Big Fan (2009)

Hey, das ist doch Spencer aus King of Queens da auf dem Plakat! Richtig. Und so ungefähr die gleiche Rolle verkörpert Patton Oswalt auch in Big Fan. Er ist Paul Affiero, ein Parkhausarbeiter mittleren Alters ohne jegliche Perspektive im Leben, der noch bei seiner Mutter wohnt. Das einzige Hobby und irgendwie auch sein ganzer Lebensstil dreht sich um die New York Giants (genau die haben doch gerade den Super-Bowl gewonnen!). Er und sein Kumpel Sal (Kevin Corrigan) haben zwar kein Geld für Stadion-Tickets, fahren jedoch trotzdem immer hin und gucken sich die Begegnungen ihres Teams auf einem Fernseher auf dem Parkplatz an. Abends ruft Paul immer im Radio durch, um über die Giants zu diskutieren und sie zu verteidigen, womit er wohl sowas wie ein amerikanischer Kevin Großkreutz ist. Als die zwei Freunde jedoch dem Giants-Linebacker Quantrell Bishop in einen Club folgen und dieser Paul ins Krankenhaus prügelt, beginnen die Probleme. Denn wo zieht man die Grenze zwischen der Liebe zum Verein und dem gesunden Menschenverstand?

Im Grunde ist die Thematik auf jedwede Sportart transferierbar. Praktisch alles, was man in einem Stadion spielen kann, hat irgendwelche Ultra-Hardcore-Fans, die ihren Verein auch leben. In Big Fan wird Paul jedoch vor die Entscheidung gestellt, seinen Peiniger, der jedoch immer noch sein Idol ist, zu verklagen. Damit würde er sein Team schwächen und so ziemlich alles zerstören, wofür er lebt. Jedoch hat er gesundheitliche Schäden davongetragen und ein wenig Geld würde ihm vermutlich auch helfen.

Es ist also eine einfache Entscheidung für jeden, der nichts mit den New York Giants am Hut hat. Wir erleben jedoch, wie sehr Paul abhängig ist und wie er für sein Team Grenzen überschreitet und sogar auf Millionen von Dollar verzichtet. Und das, wo doch gerade so einem reichen Sportler so ein wenig weniger Geld kaum wehtun würde. Mit dem ganzen Vorfall wird Pauls Leben noch trostloser. Nun übt nämlich seine Familie Druck auf ihn aus, er muss Tabletten schlucken und er wird in seiner Radio-Sendung gedemütigt.

Im Grunde prasselt die Scheiße in den ganzen 90 Minuten Länge nur so auf ihn ein und man rechnet bereits mit einer Eskalation, oder zumindest einem Aufbäumen. Niemand lässt sich doch so einfach vom Leben erniedrigen! So hat mich der Schluss gut überrascht, denn Big Fan erwies sich als guter Film mit einem sehr schwarzen Blick auf die gesamte Ultra-Szene (also jetzt nicht die Ultras, die sich prügeln, sondern einfach nur die Die-Hard-Fans).

Ja, Big Fan ist eher träge und wird langsam erzählt. Auch ist es relativ still und es wird unglaublich viel über American Football geredet, von dem ich nicht unbedingt viel Ahnung habe. Jedoch gefiel mir Patton Oswalt als ein Spencer-ähnlicher Paul ungemein. Man könnte den Film vielleicht als eine amerikanische Version von Hooligans (mit Elijah Wood) auffassen, nur mit weniger bzw. gar keinem Blut. Es ist nunmal ein kleiner Independant-Streifen, der jedoch einen fast schon verstörenden Blick in das Leben eines Sportfanatikers liefert.

Regie: Robert D. Siegel (erstes mal Regie, davor Screenwriter für ‚The Wrestler‘)

Schauspieler: Patton Oswalt, Kevin Corrigan

Bewertung: