Conan (2011)

Quiz-Frage: Wer führte Regie bei dem Film Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre? Schlaufüchse wissen sofort, dass es natürlich Marcus Nispel war. Logisch. Der ist übrigens Deutscher und drehte früher mal Musikvideos. Mit Cher und George Michael. Wer wäre somit besser dafür prädestiniert, einen blutigen Barbaren-Action-Film zu machen als dieser feine Herr aus Frankfurt am Main?

Conan ist ein Remake des Conan von 1982 mit Arnold Schwarzenegger. Das Original kenne ich leider nicht, nehme aber mal stark an, dass es besser ist. Sehr viel mieser kann man die Thematik nämlich nicht verwursten. Oha!

Also Conan (Jason Momoa) wird irgendwie mitten auf dem Schlachtfeld durch den ersten dokumentierten Kaiserschnitt geboren, durchgeführt von Ron Perlman, kurz bevor die entsprechende Mutter stirbt. Irgendwie ist gerade Krieg. Dann ist Conan Jugendlicher und voll cool drauf. Jedoch wird das Dorf samt Vater Perlman (a.k.a. Hellboy!) gelyncht und er ist allein. Dann ist er erwachsen und voll der coole Typ, der Sklaven befreit, Frauen beglückt und total gut aussieht. Jason Momoa ist wirklich Model übrigens. Und mit Lisa Bonet liiert. Das ist die Dame, die Denise Huxtable bei den Cosbys und die Informantin von Will Smith in Der Staatsfeind Nummer 1 gespielt hat. Huch, bin ich abgedriftet? Tut mir leid. Kommt nicht wieder vor.

Also, er muss sich ja noch rächen, weil sein Dorf vom bösen Khalar (Stephen Lang) weggeschnetzelt wurde. Er trifft Tamara, die irgendeine Nachfahrin irgendeiner Blutlinie ist und für irgendeinen okkulten Schwachsinn gebraucht wird. Also Conan hat sie jetzt (Gott sei Dank sieht die ganz lecker aus, zwinker zwinker). Und Khalar will sie. So sehen sich die beiden dann halt wieder. Und jetzt kommt eine der beknacktesten Szenen überhaupt: Sie kämpfen gegeneinander in irgendsoeiner verlassenen Arena, die Tochter vom Bösen beschwört irgendwelche Sandmonster und so weiter, die man leider nicht töten kann und so müssen Conan und seine Freundin fliehen. Ohne es zu checken, stellt sich heraus, dass wir uns die ganze Zeit einen Katzensprung vom Meer befanden und unsere Helden also einfach nur ins Wasser zu springen brauchen, um zu entkommen. Huch! Das ist ein wenig so, als ob Tom Hanks nach 10 Jahren auf der verfluchten Insel in Castaway feststellt, dass 100 Meter den Strand runter ein Flughafen samt Shopping-Meile und Hotel steht. Und sowas geht dann durch den ganzen Film. Als ob irgendwer es sich leicht machen wollte. Beim Finale hängen wir über einer Schlucht, fallen, und stellen fest, dass wir doch auf einem Felsvorsprung landen (Nein, das war jetzt kein Spoiler).

Überhaupt ist Conan so subtil wie Mario Barth. Er mag das Leben, die Liebe und das Blut seiner Feinde in seinem Gesicht. Einen kruden Hang zum Sadismus muss ich ihm auch unterstellen. In einer Szene wird einem armen Zellenwärter in sein nasenloses Gesicht gegrabscht. Das brachte mich zum Lachen. Es war einfach lächerlich. Wenn wir ihn nich schlau machen können, machen wir ihn brutal. Und so wird sogar ein Arnold Schwarzenegger mehr Tiefe und Schläue in jeder seiner Rollen versprüht haben (Sogar in Hercules in New York). So richtig brutal ist der Film dann eigentlich nicht, es fliegen höchstens 3 oder 4 Körperteile in den 113 Minuten Laufzeit. Schade.

Viele Kampfszenen sind außerdem so zufallsmäßig zusammengeschnipselt, dass man einfach die Lust daran verliert. Besonders eine Pferde-Rennen-Kampf-Szene ist einfach nur unglaublich blöd und lieblos. Erst ist Conan in Höhe von der Kutsche, dann doch nicht, dann doch wieder. Und wenn nicht einmal Herr Regisseur sich Mühe gibt, das Ganze gescheit zusammenzuschustern, warum sollte ich mir dann Mühe geben, aufzupassen? Und dann gucke ich auf Box Office Mojo nach, wie teuer Conan war und schreie auf! 90 Millionen Dollar? Nicht einmal 50 Millionen eingespielt? Gutes Geschäft. Mit der Knete könnte man 6 mal Drive drehen, oder 5 mal Midnight in Paris und immer noch 5 Millionen übrig haben, um sich bis ans Lebensende von Louis Vuitton Taschen zu ernähren.

So, was kann man sonst noch kritisieren? Die Dialoge sind alle doof, ALLE Charaktere sind doof, Conan voran. Handlung doof. Action nicht so krass. Wer K1 kennt, darf sich noch über die Gastrolle von Bob Sapp freuen, eine menschgewordene Dampframme. Ansonsten ist Conan ganz großer Schrott. Schon Pathfinder (vom gleichen Regisseur) war totaler Quatsch. Wer coole kämpfende Barbaren will, guckt 300. Conan mag.

Regie: Marcus Nispel (Pathfinder, Freitag der 13., Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre)

Schauspieler: Jason Momoa, Ron Perlman, Stephen Lang

Bewertung: