xXx – Triple X (2002)

James Bond. Ehemaliger Agent 007 in den Diensten ihrer Majestät. Er versucht den Neuanfang in den USA. Doch nach einer glorreichen Karriere rutscht der gefeierte Held ab, denn Ziele im Leben hat er nicht mehr. Arbeitslos und gebrochen, beginnt er zu trinken. Es dauert nicht lange, bis Bond zum ersten Mal in Kontakt gerät mit Kokain. Doch schon bald reicht das nicht mehr. Und so bleibt er auf Crystal Meth hängen. Die Droge verändert ihn. Seine Haare gehen ihm aus und er verliert alles. Freunde, Fähigkeiten und Grobmotorik. Auch seine gehobenen Sprachfertigkeiten. Alles verschwunden. Da dauert es nicht lange, bis er in die Beschaffungskriminalität abrutscht. Anfangs sind es kleine Diebstähle, um den täglichen Meth-Konsum zu finanzieren. Aber mit dem steigenden Verbrauch der Droge steigt auch das benötigte Geld, und so häufen sich die Verbrechen. Die einzigen beiden Perspektiven sind der Knast und der Tod. Bond hat Glück, wird gefasst, bevor er völlig zu Grunde geht und sitzt mehrere Jahre im Bau. Das verändert ihn. Er kommt runter von den Drogen und trainiert. Wird fit. Er legt seinen alten Namen ab und nennt sich nun Xander Cage, oder auch xXx. Ein Neuanfang. Durchtätowiert und körperlich gestärkt, verlässt er den Knast geläutert. 

Es beginnt sein neues Leben. Xander findet Gefallen an Extremsportarten und verdingt sich seinen Lebensunterhalt bald durch coole Stunts. Die Illegalität seiner Aktionen bringt ihm schon bald Probleme mit den Cops ein, doch er macht unerschrocken weiter. Die Popularität macht ihn wieder stark und schon bald hat er alles über sein altes Ich vergessen. Doch die Polizei macht ihn nach einer halsbrecherischen Aktion dingfest und er steht wieder vor dem Nichts.

Die Vergangenheit lässt sich aber nicht so einfach abschütteln und so kommt es, dass Agent Augustus Eugene Gibbons unseren gefallenen Helden aus dem Gefängnis holt, um ihn als Spitzel für die NSA zu rekrutieren. Als gefeierter Internet-Star fällt es ihm leicht, sich in Prag in die Bande um Yorgi einzuschmuggeln und das Vertrauen der überaus gefährlichen Verbrecher zu gewinnen. Diese wollen nicht weniger als unzählige Menschen auf einmal umbringen. Damit schließt sich der Kreis und Xander wird wieder zu Bond. Wieder mit Gadgets ausgestattet, macht er sich auf den gefährlichen Weg, die Menschheit vor ihrem sicheren Untergang zu bewahren. Doch diesmal ist es anders. Der alte Glanz ist weg. Anstatt Martinis zu schlürfen und schöne Frauen an paradiesischen Stränden zu beglücken, hat unser bulliger Glatzkopf allerhand Widrigkeiten zu umgehen. Zwar hat er wieder eine Frau an seiner Seite, die sieht aber die meiste Zeit eher wie eine mürrische Cracksüchtige aus.

Und auch seine kleinen Gadgets sind nicht sonderlich elegant, sondern eigentlich ziemlich lächerlich. Dafür erlaubt es ihm sein neuer Job, ein wenig zu Skydiven. Snowboard-Fahren ist auch drin. Einfach mal abschalten. Meistens wirkt er aber ziemlich ungelenk. Wäre er nicht bereits schonmal der weltbeste Agent gewesen, wäre er vermutlich auch bereits nach wenigen Miunten Einsatzzeit tot. Anders lässt sich auch nicht erklären, warum die Amis einen Knacki so mir nichts dir nichts als Agenten verpflichten.

Und so ist es letztendlich ein Treppenwitz von Xanders Geschichte, dass der Job, der ihn einst zerstört hat, ihm nun einen neuen Lebensinhalt verleiht. Doch Xander merkt, dass der amerikansiche Geheimdienst nicht der britische ist und Dinge wie Stil, Benehmen und nachvollziehbare Handlung der Vergangenheit angehören. Nach seiner geglückten Mission fängt er sich bei einer seiner Bekanntschaften einen Tripper ein und fällt für das nächste Abenteuer aus, sodass ihn ein amerikanischer Rapper ersetzen muss, der von seiner Mutter ‚Eiswürfelchen‘ genannt wird. Doch Xander ist noch nicht am Ende und wird wiederkehren, gestärkt und (hoffentlich) tripperfrei.

 

Regie: Rob Cohen (The Fast and the Furious, Dragonheart, Stealth, Die Mumie 3)

Schauspieler: Vin Diesel, Samuel L. Jackson, Asia Argento, Marton Csokas

Bewertung: 

Haywire (2011)

Quiz-Frage: Was haben Channing Tatum, Antonio Banderas, Ewan McGregor und Michael Fassbender allesamt gemeinsam, ausgenommen, dass sie alle Schauspieler sind? Antwort: Allen Herrschaften wird mal so richtig ordentlich die Kauleiste poliert, undzwar von der MMA-Kämpferin Gina Carano! Denn in Haywire (zu deutsch ‚übergeschnappt‘) muss die toughe (und gut aussehende) Frau einer Menge Menschen ‚den Kopf verdrehen‘. Aber nicht im netten Sinne, denn hier wird gemordet und so mancher Knochen gebrochen. Wenn einem die genannten Schauspieler nicht ausreichen, dann seien noch Michael Douglas, Bill Paxton und Mathieu Kassovitz zu erwähnen. Das sollte doch genug Prominenz sein. Etwas anderes ist man schließlich von Regisseur Steven Soderbergh nicht gewohnt.

Es beginnt in einem kleinen Lokal zur Winterzeit. Mallory Kane (Gina Carano) sitzt darin und wird von Aaron (Channing Tatum) überrascht, der die gute Frau scheinbar verfolgt hat. Nach einem kurzen Wortwechsel kommt es zu einem harten Kampf, in dessen Verlauf dem guten Mann ziemlich übel zugesetzt wird. Dabei ist Channing Tatum nicht gerade ein Spargeltarzan. Mallory flieht mit einem zufälligen Passanten namens Scott (Michael Angarano) in dessen Auto. Die verletzte Frau erzählt dem jungen Mann die Umstände, die zu ihrer misslichen Lage geführt haben. Wir erfahren, dass Mallory für das Sicherheitsunternehmen von Kenneth (Ewan McGregor) arbeitete und dass sie bei einem Einsatz in Barcelona Aaron kennengelernt hat. Nach der erfolgreichen Verrichtung dieser Rettungsmission will Mallory Urlaub machen, doch Kenneth überredet sie zu einem weiteren kurzen Auftrag, aufgegeben von Coblenz (Michael Douglas) und Rodrigo (Antonio Banderas). So fliegt sie nach Dublin, um zusammen mit Paul (Michael Fassbender) zu arbeiten. Hier merkt sie jedoch, dass jemand ein falsches Spielt mir ihr treibt, sodass sie kurz darauf auf der Flucht vor der Staatsmacht ist.

Die Handlung wird in mehreren Rückblenden erzählt und ist dabei nicht unbedingt einfach zu verfolgen. So bleiben diverse Rollen von Leuten lange Zeit im Dunkeln und man sollte tatsächlich 90 Minuten Zeit haben, um dem Film aufmerksam zu folgen. So werden die Beziehungen dann letztendlich irgendwann final aufgelöst und erklärt, was in gewisser Weise an Soderberghs Ocean’s-Franchise erinnert. Herausragend, neben dem ganzen Boot voll mit tollen Nebendarstellern, sind die Kampfsequenzen mit Gina Carano. Man merkt zu jedem Zeitpunkt, dass die Frau weiß, was sie da macht. Ohne Stunt-Doubles oder Effekte oder dergleichen. Es ist schon cool, wenn sie einen durchtrainierten Kerl   nach einer wilden Prügelei mit ihren Beinen in die Sankaku-Würge nimmt, aus der man eben nicht so einfach herauskommt. Dabei erreicht der Film einen sehr hohen Grad an Realität und Glaubwürdigkeit.

Interssant und auch gewöhnungbedürftig ist dabei der Soundtrack. Wenn sie beispielsweise vor einer Polizeitstaffel über Häuserdächer flieht, ertönt keine aufgeregte Thriller-Musik, sondern ein mehr oder weniger ruhiges und souliges Gedudel. Das unterstreicht ihre Coolness. Als es dann doch zu einem Handgemenge kommt, verstummt die Musik und man hört nur noch Schläge und Schmerzensschreie. Und im nächsten Schnitt hören wir wieder Gedudel und verfolgen weiter ihre Flucht. An sich finde ich das schon ziemlich gelungen, auch wenn mir das auf Dauer dann doch zu distanziert wird.

Und nicht nur mit der Musik ist der Film sparsam, insgesamt ist das vorgesetzte Bildmaterial spartanisch. Das soll heißen, dass nicht jede von Mallorys Bewegungen und Aktionen gezeigt wird. Die meisten Filme hätten zum Beispiel gezeigt, wie sie jeweils in einen Flieger steigt, um die Stadt zu wechseln. Das macht Haywire nicht und so wird dieser Schritt der Fantasie des Zuschauers überlassen, was widerum eben Aufmerksamkeit erfordert. Ansonsten ist man recht leicht verwirrt. Krass spürbar ist das am Ende, das relativ plötzlich kommt, aber mit dem finalen Ausspruch unheimlich gelungen wirkt.

Mir persönlich hat Haywire ziemlich gut gefallen. Mallory Kane ist eine Art weiblicher Jason Bourne, nur ohne Wackelkamera. Und mit mehr Wumms. Die Kampfszenen stehen hier ganz klar im Vordergrund und überzeugen durch Authentizität und gute Choreographie. Es hat sich gelohnt, keine weltbekannte Schauspielerin für die Hauptrolle zu nehmen, sondern eine erfahrene MMA-Kämpferin. Dass der Film auf imdb lediglich eine Wertung von 5.9 hat, kann ich mir nur damit erklären, dass viele mit dem bisschen an Handlung, das Haywire hergibt, wenig anfangen konnten bzw. eben nicht aufmerksam genug waren und dass Gina Carano schauspielerisch nicht viel Erfahrung vorzuweisen hat. Vielleicht ist Soderberghs Art auch nichts für jedermann, schließlich spürt man auch hier seine Handschrift. Meiner Meinung funktioniert aber sein Stil, Filme zu machen, gerade in dieseo Agentenszenario sehr gut. Man muss ja nicht schon wieder irgendein krasses Casino mit hundert tollen Schauspielern überfallen.

Regie: Steven Soderbergh (Traffic, Out of Sight, Erin Brockovich, Ocean’s 11/12/13, Che, Contagion)

Schauspieler: Gina Carano, Channing Tatum, Michael Douglas, Antonio Banderas, Ewan McGregor, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz, Bill Paxton

Bewertung: 

 

 

Dame, König, As, Spion (2011)

Es ist Nacht. Der Regen verwandelt die Straßen in eine Ansammlung von Pfützen, Dreck und Schlamm. Die Menschen beeilen sich, es herrscht geschäftiges Treiben. Man vertreibt sich die Zeit, zum Beispiel im Kino. Dort läuft gerade Dame, König, As, Spion. Es ist noch dunkler im Saal als draußen. Stille. Niemand wagt es, zu reden oder zu rascheln. Alle starren gebannt auf die Leinwand. Lange bleibt es so, bis ich beschließe, mir ein Bier aufzumachen.

Scheiße war das laut. Kurz umgeschaut. Niemand verärgert. Ok. Popcorn-Tüte aufmachen. Scheiße, das war ja noch viel lauter. Ganz, ganz langsam kauen. Damit es nicht so knirscht. Bloß nicht im Sitz bewegen, ist nämlich auch laut. Mein Gott, wie laut wir Menschen doch sind manchmal. Jede Bewegung erzeugt Geräusche, selbst das Atmen anderer. Augenblick, gabs da nicht noch einen Film auf der Leinwand?

Dame, König, As, Spion ist ein leiser Film. Und wenn ich sage leise, dann meine ich, dass manchmal so wenig gesprochen wird, dass man Angst bekommt, irgendwelche Geräusche zu machen und so, für den Fall, dass etwas gesagt wird, zu verpassen. Das ist keine Kritik. Jedoch können Freunde von Michael Bay und Roland Emmerich gleich an dieser Stelle aufhören zu lesen und lieber etwas sinnvolleres mit ihrer Zeit anstellen, zum Beispiel in Zeitlupe von Explosionen weggehen, ohne sich umzusehen. Der Rest freut sich über die überragende Besetzung.

Der Film spielt in den 70er Jahren und thematisiert den britischen Geheimdienst irgendwo zwischen Ost und West. In der Organisation soll sich ein Maulwurf befinden, der wichtige Informationen an die Russen weitergibt. Control (John Hurt), Chef der Organisation, erteilt Jim (Mark Strong) den Auftrag, sich mit irgendwem in Budapest zu treffen und so an den Namen des Maulwurfs zu kommen. Das geht ziemlich in die Hose und so wird Control mitsamt seinem Vertrauten George Smiley (Gary Oldman) entlassen. Das waren jetzt ungefähr die ersten 5 Minuten von Dame, König, As, Spion. Mir käme es jedoch schon als Spoiler vor, mehr zu erzählen. Es sei nur gesagt, dass Smiley sich auf die Suche nach dem Maulwurf begibt. Er ist nicht unbedingt sehr redselig. In den ersten paar Minuten, in denen man ihn zu Gesicht bekommt, sagt er praktisch nichts. Das trägt zur Statik und Ruhe des Films bei. Es gibt Schnitte, in denen erst ein Gegenstand in Nahaufnahme gezeigt wird und danach erst der Wechsel zu den Personen stattfindet.

Wichtig ist, stets konzentriert zu bleiben. Praktisch jedes Gespräch ist wichtig, egal wie unwichtig es scheint. Es reicht, wenige Szenen zu verpassen und schon versteht man einfach mal gar nichts mehr. Das liegt unter anderem auch daran, dass wir uns nicht nur auf einer Zeitebene befinden. Viele Dinge, wie zum Beispiel Smileys Beziehung zu seiner Frau, werden nur angeschnitten und mehr oder weniger angedeutet. Das kann einem Gefallen, schließlich muss ja nicht alles (wie in Hollywood) von vornherein ganz klar und eindeutig sein. So gibt es eben auch nicht so wirklich Gute und Böse hier. Es gibt lediglich Leute in einem menschenunwürdigen System, die miteinander interagieren. Nirgendwo springt ein glattgeleckter James Bond aus der Ecke und ballert dem fiesen Doktor Whatever die Birne weg. Der Feind bekommt kein Gesicht und die, deren Geschichte wir verfolgen, sind auch alle nicht ganz astrein, zumal ja einer von ihnen ein Maulwurf sein soll.

Wer als Kind schon immer Geheimagent werden wollte, wird sich das mit Dame, König, As, Spion wahrscheinlich nochmal gut überlegen. Man hat keine coolen Gadgets und bekommt nicht jede Frau. Der Job tötet Beziehungen und auch Menschen, und ist dazu auch noch mehr oder weniger langweilig. Zumindest im Vergleich zu allen anderen Agenten in Agenten-Filmen. Das fand ich verdammt gut. Es war dadurch unheimlich realistisch. Gary Oldman bzw. Geroge Smiley ist nämlich kein Vorbild. Er schwingt keine Reden, schießt nicht ein einziges Mal und profiliert sich auch sonst sehr wenig. Es gibt nur eine Stelle, an der er  sich ein wenig öffnet, ansonsten bleibt er ein schweigsamer Beobachter. Auch wenn Gary Oldman den Oscar für den besten Hauptdarsteller wahrscheinlich nicht gewinnen wird (George Clooney und Brad Pitt werden vermutlich von jeder Frau bevorzugt behandelt), so ist die Nominierung doch etwas feines. Zudem gibt es in diesem Film noch Colin Firth, Tom Hardy und Mark Strong.

Ansonsten ist Dame, König, As, Spion ein intelligenter und komplexer, etwas über 2 Stunden dauernder, ruhiger und vielleicht schon melancholischer britischer Film. Ich fand ihn wirklich gut. Die breite Masse wird den Streifen nicht leiden können oder ihn einfach nicht bemerken und das verstehe ich auch.  Schließlich wird, falls ich mich nicht verzählt habe, nur vier mal geschossen. Erinnern tut mich Dame, König, As, Spion ein wenig an The Good Shepherd mit Matt Damon und Angelina Jolie, der jedoch super-langweilig ist. Vielleicht ist eher No Country for Old Men der ähnlichere Film, weil dort auch vieles nur angedeutet wird. Wie dem auch sei, bloß nicht Rascheln oder Biere aufmachen beim Schauen. Vielen Dank.

Regie: Tomas Alfredson (So finster die Nacht, schwedisches TV)

Schauspieler: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, Mark Strong, John Hurt, Toby Jones

Bewertung:  

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