Frank Buschmann: Am Ende kackt die Ente (2014)

Hin und wieder verlangt der Geist nach Fast Food. Daran lässt sich nun mal nicht immer was ändern und ist vermutlich auch eine relativ schwache Rechtfertigung. Aber was solls. Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen und wir müssen mit der Situation zurechtkommen. Und nach George R.R. Martins endlosen Ausführungen über Drachen, Inzest und anderem Fantasy-Kram stand mir der Geist nach etwas leicht Verdaulichem. Soviel zumindest zur Begründung, warum ich mir die Autobiographie von einem der populärsten Fußballkommentatoren hierzulande zu Gemüte geführt habe. Dass dabei keine tiefen Einsichten in Philosophie oder Ethik zu erwarten sind, sollte eigentlich, zumindest wenn man den Mann schon mal gehört hat, von vornherein klar sein. Aber ist „Am Ende kackt die Ente“ am Ende so viel Wert wie das, was beim Kacken einer Ente am Ende herauskommt? Werde ich weitere schlechte Wortspiele hier unterbringen? Oder steckt da vielleicht noch mehr drin? Das gilt es alles herauszufinden.918f304a56c04111a3084a4b5eaa6254

Frank Buschmann beginnt seine Karriere als Basketballer. Mit der BG Hagen spielt er in der zweiten deutschen Basketball-Bundesliga und macht nebenbei so ein wenig Radio. Und wie das Leben so spielt, gelangt er über Umwege und Zufall, und vermutlich dank seiner großen Klappe, irgendwann zum damaligen Deutschen Sport Fernsehen und somit auch ins TV, wo er u.a. heute noch als Kommentator für so Sendungen wie „Schlag den Raab“ zu hören ist. Und gelinde gesagt ist das eigentlich alles, was man über den Mann wissen muss. Gespickt wird dabei seine Karriere durch allerhand Anekdoten, seien es Begegnungen mit Dirk Nowitzki und Dennis Rodman. Oder sogar Gerhard Schröder und Michael Gorbatschow. Dabei geht Buschi sehr linear durch die Jahre und reiht relativ zusammenhanglos Sportereignis an Treffen an Anekdote.

Was über die ersten 50 Seiten noch locker lesbar ist, wird leider mit den folgenden 200 Seiten zunehmend eintöniger. Das liegt nicht zuletzt an Buschmanns Schreibstil. Der ist, gelinde gesagt, sehr einfach. Einfache Sätze, einfache Gedanken. Und an keiner Stelle Tiefgang. Klar, der war hier eigentlich nie zu erwarten gewesen, aber nichtsdestotrotz wird es nach einer Weile monoton. Das liegt auch in der eher etwas schnellen und wenig spannenden Schilderung der vielen Begegnungen mit Größen des Basketballsports. Wo es definitiv Potential für eine spannende Erzählung gibt, verflachen die Geschichten schon alleine aufgrund seiner Art zu schreiben. Dabei ist es ja durchaus sympathisch, dass der gute Mann alle Zeilen selbst verfasst zu haben scheint. Doch trotzdem ist Buschmann einfach kein erfahrener Autor und damit gerät das Buch schnell zu einer monotonen Aneinanderreihung von locker erzählten Berichten. Interessante Stellen sind genauso kurz wie uninteressante und somit bleibt am Ende nicht sehr viel in Erinnerung. Besonders, wenn der erwachsenene Mann eher ungeschickt von einem Saufabend berichtet, fragt man sich doch, ob er denn nie mit sich selbst ins Gericht geht. Selbstreflexion ist nun mal augenscheinlich nicht seine Stärke. Hier wird definitiv Potential verschenkt. Aber Frank Buschmann ist ja auch weder Philosoph noch Poet.

Und so, wie er auf Facebook seine Posts verfasst, so ungefähr hört sich an vielen Stellen das Buch auch an. Dabei gibt es aber zum Beispiel auch eine Passage, in der im Wortlaut ein Livekommentar zu einem Basketballspiel wiedergegeben ist und der durchaus gut unterhält und viel mehr über die Person Frank Buschmann zu erzählen vermag als der Rest des Buchs. Mehr davon hätte sicher nicht geschadet. Und für jemanden, der gerne Bundesliga-Konferenzen schaut, gibt es auch eine Passage über die technischen Hintergründe so einer Schaltung. Sehr viel mehr bleibt allerdings nicht hängen.

Gibt es trotzdem Gründe, „Am Ende kackt die Ente“ eine Chance zu geben? Eines muss man dem Buch dann nämlich doch lassen: Es wirkt authentisch. Die Art und Weise des Schreibens erinnert schon stark an die unsachliche Art von Buschmann, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Er ist emotional und bei der Sache. Und er bemüht sich auch um „Randsportarten“. Wer den Mann mag und ihm ohnehin mit großer Freude auf sozialen Netzwerken folgt, wird dem Buch ein wenig etwas abgewinnen können. Alle anderen dürfen auf die Lektüre getrost verzichten, denn zu viel Fast Food ist nicht gesund.

Bewertung: 

Fler: Im Bus ganz hinten – Eine deutsche Geschichte (2011)

Es gab mal eine Zeit, da dachte ich, ich würde mich in der deutschen Hip-Hop-Szene auskennen. So vor 10 Jahren vielleicht. Nicht, dass ich deutschen Hip-Hop exzessiv gehört hätte, aber der tägliche Konsum von MTV und der Sendung TRL machte mich quasi zu einem Insider der Szene. Heute ist mir eigentlich alles egal, zumal MTV vor Jahren seinen Bildungsauftrag aufgegeben hat und nicht mal mehr für mich Normalsterblichen empfangbar ist. Da kommt jetzt dieser Fler daher, mit seiner Autobiographie und bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

Bürgerlich heißt er Patrick Losensky und schildert uns in „Im Bus ganz hinten“ sein Leben, von den jüngsten Kindheitstagen bis heute (2010 oder 11). Dabei kann man das Buch in zwei Abschnitte gliedern: Die erste Hälfte ist die Zeit vor dem Rappen, die zweite Hälfte dann mit dem Rappen. Wir erleben mit, wie der junge Patrick in schwierigen Verhältnissen aufwächst. Sein Vater ist Alkoholiker und seine Mutter scheint ihn nie richtig zu lieben. Als sich seine Eltern trennnen, hat er Schwierigkeiten, damit umzugehen. Dabei bleibt sein Leben stets schwierig, zumal er über seine als „Ghetto“ bezeichnete Wohngegend an allerlei zwielichtige Gesalten gerät. Prägnant werden Patricks psychische Zerwürfnisse geschildert, die ihm sogar einen Aufenthalt in der Psychiatrie bescheren. Irgendwann landet er beim Besprayen von S-Bahnen und schließlich gerät er mit Hip-Hop in Kontakt, hauptsächlich dank seiner Freunde. So beginnt dann irgendwann seine Karriere, die wiederum Probleme mit sich bringt.

Die erste Hälfte, in der Fler noch nicht von seinem krassen Fame erzählt, ist dabei um einiges interessanter als dann die oft sehr protzigen Schilderungen weiter hinten. Die Kindheitserinnerungen wirken authentisch und man entwickelt Mitleid mit ihm. Dass seine Sicht der Dinge eigentlich immer sehr einseitig ist, fällt erst einmal noch nicht auf. Auf mich wirkt er sogar symapthisch, was eben im Mitgefühl begründet liegt. Seine Erlebnisse schildert er mit der naiven und einfachen Art eines Kindes und dabei erlebt Fler eben Sachen, die ein Kind nicht erleben sollte, allen voran der Nervenzusammenbruch.

Dann kommt der zweite Teil, indem er bei Aggro Berlin unterkommt und, zugegebenermaßen mit Erfolg, rappt. Dass Fler eigentlich nie so richtig selber die Motivation hatte, mit der Musik anzufangen und eher eine Art Anhängsel am Anfang war, kommt überhaupt nicht rüber. Eher gesagt, es kommt rüber, aber er selbst scheint es nicht zu realisieren. Noch nerviger für mich ist dann seine zunehmend arrogante Art. Es gibt Stellen, in denen Fler über seine sexuellen Eskapaden schwadroniert und dabei so machohaft und oberflächlich rüberkommt, dass ich jegliche Sympathie für den armen Patrick Losensky verloren habe. Und vor allem wird das Buch dann immer einseitiger, denn er macht einfach nie einen Fehler. Es sind immer die anderen, die böse sind oder sich gegen ihn verschwören. So gibt es dann nur wenige Leute, die nicht in irgendeiner Weise negativ auffallen.

An einer Stelle beschreibt Fler eine Szene, in der er im MTV-Studio ausgerastet ist und es sich so anhört, als ob er das ganze Inventar zerlegt hätte. Dass er dabei eigentlich nur ein wenig an einem Bushido-Poster rumgerissen hat, verstärkt den Eindruck, dass er nur „posen“ will und sich in die Rolle des harten Gangsters begibt. Andererseits gibt es auch in der zweiten Hälfte noch relativ persönliche Momente sowie den einen oder anderen Einblick in die Hip-Hop-Szene des letzten Jahrzehnts. Allzu tiefgründig wird es jedoch nie und so bleibt das Buch auf einem eher seichten Niveau. Mir gefiel der kleine Einblick in das Sprayer-Milieu von Berlin, welches mit Fotos von besprühten S-Bahnen Flers Vergangenheit belegt.

Überraschenderweise fühlte ich mich meistens gut unterhalten. Ich weiß nicht, ob alle Rapper ständig den Harten markieren müssen. Das tut Fler leider hier und da etwas zu oft, was den anfänglichen guten Eindruck stört und „Im Bus ganz hinten“ zu einem Buch macht, was ich nur ok fand. Wer sich ein wenig für die Thematik interessiert oder eine gewisse Verbundenheit zu den Szenen, in denen sich Patrick bewegt, verspührt, darf dieser Biografie gerne eine Chance geben. Sie bietet auf alle Fälle mehr Tiefe, als das Werk der Katzenberger und weckt Emotionen, auch wenn man noch nie ein Lied von Fler gehört hat.

Bewertung:  

Daniela Katzenberger: Sei schlau, stell dich dumm (2011)

In tausenden und abertausenden von Jahren, wenn es die Menschheit schon lange nicht mehr gibt, wird eine andere Spezies (Aliens oder durch evolutionäre Entwicklung die Marder) unsere Überreste unter dem Staub der Zeit hervorhieven und sich ein Bild von uns machen. Vermutlich lagern dann im Untergrund unzählige Festplatten voll mit Pornographie, die vom besorgten männlichen Teil der Menschheit gebackupped wurden, da irgendwann mal das Internet down war. Sicher ist bzw. war ja bekanntlich sicher. Außerdem werden die futuristischen Archäologen alte Nokia-Handys finden, die allen Kriegen und Katastrophen getrotzt haben und vermutlich unzählige Exemplare von Daniela Katzenbergers Autobiographie ‚Sei schlau, stell dich dumm‘. Denn das Teil verkauft sich gerade unglaublich gut und steht schon seit Wochen ziemlich weit oben in den Charts. Richtig einheitliche Rankings gibt es jedoch scheinbar nicht, vermutlich weil entsprechende Statistik-Unternehmen nicht auf ihre Einnahmen verzichten wollen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist mir Daniela Katzenberger ziemlich egal. Man sieht sie hier und da im Fernsehen von heute. Soll heißen, Reality-TV, die beste Art von TV! Oder zumindest bald die einzige wie es scheint. Dass sie blond ist, große Brüste hat und sich mal die Augenbrauen hat auftätowieren lassen, was nicht ganz so die coole Aktion war, wusste ich auch. Dank ihres Buches weiß ich jetzt noch folgende Dinge:

  • Daniela Katzenberger besitzt 2 x 350g Silikon-Einlagen.
  • Sie nennt sich gerne Katze.
  • Eigentlich sind ihre Haare nur gefärbt.
  • Die gute Frau stammt aus der Nähe der Heimat von Helmut Kohl.
  • Daniela Katzenberger hat keine Türen in der Wohnung.

Die Liste ist endlos fortsetzbar. Wir erfahren intimste Details und Vorlieben und den einen oder anderen Rückblick in die Kindheit der Blondine. Am Ende gibt es noch ein Quiz, in dem wir unser Katzenberger-Fachwissen prüfen können (und in dem ich mit krassen 20/24 Punkten abgeschnitten habe). Auch eine Postkarte war dabei und die Eindrücke ihrer Film-Crew. Ganz ehrlich, wäre ich Fan von der Frau, wäre das wohl ein total tolles Buch. Vermutlich haben all diese Leute dieses Werk sowieso schon in ihrem Regal stehen, können aufhören hier weiterzulesen und sich erfreulicheren Dingen widmen.

Das ganze Buch ist komplett in rosa gehalten und auf jeder Seite steht immer noch ein Zitat von Daniela Katzenberger. Davon gibt es jedoch nur knapp über 20, womit die sich dann auf den 200 Seiten schnell wiederholen. Das macht wiederum keinen sehr durchdachten Eindruck und einen wahnsinnig, wenn sich das ganze immer wieder wiederholt. Genauso ist der Titel des Buches doch ziemlich fragwürdig, aber den Leuten scheint es zu gefallen. Wer sich für alle Facetten des Lebens von Daniela Katzenberger interessiert, hat mit ‚Sei schlau, stell dich dumm‘ den Heiligen Gral in der Hand. Da steht einfach alles drin, was man wissen will und auch vermutlich das, was man nicht wissen will.

Ich bin kein Fan von Daniela Katzenberger. Darum war das Lesen von ‚Sei schlau, stell dich dumm‘ mehr oder weniger sehr anstrengend. Es ist, als ob man mit jeder noch so nebensächlichen Kleinigkeit totgequatscht wird. Normalerweise lese ich ein mich interessierendes Buch ziemlich schnell, aber mehr als zwei oder drei Seiten hintereinander zu lesen war mir einfach nicht möglich. Zu schnell schweifte ich mit den Gedanken ab und zu blöd war der Inhalt. Es ist mir einfach unbegreiflich, wie man die Katze als Vorbild nehmen kann. Mit ihrem Stolz auf ihren Silikon-Busen und ihrer Künstlichkeit verkörpert sie total bescheuerte bzw. überhaupt keine Ideale. Es ist schön, dass sie zu sich selbst steht, aber will man seine eigene Tochter über Schönheits-OPs reden hören? Im Buch ist so wenig Selbst-Reflexion, dass es schon traurig ist. Da wird ihre ganze Ansammlung von Schminke und Lippenstift beschrieben während der Gedanke, in irgendeiner Form natürlich zu sich selbst zu stehen, gerade in der Ecke verreckt. Getoppt wird das dann nur von der Tatsache, dass sie von sich selbst gerne in der dritten Person als ‚Katze‘ schwadroniert.

Daniela Katzenberger zeigt somit meiner Meinung nach das typische Bild der oberflächlichen Tussi unserer Moderne. Darum polarisiert sie, die einen finden sie dumm, die anderen super. Dass sie einigermaßen erfolgreich in ihrer Art ist, mag die eine oder den anderen freuen, dabei bleibt sie jedoch austauschbar und charakterlos. Es kann doch einfach kein sinnvolles Ziel für einen Menschen sein, irgendwann einmal im Leben im Playboy zu landen! Das ist das kleine Mädchen, das irgendwann mal im Rampenlicht stehen will. Was danach kommt, wenn der in der TV-Branche schnell vergängliche Ruhm mal verflogen ist, bleibt nebensächlich. Ja, sie spart und ist geizig. Und alle freuen sich darüber. Und alle mögen sie voll. Eine künstliche rosarote Welt! Was ist dann in 10 Jahren? Wenn der Busen hängt und der Rücken schmerzt, das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt und das Dschungelcamp nicht mehr läuft?

Wer nichts mit ihr am Hut hat, macht einen ganz großen Bogen um das Buch, denn dann ist es schlichtweg Müll. Es steht nichts Wertvolles oder Schlaues drin. Die Barbie-Puppe, die es ins Fernsehen geschafft hat. Hurra. Hat es schon gegeben, wird es wieder geben. Uns bleibt nichts weiter übrig, als auf die nächste arme Ausgeburt der Medien-Landschaft zu warten, über die man sich dann aufregen kann. Still und leise hoffe ich jedoch, dass die Aliens (oder Marder) noch das eine oder andere Werk von Hornby oder King finden werden.

Bewertung:  

Carlo Pedersoli: Bud Spencer (2011)

Who the fuck ist Carlo Pedersoli? Das mag sich der eine oder andere fragen, doch schon schnell wird einem bewusst, dass Bud Spencer ja nur eine Kunstfigur ist oder war und diese von ebenjenem Carlo gespielt wird. Lustigerweise erscheint einem bei Wikipedia der Artikel zu Bud Spencer wenn man den eigentlichen Mann nachschlägt. Der ist inzwischen schon ein wenig alt, stolze 82, und hat auch so einiges zu berichten.

Die Biographie beginnt mit einem Abschnitt, indem sich der alte Carlo mit seinem jungen Ebenbild in einem alten Schwimmbad trifft und die zwei darüber schnacken, was der Alte erlebt hat und was dem Jungen noch bevorsteht. Das geht dann vom 2. Weltkrieg über Schwimmstunden hin zur Auswanderung nach Südamerika, Rückkehr, Teilnahme an den Olympischen Spielen und Auftritten als Komparse. Es ist schwierig, alles zusammenzufassen. Der Mann hat echt viel erlebt und war praktisch überall auf dem Globus. Überragend spannend ist das alles nicht, aber doch auch interessant. Vor allem die Bilder, die zeigen, wie Carlo noch zu seiner aktiven Schwimmerzeit aussah….Ein wahrer Berserker. Übrigens lernte er damals über 3 Ecken schon einen gewissen Mario Girotti kenne, der später noch eine größere Rolle in seinem Leben spielen sollte. Carlo heiratete relativ früh und fing dann halt an, sich mit Gelegenheitsrollen über Wasser zu halten und seine Familie zu finanzieren, bis dann eines Tages ein erster Italo-Western kam, an der Seite von Mario alias Terence Hill.

Mit der Zeit wurden schließlich Bud Spencer und Terence Hill eines der großartigesten und erfolgreichsten Filmduos seit Stan Laurel und Oliver Hardy. Wer hat nicht schon mindestens einmal dabei gelacht, wenn Bud Spencer Schellen austeilt? Die beiden haben viele Jahren lang gute Unterhaltung für jede Altersklasse abgeliefert. Und genauso ist auch das Buch. Man lernt den Mann hinter Bud Spencer kennen, der intelligenter ist als seine Rolle es vermuten lässt. Beispielsweise kann er ein abgeschlossenes Jura-Studium vorweisen. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht wirklich tiefschürfende Gedanken oder unglaubliche Exzesse erwarten. Es ist ein Werk für Leute, die was mit Bud Spencer anfangen können. Jemand, der noch nich von ihm gehört hat, wird sicherlich nicht allzu interessiert genug sein. Aber gibt es wirklich jemanden, der noch nie von Bud Spencer gehört hat? Für solche Menschen ist bereits ein Platz in der Hölle reserviert!

Hin und wieder, vor allem in der ersten Hälfte, war es mir doch ein wenig zäh. Das wird dann aber besser, als Carlo sich in Bud verwandelt. Dann geht es mehr um die Filme, die ich fast alle selber kenne und dann macht einem das Buch auch ganz viel Spaß. Eine Art Kindheits-Flashback, als ein Michael Bay noch nicht jeden Scheiß in die Luft fliegen ließ. Und auch hier wird mir eine gewisse Schwäche des Buches bewusst: diese allesumspannende Gutmütigkeit! Praktische jeder Regisseur, mit dem Carlo zusammenarbeitete, war ein Genie. Jeder Schauspieler, mit dem er zusammenarbeitete, war ein Meister seines Fachs! Jeder Kameramann, mit dem man zusammenarbeitete, war ein…. na? Ein Auserwählter natürlich! Und das kommt dann doch verdammt oft vor und das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt. Eine gewisse rosarote Brille muss ich dem Spencer schon vorwerfen. Das wird vor allem diejenigen stören, die auf einen Skandal gehofft haben. Aber so richtig polarisieren tut eben ein Bud Spencer nicht. Er ist gut. Punkt.

Am Ende hatte ich eine gute Zeit mit Bud Spencer. Ich kann jetzt angeben, dass ich seinen richtigen Namen kenne und dass er lange Zeit in Südamerika gelebt hat. Das weiß sonst keiner…. Ansonsten ist es eine nette Autobiographie, ohne große Aha!-Momente, aber trotzdem schön, dass der Mann hinter Bud Spencer ein cooler Typ ist. Wer nichts mit den Filmen anfangen kann, lässt die Finger hiervon. Mag man jedoch seine Filme, ist das hier durchaus auch mal eine Emphelung wert.

Bewertung: 

Walter Isaacson: Steve Jobs (2011)

666! Die Zahl des Antichristen. Verderb und Qual. Höllenfeuer. Teufel! Tod! Und nebenbei auch die Seitenzahl der offiziellen Biographie von Steve „Apfelkuchen“ Jobs. Zufall? Ein Zeichen von oben? Oder von unten? Schließlich ist die Hölle ja eher unter uns lokalisiert. Und warum kommt das Teil 19 Tage nach Steves Ableben in die Handlung? Hatte da etwa einer Angst vor Konkurrzenz? Und wer ist dieser Walter Isaacson? Fragen über Fragen…

Fangen wir beim Autor an. Im deutschen Raum kannte ich Isaacson nicht, doch er schrieb bereits Biographien über Franklin, Kissinger und Einstein, also über wichtige Persönlichkeiten, die großen Einfluss auf die Welt um sie herum ausgeübt haben. Und nun gesellt sich Steve Jobs hinzu. Wer die letzten paar Wochen auf dem Mond gelebt und keinen Zugang zu Internet und anderweitigen Informationsmedien gehabt hat, dem sei gesagt, dass am 5. Oktober 2011 Steve Jobs an den Folgen seiner Krebserkrankung verstarb. Und selten hat ein Ableben eines Menschen größere Wellen geschlagen! Was wurde im Internet nicht alles darüber geschrieben. Die einen trauerten um den Verlust eines Universalgenies à la Da Vinci, die anderen zuckten mit den Schultern und gaben einen feuchten Furz darauf. Und da wird deutlich, wie polarisierend dieser Steve Jobs aus Kalifornien war. Sogar noch im Tod.

Ich persönlich habe mich nie sonderlich für ihn interessiert. Zwar habe ich ein iPhone und finde es ganz cool, aber MacBooks und dergleichen irgendwie immer abgelehnt. Man erzog mich als Jünger des Gates, jemand der ab Windows 95 jedes Microsoft-Betriebssystem (außer, dem Herr seis gedankt, Windows Me) benutzte. Ich kannte Apple-Produkte fast nur aus dem Fernsehen, als Hipster-Rechner die viel zu teuer sind. Und so richtig war Apple für mich nicht gleich Steve Jobs. iTunes mag ich bis heute nicht und finde es total doof, meine Musik fürs Handy damit verwalten zu müssen. Das war alles vor 2 Wochen, denn dann begann ich mit der Steve-Jobs-Biographie…

Oha? Wurde ich bekehrt? Bin ich ein Fan von Apple und Jobs geworden? Keineswegs! Wenn das Buch eines schafft, dann ihn als ziemliches Arschloch darzustellen. Steve Jobs war kein netter Zeitgenosse! Er verhielt sich zumindest zu den wenigsten Menschen freundlich.

Das Buch beschreibt chronologisch das Leben von Steve. Wie er als Adoptivkind und aus einfachen Verhältnissen kommend aufwächst. Seinen LSD-Konsum, einem hippiehaften Leben, Reisen nach Indien, einem abgebrochenen Studium. Schon recht früh entwickelte er ziemlich strenge und aufzehrende Essensvorschriften für sich und hielt sich fast zwanghaft daran. Man liest, wie er Steve Wozniak begegnete und sie anfingen, zusammen Geräte zu bauen. Ich gebe das jetzt sowieso alles vielleicht nicht ganz richtig wieder, aber eines soll gesagt werden: Isaacson schafft es, detailiert und eindringlich zu schildern, wie durch 2 Nerds in einer Garage das wertvollste Unternehmen auf dem Planeten Erde entsteht.

Dabei wird eines klar: ein jeder hat oder hatte schonmal irgendwas mit Steve Jobs zu tun. Das sind nicht nur die Produkte der Marke Apple, sondern in erster Linie auch Pixar, welches er zu dem Animationsstudio der vergangenen Jahre gemacht hat. Er hat über iTunes im Grunde im Alleingang die Musikindustrie aus einer ihrer schwersten Krisen geführt, mit dem iPod unser Verständnis für Musik unterwegs geprägt, die Smartphone- und Tablet-Branche massentauglich gemacht, den ersten wahren Heimcomputer mit dem Apple II mitgebaut und ganz viel Zeug designt. Hört sich jetzt an wie so eine dumme Verkaufs-Brochüre, aber verdammt, der Mann war an so verdammt vielen Sachen beteiligt. Und das obwohl er ein Arsch war.

Laut Buch hat Jobs ein Gemüt, das jeden Menschen sofort als Gott oder Missgeburt darstellt. Er war rechthaberisch, launisch, hinterging seine eigenen Freunde, erkannte seine leibliche Tocher jahrelang nicht an und übte unglaublichen Druck auf jede Person in seiner Umgebung aus. Hier ist auch das einzige, was mich hin und wieder am Buch gestört hat: Immer, wenn er auf unrealistische Weise etwas ausblendet, sprechen seine Menschen vom Realitiy Distortion Field und der Motivation dahinter. Dass das ganze aber halt auch einfach nur ein Beleg für seinen wenig sympathtischen Charakter sein könnte, wird nicht so oft erwähnt. Trotzdem bleibt er allen in Erinnerung.

Außerdem hat dieser Text jetzt 666 Worte! Der Kreis schließt sich somit und man fragt sich, mag man Steve Jobs? Er wurde mir tatsächlich sympathischer während des Lesens. Einerseits kannte ich das Ausmaß seines Schaffens noch nicht, andererseits liest man unglaublich viele persönliche Sachen und auch Gespräche heraus. Eigentlich wollte ich über das Buch schreiben und nicht über Steve Jobs, denn über ihn wurde einfach schon zu viel geschrieben. Trotzdem vermag es Walter Isaacson, unglaublich viel Information über 4 Jahrzehnte in einer geschmeidigen und wunderbaren Art und Weise zu verpacken. In dem einen oder anderen Technik-Blog wird gemeckert, dass die Biographie viel zu wenig auf die technische Seite eingeht. Aber gerade das fand ich angenehm. Ich hatte stets den Eindruck, gerade aus Versehen beim Zappen bei einer Dokumentation hängen geblieben zu sein und diese dann so spannend zu finden, dass man sie dann guckt und sich wundert, wie denn schon 2 Stunden vergangen sein können. Weil einfach auch andere Leute wie Bill Gates zu Wort kommen und man die tieferen Zusammenhänge der Computer-Branche versteht. Es wird klar, inwieweit Jobs eine Philosophie verfolgt hat und wie er stets alles kontrollieren wollte, von der Herstellung bis zum Verkauf seiner Produkte und sogar jegliche Software.

Spannung sollte keiner erwarten. Es ist kein Krimi oder Thriller, sondern die Geschichte eines Mannes, der auszog, Produkte herzustellen, die cool waren oder die er einfach cool fand. Nicht mehr und nicht weniger. Und insoweit hat es das Buch tatsächlich geschafft, dass ich, anfangs eher skeptisch, Steve Jobs als einen ganz großen Geist der letzten Generationen in Erinnerung behalte. Insofern ist dies ein super Werk und absolut emphelenswert, wenn man sowas „lesen kann“. Wer noch nie eine Biographie gelesen hat und ein Plot braucht, wird hiermit nicht unbedingt glücklich und wartet einfach auf den Film, der bald kommt (ich haße Hollywood).

Bewertung: 

Philipp Lahm: Der feine Unterschied (2011)

Ach Gottchen. Wie sie sich alle aufgeregt haben. Der Völler, die BILD, der Magath und ganz Deutschland! Ein Buch, in dem der erst 28-Jährige Kapitän unserer Nationalmannschaft einfach alles und jeden mit Kacke bewirft! Beispielhaft mal diese Talkrunde:

watch?v=D9opGU8IMvY

Ich frage mich ernsthaft, ob irgendeine der (damals) rumheulenden Personen sich mal das Buch durchgelesen hat. Denn es steht wirklich drin, was aus dem Einband steht: Wie schwer es sein kann, heutzutage professionell dem Fußballsport nachzugehen. Und an dieser Stelle ein herzliches „Fuck-You“ an die Bild-Zeitung, die sich die angeblich so brisanten Stellen rausgeklaubt und kontextfrei vorab veröffentlicht hat. Lahm schreibt drei oder vier Sätze über Völler im gesamten Buch. Die sind nüchtern und nicht wirklich negativ. Das meiste über Magath ist eher positiv. Auch über Van Gaal, Klinsmann und Löw kann man was lesen. Alles sachlich und niemals, ich wiederhole, niemals verletzend / verunglimpfend / beleidigend / herablassend. Nirgends. Drecks-Bild-Zeitung eben. Und sonst so?

Es ist eine Autobiographie, knapp 250 Seiten stark. Beginnend von Lahmis Anfängen als kleiner Bub bis hin zur aktuellen  WM in Südafrika. Ich persönlich bin mit einem eher negativen Eindruck an das Buch gegangen. Ich kenne Lahm bei den Bayern und die Bayern mag ich halt nich so wirklich. Und dann ja noch das ganze dumme Medien-Theater drumherum! Also rechnete ich mit einem Werk der Schande und des Klatsches, durchzogen von bösen Beschimpfungen, supergeheimen Interna und rechtem Gedankengut.

Und was bekam ich? Ein wirklich nettes Buch von einem netten Kerl, der es geschafft hat, sich mit Fußball seine Brötchen zu verdienen. Hier und da liest man Spielverläufe, beispielsweise das 4:0 gegen Argentinien in Südafrika. Das ist ganz unterhaltsam. Man erfährt wie schwierig es ist, wenn man sich verletzt. Leistungsdruck und Erwartungen, die permanent Druck auf einen ausüben. Es wird hier und da der Alltag eines Fußballers deutlich und auch das drumherum, über Privatsphäre wird auch gesprochen.

Mich persönlich interessiert Fußball. Insofern hat es mich auch interessiert, zu lesen, wie man Profi wird. Und das vermittelt das Buch auch. Obwohl Lahm mit Ende 20 noch lange nicht alle Stationen erreicht hat. Es gibt ein Kapitel, in dem er von seinem Engagement als Wohltäter quatscht. Das fand ich ziemlich zäh und langweilig, der Rest war wirklich gut zu lesen. Ob man am Anfang jedes Kapitels in Stichpunkten das Kapitel zusammenfasses muss….ich weiß es nicht. Mir ehrlich gesagt auch egal. Natürlich hat er das Buch jetzt nicht alleine geschrieben. Das hat kein Fußballer. Aber in meinen Augen hat er sich vom Giftzwerg zu einer ehrlichen Persönlichkeit gewandelt. Ist ja auch schon mal was.

Jetzt wäre es mal interessant zu wissen, ob der ganze Schmarn mit den vorab veröffentlichten Zitaten nicht nur ein ganz mieser Werbetrick war. Publicty halt. Der wirkliche Verlierer für mich ist trotzdem die Bild-Zeitung, aber wenn man das Niveau von Kot schon vor Jahren erreicht hat, kann man nicht noch weiter sinken. Auch Rudi Völler hat in meinen Augen viel an Sympathie eingebüßt. Lustigerweise redet keiner mehr darüber und das wird wohl auch in Zukunft keiner mehr tun. Schade, denn meiner unwichtigen Meinung nach hätte Lahm die eine oder andere Entschuldigung verdient.

Wer Fußball mag und gerne ein wenig hinter die Kulissen gucken würde, findet das Buch ok oder sogar gut. So wie auch ich. Dem Rest ist ‚Der feine Unterschied‘ zu langweilig. Es ist kein Meisterwerk der Literatur und auch nicht wirklich spannend. Ein Sachbuch über einen Typen, der Fußball spielt. Wer lieber skandalösen Quatsch lesen will, kauft sich die aktuelle Bild (und kommt in die Hölle). In diesem Sinne:

watch?v=V0xIECkaMVA

Bewertung: 

Ansgar Brinkmann: Der Weiße Brasilianer (2011)

Das Buch ist die Autobiographie des wohl (angeblich) letzten deutschen Straßenfußballers, Ansgar Brinkmann. Wem der Name nichts sagt und wer sowieso nicht auf Fußball steht, kann ab hier getrost nicht mehr weiterlesen.

Brinkmann wird 1969 in Vechta (nicht weit von Bremen und Osnabrück) geboren und erlebt so als Kind bereits den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 1974 mit.  Als talentierter Spund wird er mit Bayer Uerdingen Deutscher A-Jugend-Meister. Dieser Titel bleibt der einzige in seinem Leben. Danach tengelt er von Verein zu Verein fröhlich durch fast alle Ligen in Deutschland (von der 1. bis zur Oberliga). Dabei beschreibt Brinkmann die vielen kleine Probleme, oft auch aufgrund seiner Person. Ob mit dem Trainer oder anderen Verantwortlichen, irgendwo eckte er immer an und war dann oft gezwungen, den Verein zu wechseln. Das ist schade, denn einer wie er, der mit Oliver Bierhoff und Bernd Schneider zusammen Fußball spielte, hätte wohl auch Chancen auf die Nationalmannschaft gehabt.

Das Buch ist chronologisch sortiert und die einzelnen Kapitel entsprechen jeweils der Zeit in einem Verein (oder mehreren). Nebenbei gibt es neben sportlichen Ereignissen auch immer wieder Anekdoten und Einblicke in die raue Welt des Fußballs.  Allerdings stören sich wiederholende Passagen über Brinkmanns Freidenkertum. Im ersten Drittel gibt es mehrere Abschnitte, wo er abdriftet und erzählen muss, was für ein Sturkopf er ist und deswegen eben manchmal falsche Entscheidungen getroffen hat. Das geht einem auf die Nerven. Ansonsten geht es eher nicht so viel um Fußball im eigentlichen Sinn, sondern mehr um das Drumherum. Das widerum fand ich sehr interessant, da ich als Fußballzuschauer die inneren Abläufe in einem Team bzw. Verein nicht mitbekomme.

Insgesamt erschien mir die erste Hälfte schwächer. Es zieht sich ein gewisses Maß an Überheblichkeit durch das Buch, was sich zum Ende hin aber wieder gibt und mir persönlich Ansgar Brinkmann als doch sympathischen Menschen vermittelt, der auf jeden Fall viel rumgekommen ist und eben von der 1. Bundesliga bis zum Abstieg in irgendeine Oberliga schon alles mitgemacht hat.

Man darf keine großen Botschaften erwarten. Ansgar Brinkman ist ein Fußballer, kein Philosoph. Er lernt weder aus seinen Fehlern noch ist er jedoch ein schlechter Mensch. Mir erschien das Buch vor allem ehrlich mit dem einen oder anderen kindlich-stolzen Moment (dass er z. Bsp. mit Bielefeld die Bayern geschlagen hat). Wenn man sich durch den zähen Anfang kämpft, dann erhält man einen netten Einblick in ein auf alle Fälle nicht langweiliges Leben.

Für mich als jemanden, der Brinkmann noch zur aktiven Zeit kannte, war der ‚Der Weiße Brasilianer‘ ein gutes Buch. Wer noch nie eine Autobiographie gelesen hat, sollte wissen, dass diese gerne auch mal etwas zäh sein können. Es gibt nun mal keinen Spannungsbogen (in der Regel), und man sollte schon eine gewisse Begeisterung oder zumindest ein wenig Interesse für die Person mitbringen.

 

Zitat Ansgar Brinkmann (auf die Frage, ob er sich einen Wechsel nach Katar vorstellen könne): Ich hab‘ noch keinen Bock, so’n bisschen in der Wüste zu spielen. Da sitzen dann ein paar Scheichs in ihren Sesseln, telefonieren während des Spiels und essen Pommes. Dafür bin ich noch zu gut. Obwohl: Montag bei Basler grillen, Dienstag bei Effenberg und Mittwoch bei mir – das könnte lustig werden.

Bewertung: