Der Omega-Mann (1971)

Oder: Als Zombies noch Sonnenbrillen trugen

Im Kalten Krieg haben es Russland und China hinbekommen, irgendeine Seuche über die Menschheit zu verbreiten, sodass alle sterben oder zu lichtscheuen Quasi-Zombies werden, die langsam vor sich hinsiechen. Wobei Zombie ein wirklich viel zu hartes Wort ist. Heutzutage denken wir an verrottende und eklige Biester, die alles fressen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Die ‚Zombies‘ im Omega-Mann sind mehr oder weniger Albino-Menschen mit einer starken Abneigung gegen jede Form von Technik und die Sonne, also quasi Ginger-Ökos.

Der einzige noch normale ist Neville (Charlton Heston), weil er es geschafft hat, sich vor der ganzen Katastrophe noch das Gegenmittel zu spritzen. Und so bekriegt er sich nachts mit den Albinos, um tagsüber nach ihnen zu suchen und sich meistens vor Einsamkeit zu langweilen. Wer sich an ‚I am Legend‘ mit Will Smith in der Hauptrolle erinnert, liegt goldrichtig, denn das hat teilweise sehr ähnliche Szenen vorzuweisen. Und schon im Film von 1971 gibt es des öfteren Flashbacks, die alles Wichtige erzählen und aufklären. Allzu große Spannung kommt jedoch nicht auf, da sich unser Protagonist sowieso meist alleine mit sich selbst beschäftigt.

Ich muss auch zugeben, dass das anfangs eigentlich ganz coole Szenario zunehmend vor sich hinplätschert. Die eine oder andere Wendung mag zwar vorkommen, aber was solls. Wir sind doch sowieso schon alle am Sack. Aber Stop! Gott sei Dank ist der einzige Überlebende zufällig Arzt, Soldat und Biochemiker und er arbeitet an einem Gegenmittel!

40 Jahre hat der Film schon auf dem Buckel, und das merkt man ihm auch sehr an. Vor allem die Vorstellung von Untoten hat sich in den letzten 10 Jahren so grundlegend geändert. Im Omega-Mann hat man es letztendlich nur mit ‚bösen‘ Menschen zu tun. Die tragen coolerweise alle Sonnenbrillen und haben fetzige Augen. Besonders lustig war irgendwie am Anfang, als die Untoten ganz in nationalsozialistischer Manier Bücher verbrennen. Ihr religiöser Fanatismus stempelt sie dann komplett ab. Zudem machen sie alles, was auch nur irgendwie technisch ist, kaputt. Allerdings ist man sich nicht zu schade, ein Katapult zu bauen. Ich glaube somit ist der nahende Tod wahrlich nicht das schlimmste an der Seuche, sondern viel mehr die krude Dämlichkeit der Untoten, oder eher Sterbenden.

Wie dem auch sei, ich mag Charlton Heston eigentlich. Er ist ein einsamer, schlauer Wolf. Ihm kann man zutrauen, die Menschheit vom Rande des Abgrunds noch zu retten. Das hilft nicht darüber hinweg, dass ‚Der Omega-Mann‘ mit 98 Minuten irgendwie zu lang ist. Und für heutige Ansprüche auch zu alt. Viele Sachen löst ‚I am Legend‘ besser, auch einfach emotionaler. Beide Filme verbindet jedoch die Tatsache, total blöde Enden (außer man gibt sich einfach mal das alternative Ende von ‚I am Legend‘ auf youtube) zu haben.

Was bleibt zu sagen? Ich fand den ‚Omega-Mann‘ schwach. Wer gerne alte Filme guckt und sich daran nicht stört, dem kann er gefallen. Es gibt aber eben auch andere alte Filme, die zurecht zeitlose Klassiker geworden sind, allen voran ‚Planet der Affen‘, in dem Charlton Heston auch die Hauptrolle spielt und die auch das Sci-Fi-Genre bedienen, zeitlgleich jedoch spannender oder auch einfach nur interessanter sind. Ansonsten ist ‚I am Legend‘ der tatsächlich bessere Film.

Regie: Boris Sagal (machte ganz viel fürs TV, seine Tochter ist Katey Sagel (Al Bundys Eheweib))

Schauspieler: Charlton Heston

Bewertung: