Cheyenne – This Must Be the Place (2011)

Sean Penn spielt Cheyenne, einen alternden ehemaligen Rockstar, der zurückgezogen irgendwo in Irland sein Dasein fristet. Er führt ein ruhiges Leben mit seiner Ehefrau Jane (Frances McDormand) voll von Melancholie und Tristess. Cheyenne selbst ist gezeichnet von seinem früheren Leben. Einerseits versucht er noch immer den Tod zweier Fans seiner Musik zu verdauen, andererseits merkt man ihm seinen früheren exzessiven Drogenkonsum an. Er bewegt sich langsam und spricht meistens eher bedächtig. Aus purer Langeweile handelt er mit Aktien und macht sonst eigentlich nicht allzu viel. Trotz dieser Lebensumstände schminkt sich Cheyenne immer noch tagtäglich und behält ein gewisses Outfit bei, welches seinem ehemaligen Musikerleben entspricht.

Eines Tages erfährt er, dass sein in New York lebender jüdischer Vater, zu dem er drei Jahrzehnte lang keinen Kontakt hatte, gerade stirbt. Da Cheyenne Angst vor dem Fliegen hat, nimmt er das nächste Schiff und kommt dadurch zu spät. Aus den Tagebüchern seines alten Herren und durch seinen Cousin erfährt er, dass dieser sein Leben lang den Deutschen gesucht hat, der ihn im KZ in Auschwitz gepeinigt und gedemütigt hat. So macht sich Cheyenne auf einen Roadtrip durch die USA, um die Lebensaufgabe seines Vaters zu Ende zu bringen.

Man muss wissen, dass dies ein langsamer zweistündiger Film ist. Es gibt sehr viele ruhige Bilder und teilweise sehr statischen Dialog. Das liegt vor allem an Cheyenne selbst, der langsam und mit hoher Stimme spricht und nur ein einziges Mal aus sich selbst herauskommt. Bewegen tut er sich bedächtig. Sowieso ist Cheyennes Erscheinungsbild teilweise so absurd und skurril, dass es schon wieder lustig ist. Wenn er beispielsweise irgendwo in einer amerikanischen Kleinstadt in einem Wohnzimmer neben einer alten Lady hockt, überall Plüschfiguren im Raum und alles auf süß und gemütlich gemacht, dann wirkt er wie ein Alien. Und das ist es, was den Film in erster Linie auszeichnet. Nirgends wirkt Cheyenne beheimatet und trotzdem muss er überall durch. Sean Penn spielt meiner Meinung nach überragend.

Der Film deckt rein thematisch eine große Menge an Dingen ab. Einerseits geht es um den Popstar, der seines Lebens schon lange überdrüssig ist und nicht mit seinem Leben klarkommt. Getragen wird alles vom Rachethema. Doch auch hier wird es wieder problematisch, weil Cheyenne mit der Reise gleichzeitig in gewisser Weise die Beziehung zu seinem Vater aufarbeitet. So läuft die Suche zum Ende hin auf die moralische Frage hinaus, ob das alles überhaupt in Ordnung hinaus, was er da macht. Was micht am meisten verwundert hat, ist, dass This Must Be the Place doch eher eine Art Krimi ist, weil der gesuchte Nazi gar nicht mal so leicht zu finden ist. Ich musste auch nach zwei Dritteln kurz Pause machen und über das Gesehene nachdenken. Es ergbit jedoch alles Sinn und so hangelt sich eben Cheyenne von Hinweis zu Hinweis. Das, woran er sich da orientierte, war mir zuerst gar nicht so bewusst, doch die Auflösung, die sich zum Schluss ergab, empfand ich als äußerst befridiegend und nachvollziehbar. Erst mit der letzten Szene wird deutlich, dass Cheyenne dank dieser ganzen Reise erst richtig erwachsen wird und sich von den Fesseln seiner Vergangenheit löst, die ihn zu einem melancholischen Emo haben verkommen lassen.

Der Film klärt nicht alles auf und lässt so Raum für Interpretationen. Das muss nicht jedem Gefallen, aber so empfand ich das Ende nicht aufgedrückt. Manchmal muss eben nicht jeder Faden, der am Anfang gesponnen wurde, auch bis zum Ende verfolgt werden. So ist mir dieser Charakter namens Cheyenne, der erst völlig merkwürdig und deplatziert erscheint, als ein tiefgründiger und intelligenter Mensch ans Herz gewachsen. Einerseits weil Sean Penn so gut in der Rolle ist, andererseits weil er keine Diva ist, sondern einfach nur ein Kerl, der sich halt eben schminkt, weil er das so gewohnt ist und Probleme hat, sich das abzugewöhnen.  So ist Cheyenne eben ein totaler Antiheld, ähnlich einer Lisbeth Salander. Defnitiv ist das hier eines der ungewöhnlichsten Road-Movies da draußen, welches mir aber große Freude bereitet hat. Man muss auf große Spannung verzichten, denn der Film lebt von seinem zentralen Charakter. Der Trailer vermittelt ein gutes Bild für Unentschlossene.

Regie: Paolo Sorrentino (Il Divo, The Consequences of Love, The Family Friend)

Schauspieler: Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch

Bewertung: