American Psycho (2000)

Patrick Bateman  (Christian Bale) arbeitet an der Wall Street und führt ein dekadentes Leben inmitten der Schickeria New Yorks. Doch alles was er tut und sagt ist letzendlich nur eine Maskerade, denn Patrick Bateman ist eine leere Hülle ohne besondere Emotionen. In seiner Verzweiflung über seine Lage fängt er an, zu morden und zu schänden. Die Story basiert auf dem Buch von Bret Easton Ellis, welches seinerzeit eine Weile lang auf dem Index stand (Klick).

Doch anstatt so in die Langweile abzudriften wie das Buch, gerät der Film zu einem munteren 102-minütigen Trip durch die Niederungen der menschlichen Psyche. Da wird viel Monolog dazu verwendet, all die kleinen Pflegemittel aufzuzählen, die Patrick tagtäglich aufträgt. Doch dies ist keineswegs langweilig, sondern sehr unterhaltsam. So hat jede Szene Symbolcharakter.

Die Kürze des Films ist sein großer Trumpf. Das Buch fand ich wirklich schrecklich, sehr aufgebläht und langatmig. Auch hatten viele Szenen eine tiefere Bedeutung, waren aber viel zu langsam. Wo im Buch die Emotionslosigkeit weitestgehend Langeweile erzeugt, gibt es im Film viel mehr Abwechslung, wohl auch weil die Original-Handlung zusammengestaucht wurde. Eher eines der seltenen Beispiele, wo ein Film zu einem Buch besser ist als das Bucher selber.

Großartig ist auch Christian Bale. Er verkörpert einen emotionslosen Schönling ohne großartige Probleme im Leben. Immer wieder dringt der Wahnsinnn nach außen und baut sich langsam auf, bis er sich in einer großen verqueren und verstörenden Szenerie entlädt. Zusätzlich besitzt der Film ‚American Psycho‘ ein Ende, dass so durchdacht erscheint und auf so viele Weisen befridiegend und motivierend ist. Im Vergleich: Das Buch endet erst sozusagen 50 Seiten später und verpasst so, sich in irgendeiner Weise mit einem Twist zu verabschieden.

Patrick Bateman ist also eine Karikatur eines modernen Menschen, der nur noch für Äußerlichkeiten lebt und dessen einzige Befridiegung in der Auslebung tierischer Triebe besteht. Das ist kontrovers und in der Brutalität teilweise auch schockierend, doch gibt sich sowas im Film nie als hirnloser Splatter-Mist zu erkennen. Vielmehr gibt es eine Szene, in der Patrick jemanden mit einer Axt ermordet und im Hintergrund läuft ‚Hip to be Square‘ von Huey Lewis and the News, während er selbst sein sinnloses Fachgelaber über Musik zum Besten gibt. Das sind so herrliche Gegensätze zwischen Alltag und kaltblütigem Morden, dass man sie nie als ernsthaften Saw-Tötungs-Akt betrachtet.

Ich halte den Film in seinem Gesamten für sehr intelligent und durchdacht. Er ist nicht wirklich spannend, aber dennoch sehr unterhaltsam. Eine Persiflage auf das moderne Leben und die 90er mit viel Liebe zum Detail. Es gibt keine zufälligen Dialoge, nichts passiert einfach so. Hinter allem steckt ein Motiv und eine Überlegung, die ‚American Psycho‘ zu einem wunderbaren Film machen. Wer auf intelligente Satire steht, macht sicherlich nichts falsch. Ein ‚American Beauty‘ oder ‚Fight Club‘ schlägt ungefähr in die gleiche Bresche.

Regie: Mary Harron (I Shot Andy Warhol, The Notorious Bettie Page)

Schauspieler: Christian Bale, Jared Leto, Reese Witherspoon, Justin Theroux

Bewertung: 

 

Bret Easton Ellis: American Psycho (1991)

Handlung: Patrick Bateman ist ein reicher junger Mann in New York. Echte Sorgen hat er nicht, jedoch ist ihm sein Leben inmitten von Snobs und Luxus einfach nur langweilig und leer. Er ist gefangen in einer Welt voll von Monotonie, Wiederholungen und Oberflächlichkeit. Um daraus zu flüchten, beginnt er einfach, auf bestialische Art und Weise Menschen zu ermorden.

Ich bin ein großer Fan des Films. Der ist wirklich gelungen, und deswegen hatte ich auf ein mindestens ebenso gutes Buch gehofft. Doch dem ist leider nicht so. Während im Streifen alles komprimiert und knackig rüberkommt, ist der Wälzer so dermaßen langatmig, dass ich die Lust am Lesen des öfteren verlor.

Das liegt zum einen an den beschriebenen Ereignissen. Diese sind in der Regel weder sonderlich spannend noch interessant. Zum anderen gibt es ganze Kapitel über einzelne Musiker. Ich verstehe diese als Teil eines Gesamtkunstwerkes, doch sie lesen sich unglaublich zäh und vermitteln in ihrer Länge keine Lesevergnügen.

Außerdem erlebt man die Geschichte komplett in der Ich-Perspektive, doch Patrick Bateman ist einer der mit Abstand unsympathischsten und distanziertesten Hauptcharaktere, denen man begegnen kann.

Der Grund, warum das Buch einst indiziert war, sind die überaus makaberen und abstrusen Gewaltszenen. Die sind teilweise wirklich sehr hart, machen aber nicht unbedingt den größten Teil aus. Auch sind diese nicht sonderlich interessant. So wird das snobistische Leben des Patrick Bateman zwar ein wenig aufgebrochen, die uninteressanten Teile überwiegen jedoch dermaßen, dass der Gesamteindruck sehr eintönig ist.

Man kann sicherlich auch Gutes entdecken, wenn man das Buch in seiner Gesamtheit betrachtet. Ich persönlich finde jedoch, dass es wahrlich außer diverse Herrschaften aufzuregen keine besondere Leistung erbringt. Ich wurde als Leser für meine Beharrlichkeit nicht belohnt. Das hat mich, vor allem in Hinsicht auf den guten Film, sehr überrascht. Früher dachte ich, dass Filme basierend auf Büchern sowiese schlechter sind als das Original, doch hier wurde ich eines Besseren belehrt.

Meine Emphelung: Das Buch ist Müll, dort gehört es auch hin. Der Film ‚American Psycho‘ mit einem großartigen Christian Bale in der Hauptrolle jedoch ist ein absolutes Must-See für Freunde der gepflegten intelligenten (und auch etwas abgedrehten) Unterhaltung.

Bewertung: