Lock Up – Überleben ist alles (1989)

Es gibt Filme, bei denen ist eigentlich von vornherein klar, was passieren wird. Und dann gibt es ja auch noch Schauspieler, bei denen von vornherein klar sein sollte, auf was für Rollen sie gebucht werden. Und wer hinter ‚Lock Up‘ mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle ein gesellschaftskritisches Stück mit facettenreicher Handlung vermutet, hat vermutlich noch nie Rambo gesehen. Oder Over the Top. Oder Rocky. Oder Cliffhanger. Oder The Expendables. Oder jeglichen anderen Film mit Sly in der Hauptrolle. Außer Copland, der war wirklich gut. Aber wir sind hier schließlich bei Lock Up, und dahinter verbirgt sich, wer hätte das gedacht, ein Knast-Action-Streifen. Mit Dramaelementen!Lock Up

Frank Leone (Sylvester Stallone) ist ein eigentlich herzensguter Mensch. Wer hätte das gedacht? Zwar kommt er von der Straße, doch seinen Lebensunterhalt verdingt er sich als Automechaniker. Fair und ehrlich und irgendwie auch sehr amerikansich. Wer hätte das gedacht? Außerdem hat er eine hübsche Freundin. Wer hätte das jetzt nun gedacht? Unschuldig wie er nun mal ist, als guter Amerikaner, muss er jedoch eine gewisse Zeit im Knast absitzen. Kurz vor seiner Entlassung wird Frank verlegt und muss nun unter dem tyrannischen Knastdirektor Warden Drumgoole (Donald Sutherland) leiden, der noch eine offene Rechnung mit ihm hat. Und so beginnt ein harter Kampf ums Überleben.

Natürlich findet der gute Franky-Boy schnell Freunde im Knast. Unter anderem Dallas (Tom Sizemore) und First Base (Larry Romano). Und noch natürlicher findet er diverse Feinde. Nicht nur unter dem Mitinsassen Chink Weber (Sonny Landham), sondern auch, wer hätte das gedacht, unter den Wärtern. Allerdings kann er sich dank der hausinternen KFZ-Meisterwerkstatt im Gefängnis von seinen täglichen Sorgen ablenken. Das hätte wirklich keiner gedacht. Mit Franks näher rückenden Entlassung scheint der beknackte Direktor allerdings auch zunehmend an Verstand zu verlieren, was zur Eskalation führen muss. Involviert sind dabei auch ein elektrischer Stuhl und ein Showdown, der die Grenzen logischen Denkens souverän durchbricht.

Besondere Erwähnung sollten dabei zwei bis drei Szenen unter den Männern in der Werkstatt finden, die ungewollt eine gewisse erotische Anziehungskraft der Häftlinge zueinander vermuten lassen können. Hey, das soll nicht verurteilt werden. Aber vermutlich war das nicht die Inention von Regisseur John Flynn. Ansonsten nimmt sich der Film an vielen Stellen furchtbar ernst und portraitiert unseren Recken als unerschrockenen Mann aus der Unterschicht, der sich nicht von der Obrigkeit verbiegen lässt. Was für ein Schweinehund!

Und tatsächlich, man empfindet hier und da schon etwas Sympathie für Frank oder einen seiner Freunde. Dabei ist das natürlich niemals auch nur annähernd so fesselnd wie Die Verurteilten. Aber für einen Sly-Film doch schon echt in Ordnung. Leider verliert der Streifen gerade zum Ende hin furchtbar stark, weil das Finale, wie man es auch wenden mag, einfach wenig Sinn macht. Aber vermutlich ist das auch egal. Hier ging es nie um eine schlüssige Handlung. Und wer Sylvester Stallone mag und sich mit allen eingangs erwähnten Filmchen gut anfreunden kann, wird auch mit Lock Up angenehme 109 Minuten verbringen. Schließlich ist da, wo Stallone draufsteht, auch immer Stallone drin. Außer vielleicht bei Copland, der war wirklich überraschenderweise ziemlich gut. Wer hätte das gedacht?

 

Regie: John Flynn (Deadly Revenge, Brainscan, Bestseller)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Donald Sutherland, John Amos, Tom Sizemore, Sonny Landham, Frank McRae, Larry Romano

Bewertung: 

 

300: Rise of an Empire (2014)

Wut. Haß. Überschäumende, alles zersetzende Rage. Zorn. Empörung. Alles Begriffe, mit denen ich nicht die kämpfenden Griechen in diesem Film beschreiben würde, sondern meinen eigenen Gemütszustand nach dieser Fortsetzung. Selten, wirklich selten könnte ich mich so aufregen. Natürlich bin ich da auch selbst schuld. Wer nicht gestochen werden will, sollte wohl auch nicht in ein Wespennest fassen. Doch trotzdem. Es war wieder mal meine Naivität. Der erste Film nämlich, 300, nach einem Comic von Frank Miller und umgesetzt von Zack Snyder, war wirklich cool. Stylisch, brachial und einfach. Natürlich ohne Tiefgang, aber allein die Art der Umsetzung war so konsequent und spaßig, dass man keine Sekunde über den Inhalt grübeln musste. Es war einfach alles stimmig. Und nun das hier…

Xerxes (Rodrigo Santoro) greift nämlich nicht nur die bekannten 300 Spartaner an den Thermopylen an, sondern auch den Rest Griechenlands zu Wasser. Angeführt wird seine Flotte von Artemisia (Eva Green), deren Name und Erscheinungsbild an eine Puffmutter erinnern. Der Athener Themistocles (Sullivan Stapleton) stellt sich mit ein paar kümmerlichen Schiffen der Streitmacht, weil Sparta und der Rest der Griechen grad nicht so Bock haben. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Die Königin der Spartaner Gorgo (Lena Headey aka Cercei Lannister), der im ersten Teil von Leonidas in die Kloake gekickte Perser sowie dieser Verräter-Krüppel. Die Handlung ist dabei rund um den ersten Film angesiedelt und erweitert die einfache Story des Vorgängers um allerhand unnötigen Blödsinn. 300 Rise of an Empire

Es ist das typische Hollywood-Syndrom. Ein erfolgreiches Konzept wird mit viel Geld aufgegriffen und fortgesetzt, ohne dabei auch nur den Hauch des Charmes des Originals zu erreichen. Dabei ist es fast schon idiotisch, wie viel Mühe sich 300: Rise of an Empire gibt, die Handlung von 300 zu kopieren. Wieder einmal muss eine kleine Gruppe von Kriegern der persischen Übermacht strotzen, weil sich der bürokratische Rest nicht einigen kann. Wieder tritt ein über alle Maßen erfahrener Krieger einer Unmenge an Schergen in den Allerwertesten. Und wieder folgt eine Welle persischer Angriffe auf die nächste. Wieder gibt es auf Seite der Protagonisten einen Vater samt Sohn, die an der Seite des übermächtigen Anführers kämpfen. Wieder werden vor und nach den Kämpfen Reden geschwungen, die diesmal allerdings allesamt reichlich uninspiriert wirken.

Der große Unterschied zum ersten Teil ist, dass die gesamte Action auf dem Wasser stattfindet. Und dass eine Antagonistin etabliert wird. Hier erreicht der Film wirklich einen absoluten Tiefpunkt. Klar ist Eva Green hübsch, aber ihre Handlungen sind weder nachvollziehbar noch geistreich. Und so nimmt sich der Film des Mysthischen, was die Bösen davor noch hat auszeichnen können. Klar war Xerxes ein Mensch, aber die Art und Weise seines Gebarens war so abgehoben und passend, dass sich das mit den übertriebenen Worten Leonidas‘ ergänzte. Artemisia ist nämlich tatsächlich nicht viel mehr, als eine durchgeknallte Puffmutter in Lack und Leder. Die ach so gewitzte Anführerin lässt niemals auch nur den Hauch von Intelligenz aufkommen. Schade.

Noch dümmer ist nur das Ende. Dort greift doch tatsächlich die spartanische Königin selbst, ohne Schild, Helm oder Rüstung, zur Waffe. Das widerspricht wirklich allem, was vorher jemals etabliert wurde. Mit viel Pathos bedient man sich nämlich der altbekannten Gesichter, um dadurch eine Art Fanservice zu betreiben. Nicht umsonst wird auch nochmal der bereits erwähnte persische Bote eingeflochten, genauso auch der einäugige Spartiate, der am Ende von Teil 1 die Truppen anführt. Alles nur, damit man sich als Zuschauer immer wieder an 300 erinnert fühlt. Folglich hat der Film auch keine Alleinstellungsmerkmale. Man beruft sich auf das Prequel, ohne einen eigenen geistreichen Beitrag zu leisten. Glückwunsch.

Klar sind die Kämpfe nicht schlecht. Aber niemand will zum zwanzigsten Mal irgendwelche computeranimierten Galeeren aufeinander zufahren sehen. Und solche Szenen machen einen großen Teil der Action aus. Wenn zum Schluss auch noch ein Pferd aus dem Hut gezaubert wird, welches über die zerstörten Schiffe galoppiert, dann wird es wirklich lächerlich. Folglich scheitert 300: Rise of an Empire an sich selbst. Schneller, lauter, größer ist nicht gleich besser. Den Spagat aus Action, Style und Pathos hat Leonidas hinbekommen, Themistocles scheitert jedoch auf allen Ebenen.

 

Regie: Noam Murro (Smart People)

Schauspieler: Sullivan Stapleton, Eva Green, Lena Headey, David Wenham, Callan Mulvey

Bewertung: 

 

The World’s End (2013)

Nach dem großartigen Shaun of the Dead 2004 und dem nicht weniger amüsanten Hot Fuzz 2007 kommen Edgar Wright (Regie und Drehbuch) und Simon Pegg (Drehbuch und Hauptrolle) 2013 erneut zusammen, um das Finale der Trilogie über Blut und Cornetto-Eis zu machen. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter und natürlich die gewohnte Reihe an popkulturellen Anspielungen, aber auch, man halte sich fest, eine große Schippe Ernsthaftigkeit.

Gery King (Simon Pegg) hat im Gegensatz zu seinen vier Freunden aus der Jugend (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine) nicht viel im Leben erreicht. Trotzdem trommelt er die alte Truppe zusammen, um einen erneuten Versuch zu wagen, die Goldene Meile zu vollenden. Diese ist ein Sauftrip durch Newton Haven, bestehend aus je einem Bier in zwölf Pubs der Ortschaft. Doch nach kurzer Zeit entpuppen sich die Einwohner als alles andere als Normalsterbliche. Es beginnt ein Wettlauf, einerseits gegen die Alien-Einheimischen, andererseits gegen den eigenen stetig steigenden Alkoholpegel.The World's End

Und obwohl sich die Geschichte lustig anhört und es durchaus viele Witze und Anspielungen gibt, durchzieht eine gewisse Seriösität diesen Film. Es wird oft gelacht, und genauso oft werden ernstere Töne angeschlagen. Klar, in Shaun of the Dead gab es auch einen recht traurigen Moment, in dem einer der Protagonisten über das Leben seiner eigenen Mutter entscheiden musste. Doch The World’s End beginnt mit Gerry und dessen Alkoholkrankheit und zeigt immer wieder seine Probleme auf. Als einziger der Bande ist er nämlich auf der Vergangenheit sitzen geblieben und kommt nicht aus diesem Loch heraus. Dabei ist es fast schon irritierend, wie wenig ihn seine einstigen Kumpanen mögen und eigentlich keine Zeit mit ihm verbringen möchten. Gerry King ist nämlich überheblich, unzuverlässig und ein Lügner wie er im Buche steht. Und als ob das noch nicht reichen würde, hält er sich für den Größten. Den King.

Trotzdem zeigt The World’s End auch, dass es den vermeintlich erfolgreichen Kumpanen auch nicht nur gut geht. Zwar sind diese im Gegensatz zu Gerry erwachsen geworden, aber auch das hat seine Schattenseiten. Überhaupt, die angesprochenen Themen sind durchaus vielschichtig und mögen einen irritieren, wenn man von einer tumben Komödie im Vorhinein ausgegangen ist. Besonders das Ende lässt einen ziemlich ratlos dar, wo man doch von den beiden Vorgängerfilmen einen seichteren Umgang gewohnt war. Da werden dann urplötzlich noch die moderne Vernetzung und Fremdenfeindlichkeit angesprochen. Warum auch nicht, eine Komödie darf schließlich ein Statement haben. Shaun of the Dead deutete bereits recht offensichtlich an, dass wir heutzutage durchaus als Zombies dem Arbeitstrott und der Routine verfallen sind. Doch The World’s End macht es einem nicht so einfach und wird dadurch sicher für den einen oder anderen merkwürdig befremdlich wirken, gerade zum Ende hin. Trotzdem großen Respekt an Pegg und Wright, die mit dem gewählten Ton Mut beweisen und sich nach Hot Fuzz klar vom Mainstream wegbewegen, dabei sogar von der bewährten Erfolgsformel der beiden ersten Teile abweichen.

Nicht zu vergessen seien übrigens die Anwohner von Newton Haven, die aufgrund einer Alieninvasion zu merkwürdigen Roboter-Gummipuppen geworden sind. Und zu denen sich eine ganze Reihe muntere Nebendarsteller gesellen, beispielsweise Pierce Brosnan, David Bradley und Michael Smiley. Als ob es außerdem ein Klacks wäre, gibt es an einigen Stellen wirklich toll inszenierte und famos umgesetzte Kämpfe, was man so nicht unbedingt erwarten würde. Überhaupt kann man den Machern handwerklich nichts vorwerfen. Trotz vieler Effekte und blutiger Auseinandersetzungen merkt man nicht, dass The World’s End nur läppische 20 Millionen Dollar Budget hatte, was immer noch mehr ist als Shaun of the Dead und Hot Fuzz zusammen.

Tja, ist das Ende der famosen Trilogie jetzt gelungen? Klare Antwort: Auf jeden Fall. Eins sollte einem dabei jedoch klar sein: Seit Shaun of the Dead ist über ein Jahrzeht vergangen und die beteiligten Protagonisten sind alle reifer und erwachsener geworden. Das merkt man auch an The World’s End. Gerade das macht einem den Abschied leichter, denn diese Riege an coolen Leuten scheint ihren Humor nicht verloren und auch gleichzeitig genügend dazugelernt zu haben. Das macht den Abschluss nicht ganz so leicht und locker konsumierbar wie die Vorgänger. Ich freue mich aber jetzt schon auf alles, was mit Wright, Pegg oder Frost zu tun hat.

 

Regie: Edgar Wright (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Hot Fuzz, Shaun of the Dead, Spaced)

Schauspieler: Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike

Bewertung: 

 

 

Only God Forgives (2013)

Nicolas Winding Refns ‚Drive‘ wurde 2011 von Publikum und Kritikern gefeiert. Und sogar für einen Oscar nominiert (Sound Editing). Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Nachfolgefilm. Dabei sind die Meinungen zu Only God Forgives unglaublich zwiegespalten. Die negativen Kritiken sind eher in der Überzahl, aber es finden sich auch positive. Vorneweg: Mir hat Only God Forgives gefallen. Nichtsdestotrotz ist dieser Film alles andere als zugänglich.

Julian (Ryan Gosling) betreibt eine Kampfsportschule in Bangkok. Zumindest hat es den Anschein, denn eigentlich verdingen sich er und sein Bruder Billy (Tom Burke) mit Drogengeschäften ihren Lebensunterhalt. Als Billy eines Nachts eine Prostituierte vergewaltigt und ermordet, um daraufhin von deren Vater zu Tode geprügelt zu werden, beginnt die Suche nach dem Verantwortlichen. Dieser findet sich schnell, doch Julian bringt es nicht übers Herz, seinen Bruder zu rächen. Schließlich hat dieser eine Minderjährige auf dem Gewissen. So tritt Crystal (Kristin Scott Thomas), die Mutter der Gebrüder, auf den Plan und beginnt ihrerseits mit einem intriganten und blutigen Spiel. Die vermutlich wichtigste Rolle in diesem Geflecht nimmt der Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) ein, der mit seinem Schwert und einer gehörigen Portion Selbstjustiz die Straßen Bangkoks durchstreift und der fröhlichen Famillie stetig näher kommt.Only God Forgives

Und eigentlich habe ich damit noch gar nicht wirklich die elementare Handlung zusammengefasst, denn es ist noch ein gutes Stück komplizierter. Julian hat noch eine merkwürdige Beziehung zu einer Hure, Chang hat eine Tochter und Crystal hat ganz arge charakterliche Probleme. Obwohl Only God Forgives nur 90 Minuten lang ist, ist das Konstrukt an Charakteren durchaus groß. Zudem gibt es traumartige Sequenzen und einen in die Leere oder auf seine Fäuste starrenden Ryan Gosling, sodass man nach gut einer halben Stunde ziemlich verloren als Zuschauer dasteht. Dabei ist die Optik des Films über alle Maßen erhaben und die düstere Beleuchtung zieht sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende. Der minimalistische Stil von Refn, der den Zuschauer zum Mitüberlegen zwingt, findet sich auch hier. Damit muss man umgehen können.

Das Schwierige an Only God Forgives ist, dass man nur schwer mit einem der Charaktere sympathisieren kann. Während Julian ein furchtbar passiver und stoischer Mensch ist, wirkt seine Mutter wie die Ausgeburt des Bösen. Vor allem ihre Beziehung zu Julian ist so kaputt, dass man kaum nachvollziehen kann, warum er auf sie  hört. Auf der anderen Seite ist der scheinbar gute Polizist. Chang filettiert zwar nur Leute, die es verdient haben, doch wirkt er teilweise wie eine Entität, die Judikative und Exekutive in sich vereint und über allem zu schweben scheint. Und mit Hilfe von Karaoke die Ereignisse zu verarbeiten versucht.

Nichtsdestotrotz schafft es der Film, gerade zum Finale hin eine hypnotische Spannung aufzubauen. Das liegt daran, dass die zweite Hälfte der Handlung einen enormen Druck aufbaut, dessen Entladung man herbeisehnt. Als man schließlich denkt, die Konfrontation zwischen Julian und Chang wäre dann der Höhepunkt, der zur Auflösung führt, wird man überrascht. Dabei ist der Kampf der beiden wirklich schön und realistisch in Szene gesetzt. Die letzte Sequenz lässt einen wenig später reichlich ratlos zurück und zwingt zur Deutung und Interpretation.

Für mich ist Only God Forgives ein Auseinandersetzen mit der Schuldfrage. Ist ein Mitläufer genauso zur Verantwortung zu ziehen wie der Täter? Crystal ist die böse Energie, die ihren Sohn zum Sünden zwingt. Julian macht, nicht zuletzt auch wegen dem Schicksal seines Bruders, daraufhin eine Wandlung durch. Er erkennt, dass nur er selbst für seine eigenen Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Damit schafft er es im Grunde auch, erwachsen zu werden und eigenständige Entschlüsse zu fassen. Chang ist die Konsequenz, oder das Karma, dass jeden einholt und seiner gerechten Strafe unterzieht. Dabei kann seine Figur auch bodenständiger als bloßer Polizist gedeutet werden, der das Vertrauen in die Justiz verloren hat und deswegen das Heft selbst in die Hand nimmt.

Die Botschaft serviert Refn allerdings nicht auf einem Silbertablett. Man muss dem Film aufmerksam folgen und die Atmosphäre aufnehmen. Denn mit vielen langen Shots und Szenen, die dieses hypnotische Grundrauschen erzeugen, kann man zum schnellen Griff zum Handy gebracht werden. Und dann verliert Only God Forgives. Obwohl es viel Blut gibt, wird nicht jeder Actionfan hiermit glücklich. Auch weil die Geschichte schon etwas verkopft und abgehackt erzählt wird. Thematik und Darstellung haben mich an manchen Stellen an Sympathy for Mr. Vengeance oder Oldboy von Chan-wook Park erinnert. Die sind dann aber eine ganze Ecke zugänglicher. Trotzdem, Only God Forgives ist ein guter Film. Zumindest, wenn man sich die Zeit für ihn nimmt und die Atmosphäre einen packt. Dann ist das hier ein unerwartet eindringliches Erlebnis, das über den hirnlosen Konsum hinausgeht.

 

Regie: Nicolas Winding Refn (Walhalla Rising, Pusher I/II/III, Drive)

Schauspieler: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm

Bewertung: 

 

Assault on Wall Street (2013)

Anschnallen. Festhalten. Denn hier kommt der erste gute Film von Uwe Boll. Ja, ich weiß, das hört sich wie ein dummer Scherz an. Ist aber keiner. Nein, wirklich. Nein, es ist keine Videospielverfilmung. Nein, es ist auch kein Meisterwerk. Aber der Film ist trotzdem gut. Und sogar ein paar gute Schauspieler sind dabei. Wer zum Beispiel? Na, wie wärs mit Dominic Purcell! Der Bruder von dem Typen aus Prison Break. Naja, so gut ist er jetzt auch wieder nicht. Aber John Heard spielt mit! Der Vater von Kevin allein zu Haus! Und der Vater von Kevin allein in New York! In Sharknado spielt er auch mit! Zugegeben, so richtig der Kracher ist er auch nicht. Aber wie wärs mit Keith David? Dem Priester-Typen aus Riddick I und II? Sogar Eric Roberts spielt mit! Eric Roberts! Der Böse aus Expendables. Und in The Dark Knight war er dabei. Außerdem ist er der Bruder von Julia Roberts, und das muss doch auch etwas zählen. Nicht? Okay. Das Beste kommt zum Schluss, denn Edward Furlong ist auch dabei! Edward Furlong, Baby! Wer das ist? Das ist der großartige Furlong! Der Junge in Terminator II und in American History X. Zugegeben, viel hat er danach nicht mehr gerissen, aber er hat mal die Luft von Arni und Edward Norton geatmet. Ist doch auch ganz nett.assault on wall street

In Assault on Wall Street sehen wir, wie der in einer Security-Firma hart schuftende Jim Baxford (Dominic Purcell) zunehmend an seine finanziellen Grenzen stößt. Einerseits liegt das an der Erkrankung seiner Frau Rosie (Erin Karpluk), die teure Therapien erfordert. Andererseits macht die Finanzkrise dem jungen Ehepaar zu schaffen. So verfolgen wir mit, wie falsche Investitionen, gierige Bankmitarbeiter, Broker und das marode Finanzsystem die einfachen Leute in ihren Ruin treiben. Der Film nimmt sich stolze 50 Minuten, um die Situation immer weiter zuzuspitzen, um letztendlich die Entladung in Gewalt im letzten Drittel zu rechtfertigen.

So ist Assault on Wall Street die meiste Zeit kein Actionfilm, sondern vielmehr ein Drama über ein paar einfache Leute in Zeiten der Bankenkrise. Und wer hätte das gedacht, aber so funktioniert der Film ziemlich gut. Mit ruhigen Bildern, wenigen Schnitten und zunehmender Verzweiflung wächst einem das Schicksal der beiden ans Herz. Auch wenn Dominic Purcell nicht der weltbeste Schauspieler ist, er macht seine Rolle als einfacher Arbeiter und Opfer des Systems anständig. Genauso auch seine Freunde im Film, die von Edward Furlong und Keith David verkörpert werden und deren finanzielle Situationen zumindest ähnlich angespannt sind. So erinnert die Grundthematik durchaus auch an Breaking Bad, ohne dabei jedoch auch nur im Entferntesten eine größere Tiefe zu erreichen.

Trotzdem schafft es Boll, dass einem die Figuren nicht egal sind. Und das ist ein Quantensprung im Vergleich zu vorigen Werken. Hätte der aus NRW stammende Regisseur es bei diesem Ton bei einem Drama gelassen, wäre ihm womöglich tatsächlich ein durchweg sehenswerter Film gelungen. Doch leider entlädt sich die angestaute Trauer in tumbe Gewalt und in einem Finale, das so nicht nötig gewesen wäre. Denn wie auf dem Cover beworben, begibt sich unser Held auf einen blutigen Kreuzzug gegen allerhand Personen aus dem Finanzsektor, der ihn um sein beschauliches Leben betrogen hat. Hier verliert Assault on Wall Street, denn die Logik hinter den Aktionen ist nicht ersichtlich und die letzte Szene leider nicht sehr smart. Vor allem, weil der Film sich in seiner kindlichen ‚Töte-die-bösen-Manager‘-Logik nie der Sinnlosigkeit seiner Gräueltaten bewusst zu werden scheint. Und die Gewalt, die gegen teils gesichtslose Passanten gerichtet ist, verschafft auch keine Befriedigung. Denn obwohl im Verlauf immer wieder böse Buben aufgezeigt werden, empfindet man keine Erleichterung oder Genugtuung aufgrund ihres Ablebens.

Das ist schade. Die Botschaft bleibt dann am Ende plakativ und plump und lässt sich auf ‚Tod den bösen Finanz-Typen!‘ herunterbrechen, wo zu Beginn doch eher persönliche Schicksale beleuchtet wurden. Manchmal ist weniger einfach mehr. Die Action am Schluss ist jetzt auch nicht so sehenswert, gerade weil sie so albern und zufällig wirkt. Trotzdem: Assault on Wall Street ist per se kein schlechter Film. Freilich, er ist auch kein unbedingt durch die Bank weg guter, wo so viel Potential liegen gelassen wird. Doch wer gerade sonst einen persistenten Hass auf Uwe Boll hegt, darf sich hiermit gerne eines besseren belehren lassen. An Falling Down mit Michael Douglas kommt Boll natürlich nicht heran, doch ist das hier bis dato sein Opus Magnum.

 

Regie: Uwe Boll

Schauspieler: Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Keith David

Bewertung: 

 

http://www.youtube.com/watch?v=gNnEgU7tVL4

 

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (1999)

Vielleicht war es der Alkohol. Oder ein tiefer innerer Haß. Aber hey, warum nicht einfach mal Star Wars: Episode I angucken? Was soll schon Schlimmes passieren? Schließlich habe ich die Original-Trilogie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Vielleicht ist das ja ein guter Film, wenn man nicht Fanboy der alten Streifen ist? Womöglich ist es gar nicht so schlimm, wie alle behaupten. Was, wenn sich alle irren? Was, wenn George Lucas sich mehr gedacht hat, als alle denken? Und was wäre, wenn ich der Menschheit die Augen öffne und sie in ein zufriedenes Zeitalter führe, in dem es nicht nur 3, sondern gleich 6 gute Star Wars-Filme gibt?

Nun, es könnte auch sein, dass Tripper ein unterhaltsamer Spaß für jedermann ist. Oder dass Michael Bay mal einen tiefgründigen und ruhigen Independant-Film über das Leben und Schaffen von Tim Wiese macht. Es ist die kindliche Naivität, die mir auf brutale Art und Weise dank Star Wars: Episode I ausgetrieben wird. Das Vertrauen in Hollywood und seine Filmschaffenden, die sich schon seit Jahren mehr gedacht haben und eine erzählenswerte Geschichte mitteilen wollen, die das Universum bereichert. Ich habe damals 1999 diesen Film im Kino gesehen. War ich enttäuscht? Nein, denn ich war noch jung und irgendwie waren Laserschwerter cool. Ohnehin habe ich nicht alles verstanden, was dort gezeigt wurde. Allzu großen Haß auf das hier hatte ich somit nicht. Doch jetzt, 14 Jahre später und mit ein bisschen mehr Filmerfahrung, ist Star Wars I leider ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis. Doch worum geht es hier eigentlich?Star Wars Episode I

Die beiden Jedis Quaigon-Jin (Liam Neeson) und Obi Wan Kenobi (Ewan McGregor) werden als Vermittler eingesetzt, weil die Handelsföderation eine Blockade um den Planeten Naboo errichtet hat. Um Protest gegen erhöhte Handelszölle zu leisten. Und weil irgendein böser Typ mit Kapuze die beiden Föderations-Obernasen lenkt. So gelangen unsere beiden Jedis auf das Hauptschiff der Föderation, wo sie jedoch umgebracht werden sollen. Doch sie überleben und gelangen auf Naboo, wo gerade die Eroberung des armeelosen Planeten vorbereitet wird. Gott sei Dank treffen sie im Wald beim Kacken auf den Autisten Jar Jar Binks, der sie zu seinem Volk der Frosch-Dyslexiker bringt, von wo sie aus Königin Amidala (Natalie Portman) aus der Hauptstadt befreien, um daraufhin die äußerst effektive Blockade mit einem Schiffchen zu durchbrechen. Notlandung auf Tatooine. Treffen mit Anakin (Jake Lloyd), der ohne Vater gezeugt wurde (zwinker, zwinker). Anakin und Mutter sind Sklaven. 30 Minuten Pod-Racer-Szene. Auf nach Coruscant samt Anakin (scheiß auf seine Mom), nachdem kurz Darth Maul auftritt. Auf Croissant 10-minütiges Parlaments-Geschwafel. Zurück nach Naboo. Krieg zwischen Frosch-Autisten und Robotern, während Anakin die Hauptzentrale ausschaltet, weil er aus Versehen ein Kampfschiff gestartet hat, während Obi und Gin gegen Darth Maul kämpfen und Amidala die Ober-Händler cool verarscht. Oskar Schindler stirbt, Darth Maul stirbt, aber die Guten haben gewonnen, die Zölle werden noch weiter erhöht und keiner gibt einen Scheißdreck auf Anakins Mudder. Puuuuhhhhh.

Die Story ist scheiße. Sie ergibt kaum Sinn und ist tatsächlich komplex, doch trotzdem dümmlich. Was für eine Leistung. Kein einziger Charakter funktioniert. Weder die guten Jedis, noch die Königin oder der kleine Junge, der irgendwo zwischen nervig und überheblich schwebt. Der Laserkampf am Ende ist gut, aber es sterben zwei Leute, die einem am Arsch vorbeigehen. Die Podrace-Szene ist viel zu lang. Der finale Plan ist total behämmert. Am Ende laufen vier parallele Handlungsstränge ab, die nur funktionieren, weil der kleine Junge zufällig das große Raumschiff der Föderation sprengt. Die Roboter machen keinen Sinn, weil die Jedis sie mit einem Blick wegschnipsen. Die Mutter von Anakin juckt keinen. Und so weiter. Es macht alles keinen Sinn. Sei es die endlose Szene im Parlament, die die Handlung nicht voranbringt oder das angebliche Sterben der Leute auf Naboo nach zwei Tagen ohne Handelsimporte. Der weise Jedirat ist reichlich lahm und tatsächlich wenig weise. Und so weiter. Der Anfang, in dem die Jedis ohne große Gefahr auf einmal umgebracht werden sollen, entbehrt jeglicher Logik. Und in all dem Gewühl gibt es noch den kleinen Jar Jar Binks:

Ihr besser nicht auf michse zählen. Lieber tot hier als noch toter im Kern. Du Güte gut! Was ich da reden?

Der Film funktinoniert nicht nicht, weil die Erwartugnshaltung so groß war. Er ist einfach nur eine komplett unlogische Sache und ein völliges Durcheinander. Ich bin kein großer Star Wars-Fan, aber man kann dem Film einfach nicht sehr viel abgewinnen. Ja, Raumschiffe sind cool. Und Laserschwerter. Ich schau mir auch eigentlich ganz gerne fremde Welten an und Schlachtren. Aber das ist nicht alles, was einen bei der Stange halten kann. Vor allem, wenn man an jeder Stelle mit dieser uninspirierten Geschichte konfrontiert wird. Mir ist das einfach zu dämlich. Dafür gibt es dank RedLetterMedia und Mr. Plinkett die vermutlich lustigste und beste Video-Review zu Star Wars aller Zeiten, hier zu finden. Lustigerweise hat mir Teil II noch ein ganzes Stück schlechter gefallen. Das kann ich diesem Streifen noch abgewinnen.

 

Regie: George Lucas (Star Wars IV, American Graffiti, THX 1138, Star Wars II + III)

Schauspieler: Liam Neeson, Ewan McGreger, Natalie Portman, Jake Lloyd

Bewertung: 

Dead Man Down (2013)

Dead Man Down ist eine der größten Enttäuschungen auf filmischer Ebene der letzten Zeit für mich. Nicht etwa, weil das zweistündige Krimi-Drama schlecht wäre, sondern weil es gerade zum Schluss hin all sein Potential verschenkt und zum konventionellen und flachen Geballer abstumpft. Dabei ist der Film ziemlich gut besetzt und fängt sehr spannend an.

Vicor (Colin Farrell) arbeitet für den Gangster-Boss Alphonse (Terrence Howard). Dieser wird in letzter Zeit von irgendeinem Unbekannten brieflich bedroht und geradezu in den Wahnsinn getrieben, ohne genau zu wissen, warum. Gegenüber von Victor lebt die ehemalige Kosmetikerin Beatrice (Noomi Rapace), die seit einem Autounfall physische wie auch psychische Narben hat und nicht verarbeiten kann. Aus einem zufälligen Blickkontakt kommt es zu einem Date zwischen den Nachbarn. Doch schnell wird klar, dass es hier nicht um eine Romanze geht.Dead Man Down

Besonders der Beginn lässt schnell auf einen Psychothriler hoffen. Einerseits ist Victor nicht durchschaubar, andererseits ist Beatrice alles andere als eine normale Frau. Zudem wirkt die ganze Geschichte rund um den bedrohten Alphonse als ein vertracktes Spiel. So wechselt der Film zwischen Victor und Beatrice und spinnt eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre, die sich irgendwann entladen muss. Außerdem ist noch Darcy (Dominic Cooper) als Kollege von Colin Farrell dabei, der als liebender Familienvater eigentlich nur die seinen ernähren möchte.

Nach kurzer Zeit bekommt Dead Man Down jedoch allmählich Risse. Das liegt vor allem an Beatrice, der man leider ein großes Maß an Oberflächlichkeit und Überreaktion vorwerfen muss. Ja, ihr fehlt ein Teil ihres einen Ohres und sie hat ein paar Narben im Gesicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Noomi Rapace sieht auch so noch wunderbar aus. Und der Vogel wird abgeschossen mit einer Gruppe Jugendlicher, die die arme Frau mit Steinen bewerfen und sie als Hexe beschimpfen. Hier wird mit dem Dampfhammer nochmal die Moral eingeprügelt, was leider völlig unnötig und wenig subtil ist. Ähnlich verhält es sich mit Victor, dessen Vergangenheit langsam aufgeschlüsselt wird und dessen Plan leider irgendwie gar keinen Sinn ergibt.

Aber gut. Mit den Unzulänglichkeiten hätte man sich noch arrangieren können. Doch dann kommt es zum finalen Showdown, der sämtliche tiefgründigen Ansätze vergessen macht und nur noch auf Action und seichte Unterhaltung setzt. Rache ist im westlichen Kino leider viel zu oft die ultimative Lösung für jedes Problem und die Bösen müssen umgebracht werden. Gerade wenn man nach Korea blickt und sich die Revenge-Trilogie von Chan-wook Park anschaut. Der schafft es, das Thema Rache mit verschiedenen Facetten und niemals oberflächlich zu beleuchten.

Dead Man Down ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Nicht genug Psychospiel, nicht genug Action, nicht genug Drama. Alle Ansätze werden verwässert und eine klare Linie findet Regisseur Niels Arden Oplev nicht. Dabei ist der Anfang so undurchschaubar und spannend. Dafür gibts dann zum Schluss weder Twist noch Wendung oder Punchline. Ganz im Gegensatz zu Park. Der traut sich, dem Zuschauer mit Anlauf nochmal in die Magengrube zu hauen und einen zum Nachdenken anzuregen. Ob Oldboy oder Sympathy for Mister bzw. Lady Vengeance.

Ansonsten kann man sich Dead Man Down antun. An einem verregneten Sonntag-Nachmittag wird man meistens angenehm unterhalten, ohne diesen Film sehr viel länger im Gedächtnis zu behalten. Ist ja auch irgendwie in Ordnung.

 

Regie: Niels Arden Oplev (Verblendung, Der Traum, Worlds Apart)

Schauspieler: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper

Bewertung: 

 

Elysium (2013)

Als Neill Blomkamp 2009 mit District 9 einen mit 30 Millionen Dollar Budget nicht nur billigen, sondern auch verdammt guten Sci-Fi-Streifen ablieferte, überschlugen sich die Kritiken samt Kritikern. Vier Oscar-Nominierungen und über 200 Millionen an den Kinokassen sind auch nicht gerade schlecht für ein Debüt-Filmchen. Mit Elysium darf der Südafrikaner nun mit 4 mal so viel Geld und mehr Star-Power beweisen, ob die gesteckten Erwartungen auch berechtigt sind.

In naher Zukunft lebt die Menschheit in Armut auf der Erde. Die Reichen fliehen vor dem überbevölkerten Planeten auf die Raumstation Elysium, wo sie dank modernster Technologie in ihrem Luxus schwelgen und frei von Krankheiten leben. Max (Matt Damon) träumt seit seiner Kindheit von dem ständig sichtbaren Paradies am Himmel, muss sich jedoch mit einem ärmlichen Leben als ehemaliger Kleinkrimineller und Arbeiter in einer Roboterfabrik abgeben. Als er eines Tages verstrahlt wird und nur noch 5 Tage zu leben hat, setzt Max alles daran, um nach Elysium zu gelangen, um seinem nahenden Ende zu entrinnen. Allerdings hat die Quasi-Herrscherin Delacourt (Jodie Foster) etwas dagegen, denn wer will schon den Pöbel an den Annehmlichkeiten der Reichen teilhaben lassen? Außerdem hetzt sie den Söldner Kruger (Sharlto Copley) auf unseren kahlköpfigen Helden, der neben seinem Katana auch noch ein paar andere technische Spielereien mitbringt.Elysium

Eines ist klar: Wer District 9 kennt und mochte, fühlt sich auch bei Elysium heimisch. Die Optik und das Design erinnern an das Erstlingswerk von Blomkamp, wobei er hier nun mit mehr Action und Ballerei punkten kann. Besonders die erste größere Schießerei ist dank diverser Zeitlupen und manch geiler Kameraperspektive sehr schön anzuschauen. Die Raumstation ist ebenfalls wie aus einem Guss. Wenn Jodie Foster durch Elysium schreitet und mit ihrer geradezu androgynen Gestalt aus einer weißen Tasse Kaffee trinkt, dann ist das alles sehr stylisch.

Doch so schön die meisten Kulissen auch aussehen, sämtliche Charaktere bleiben die meiste Zeit über ziemlich oberflächlich. Insbesondere Max besitzt leider kaum herausstechende Eigenschaften. Eine große Klappe reicht nicht aus, um eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen. Er wird einem zwar als so eine Art netter Kerl verkauft, der öfter mal im Leben die falsche Entscheidung getroffen hat, doch wahre Emotionen zeigt er selten. Und das, obwohl er eine Wandlung durchmacht und gerade zum Ende hin nicht mehr nur aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus handelt. Hier kann man sich streiten, ob er als Vertreter der Unterschicht absichtlich so ist wie er ist. Also einfach nur der 08/15-Arbeiter, der keine Ziele außer dem Fortsetzen des eigenen unwichtigen Lebens verfolgt. Nichtsdestotrotz vermisse ich hier die menschliche Note, die hier leider ziemlich plakativ in Form eines Mädchens mit Leukämie aufgedrückt wird. Eine Spur weit merkwürdiger sind die Antagonisten, die so dermaßen eintönig böse sind, dass der Film aus seinen sozialkritischen Ansätzen zu Beginn nicht mehr viel herauszuholen vermag. Sharlto Copley beispielsweise ist tatsächlich einfach nur noch ein Psychopath und irgendwie viel zu abgedreht. Jodie Foster und William Fichtner als Vertreter der Oberschicht werden auch sehr einseitig als schlecht hingestellt. Darunter leidet dann auch die Story.

So ist Elysium, gerade was die meisten Protagonisten angeht, reichlich oberflächlich. Die Handlung, die mit Max‘ anfänglicher Erkrankung und dem daraus resultierenden Ziel noch angenehm simpel bleibt, verliert gerade zum Finale hin etwas den roten Faden. Das liegt in erster Linie daran, dass man nicht mehr so genau weiß, was das essenzielle Ziel sein soll. Hier hätte eine simplere Struktur das eine oder andere Logikloch vermeiden können. Zumal die Auflösung zum Schluss alles andere als wirklich zufriedenstellend ist. Hier bleibt es einem selbst überlassen, wie sehr man sich die Geschichte dekonstruieren möchte. Es gibt aber die eine oder andere Szene, die sich nicht ganz so organisch in die Story einfügt. Wenn beispielsweise das besagte kranke Mädchen sowohl bei Max als auch beim Zuschauer auf die Tränendrüse drücken soll, dann fühlt man sich irgendwie befremdlich.

Es ist gerade im Sci-Fi-Genre oft ziemlich einfach, einen Film aufgrund seines Realitätsgrades zu kritisieren. Allerdings schafft Elysium eine Welt, die funktioniert und die sich gut anfühlt. Großen Respekt dafür und auch für den passenden Gewaltgrad, der nicht extra auf 12-jähriges Publikum zugeschnitten wurde. Nur die Figuren in dieser Welt bleiben die gesamten 109 Minuten Laufzeit lang Pappaufsteller. Und das ist und bleibt leider ein Kritikpunkt, der sich nie wirklich abschütteln lässt. So hat Blomkamps zweiter Film zwar ein cooleres Setting als ‚Oblivion‚ oder ‚After Earth‚, doch wie im kürzlich erschienen ‚Total Recall‚-Remake bleiben einem die Protagonisten egal. Einen ähnlichen Ansatz fährt der unterschätzte ‚Dredd‚, der nochmal ein ganzes Stück brutaler, aber auch gleichzeitig konsequenter in seinem Stil ist. ‚Moon‚ von Duncan Jones kommt ganz ohne Gewalt aus und lebt zeitgleich komplett von dem von Sam Rockwell verkörpertern Charakter.

Ehrlich gesagt verschafft mir Elysium keine negativen Emotionen. Klar, man hätte mehr aus dem Setting herausholen können. Doch zeitgleich sind die Erwartungen dank District 9 auch nicht gerade gering gewesen. Um die Zukunft von von Neill Blomkamp mache ich mir zumindest keine Sorgen, denn Sci-Fi kann er. Und so ein Sci-Fi-Action-Streifen ohne viel Tiefgang kann ja auch mal ganz unterhaltsam sein.

 

Regie: Neill Blomkamp (District 9)

Schauspieler: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga, William Fichtner

Bewertung: 

Pacific Rim (2013)

Wenn riesige maschinenartige Ungetüme Städte in Schutt und Asche legen, dann ging oft die erste Assoziation Richtung Transformers. Beachte: „ging“. Denn das dürfte sich mit Pacific Rim hoffentlich bald ändern, weil Guillermo del Toros Film zeigt, dass man eine ähnliche Prämisse in einen funktionierenden Streifen verwandeln kann. Ohne die grenzdebilen Dialoge, das massive Product-Placement oder den nervtötenden amerikanisch-patriotischen Pathos, der Michael Bays Spielzeugfilme stets begleitet.Pacific Rim

Die Handlung ist simpel. Und hört sich zugegebenermaßen recht albern an. Ach verdammt, sie ist auch albern. In naher Zukunft überfallen gigantische Ungeheuer, die Kaiju, aus einer Paralleldimension heraus die Erde. Das Tor, durch das diese schreiten, befindet sich irgendwo im Pazifik. Nur die von Menschen gebauten Jaeger, gigantische Kampfroboter, sind in der Lage, den Monstern Einhalt zu gebieten. Im Mittelpunkt steht der Pilot Raleigh Becket (Charlie Hunnam), der seinen Bruder an einen Kaiju  verloren hat und der nun von Stacker Pentecost (Idris Elba) erneut rekrutiert wird, um einen letzten verzweifelten Versuch zu unternehmen, um die Menschheit vor der drohenden Vernichtung zu bewahren. Ihm zur Seite steht Mako Mori (Rinko Kikuchi), denn die großen Kampfmaschinen lassen sich nur zu zweit kontrollieren.

Wir sind also rein geschichtlich nicht am Anfang der Invasion, sondern befinden uns mehr oder weniger am Ende. Denn der Riss spuckt immer häufiger Kaiju aus und die Menschen rund um den Pazifik sind wohl dem Untergang geweiht. So ist Pacific Rim die meiste Zeit relativ düster. Das funktioniert auch ganz gut. Es stellt sich für den Zuschauer jedoch die Frage, ob er mit diesem Sci-Fi-Monster-Setting leben kann. Guillermo del Toro erschafft eine eigenständige und detailierte Welt, die für manchen Realisten arg konstruiert wirken wird. Natürlich ist es nicht sinnvoll, gigantische Roboter zu bauen. Natürlich sind Paralleldimensionen mit großen Seeungeheuern nicht realistisch und ganz klar, der eine oder andere Charakter ist stark überzeichnet. Aber wenn man den Film gewähren lässt und sich auf das Szenario einlässt bzw. einlassen kann, dann erlebt man eine recht coole und stellenweise tatsächlich durchdachte Welt. Vor allem für Leute wie mich, die früher jeden Samstag um 5:00 die Power Rangers im Morgenprogramm geschaut haben, entfaltet Pacific Rim so eine Art Retro-Charme.

Was den Film so viel besser macht als die Transformers, ist der Fakt, dass selbst die gigantischste Action-Sequenz angenehm geschnitten ist. Während bei Michael Bay Schnitt auf Schnitt folgt und man in der Hektik jegliche Übersicht verliert, weiß man in Pacific Rim immer, was gerade passiert. Dabei ist die Handlung simpel und wirkt nich so hingeklatscht wie bei den Transformern, wo man optisch und inhaltlich meist gar nicht mehr weiß, was da los ist. Auch die Kämpfe sind durch die Wesen und die Roboter geradezu menschlich und haben eine sehr natürliche Dynamik. Wenn gerade eine der Maschinen einen riesigen Öltanker als Baseballschläger benutzt, dann ist das auf der Coolness-Skala schon zeimlich weit oben. Und dazu dann noch der motivierende Soundtrack von Ramin Djawadi (seines Zeichens auch für den Soundtrack von Game of Thrones verantwortlich), der sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film zieht. Wenn das Lied ertönt, dann weiß man, gleich brennt die Hütte. Die Wiedersacher erinnern rein von der Optik her stark an die Wesen aus den Hellboy-Filmen, bei denen Guillermo del Toro auch auf dem Regiestuhl saß.

Aber! So einiges funktioniert auch nicht. Die meisten Charaktere sind ziemlich oberflächlich und teilweise unsympathisch. Auch wenn ich Idris Elba liebe, seine Rolle schwingt irgendwo zwischen aufgesetzter Wichtigkeit und nervtötender Dominanz. Hauptprotagonist Raleigh ist so gut wie charakterlos, seine Kollegen ebenso. Die Dialoge der Protagonisten sind dahingehend auch alles andere als wirklich sinnvoll. Dazu kommt, dass mit Charlie Day, Burn Gorman und Ron Perlman gleich drei Charaktere in einer Art Nebenhandlung für einen Comic Relief sorgen sollen und dabei öfter mal so gar nicht in die düstere Stimmung hineinpassen. Vermutlich wäre es auch zu ermüdend, zwei Stunden lang nur Monster-Roboter-Kämpfe zu sehen. Aber ich verzeihe dem Film, weil es eben nicht wie in Transformers 2 eine Riesen-Maschine mit Klöten gibt. Oder ständiges Einblenden von Automarken oder Handyherstellern. Oder eine Art Werbeblock für die amerikansiche Armee, wie in Transformers 3. Oder eine Megan Fox, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, ihren Arsch in die Kamera zu recken.

Und hier liegt vermutlich auch irgendwo der Hund begraben. Die Menschen sind die großen Roboterschlachten mittlerweile leid. Vor allem dank Michael Bay. Nur so lässt sich für mich erklären, warum das Transformers-Franchise so massiv mehr eingenommen hat als Pacific Rim, welches gerade mal seine Produktionskosten wieder drin hat. Hier tut es mir wirklich leid, denn Guillermo del Toros Film ist natürlich kein erzählerisches Meisterwerk, aber es macht das, was es machen soll. Und um so viel besser als die Konkurrenz.

Wer als Kind mit den Power Rangern, den Transformern, Godzilla und co. oder dem Saber Rider aufgewachsen ist, wird auch mit Pacific Rim sicher viel Freude haben. So wie ich. Aber auch als Sci-Fi-Actioner taugt das ganze hier. Wenn man sich jedoch an allerhand Logiklücken aufhängt à la „Warum hat ein Riesenroboter drei Arme?“, dann dürfte Pacific Rim nicht gerade das Gelbe vom Ei sein. Aber hey, viel wichtiger ist dann allerdings die Frage, warum man ohne Power Rangers aufgewachsen ist.

 

Regie: Guillermo del Toro (Hellboy I + II, Pans Labyrinth)

Schauspieler: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Ron Perlman, Diego Klattenhoff

Bewertung: 

Payback (1999)

Brian Helgeland, Regisseur von Payback, hat 1998 an einem Wochenende einen Oscar und eine Goldene Himbeere erhalten. Beide jeweils für seine Drehbücher. Der Oscar war für L.A. Confidential (Hell yeah!), die Himbeere für den furchtbaren Postman-Film (Hell no!). Außerdem hat der Mann Mystic River geschrieben und auch noch Regie bei Ritter aus Leidenschaft geführt. Andererseits ist Herr Helgeland auch für die Drehbücher für Ridley Scotts Robin Hood-Verwurstung und das Pelham 1 2 3-Remake verantwortlich. Was lernen wir daraus? Wo Licht ist, ist auch Schatten. Aber auf welcher Seite der Macht steht nun Payback?Payback

Porter (Mel Gibson) wurde bei einem geglückten Raub von seinem Partner Val Resnick (Gregg Henry) aufs Kreuz gelegt und um 70000 $ geprellt. Er wacht dementsprechend mit ein paar Kugeln im Körper auf. Das schreit nach Rache. So begibt sich Porter auf die Suche nach seinem ehemaligen Kollegen, der inzwischen Mitglied der Mafia ist. Mit dabei sind asiatische Gangster samt Lucy Liu als Domina, korrupte Polizisten und Kris Kristofferson als Gangsterboss.

Tja, und das ist im Grunde die Handlung. Porter arbeitet sich die Nahrungskette der Mafia allmählich herauf und schreckt vor nichts zurück. Das zeichnet den Film auch aus: Mel Gibson ist die coolse und skrupelloseste Sau auf dem Planeten. Schon alleine die Anfangssequenz, in der er völlig abgebrannt einem wahllosen Mann die Brieftasche klaut und sich mit den Kreditkarten in einem Zusammenschnitt wieder eine Existenz aufbaut, macht klar, mit wem man es hier zu tun hat. Dabei wird deutlich, dass Mel alles andere als ein guter Mensch ist. So gibt es viele Interaktionen mit meist zwielichtigen Gestalten, die nicht fassen können, dass ein Kerl so viel Wind um so wenig Geld macht. Dabei geht es ihm auch ums Prinzip. Humor entsteht durch die kauzige und lässige Art von Porter und die teils skurrilen Konfrontationen mit allerhand Gestalten. So spinnt sich ein Geflecht von Protagonisten auf, die im Grunde alle nur irgendwas von ihm wollen.

Zugegeben, das Ende ist ein wenig gekünstelt und bei aller Liebe nicht so schlau wie der Film einem vermitteln will. Eine Schießerei mit einer asiatischen Gangsterbande ist auch ein wenig over the top. Aber es ist in Ordnung. Und die Story an sich wirkt teilweise, als ob sie auch von einem Guy Ritchie stammen könnte. Nur mit etwas weniger Hektik und mehr ruhigen Momenten. Für mich ist Mel Gibson auch einfach ein harter Typ, alle seine persönlichen Probleme mal beiseite geschoben, der gerne mal entgegen der persönlichen Sehgewohnheiten handelt. Der Rest des Casts geht klar und Payback hat mit seinen 100 Minuten Laufzeit auch keine Längen drin.

Klar, irgendeine tiefere Botschaft oder eine Moral wird nicht transportiert. Der Film gibt sich auch keine Mühe, mehr zu sein, als er ist. Und Porter ist ein Antiheld. Trotzdem funktioniert die Geschichte gut und unterhält durchgängig. Kiss Kiss Bang Bang zum Beispiel ist viel humoriger und auf seine eigene Art innovativer. Payback dafür ist härter und düsterer. Ein kleiner, aber auch guter Krimi mit Action. Warum auch nicht?

 

Regie: Brian Helgeland (Ritter aus Leidenschaft, Sin Eater)

Schauspieler: Mel Gibson, Gregg Henry, David Paymer, Bill Duke, Lucy Liu, Kris Kristofferson

Bewertung: 

World War Z (2013)

Es gab einmal Zeiten, da waren Zombies noch eine Randerscheinung im Filmgschäft. John Romero hat das Genre dabei in den 60ern und 70ern massiv geprägt, wobei die Thematik noch viele Jahre eher Nische blieb. Dann war es einige Zeit lang ein wenig stiller um die lebenden Toten, bis in den letzten paar Jahren mit The Walking Dead, den 28-Filmen und leider Gottes auch der Resident Evil-Reihe zunehmend mehr Zombies ihren Weg ins Kino oder Fernsehen fanden. Und dann ist da World War Z. Der unumstößliche Beweis, dass Zombies endlich angekommen sind. Im Mainstream.

Gerry Lane (Brad Pitt) hat früher für die UN in Krisengebieten gearbeitet. Doch nun kümmert er sich lieber um seine Familie. Eines schönen Morgens bricht die Zombie-Apokalypse über die Welt herein und die Lanes rennen um ihr Leben. Dank seiner vorzüglichen Kontakte kommt die Sippe auf einem Flugzeugträger unter und Gerry macht sich auf den Weg, die Ursprünge der Seuche ausfindig zu machen. Dabei reist der Globetrotter unter anderem nach Südkorea und Israel.World War Z

Dabei bleibt die Handlung stets linear und simpel, was dem Film sehr gut tut. Es wird eben nicht unnötig komplex. Daher wirkt World War Z mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit sehr straff. Für Längen bleibt keine Zeit. Auch die Schauplatzwechsel tragen dazu bei, dass sich keine Langeweile einstellt. Über den Realismusgehalt eines Zombie-Streifens kann man sich natürlich immer streiten, aber die Story ist alles in allem konsistent und alles funktioniert wie es soll. Es macht halt Sinn, warum Brad von A nach B muss und sich dadurch schrittweise der Rekonstruktion der Geschehnisse nähert. Lediglich ein gezeigter Flugzeugabsturz in der zweiten Hälfte ist irgendwie zu viel des Guten, stört aber nicht nachhaltig.

Die Geschichte ist also in Ordnung. Was jedoch eher Bauchschmerzen bereitet, sind die Charaktere. Brads Famillie zum Beispiel ist leider völlig belanglos und stellenweise störend. So ruft ihn seine Frau im natürlich denkbar schlechtesten Augenblick an und beschwert sich vor dessen Abreise noch, dass er nicht wieder seinen alten Job aufnehmen soll. Da steht die Menschheit vor ihrer Vernichtung, aber die Frau stellt ihre Befindlichkeiten über das Wohl der Spezies. Interessanterweise schafft es World War Z allerdings, die Szenen mit Brads Familie sehr gering zu halten. Stellenweise weiß man nicht mal, was mit ihnen los ist. Dadurch fällt dieser Kritikpunkt zum Ende hin nicht mehr sehr ins Gewicht.

Größter negativer Aspekt ist tatsächlich Brad Pitts Rolle, denn er ist einfach nur übermenschlich. Gerry Lane behält in jeder Situation seine Coolness und löst jedes Problem auf smarte Art und Weise. So wie MacGyver. Und als ob das noch nicht ausreicht, sieht er mit seiner blonden Mähne und seinen fürsorglichen Augen auch noch unverschämt gut aus. Relativ weit am Anfang hat er noch eine Auseinandersetzung mit einem Zombie, der ihm in den Mund hustet. Selbstlos stellt sich Brad auf den Rand des Häuserdachs, um sich im Falle einer Ansteckung vom Dach schmeißen und seine Familie vor sich selbst retten zu können. Solche wohlüberlegten Handlungen sind zu Beginn noch sehr nett, entmenschlichen den Charakter aber zusehends. Man sieht eben, wie selbst in den chaotischsten Situationen Brad die Übersicht und Ruhe behält. Angst kennt er nicht.

Und warum sollte er sich auch fürchten? Selbst in der schlimmsten Situation fällt ihm noch etwas ein. So verliert World War Z ein wenig an Spannung. Übrigens ist das eher kein Actionfilm. Ja, die aus dem Trailer bekannten Massenzombie-Szenen tauchen auf, sind aber sonst sehr rar gesät. Das ist nicht schlimm, doch die Werbung versprach etwas anderes. Dafür ist das Finale überraschend anders und zaubert einem schon so ein verschmitztes Lächseln aufs Gesicht. Kann man, oder eher darf man einem so tollen Mann wie Brad Pitt ein paar Unzulänglichkeiten nicht verzeihen?

Bleibt die Frage, für wen dieser Film eigentlich gemacht ist. Tja, vermutlich für alle außer Zombie-Film-Liebhaber. World War Z ist so poliert und frei von Kanten, dass tatsächlich der Großteil der Menschheit auf seine Kosten kommen könnte. Sogar Kinder, denn jedes Anzeichen von Gewalt oder Blut wird halbwegs geschickt kaschiert. Und wer Action mag, bekommt sie. Wer gerne einem schönen Mann zwei Stunden lang zuschauen möchte, kriegt auch das. Und hier ist das Problem: Der Streifen hat überhaupt keine Seele. Dem Gesehenen steht man die meiste Zeit emotionslos gegenüber. Vor allem, weil man sich auch offensichtlich nicht entscheiden konnte, eine Richtung einzuschlagen. Ein bisschen Horror, hier und da Aciton, vereinzelte Thriller- und Krimielemente. Die ganze Suppe made in Hollywood funktioniert tatsächlich auch. Aber bleibt auch irgendeine Szene in Erinnerung? Nein.

Warum auch? Der Film ist ganz klar und offensichtlich nicht die Visualisierung einer künstlerischen Idee. Keine Botschaft oder Message steckt hier drin, keine neue Geschichte wird erzählt. Es wurden allerhand populäre Elemente aus anderen Zombiefilmen genommen, um ein Produkt herzustellen. Und Geld zu verdienen. Das ist World War Z: ein Produkt, beworben von Brad Pitt. Man wird unterhalten und es gibt keine eklatanten Fehler im Film. Ein professionelles Produkt eben. Doch eben auch nicht mehr. Willkommen im Mainstream.

 

Regie: Marc Forster (Ein Quantum Trost, Schräger als Fiktion, Monster’s Ball)

Schauspieler: Brad Pitt, Moritz Bleibtreu!

Bewertung: 

Fast & Furious 6 (2013)

Ich weiß noch nicht, was mich mehr verblüfft. Der Fakt, dass es bereits sechs Teile dieser Reihe gibt oder die zunehmend positiveren Ratings von Zuschauern und Kritikern. Und habe ich schon erwähnt, dass dieser eine Film hier knapp 700 Millionen Dollar eingespielt hat bisher? Weltweit hat das Franchise weit über 2 Milliarden an den Kinokassen eingenommen. Der Erfolg liegt an mehreren Dingen, auf die ich später eingehen werde. Zuallererst möchte ich jedoch alles Negative aufzählen, dass dem Nicht-Fan der Reihe sofort ins Gesicht springt.Fast & Furious 6

Die Handlung ist total dämlich: Verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew soll andere verbrecherische Auto-Diebstahl-Crew aufhalten, denn die Polizei ist zu dämlich. Letty (Michelle Rodriguez) ist doch nicht tot. Irgendein Scheiß soll gestohlen werden und unsere Helden sollen das verhindern. Dabei ist jeder einzelne Charakter dämlich. Vin Diesel hat nicht einen schlauen Satz zu sagen und bildet trotzdem den Kopf der Bande. Ständig brabbelt er von familiären Werten, doch eine emotionale Auseinandersetzung gibt es ohnehin nicht. Und wirklich sympathisch ist er auch nicht. Der Rest der Bande ist genauso flach wie man es aus den Vorgängern kennt.

Die Krone der schauspielerischen Leistung zeigt Michelle Rodriguez, die ihre typsiche Rolle „spielt“. Mit finsterem Blick und einer Mimik, als ob sie permanent an Scheiße riechen müsste, bildet sie sogar mit den Dreh- und Angelpunkt der nicht vorhandenen Handlung. Geschenkt. Dwayne Johnson, Tyrese Gibson und Ludacris sind auch nicht viel besser. Der Bösewicht Shaw wird verkörpert von Luke Evans. Sein Plan, ein von der Nato beherbergtes IRGENDETWAS zu stehlen ist, naja, sagen wir mal nicht unbedingt nachvollziehbar. Aber hey.

Die Logik geht dem Film beim Finale völlig abhanden, wenn ein Flieger auf einer mindestens 50 Meilen langen Landebahn unterwegs sein muss. Ach ja, man kann übrigens mit Autos durch Flugzeuge krachen. Dabei habe ich noch gar nicht die vorherige minutenlange Sequenz mit einem Panzer auf einer Autobahnbrücke erwähnt, in der Vin Diesel einen Stunt vollführt, der, selbst wenn er funktionieren dürfte, seinen Körper doch mindestens in einen anderen Aggregatzustand befördern müsste. Der Übergang von der Panzer- zur Flugzeugszene wartet in Sachen Nachvollziehbarkeit mit neuen Genrestandards auf, wenn der böse Bube erst laufen gelassen wird, um ihn dann kurz darauf doch zu verfolgen und natürlich noch einer der guten Mitstreiter sich in einem furiosen Twist als Maulwurf entpuppt hat. Die Action ist so dermaßen übertrieben und unrealistisch, dass selbst Die Hard wie ein ruhiger Krimi wirkt. Nebenbei rotieren alle berühmten toten Physiker im Grab, denn die Gesetze der Natur werden nicht nur einmal gebrochen.

Fans der Reihe freuen sich aber über das ganze Zeug. Zumal der Film an alle vorherigen Teile anknüpft und Verbindungen aufspannt. Und deswegen feiern die Leute diesen Streifen so. Da wird die Szene aus Teil 3 nochmal gezeigt und ergänzt, genauso mit Teil 4. Das soll eine komplexe Welt vermitteln, ist jedoch eigentlich Augenwischerei, denn die Fast & Furious-Dimension ist weit davon entfernt, Tiefe zu besitzen. An allen Ecken und Enden werden Vin Diesels Prinzipien erwähnt und was für ein ehrbarer Mann er ist. Trotzdem scheint der Verlust eines Crew-Mitglieds am Ende niemanden wirklich zu kümmern. Ich könnte mich über die Unlogik stundenlang aufregen. Aber das wäre ohnehin vergeudete Zeit. Wer die Reihe mag, wird auch hier Spaß haben. Dass die Serie schon lange nichts mehr mit Autorennen zu tun hat und bald mehr Folgen als Police Academy vorzuweisen hat, ist genauso erstaunlich wie die Menge an Material und Autos, die bei der Produktion vernichtet wurden. Ständig fliegt was in die Luft und überall laufen muskulöse Männer und schöne Frauen rum. Eine polierte und oberflächliche Welt ohne viel Raum oder Zeit zum Nachdenken. Vielleicht ist es ganz gut so, dass Fast & Furious 6 einem keine Zeit zum Grübeln lässt. Denn sonst bröckelt die Fassade.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ihr mögt die Filme? Guckt euch Teil 6 an und habt Spaß damit, freut euch auf Teil 7 mit einem neuen coolen Schurken, der hier kurz am Ende vorgestellt wird. Ich werde kein Fan der Reihe mehr. Klar, hirnlose Action ohne Tiefe kann Spaß machen. Aber muss man daraus gleich 7 Filme machen?

 

Regie: Justin Lin (Fast & Furious III, IV, V)

Schauspieler: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Sung Kang, Ludacris, Luke Evans, Jordana Brewster, Gal Gadot

Bewertung: 

 

 

Man of Steel (2013)

Zwei Männer sitzen an der Bar hoch oben im Empire State Building. Da sagt der eine zum anderen: „Hey, wenn du hier vom Dach springst, dann weht dich der Wind genau in die Bar wieder hinein!“ Verwundert und ungläubig widerspricht ihm der andere, denn das sei einfach nur unmöglich. Zur Demonstration steigt der Mann, um seine Behauptung zu unterlegen, aufs Dach und springt. Und siehe da, der Wind weht ihn zum Fenster hinein und er steht ohne ein gekrümmtes Haar vor seinem erstaunten Kollegen. Begeistert rennt nun dieser aufs Dach, springt hinunter und am Fenster vorbei in seinen Tod. Daraufhin wendet sich der Barkeeper an den noch Lebenden: „Alter, Superman, du bist echt ein ganz schönes Arschloch wenn du getrunken hast.“

Man of Steel

Warum erzähle ich das? Weil selbst der Superman in diesem Geschichtchen mehr Charisma und Tiefe besitzt als der von Henry Cavill verkörperte Mann aus Stahl. Denn trotz Rückblenden, Mobbing und Identifikationsproblemen bleibt Clark Kent nicht sehr viel mehr als ein Pappaufsteller. Zugegeben, ein wirklich muskulöser und vor allem für Frauen nett anzuschauender. Trotzdem besitzt Superman keine prägnanten charakterlichen Eigenschaften. Selbst wenn im Verlauf vermutlich tausende von Menschen ihren Tod finden, bleibt er ungerührt. Hauptsache seine Freundin Lois Lane (Amy Adams) ist in Sicherheit. Diese Liebesbeziehung ist übrigens genauso aufgesetzt und oberflächlich. Da ist es dann nicht verwunderlich, dass Lois selbst nicht sehr sympathisch ist. Der Rest der Protagonisten bietet auch keine Berührungspunkte. Kevin Costner und Russell Crowe als Väter von Clark / Kal-El labern allerhand weises Zeug zusammen, dass durch ein wenig Nachdenken schnell arg dümmlich wirkt. Als Beispiel sei hier die Tatsache genannt, dass der junge Clark einen Schulbus samt mobbender Mitschüler rettet, um sich dann Jahre später dagegen zu entscheiden, seinen Vater vor dem sicheren Tod zu bewahren. Und warum? Weil die Menschheit „noch nicht reif für ein Alien ist“. Wirklich menschlich wirkt das aber nicht. Und das ist der Knackpunkt an Man of Steel: die Identifikation. Es gibt sie einfach nicht.

Ob man mit Superman als Figur an sich zurechtkommt, sei dahingestellt. Ja, er ist übermächtig und ziemlich stark. Aber das sind hier auch seine Gegner. Blöd ist nur, wenn in den gesamten 143 Minuten Laufzeit nicht ein gescheiter Dialog stattfindet. Clark wird als bärtiger Fischkutter-Arbeiter gezeigt, aber warum sollte ihn das menschlich machen? Er hat nichts zu sagen. Clark arbeitet in einem Redneck-Schuppen als Kellner und kann sich nicht wenigstens verbal gegen einen dämlichen Gast zur Wehr setzen. Ständig wird gezeigt, wie er einsteckt. Gerade wenn man an Iron Man, Batman, Thor oder sogar den grenzdebilen Hulk denkt. Sie alle sind Figuren, die auf irgendeine Weise menschlich sind. Sei es ein Tony Stark, der der coolste Playboy-Milliardär aller Zeiten ist  und einen entsprechenden Wortwitz hat oder Batman, der als gebrochener Waisenjunge die Stadt beschützt. Und eigentlich auch ein Playboy-Millionär ist. Selbst der Hulk hat einen im Avengers-Film stellenweise zum Lachen und Fürchten gebracht. Demgegenüber steht nun Superman, der außer seinem Aussehen keine Eindruck hinterlassende Eigenschaft vorzuweisen hat.

Dann ist da noch der Antagonist in Gestalt von General Zod, der von Michael Shannon verkörpert wird. Ich mag den Mann, besonders für Take Shelter. Aber ein Joker aus Dark Knight ist er hier eben nicht. Das sind die wenigsten und die Rolle bietet leider auch nicht so viel. Dafür sind seine Pläne reichlich merkwürdig. So versuchte Zod noch kurz vor Kryptons Vernichtung, die Kontrolle über den Planeten an sich zu reißen. Warum? Keine Ahnung, denn explodiert sind dann doch alle kurz darauf. Das rettete Zod und seiner Crew lustigerweise das Leben und lässt einen an der Intelligenz von Supermans Vorfahren und deren Rechtssystem erheblich zweifeln. Man kann sich aber auch zu leicht in der konstruierten Welt verstricken. Für Comicfans ist Man of Steel eine (vermutlich) akkurate Umsetzung der Vorlage, mir war das Verhalten einer so zivilisierten Spezies nicht ganz einleuchtend. Was an Zod und co. viel eher stört, liegt gar nicht mal unbedingt an den Rollen, sondern an der Altersfreigabe. Denn an jeder Ecke merkt man, wie ein wenig Blut nicht geschadet hätte. Aber dann hätte der Film keine Altersfreigabe ab 12 (bzw. PG-13 in den USA) bekommen und man hätte nicht den Minderjährigen das Geld aus der Tasche ziehen können. Die bösen Buben vernichten einfach mal die halbe Innenstadt samt Wolkenkratzern, aber es gibt einfach keine Leichen. Ganz davon zu schweigen, dass die Überlebenden ziemlich sportlich mit der Vernichtung ihrer Heimat umgehen. Die Schurken verprügeln Soldaten, aber nirgends sieht man Leichen oder auch nur einen Tropfen Blut. Ein Schlag ins Gesicht, schon fliegen diese aus dem Bild und gehen sich einen Kaffee holen. So vermisst man einfach mal die Wucht und die Emotionen, die aus Man of Steel einen reiferen und erwachseneren Film gemacht hätten. Das klingt jetzt vermutlich wie der Aufschrei eines gewalttätigen Psychopathen, der nach Blut und Morden verlangt. Aber das Problem, dass mir der Film bereitet, ist, dass die gezeigte Ladung an Kraft und Zerstörung kaum Einfluss auf den Normalsterblichen hat. Weil der einfach nicht vorkommt. Erinnert sei an die finale Szene aus Dark Knight, in der zwei Boote mit stinknormalen Insassen in die Luft fliegen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass Superman selbst für einen Teil der Zerstörung von Metropolis verantwortlich ist.

Die Legende von Aang (2010)

Die Legende von Aang

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer dreht Filme so spät bei Nacht und Wind?

Es ist M. Night Shyamalan mit seinem „Talent“;

Er hat die Kamera wohl in dem Arm,

Er fasst sie sicher, er macht sich warm.

 

Mein Gott, was birgst du so bang dein Gesicht?

Siehst du denn den Erzählfaden nicht?

Die Geschichte um den legendären Avatar!

Mein Gott, die Filmhandlung ist furchtbar.

 

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Deinen Lieblingscartoon zeige ich dir;

Denn das hier ist die Kinofilmadaption,

In der M. Night Shyamalan-Version.“

 

Mein Gott, verdammt, und hörest du nicht,

Wie jeder Kinderschauspieler spricht?

Weißt du denn nicht, mein armes Kind,

Dass Kinderschauspieler meistens scheiße sind?

 

„Willst, feiner Knabe, du coole Kämpfe sehen,

Die sich zudem um die vier Elemente drehen?

Und die eine Spannung und Dynamik besitzen,

Wie M. Night Shyamlan beim sitzenden Pissen.“

 

Meine Güte, verflucht, und siehst du nicht dort

Furchtbare Spezialeffekte an jedem Ort?

Meine Fresse, ich seh es genau:

Die CGI-Abteilung war wieder mal blau.

 

„Ich liebe dich, vor allem dein Geld macht mich sehr geil;

Und bist du nicht willig, dreh ich noch den zweiten Teil!“

Scheiße, o Scheiße, so tu doch bitte irgendwer irgendwas!

Denn fast jeder vergeht hier vor M. Night Shyamalan-Hass!

 

Dem Zuschauer grauset’s, man tut es im Internet Kund:

Die Legende von Aang ist furchtbarer Schund,

Eine Vergewaltigung der tollen Orignalserie,

Für die ganze Familie.

 

Regie: M. Night Shyamalan (Sixth Sense, Unbreakable, Signs, The Village)

Schauspieler: Noah Ringer, Dev patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Cliff Curtis

Bewertung: 

Over the Top – Mein Daddy schlägt sie alle (1987)

Kinderschauspieler! Und alle so: YEAH!

Der Bengel in ‚Over the Top‘ ist zudem auch noch einer von der ultrasympathischen Sorte: Besserwisser, Vaterkomplexe und ständige Stimmungsschwankungen. Ein bunter Cocktail voller Hormone. In einem Moment will er noch von Vati wegrennen, im nächsten scheint er mit ihm klarzukommen. Aber Sylvester Stallone wäre nicht Rambo / Rocky / Judge Dredd / Cliffhanger, wenn er nicht auch dieses Problem gelöst bekäme. Und wie bringt man sein Balg dazu, einen wieder zu mögen? Klar, mit Armwrestling! Over the Top

Lincoln Hawk (Sylvester Stallone) ist ein einfacher LKW-Fahrer. Um seinen Sohn Michael (David Mendenhall) näher kennenzulernen, nimmt er ihn mit auf eine Tour. Das war zumindest der Wunsch der schwerkranken Mutter, denn die beiden sollen ihre kaputte Beziehung zueinander kitten, bevor diese stirbt. Also die Mutter jetzt. Und das tut sie dann auch recht bald. Da hat Hawk in all dem Vater-Sohn-Annähern die Rechnung jedoch ohne den übermotivierten Großvater von Michael gemacht. Denn Jason Cuter (Robert Loggia) will den Jungen auf gar keinen Fall in den Händen eines erbärmlichen LKW-Fahrers wissen. Hawk nimmt nebenbei noch an der Weltmeisterschaft im Armdrücken in Las Vegas teil. Einerseits um die Liebe zu seinem Sohn zu gewinnen oder so, andererseits um mit dem Preisgeld eine eigene Firma zu gründen.

Die Geschichte ist plump wie auch blöd. Aber hey, was ist amerikanischer als ein Trucker, der Armdrücken betreibt, um seinem Sohn die wichtigen Lektionen des Lebens beizubringen? So Sachen wie, dass wenn man nur an sich glaubt, jedes Anabolika-Monster besiegen kann. Da steht dann Sylvester Stallone vor einem Kerl, dessen Bizeps dreimal so dick ist wie der eigene und schlägt ihn, einfach nur durch den Glauben an sich und eine spezielle Umgreif-Technik. Besonders lustig sind dann Einspieler, die so eine Art Interview mit den Teilnehmern darstellen während des Turniers. Gerade da wirkt unser Held wie der Forrest Gump des Armdrückens. Hawk ist zwar nicht unbedingt unsympathisch, aber der Hellste ist er eben auch nicht. Und warum sollte sein Sohn bei ihm mitfahren? Sollte der nicht lieber in der Schule sein?

Ach ja, Hawk junior ist auch noch da. Leider schafft es der Film nicht an einer einzigen Stelle, auch nur den Hauch von Mitgefühl gegenüber dem Jungen zu erzeugen. Seine Mutter ist gerade gestorben und sein Vater hat (scheinbar) nie den Kontakt zu ihm gesucht, doch trotzdem nervt der Kerl überall. Sein Großvater ist noch viel schlimmer. Er schlägt Hawk vor, sich dem Enkel zuliebe zu versöhnen, doch beleidigt Sly im nächsten Satz als den totalen Vollidioten. Wo ist da die Logik?

Genauso schlüssig ist das Ende, das nur vor Pathos und amerikanischem Lebensgefühl strotzt. Wenn zum wiederholten Male ein typischer 80er-Song eingespielt wird und Vater und Sohn nach 90 Minuten Hin und Her mit dem PS-Monster in Richtung Sonnenuntergang aufbrechen, dann weiß man, dass alles gut wird. Schließlich kann der Junge auf der Straße die wichtigsten Sachen lernen und vor allem seine kümmerlichen Bizepse trainieren. In Deutschland wäre das Jugendamt wohl nicht so erfreut darüber, aber das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Land, in dem Männer noch richtige Männer sind. Oder viel eher waren, in den glorreichen 80ern. Mit Trucks und Oberarmen aus Stahl.

Regie: Menahem Golan (Produzent für Eis am Stiel I-VI, Delta Force)

Schauspieler: Sylvester Stallone, Robert Loggia, David Mendenhall

Bewertung: 

hoerdatei Episode 4: Die Hard

In Episode 4 geht es um die Stirb langsam-Reihe, die fulminant beginnt und mit dem fünften Teil inzwischen massiv und drastisch abgebaut hat. Eine Reihe, mit der wir aufgewachsen sind und die trotz ihres alternden Helden irgendwie nichts dazugelernt hat. Mit an Bord sind Severus Snape, Carl Winslow, ein Düsenjet und natürlich Tschernobyl.podcast logo

Zudem haben wir diesmal mit Skype aufgenommen, was sich positiv auf die Qualität der Aufnahmen ausgewirkt haben dürfte.

Spoilerwarnung! Auch wenn es nicht viel zu spoilern gibt, das Ende vom ersten und zweiten sowie dem fürchterlichen fünften Teil verraten wir. Zudem wird Harry Potter gespoilert, also Vorsicht, wer gerade noch mitten im sechsten Teil steckt!

 

 

00:05:06 Stirb langsam, McClane und Carl Winslow gegen Snape

00:24:39 Stirb langsam 2, McClane gegen Django

00:36:59 Stirb langsam: Jetzt erst recht, McClane und Samuel gegen Snapes Bruder

00:47:00 Stirb langsam 4.0, McClane und der Mac und Silent Bob gegen Hitman

01:05:20 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben, McClane gegen RUSSLAND

01:21:10 Persoenliche Rankings

01:31:17 Ende

 

 

weiterführende Links:

[youtube] Alternatives Ende von Stirb langsam 3 spill.com-review zu Stirb langsam 5 How to fix Die Hard 5

[n24] Reise zum Sarkophag

[imdb] Stirb langsam Stirb langsam 2 Stirb langsam: Jetzt erst recht Stirb langsam 4.0 Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben

Stirb langsam (1988)

Es war das Jahr 1988, als sich inmitten der Schwarzeneggers und Stallones ein barfüßiger und mit Blut beschmierter Typ im Unterhemd erhob, um einer Bande von deutschen Terroristen, angeführt von Severus Snape, gehörig in den Allerwertesten zu treten. Dass Bruce Willis selbst in Idar-Oberstein geboren ist und bis dahin nur durch die Krimiserie ‚Das Model und der Schnüffler‘ (im Original ‚Moonlighting‘) bekannt war, sind nur kleine Randnotizen. Schließlich hat uns ‚Die Hard‘ erst gezeigt, dass man keine delphingroßen Bizepse braucht, um den Tag zu retten. Oder Schuhe…

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) reist zu seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) nach Los Angeles. Schließlich ist es Weihnachten und um der beiden Kinder willen soll die Ehe gerettet werden. Doch auf der Feier von Hollys Firma im Nakatomi-Tower überfällt eine bis an die Zähne bewaffnete Bande von deutschen Terroristen (nicht Touristen!) die Gesellschaft und nimmt alle Anwesenden als Geiseln. Außer natürlich John McClane, der sich fortan im Unterhemd und barfuß alleine durch das Gebäude ballert.Stirb langsam

Ausgefeilt ist die Story nicht. Aber das braucht sie auch nicht zu sein. Denn so schafft es der Film, John McClane nie hochzustilisieren zum übermächtigen und intelligenten Terminator-Rambo, der mit irgendwelchen komplexen Welteroberungsplänen konfrontiert wird. Zugegeben, nicht jeder wird mit einem Hochhaus voller böser Buben fertig. Doch McClane blutet, flucht und raucht ständig. Zudem scheint er permanent mit der Situation überfordet zu sein. Das macht ihn sehr sympathisch und einfach nur menschlich. Ich kann mich nicht erinnern, einen Arnold Schwarzenegger jemals barfuß in einem Film gesehen zu haben. Natürlich ist das wiederum nur ein kleines Detail, aber wenn sich später McClane die Füße an Glasscherben blutig schneidet, dann leidet man da mit. Und in welchem Arnold-Aciton-Film dieser Art hatte man jemals die Befürchtung, dass er es nicht packen würde? So ist McClane ein stinknormaler Sterblicher, der im Grunde einfach nur seinen Job erledigt, ohne dabei besonders viel Spaß zu haben. Aber einer muss es ja eben machen. Selbst an Weihnachten.

Der Held ist allerdings nicht alles, was ‚Die Hard‘ so gut macht. Der Kopf der Geiselnehmer-Bande namens Hans Gruber, verkörpert von Alan Rickman, ist skrupellos und böse, dabei aber zu jeder Zeit smart und eloquent. Er hat einfach Stil. Das gipfelt dann in einer Szene kurz vor Schluss, als sich Gruber für eine der Geiseln ausgibt, um McClane hinters Licht zu führen. Und warum auch nicht? Die beiden sind sich ja bis dahin noch nie wirklich begegnet. So schafft es der Film, auf durchaus subtile Art und Weise die Spannung oben zu halten. Der Rest der Bösen ist dann allerdings entbehrlich und nicht unbedingt ‚kluk‚, dafür aber allzeit besser bewaffnet als McClane, der dadurch stets unterlegen zu sein scheint. Zudem gibt es Seitenhiebe auf überhebliche Business-Affen und das überforderte FBI.

Was den Anfang der Stirb Langsam-Reihe um einiges besser macht als seine Nachfolger, ist, dass es im gesamten Film nur eine Szene gibt, in der die Action ausartet. Da kracht dann ein Heli auf das Häuserdach und McClane seilt sich mit einem Feuerwehrschlauch ab. Aber geschenkt, es passt alles immer noch gut zusammen. In den Sequels widerum nehmen diese „What the Fuck?“-Action-Sequenzen dann überhand. In Teil 4 gipfelt es in dem nett anzuschauenden, aber gleichzeitig auch vollkommen übertriebenen Kampf zwischen LKW und Düsenjet. So hat der erste Film auch einfach noch den Charme, mit 28 Millionen Dollar Budget ein billiger, dabei aber auch größtenteils realistischer wie auch nachvollziehbarer Actionstreifen zu sein. Beispielsweise wurde kostensparend das Fox Plaza als Drehort gewählt, welches auch Sitz der Produktionsfirma ist. Und am Ende wird ein Miniatur-Nachbau in die Luft gejagt. Das fällt aber gar nicht mal unbedingt auf. Die nach heutigen Maßstäben miesen Spezialeffekte von Teil 2 und 3 sind da viel mehr ein Dorn im Auge.

Was auch nicht wirklich astrein funktioniert, ist die Synchronisation. Das liegt weniger an den deutschen Sprechern, die einen tollen Job machen, sondern vor allem an der Tatsache, dass im Original von den Bösen ohne Untertitelung Deutsch gesprochen wird, was eben nicht so gut in der Lokalisierung funktioniert. Dadurch werden die Terroristen zu einer internationalen Verbrecherbande gemacht und Hans Gruber heißt dann auf einmal Jack. Manfred Lehmann, der Bruce Willis seine Stimme leiht und unter anderem auch aus der Praktiker-Werbung bekannt sein dürfte, ist zumindest im deutschen Sprachraum aber so ikonisch, dass es tatsächlich für manch einen ungewohnt sein dürfte, McClane im Original zuzuhören. Da muss dann jeder für sich selbst entscheiden, welche Version man vorzieht. Doch auch als Englisch-Laie vernimmt man an vielen Ecken deutsche Sätze (wenn auch nicht immer richtig) und vor allem die Bösen leiden weniger unter der Übersetzung.

Ungeachtet der Fortsetzungen ist ‚Stirb Langsam‘ ein verflucht guter Actionfilm, der von vorne bis hinten funktioniert und einem alles gibt. Sei es ein leidender Held, ein guter Bösewicht oder ein geflügeltes Wort. Verdammt, sogar Carl Winslow aus ‚Alle unter einem Dach‘ ist am Start! Dabei hat der Film dermaßen viel Einfluss auf das Action-Genre gehabt, dass man einfach nur den Hut ziehen muss (Alarmstufe Rot I + II, Passagier 57, Speed, Air Force One, Cliffhanger, Der Kaufhaus Cop, Con Air, Sudden Death). Und was gibt es schöneres an Weihnachten, als die Familie vor dem Fernseher zu versammeln und der wundersamen (und im TV arg geschnittenen) Geschichte um John McClane und Hans Gruber beizuwohnen? In diesem Sinne:

Yippee-ki-yay, motherfucker!

 

Regie: John McTiernan (Predator, Jagd auf Roter Oktober, Stirb langsam – Jetzt erst recht)

Schauspieler: Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson

Bewertung: 

 

 

Jack Reacher (2012)

Ein glatzköpfiger Kerl (Jai Courtney), der sich im fünften Stirb Langsam-Film als der Sohn von John McClane entpuppen wird, knallt mitten in der Pittsburgher Innenstadt fünf Leute (scheinbar wahllos) mit einem Snipergewehr über den Haufen. In den Knast wandert jedoch ein anderer, nämlich Barr (Joseph Sikora). Bevor dieser von seinen Mitinsassen ins Koma geprügelt wird, verlangt er, dass sich Jack Reacher (Tom Cruise) seiner annimmt. Niemand scheint den gutaussehenden Kerl zu kennen, doch Helen (Rosamund Pike), Barrs Anwältin, erklärt Jack kurzerhand zu ihrem Chefermittler. Aus dem Untergrund taucht dann noch der mysteriöse Zec (Werner Herzog) auf, der seine Finger in der Geschichte drin zu haben scheint. Wer den Film noch nicht gesehen hat, wird den letzten Satz nicht ganz so lustig finden, denn man muss schon wissen, dass dem guten Zec alle Finger fehlen. Sein Handy kann er trotzdem aber noch benutzen.Jack Reacher

Jack Reacher ist in aller erster Linie kein gewöhnlicher Mensch. Er taucht irgendwo auf und weiß sofort über alles und jeden Bescheid. Der übermächtige Ermittler, der Sherlock Holmes wie einen kleinen Grundschüler aussehen lässt. Das geht aber vermutlich in Ordnung so, schließlich ist Tom Cruise auch der beste, schlauste und schönste Mensch auf dem Planeten Erde. Ganz unsympathisch ist er trotz aller Unverfehlbarkeiten nicht. Und das obwohl er eigentlich ein Obdachloser ohne Gepäck zu sein scheint. Das Problem sind viel eher die Leute um ihn herum. So ist das dümliche Anwaltsweibchen an seiner Seite zwar nett anzuschauen, sorgt jedoch fast permanent für Fremdscham. Und wer wird natürlich am Ende als Geisel genommen, um von Jack Reacher gerettet werden zu müssen?

Dann wären da noch die Bösen. Werner Herzog als finsterer osteuropäischer Mann im Hintergrund ist furchtbar schlecht und unheimlich unlogisch und seine rechte Hand, der Kerl mit dem Gewehr, wirkt auch nicht allzu smart. Der gesamte Plan ist dann allerdings nicht unbedingt verkehrt und die gesamte Krimigeschichte rumd um Barr unterhält ganz gut. Trotzdem haben die Schurken das Charisma einer Kartoffel. Zudem wird eine weitere Unbeteiligte eingebaut, die dann irgendwann Opfer der Antagonisten wird. Hier entbehrt dann der Film plötzlich jeglicher Logik, denn obwohl man sich die Mühe machte, anfangs einem Unschuldigen alle Morde in die Schuhe zu schieben, ist es dann auf einmal völlig in Ordnung, die entsprechende Trulla auf offenener Straße umzubringen.

Natürlich gibt es einen unnötigen Twist zum Schluss. Der kommt aber nicht wirklich überraschend. Außerdem gesellt sich noch Robert Duvall dazu und zeigt, was das größte Problem ist: Der Film weiß nie, ob er Komödie oder ernster Krimi sein soll. Viele Witzlein wirken gezwungen und unheimlich unoriginell während gerade allerhand ernster Kram passiert. Wirklich unlustig ist ‚Jack Reacher‘ nicht, doch gerade zum Ende hin hätte man auf viele hohle Phrasen und Oneliner verzichten können. Zumal die Angelegenheit perönlich wird.

Trotz aller Mäkeleien muss ich aber eingestehen, dass ich eine nette Zeit mit Jack Reacher hatte. Die Story, so konstruiert sie auch sein mag, unterhält und Tom Cruise ist in seiner Paraderolle als allwissender Agenten-Typ durchaus sehenswert. Der Pathos, der hier wie dort mitschwingt, hätte nicht unbedingt sein müssen, aber man kann sich damit arrangieren. Wer Cruise mag oder bereits Spaß bei ‚Shooter‘ mit Mark Wahlberg hatte, wird sicher auch ‚Jack Reacher‘ ein wenig abgewinnen können.

Regie: Christopher McQuarrie (The Way of the Gun, Writer: Die üblichen Verdächtigen, The Tourist)

Schauspieler: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, Werner Herzog, Jay Courtney

Bewertung: 

Godzilla (1998)

2014 steht, 16 Jahre nach Roland Emmerichs Verwurstung, der nächste Reboot des Franchises an. Dabei hat die arme, missverstandene Echse seit ihrer Geburt 1954, damals noch in Schwarz-Weiß, eine ganze Menge durchgemacht. Dass Godzilla selbst im Originalfilm schon starb, scheint aber niemanden großartig gestört zu haben. Dutzende Monsterstreifen folgten. Unter anderem gegen Mothra und sogar King Kong zog das Produkt des atomaren Schreckens zu Felde. Damals übrigens mit dem besseren Ende für King Kong (Skandal!). In den 90ern war jedes Wochende auf Kabel 1 Monsterfilm-Zeit! Doch wer hätte ahnen können, dass erst Roland Emmerich kommen musste, um Godzilla im westlichen Raum den Todesstoß zu versetzen. Aber hey, in Hollywood ist niemand wirklich tot (Ellen Ripley, Spock, Michelle Rodriguez sogar doppelt in Resident Evil und Fast & Furious) und so werden wir bald den nächsten Anlauf sehen.godzilla

Die Geschichte ist so einfach wie banal. Ein durch eine Atombombe in die Größe geschossener Kaltblüter fällt über eine Großstadt, in diesem Falle New York, her. Dabei ist die einzige Hoffnung Dr. Niko Tatopoulos (Matthew Broderick) und seine Ex Audrey (Maria Pitillo). Mit an Bord zudem Kameramann Victor (Hank Azaria) und der französische Agent Philippe (Jean Reno). Dabei entpuppt sich nicht Godzilla als das einzige Problem, sondern auch der schuppige Nachwuchs.

In Zeiten vor 9-11, als man noch ruhigen Gewissens New York in Filmen zerstören durfte, regt vielleicht das Redesign am meisten auf. Wer Godzilla aus den japanischen Filmen kennt, wird das Monster hier kaum wiedererkennen. Dafür sieht es einfach zu sehr nach Dinosaurier-Verschnitt aus. Aber nun gut, im alten Format konnte Godzilla noch nicht sehr schnell rennnen und es wohl kaum mit der ausgeklügelten amerikanischen Militärtechnologie aufnehmen. Vielmehr das größere Problem sind die völlig belanglosen menschlichen Protagonisten, die außer Jean Reno alle völlig kanten- wie belanglos sind. Matthew Broderick ist so eine Art Loser, der sich zum großen Rächer aufschwingt. Er ist zwar schlau, hat aber auch nie wirklich Zeit, sich als der große Held zu profilieren. Viel zu hektisch geht es von einer Verfolgung zur nächsten, viel zu wenig Zeit bleibt für gescheiten Dialog. Seine Ex ist irgendwo zwischen dümmlich und nervig und ihr Kollege einfach nur blöd. Dabei sind in Roland Emmerichs 140-minütigem Spektakel die Franzosen die wahren Helden und Retter New Yorks, weil das amerikanische Militär reichlich dämlich handelt.

So wie sich die Menschheit durch ihre Atomtests das Problem selbst eingebrockt hat, fiebert man niemals wirklich mit den ganzen Leuten mit. Die Spitze der Antipathie stellt der New Yorker Bürgermeister Ebert (Michael Lerner) dar, der mit jedem Satz das Arschloch heraushängen lässt. Schade ist dann, dass der eigentliche Held Godzilla sehr wenig Screentime bekommt. Dabei geht der Film mit dem Echsen-Nachwuchs einen erstmal interessanten Weg, der sich jedoch als inspirationsarmer Jurassic Park-Abklatsch entpuppt.

So plätschert der Film über zwei Stunden vor sich hin. Am Ende hat man sogar ein wenig Mitleid mit dem Untier, das hier als einzigstes so etwas wie Emotionen transportiert. Trotz seines Alters sehen die Effekte tatsächlich noch gut aus und der Soundtrack ist großartig (Green Day, Rage Against The Machine, Jamiroquai, Foo Fighters, Puff Daddy). Das wars dann aber auch. Alteingesessene Godzilla-Fans werden enttäuscht sein und alle anderen finden auch nicht viel Gutes. Natürlich erwartet man von Roland Emmerich nicht viel mehr als ein unterhaltsames Action-Filmchen, aber ‚Cloverfield‘ hat beispielsweise gezeigt, wie man einen guten Monster-Streifen hinbekommt, der einen fesselt und einem nicht wie ein belangloser Hollywood-Blockbuster erscheint. Ob das Reboot 2014 einen besseren Weg einschlägt, muss sich zeigen. Die älteren japanischen Puppen-Godzillas sind aber immer noch unerreicht.

Regie: Roland Emmerich (Independence, Stargate, 2012, The Day After Tomorrow)

Schauspieler: Matthew Broderick, Jean Reno, Hank Azaria

Bewertung: 

Dredd (2012)

Man stelle sich vor, ein einbeiniger Mann ohne Gleichgewichtssinn und mit Schaum vor dem Mund versucht, humpelnd, einem die Zehennägel mit einer Kettensäge zu schneiden. Auf einem wackeligen Floß mitten im reißendsten Strom. Während sein Kopf in Flammen steht. Dann hat man ungefähr eine Vorstellung vom Einfühlungsvermögen von Judge Dredd (Karl Urban). Der hat trotz seines Namens vermutlich weder das erste noch das zweite Staatsexamen abgelegt und wohl auch noch nie eine Richter-Robe getragen. Trotzdem weist der Mann einen einfachen wie effektiven Gerechtigkeitssinn auf: Wer gut ist, darf leben. Wer Böses treibt, wird gnadenlos hingerichtet. Willkommen in der Zukunft, Motherfucker!Dredd

Irgendwo in der futuristischen Stadt Mega City One mit abermillionen Einwohnern bleibt keine Zeit für zeitaufwendige Gerichtsverfahren und Verhaftungen. Die Judges, die so eine Mischung aus Polizei, Richter, Henker, Detektiv und SWAT-Einsatzkommando darstellen, patrouillieren durch die Straßen und haben dabei mehr als genug zu tun. Dem erfahrenen Judge Dredd wird der Neuling Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) zugeteilt. Diese hat zwar die etwaigen Prüfungen nicht bestanden, verfügt aber über paranormale Kräfte, die im Kampf gegen den Abschaum der Stadt nützlich sein können und werden. Als das Duo in einem Hochhaus eine Dealerbande aushebt, die mit der neuen Droge SLO-MO handelt, werden sie von der Bandenchefin Ma-Ma (Lena Headey) in dem Wolkenkratzer eingesperrt und müssen sich den Weg freikämpfen.

Und das ist die Handlung. Wer sich an ‚The Raid‚ erinnert fühlt, liegt gar nicht mal so falsch. Nur ist das hier die amerikanische Sci-Fi-Version davon. Anstatt krassem Martial Arts bekommt man stattdessen eine bleihaltige Gewaltorgie sondergleichen. Und mit Gewalt ist hier nicht „Peng Peng“ gemeint. Judge Dredd ballert jedem zweiten Schurken in Zeitlupe durch das Gesicht, überall spritzt und spratzt und klebt das Blut. Ohne den Film in 3D gesehen zu haben, behaupte ich einfach mal, dass sich die 3D-Effekte durchaus gut anfühlen sollten. Überhaupt ist der dreckige futuristische Look sehr sehenswert und macht ‚Dredd‘ zu einem stylischen Streifen.

Wer sinnlose Gewalt überhaupt nicht sehen kann, sollte hier auch gar nicht erst reinschauen. Wenn Menschen aus 200 Metern Höhe geworfen werden, dann wird nämlich auch gezeigt, wie sie in Zeitlupe aufkommen, während ihr Gehirn auf dem Bordstein verteilt wird. Das ist eklig, aber auch realistisch. Vermutlich. Zumindest in diesem brutalen Kontext. Und mehr als einmal bin ich zusammengezuckt, als beispielsweise schon wieder einer armen Sau das Gesicht weggeballert wurde. Ob dieses hohe Maß an Gewalt unterhält, sei jedem selbst überlassen. Mir hat es tatsächlich gefallen. Dabei ist ‚Dredd‘ von vorne bis hinten nie intelligent oder gehaltvoll. Das kann man aber verschmerzen, weil der Film sich konsequent an seine Linie hält und an keiner Stelle versucht, mehr zu sein, als er ist, nämlich ein flacher und geradliniger Action-Streifen. Gerade im Bezug auf das kürzlich erschienene ‚Total Recall‚-Remake macht ‚Dredd‘ als Neuverwurstung vieles richtig, vor allem was die Effekte und Schauwerte angeht.

Karl Urban in der Hauptrolle und mit Helm zeigt dabei nur seinen Mund. Und das fand ich schon ziemlich stylisch. Zumal seine Mundwinkel nur zwei Positionen kennen: Entweder nach unten gezogen oder noch sehr viel weiter nach unten gezogen. Dabei ist er so unheimlich entmenschlicht und maschinenartig, dass man sich zwangsläufig an ‚RoboCop‚ erinnert fühlt. Gott sei Dank gibt Judge Dredd dann auch einfach mal nichts von sich preis. Nur, dass er tierisch angepisst ist. Dafür hat er dann ein ganzes Hochhaus voll mit Bösen, um sich abzureagieren. An seiner Partnerin könnte man sich womöglich hier und da ein wenig stören, allerdings beweist sie gerade zum Ende hin echte Nehmerqualitäten und gibt dem Film noch so ein wenig optischen Schauwert und tatsächlich auch ein ganz kleines bisschen Inhalt. Aber keine Sorge, nur ganz wenig. Und die böse Mutti ist jetzt nicht wirklich eine ernstzunehmende Gegenspielerin, doch vermutlich würden sich selbst Bane und Freddy Krueger vor Angst in die Hose machen, wenn sie gegen Judge Dredd antreten müssten.

Es bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Ihr mögt Action und könnt ohne Handlung und Dialoge leben? Bitteschön, ‚Dredd‘ ist einfach, brutal und brachial. Und optisch absolut cool anzusehen. Wer aber schon von Michael Bay-Filmen angewidert wird, der sollte sich den Ausflug nach Mega City One sparen. Schließlich ist es auch mal ganz schön, sich die Fußnägel gemütlich mit einer einfachen Nagelschere zu schneiden und auf den brennenden Kettensägen-Typen zu verzichten.

Judge Dredd: Judgement time.

 

Regie: Pete Travis (8 Blickwinkel, Endgame)

Schauspieler: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey, Wood Harris

Bewertung: