Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

Chan-wook Park ist nicht unbedingt der Regisseur, der Feel-good-movies macht. Sein vielleicht berühmtester Film Oldboy von 2003 ist besonders zum Schluss so dermaßen ein Schlag in die Magengrube des Zuschauers, dass man erstmal gar nicht so richtig weiß, was da gerade passiert ist. Zudem gibt es darin eine der coolsten Kampfszenen der jüngeren Vergangenheit. Dabei schuf Park eine Rache-Trilogie, die inhaltlich nicht mehr verbindet als das Thema. ‚Sympathy for Mr. Vengeance‘ bildet dabei Teil 1. Und dass das auch kein Film für mal so Zwischendurch ist, sollte klar sein. Besonders wenn das Töten losgeht.Sympathy for Mr. Vengeance

Ryu (Shin Ha-kyun) ist taubstumm. Seine schwerkranke Schwester benötitgt dringend eine Niere. Trotz harter Arbeit wird er entlassen und steht mittellos da. Weder er noch seine militante Freundin Yeong-mi eignen sich als Spender und so wendet er sich an die Mafia. So wendet er sich in seiner Verzweiflung an eine Organhändlerin, die ihn nicht nur um sein Geld, sondern auch um eine seiner Nieren erleichtert. Als letzten Ausweg schlägt ihm Yeong-mi vor, die Tochter seines ehemaligen Chefs zu entführen und die Transplantation mit Hilfe von Lösegeld zu finanzieren. Kurzfristig wird jedoch ein anderes Mädchen gekdinappt, undzwar das Kind des Geschäftsmanns Park Dong-jin (Song Kang-ho).

Von vornherein soll das Kidnapping human verlaufen. Ryu, seine Schwester und Yeong-mi spielen mit der Entführten, sodass diese sich nicht langweilt oder fürchtet. Dass die blauäugige Aktion nicht glatt laufen kann, sollte spätestens klar sein, wenn man weiß, wer da auf dem Regiestuhl sitzt. So besteht der Film aus zwei Teilen. Im ersten verfolgen wir hauptsächlich Ryu, während im zweiten Park Dong-jin als Vater der Entführten im Vordergrund steht. Dabei sind alle Charaktere weder besonders gut noch allzu schlecht. Man versteht, warum Ryu tut, was er tut. Genauso gut kann man aber auch mit der Gegenseite in Form des verzweifelten Herrn Papa mitfühlen. So erleben wir die Geschichte aus zwei Perspektiven und die Grenzen zwischen Pro- und Antagonisten verschwinden. Lediglich die Organhändler sind einseitig bösartige Charaktere, stören dabei aber nicht. Viel verstörender ist allerdings, dass man als Zuschauer kaum eine Seite beziehen kann.

Irgendwann nach der Hälfte der zwei Stunden Laufzeit bricht der Film dann auf und entlädt sich in Gewalt und sehr subtiler Spannung. Wer dann jedoch erwartet, dass in einem coolen asiatsichen Showdown die Bösen auf blutige Weise gelyncht werden, hat offensichtlich noch nie einen Park-Film gesehen. Außerdem gibt es, wie gesagt, keine eindeutig auszumachende schlechte Seite. Das ist auch gerade das, was Sympathy for Mr. Vengeance so besonders macht. Weil man nämlich Sympathie empfindet für die Charaktere, die irgendwie auch nur versuchen, über die Runden zu kommen. Dabei bleibt bis zum Ende hin die Erzählweise eher langsam und subtil. Und zum Schluss sitzt man auch wieder da, weil man einen Schlag in die Magengrube bekommen hat und sich teilweise Dinge selber zusammenreimen muss.

Sympathy for for Mr. Vengeance ist ein schwerer Film. Nicht weil er langatmig ist, sondern weil er einen emotional ziemlich mitnimmt und man keine Antwort auf einem Silbertablett serviert bekommt. Vor allem blebit es einem selbst überlassen, wer eher im Recht ist. Exemplarisch wird einem vor Augen geführt, wie Rache aus Menschen Monster macht. Man muss außerdem aufpassen und den Film in seiner Stille wirken lassen, zumal Ryu als taubstummer Protagonist in einer lautfreien Welt wohnt. Parks Oldboy ist zwar konstruierter, hat aber einen etwas höheren Unterhaltungswert. Nichtsdestotrotz ist Sympathy for Mr. Vengeance ein psychologisches und vertraktes Drama, das ich jedem ans Herz legen kann.

 

Regie: Park Chan-wook (Oldboy, Stoker, Lady Vengeance, Thirst)

Schauspieler: Song Kang-ho, Shin Ha-kyun, Doona Bae

Bewertung: 

 

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