch immer Stallone drin. Außer vielleicht bei Copland, der war wirklich überraschenderweise ziemlich gut. Wer hätte das gedacht?

 

Regie: John Flynn (Deadly Revenge, Brainscan, Bestseller)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Donald Sutherland, John Amos, Tom Sizemore, Sonny Landham, Frank McRae, Larry Romano

Bewertung: 

 

Captain Phillips (2013)

Tom Hanks hat bereits zwei Oscars für den besten Hauptdarsteller in der Tasche (Philadelphia und Forrest Gump) und weitere drei Nominierungen vorzuweisen (Big, Der Soldat James Ryan und Cast Away). Und als Captain Phillips darf er sich zumindest schon mal vorsichtig einen weiteren Platz für einen Goldjungen suchen, denn was er hier besonders zum Ende hin spielt, ist ganz großes Kino.

Richard Phillips ist Kapitän der MV Maersk, einem amerikanischen Containerschiff. Dieses wird vor der Küste von Somalia von einer kleinen Gruppe Piraten gekapert. Das ist dann tatsächlich auch schon die gesamte Handlung. Mehr braucht man nicht zu wissen. Als Geisel muss der Kapitän dann qualvolle Stunden und Tage in der Gewalt der ausgehungerten Banditen verbringen. Captain Phillips

Die erste Hälfte ist dabei noch eher ruhig und konventionell. Tom Hanks ist einfach nur ein bierernster älterer Herr, der das Kommando über einen großen Kahn hat und auf professionelle Art und Weise agiert. Mit zunehmender Dauer und besonders am Schluss baut sich eine so gewaltige Spannung auf, dass man trotz des Fehlens großer Actionszenen förmlich erdrückt wird. Regisseur Paul Greengrass gelingt es, den Druck immer wieder aufzubauen und stellenweise zu lösen, sodass man auch als Zuschauer nicht die Lust am Geschehen verliert. Und obwohl ich kein großer Fan von Greengrass‘ Wackelkamera bin, passt sie in dieses maritime Setting hinein und gibt dem Film eine gute Portion Leben. Dabei bleibt die Situation die meiste Zeit übersichtlich und leicht nachvollziehbar. Verfolgungsjagden, wie man sie aus dem Bourne Ultimatum kennt, gibt es einfach nicht.

So müssen die Darsteller den Film tragen. Und das tun sie. Nicht nur Tom Hanks spielt ähnlich stark wie in Cast Away, auch die vier afrikanischen Entführer machen ihre Sache gut, allen voran der Anführer Muse, gespielt von Barkhad Abdi. Obwohl man die Hintergründe der Entführer nachvollziehen kann und sogar etwas Mitleid hat, bleiben sie Antagonisten. Bei mir entstanden so im Laufe durchaus ambivalente Gefühle. Man sorgt sich um Phillips, doch den Tod wünscht man den Somaliern irgendwie auch nicht. Dabei haben diese vorher  rücksichtslos auf Zivilisten geschossen. Demgegenüber steht das amerikanische Militär, das den Piraten technisch um Lichtjahre voraus ist. Es ergibt sich eine beklemmende Mischung aus Leuten, die alle nicht unbedingt das tun wollen, was sie da gerade tun. Und die unmöglich vom gleichen Planeten stammen können.

Anfangs wirkt der Kapitän auch etwas fremd und abgeklärt. Man möchte fast denken, dass Tom Hanks hier nichts zu schauspielern hätte. Falsch gedacht. Gerade die letzte Szene mit Captain Phillips ist so bewegend und emotional, dass es einem selbst schon Tränen in die Augen treibt. Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass der vom Film inszenierte Psychoterror sich auf den Zuschauer überträgt. Man leidet mit. Ähnlich schlecht habe ich mich tatsächlich damals in der Szene in Cast Away gefühlt, als Wilson für immer verlorenging. Dafür kommen die Hintergründe der Piraten etwas kurz. Insofern gibt es nicht so wirklich eine tiefere Botschaft.

Captain Phillips ist und wirkt dabei mit 134 Minuten relativ lang, vor allem weil Greengrass einen fast dokumentarischen Stil pflegt. Der Realismus trägt jedoch ein großes Stück zur Atmosphäre bei, die mich vage an Flight mit Denzel Washington erinnerte. Dort ist der Protagonist allerdings charakterlich die Gegenthese zu der von Tom Hanks verkörperten Figur. Beide Filme leben jeweils von ihren großartigen Hauptdarstellern. Und keiner würde Hanks den Oscar für diese Rolle missgönnen, selbst wenn der Streifen hierzulande nicht so große Wellen geschlagen hat [ha ha].

 

Regie: Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung, Das Bourne Ultimatum, Flug 93, Green Zone)

Schauspieler: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali

Bewertung: 

 

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Only God Forgives (2013)

Nicolas Winding Refns ‚Drive‘ wurde 2011 von Publikum und Kritikern gefeiert. Und sogar für einen Oscar nominiert (Sound Editing). Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Nachfolgefilm. Dabei sind die Meinungen zu Only God Forgives unglaublich zwiegespalten. Die negativen Kritiken sind eher in der Überzahl, aber es finden sich auch positive. Vorneweg: Mir hat Only God Forgives gefallen. Nichtsdestotrotz ist dieser Film alles andere als zugänglich.

Julian (Ryan Gosling) betreibt eine Kampfsportschule in Bangkok. Zumindest hat es den Anschein, denn eigentlich verdingen sich er und sein Bruder Billy (Tom Burke) mit Drogengeschäften ihren Lebensunterhalt. Als Billy eines Nachts eine Prostituierte vergewaltigt und ermordet, um daraufhin von deren Vater zu Tode geprügelt zu werden, beginnt die Suche nach dem Verantwortlichen. Dieser findet sich schnell, doch Julian bringt es nicht übers Herz, seinen Bruder zu rächen. Schließlich hat dieser eine Minderjährige auf dem Gewissen. So tritt Crystal (Kristin Scott Thomas), die Mutter der Gebrüder, auf den Plan und beginnt ihrerseits mit einem intriganten und blutigen Spiel. Die vermutlich wichtigste Rolle in diesem Geflecht nimmt der Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) ein, der mit seinem Schwert und einer gehörigen Portion Selbstjustiz die Straßen Bangkoks durchstreift und der fröhlichen Famillie stetig näher kommt.Only God Forgives

Und eigentlich habe ich damit noch gar nicht wirklich die elementare Handlung zusammengefasst, denn es ist noch ein gutes Stück komplizierter. Julian hat noch eine merkwürdige Beziehung zu einer Hure, Chang hat eine Tochter und Crystal hat ganz arge charakterliche Probleme. Obwohl Only God Forgives nur 90 Minuten lang ist, ist das Konstrukt an Charakteren durchaus groß. Zudem gibt es traumartige Sequenzen und einen in die Leere oder auf seine Fäuste starrenden Ryan Gosling, sodass man nach gut einer halben Stunde ziemlich verloren als Zuschauer dasteht. Dabei ist die Optik des Films über alle Maßen erhaben und die düstere Beleuchtung zieht sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende. Der minimalistische Stil von Refn, der den Zuschauer zum Mitüberlegen zwingt, findet sich auch hier. Damit muss man umgehen können.

Das Schwierige an Only God Forgives ist, dass man nur schwer mit einem der Charaktere sympathisieren kann. Während Julian ein furchtbar passiver und stoischer Mensch ist, wirkt seine Mutter wie die Ausgeburt des Bösen. Vor allem ihre Beziehung zu Julian ist so kaputt, dass man kaum nachvollziehen kann, warum er auf sie  hört. Auf der anderen Seite ist der scheinbar gute Polizist. Chang filettiert zwar nur Leute, die es verdient haben, doch wirkt er teilweise wie eine Entität, die Judikative und Exekutive in sich vereint und über allem zu schweben scheint. Und mit Hilfe von Karaoke die Ereignisse zu verarbeiten versucht.

Nichtsdestotrotz schafft es der Film, gerade zum Finale hin eine hypnotische Spannung aufzubauen. Das liegt daran, dass die zweite Hälfte der Handlung einen enormen Druck aufbaut, dessen Entladung man herbeisehnt. Als man schließlich denkt, die Konfrontation zwischen Julian und Chang wäre dann der Höhepunkt, der zur Auflösung führt, wird man überrascht. Dabei ist der Kampf der beiden wirklich schön und realistisch in Szene gesetzt. Die letzte Sequenz lässt einen wenig später reichlich ratlos zurück und zwingt zur Deutung und Interpretation.

Für mich ist Only God Forgives ein Auseinandersetzen mit der Schuldfrage. Ist ein Mitläufer genauso zur Verantwortung zu ziehen wie der Täter? Crystal ist die böse Energie, die ihren Sohn zum Sünden zwingt. Julian macht, nicht zuletzt auch wegen dem Schicksal seines Bruders, daraufhin eine Wandlung durch. Er erkennt, dass nur er selbst für seine eigenen Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Damit schafft er es im Grunde auch, erwachsen zu werden und eigenständige Entschlüsse zu fassen. Chang ist die Konsequenz, oder das Karma, dass jeden einholt und seiner gerechten Strafe unterzieht. Dabei kann seine Figur auch bodenständiger als bloßer Polizist gedeutet werden, der das Vertrauen in die Justiz verloren hat und deswegen das Heft selbst in die Hand nimmt.

Die Botschaft serviert Refn allerdings nicht auf einem Silbertablett. Man muss dem Film aufmerksam folgen und die Atmosphäre aufnehmen. Denn mit vielen langen Shots und Szenen, die dieses hypnotische Grundrauschen erzeugen, kann man zum schnellen Griff zum Handy gebracht werden. Und dann verliert Only God Forgives. Obwohl es viel Blut gibt, wird nicht jeder Actionfan hiermit glücklich. Auch weil die Geschichte schon etwas verkopft und abgehackt erzählt wird. Thematik und Darstellung haben mich an manchen Stellen an Sympathy for Mr. Vengeance oder Oldboy von Chan-wook Park erinnert. Die sind dann aber eine ganze Ecke zugänglicher. Trotzdem, Only God Forgives ist ein guter Film. Zumindest, wenn man sich die Zeit für ihn nimmt und die Atmosphäre einen packt. Dann ist das hier ein unerwartet eindringliches Erlebnis, das über den hirnlosen Konsum hinausgeht.

 

Regie: Nicolas Winding Refn (Walhalla Rising, Pusher I/II/III, Drive)

Schauspieler: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm

Bewertung: 

 

Assault on Wall Street (2013)

Anschnallen. Festhalten. Denn hier kommt der erste gute Film von Uwe Boll. Ja, ich weiß, das hört sich wie ein dummer Scherz an. Ist aber keiner. Nein, wirklich. Nein, es ist keine Videospielverfilmung. Nein, es ist auch kein Meisterwerk. Aber der Film ist trotzdem gut. Und sogar ein paar gute Schauspieler sind dabei. Wer zum Beispiel? Na, wie wärs mit Dominic Purcell! Der Bruder von dem Typen aus Prison Break. Naja, so gut ist er jetzt auch wieder nicht. Aber John Heard spielt mit! Der Vater von Kevin allein zu Haus! Und der Vater von Kevin allein in New York! In Sharknado spielt er auch mit! Zugegeben, so richtig der Kracher ist er auch nicht. Aber wie wärs mit Keith David? Dem Priester-Typen aus Riddick I und II? Sogar Eric Roberts spielt mit! Eric Roberts! Der Böse aus Expendables. Und in The Dark Knight war er dabei. Außerdem ist er der Bruder von Julia Roberts, und das muss doch auch etwas zählen. Nicht? Okay. Das Beste kommt zum Schluss, denn Edward Furlong ist auch dabei! Edward Furlong, Baby! Wer das ist? Das ist der großartige Furlong! Der Junge in Terminator II und in American History X. Zugegeben, viel hat er danach nicht mehr gerissen, aber er hat mal die Luft von Arni und Edward Norton geatmet. Ist doch auch ganz nett.assault on wall street

In Assault on Wall Street sehen wir, wie der in einer Security-Firma hart schuftende Jim Baxford (Dominic Purcell) zunehmend an seine finanziellen Grenzen stößt. Einerseits liegt das an der Erkrankung seiner Frau Rosie (Erin Karpluk), die teure Therapien erfordert. Andererseits macht die Finanzkrise dem jungen Ehepaar zu schaffen. So verfolgen wir mit, wie falsche Investitionen, gierige Bankmitarbeiter, Broker und das marode Finanzsystem die einfachen Leute in ihren Ruin treiben. Der Film nimmt sich stolze 50 Minuten, um die Situation immer weiter zuzuspitzen, um letztendlich die Entladung in Gewalt im letzten Drittel zu rechtfertigen.

