Star Trek: Der Film (1979)

Falls man jemals in der Situation steckt, auf die Frage antworten zu müssen, für wie viele Oscars der erste Star Trek-Film von 1979 nominiert wurde, dann sei an dieser Stelle für Aufklärung gesorgt: 3! Bestes Set, beste Effekte und beste Musik. Gewonnen hat das 132-minütige Filmchen dann nichts, aber immerhin gibt es nicht viele andere Franchises, die so einen Einschlag auf die heutige Popkultur genommen haben.Star Trek

Captain Kirk (William Shatner), eigentlich Admiral und inzwischen Sesselfurzer, übernimmt wieder das Kommando über die Enterprise, was dem nun Ex-Captain Decker (Stephen Collins) gehörig gegen den Strich geht. Schließlich ist der alte Sack nicht mit den Modernisierungen vertraut. Mit an Bord sind die altbekannten Scotty (James Doohan), Sulu (George Takei), Uhura (Nichelle Nichols) und Chekov (Walter Koenig). Und weil es sonst zu langweilig wäre, werden in kürzester Zeit auch noch Dr. McCoy (DeForest Kelley) und Spock (Leonard Nimoy) reaktiviert. Dabei hat die Crew keine Zeit zu verlieren, denn eine gigantische Energiewolke zieht gen Erde und vernichtet alles und jeden, der sich ihr in den Weg stellt.

Der Film zeichnet sich dabei teilweise durch ewig lange (fast volle 10 Sekunden!) Sequenzen im Weltall aus, die das Schiff oder das merkwürdige Energie-Dingsbums zeigen. Gerade in Zeiten der heutigen Schnittgewitter ist das ungewohnt ruhig und, leider auch mitunter, ermüdend. Damals waren diese langen Shots sicherlich interessanter. Das soll aber nicht als grundlegend negativer Aspekt ausgelegt werden. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass der Film träge ist und über die lange Laufzeit betrachtet gar nicht mal so viel passiert. Das meiste spielt sich ohnehin an Bord in Form von Dialogen zwischen den Besatzungsmitgliedern ab, die für mich als Nicht-Trekkie jedoch nicht so recht harmonisch wirken. Da fehlt offentsichtlich das Vorwissen der alten Serie, denn dem Zuschauer werden die einzelnen Verhältnisse untereinander nicht in großem Maße erklärt. Was aber ehrlich gesagt ganz nett ist. Man braucht nicht alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen.

Die Story, die eigentlich ganz cool ist und auch Raum für moralische Betrachtungen liefert, wird zum Schluss jedoch mit wenig Tiefgang und ohne herausragende Konsequenzen abgefrühstückt. Der Verlust von Crew-Mitgliedern scheint dem Rest der Besatzung ziemlich egal zu sein. Hier scheinen die Reboot-Filmchen mehr Augenmerk auf die Persönlichkeiten und deren Emotionen gelegt zu haben. Dafür gab es 1979 noch keine Lens Flares. Und ehrlich gesagt, auch wenn die Effekte natürlich alles andere als taufrisch sind, billig wirken sie nicht und sind damit auch heute noch eigentlich in Ordnung. Da haben aktuellere Filme viel schlimmere CGI-Verbrechen begangen (Catwoman, Die Mumie kehrt zurück, Die Another Day, Superman 4, …).

Was ist der erste Star Trek-Film jetzt also? Ein Klassiker? Alter Müll? Nur für Fans? Oder Allgemeinwissen? Braucht man ihn, wo es doch jetzt die total tollen Reboot-Streifen gibt, die sich in erster Linie durch Lens Flares auszeichnen?

Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Für tiefgründige Betrachtungen ist der Film zu oberflächlich und reicht nicht an Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum heran. Dann aber ist Star Trek auch viel zu speziell und träge, um so massentauglich wie Star Wars zu sein. Trotzdem besitzt der Film einen Charme und eine (nerdige) Faszination, den die Reboots meiner Ansicht nach nicht mehr haben. Hier ist das Universum, wie es sich Gene Roddenberry vorgestellt und produziert hat. Nicht für die Massen herausgebürstet und zurechtgebogen, sondern in seiner Kauzigkeit mit Ecken und Kanten versehen. Dessen sollte man sich bewusst sein. Es ist kein perfektes Entertainment-Produkt, aber dafür wird man vielleicht mit Freude feststellen, wie viele popkulturelle Referenzen Bezug auf dieses Universum nehmen. Alleine dafür lohnt es sich schon, zumindest mal reinzuschauen. Und vielleicht sitzt man irgendwann in ferner Zukunft bei einer Quizsendung und weiß: Der erste Star Trek-Film wurde für genau 3 Oscars nominiert!

 

Regie: Robert Wise (The Sound of Music, West Side Story, Der Tag, an dem die Erste stillstand)

Schauspieler: William Shatner, Leonard Nimoy, Stephen Collins

Bewertung: 

 

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