Carlo Pedersoli: Bud Spencer (2011)

Who the fuck ist Carlo Pedersoli? Das mag sich der eine oder andere fragen, doch schon schnell wird einem bewusst, dass Bud Spencer ja nur eine Kunstfigur ist oder war und diese von ebenjenem Carlo gespielt wird. Lustigerweise erscheint einem bei Wikipedia der Artikel zu Bud Spencer wenn man den eigentlichen Mann nachschlägt. Der ist inzwischen schon ein wenig alt, stolze 82, und hat auch so einiges zu berichten.

Die Biographie beginnt mit einem Abschnitt, indem sich der alte Carlo mit seinem jungen Ebenbild in einem alten Schwimmbad trifft und die zwei darüber schnacken, was der Alte erlebt hat und was dem Jungen noch bevorsteht. Das geht dann vom 2. Weltkrieg über Schwimmstunden hin zur Auswanderung nach Südamerika, Rückkehr, Teilnahme an den Olympischen Spielen und Auftritten als Komparse. Es ist schwierig, alles zusammenzufassen. Der Mann hat echt viel erlebt und war praktisch überall auf dem Globus. Überragend spannend ist das alles nicht, aber doch auch interessant. Vor allem die Bilder, die zeigen, wie Carlo noch zu seiner aktiven Schwimmerzeit aussah….Ein wahrer Berserker. Übrigens lernte er damals über 3 Ecken schon einen gewissen Mario Girotti kenne, der später noch eine größere Rolle in seinem Leben spielen sollte. Carlo heiratete relativ früh und fing dann halt an, sich mit Gelegenheitsrollen über Wasser zu halten und seine Familie zu finanzieren, bis dann eines Tages ein erster Italo-Western kam, an der Seite von Mario alias Terence Hill.

Mit der Zeit wurden schließlich Bud Spencer und Terence Hill eines der großartigesten und erfolgreichsten Filmduos seit Stan Laurel und Oliver Hardy. Wer hat nicht schon mindestens einmal dabei gelacht, wenn Bud Spencer Schellen austeilt? Die beiden haben viele Jahren lang gute Unterhaltung für jede Altersklasse abgeliefert. Und genauso ist auch das Buch. Man lernt den Mann hinter Bud Spencer kennen, der intelligenter ist als seine Rolle es vermuten lässt. Beispielsweise kann er ein abgeschlossenes Jura-Studium vorweisen. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht wirklich tiefschürfende Gedanken oder unglaubliche Exzesse erwarten. Es ist ein Werk für Leute, die was mit Bud Spencer anfangen können. Jemand, der noch nich von ihm gehört hat, wird sicherlich nicht allzu interessiert genug sein. Aber gibt es wirklich jemanden, der noch nie von Bud Spencer gehört hat? Für solche Menschen ist bereits ein Platz in der Hölle reserviert!

Hin und wieder, vor allem in der ersten Hälfte, war es mir doch ein wenig zäh. Das wird dann aber besser, als Carlo sich in Bud verwandelt. Dann geht es mehr um die Filme, die ich fast alle selber kenne und dann macht einem das Buch auch ganz viel Spaß. Eine Art Kindheits-Flashback, als ein Michael Bay noch nicht jeden Scheiß in die Luft fliegen ließ. Und auch hier wird mir eine gewisse Schwäche des Buches bewusst: diese allesumspannende Gutmütigkeit! Praktische jeder Regisseur, mit dem Carlo zusammenarbeitete, war ein Genie. Jeder Schauspieler, mit dem er zusammenarbeitete, war ein Meister seines Fachs! Jeder Kameramann, mit dem man zusammenarbeitete, war ein…. na? Ein Auserwählter natürlich! Und das kommt dann doch verdammt oft vor und das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt. Eine gewisse rosarote Brille muss ich dem Spencer schon vorwerfen. Das wird vor allem diejenigen stören, die auf einen Skandal gehofft haben. Aber so richtig polarisieren tut eben ein Bud Spencer nicht. Er ist gut. Punkt.

Am Ende hatte ich eine gute Zeit mit Bud Spencer. Ich kann jetzt angeben, dass ich seinen richtigen Namen kenne und dass er lange Zeit in Südamerika gelebt hat. Das weiß sonst keiner…. Ansonsten ist es eine nette Autobiographie, ohne große Aha!-Momente, aber trotzdem schön, dass der Mann hinter Bud Spencer ein cooler Typ ist. Wer nichts mit den Filmen anfangen kann, lässt die Finger hiervon. Mag man jedoch seine Filme, ist das hier durchaus auch mal eine Emphelung wert.

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