Frank Buschmann: Am Ende kackt die Ente (2014)

Hin und wieder verlangt der Geist nach Fast Food. Daran lässt sich nun mal nicht immer was ändern und ist vermutlich auch eine relativ schwache Rechtfertigung. Aber was solls. Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen und wir müssen mit der Situation zurechtkommen. Und nach George R.R. Martins endlosen Ausführungen über Drachen, Inzest und anderem Fantasy-Kram stand mir der Geist nach etwas leicht Verdaulichem. Soviel zumindest zur Begründung, warum ich mir die Autobiographie von einem der populärsten Fußballkommentatoren hierzulande zu Gemüte geführt habe. Dass dabei keine tiefen Einsichten in Philosophie oder Ethik zu erwarten sind, sollte eigentlich, zumindest wenn man den Mann schon mal gehört hat, von vornherein klar sein. Aber ist „Am Ende kackt die Ente“ am Ende so viel Wert wie das, was beim Kacken einer Ente am Ende herauskommt? Werde ich weitere schlechte Wortspiele hier unterbringen? Oder steckt da vielleicht noch mehr drin? Das gilt es alles herauszufinden.918f304a56c04111a3084a4b5eaa6254

Frank Buschmann beginnt seine Karriere als Basketballer. Mit der BG Hagen spielt er in der zweiten deutschen Basketball-Bundesliga und macht nebenbei so ein wenig Radio. Und wie das Leben so spielt, gelangt er über Umwege und Zufall, und vermutlich dank seiner großen Klappe, irgendwann zum damaligen Deutschen Sport Fernsehen und somit auch ins TV, wo er u.a. heute noch als Kommentator für so Sendungen wie „Schlag den Raab“ zu hören ist. Und gelinde gesagt ist das eigentlich alles, was man über den Mann wissen muss. Gespickt wird dabei seine Karriere durch allerhand Anekdoten, seien es Begegnungen mit Dirk Nowitzki und Dennis Rodman. Oder sogar Gerhard Schröder und Michael Gorbatschow. Dabei geht Buschi sehr linear durch die Jahre und reiht relativ zusammenhanglos Sportereignis an Treffen an Anekdote.

Was über die ersten 50 Seiten noch locker lesbar ist, wird leider mit den folgenden 200 Seiten zunehmend eintöniger. Das liegt nicht zuletzt an Buschmanns Schreibstil. Der ist, gelinde gesagt, sehr einfach. Einfache Sätze, einfache Gedanken. Und an keiner Stelle Tiefgang. Klar, der war hier eigentlich nie zu erwarten gewesen, aber nichtsdestotrotz wird es nach einer Weile monoton. Das liegt auch in der eher etwas schnellen und wenig spannenden Schilderung der vielen Begegnungen mit Größen des Basketballsports. Wo es definitiv Potential für eine spannende Erzählung gibt, verflachen die Geschichten schon alleine aufgrund seiner Art zu schreiben. Dabei ist es ja durchaus sympathisch, dass der gute Mann alle Zeilen selbst verfasst zu haben scheint. Doch trotzdem ist Buschmann einfach kein erfahrener Autor und damit gerät das Buch schnell zu einer monotonen Aneinanderreihung von locker erzählten Berichten. Interessante Stellen sind genauso kurz wie uninteressante und somit bleibt am Ende nicht sehr viel in Erinnerung. Besonders, wenn der erwachsenene Mann eher ungeschickt von einem Saufabend berichtet, fragt man sich doch, ob er denn nie mit sich selbst ins Gericht geht. Selbstreflexion ist nun mal augenscheinlich nicht seine Stärke. Hier wird definitiv Potential verschenkt. Aber Frank Buschmann ist ja auch weder Philosoph noch Poet.

Und so, wie er auf Facebook seine Posts verfasst, so ungefähr hört sich an vielen Stellen das Buch auch an. Dabei gibt es aber zum Beispiel auch eine Passage, in der im Wortlaut ein Livekommentar zu einem Basketballspiel wiedergegeben ist und der durchaus gut unterhält und viel mehr über die Person Frank Buschmann zu erzählen vermag als der Rest des Buchs. Mehr davon hätte sicher nicht geschadet. Und für jemanden, der gerne Bundesliga-Konferenzen schaut, gibt es auch eine Passage über die technischen Hintergründe so einer Schaltung. Sehr viel mehr bleibt allerdings nicht hängen.

Gibt es trotzdem Gründe, „Am Ende kackt die Ente“ eine Chance zu geben? Eines muss man dem Buch dann nämlich doch lassen: Es wirkt authentisch. Die Art und Weise des Schreibens erinnert schon stark an die unsachliche Art von Buschmann, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Er ist emotional und bei der Sache. Und er bemüht sich auch um „Randsportarten“. Wer den Mann mag und ihm ohnehin mit großer Freude auf sozialen Netzwerken folgt, wird dem Buch ein wenig etwas abgewinnen können. Alle anderen dürfen auf die Lektüre getrost verzichten, denn zu viel Fast Food ist nicht gesund.

Bewertung: 

Harro Füllgrabe: Mission: Abenteuer – Als Extremsportler um die Welt (2011)

Es gab Zeiten, da kam Galileo noch einmal wöchentlich und war ziemlich gut. Fast so gut wie Welt der Wunder. Aiman Abdallah hat sich da noch nicht im lächerlichen Mystery-Ableger den Kopf über die Illuminaten zerbrochen und rein thematisch wurde man mit interessanten und ziemlich beeindruckenden Informationen in Staunen und Verzückung versetzt. Doch schließlich, irgendwann vor vielen Jahren, da wurde die Wissenssendung zum täglichen Format umgemodelt und plötzlich ging es um so Spannendes wie „Wie werden Kartoffeln hergestellt?“ oder „Seit wann gibt es die Waschmaschine?“. Einer der wenigen Lichtblicke der Sendung ist und bleibt dabei Harro Füllgrabe, der um die Welt reist und dabei allerlei abstruses Zeug macht.

Und genau darum geht es in seinem Buch. Hierin schildert Harro selber, was es mit seinen ganzen Reportagen auf sich hat und man erhält dabei einen gewissen Einblick hinter die Kulissen.  Episodenweise erleben wir, wie er einen Tag lang bei der Fremdenlegion auf Französisch-Guyana verbringt oder aus einem mir nicht erfindlichen Grund die braun-brühigen Wasser des Amazonas durchschwimmt. Sortiert sind die Storys nach Kontinenten und bleiben dabei meistens sehr kurz. Mit knapp 260 Seiten ist das Buch eher dünn, gewährt aber mit 29 Geschichten eine große Bandbreite an Erlebtem.

Gerade aufgrund der Kürze der Geschichten liest sich Mission: Abenteuer sehr leicht und man kann kreuz und quer ohne Reihenfolge einfach hindurchgehen. Besonders sympathisch dabei sind die Dinge, die man im Fernsehen eben nicht sieht. Dass beispielsweise jeder Reportage eine mitunter strapaziöse und logistisch anspruchsvolle Reise vorgeht oder dass eben nicht alles immer nach Plan verläuft. So ist der um die Welt reisende Reporter nicht immer zu beneiden, obwohl sein Job schon ziemlich cool und einfach mit wenig aus der normalen Berufs-Welt zu vergleichen ist.

Es verhält sich eigentlich ziemlich simpel. Wer Harro Füllgrabe kennt und sympathisch findet, der wird mit seinem Buch auch seine Freude haben. Alle anderen lassen lieber die Finger davon. Natürlich ist das hier kein tiefgründiges Werk, aber eine durchaus nette Lektüre für Zwischendurch. Mehr dann auch nicht. Aber trotzdem schafft es der Mann, auf zwei Seiten Abenteuer-Urlaub mehr Interesse zu wecken als eine Daniela Katzenberger in einem gesamten Buch. Mir hats gefallen und so manche Ortschaft und Begebenheit weckt  Fernweh und Reiselust in einem.

Bewertung: 

 

Daniela Katzenberger: Sei schlau, stell dich dumm (2011)

In tausenden und abertausenden von Jahren, wenn es die Menschheit schon lange nicht mehr gibt, wird eine andere Spezies (Aliens oder durch evolutionäre Entwicklung die Marder) unsere Überreste unter dem Staub der Zeit hervorhieven und sich ein Bild von uns machen. Vermutlich lagern dann im Untergrund unzählige Festplatten voll mit Pornographie, die vom besorgten männlichen Teil der Menschheit gebackupped wurden, da irgendwann mal das Internet down war. Sicher ist bzw. war ja bekanntlich sicher. Außerdem werden die futuristischen Archäologen alte Nokia-Handys finden, die allen Kriegen und Katastrophen getrotzt haben und vermutlich unzählige Exemplare von Daniela Katzenbergers Autobiographie ‚Sei schlau, stell dich dumm‘. Denn das Teil verkauft sich gerade unglaublich gut und steht schon seit Wochen ziemlich weit oben in den Charts. Richtig einheitliche Rankings gibt es jedoch scheinbar nicht, vermutlich weil entsprechende Statistik-Unternehmen nicht auf ihre Einnahmen verzichten wollen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist mir Daniela Katzenberger ziemlich egal. Man sieht sie hier und da im Fernsehen von heute. Soll heißen, Reality-TV, die beste Art von TV! Oder zumindest bald die einzige wie es scheint. Dass sie blond ist, große Brüste hat und sich mal die Augenbrauen hat auftätowieren lassen, was nicht ganz so die coole Aktion war, wusste ich auch. Dank ihres Buches weiß ich jetzt noch folgende Dinge:

  • Daniela Katzenberger besitzt 2 x 350g Silikon-Einlagen.
  • Sie nennt sich gerne Katze.
  • Eigentlich sind ihre Haare nur gefärbt.
  • Die gute Frau stammt aus der Nähe der Heimat von Helmut Kohl.
  • Daniela Katzenberger hat keine Türen in der Wohnung.

Die Liste ist endlos fortsetzbar. Wir erfahren intimste Details und Vorlieben und den einen oder anderen Rückblick in die Kindheit der Blondine. Am Ende gibt es noch ein Quiz, in dem wir unser Katzenberger-Fachwissen prüfen können (und in dem ich mit krassen 20/24 Punkten abgeschnitten habe). Auch eine Postkarte war dabei und die Eindrücke ihrer Film-Crew. Ganz ehrlich, wäre ich Fan von der Frau, wäre das wohl ein total tolles Buch. Vermutlich haben all diese Leute dieses Werk sowieso schon in ihrem Regal stehen, können aufhören hier weiterzulesen und sich erfreulicheren Dingen widmen.

Das ganze Buch ist komplett in rosa gehalten und auf jeder Seite steht immer noch ein Zitat von Daniela Katzenberger. Davon gibt es jedoch nur knapp über 20, womit die sich dann auf den 200 Seiten schnell wiederholen. Das macht wiederum keinen sehr durchdachten Eindruck und einen wahnsinnig, wenn sich das ganze immer wieder wiederholt. Genauso ist der Titel des Buches doch ziemlich fragwürdig, aber den Leuten scheint es zu gefallen. Wer sich für alle Facetten des Lebens von Daniela Katzenberger interessiert, hat mit ‚Sei schlau, stell dich dumm‘ den Heiligen Gral in der Hand. Da steht einfach alles drin, was man wissen will und auch vermutlich das, was man nicht wissen will.

Ich bin kein Fan von Daniela Katzenberger. Darum war das Lesen von ‚Sei schlau, stell dich dumm‘ mehr oder weniger sehr anstrengend. Es ist, als ob man mit jeder noch so nebensächlichen Kleinigkeit totgequatscht wird. Normalerweise lese ich ein mich interessierendes Buch ziemlich schnell, aber mehr als zwei oder drei Seiten hintereinander zu lesen war mir einfach nicht möglich. Zu schnell schweifte ich mit den Gedanken ab und zu blöd war der Inhalt. Es ist mir einfach unbegreiflich, wie man die Katze als Vorbild nehmen kann. Mit ihrem Stolz auf ihren Silikon-Busen und ihrer Künstlichkeit verkörpert sie total bescheuerte bzw. überhaupt keine Ideale. Es ist schön, dass sie zu sich selbst steht, aber will man seine eigene Tochter über Schönheits-OPs reden hören? Im Buch ist so wenig Selbst-Reflexion, dass es schon traurig ist. Da wird ihre ganze Ansammlung von Schminke und Lippenstift beschrieben während der Gedanke, in irgendeiner Form natürlich zu sich selbst zu stehen, gerade in der Ecke verreckt. Getoppt wird das dann nur von der Tatsache, dass sie von sich selbst gerne in der dritten Person als ‚Katze‘ schwadroniert.

Daniela Katzenberger zeigt somit meiner Meinung nach das typische Bild der oberflächlichen Tussi unserer Moderne. Darum polarisiert sie, die einen finden sie dumm, die anderen super. Dass sie einigermaßen erfolgreich in ihrer Art ist, mag die eine oder den anderen freuen, dabei bleibt sie jedoch austauschbar und charakterlos. Es kann doch einfach kein sinnvolles Ziel für einen Menschen sein, irgendwann einmal im Leben im Playboy zu landen! Das ist das kleine Mädchen, das irgendwann mal im Rampenlicht stehen will. Was danach kommt, wenn der in der TV-Branche schnell vergängliche Ruhm mal verflogen ist, bleibt nebensächlich. Ja, sie spart und ist geizig. Und alle freuen sich darüber. Und alle mögen sie voll. Eine künstliche rosarote Welt! Was ist dann in 10 Jahren? Wenn der Busen hängt und der Rücken schmerzt, das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt und das Dschungelcamp nicht mehr läuft?

Wer nichts mit ihr am Hut hat, macht einen ganz großen Bogen um das Buch, denn dann ist es schlichtweg Müll. Es steht nichts Wertvolles oder Schlaues drin. Die Barbie-Puppe, die es ins Fernsehen geschafft hat. Hurra. Hat es schon gegeben, wird es wieder geben. Uns bleibt nichts weiter übrig, als auf die nächste arme Ausgeburt der Medien-Landschaft zu warten, über die man sich dann aufregen kann. Still und leise hoffe ich jedoch, dass die Aliens (oder Marder) noch das eine oder andere Werk von Hornby oder King finden werden.

Bewertung:  

John Niven: Gott bewahre (2011)

Es gibt Bücher, die sind einfach nur geil. Von der ersten bis zur letzten Seite. Aus einem Guss, nie langweilig und irgendwie überzeugend. Und das hier ist so eines. Die einzigen Menschen, die vielleicht vor den Kopf gestoßen werden, sind ganz krass-gläubige Christen und Muslime, aber ein wenig Selbst-Reflektion darf man schließlich erwarten. Doch ganz langsam. Worum gehts eigentlich in ‚Gott bewahre‘?

Gott ist angepisst. Nicht nur so ‚Fuck, mein Fußball-Team hat verloren‘-angepisst, sondern so à la ‚Fuck, ich rotte gleich die Menschheit aus‘-angepisst. Doch warum? Seine Schöpfung, wir Menschen, gefielen ihm eigentlich ganz gut. Dann entschloß er sich, mal ein wenig Urlaub zu nehmen. Einfach mal richtig gechillt Angeln gehen. Da war gerade die Renaissance angesagt. Leider vergeht die Zeit im Himmel viel viel langsamer als bei uns, und als er wiederkommt, muss er feststellen, dass er die ‚Prime-Time‘ unserer Existenz verpasst hat. Hexenverbrennung, Weltkriege, Holocaust, Atombomben, etc. Da isser not amused. Also wird beschlossen, Jesus zu uns runter zu schicken um ein bisschen Liebe und sowas zu verbreiten. Dass dieser jedoch eher kiffender Hippie als Erlöser ist, scheint ein wenig hinderlich. Gesagt, getan. Und so lebt Gottes Sohn unter uns als ein ziemlich netter Mann, bis er dazu gebracht wird, an der amerikanischen Variante von ‚Blabla sucht den Superstar‘ teilzunehmen, um Preisgeld abzusahnen und seine Botschaft unters Volk zu bringen.

Und dabei wirkt wirklich jede Idee und Wendung so herrlich unkonventionell und geistreich, dass es eine wahre Freude ist, weiterzulesen. Dem einen oder anderen mag es vielleicht etwas zu viel Sozialkritik sein, aber das störte mich nicht ein bisschen. Es geht um die Verschwendung in der modernen Konsumgesellschaft, Toleranz, Kapitalismus, Nächstenliebe und sogar um die Todesstrafe. Und welches Land ist da nicht geiler als die Vereinigten Staaten von Republikanien? So sammelt Jesus einen Tross Jünger um sich, die verschiedener nicht sein könnten. Vom HIV-infizierten Obdachlosen zur drogenabhängigen, alleinerziehenden Ex-Prostituierten. Der ‚Abschaum‘ unserer Gesellschaft kommt zu Wort und darf der herzlosen und geldgierigen Welt die Stirn bieten. Dabei entwickelt sich um die Teilnahem bei der Casting-Show eine Art Road-Trip Richtung Kalifornien. Der zweite Teil ist dann ein wenig anders und auch statischer und es spitzt sich dann in Sachen Ernsthaftigkeit und Brutalität alles zu.

Ehrlich gesagt frage ich mich, warum sich keiner über dieses Buch je aufgeregt hat. Zumindest findet sich dazu nichts im Internet. Mit welcher Unverblümtheit hier teilweise die christlichen und republikanischen Denkweisen kritisiert werden. Beispielsweise erklärt Gott, dass er nichts gegen Schwule hat und wie denn die ‚dummen Kirchenmänner‘ auf die Idee kämen, es sei in Ordnung, Leute auszugrenzen. Sowas ist dann echt geil. Oft sagt Gott auch, dass er nur eine Botschaft hat: ‚Seid nett‘. Nicht mehr und nicht weniger. Doch Moses das Arschloch hätte daraus dann 10 dumme Regeln gedreht und so Auslegungen und so weiter ermöglicht. Ähnlich geht es weiter. Da wird dann der Himmel und die Hölle genauer beschrieben und wer wie bestraft wird. Auch Hitler mittendrin fehlt nicht. Natürlich lässt sich das Buch immer als ‚liberaler Schwachsinn‘ abtun, aber in sich ist alles stimmig und schlüssig. Es ist böse Kritik an dem ganzen Scheiß, den die Menschheit sich über die letzen Jahre und Jahrhunderte angehäuft hat. Und in erster Linie wird offengelegt, wie vermeintliche Christen einfach nur puren Hass und Intoleranz predigen und mit so einem Dreck dann auch noch genügend Menschen erreichen.

Dass Jesus‘ Aufenthalt hier gewisse Parallelen zum ersten Erlebnis hier vor 2000 Jahren hat, ist klar und eigentlich auch ganz cool eingeflochten. Wer die Bibel nicht kennt, sieht trotzdem diese Stellen und freut sich dann über solche Modernisierungen. Der Lesefluss ist außerdem sehr nett. Vieles wird direkt gesagt und gedacht und kommt dann auch wie ein Film rüber, dem man zuschaut. Es wirkt nicht wie ein Schauspiel und man fühlt sich, als ob man danebensteht. Damit meine ich, dass in Büchern, in denen komplexere Satzstrukturen und dergleichen verwendet werden, die Distanz zwischen Leser und Protagonisten größer ist als hier. Das ist Niven in ‚Coma‘ schon echt gut gelungen. Und hier fühle ich mich auch thematisch berührt. Es werden eben Dinge angesprochen, die niemanden kalt lassen. Großartig ist, dass in einem Abschnitt über die Todesstrafe Britney Spears zitiert wird („Ich bin für die Todesstrafe. Wer schreckliche Dinge getan hat, muss eine angemessene Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste Mal.“). Das ist intelligent, böse, satirisch und lustig. Alles zur gleichen Zeit.

‚Gott bewahre‘ ist gemein für alle Konservativen und sehr kritisch. Meiner Meinung nach ist es ein super Buch und ich würde es jedem uneingeschränkt empfehlen. Das ist nicht die besinnlich-weihnachtliche Feel-Good-Lektüre, sondern sozialkritische Komödie!

Bewertung: 

Carlo Pedersoli: Bud Spencer (2011)

Who the fuck ist Carlo Pedersoli? Das mag sich der eine oder andere fragen, doch schon schnell wird einem bewusst, dass Bud Spencer ja nur eine Kunstfigur ist oder war und diese von ebenjenem Carlo gespielt wird. Lustigerweise erscheint einem bei Wikipedia der Artikel zu Bud Spencer wenn man den eigentlichen Mann nachschlägt. Der ist inzwischen schon ein wenig alt, stolze 82, und hat auch so einiges zu berichten.

Die Biographie beginnt mit einem Abschnitt, indem sich der alte Carlo mit seinem jungen Ebenbild in einem alten Schwimmbad trifft und die zwei darüber schnacken, was der Alte erlebt hat und was dem Jungen noch bevorsteht. Das geht dann vom 2. Weltkrieg über Schwimmstunden hin zur Auswanderung nach Südamerika, Rückkehr, Teilnahme an den Olympischen Spielen und Auftritten als Komparse. Es ist schwierig, alles zusammenzufassen. Der Mann hat echt viel erlebt und war praktisch überall auf dem Globus. Überragend spannend ist das alles nicht, aber doch auch interessant. Vor allem die Bilder, die zeigen, wie Carlo noch zu seiner aktiven Schwimmerzeit aussah….Ein wahrer Berserker. Übrigens lernte er damals über 3 Ecken schon einen gewissen Mario Girotti kenne, der später noch eine größere Rolle in seinem Leben spielen sollte. Carlo heiratete relativ früh und fing dann halt an, sich mit Gelegenheitsrollen über Wasser zu halten und seine Familie zu finanzieren, bis dann eines Tages ein erster Italo-Western kam, an der Seite von Mario alias Terence Hill.

Mit der Zeit wurden schließlich Bud Spencer und Terence Hill eines der großartigesten und erfolgreichsten Filmduos seit Stan Laurel und Oliver Hardy. Wer hat nicht schon mindestens einmal dabei gelacht, wenn Bud Spencer Schellen austeilt? Die beiden haben viele Jahren lang gute Unterhaltung für jede Altersklasse abgeliefert. Und genauso ist auch das Buch. Man lernt den Mann hinter Bud Spencer kennen, der intelligenter ist als seine Rolle es vermuten lässt. Beispielsweise kann er ein abgeschlossenes Jura-Studium vorweisen. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht wirklich tiefschürfende Gedanken oder unglaubliche Exzesse erwarten. Es ist ein Werk für Leute, die was mit Bud Spencer anfangen können. Jemand, der noch nich von ihm gehört hat, wird sicherlich nicht allzu interessiert genug sein. Aber gibt es wirklich jemanden, der noch nie von Bud Spencer gehört hat? Für solche Menschen ist bereits ein Platz in der Hölle reserviert!

Hin und wieder, vor allem in der ersten Hälfte, war es mir doch ein wenig zäh. Das wird dann aber besser, als Carlo sich in Bud verwandelt. Dann geht es mehr um die Filme, die ich fast alle selber kenne und dann macht einem das Buch auch ganz viel Spaß. Eine Art Kindheits-Flashback, als ein Michael Bay noch nicht jeden Scheiß in die Luft fliegen ließ. Und auch hier wird mir eine gewisse Schwäche des Buches bewusst: diese allesumspannende Gutmütigkeit! Praktische jeder Regisseur, mit dem Carlo zusammenarbeitete, war ein Genie. Jeder Schauspieler, mit dem er zusammenarbeitete, war ein Meister seines Fachs! Jeder Kameramann, mit dem man zusammenarbeitete, war ein…. na? Ein Auserwählter natürlich! Und das kommt dann doch verdammt oft vor und das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt. Eine gewisse rosarote Brille muss ich dem Spencer schon vorwerfen. Das wird vor allem diejenigen stören, die auf einen Skandal gehofft haben. Aber so richtig polarisieren tut eben ein Bud Spencer nicht. Er ist gut. Punkt.

Am Ende hatte ich eine gute Zeit mit Bud Spencer. Ich kann jetzt angeben, dass ich seinen richtigen Namen kenne und dass er lange Zeit in Südamerika gelebt hat. Das weiß sonst keiner…. Ansonsten ist es eine nette Autobiographie, ohne große Aha!-Momente, aber trotzdem schön, dass der Mann hinter Bud Spencer ein cooler Typ ist. Wer nichts mit den Filmen anfangen kann, lässt die Finger hiervon. Mag man jedoch seine Filme, ist das hier durchaus auch mal eine Emphelung wert.

Bewertung: 

Walter Isaacson: Steve Jobs (2011)

666! Die Zahl des Antichristen. Verderb und Qual. Höllenfeuer. Teufel! Tod! Und nebenbei auch die Seitenzahl der offiziellen Biographie von Steve „Apfelkuchen“ Jobs. Zufall? Ein Zeichen von oben? Oder von unten? Schließlich ist die Hölle ja eher unter uns lokalisiert. Und warum kommt das Teil 19 Tage nach Steves Ableben in die Handlung? Hatte da etwa einer Angst vor Konkurrzenz? Und wer ist dieser Walter Isaacson? Fragen über Fragen…

Fangen wir beim Autor an. Im deutschen Raum kannte ich Isaacson nicht, doch er schrieb bereits Biographien über Franklin, Kissinger und Einstein, also über wichtige Persönlichkeiten, die großen Einfluss auf die Welt um sie herum ausgeübt haben. Und nun gesellt sich Steve Jobs hinzu. Wer die letzten paar Wochen auf dem Mond gelebt und keinen Zugang zu Internet und anderweitigen Informationsmedien gehabt hat, dem sei gesagt, dass am 5. Oktober 2011 Steve Jobs an den Folgen seiner Krebserkrankung verstarb. Und selten hat ein Ableben eines Menschen größere Wellen geschlagen! Was wurde im Internet nicht alles darüber geschrieben. Die einen trauerten um den Verlust eines Universalgenies à la Da Vinci, die anderen zuckten mit den Schultern und gaben einen feuchten Furz darauf. Und da wird deutlich, wie polarisierend dieser Steve Jobs aus Kalifornien war. Sogar noch im Tod.

Ich persönlich habe mich nie sonderlich für ihn interessiert. Zwar habe ich ein iPhone und finde es ganz cool, aber MacBooks und dergleichen irgendwie immer abgelehnt. Man erzog mich als Jünger des Gates, jemand der ab Windows 95 jedes Microsoft-Betriebssystem (außer, dem Herr seis gedankt, Windows Me) benutzte. Ich kannte Apple-Produkte fast nur aus dem Fernsehen, als Hipster-Rechner die viel zu teuer sind. Und so richtig war Apple für mich nicht gleich Steve Jobs. iTunes mag ich bis heute nicht und finde es total doof, meine Musik fürs Handy damit verwalten zu müssen. Das war alles vor 2 Wochen, denn dann begann ich mit der Steve-Jobs-Biographie…

Oha? Wurde ich bekehrt? Bin ich ein Fan von Apple und Jobs geworden? Keineswegs! Wenn das Buch eines schafft, dann ihn als ziemliches Arschloch darzustellen. Steve Jobs war kein netter Zeitgenosse! Er verhielt sich zumindest zu den wenigsten Menschen freundlich.

Das Buch beschreibt chronologisch das Leben von Steve. Wie er als Adoptivkind und aus einfachen Verhältnissen kommend aufwächst. Seinen LSD-Konsum, einem hippiehaften Leben, Reisen nach Indien, einem abgebrochenen Studium. Schon recht früh entwickelte er ziemlich strenge und aufzehrende Essensvorschriften für sich und hielt sich fast zwanghaft daran. Man liest, wie er Steve Wozniak begegnete und sie anfingen, zusammen Geräte zu bauen. Ich gebe das jetzt sowieso alles vielleicht nicht ganz richtig wieder, aber eines soll gesagt werden: Isaacson schafft es, detailiert und eindringlich zu schildern, wie durch 2 Nerds in einer Garage das wertvollste Unternehmen auf dem Planeten Erde entsteht.

Dabei wird eines klar: ein jeder hat oder hatte schonmal irgendwas mit Steve Jobs zu tun. Das sind nicht nur die Produkte der Marke Apple, sondern in erster Linie auch Pixar, welches er zu dem Animationsstudio der vergangenen Jahre gemacht hat. Er hat über iTunes im Grunde im Alleingang die Musikindustrie aus einer ihrer schwersten Krisen geführt, mit dem iPod unser Verständnis für Musik unterwegs geprägt, die Smartphone- und Tablet-Branche massentauglich gemacht, den ersten wahren Heimcomputer mit dem Apple II mitgebaut und ganz viel Zeug designt. Hört sich jetzt an wie so eine dumme Verkaufs-Brochüre, aber verdammt, der Mann war an so verdammt vielen Sachen beteiligt. Und das obwohl er ein Arsch war.

Laut Buch hat Jobs ein Gemüt, das jeden Menschen sofort als Gott oder Missgeburt darstellt. Er war rechthaberisch, launisch, hinterging seine eigenen Freunde, erkannte seine leibliche Tocher jahrelang nicht an und übte unglaublichen Druck auf jede Person in seiner Umgebung aus. Hier ist auch das einzige, was mich hin und wieder am Buch gestört hat: Immer, wenn er auf unrealistische Weise etwas ausblendet, sprechen seine Menschen vom Realitiy Distortion Field und der Motivation dahinter. Dass das ganze aber halt auch einfach nur ein Beleg für seinen wenig sympathtischen Charakter sein könnte, wird nicht so oft erwähnt. Trotzdem bleibt er allen in Erinnerung.

Außerdem hat dieser Text jetzt 666 Worte! Der Kreis schließt sich somit und man fragt sich, mag man Steve Jobs? Er wurde mir tatsächlich sympathischer während des Lesens. Einerseits kannte ich das Ausmaß seines Schaffens noch nicht, andererseits liest man unglaublich viele persönliche Sachen und auch Gespräche heraus. Eigentlich wollte ich über das Buch schreiben und nicht über Steve Jobs, denn über ihn wurde einfach schon zu viel geschrieben. Trotzdem vermag es Walter Isaacson, unglaublich viel Information über 4 Jahrzehnte in einer geschmeidigen und wunderbaren Art und Weise zu verpacken. In dem einen oder anderen Technik-Blog wird gemeckert, dass die Biographie viel zu wenig auf die technische Seite eingeht. Aber gerade das fand ich angenehm. Ich hatte stets den Eindruck, gerade aus Versehen beim Zappen bei einer Dokumentation hängen geblieben zu sein und diese dann so spannend zu finden, dass man sie dann guckt und sich wundert, wie denn schon 2 Stunden vergangen sein können. Weil einfach auch andere Leute wie Bill Gates zu Wort kommen und man die tieferen Zusammenhänge der Computer-Branche versteht. Es wird klar, inwieweit Jobs eine Philosophie verfolgt hat und wie er stets alles kontrollieren wollte, von der Herstellung bis zum Verkauf seiner Produkte und sogar jegliche Software.

Spannung sollte keiner erwarten. Es ist kein Krimi oder Thriller, sondern die Geschichte eines Mannes, der auszog, Produkte herzustellen, die cool waren oder die er einfach cool fand. Nicht mehr und nicht weniger. Und insoweit hat es das Buch tatsächlich geschafft, dass ich, anfangs eher skeptisch, Steve Jobs als einen ganz großen Geist der letzten Generationen in Erinnerung behalte. Insofern ist dies ein super Werk und absolut emphelenswert, wenn man sowas „lesen kann“. Wer noch nie eine Biographie gelesen hat und ein Plot braucht, wird hiermit nicht unbedingt glücklich und wartet einfach auf den Film, der bald kommt (ich haße Hollywood).

Bewertung: 

Philipp Lahm: Der feine Unterschied (2011)

Ach Gottchen. Wie sie sich alle aufgeregt haben. Der Völler, die BILD, der Magath und ganz Deutschland! Ein Buch, in dem der erst 28-Jährige Kapitän unserer Nationalmannschaft einfach alles und jeden mit Kacke bewirft! Beispielhaft mal diese Talkrunde:

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Ich frage mich ernsthaft, ob irgendeine der (damals) rumheulenden Personen sich mal das Buch durchgelesen hat. Denn es steht wirklich drin, was aus dem Einband steht: Wie schwer es sein kann, heutzutage professionell dem Fußballsport nachzugehen. Und an dieser Stelle ein herzliches „Fuck-You“ an die Bild-Zeitung, die sich die angeblich so brisanten Stellen rausgeklaubt und kontextfrei vorab veröffentlicht hat. Lahm schreibt drei oder vier Sätze über Völler im gesamten Buch. Die sind nüchtern und nicht wirklich negativ. Das meiste über Magath ist eher positiv. Auch über Van Gaal, Klinsmann und Löw kann man was lesen. Alles sachlich und niemals, ich wiederhole, niemals verletzend / verunglimpfend / beleidigend / herablassend. Nirgends. Drecks-Bild-Zeitung eben. Und sonst so?

Es ist eine Autobiographie, knapp 250 Seiten stark. Beginnend von Lahmis Anfängen als kleiner Bub bis hin zur aktuellen  WM in Südafrika. Ich persönlich bin mit einem eher negativen Eindruck an das Buch gegangen. Ich kenne Lahm bei den Bayern und die Bayern mag ich halt nich so wirklich. Und dann ja noch das ganze dumme Medien-Theater drumherum! Also rechnete ich mit einem Werk der Schande und des Klatsches, durchzogen von bösen Beschimpfungen, supergeheimen Interna und rechtem Gedankengut.

Und was bekam ich? Ein wirklich nettes Buch von einem netten Kerl, der es geschafft hat, sich mit Fußball seine Brötchen zu verdienen. Hier und da liest man Spielverläufe, beispielsweise das 4:0 gegen Argentinien in Südafrika. Das ist ganz unterhaltsam. Man erfährt wie schwierig es ist, wenn man sich verletzt. Leistungsdruck und Erwartungen, die permanent Druck auf einen ausüben. Es wird hier und da der Alltag eines Fußballers deutlich und auch das drumherum, über Privatsphäre wird auch gesprochen.

Mich persönlich interessiert Fußball. Insofern hat es mich auch interessiert, zu lesen, wie man Profi wird. Und das vermittelt das Buch auch. Obwohl Lahm mit Ende 20 noch lange nicht alle Stationen erreicht hat. Es gibt ein Kapitel, in dem er von seinem Engagement als Wohltäter quatscht. Das fand ich ziemlich zäh und langweilig, der Rest war wirklich gut zu lesen. Ob man am Anfang jedes Kapitels in Stichpunkten das Kapitel zusammenfasses muss….ich weiß es nicht. Mir ehrlich gesagt auch egal. Natürlich hat er das Buch jetzt nicht alleine geschrieben. Das hat kein Fußballer. Aber in meinen Augen hat er sich vom Giftzwerg zu einer ehrlichen Persönlichkeit gewandelt. Ist ja auch schon mal was.

Jetzt wäre es mal interessant zu wissen, ob der ganze Schmarn mit den vorab veröffentlichten Zitaten nicht nur ein ganz mieser Werbetrick war. Publicty halt. Der wirkliche Verlierer für mich ist trotzdem die Bild-Zeitung, aber wenn man das Niveau von Kot schon vor Jahren erreicht hat, kann man nicht noch weiter sinken. Auch Rudi Völler hat in meinen Augen viel an Sympathie eingebüßt. Lustigerweise redet keiner mehr darüber und das wird wohl auch in Zukunft keiner mehr tun. Schade, denn meiner unwichtigen Meinung nach hätte Lahm die eine oder andere Entschuldigung verdient.

Wer Fußball mag und gerne ein wenig hinter die Kulissen gucken würde, findet das Buch ok oder sogar gut. So wie auch ich. Dem Rest ist ‚Der feine Unterschied‘ zu langweilig. Es ist kein Meisterwerk der Literatur und auch nicht wirklich spannend. Ein Sachbuch über einen Typen, der Fußball spielt. Wer lieber skandalösen Quatsch lesen will, kauft sich die aktuelle Bild (und kommt in die Hölle). In diesem Sinne:

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Bewertung: 

Matthew Delaney: Golem (2010)

Die Welt im Jahre 2049: Praktisch jede Krankheit ist besiegbar, alles durch Veränderung der Gene. Die Firma Genico beherrscht den Markt, und so bleibt nur gesund, wer auch Geld hat. Zur gleichen Zeit werden Transkriptoren produziert, eine Art künstlicher Mensch mit Verfallsdatum, der jedoch über keine Rechte verfügt und ein moderner Sklave ist. Mittendrin ist unser Held, Thomas Roosevelt, Sohn des Konzerngründers. Als Herr Papa ihn und nicht seinen Bruder zum Nachfolger erwählt, eskaliert der brüderliche Wettstreit und Thomas ist plötzlich auf der Flucht.

‚Golem‘ ist ein Thriller über ca. 500 Seiten. Das Zukunfts-Szenario ist ganz nett und erfreulicherweise nicht ganz so bis ins kleinste Detail ausgemalt wie ‚Limit‚ von Frank Schätzing. Richtig Science-Fiction sieht man nicht (so wirklich, finde ich), Autos haben einen neuen Antrieb und die Sache mit den Genen halt. Der Rest erinnert einen an heute. Dezente Veränderungen. In ‚Limit‘ gab ja noch so viel neues, dass man seitenlang darüber unterrichtet wurde und bald nicht mehr wusste, was zur Hölle das alles denn soll.

Wir erleben, wie Thomas ein eigentlich sorgenfreies Leben in der Oberschicht führen darf. Sein Bruder hängt ihm jedoch einen Mord an und so wird er als Transkriptor abgestempelt, frei von Rechten, verheizt als Arbeiter und Gladiatoren-Kämpfer. Sonderlich bewegende Wendungen sollte man nicht erwarten, zumindest war mir früh schon klar, worauf alles hinausläuft. Es wird so oft mit dem Finger auf die Transkriptoren gezeigt und geschrien „Sie sind auch Menschen und verdienen Rechte!“, dass die Grundbotschaft natürlich etwas auch mit Thomas Roosevelt zutun haben muss. Doch wird wirklich Sozialkritik betrieben? Meiner Meinung nach nicht, was vor allem zum Ende hin deutlich wird. Eine Lösung wird nicht präsentiert, die Sklaven werden nicht wirklich befreit, die Welt wird zwar erschüttert, aber das interessiert uns da schon nicht mehr so. Das fand ich schade. So geht eigentlich eine Message flöten. Übrig bleibt ein futuristischer Thriller mit eher wenig Tiefgang. Da wäre mehr drin gewesen.

Besonders die erste Hälfte des Buches gefiel mir gut. Dort wurde noch viel von der Welt ‚gemalt‘, jedoch immer in eher kurzen Kapiteln. Das gab dem Ganzen eine Portion Dynamik und Abwechslung. Hälfte Nummer 2 ist dann wieder so eben etwas, das man in jedem anderen Roman dieser Art auch liest. Kampfszenen, Weglaufszenen, Racheszenen. Und zum Schluss dann ein wenig seicht. Langweilig war mir aber nie, zu 100% sympathisch war mir der Held aber auch nicht. Dafür ist er zu perfekt. Keine einzige schlechte Eigenschaft hat er. Die Natur will er schützen, Vegetarier, perfekte Freundin, freundlich, beliebt, sympathisch, Top-Job, Top-Abschluss, Top-Sportler, Top-Auto (für heutige Standards). Da wirkt der drogenabhängige Verräter-Bruder doch gleich ein wenig greifbarer, trotz des Verratens eben. Sympathie-Punkte sammelt der jedoch auch nicht, vor allem weil er ein ziemliches Arschloch ist. Deswegen liest man eher nicht wegen den Personen als viel mehr des Szenarios wegen.

Wie dem auch sei. ‚Golem‘ ist absolut ok. Keine Weltliteratur, nichts was einem lange in Erinnerung bleibt. Im Vergleich zu ‚Limit‘ aber würde ich ‚Golem‘ vermutlich lieber emphelen, ganz einfach weil man sich nicht durch teils unendliche Bauanleitungen und Standortbeschreibungen durcharbeiten muss. Mehr Platz für die Fantasie des Lesers! Allerdings frage ich mich, ob heutzutage alle Romane mit einer Szene beginnen müssen, in der eine Person ellenlang vorgestellt wird, um sie dann übers Messer springen zu lassen. Oder ist das einfach modern? Oder bin ich zu ignorant für wahre Kunst? Keine Ahnung, aber wer noch Lektüre für den Strand braucht, macht hier nichts falsch.

Bewertung: 

 

Ansgar Brinkmann: Der Weiße Brasilianer (2011)

Das Buch ist die Autobiographie des wohl (angeblich) letzten deutschen Straßenfußballers, Ansgar Brinkmann. Wem der Name nichts sagt und wer sowieso nicht auf Fußball steht, kann ab hier getrost nicht mehr weiterlesen.

Brinkmann wird 1969 in Vechta (nicht weit von Bremen und Osnabrück) geboren und erlebt so als Kind bereits den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 1974 mit.  Als talentierter Spund wird er mit Bayer Uerdingen Deutscher A-Jugend-Meister. Dieser Titel bleibt der einzige in seinem Leben. Danach tengelt er von Verein zu Verein fröhlich durch fast alle Ligen in Deutschland (von der 1. bis zur Oberliga). Dabei beschreibt Brinkmann die vielen kleine Probleme, oft auch aufgrund seiner Person. Ob mit dem Trainer oder anderen Verantwortlichen, irgendwo eckte er immer an und war dann oft gezwungen, den Verein zu wechseln. Das ist schade, denn einer wie er, der mit Oliver Bierhoff und Bernd Schneider zusammen Fußball spielte, hätte wohl auch Chancen auf die Nationalmannschaft gehabt.

Das Buch ist chronologisch sortiert und die einzelnen Kapitel entsprechen jeweils der Zeit in einem Verein (oder mehreren). Nebenbei gibt es neben sportlichen Ereignissen auch immer wieder Anekdoten und Einblicke in die raue Welt des Fußballs.  Allerdings stören sich wiederholende Passagen über Brinkmanns Freidenkertum. Im ersten Drittel gibt es mehrere Abschnitte, wo er abdriftet und erzählen muss, was für ein Sturkopf er ist und deswegen eben manchmal falsche Entscheidungen getroffen hat. Das geht einem auf die Nerven. Ansonsten geht es eher nicht so viel um Fußball im eigentlichen Sinn, sondern mehr um das Drumherum. Das widerum fand ich sehr interessant, da ich als Fußballzuschauer die inneren Abläufe in einem Team bzw. Verein nicht mitbekomme.

Insgesamt erschien mir die erste Hälfte schwächer. Es zieht sich ein gewisses Maß an Überheblichkeit durch das Buch, was sich zum Ende hin aber wieder gibt und mir persönlich Ansgar Brinkmann als doch sympathischen Menschen vermittelt, der auf jeden Fall viel rumgekommen ist und eben von der 1. Bundesliga bis zum Abstieg in irgendeine Oberliga schon alles mitgemacht hat.

Man darf keine großen Botschaften erwarten. Ansgar Brinkman ist ein Fußballer, kein Philosoph. Er lernt weder aus seinen Fehlern noch ist er jedoch ein schlechter Mensch. Mir erschien das Buch vor allem ehrlich mit dem einen oder anderen kindlich-stolzen Moment (dass er z. Bsp. mit Bielefeld die Bayern geschlagen hat). Wenn man sich durch den zähen Anfang kämpft, dann erhält man einen netten Einblick in ein auf alle Fälle nicht langweiliges Leben.

Für mich als jemanden, der Brinkmann noch zur aktiven Zeit kannte, war der ‚Der Weiße Brasilianer‘ ein gutes Buch. Wer noch nie eine Autobiographie gelesen hat, sollte wissen, dass diese gerne auch mal etwas zäh sein können. Es gibt nun mal keinen Spannungsbogen (in der Regel), und man sollte schon eine gewisse Begeisterung oder zumindest ein wenig Interesse für die Person mitbringen.

 

Zitat Ansgar Brinkmann (auf die Frage, ob er sich einen Wechsel nach Katar vorstellen könne): Ich hab‘ noch keinen Bock, so’n bisschen in der Wüste zu spielen. Da sitzen dann ein paar Scheichs in ihren Sesseln, telefonieren während des Spiels und essen Pommes. Dafür bin ich noch zu gut. Obwohl: Montag bei Basler grillen, Dienstag bei Effenberg und Mittwoch bei mir – das könnte lustig werden.

Bewertung: 

Bret Easton Ellis: American Psycho (1991)

Handlung: Patrick Bateman ist ein reicher junger Mann in New York. Echte Sorgen hat er nicht, jedoch ist ihm sein Leben inmitten von Snobs und Luxus einfach nur langweilig und leer. Er ist gefangen in einer Welt voll von Monotonie, Wiederholungen und Oberflächlichkeit. Um daraus zu flüchten, beginnt er einfach, auf bestialische Art und Weise Menschen zu ermorden.

Ich bin ein großer Fan des Films. Der ist wirklich gelungen, und deswegen hatte ich auf ein mindestens ebenso gutes Buch gehofft. Doch dem ist leider nicht so. Während im Streifen alles komprimiert und knackig rüberkommt, ist der Wälzer so dermaßen langatmig, dass ich die Lust am Lesen des öfteren verlor.

Das liegt zum einen an den beschriebenen Ereignissen. Diese sind in der Regel weder sonderlich spannend noch interessant. Zum anderen gibt es ganze Kapitel über einzelne Musiker. Ich verstehe diese als Teil eines Gesamtkunstwerkes, doch sie lesen sich unglaublich zäh und vermitteln in ihrer Länge keine Lesevergnügen.

Außerdem erlebt man die Geschichte komplett in der Ich-Perspektive, doch Patrick Bateman ist einer der mit Abstand unsympathischsten und distanziertesten Hauptcharaktere, denen man begegnen kann.

Der Grund, warum das Buch einst indiziert war, sind die überaus makaberen und abstrusen Gewaltszenen. Die sind teilweise wirklich sehr hart, machen aber nicht unbedingt den größten Teil aus. Auch sind diese nicht sonderlich interessant. So wird das snobistische Leben des Patrick Bateman zwar ein wenig aufgebrochen, die uninteressanten Teile überwiegen jedoch dermaßen, dass der Gesamteindruck sehr eintönig ist.

Man kann sicherlich auch Gutes entdecken, wenn man das Buch in seiner Gesamtheit betrachtet. Ich persönlich finde jedoch, dass es wahrlich außer diverse Herrschaften aufzuregen keine besondere Leistung erbringt. Ich wurde als Leser für meine Beharrlichkeit nicht belohnt. Das hat mich, vor allem in Hinsicht auf den guten Film, sehr überrascht. Früher dachte ich, dass Filme basierend auf Büchern sowiese schlechter sind als das Original, doch hier wurde ich eines Besseren belehrt.

Meine Emphelung: Das Buch ist Müll, dort gehört es auch hin. Der Film ‚American Psycho‘ mit einem großartigen Christian Bale in der Hauptrolle jedoch ist ein absolutes Must-See für Freunde der gepflegten intelligenten (und auch etwas abgedrehten) Unterhaltung.

Bewertung: 

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken (2009)

Marc-Uwe Kling schildert in Kurzgeschichten sein Zusammenleben mit einem kommunistischen Känguruh.

Der Humor der meist, nun ja, kurzen Geschichten ist wirklich klasse. Die Absurdität, mit einem Känguruh als Mitbewohner zu leben, nimmt er als normal hin und zusammen machen die beiden abgefahrene, aber auch normale Sachen. Viele der kurzen Geschichten sind echt clever und innovativ und behandeln auch viele Themen.

Alle Storys sind vielseitig, unterhaltsam und tiefgründig, man langweilt sich zu keinem Zeitpunkt.

Es gibt absolut nichts zumeckern. Das einzige, was einen stören mag, ist, dass man nicht zu viel auf einmal lesen kann. Man darf das Buch eben nicht mit einem mal konsumieren. Nicht abwertend gemeint, aber dieses Werk ist eine wirklich gute Klo-Lektüre (da man es in kurzen Einheiten täglich konsumieren sollte).

Fazit: Absolut emphelenswertes Buch, super Unterhaltung. Für alle Menschen, die mit Kurzgeschichten was anfangen können.

Bewertung: 

William Paul Young: Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott (2009)

Vor Jahren wurde Mackenzies Tochter entführt. Ihre letzten Spuren wurden in einer einsamen Hütte in der Wildnis gefunden. Jahre danach erhält dieser einen Brief von Gott, der ihn dazu einlädt, ein Wochenende mit ihm in eben jener Hütte zu verbringen.

Die Rahmenhandlung mit der entführten Tochter ist überaus spannend und auch bewegend. Auch die Gespräche mit Gott sind interessant. Der Erzählstil ist auch gut, man leidet in gewisser Weise mit dem Vater mit.

Die Anzahl der auftauchenden Personen ist überschauber und so ist die gesamte Handlung simpel und auch leicht verständlich. Für gläubige Menschen stellt das Buch sicherlich gut die Sicht auf Gott in unserer modernen Zeit dar bzw. stellt auch eine Art christlicher Weltanschauung vor.

Die Gespräche mit Gott ufern jedoch teilweise so aus, dass man Schwierigkeiten hat, ihnen ganz und gar zu folgen. Ich muss auch zugeben, dass mich nicht alle Dialoge überzeugt haben, teilweise habe ich mich aufgrund der sehr langen Unterhaltungen gelangweilt. In der Mitte des Buches passiert wirklich wenig, das Buch verliert ungeheuer an Fahrt.

Ich bin nicht gläubig, jedoch fand ich die Idee, Gott in dieser Hütte zu treffen, anfangs großartig. Das Problem jedoch ist, dass es viel zu fantastisch wird und meiner Ansicht nach viele wichtige Fragen nicht beantwortet werden. Das ist sicherlich nicht das Problem des Buches als viel mehr das der Religion, jedoch hat der Anfang mich in gewisser Weise hoffen lassen, dass grenzwertige Fragen des Christentums beantwortet werden können. Dem ist jedoch nicht so, ich wurde also enttäuscht.

Das Ende fand ich dann wieder bewegend und auch einigermaßen gut gelungen. Jedoch wird mehrmals erwähnt, dass das Buch dem Zwecke dient, einen Film zu finanzieren, was einen gewissen bitteren Beigeschmack bewirkt.

Insgesamt hat mich das Buch also nicht wirklich überzeugt, sodass bei mir ein gewisser scheinheiliger Nachgeschmack übrig geblieben ist. Die philosophischen Gespräche mit Gott verebbten in religiöser Naivität (meiner Ansicht nach zumindest). Auch die Verkomplizierung vieler Dialog macht das Verständnis nicht leichter, vieles wirkt auf mich konstruiert.

Grundsätzlich ist das Buch jedem Gläubigen zu empfehlen. Jedoch ist es weder sonderlich spannend noch wirklich überzeugend, ich halte es für eher naiv und somit insgesamt für schwach. Dies soll keine Kritik an der Religion sein, aber die zentrale Frage, mit der Mackenzie zur Hütte geht, („Warum wird meine minderjährige Tochter entführt und umgebracht?“) wird, wie ich finde, einfach übergangen, und stattdessen nur alles Positive (Himmel, Liebe, …) beschrieben. Das finde ich bedenklich, deswegen ist das Buch mehr Schein als Sein. Ich würde es nicht noch einmal lesen wollen. Die Botschaft der Vergebung ist bei mir angekommen, trotzdem ist das Buch viel zu blauäugig und unkritisch.

Bewertung: 

 

 

Frank Schätzing: Limit (2009)

Handlung: Der Thriller spielt im Jahr 2025. Julian Orleys Firma ist es vor mehreren Jahren gelungen, einen Weltraumfahrstuhl zu bauen und so die Förderung von Helium-3 zu beginnen, mit dessen Hilfe alle Energieprobleme der Menschheit gelöst wären. Er begibt sich mit einer Gruppe von Reichen und Prominenten auf einen Urlaubstripp zum Mond.    Zeitgleich wird der in Shanghai lebende Online-Detektiv Owen Jericho damit beauftragt, die verschwundene Tochter eines Mannes zu suchen. Diese musste fliehen, weil sie an sensible Informationen einer unbekannten Organisation gelangt ist. Nebenher versucht die Journalistin Loreena Keowa, das missglückte Attentat auf den strategischen Leiter des untergehenden Ölkonzerns EMCO, Gerald Palstein, aufzuklären.

Alles greift dann auch noch ineinander über, die gesamte Handlung ist komplexer. Handlungsorte wie Shanghai, Berlin, London und der Mond zeigen eine globalisierte und technologisierte Welt von morgen.

Dieses Werk ist einer der globalsten Thriller, die ich je gelesen habe. Über diverse Kontinente hinweg bis in den Weltraum ist die Menschheit ineinander verflechtet, kommuniziert, agiert und manipuliert. Dabei weiß man nie, wem man vertrauen kann. Das macht die Geschichte spannend, zumal ich die Auflösung des Ganzen als glaubwürdig und gelungen betrachte.

Die Welt, die Frank Schätzing hier konstruiert, ist so deatiliert und auch nachvollziehbar vom technologischen Standpunkt, dass man das Buch in gewisser Weise als einen Ausblick auf eine bevorstehende Zukunft betrachten kann. Mir als Berliner war der Abschnitt der Handlung, der in Berlin spielte, überaus sympathisch, da Straßennamen eine gewisse Glaubwürdigkeit erzeugten. Überhaupt ist der Roman wahrscheinlich der Globalisierungs-Thriller schlechthin.

Auch die meisten Personen und ihr Verhalten erschienen mir realistisch, vor allem das Töten wird in keinster Form verschönigt und in all seiner Intensität, Abscheulichkeit und Sinnlosigkeit aufgeführt.  Und einige Figuren waren mir auch überaus sympathisch, vor allem da es keine Übermenschen gab, jede Person im Buch hat ihre Makel.

Es gibt Abschnitte im Buch, die sind so filmisch und spannend, dass einem der Atem stockt, speziell einer weiter am Ende, als plötzlich das momentane Geschehen aus der Sicht von drei oder vier Personen alternierend geschildert wird.

Insgesamt hat mir auch der Sprachstil gefallen, der für einen Thriller dieser Ausmaße oft gut für Spannung gesorgt hat. Viel Faktenwissen und gute Recherche kann man dem Werk zum Guten auslegen, jedoch auch zum Negativen…

Es findet eine Verfolgungsjagd statt oder ein Dialog, und ständig erklärt Schätzing die Dinge dahinter. Z. Bsp. unterhalten sich zwei Figuren, es fällt das Wort Internet, und der Dialog wird unterbrochen, um das Internet des Jahres 2025 zu erklären und wie E-Mails funktionieren. Das hat mich an manchen Stellen wirklich sehr wütend gemacht. Ich war an diesem Dialog interessiert und nicht an allem dahinter. Ab der Mitte bzw. nach dem ersten Drittel sind diese Lexikon-Passagen wirklich sehr nervig. Sie unterbrechen den Spannungsfluss teilweise enorm.

Außerdem stellt das Buch so viele Personen und Namen vor, dass einem schwindelig wird. Die Reisegruppe zum Mond wird gleich relativ weit am Anfang vorgestellt, und bei ungefähr zwei dutzend Personen und Lebensläufen ist das schwierig. Es gibt sage und schreibe !!!96!!! Personen im Buch, die mit Namen vorgestellt werden. Das ist alles andere als einfach zu verarbeiten, aber bei einem Buch dieser Ausmaße noch einigermaßen verträglich bzw. machbar.

Anzukreiden ist, dass es ein Register aller vorkommenden Personen mit kurzen Beschreibungen gibt, jedoch erst am Ende. Und dieses fiel mir erst auf, als ich mit dem Buch fertig war. Es hätte mir sicher geholfen, aber ein kleiner Hinweis weiter vorne wäre nett gewesen.

Ein weiter Punkt der Kritik ist, dass in manchen Passagen meine Fantasie heillos überfordert wurde. Es findet beispielsweise eine Verfolgungsjagd statt, die Protagonisten gelangen in eine Fabrikhalle, und diese wird detailreich über eine halbe Seite beschrieben. Das waren einfach viel zu viele Informationen, im Endeffekt wurden mir dann solche detailierten Beschreibungen dann zum Ende hin komplett gleichgültig, so anstrengend waren sie.

Fazit: Die Kritikpunkte hören sich schlimm an, ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass dies ein erstklassiger Thriller ist, von beinahe epischen Ausmaßen. Die Thematik (nahe Zukunft) ist wirklich interessant, Spannung gibt es auch genug. Ein Buch für zwischendurch ist es allemal nicht.

Für Gelegenheitsleser ist „Limit“ nicht zu emphelen. Wer jedoch angefangene Bücher beharrlich weiterliest, wird sein Vergnügen finden, zumal die hier konstruierte Welt wirklich zum Abtauchen einlädt. Einer der besten Beweise, dass Lesen eine ebenbürtige Alternative zum Fernsehen darstellt.

Auch Freunde der Wissenschaft und Technik werden diesem Werk so einiges abgewinnen können. Direkt Science-Fiction würde ich dem Buch nicht unterstellen, jedoch geht es auch schon ein wenig prophetisch in diese Richtung.

Ein guter Thriller, detailreich und groß. Nicht perfekt, aber definitiv gute Lektüre.

Bewertung: 

Dieter Nuhr: Gibt es intelligentes Leben? (2006)

 

Mit der Leitfrage „Gibt es intelligentes Leben?“ betrachtet Dieter Nuhr auf humoristische Weise diverse Bereiche des Lebens, beispielsweise beleuchtet er den Glauben und verschiedene Kulturen, immer wieder illustriert durch Fotos die ihn in aller Herren Länder zeigen.

Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben, die Spannweite der Themen ist wirklich groß, wobei Nuhr welterfahren und geradezu weise wirkt. Natürlich ist das Buch in keinster Weise ernst. Man muss jedoch seinen Humor mögen. Der ist gerne mal ein wenig subtiler und bei weitem nicht so „einfach“ wie z. Bsp. bei Mario Barth.

Das Buch ist sehr kurzweilig und auch knackig, Leerlauf kommt nicht auf. Die Kapitel sind auch allesamt recht handlich, was kurzes Lesen für Zwischendurch begünstigt. Auch die wirklich gelungenen Fotos sind unterhaltsam und durch die Bank weg interessant.

So schnell wie man anfängt zu lesen, ist man auch schon wieder fertig. Andererseits hätte mehr Länge das Buch wahrscheinlich viel zu seicht gemacht.

Und natürlich ist Nuhrs Humor nicht unbedingt für jedermann, wer jedoch etwas mit seinen Auftritten anfangen kann, ist sicherlich mit dem Werk nicht falsch beraten.

Einen tiefgründigen Blick auf alles Weltgeschehen sollte man sich von dem Buch nicht versprechen, es ist allemal ein lustiges Buch welches viele unterschiedliche Themen „abgrast“ und eher der Funktion der kurzweiligen Unterhaltung dient.

Wer Stand-Up Comedy mag und auch nur mal so kurz zwischendurch Zeit hat zum Lesen ist mit „Gibt es intelligentes Leben“ garantiert nicht schlecht beraten. Sicherlich auch emphelenswert für Leute, die wenig mit Mario Barth anfangen können. Insgesamt doch etwas zu kurz finde ich. Allemal super.

Bewertung: 

Charlie Huston: Das CleanTeam (2009)

Web ist ein 29-Jähriger Ex-Lehrer, beheimatet in Hollywood, der nicht viel mit seinem Tag anstellt, außer seinem Kumpel Chev auf der Tasche zu liegen. Aus schwierigen familiären Verhältnissen stammend, fängt Web an, im „Clean Team“ zu arbeiten, einer Reinigungsfirma für Tatorte. Dort beginnen seine Probleme erst so richtig. Web gerät in eine miese Gangster-Geschichte und auch zwischen die Fronten des Konflikts mit einer anderen Reinigungsfirma. Außerdem muss er seine Vergangenheit bewältigen, um endlich den Zynismus und das Negative aus seinem Leben zu vertreiben.

Web ist ein typischer Anti-Held, den sein eigenes Leben zu überfordern scheint. Trotz seines überaus dämlichen Verhaltens seinen Mitmenschen gegenüber und seiner unbeschreiblich großen Klappe ist er einem doch sympathisch.

Die ganze Handlung ist wirklich amüsant und nimmt stellenweise Züge eines Buddy-Movies an. Der Erzählstil aus Webs Sicht ist sehr gelungen. Viele Dialoge sind unglaublich witzig und ziehen sich durch das ganze Buch. Durch die vielen Gespräche erscheint einem das Buch sehr dynamisch, die Handlung wird ständig durch verquere Dialoge und Szenen vorangetrieben.

Zudem ist das Buch recht straff, rein von der Handlung gibt es keine Längen, Web und auch der Leser werden auf Trab gehalten (man kann das Buch locker in 3 Tagen schaffen).

Die Charaktere im Buch sind alle überaus real und niemand ist perfekt. Das hat mir in gewisser Hinsicht sehr gefallen. Man sieht den Kontrast, dass Hollywood keineswegs ein Ort ist, an dem Mich und Honig fließen. Der Beruf des Tatortreinigers ist auf jeden Fall kurios und auch wahrlich interessant beschrieben. So sieht man auch die häßlichen Seiten der Traumfabrik sozusagen.

Der Dialogstil ist gewöhnungsbedürftig. Nicht immer wusste ich, wer denn jetzt genau da redet. In 90% der Fälle ergibt es sich ganz simpel aus dem Kontext, aber manchmal half auch zwei oder drei mal lesen da nicht weiter.

Ich finde es zwar gut, das der Autor wirklich detailierte Routenbeschreibungen durch Hollywood bietet, doch haben sie mich in gewisser Hinsicht überfordert. Damit meine ich, dass man sich auf einer Autobahn bewegt und dann liest man, wie man auf eine gewisse Abzweigung abbiegt. Das Buch ist einfach nicht so lang, als dass man solche Orte mehrfach besucht und deswegen hat mich sowas eher verwirrt. Was aber kein großes Manko ist.

Insgesamt habe ich nicht viel zu meckern. Das Buch hat einen wirklich coolen Charme und das Positive überwiegt.

Ich halte CleanTeam als emphelenswert für alle, die damit Leben können, dass der Held der Geschichte ein Arschloch ist. Ein wirklich guter und oft zynischer Humor, ein cooler Erzählstil. Auch Blut fließt darin, es ist eindeutig kein Kinderbuch. Aber wem die normalen Krimis und Thriller auf die Nerven gehen, der sollte unbegingt mal dieses Werk lesen. Es ist zwar nicht mein Lieblingsbuch, aber wirklich super Unterhaltung.

Bewertung: