28 Weeks Later (2007)

Basierend auf den Ereignissen aus ‚28 Days Later‚ erleben wir, was nach der Epidemie geschieht. Das Virus, das Menschen in wütende Wilde verwandelte, scheint ausgerottet und unter amerikanischer Führung wird begonnen, Großbritannien wieder zu besiedeln. Don (Robert Carlyle), der den Alptraum knapp überlebte und aus Feigheit seine Frau zurückließ, trifft sich mit seinen beiden Kindern, die vor dem Ganzen ins Ausland gebracht wurden. Doch ist *suprise, surprise* der Virus wirklich weg? Oha!

So beknackt sich die Zusammenfassung anhören mag, der Film fügt sich sehr gut an den ersten Teil an. Vor allem die Anfangsszene, in der sich Don samt Frau und anderen Überlebenden vor den Infizierten verstecken und letztendlich überwältigt werden ist ziemlich hart und auch spannend. Vordergründig geht es irgendwie auch hier weniger um Splatter und Zombies, sondern viel mehr um die Menschen und wie sie damit bzw. miteinander umgehen. Insofern wird besonders das US-Militär drastisch, kalt und beinahe als unantastbar dargestellt. Beispielsweise werden viele Zivilisten weggeschlossen, woraufhin sich der Virus in der Masse ausbreitet und diese in ihrer Panik ausbrechen. Der darauf folgende Schießbefehl und die amerikanischen Soldaten, die mit der Aufgabe, Menschen und Erkrankte auseinanderzuhalten, überfordert sind, verdeutlichen den geringen Wert eines Lebens, zumindest eben für das Militär. Dons Kinder versuchen mit Hilfe von Scarlet (Rose Byrne), einer Militärärztin, und Doyle (Jeremy Rener), einem amerikansichen Scharfschützen, das verseuchte London lebend zu verlassen. Nicht nur die Infizierten erweisen sich dabei als Hindernis, sondern vor allem (eigentlich verbündete) Soldaten.

Besonders hart dabei ist, wie brutal teilweise auch mit Leuten umgegangen wird, von denen man annimmt, sie würden überleben. In jedem anderen Zombie-Film kann man üblicherweise an irgendeinem Punkt ausmachen, wer seinen Arsch aus der Scheiße ziehen wird. Dem ist hier nicht so. So stellt sich eben auch eine Tristess ein, denn jeder ist verwundbar. Es ist auch irgendwo ein Kampf für die Menschlichkeit, sowohl gegen die Zombies als auch gegen das Militär. Man kann das Gezeigte als Kritik gegen die amerikanische ‚Kolonialpolitik‘ der letzten Jahre auslegen, doch ich finde, dass man jede Armee, egal welchen Landes, dort hätte einsetzen können. Somit richtet sich der Film eher gegen die lebensverachtende Idee des Soldaten und Kriegers, der für das Töten anderer bezahlt wird.

Insgesamt geht ’28 Weeks Later‘ 100 Minuten und es werden öfter Handkameras benutzt. Eine Szene sieht man komplett durch das Nachtsichtobjektiv eines Scharfschützen. Der Film hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger eine linearere Struktur und mehr Elemente eines Survival-Films. Man muss sich zu einem Treffpunkt unter Zeitdruck durchschlagen. Das hat wohl ein bisschen was von Left 4 Dead. Ehrlich gesagt war mir keine der Figuren besonders sympathisch, außer vielleicht Doyle. Einerseits kennt man Jeremy Renner (The Town, The Hurt Locker, S.W.A.T.), andererseits widersetzt er sich seinen Anweisungen und tötet Kameraden, um das Leben der beiden Geschwister zu beschützen. Irgendwie scheint dem Jungen die Rolle des Waffen- und Schießexperten auf den Leib geschneidert zu sein, denn er spielt eigentlich immer ähnliche Rollen. Das soll aber nicht stören, schließlich ist er einer der Guten!

Das Problem an ’28 Weeks Later‘ ist, dass der erste Teil sehr logisch war. Vor allem was die Infektion und auch das Verhalten der Zombies betrifft. Hier jedoch gibt es ab und an Ungereimtheiten. Dass man die Story weiterführen will und dazu natürlich nicht den gleichen Film nochmal machen kann ist verständlich. Man sollte sich jedoch an die Gegebenheiten halten. So gibt es eine Szene, in der ein Infizierter einen Menschen mit einer Waffe zu Tode schlägt. Das passt nicht, denn das haben die Dinger vorher noch nie gemacht. Dadurch geht zum Ende hin ein wenig der erzählerischen Leichtigkeit flöten. Auch das Verhalten des Vaters der beiden Kinder im späteren Verlauf ist schwer in den logischen Grenzen des Films zu erklären.

Das kann einen stören, muss es aber nicht. Mir ist es aufgefallen, aber das soll nicht heißen, dass man mit einem riesigen „WTF!“ plötzlich dasitzt und meint, verarscht zu werden. ’28 Days Later‘ ist meiner Meinung nach jedoch atmosphärischer und die involvierten Personen einfach bedauernswerter. Die Kritik, die im zweiten Teil geäußert wird, ist härter und offensichtlicher, geradezu politisch. Das macht mir den Film sympathisch, denn ich kenne sonst keinen weiteren Zombie-Film, der auch nur ansatzweise solch einen Anspruch besitzt. Soviel dazu. ’28 Weeks Later‘ finde ich gut und wer den ersten mag, dem gefällt auch der zweite und der freut sich auch schon auf den dritten (2013 oder so). Hoffentlich sind dort dann nicht mehr die Amis für unsere Sicherheit verantwortlich, denn dann wären wir alle am Sack…

Regie: Juan Carlos Fresnadillo (Intruders, Intacto)

Schauspieler: Robert Carlyle, Rose Byrne, Jeremy Renner

Bewertung: