Spawn (1997)

Der Zahn der Zeit nagt an alles und jedem. Außer natürlich an Tom Cruise und Keanu Reeves. Manch ein Computerspiel schafft es, trotz seines Alters immer noch gut spielbar zu sein, beispielsweise die ersten Teile von Sim City. Gleichzeitig würde ich aber nur sehr ungern noch einmal einen Fifa-Teil aus den 90ern spielen müssen. Man ist einfach bessere Grafik und ein inzwischen doch sehr viel besseres Gameplay gewohnt. Bücher haben solche Probleme oft nicht. Außer natürlich diverse sprachliche Hürden, die rein zeitlich gesehen viel seltener auftreten. Goethe ist auch heute, hunderte Jahre später, gut les- und verstehbar. Man muss sich da eben nicht auf irgendwelche Grafik-Engines stützen, die alle paar Jubeljahre durch eine neue ersetzt werden. Filme liegen im Bezug auf ihre Halbwertszeit irgendwo zwischen Spiel und Buch, haben aber auch gerade aufgrund der in den letzten 20 Jahren immer häufiger verwendeteten Special Effects, die besser und billiger werden, durchaus Probleme. Vor allem, wenn ein Film wie ‚Spawn‘ 1997 noch ganz am Anfang der Zeit der Computertricks steht.

Was ich damit sagen will, ist, dass ‚Spawn‘ furchtbar aussieht. Nicht an jeder Stelle, aber der Teufel in der Hölle, der als eine Art Drachen-Lava-Monster daherkommt, könnte Original aus dem Spiel ‚Minecraft‘ entspringen. Die Maske des Helden in verbrannter Menschenform ist auch nach damaligen Maßstäben nicht gut. Allerdings muss ich zugeben, dass der meterlange Umhang von ‚Spawn‘ hier und da auch heute noch ansehnlich ist, wie er da computeranimiert durch die Nacht weht. Kurz darauf aber sehen wir ein Höllenmonster, dass alles Optische wieder unheimlich abwertet. Das wäre im Grunde ja auch verkraftbar, wenn der Film noch genug anderes Erinnerungswürdiges bieten würde. Und das tut er eben nicht.

Al Simmons (Michael Jai White) ist eine Art Agent. Er will jedoch aussteigen, denn er hat Gewissensbisse und möchste seine Frau Wanda (Theresa Randle) nicht weiter belügen. Sein zwielichtiger Chef Jason Wynn (Martin Sheen) schickt ihn auf eine letzte Mission nach Nordkorea, wo irgendeine Bio-Waffen-Fabrik vernichtet werden muss. Allerdings wird Al hintergangen und umgebracht. In der Hölle nimmt er jedoch das Angebot des Minecraft-Teufel-Drachen an, auf die Erde zurückzukehren. So kann er seine Frau noch einmal sehen, muss im Gegenzug jedoch die Armee des Unterweltfürsten anführen, die scheinbar bald die Erde überfallen soll. So weit, so schon ziemlich flach. Auf der Oberfläche angelangt, ist Al nun zu ‚Spawn‘ geworden, einem Superhelden mit einem Anzug, der seine Form verändern kann. An seiner Seite ist ein fetter Clown (John Leguizamo), dessen Haupfaufgabe im Machen von anzüglichen Witzen besteht. Das kann ich auch:

Penis!

Aber selbst mit einer riesengroßen Retro-Brille kann man dem Film nicht viel abgewinnen. Michael Jai White ist erschreckend schlecht und sogar Martin Sheen wirkt geradezu gedanklich abwesend. Das Drehbuch ist fürchterlich unkreativ und konfus. So taucht beispielsweise auch noch eine Art Trainer auf, inklusive einem Trainingszusammenschnitt. Noch mehr Klischee geht im Grunde nicht. Selbst 1997 kann das nicht mehr innovativ gewesen sein. Der Typ, den Martin Sheen spielt, lässt sich einen Apparat implantieren, der die Welt vernichtet, wenn sein Herz stehen bleibt. Noch blöder geht es nicht. Interessanterweise kostet es Spawn zwei Handbewegungen, um besagte Apparatur schmerzfrei wieder zu entfernen. Frei nach Uri Geller:

Stop! This trick is too dangerous!

Überhaupt wirkt alles sehr lieblos zusammengeschustert. Eine rote Handlungslinie sucht man vergebens. Und so plätschert die ganze Geschichte in ein schlecht animiertes Finale, das so plump und traurig ist, dass es einen nicht einmal mehr überrascht. Wer sich mal ein wenig amüsieren möchte, darf hier gerne mal reinschauen. Ansonsten gelten die Spawn-Comics als gut und auch als eigentlich unverfilmbar. Gerade in der heutigen Zeit gibt es diverse bessere Helden-Verwurstungen, die zudem besser aussehen. Zwar ist ‚Spawn‘ mit damals 40 Millionen Dollar Budget ein billiges Film-Projekt gewesen, aber selbst der Ghost Rider wirkt im Vergleich wie ein guter Streifen mit überragenden Darstellern. Und so gerät ‚Spawn‘ verdientermaßen in Vergessenheit, so wie auch die Karriere von Michael Jai White. Zum Glück ist Martin Sheen unbeschadet aus dem Blödsinn rausgekommen.

Regie: Mark A.Z. Dippé (Visuelle Effekte für Abyss, Zurück in die Zukunft II, Jurassic Park)

Schauspieler: Michael Jai White, John Leguizamo, Martin Sheen, Theresa Randle

Bewertung: 

 

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