Dark Star (1974)

Die Dark Star ist ein Raumschiff, welches durch das Weltall tingelt, um instabile Planeten in die Luft zu jagen. Seit 20 Jahren ist die Crew nun schon unterwegs und dabei völlig heruntergekommen. Genauso wie ihr Gefährt, welches allmählich den Geist aufgibt, sich jedoch öfter mal mit einer eintönigen weiblichen Stimme meldet. So kann die Besatzung nicht mehr in ihren Schlafkojen nächtigen, weil der entsprechende Abschnitt zerstört ist. Toilettenpapier gibt es auch keines mehr. Die vier Männer gehen ihrem monotonen Tagesablauf nach und steuern hin und wieder irgendwelche Planeten und Sterne an. Die Sprengung erfolgt mit Hilfe von intelligenten Atombomben, die eine eigene Persönlichkeit besitzen. Kürzlich ist bei einem Defekt der Kapitän umgekommen, was die allgemeine Stimmung weiter verschlechtert.

Dark Star ist ein ziemlich alter Film von John Carpenter. 1974 mit lediglich 60 000$ Budget gedreht gilt er vielen als Klassiker des Sci-Fi-Genres. So ist das der erste Film, in dem das Wort ‚Alien‘ benutzt wird, was im Deutschen jedoch mit ‚Exot‘ übersetzt wurde. Besagter Außerirdischer ist eigentlich nur ein bemalter Gymnastikball mit zwei Händen dran. Auch die Außenaufnahmen sehen unheimlich billig aus. Da wirken die Einspieler von ‚Unter Traumschiff‘ aus der Bullyparade nicht unrealistischer. Die Raumanzüge sehen aus, wie umgebaute Styropor-Staubsauger. Doch gerade dieses Billige macht auch einen Teil des Charmes aus, zumal die vier Protagonisten allesamt bärtig und ungepflegt aussehen und so, wie eigentlich kaum sonst in Weltraumfilmen, nicht steril und rausgeputzt wirken.

Komik entsteht zum großen Teil durch die Unterhaltungen. So wird beispielsweise deutlich, dass einer der Männer gar kein ausgebildeter Astronaut ist, sondern eher zufällig über eine Verwechslung an Bord geraten ist. In erster Linie erlangte Dark Star Berühmtheit für die philosphische Grundlagendiskussion einer der Männer mit einer Atombombe. Auch das Ende ist, sofern man das sagen kann, ziemlich eigen und sehr stimmig.

Dark Star wird als Persiflage Carpenters auf ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ von Stanley Kubrick gesehen. Dabei erreicht er natürlich nicht die Tiefe und die große Anerkennung, die Kubrick erfuhr. Dafür ist Dark Star mit 83 Minuten Laufzeit zu kurz und zu beschränkt auf den kleinen Raum der Kapsel. Nichtsdestotrotz muss ich eingestehen, dass mich die Geschichte interessiert und auch berührt hat. Es sind im Grunde 4 arme Schweine, die in der großen Apparatur der Menschheit einen Drecksjob machen, dessen Ergebnisse sie nicht mehr erleben werden. So wird der in unserer Gesellschaft hochgeschätzte Beruf des Astronauten heruntergebrochen und seiner Illusion von Ruhm und Komfort beraubt. Das ist erschreckend und faszinierend zugleich. Denkt heute irgendwer in Zusammenhang mit der Mondlandung daran, wie Neil, Buzz und Michael ihr Geschäft verrichtet haben? Und nicht nur das: Die Besatzung der Dark Star hat sogar ein Alien entdeckt, doch das interessiert keinen. Die Entfernungen im Weltraum sind überwunden und weiteres intelligentes Leben gefunden, doch mit der Zeit verkommt selbst die größte Erfahrung zur Routine. Eigentlich ist das ziemlich deprimierend.

An Dark Star scheiden sich, wie bei vielen Filmen von John Carpenter, die Geister. Man findet im Internet viel Lob und auch Kritik. Es stellt sich wohl so dar, dass jemand, der den Film bereits in den 70ern kannte, deutlich mehr mit ihm verbindet, auch weil es damals, in den Jahren vor Star Wars, kaum bzw. wenig Science-Fiction gab. Die jüngeren Generationen kommen mit der Tricktechnik nicht zurecht. Die Bildqualität ist eigentlich auch eine Zumutung. Das ist aber alles zu verkraften. Wenn man sich ein wenig auf die Stimmung einlässt, kann man wohl auch heute noch was aus diesem Film mitnehmen. Mein Ersteindruck war auch ehrlich gesagt erst negativer. Doch in der Reflexion erscheint mir vieles sympathischer. In erster Linie auch durch das Wissen, mit welchen beschränkten finanziellen Mitteln Carpenter hier gearbeitet hat. Oder alleine der Fakt, dass er hierfür auch die Musik komponiert hat. Oder dass Dan O’Bannon, der eines der Besatzungsmitglieder spielt und mit am Drehbuch schrieb, 5 Jahre später am Drehbuch für ‚Alien‘ beteiligt war.

Dark Star ist kein allzu bekannter Film. Einfach weil 6 Jahre zuvor ‚2001‘ kam und ein paar Jahre danach ‚Star Wars‘ und ‚Alien‘. Doch trotz allem ist das eine kleine Filmperle, die fernab des Mainstream durchaus viele Fans vorweisen kann. Wen die Bild- und Effektqualität nicht verschreckt und wer auf Kriegsfuß mit Hollywoods monotonen Sci-Fi-Auswürfen steht (z. Bsp. Event Horizon), darf einen Blick riskieren. Man bedenke zudem, dass es sich lohnt, den Film ein bis zwei Tage sacken zu lassen, bevor man sich eine finale Meinung bildet. Definitiv ist Dark Star besser als John Carpenters Ghosts of Mars aus dem Jahre 2001. Und dazwischen liegen immerhin 27 Jahre und 18 Filme.

Regie: John Carpenter (Big Trouble in Little China, Halloween, Das Ding aus einer anderen Welt, Jagd auf einen Unsichtbaren)

Schauspieler: Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dre Pahich, Dan O’Bannon

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