So ist Assault on Wall Street die meiste Zeit kein Actionfilm, sondern vielmehr ein Drama über ein paar einfache Leute in Zeiten der Bankenkrise. Und wer hätte das gedacht, aber so funktioniert der Film ziemlich gut. Mit ruhigen Bildern, wenigen Schnitten und zunehmender Verzweiflung wächst einem das Schicksal der beiden ans Herz. Auch wenn Dominic Purcell nicht der weltbeste Schauspieler ist, er macht seine Rolle als einfacher Arbeiter und Opfer des Systems anständig. Genauso auch seine Freunde im Film, die von Edward Furlong und Keith David verkörpert werden und deren finanzielle Situationen zumindest ähnlich angespannt sind. So erinnert die Grundthematik durchaus auch an Breaking Bad, ohne dabei jedoch auch nur im Entferntesten eine größere Tiefe zu erreichen.

Trotzdem schafft es Boll, dass einem die Figuren nicht egal sind. Und das ist ein Quantensprung im Vergleich zu vorigen Werken. Hätte der aus NRW stammende Regisseur es bei diesem Ton bei einem Drama gelassen, wäre ihm womöglich tatsächlich ein durchweg sehenswerter Film gelungen. Doch leider entlädt sich die angestaute Trauer in tumbe Gewalt und in einem Finale, das so nicht nötig gewesen wäre. Denn wie auf dem Cover beworben, begibt sich unser Held auf einen blutigen Kreuzzug gegen allerhand Personen aus dem Finanzsektor, der ihn um sein beschauliches Leben betrogen hat. Hier verliert Assault on Wall Street, denn die Logik hinter den Aktionen ist nicht ersichtlich und die letzte Szene leider nicht sehr smart. Vor allem, weil der Film sich in seiner kindlichen ‚Töte-die-bösen-Manager‘-Logik nie der Sinnlosigkeit seiner Gräueltaten bewusst zu werden scheint. Und die Gewalt, die gegen teils gesichtslose Passanten gerichtet ist, verschafft auch keine Befriedigung. Denn obwohl im Verlauf immer wieder böse Buben aufgezeigt werden, empfindet man keine Erleichterung oder Genugtuung aufgrund ihres Ablebens.

Das ist schade. Die Botschaft bleibt dann am Ende plakativ und plump und lässt sich auf ‚Tod den bösen Finanz-Typen!‘ herunterbrechen, wo zu Beginn doch eher persönliche Schicksale beleuchtet wurden. Manchmal ist weniger einfach mehr. Die Action am Schluss ist jetzt auch nicht so sehenswert, gerade weil sie so albern und zufällig wirkt. Trotzdem: Assault on Wall Street ist per se kein schlechter Film. Freilich, er ist auch kein unbedingt durch die Bank weg guter, wo so viel Potential liegen gelassen wird. Doch wer gerade sonst einen persistenten Hass auf Uwe Boll hegt, darf sich hiermit gerne eines besseren belehren lassen. An Falling Down mit Michael Douglas kommt Boll natürlich nicht heran, doch ist das hier bis dato sein Opus Magnum.

 

Regie: Uwe Boll

Schauspieler: Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Keith David

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=gNnEgU7tVL4

 

Dead Man Down (2013)

Dead Man Down ist eine der größten Enttäuschungen auf filmischer Ebene der letzten Zeit für mich. Nicht etwa, weil das zweistündige Krimi-Drama schlecht wäre, sondern weil es gerade zum Schluss hin all sein Potential verschenkt und zum konventionellen und flachen Geballer abstumpft. Dabei ist der Film ziemlich gut besetzt und fängt sehr spannend an.

Vicor (Colin Farrell) arbeitet für den Gangster-Boss Alphonse (Terrence Howard). Dieser wird in letzter Zeit von irgendeinem Unbekannten brieflich bedroht und geradezu in den Wahnsinn getrieben, ohne genau zu wissen, warum. Gegenüber von Victor lebt die ehemalige Kosmetikerin Beatrice (Noomi Rapace), die seit einem Autounfall physische wie auch psychische Narben hat und nicht verarbeiten kann. Aus einem zufälligen Blickkontakt kommt es zu einem Date zwischen den Nachbarn. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Romanze geht.Dead Man Down

Besonders der Beginn lässt schnell auf einen Psychothriler hoffen. Einerseits ist Victor nicht durchschaubar, andererseits ist Beatrice alles andere als eine normale Frau. Zudem wirkt die ganze Geschichte rund um den bedrohten Alphonse als ein vertracktes Spiel. So wechselt der Film zwischen Victor und Beatrice und spinnt eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre, die sich irgendwann entladen muss. Außerdem ist noch Darcy (Dominic Cooper) als Kollege von Colin Farrell dabei, der als liebender Familienvater eigentlich nur die seinen ernähren möchte.

Nach kurzer Zeit bekommt Dead Man Down jedoch allmählich Risse. Das liegt vor allem an Beatrice, der man leider ein großes Maß an Oberflächlichkeit und Überreaktion vorwerfen muss. Ja, ihr fehlt ein Teil ihres einen Ohres und sie hat ein paar Narben im Gesicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Noomi Rapace sieht auch so noch wunderbar aus. Und der Vogel wird abgeschossen mit einer Gruppe Jugendlicher, die die arme Frau mit Steinen bewerfen und sie als Hexe beschimpfen. Hier wird mit dem Dampfhammer nochmal die Moral eingeprügelt, was leider völlig unnötig und wenig subtil ist. Ähnlich verhält es sich mit Victor, dessen Vergangenheit langsam aufgeschlüsselt wird und dessen Plan leider irgendwie gar keinen Sinn ergibt.

Aber gut. Mit den Unzulänglichkeiten hätte man sich noch arrangieren können. Doch dann kommt es zum finalen Showdown, der sämtliche tiefgründigen Ansätze vergessen macht und nur noch auf Action und seichte Unterhaltung setzt. Rache ist im westlichen Kino leider viel zu oft die ultimative Lösung für jedes Problem und die Bösen müssen umgebracht werden. Gerade wenn man nach Korea blickt und sich die Revenge-Trilogie von Chan-wook Park anschaut. Der schafft es, das Thema Rache mit verschiedenen Facetten und niemals oberflächlich zu beleuchten.

Dead Man Down ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Nicht genug Psychospiel, nicht genug Action, nicht genug Drama. Alle Ansätze werden verwässert und eine klare Linie findet Regisseur Niels Arden Oplev nicht. Dabei ist der Anfang so undurchschaubar und spannend. Dafür gibts dann zum Schluss weder Twist noch Wendung oder Punchline. Ganz im Gegensatz zu Park. Der traut sich, dem Zuschauer mit Anlauf nochmal in die Magengrube zu hauen und einen zum Nachdenken anzuregen. Ob Oldboy oder Sympathy for Mister bzw. Lady Vengeance.

Ansonsten kann man sich Dead Man Down antun. An einem verregneten Sonntag-Nachmittag wird man meistens angenehm unterhalten, ohne diesen Film sehr viel länger im Gedächtnis zu behalten. Ist ja auch irgendwie in Ordnung.

 

Regie: Niels Arden Oplev (Verblendung, Der Traum, Worlds Apart)

Schauspieler: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper

Bewertung: 

 

Home of the Brave (2006)

Wenn man einen amerikanischen Film namens ‚Home of the Brave‘ schaut, sollte man nicht über amerikanisch-lächerlichen Patriotismus verwundert sein. Vor allem wenn es um traumatisierte Irak-Veteranen geht. Dann wiederum sollte man allerdings bedenken, dass hier auch 50 Cent mitspielt. Was ein immens größeres Problem darstellt. Denn der Mann kann einfach nicht schauspielern, wie er hier eindrucksvoll unter Beweis stellt. Damit reiht er sich in die prominente Riege um Ludacris, Bushido, Tyrese Gibson und DMX ein, die allesamt ihr Glück in der Schauspielerei gesucht haben und dabei absolut talentfrei sind.Home of the Brave

In ‚Home of the Brave‘ geht es um vier ehemalige Soldaten, die im Irak Schreckliches erlebt haben und nun in der guten alten Heimat versuchen, wieder ihr normales Leben zu führen. Der Arzt Will Marsh (Samuel L. Jackson) leidet unter den schrecklichen Verstümmelungen und Toten, die ihm im Fernen Osten vorgesetzt wurden. Außerdem muss er sich mit seinem pazifistischen und rebellischen Sohn auseinandersetzen. Da liegt der tägliche Griff zur Flasche nicht fern. Vanessa Price (Jessica Biel) hat es noch schlimmer erwischt. Die Sportlehrerin hat eine Hand verloren und muss nun versuchen, mit ihrem Alltag fertigzuwerden. Was ihr denkbar schwerfällt. Brian Presley (Tommy Yates) hat seinen besten Kumpel beerdigen müssen und findet nun in der Heimatstadt keinen Job mehr. Und Jamal Aiken (50 Cent oder Curtis Jackson oder Fiddy) wird von seiner Freundin versetzt und kommt nicht darauf klar, dass er im Irak eine Unschuldige erschossen hat.

So erleben wir abwechselnd, mit welchen Problemen diese vier Menschen konfrontiert werden. Dabei überschneiden sich öfter mal die Handlungsstränge, was rein erzählerisch gar nicht mal so verkehrt ist. Obwohl nicht viel passiert, entsteht im Grunde wenig Leerlauf. Und zugegeben, wirklich uninteressant ist das Gezeigte ja auch nicht. Vor allem, weil dies hier der erste amerikanische Film ist, der den Irakkireg mehr oder weniger negativ darstellt und die „Helden“ als Versager porträtiert.

Leider sind dann die schauspielerischen Leistungen dermaßen unterschiedlich, dass es einem die Schuhe auszieht. Während Samuel L. Jackson in einer ungewohnt ruhigen Rolle überzeugen kann und Jessica Biel ihre Sache auch ganz gut macht, sind 50 Cent und Brian Presley einfach nur völlig überfordert. Damit sind zwei von vier Personen praktisch uninteressant. Und das zieht den Film massiv runter. Besonders schlimm ist, wenn sich die Lebenswege der beiden Letztgenannten überschneiden und es zur Eskalation kommt, die so uninspiriert und aufgesetzt wirkt, dass einem nicht einmal ein Schulterzucken entlockt werden kann.

Und als ob es noch nicht schlimm genug ist, kommt das Finale mit einer debilen und patriotischen Botschaft daher, die das negative Gefühl nochmal verstärkt. Sämtliche Kritik, die hier am Irak-Konflikt wohl geübt werden sollte, verpufft vollends und es bleibt ein kitschiger Beigeschmack. Das ist schade, weil es Ansätze gibt, die gut gemeint sind. Vor allem weil es hier eigentlich gar nicht mal primär um den Krieg, sondern die Zeit danach geht. Die Beziehung zwischen Samuel und Sohn ist eigentlich interessant, aber noch ehe man sich versieht, sehen wir schon wieder 50 Pfennig dabei zu, wie er keine Mimik oder Gestik besitzt und so tut, als ob er ein traumatisierter Veteran ist.

Tja. Und das ist sie, die Heimat der Tapferen. Irgendwo zwischen belanglos und kitschig. Es hätte auch schlimmer sein können, schließlich ist das hier kein „Hurra, USA“-Film. Trotzdem. Gegen Taxi Driver, Jahrhead oder Full Metal Jacket stinkt das hier leider total ab. Man muss wohl selber Veteran sein, um dem hier etwas abgewinnen zu können. Oder großer 50 Cent-Fan. Aber selbst die sollten wissen, dass ihr ehemaliger Hip Hopper kein Fünkchen Schauspieltalent besitzt.

 

Regie: Irwin Winkler (Das Netz, Auf den ersten Blick, Das Haus am Meer)

Schauspieler: Samuel L. Jackson, Jessica Biel, 50 Cent, Brian Presley

Bewertung: 

Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Chan-wook Park ist nicht unbedingt der Regisseur, der Feel-good-movies macht. Sein vielleicht berühmtester Film Oldboy von 2003 ist besonders zum Schluss so dermaßen ein Schlag in die Magengrube des Zuschauers, dass man erstmal gar nicht so richtig weiß, was da gerade passiert ist. Zudem gibt es darin eine der coolsten Kampfszenen der jüngeren Vergangenheit. Dabei schuf Park eine Rache-Trilogie, die inhaltlich nicht mehr verbindet als das Thema. ‚Sympathy for Mr. Vengeance‘ bildet dabei Teil 1. Und dass das auch kein Film für mal so Zwischendurch ist, sollte klar sein. Besonders wenn das Töten losgeht.Sympathy for Mr. Vengeance

Ryu (Shin Ha-kyun) ist taubstumm. Seine schwerkranke Schwester benötitgt dringend eine Niere. Trotz harter Arbeit wird er entlassen und steht mittellos da. Weder er noch seine militante Freundin Yeong-mi eignen sich als Spender und so wendet er sich an die Mafia. So wendet er sich in seiner Verzweiflung an eine Organhändlerin, die ihn nicht nur um sein Geld, sondern auch um eine seiner Nieren erleichtert. Als letzten Ausweg schlägt ihm Yeong-mi vor, die Tochter seines ehemaligen Chefs zu entführen und die Transplantation mit Hilfe von Lösegeld zu finanzieren. Kurzfristig wird jedoch ein anderes Mädchen gekdinappt, undzwar das Kind des Geschäftsmanns Park Dong-jin (Song Kang-ho).

Von vornherein soll das Kidnapping human verlaufen. Ryu, seine Schwester und Yeong-mi spielen mit der Entführten, sodass diese sich nicht langweilt oder fürchtet. Dass die blauäugige Aktion nicht glatt laufen kann, sollte spätestens klar sein, wenn man weiß, wer da auf dem Regiestuhl sitzt. So besteht der Film aus zwei Teilen. Im ersten verfolgen wir hauptsächlich Ryu, während im zweiten Park Dong-jin als Vater der Entführten im Vordergrund steht. Dabei sind alle Charaktere weder besonders gut noch allzu schlecht. Man versteht, warum Ryu tut, was er tut. Genauso gut kann man aber auch mit der Gegenseite in Form des verzweifelten Herrn Papa mitfühlen. So erleben wir die Geschichte aus zwei Perspektiven und die Grenzen zwischen Pro- und Antagonisten verschwinden. Lediglich die Organhändler sind einseitig bösartige Charaktere, stören dabei aber nicht. Viel verstörender ist allerdings, dass man als Zuschauer kaum eine Seite beziehen kann.

Irgendwann nach der Hälfte der zwei Stunden Laufzeit bricht der Film dann auf und entlädt sich in Gewalt und sehr subtiler Spannung. Wer dann jedoch erwartet, dass in einem coolen asiatsichen Showdown die Bösen auf blutige Weise gelyncht werden, hat offensichtlich noch nie einen Park-Film gesehen. Außerdem gibt es, wie gesagt, keine eindeutig auszumachende schlechte Seite. Das ist auch gerade das, was Sympathy for Mr. Vengeance so besonders macht. Weil man nämlich Sympathie empfindet für die Charaktere, die irgendwie auch nur versuchen, über die Runden zu kommen. Dabei bleibt bis zum Ende hin die Erzählweise eher langsam und subtil. Und zum Schluss sitzt man auch wieder da, weil man einen Schlag in die Magengrube bekommen hat und sich teilweise Dinge selber zusammenreimen muss.

Sympathy for for Mr. Vengeance ist ein schwerer Film. Nicht weil er langatmig ist, sondern weil er einen emotional ziemlich mitnimmt und man keine Antwort auf einem Silbertablett serviert bekommt. Vor allem blebit es einem selbst überlassen, wer eher im Recht ist. Exemplarisch wird einem vor Augen geführt, wie Rache aus Menschen Monster macht. Man muss außerdem aufpassen und den Film in seiner Stille wirken lassen, zumal Ryu als taubstummer Protagonist in einer lautfreien Welt wohnt. Parks Oldboy ist zwar konstruierter, hat aber einen etwas höheren Unterhaltungswert. Nichtsdestotrotz ist Sympathy for Mr. Vengeance ein psychologisches und vertraktes Drama, das ich jedem ans Herz legen kann.

 

Regie: Park Chan-wook (Oldboy, Stoker, Lady Vengeance, Thirst)

Schauspieler: Song Kang-ho, Shin Ha-kyun, Doona Bae

Bewertung: 

 

Abgedreht (2008)

Es gibt diverse Filme, die Trends losgetreten haben. Stirb Langsam hatte großen Einfluss auf das Action-Genre und Blair Witch Project war seiner Zeit die Erfindung des Found Footage-Streifens.  Ach ja, und seit dem Herren der Ringe kommt jedes Buch, jeder Comic oder sonstwas mit einer Trilogie (Matrix, Bourne, Fluch der Karibik, Ocean, X-Men, Spider-Man) oder sogar mit mehr Teilen (Twilight, Harry Potter, usw.) um die Ecke. Und dann ist da Abgedreht. Zwar wurde hier nicht unbedingt etwas total Neues erfunden, aber manchmal reicht es ja auch, der Sache einen Namen zu geben. Und in diesem Falle ist es das ‚Sweding‘.Abgedreht

Mike (Mos Def) arbeitet in der Videothek von Mr. Fletcher (Danny Glover) in Passaic, New Jersey. Der vertreibt in seinem vom Abriss bedrohten Laden nur VHS-Kassetten. In Zeiten von DVD und großen Ketten ist das natürlich alles andere als förderlich und lukrativ. Als Mr. Fletcher für ein paar Tage verreist ist, kommt der magnetisierte Jerry (Jack Black) daher und löscht sämtliche Kassetten im Laden. Kurzerhand beschließen Mike und der Verursacher, die entsprechenden Filme einfach mit einer Kamera nachzudrehen. Ohne Budget oder Effekte entsteht so an einem Nachmittag ihre 20-minütige Version der Ghostbusters in der örtlichen Bibliothek. Was sich wie eine blöde Idee anhört, entpuppt sich als grandioses Geschäftsmodell, das dem Laden in kürzester Zeit zu großer Popularität und sogar zu beachtenswerten Einnahmen verhilft. Allerdings haben sie dabei die Rechnung ohne die Rechteinhaber gemacht.

Die ungewohnten Versionen altbekannter Filme werden als schwedische Variation verliehen, daher der Name ‚Sweding‘. Und um ganz ehrlich zu sein, diese kleinen Werke sind teilweise ziemlich großartig. Wenn Jack Black und Mos Def beispielsweise Rush Hour 2 auf einem Kinderspielplatz nachspielen und sich genauso wie Jackie Chan und Chris Tucker anbrüllen, dann passt das ganz gut. Und trifft auch irgendwie den Kern des Originals. So werden es immer mehr geschwedete Filme, die zwar mit einfachsten Mitteln, dafür aber sehr liebevoll gemacht sind. Leider ist das Gros der Figuren dafür reichlich dämlich. Mos Def ist nicht unsympathisch, doch so richtig charismatisch ist er widerum auch nicht. Und Jack Black ist einfach nur ein Idiot. Danny Glover hat zu wenig Screentime, um wirklich Akzente zu setzen bzw. ist das Beharren auf VHS einfach nicht nachvollziehbar. Die Frauen spielen auch keine besonders einprägsame Rolle. So plätschert Abgedreht eine ganze Weile vor sich hin. Klar, die Handlung ist halt eben nicht unbedingt besonders clever. Nichtsdestotrotz kriegt Michel Gondry am Ende doch noch die Kurve und macht hieraus ein durchaus bewegendes Drama.

Die finale Szene berührt nämlich dann doch und gibt der manchmal etwas plumpen Komödie ein tiefere Ebene. Es geht hier nämlich gar nicht mal primär um das Drehen lustiger kleiner Filmchen, sondern um das Bestehen einer kleinen Gemeinde in Zeiten von Internet und Globalisierung. Denn gerade einzelne Schicksale kommen in der Flut von Massenwaren und Anonymität abhanden. Das Ende macht tatsächlich viel aus und hinterlässt einen tollen Eindruck. Denn wo andere Komödien im Adam Sandler-Stil das fette Happy End herausholen, in dem die Bösen alle bestraft werden, schlägt Gondry leisere Töne an. Schließlich gibt es auch keinen wirklich greifbaren Antagonisten.

Zugegeben, Abgedreht kommt langsam in Fahrt und hat trotz der kurzen 102 Minuten Laufzeit die eine oder andere Länge. Auch Jack Black ist mir hier so gar nicht sympathisch. Dafür ist seine Rolle einfach zu ‚abgedreht‘ (haha, Wortwitz). Dies ist garantiert nicht der beste Film von Michel Gondry und man muss auch ein wenig in der richtigen Stimmung sein. Dafür gibt es am Schluss das wohlige Gefühl, eine kreative und liebevolle Komödie genossen zu haben, die frei von Klischees ist und sogar eine Message bietet. Schade, dass das keinen Trend losgetreten hat.

 

Regie: Michel Gondry (Vergiss mein nicht, The Green Hornet, Anleitung zum Träumen)

Schauspieler: Mos Def, Jack Black, Danny Glover

Bewertung: 

 

 

 

 

Godzilla (1954)

Das berühmteste Reptil der Filmgeschichte hat schon viele Jahre auf dem Buckel. Aber trotz seines Alters hat der Senior wenig von seinem Schrecken eingebüßt. Und die Botschaft, die Godzilla transportiert, bleibt selbst heute, 60 Jahre nach seiner Geburt, überraschend aktuell. Zumindest wenn einem Schwarz-Weiß und die Puppenoptik nicht zu viel Unbehagen bereiten. Zusätzlich beweist der Klassiker, dass Roland Emmerich mit seiner plumpen Hollywood-Action-Fassung von 1998 nicht ein bisschen den Flair der Vorlage eingefangen hat. Die Echse muss nicht unbedingt rennen, um Bedrohung auszustrahlen. Viel intensiver wirkt es nämlich, wenn das Unheil langsam und stetig auf einen, oder eben Tokyo, zumarschiert.

Mehrere Fischerboote verschwinden im Meer. Die Angst geht um, denn es wird gemunkelt, dass Godzilla (bzw. Gojira im Original) dem Wasser entstiegen sei und nun die Menschen vernichten wird. Professor Yamane (Takashi Shimura) untersucht die Fußstapfen. Er findet heraus, dass das Ungetüm über viele millionen Jahre unter Wasser gehaust hat, bis Atombombentests es aufgeschreckt und an Land gelockt haben. Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), die eine Beziehung mit dem Marineoffizier Ogata (Akira Takarada) führt, besucht nebenbei Dr. Serizawa (Akihiko Hirata), dem sie seit frühester Kindheit zur Ehe versprochen ist. Dieser führt ihr eine neue Art Kampfstoff vor, vor dessen Auswirkungen selbst er sich fürchtet. Währenddessen marschiert Godzilla unaufhaltsam Richtung Tokyo, wo er mit Hilfe seines Feueratems große Schäden anrichtet.Godzilla_

Zugegeben, diese Dreiecksbeziehung ist einem ziemlich egal. Deswegen ist die deutsche Fassung auch eine Viertelstunde kürzer als das 96-minütige Original, denn viele Szenen, die das japanische Leben zeichnen, wurden einfach entfernt. Klar ist jedoch, dass der wahre Star Godzilla ist. Inspiriert von ‚Panik in New York‘, einem Saurierfilm aus dem Jahre 1953, in dem eine Echse den Big Apple verwüstet, hat Regisseur Ishiro Honda einen düsteren wie auch spannenden Streifen inszeniert, der in Sachen Atmosphäre auch heute noch funktioniert. Dabei trägt der verflucht gute Soundtrack einen erheblichen Teil zur Stimmung bei. Irgendwie befremdlich ist auch, dass Godzilla sich langsam fortbewegt. Das macht ihn gruselig, denn die schleichende Bedrohung ist sichtbar, aber auch nicht aufzuhalten. So wird Tokyo dem Erdboden gleichgemacht, was ganz klar Bilder der amerikanischen Atombombenangriffe ins Gedächtnis ruft.

Und tatsächlich fungierte ein Vorfall im Zusammenhang mit Atombomben als Ideengeber für den Produzenten Tomoyuki Tanaka. Am 1. März 1954 führte der US-amerikanische Kernwaffentest Castle Bravo zur Kontamination eines gesamten Fischkutters und zum Tode eines Besatzungsmitglieds und später zur Krebserkrankung weiterer Matrosen. Die Entrüstung im Volk war groß und so entschloss man sich, mit dem Film auch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki zu verarbeiten. Ganz klar ist, dass Godzilla für mehr steht als bloß für einen Kaltblüter, der Tokyo plattmacht. Er ist der schleichende Tod, der unaufhaltsam ist und der keine Gnade kennt. Genauso wie die Atombombe, die keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und deren einziger Zweck die Vernichtung ebenjener ist. Der Film zeigt ganz klar das Leiden der Bevölkerung, die mit dieser Massenvernichtungswaffe konfrontiert wird und die ihr nichts entgegensetzen kann. Denn am Ende drückt nur ein einziger auf einen Knopf und besiegelt das Schicksal vieler. Wie so oft. Godzilla aus dem Jahr 1954 ist damit eine Allegorie auf die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Atombombe.

Ich bin mit diesen Filmen groß geworden und verbinde eine nostalgische Verklärtheit damit. Nichtsdestotrotz ist das hier ein absoluter Klassiker, der gerade durch die Schwarz-Weiß-Optik und die Musik absolut fesselt, weil alles bedrohlich und düster erscheint. Klar, an der einen oder anderen Stelle sieht man Spielzeug-Autos durch die Gegend fliegen. Das erste Auftauchen von Godzilla hinter einem Berg sieht ziemlich merkwürdig aus. Aber damit muss oder kann man sich arrangieren. Wer ohnehin auf Monsterfilme steht, sollte diesen Urvater des Genres definitv nicht verpassen. Denn er ist im Gegensatz zu den meisten späteren Ablegern des Faches (zum Beispiel Godzilla von 1998 und Cloverfield von 2008) sehr viel mehr als einfach nur ein Actionstreifen über ein Tier, das in der großen Stadt sein Glück sucht.

Regie: Ishiro Honda (sehr viele Godzilla-Filme)

Schauspieler: Takashi Shimura, Akira Takarada, Momoko Kochi, Akihito Hirata

Bewertung: 

 

 

Over the Top – Mein Daddy schlägt sie alle (1987)

Kinderschauspieler! Und alle so: YEAH!

Der Bengel in ‚Over the Top‘ ist zudem auch noch einer von der ultrasympathischen Sorte: Besserwisser, Vaterkomplexe und ständige Stimmungsschwankungen. Ein bunter Cocktail voller Hormone. In einem Moment will er noch von Vati wegrennen, im nächsten scheint er mit ihm klarzukommen. Aber Sylvester Stallone wäre nicht Rambo / Rocky / Judge Dredd / Cliffhanger, wenn er nicht auch dieses Problem gelöst bekäme. Und wie bringt man sein Balg dazu, einen wieder zu mögen? Klar, mit Armwrestling! Over the Top

Lincoln Hawk (Sylvester Stallone) ist ein einfacher LKW-Fahrer. Um seinen Sohn Michael (David Mendenhall) näher kennenzulernen, nimmt er ihn mit auf eine Tour. Das war zumindest der Wunsch der schwerkranken Mutter, denn die beiden sollen ihre kaputte Beziehung zueinander kitten, bevor diese stirbt. Also die Mutter jetzt. Und das tut sie dann auch recht bald. Da hat Hawk in all dem Vater-Sohn-Annähern die Rechnung jedoch ohne den übermotivierten Großvater von Michael gemacht. Denn Jason Cuter (Robert Loggia) will den Jungen auf gar keinen Fall in den Händen eines erbärmlichen LKW-Fahrers wissen. Hawk nimmt nebenbei noch an der Weltmeisterschaft im Armdrücken in Las Vegas teil. Einerseits um die Liebe zu seinem Sohn zu gewinnen oder so, andererseits um mit dem Preisgeld eine eigene Firma zu gründen.

Die Geschichte ist plump wie auch blöd. Aber hey, was ist amerikanischer als ein Trucker, der Armdrücken betreibt, um seinem Sohn die wichtigen Lektionen des Lebens beizubringen? So Sachen wie, dass wenn man nur an sich glaubt, jedes Anabolika-Monster besiegen kann. Da steht dann Sylvester Stallone vor einem Kerl, dessen Bizeps dreimal so dick ist wie der eigene und schlägt ihn, einfach nur durch den Glauben an sich und eine spezielle Umgreif-Technik. Besonders lustig sind dann Einspieler, die so eine Art Interview mit den Teilnehmern darstellen während des Turniers. Gerade da wirkt unser Held wie der Forrest Gump des Armdrückens. Hawk ist zwar nicht unbedingt unsympathisch, aber der Hellste ist er eben auch nicht. Und warum sollte sein Sohn bei ihm mitfahren? Sollte der nicht lieber in der Schule sein?

Ach ja, Hawk junior ist auch noch da. Leider schafft es der Film nicht an einer einzigen Stelle, auch nur den Hauch von Mitgefühl gegenüber dem Jungen zu erzeugen. Seine Mutter ist gerade gestorben und sein Vater hat (scheinbar) nie den Kontakt zu ihm gesucht, doch trotzdem nervt der Kerl überall. Sein Großvater ist noch viel schlimmer. Er schlägt Hawk vor, sich dem Enkel zuliebe zu versöhnen, doch beleidigt Sly im nächsten Satz als den totalen Vollidioten. Wo ist da die Logik?

Genauso schlüssig ist das Ende, das nur vor Pathos und amerikanischem Lebensgefühl strotzt. Wenn zum wiederholten Male ein typischer 80er-Song eingespielt wird und Vater und Sohn nach 90 Minuten Hin und Her mit dem PS-Monster in Richtung Sonnenuntergang aufbrechen, dann weiß man, dass alles gut wird. Schließlich kann der Junge auf der Straße die wichtigsten Sachen lernen und vor allem seine kümmerlichen Bizepse trainieren. In Deutschland wäre das Jugendamt wohl nicht so erfreut darüber, aber das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Land, in dem Männer noch richtige Männer sind. Oder viel eher waren, in den glorreichen 80ern. Mit Trucks und Oberarmen aus Stahl.

Regie: Menahem Golan (Produzent für Eis am Stiel I-VI, Delta Force)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Robert Loggia, David Mendenhall

Bewertung: 

Moon (2009)

Moon ist das Langfilm-Regiedebüt von Duncan Jones, dessen Vater niemand geringerer als David Bowie ist und der mit Source Code leider nicht alle Erwartungen erfüllen konnte. Der junge Mann darf sich bald an der ‚World of Warcraft‘-Verfilmung versuchen. Aber sachte, erstmal gehts rauf zum Mond.

In naher Zukunft wird der Energiebedarf der Erde zu großen Teilen durch Helium-3 gedeckt, welches auf dem Mond gewonnen wird. Dafür ist ein einzelner Mann für Lunar Industries dort stationiert: Sam Bell (Sam Rockwell). Sein Vertrag ist auf drei Jahre begrenzt und schon bald darf er nach Hause zu seiner Familie. An Sams Seite ist der Roboter GERTY (gesprochen von Kevin Spacey). Ansonsten ist der Astronaut komplett isoliert und vom Rest der Menschheit abgeschnitten. Bei einem Außeneinsatz jedoch verunglückt Sam und wacht wenig später in der Medizinstation der Mondbasis auf. Zumindest scheint es so. Doch die Dinge sind ganz anders und schon bald kommen erste Zweifel auf, ob alles seine Richtigkeit hat.

Ohne einen gewaltigen Spoiler wäre die Handlung jetzt nicht fortzuführen. Deswegen sei es jedem selbst überlassen, herauszufinden, was dort oben vor sich geht. Trotzdem kann man, ohne viel zu verraten, erzählen, dass der Film eine bewegende wie auch tiefgründige Botschaft transportiert.

Einerseits wird mit Sci-Fi-Mitteln auf die Frage eingegangen, ob der Zweck denn die Mittel heiligt. Darf man zum Wohle der Menschheit eine einzelne Person opfern? Andererseits werden ganz existenzielle Themen angeschnitten. So geht es in ‚Moon‘ in gewisser Weise auch darum, ab wann menschliches Leben beginnt. Gerade im Hinblick auf aktuelle Diskussionen rund um Stammzellenforschung und dergleichen. Ferner wird deutlich, dass Duncan Jones auch Kritik an der profitorientierten Gesellschaft übt, die zu jeder Zeit für ein größeres Return on Investment auf Menschlichkeit pfeift.

Dabei ist ‚Moon‘ kein Scheinwerfer, der auf alle diese Probleme gehalten wird und laut schreit. Es geht sehr ruhig zu und Sam Rockwell trägt den Film komplett alleine. Er lebt halt in völliger Isolation. Das ist stellenweise ebenso gespenstisch wie auch schön. Zwar hat er den womöglich schönsten Ausblick im Universum, doch die Isolation nagt an seinem Verstand und die rettende Erde ist eine 3-Tages-Reise entfernt. Niemand kann ihm helfen und er ist dem großen Nichts genauso ausgeliefert wie dem Riesenkonzern, der ihn beauftragt hat. Zwar nimmt ‚Moon‘ zum Ende seiner 96 Minuten Laufzeit noch ein wenig Fahrt auf, doch richtig spannend wird es nie. Aber das ist auch nicht unbedingt nötig. Schließlich lebt der Film von seiner Ruhe. Und die durchzieht auf atmosphärische Art und Weise die gesamte Handlung.

Ganz klar ist das hier kein Feel-Good-Movie. Ein wenig fühlte ich mich stellenweise hier und da an Kubricks ‚2001‘ erinnert. Aber der Roboter ist keine fiese Maschine und die Interpretation fällt einem nicht so schwer, gerade weil im weitesten Sinne alles realistisch wirkt und die Message mehr oder weniger offener serviert. Zudem ist ‚Moon‘ im wahrsten Sinne des Wortes ein kleiner Film. Mit kleinen Mitteln und mit insgesamt sehr wenig Dialog. Mir fallen auch nicht viele ähnlich Streifen ein, die einem dermaßen an die Haut gehen könnten. Vor allem dieses einzelne Schicksal eines Mannes, der den Verstand zu verlieren droht, hat mich sehr bewegt. Wenn man es jedoch nicht schafft, mit ihm mitzufühlen, kann der Film sehr schnell, trotz kurzer Laufzeit, langatmig werden. Deswegen sollte man das Licht möglichst ausmachen und so die langen Shots auf das Mondpanorama einsaugen, um mehr von diesem Weltall-Feeling aufzunehmen.

Für mich ist ‚Moon‘ einer der schönsten und intensivsten Filme, die ich kenne. Er ist auf keinen Fall perfekt und die Handlung hat gerade am Ende so ein wenig Leerlauf, weil der entscheidende Twist ziemlich früh passiert. Aber das stört mich dann nicht mehr. So muss Sci-Fi mit Message einfach sein. Und Sam Rockwell hat sich hiermit zu einem meiner Lieblingsschauspieler gemausert, der einen Film auch ganz alleine tragen kann. Das kann nicht jeder Actor von sich behaupten. Ich würde die schauspielerische Leistung sogar ein wenig mit der von Ryan Reynolds in ‚Buried‚ vergleichen, obwohl die beiden Filme thematisch wie inhaltlich nichts vereint.

Am Ende bleibt es jedem selbst überlassen, ob ‚Moon‘ einen packt. Doch wenn es einem gelingt, die vermittelten Emotionen zu verinnerlichen, hat man ein in seiner Art seltenes Filmerlebnis. Also auf zum Mond!

Regie: Duncan Jones (Source Code, Warcraft)

Schauspieler: Sam Rockwell, Kevin Spacey

Bewertung: 

Donnie Darko (2001)

Donnie Darko ist ein Indiefilm von 2001 mit gerade einmal einem Budget in Höhe von 6 Millionen $. Nichtsdestotrotz ist man durchaus verdutzt über die ganzen Schauspieler, die man alle kennt, u.a. die noch sehr jungen Jake und Maggie Gyllenhaal, Crazy Swayze, Drew Berrymore sowie den einen Typen aus Emergency Room (Noah Wyle). Sogar Seth Rogan erblickt man nach näherem Hinsehen. Ein großer Erfolg war der Film anfangs jedoch nicht, was nicht zuletzt auch an der Nähe zu 9/11 lag. Schließlich spielt ein abstürzendes Flugzeug bzw. ein Teil davon im Film eine Rolle. Das führte dazu, dass sich Regisseur Richard Kelly erst im Nachhinein durch die zunehmenden DVD-Verkäufe die Lizenzen an bestimmten Musiktiteln sichern konnte, was 2004 wiederum zu einem Director’s Cut führte, welcher 133 anstatt 113 Minuten dauert. So ist Donnie Darko, ähnlich wie auch Fight Club, erst nachträglich zu einem kommerziellen Erfolg geworden. Inzwischen ist der Film Kult und genießt eine treue Schar von Anhängern.

Jake Gyllenhal spielt Donnie Darko, einen verstörten und psychisch labilen Jungen, der in einer kleinen Stadt in Virginia lebt. Die Handlung findet im Verlauf des Oktobers 1988 statt. Donnie haluziniert und schlafwandelt und bekommt dabei von dem Hasen Frank die Botschaft mitgeteilt, dass die Welt innerhalb der nächsten 28 Tage untergehen wird. Gleich zu beginn stürzt eine Flugzeugturbine in das Haus der Darkos und genau auf Donnies Bett, der zu dem Zeitpunkt auf einem Golfplatz schlafwandelt und deswegen das Unglück unbeschadet übersteht. Von diesem Ereignis aus erleben wir chronologische Geschehnisse aus dem Alltag des Jungen. So schildert er beispielsweise seiner Therapeutin die Begegnungen mit seinem imaginären Freund, der ihn dazu veranlasst, seine Schule unter Wasser zu setzen. Frank ist es auch, der Donnie dazu bringt, über Zeitreisen zu forschen. Nebenher sieht man, dass der Junge eine eher schwierige Beziehung zu seiner Familie unterhält. Trotz seiner psychischen Probleme freundet er sich mit Gretchen Ross (Jena Malone) an, die für den weiteren Verlauf keine unwichtige Rolle spielt.

Es fällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht leicht, den Film zusammenzufassen. Das liegt daran, dass die Handlung teilweise Interpretationsspielraum lässt und dass unglaublich viele Charaktere daran beteiligt sind. Drew Berrymore spielt zum Beispiel eine eigentlich unwichtige Lehrerin, doch praktisch alle Personen werden zum Schluss zusammengeführt und spielen eben doch irgendwie wieder eine Rolle. Die Geschichte bewegt sich dabei zwischen Science-Fiction und Drama und gerade, wo man denkt, zu wissen, worauf es hinausläuft, entlässt der Film einen mit einem Ende, mit dem so garantiert nicht gerechnet hätte.

Besonders Jake Gyllenhal, der vielen leider nur als Prinz aus Persien oder schwuler Cowboy bekannt sein könnte, ist großartig. Er hat so eine Art, bei der man nicht weiß, ob er gleich etwas ziemlich Cooles sagt oder aus seiner Psychose heraus ein Haus anzündet. Damit ist er ein Antiheld, der undurchschaubar und zugleich nie so wirklich sympathisch ist. Was sich am Ende dann wieder ändert. Doch damit ist dann auch schon wieder womöglich zu viel gesagt.

Im Film gibt es dann den einen oder anderen ungemein miesen Charakter, allen voran der aalglatte Jim Cunningham (Patrick Swayze), der als Guru den Leuten irgendeinen Blödsinn über das Leben andreht. Hier gefällt dann Donnie Darko als Typ, der sich nicht anpassen kann oder will und den Leuten eben ins Gesicht sagt, was er denkt und sie so entblößt. Damit eckt er an und entfremdet sich zunehmend von der Gesellschaft. Es bleibt auch die andauernde Befürchtung, dass Donnie nur ein geisteskranker Spinner ist. Der Film spielt hier ein wenig mit den Erwartungen und Vorstellungen des Zuschauers, der sich darauf verlässt, dass immer alles so ist wie gezeigt. Dadurch lädt das Finale zum Nachdenken, Interpretieren und Diskutieren ein. Man kann sich zudem nicht sicher sein, ob Donnie haluziniert oder nicht, was das Gesehene noch ein wenig mehr verschleiert.

Donnie Darko ist ein düsterer, ruhiger und intelligenter Film. Erst zum Schluss wird ein wenig Fahrt aufgenommen. Es gibt zudem dezent eingesetzte Special Effects (was natürlich auch eine Budgetfrage ist), doch besonders aufgeregt und actionreich ist die Geschichte nie. Das braucht sie auch nicht zu sein, denn hier geht es ganz klar um eine unheimlich innovative und beeindruckende Handlung, die man mit eher wenigen anderen Filmen vergleichen kann. Am ehesten ähnelt der Film womöglich Take Shelter, Moon, K-Pax und Another Earth, da man auch dort mit einem Hauptcharakter alleingelassen wird, der irgendwo zwischen Melancholie und Wahnsinn schwebt. Alle diese Filme leben von der Ungewissheit und bieten ziemlich geile Enden.

Auf Wikipedia ist eine Deutung des Regisseurs zu finden, die man sich tunlichst erst geben sollte, wenn man auch den Film gesehen hat. Mich persönlich hat Donnie Darko jedenfalls dermaßen umgehauen wie es sonst kein bombastisches Hollywood-Spektakel in 3D und mit 300 Millionen $ Budget schafft.

PS: Das Sequel von 2009 hat mit Richard Kelly oder Jake Gyllenhal nichts zu tun, kam direkt auf DVD raus, stinkt und sollte tunlichst vermieden werden.

Regie: Richard Kelly (Southland Tales, The Box)

Schauspieler: Jake Gyllenhal, Maggie Gyllenhal, James Duval, Patrick Swayze, Jena Malone

Bewertung: 

The Yellow Sea (2010)

Ein koreanisches Thriller-Krimi-Drama! Und nur mit englischen Untertiteln, dazu noch 140 Minuten lang in der westlichen Version (157 im Original). Und ganz viele Leute, deren Namen und Gesichter man sich nicht so gut merken kann, zumindest fiel es mir sehr schwer. Und verdammt, die Koreaner mögen Messer…

The Yellow Sea handelt von Gu-Nam (Jung-woo Ha), einem ärmlichen Taxifahrer in der Grenzregion von China, Nordkorea und Russland. Er ist ein Joseonjok, also ein in China lebender Koreaner und damit ziemlich weit unten in der Nahrungskette. Vor sechs Monaten ging seine Frau ins reiche Südkorea, um dort zu arbeiten und so die Familie zu unterstützen. Sie hat sich seitdem nicht mehr gemeldet und Gu-Nam versinkt in Schulden, Alkohol und Glücksspiel. Der Gangster-Boss Myun (Yun-seok Kim) bietet ihm die Auflösung seiner Schulden an, wenn er jemanden für ihn in Südkorea um die Ecke bringt. So begibt sich Gu-Nam auf die Reise, um einen Mord zu begehen und dabei noch irgendwie seine Frau zu finden. Rund um den Auftrag ergeben sich Probleme und so ist die Polizei, die nach ihm fandet, bald sein geringstes Problem.

The Yellow Sea ist das genaue Gegenteil eines Feel-Good-Movies. Wer auf nette zwischenmenschliche Interaktionen wartet und weder mit Armut, Kriminalität und abgetrennten Gliedmaßen konfrontiert werden möchte, sollte Hong-jin Nas zweiten Film absolut meiden. Ansonsten entspinnt sich hier ein relativ komplexes Gefüge, dem man nicht immer allzu einfach folgen kann. Gegliedert ist der Film in 4 Kapitel, die jedoch nicht ganz so einschneidende Brüche bewirken wie beispielsweise bei Quentin Tarantinos Kill Bill-Filmen.

Gu-Nam ist im Grunde ein niemand. Er kann nicht kämpfen, hat kein Geld und unbedingt sympathisch ist er auch nicht. Doch man fühlt mit ihm in seiner aussichtslosen Situation mit. Das liegt teilweise auch an der Härte einiger Szenen. Es gibt teilweise minutenlange Verfolgungssequenzen, die einfach nur einen Typen zeigen, der überleben will und dabei von 20 Männern mit Messern, Äxten und Stangen verfolgt wird. Das sind die ganz starken Momente des Films. Und hier erinnert er ein wenig an Oldboy.

Der ‚Oberböse‘ ist Myun. Ein anfangs irgendwie ganz schön asozialer Typ, der liebend gern eine Axt benutzt. Man begegnet ihm relativ früh und kann ihn eigentlich überhaupt nicht einschätzen. Doch zum Ende hin nimmt er fast schon übermenschliche Fähigkeiten an und scheinbar machen ihm Messerstiche in den Leib nicht allzuviel aus. Und verdammt, mit seiner Axt kann man so viel machen, vor allem Amputationen am lebenden Subjekt. Er verfolgt Gu-Nam und ist einfach mal ein Boss, der das Heft selbst in die Hand. In einer Szene hat er keine Axt zur Hand, da nimmt er halt einen gottverdammten Knochen und verprügelt damit Leute. Ein weiterer Bösewicht ist ein gepflegter und reicher Mafioso, der in Sachen Coolness nie an Myun herankommt. So hat man jedoch enorm viele Charaktere, die alle Probleme miteinander haben und irgendwo in der Mitte ist Gu-Nam und versucht nur, am Leben zu bleiben.

Das Ende wiederum fand ich eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass die letzte Szene nach dem Abspann noch einmal Fragen aufwirft und einen komplett unbefriedigt zurücklässt. Genauso auch eine andere Szene zum Schluss, die ich zwar deuten kann, die aber ansonsten irgendwie nicht allzuviel Aussagekraft besitzt und meiner Meinung nicht ganz in die Geschichte passt. The Yellow Sea hätte besser sein können, wenn man vielleicht die eine oder andere Sequenz weggelassen hätte. Nichtsdestotrotz bleibt der Film trotz seiner ausufernden Länge meistens spannend und geht einem an die Nieren. Diese Brutalität und Armut sieht man in der westlichen Hollywood-Welt selten. Während Oldboy jedoch ein sehr psychologischer und philosphischer Film ist, bleibt Yellow Sea glasklar in der Realität und konfrontiert einen einfach nur mit der Wirklichkeit. Meiner Meinung nach sollte man diesem Streifen durchaus eine Chance geben, zumal er noch im Mai 2012 ins Kino kommt und es gerade hierzulande neben den ganzen Tatorten und CSIs an Krimis nicht viel mehr in diesem Segment gibt.

Regie: Hong-jin Na (The Chaser)

Schauspieler: Jung-woo Ha, Yun-seok Kim, Jo Seong-Ha

Bewertung: 

Cheyenne – This Must Be the Place (2011)

Sean Penn spielt Cheyenne, einen alternden ehemaligen Rockstar, der zurückgezogen irgendwo in Irland sein Dasein fristet. Er führt ein ruhiges Leben mit seiner Ehefrau Jane (Frances McDormand) voll von Melancholie und Tristess. Cheyenne selbst ist gezeichnet von seinem früheren Leben. Einerseits versucht er noch immer den Tod zweier Fans seiner Musik zu verdauen, andererseits merkt man ihm seinen früheren exzessiven Drogenkonsum an. Er bewegt sich langsam und spricht meistens eher bedächtig. Aus purer Langeweile handelt er mit Aktien und macht sonst eigentlich nicht allzu viel. Trotz dieser Lebensumstände schminkt sich Cheyenne immer noch tagtäglich und behält ein gewisses Outfit bei, welches seinem ehemaligen Musikerleben entspricht.

Eines Tages erfährt er, dass sein in New York lebender jüdischer Vater, zu dem er drei Jahrzehnte lang keinen Kontakt hatte, gerade stirbt. Da Cheyenne Angst vor dem Fliegen hat, nimmt er das nächste Schiff und kommt dadurch zu spät. Aus den Tagebüchern seines alten Herren und durch seinen Cousin erfährt er, dass dieser sein Leben lang den Deutschen gesucht hat, der ihn im KZ in Auschwitz gepeinigt und gedemütigt hat. So macht sich Cheyenne auf einen Roadtrip durch die USA, um die Lebensaufgabe seines Vaters zu Ende zu bringen.

Man muss wissen, dass dies ein langsamer zweistündiger Film ist. Es gibt sehr viele ruhige Bilder und teilweise sehr statischen Dialog. Das liegt vor allem an Cheyenne selbst, der langsam und mit hoher Stimme spricht und nur ein einziges Mal aus sich selbst herauskommt. Bewegen tut er sich bedächtig. Sowieso ist Cheyennes Erscheinungsbild teilweise so absurd und skurril, dass es schon wieder lustig ist. Wenn er beispielsweise irgendwo in einer amerikanischen Kleinstadt in einem Wohnzimmer neben einer alten Lady hockt, überall Plüschfiguren im Raum und alles auf süß und gemütlich gemacht, dann wirkt er wie ein Alien. Und das ist es, was den Film in erster Linie auszeichnet. Nirgends wirkt Cheyenne beheimatet und trotzdem muss er überall durch. Sean Penn spielt meiner Meinung nach überragend.

Der Film deckt rein thematisch eine große Menge an Dingen ab. Einerseits geht es um den Popstar, der seines Lebens schon lange überdrüssig ist und nicht mit seinem Leben klarkommt. Getragen wird alles vom Rachethema. Doch auch hier wird es wieder problematisch, weil Cheyenne mit der Reise gleichzeitig in gewisser Weise die Beziehung zu seinem Vater aufarbeitet. So läuft die Suche zum Ende hin auf die moralische Frage hinaus, ob das alles überhaupt in Ordnung hinaus, was er da macht. Was micht am meisten verwundert hat, ist, dass This Must Be the Place doch eher eine Art Krimi ist, weil der gesuchte Nazi gar nicht mal so leicht zu finden ist. Ich musste auch nach zwei Dritteln kurz Pause machen und über das Gesehene nachdenken. Es ergbit jedoch alles Sinn und so hangelt sich eben Cheyenne von Hinweis zu Hinweis. Das, woran er sich da orientierte, war mir zuerst gar nicht so bewusst, doch die Auflösung, die sich zum Schluss ergab, empfand ich als äußerst befridiegend und nachvollziehbar. Erst mit der letzten Szene wird deutlich, dass Cheyenne dank dieser ganzen Reise erst richtig erwachsen wird und sich von den Fesseln seiner Vergangenheit löst, die ihn zu einem melancholischen Emo haben verkommen lassen.

Der Film klärt nicht alles auf und lässt so Raum für Interpretationen. Das muss nicht jedem Gefallen, aber so empfand ich das Ende nicht aufgedrückt. Manchmal muss eben nicht jeder Faden, der am Anfang gesponnen wurde, auch bis zum Ende verfolgt werden. So ist mir dieser Charakter namens Cheyenne, der erst völlig merkwürdig und deplatziert erscheint, als ein tiefgründiger und intelligenter Mensch ans Herz gewachsen. Einerseits weil Sean Penn so gut in der Rolle ist, andererseits weil er keine Diva ist, sondern einfach nur ein Kerl, der sich halt eben schminkt, weil er das so gewohnt ist und Probleme hat, sich das abzugewöhnen.  So ist Cheyenne eben ein totaler Antiheld, ähnlich einer Lisbeth Salander. Defnitiv ist das hier eines der ungewöhnlichsten Road-Movies da draußen, welches mir aber große Freude bereitet hat. Man muss auf große Spannung verzichten, denn der Film lebt von seinem zentralen Charakter. Der Trailer vermittelt ein gutes Bild für Unentschlossene.

Regie: Paolo Sorrentino (Il Divo, The Consequences of Love, The Family Friend)

Schauspieler: Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch

Bewertung: 

Full Metal Jacket (1987)

Full Metal Jacket heißt übersetzt Vollmantelgeschoss. Dieses ist im Grunde einfach nur eine Patrone für Waffen (bis zu 20 mm Durchmesser) und besteht aus einer harten Hülle (Kupfer, Messing, Stahl) mit einem weicheren Kern (Blei). Vollmantelgeschosse werden wohl größtenteils nur militärisch benutzt, an dieser Stelle würde ich gerne einfach mal Wikipedia zitieren:

Der Mantel schützt den Lauf von Büchsen vor dem Abrieb des weicheren Bleies und verhindert außerdem eine Verformung oder gar ein Zersplittern des Bleikerns beim Auftreffen auf ein weiches Ziel wie einen Menschen- oder Tierkörper.

Das klingt schon ein wenig gruselig, zumal es rund ums Thema Waffen eine richtige Wissenschaft gibt (hier gibts noch ein wenig eingehender um Patronen). Soviel zumindest schon mal zum Titel von Stanley Kubricks zweistündigem Antikriegsfilm. Full Metal Jacket gliedert sich in zwei Kapitel, deren Held Private Joker (Matthew Modine) ist. Im ersten Abschnitt erleben wir die Ausbildung angehender Marines unter dem sadistischen Sergeant Hartman (Ronald Lee Ermey), im zweiten begleiten wir Joker in Vietnam.

Nachdem alle jungen Männer rasiert sind, beginnt ihr Werdegang zum Soldaten. Gleich von Beginn an werden sie erniedrigt und angeschrien, wobei jeder Satz von Hartman einfach nur einprägsam ist. Er hat im Film auch nicht ein Wort an Dialog, das nicht gebrüllt wird. So thematisiert der erste Abschnitt die Brutalität und Kälte, mit der die eigentlich noch viel zu jungen Männer konfrontiert werden. Besonders der etwas zurückgebliebene Rekrut Leonard Lawrence (Private Paula im Deutschen, Private Gomer Pyle im Englischen) kommt nicht mit und wird so Opfer von Hartmann und damit auch zum Gemobbten der gesamten Kompanie.

Der längere zweite Teil zeigt, wie Joker in Vietnam auf seinen ersten „richtigen“ Einsatz muss. Dabei ist er selber eigentlich nur als Kriegsberichterstatter tätig, brennt allerdings in seinem jugendlichen Leichtmut darauf, endlich mal jemanden umzubringen.

Private Joker: I wanted to see exotic Vietnam… the crown jewel of Southeast Asia. I wanted to meet interesting and stimulating people of an ancient culture… and kill them. I wanted to be the first kid on my block to get a confirmed kill!

Hier entlädt sich dann im Grunde alles, was den Krieg ausmacht, auf den jungen Mann und seine Kameraden. Spätestens jetzt wird deutlich, dass die Ausbildung niemals genug Vorbereitung für den wahren Schrecken von Vietnam ist. Beeindruckend ist vor allem das Ende, in dem amerikanische Soldaten vor einer zerstörten Stadt entlanglaufen und dabei den Mickey-Mouse-Club-Song singen. Das spiegelt irgendwo wieder, wie sie doch alle nur Kinder sind, die jetzt, wo sie wissen was Krieg ist, nicht mehr so richtig Soldaten sein wollen.

Full Metal Jacket bietet viel Raum für Interpretation, was meine Kompetenzen jedoch übersteigt. Wikipedia bietet hier ein paar sehr überzeugende Ansichten. Für mich herausstechend war vor allem die Tatsache, dass Joker in Vietnam einen Button mit Friedensmotiv trägt, dabei zeitgleich „Born to Kill“ auf seinem Helm zu stehen hat. Alleine das ist schon ziemlich absurd und macht den Krieg in gewisser Weise lächerlich.

Ansonsten ist das ein wunderbarer und intelligenter Film, der die Sinnlosigkeit des Krieges und der Soldatenausbildung darstellt. Es wird vollkommen auf Patriotismus verzichtet und der einzelne Mensch, der im Grunde nur eine dumme Marionette ist, als Teil der Tötungsmaschinerie in den Vordergrund gestellt. Die Marines selber scheinen keine Ahnung zu haben, warum sie da gerade Krieg führen. In einer Szene ballert ein amerikanischer Soldat wahllos aus einem Helikopter heraus auf rennende Zivilisten und lacht auch noch drüber, schließlich erhöht er ja damit seinen Kill-Count.

Full Metal Jacket ist herausragend, wenn auch nie so wirklich spannend, schließlich gibt es keinen klassischen Handlungsbogen, was auch der Gliederung geschuldet ist. Es sind vielmehr die einzelnen Dialoge und Einsichten, die man erhält, die einen fässeln und schockieren, wohlwissend, dass der Film sich mit Sicherheit nicht weit weg von der Realität befindet. Der Soldat James Ryan hat beispielsweise eine bombastische Anfangssequenz, die in gewisser Weise auch schonungslos den verletzbaren menschlichen Körper darstellt. Full Metal Jacket ist leiser und wird so zugleich auch persönlicher oder auch subtiler. Ich habe mich jedenfalls nirgends gelangweilt, denn die Protagonisten waren mir nicht gleichgültig.

Während Kubricks Dr. Seltsam eine humoristische Karikatur eines möglichen atomaren Weltkriegs aus der Sicht der Mächtigen zeigt, geht es in Full Metal Jacket um die einzelne Person, die im Grunde an keiner Stelle irgendetwas zu lachen hat und die ohne persönlichen Grund in die Schlacht muss, weswegen man sie erst wie einen Hund abrichtet. Diejenigen, die den Krieg beschließen, sind nicht diejenigen, die in den Kampf ziehen. Beide sind auf ihre eigene Art und Weise sehr unterschiedliche Filme, die beweisen, dass Stanley Kubrick einer der wichigsten Regisseure des 20. Jahrhunderts ist.

Regie: Stanley Kubrick (A Clockwork Orange, 2001, Shining)

Schauspieler: Matthew Modine, Vincent D’Onoforio, Ronald Lee Ermey, Adam Baldwin (nicht mit den Baldwin-Brüdern verwandt)

Bewertung:  

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Take Shelter (2011)

Curtis (Michael Shannon) ist Bauarbeiter und verheiratet mit Samantha (Jessica Chastain).  Zusammen mit ihrer gehörlosen Tochter führen sie ein kleinbürgerliches Leben irgendwo in Ohio. Mit der Zeit jedoch hat Curtis zunehmend Visionen von einem Sturm, der über sie hereinbricht. Seine Halluzinationen werden immer stärker und er träumt von seinen Mitmenschen, die ihn angreifen, verletzen und ihm seine Tochter wegnehmen. Schließlich beschließt Curtis, den Keller in seinem Garten zu einem richtigen Schutzraum auszubauen, was jedoch weder billig ist noch mit Verständnis von seiner Frau aufgenommen wird.

Im Grunde geht es den gesamten Film darum, ob Curtis schizophren ist oder nicht. Seine eigene Mutter hat die Krankheit und er selber fürchtet sich davor. Vor allem treibt ihn die Angst, seine Familie zu verlieren während er sich auf seine eigene Wahrnehmung nicht mehr verlassen kann. So sieht man während der zweistündigen Laufzeit oft Traumsequenzen, die die Sorgen und Ängste Curtis‘ thematisieren und ihn verstört zurücklassen. Gleichzeitig ergeben sich finanzielle als auch soziale Probleme. So distanziert sich Curtis nicht nur von seinem eigenen Hund und seinem Bruder, sondern auch von seinem langjährigen Freund und Arbeitskollegen. Im Grunde halten ihn die Leute für verrückt. All die Ängste und Befürchtungen stauen sich in ihm an und müssen sich wohl oder übel irgenwann entladen.

Es ist schwierig, mehr zu erzählen, denn wirklich viel passiert nicht. Wir verfolgen die gesamte Zeit den Verfall von Curtis, der wirklich herausragend von Michael Shannon gespielt wird. Die einzelnen Szenen, in denen er eine riesige Wolkenfront vor sich aufziehen sieht und die bevorstehende Apokalypse vermutet, sehen echt beeindruckend aus. Darüber hinaus ist er ein stiller Charakter und eher verschlossen. Erst mit einer Beraterin öffnet er sich zum ersten mal und schildert seine Befürchtung, selbst geistig verwirrt zu sein. Später erst ist er gezwungen, seiner Frau von seiner Lage zu erzählen, denn anders könnte er den Bunker draußen im Garten auch nicht erklären.

Im Grunde kann man die Szenen, in denen Curtis träumt, erst nicht von der Normalität unterscheiden, bis sich dann oft Extreme hineinmischen, die teilweise ziemlich verstörend sind, beispielsweise wenn ihm seine eigene Tochter von Fremden aus dem Auto entführt wird und er nichts dagegen unternehmen kann. Zeitweise erinnerte mich Take Shelter in all seiner Stille und Ruhe sehr stark an Signs – Zeichen von M. Night Shyamalan, nur eben ohne die ganzen Aliens. Dort ging es auch um eine Familie, die auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird.

Das Finale ist dann eine Art Psychospiel, das ich auf subtile Weise fesselnd fand. Es explodiert nichts, niemand schießt oder dergleichen, aber man wartet gespannt auf die Auflösung. Die fand ich dann ziemlich gelungen und dem Film entsprechend. Dass Take Shelter in keiner Weise auch nur irgendwie für einen Oskar berücksichtigt war, finde ich ziemlich lausig. Dafür dann lieber einen Gaul von Steven Spielberg? Zumindest Michael Shannon hätte hier eine Nominierung als bester Hauptdarsteller mehr als verdient gehabt. Wie dem auch sei, ich lege dieses wunderbare Drama jedem ans Herz.

Regie: Jeff Nichols (Shotgun Stories, Mud)

Schauspieler: Michael Shannon, Jessica Chastain

Bewertung:  

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Another Earth (2011)

Wie viel Geld braucht man heutzutage, um einen (guten) Film zu machen? Da gibt es Leute, die brauchen schon ihre „Milliönchen“. Der dritte Fluch der Karibik führt aktuell die Tabelle mit 300 000 000 $ an und lustigerweise befindet sich gleich dahinter Rapunzel (ja, dieser animierte Märchenfilm aus dem Jahre 2010) mit 260 000 000 $ an Produktionskosten. Inflationsbereinigt schaut das noch ein wenig anders aus, denn dann führt der Film Cleopatra, der 20th Century Fox fast in den Ruin getrieben hätte. Another Earth dahingegen ist ein Indie-Film für unter 100 000 $. Die Hauptdarstellerin hat das Skript zusammen mit dem Regisseur geschrieben, beide haben mitproduziert und das gesamte Editing hat Mike Cahill am eigenen Rechner gemacht. Dazu gibt es hier ein nicht uninteressantes Interview mit ihm.

In Another Earth geht es um die angehende und überaus intelligente Studentin Rhoda (Brit Marling). Sie zelebriert die Annahme am MIT (Massachusetts Institute of Technology) und fährt des Nachts im Rausch nach Hause. Zeitgleich kann man zum ersten Mal am Himmel einen neuen Planeten sehen: die zweite Erde. Dadurch wird sie abgelenkt und rammt ein anderes Auto, in dem sich John (William Mapother) misamt Frau und Kind befindet. Nur Rhoda und John überleben den Unfall und sie muss anschließend für 4 Jahre ins Gefängnis. Völlig verstört kommt sie nach dieser Zeit raus und begibt sich zu John, dem die Identität der Unfallverursacherin schleierhaft ist, um sich zu entschuldigen.

Der Film ist ein Drama, in dem zwei Menschen, die durch ein Ereignis vollkommen von der Gesellschaft getrennt und traumatisiert wurden, zueinander finden. Dabei schwingt immer im Hintergrund mit, dass Rhoda sich schuldig fühlt und John nichts von ihrer Vergangenheit weiß. Die zweite Erde ist dabei mehr oder weniger eher eine Randnotiz, was Another Earth nicht zu einem waschechten Sci-Fi-Film macht. Die Erden-Kopie ist mehr oder weniger der Rahmen für die Geschehnisse und stellt zum Ende hin auch eine Art Ausflucht aus der misslichen Lage der Akteure dar.

Insgesamt ist Another Earth sehr minimalistisch. Teilweise wird sehr wenig geredet, was mir persönlich jetzt aber nicht langweilig vorkam, da stets irgendwie eine Stimmung erzeugt wurde. Dabei entwickeln sich die beiden Protagonisten und steuern auf ein verdammt geiles Ende hin. Soviel sei gesagt. Natürlich bleibt der Tonus meistens traurig, denn den Tod von Johns Familie kann man im Grunde mit nichts aufwiegen. Es gibt auch nur einen Special Effekt im Film, undzwar die immer größer werdende Zweiterde am Firmament. Das sieht ziemlich nett aus und so verzichtet man auf irgendwelche abgedrehten Weltraum-Szenen oder dergleichen, die der Stoff vielleicht hergegeben hätte.

Wer dieses 90-minütige Beziehungs-Indie-Drama mit Sci-Fi-Einfluss schaut, wird sicher nicht enttäuscht werden. Zumindest wenn man auf jegliche Action und Komik verzichten kann. Es geht halt eben sehr ernst zu, vor allem wenn man Menschen auf dem Gewissen hat.  Wissenschaftler werden vermutlich innerlich sterben, denn rein physikalisch ist das Szenario mehr als fragwürdig. Ich fand Another Earth dennoch überwältigend schön. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, außer, dass man auch ohne viel Geld gute Filme machen kann.

Regie: Mike Cahill

Schauspieler: Brit Marling, William Mapother

Bewertung:  

Dame, König, As, Spion (2011)

Es ist Nacht. Der Regen verwandelt die Straßen in eine Ansammlung von Pfützen, Dreck und Schlamm. Die Menschen beeilen sich, es herrscht geschäftiges Treiben. Man vertreibt sich die Zeit, zum Beispiel im Kino. Dort läuft gerade Dame, König, As, Spion. Es ist noch dunkler im Saal als draußen. Stille. Niemand wagt es, zu reden oder zu rascheln. Alle starren gebannt auf die Leinwand. Lange bleibt es so, bis ich beschließe, mir ein Bier aufzumachen.

Scheiße war das laut. Kurz umgeschaut. Niemand verärgert. Ok. Popcorn-Tüte aufmachen. Scheiße, das war ja noch viel lauter. Ganz, ganz langsam kauen. Damit es nicht so knirscht. Bloß nicht im Sitz bewegen, ist nämlich auch laut. Mein Gott, wie laut wir Menschen doch sind manchmal. Jede Bewegung erzeugt Geräusche, selbst das Atmen anderer. Augenblick, gabs da nicht noch einen Film auf der Leinwand?

Dame, König, As, Spion ist ein leiser Film. Und wenn ich sage leise, dann meine ich, dass manchmal so wenig gesprochen wird, dass man Angst bekommt, irgendwelche Geräusche zu machen und so, für den Fall, dass etwas gesagt wird, zu verpassen. Das ist keine Kritik. Jedoch können Freunde von Michael Bay und Roland Emmerich gleich an dieser Stelle aufhören zu lesen und lieber etwas sinnvolleres mit ihrer Zeit anstellen, zum Beispiel in Zeitlupe von Explosionen weggehen, ohne sich umzusehen. Der Rest freut sich über die überragende Besetzung.

Der Film spielt in den 70er Jahren und thematisiert den britischen Geheimdienst irgendwo zwischen Ost und West. In der Organisation soll sich ein Maulwurf befinden, der wichtige Informationen an die Russen weitergibt. Control (John Hurt), Chef der Organisation, erteilt Jim (Mark Strong) den Auftrag, sich mit irgendwem in Budapest zu treffen und so an den Namen des Maulwurfs zu kommen. Das geht ziemlich in die Hose und so wird Control mitsamt seinem Vertrauten George Smiley (Gary Oldman) entlassen. Das waren jetzt ungefähr die ersten 5 Minuten von Dame, König, As, Spion. Mir käme es jedoch schon als Spoiler vor, mehr zu erzählen. Es sei nur gesagt, dass Smiley sich auf die Suche nach dem Maulwurf begibt. Er ist nicht unbedingt sehr redselig. In den ersten paar Minuten, in denen man ihn zu Gesicht bekommt, sagt er praktisch nichts. Das trägt zur Statik und Ruhe des Films bei. Es gibt Schnitte, in denen erst ein Gegenstand in Nahaufnahme gezeigt wird und danach erst der Wechsel zu den Personen stattfindet.

Wichtig ist, stets konzentriert zu bleiben. Praktisch jedes Gespräch ist wichtig, egal wie unwichtig es scheint. Es reicht, wenige Szenen zu verpassen und schon versteht man einfach mal gar nichts mehr. Das liegt unter anderem auch daran, dass wir uns nicht nur auf einer Zeitebene befinden. Viele Dinge, wie zum Beispiel Smileys Beziehung zu seiner Frau, werden nur angeschnitten und mehr oder weniger angedeutet. Das kann einem Gefallen, schließlich muss ja nicht alles (wie in Hollywood) von vornherein ganz klar und eindeutig sein. So gibt es eben auch nicht so wirklich Gute und Böse hier. Es gibt lediglich Leute in einem menschenunwürdigen System, die miteinander interagieren. Nirgendwo springt ein glattgeleckter James Bond aus der Ecke und ballert dem fiesen Doktor Whatever die Birne weg. Der Feind bekommt kein Gesicht und die, deren Geschichte wir verfolgen, sind auch alle nicht ganz astrein, zumal ja einer von ihnen ein Maulwurf sein soll.

Wer als Kind schon immer Geheimagent werden wollte, wird sich das mit Dame, König, As, Spion wahrscheinlich nochmal gut überlegen. Man hat keine coolen Gadgets und bekommt nicht jede Frau. Der Job tötet Beziehungen und auch Menschen, und ist dazu auch noch mehr oder weniger langweilig. Zumindest im Vergleich zu allen anderen Agenten in Agenten-Filmen. Das fand ich verdammt gut. Es war dadurch unheimlich realistisch. Gary Oldman bzw. Geroge Smiley ist nämlich kein Vorbild. Er schwingt keine Reden, schießt nicht ein einziges Mal und profiliert sich auch sonst sehr wenig. Es gibt nur eine Stelle, an der er  sich ein wenig öffnet, ansonsten bleibt er ein schweigsamer Beobachter. Auch wenn Gary Oldman den Oscar für den besten Hauptdarsteller wahrscheinlich nicht gewinnen wird (George Clooney und Brad Pitt werden vermutlich von jeder Frau bevorzugt behandelt), so ist die Nominierung doch etwas feines. Zudem gibt es in diesem Film noch Colin Firth, Tom Hardy und Mark Strong.

Ansonsten ist Dame, König, As, Spion ein intelligenter und komplexer, etwas über 2 Stunden dauernder, ruhiger und vielleicht schon melancholischer britischer Film. Ich fand ihn wirklich gut. Die breite Masse wird den Streifen nicht leiden können oder ihn einfach nicht bemerken und das verstehe ich auch.  Schließlich wird, falls ich mich nicht verzählt habe, nur vier mal geschossen. Erinnern tut mich Dame, König, As, Spion ein wenig an The Good Shepherd mit Matt Damon und Angelina Jolie, der jedoch super-langweilig ist. Vielleicht ist eher No Country for Old Men der ähnlichere Film, weil dort auch vieles nur angedeutet wird. Wie dem auch sei, bloß nicht Rascheln oder Biere aufmachen beim Schauen. Vielen Dank.

Regie: Tomas Alfredson (So finster die Nacht, schwedisches TV)

Schauspieler: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, Mark Strong, John Hurt, Toby Jones

Bewertung:  

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Big Fan (2009)

Hey, das ist doch Spencer aus King of Queens da auf dem Plakat! Richtig. Und so ungefähr die gleiche Rolle verkörpert Patton Oswalt auch in Big Fan. Er ist Paul Affiero, ein Parkhausarbeiter mittleren Alters ohne jegliche Perspektive im Leben, der noch bei seiner Mutter wohnt. Das einzige Hobby und irgendwie auch sein ganzer Lebensstil dreht sich um die New York Giants (genau die haben doch gerade den Super-Bowl gewonnen!). Er und sein Kumpel Sal (Kevin Corrigan) haben zwar kein Geld für Stadion-Tickets, fahren jedoch trotzdem immer hin und gucken sich die Begegnungen ihres Teams auf einem Fernseher auf dem Parkplatz an. Abends ruft Paul immer im Radio durch, um über die Giants zu diskutieren und sie zu verteidigen, womit er wohl sowas wie ein amerikanischer Kevin Großkreutz ist. Als die zwei Freunde jedoch dem Giants-Linebacker Quantrell Bishop in einen Club folgen und dieser Paul ins Krankenhaus prügelt, beginnen die Probleme. Denn wo zieht man die Grenze zwischen der Liebe zum Verein und dem gesunden Menschenverstand?

Im Grunde ist die Thematik auf jedwede Sportart transferierbar. Praktisch alles, was man in einem Stadion spielen kann, hat irgendwelche Ultra-Hardcore-Fans, die ihren Verein auch leben. In Big Fan wird Paul jedoch vor die Entscheidung gestellt, seinen Peiniger, der jedoch immer noch sein Idol ist, zu verklagen. Damit würde er sein Team schwächen und so ziemlich alles zerstören, wofür er lebt. Jedoch hat er gesundheitliche Schäden davongetragen und ein wenig Geld würde ihm vermutlich auch helfen.

Es ist also eine einfache Entscheidung für jeden, der nichts mit den New York Giants am Hut hat. Wir erleben jedoch, wie sehr Paul abhängig ist und wie er für sein Team Grenzen überschreitet und sogar auf Millionen von Dollar verzichtet. Und das, wo doch gerade so einem reichen Sportler so ein wenig weniger Geld kaum wehtun würde. Mit dem ganzen Vorfall wird Pauls Leben noch trostloser. Nun übt nämlich seine Familie Druck auf ihn aus, er muss Tabletten schlucken und er wird in seiner Radio-Sendung gedemütigt.

Im Grunde prasselt die Scheiße in den ganzen 90 Minuten Länge nur so auf ihn ein und man rechnet bereits mit einer Eskalation, oder zumindest einem Aufbäumen. Niemand lässt sich doch so einfach vom Leben erniedrigen! So hat mich der Schluss gut überrascht, denn Big Fan erwies sich als guter Film mit einem sehr schwarzen Blick auf die gesamte Ultra-Szene (also jetzt nicht die Ultras, die sich prügeln, sondern einfach nur die Die-Hard-Fans).

Ja, Big Fan ist eher träge und wird langsam erzählt. Auch ist es relativ still und es wird unglaublich viel über American Football geredet, von dem ich nicht unbedingt viel Ahnung habe. Jedoch gefiel mir Patton Oswalt als ein Spencer-ähnlicher Paul ungemein. Man könnte den Film vielleicht als eine amerikanische Version von Hooligans (mit Elijah Wood) auffassen, nur mit weniger bzw. gar keinem Blut. Es ist nunmal ein kleiner Independant-Streifen, der jedoch einen fast schon verstörenden Blick in das Leben eines Sportfanatikers liefert.

Regie: Robert D. Siegel (erstes mal Regie, davor Screenwriter für ‚The Wrestler‘)

Schauspieler: Patton Oswalt, Kevin Corrigan

Bewertung: 

 

Planet der Affen: Prevolution (2011)

Will Rodman (James Franco) forscht an Schimpansen, um ein Mittel gegen Alzheimer zu finden, denn sein eigener Vater (John Lithgow) geht daran gerade zu Grunde. Über einen Zufall soll er auf ein Affenbaby aufpassen. Er tauft das hochintelligente Junge ‚Cesar‘. Die Jahre ziehen sich hin und Cesar lernt zunehmend mehr, bis sich ihm eines Tages die Frage stellt, ob er nur ein Haustier ist.

Der Film beginnt langsam. Viel Zeit wird darauf verwendent, um zu zeigen, wie Cesar aufwächst und von einem naiven Kind nach Jahren zu einem ernsten Erwachsenen wird, mit eigener Persönlichkeit und Gefühlswelt. Richtig geil ist die Mimik und Gestik des Schimpansen, welcher von Andy Serkis gespielt wird, der wiederum bereits Gollum einen Charakter verlieh. Als Cesar dann in ein Affen-Gehege abgeschoben wird, lernt er die häßlichen Seiten des Lebens kennen. Hier beginnt sozusagen die Affen-Revolution. Man fühlt zu jedem Zeitpunkt mit Cesar mit und er ist die mit Abstand wichtigste Person im Film. James Franco wird ab der Mitte mehr und mehr zur Nebensache, was ich gut finde.

Insofern ist der ‚Planet der Affen: Prevolution‘ (was für eine bescheuerte Übersetzung von ‚Rise of the Planet of the Apes‘) kein Action-Film. Es ist eher ein Drama bzw. ein Biopic. Man mag den Affen und leidet mit ihm, und was auch wichtig ist: Man erkennt jedes bisschen an Freude, Trauer, Wut, Verzweiflung und Unzufriedenheit. Nicht viele Filme lassen einen so mitleiden wie hier.

Auch geil ist die Einflechtung in die alten Filme. Wer nicht weiß was ich meine, dem soll gesagt sein, dass der Planet der Affen in einem halben dutzend Filmen vor fast 50 Jahren verarbeitet wurde, u.a. mit Charlton Heston. So wird ganz am Rande der Geschehnisse Charlton Heston eben gezeigt. Wenn man die alten Filme nicht kennt, ist dies auch kein Beinbruch. ‚Prevolution‘ versucht nicht ein bisschen, sich mit aller Macht in alles einzufügen. Vor allem der ‚Planet der Affen‘-Film von 2001 mit Marc Wahlberg ist ziemlich egal (Gott sei dank, denn der war ziemlich mau). Es wird außerdem angedeutet, wie die Affen die Herrschaft über den Planeten an sich reißen konnten (der Film ist ein Prequel!).

Gefallen tun mir auch die einzelnen Personen. Der Vater von Franco, verköpert durch John Lithgow, überzeugt. Der Boss von Franco als kühler und berechnender und nur an Geld interessierter Arsch. Irgendwo dazwischen Franco, der seinem Vater helfen und gleichzeitig auch seinen Freund Cesar nicht verlieren will.

Zum Ende des 105-Minüters kommt es zu einem finalen Fight auf einer Brücke. Es wird kein monumentales Action-Feuerwerk abgebrannt, aber das benötigt der Film nicht. Es geht um Cesar, und auch um die anderen Affen, die teilweise auch jeweils eine Persönlichkeit besitzen.

So vermittelt der Film auch eine Botschaft, und wir selbst als Menschen sind auf der Seite der Affen! Mehr möchte ich nicht dazu sagen, ‚Planet der Affen: Prevolution‘ ist ein toller Film und ich kann ihn uneingeschränkt jedem empfehlen.

Regie: Rupert Wyatt (The Escapist, Subterrain)

Schauspieler: Andy Serkis, James Franco, John Lithgow

Bewertung: