Another Earth (2011)

Wie viel Geld braucht man heutzutage, um einen (guten) Film zu machen? Da gibt es Leute, die brauchen schon ihre „Milliönchen“. Der dritte Fluch der Karibik führt aktuell die Tabelle mit 300 000 000 $ an und lustigerweise befindet sich gleich dahinter Rapunzel (ja, dieser animierte Märchenfilm aus dem Jahre 2010) mit 260 000 000 $ an Produktionskosten. Inflationsbereinigt schaut das noch ein wenig anders aus, denn dann führt der Film Cleopatra, der 20th Century Fox fast in den Ruin getrieben hätte. Another Earth dahingegen ist ein Indie-Film für unter 100 000 $. Die Hauptdarstellerin hat das Skript zusammen mit dem Regisseur geschrieben, beide haben mitproduziert und das gesamte Editing hat Mike Cahill am eigenen Rechner gemacht. Dazu gibt es hier ein nicht uninteressantes Interview mit ihm.

In Another Earth geht es um die angehende und überaus intelligente Studentin Rhoda (Brit Marling). Sie zelebriert die Annahme am MIT (Massachusetts Institute of Technology) und fährt des Nachts im Rausch nach Hause. Zeitgleich kann man zum ersten Mal am Himmel einen neuen Planeten sehen: die zweite Erde. Dadurch wird sie abgelenkt und rammt ein anderes Auto, in dem sich John (William Mapother) misamt Frau und Kind befindet. Nur Rhoda und John überleben den Unfall und sie muss anschließend für 4 Jahre ins Gefängnis. Völlig verstört kommt sie nach dieser Zeit raus und begibt sich zu John, dem die Identität der Unfallverursacherin schleierhaft ist, um sich zu entschuldigen.

Der Film ist ein Drama, in dem zwei Menschen, die durch ein Ereignis vollkommen von der Gesellschaft getrennt und traumatisiert wurden, zueinander finden. Dabei schwingt immer im Hintergrund mit, dass Rhoda sich schuldig fühlt und John nichts von ihrer Vergangenheit weiß. Die zweite Erde ist dabei mehr oder weniger eher eine Randnotiz, was Another Earth nicht zu einem waschechten Sci-Fi-Film macht. Die Erden-Kopie ist mehr oder weniger der Rahmen für die Geschehnisse und stellt zum Ende hin auch eine Art Ausflucht aus der misslichen Lage der Akteure dar.

Insgesamt ist Another Earth sehr minimalistisch. Teilweise wird sehr wenig geredet, was mir persönlich jetzt aber nicht langweilig vorkam, da stets irgendwie eine Stimmung erzeugt wurde. Dabei entwickeln sich die beiden Protagonisten und steuern auf ein verdammt geiles Ende hin. Soviel sei gesagt. Natürlich bleibt der Tonus meistens traurig, denn den Tod von Johns Familie kann man im Grunde mit nichts aufwiegen. Es gibt auch nur einen Special Effekt im Film, undzwar die immer größer werdende Zweiterde am Firmament. Das sieht ziemlich nett aus und so verzichtet man auf irgendwelche abgedrehten Weltraum-Szenen oder dergleichen, die der Stoff vielleicht hergegeben hätte.

Wer dieses 90-minütige Beziehungs-Indie-Drama mit Sci-Fi-Einfluss schaut, wird sicher nicht enttäuscht werden. Zumindest wenn man auf jegliche Action und Komik verzichten kann. Es geht halt eben sehr ernst zu, vor allem wenn man Menschen auf dem Gewissen hat.  Wissenschaftler werden vermutlich innerlich sterben, denn rein physikalisch ist das Szenario mehr als fragwürdig. Ich fand Another Earth dennoch überwältigend schön. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, außer, dass man auch ohne viel Geld gute Filme machen kann.

Regie: Mike Cahill

Schauspieler: Brit Marling, William Mapother

Bewertung: