Sieben (1995)

Eines muss man den 90ern auf alle Fälle zu Gute halten. Neben dem ganzen Techno-Blümchen-Quatsch gab es eine große Anzahl guter Thriller: ‚Das Schweigen der Lämmer‘, ‚Die üblichen Verdächtigen‘, ‚L.A. Confidential‘ und ‚Mission Impossible‘. Tja, und natürlich ‚Sieben‘. Wer noch nie etwas von David Finchers Meisterwerk gehört hat, dem sei gesagt, dass es nicht um sieben Zwerge oder Geißlein geht, sondern um ziemlich brutale Morde. Aus irgendeinem Grund werden solche Filme heutzutage kaum noch gemacht. Weiß der Geier, wieso. Vielleicht waren aber auch die 90er ein magisches Jahrzehnt, indem man noch gute Geschichten erzählt bekam. Oder das Krimigenre ist einfach zur Gänze ins TV abgewandert und nennt sich nun CSI oder Law & Order und dergleichen…Sieben

Detective David Mills (Brad Pitt) wird zum bald in Rente gehenden Detective Lt. William Sommerset (Morgan Freeman) zugeteilt. Die beiden gehören dem Morddezernat irgendeiner amerikanischen Großstadt an und bekommen gleich am ersten Tag eine ziemlich übel zugerichtete Leiche vorgesetzt: Ein dicker Mann wurde offensichtlich solange vollgestopft, bis sein Magen geplatzt ist. Nachdem am nächsten Tag der nächste Ermordete auftaucht, neben ihm die Inschrift „Habgier“ und bei der ersten Leiche auch noch der Schriftzug „Maßlosigkeit“ gefunden wird, ist klar, dass es sich um eine Mordserie handelt. So spielt sich die Handlung innerhalb einer Woche ab und die beiden Cops müssen sich an den kleinen Spuren des Täters entlanghangeln, der offensichtlich in seinen Aktionen die sieben Todsünden darstellen will.

‚Sieben‘ ist trotz der grausig zugerichteten Opfer kein Splatter-Film. Natürlich ist das nichts für Kinder, aber die Gewalt erfüllt ihren erzählerischen Zweck. Dabei schafft es der Krimi, eine tatsächlich sinnvolle wie auch nachvollziehbare Detektivgeschichte zu erzählen, die in einem überwältigenden Finale einem lange im Gedächtnis bleibt. Mehr will ich nicht verraten, aber selten hat mich das Ende eines Films mehr mitgenommen. Und das ist auch gut so. Heutzutage sieht man viel zu oft dahingeschluderte Twists, die so rein gar nicht in die Handlung passen wollen oder plumpe Endfights zwischen dem Bösen und dem Guten. So packt ‚Sieben‘ einen, gelinde gesagt, ziemlich bei den Eiern.

Nicht zu vergessen ist das Cop-Duo aus Pitt und Freeman, die anfangs so rein gar nicht zusammenpassen wollen. Einerseits weil der alte Summerset durch seinen Job ein ziemlich unsympathischer Sack ist und andererseits weil Mills als junger Gesetzeshüter wie ein überhebliches Greenhorn daherkommt. So werden die beiden im Verlauf der Woche zusammengeschweißt und entwickeln sich tatsächlich. Und dadurch gewinnt das Duo dann auch beim Zuschauer an Sympathie.

Doch keine guten Helden ohne anständigen Antagonisten. Und gerade in ‚Sieben‘ gibt es keinen dummen Mörder, sondern einen cleveren und ebenbürtigen Gegenspieler, der zu keinem Zeitpunkt für den Zuseher berechenbar erscheint. Das ist eine große Leistung, denn auch wenn der Killer nie ein Sympath ist, so handelt er an keiner Stelle undurchdacht und macht das Finale so nochmal eine Spur smarter.

Überhaupt fügt sich ziemlich alles im Film gut zusammen. David Fincher, dem mit Alien 3 zugegebenermaßen kein gutes Erstlingswerk geglückt ist, hat dafür mit ‚Sieben‘ einen genialen und unterhaltsamen Thriller hinbekommen, der düster und packend eine wirklich geile Geschichte erzählt. Fincher hat einfach einen eigenen Stil, Filme zu machen, den man in jedem seiner Filme erkennen kann. ‚Verblendung‘ und ‚Fight Club‘, aber auch ‚The Social Network‘ und ‚Benjamin Button‘ sind allesamt in einem düsteren Ton gehalten.

Die 90er sind vorbei und mir fällt persönlich niemand ein, der irgendwas heutzutage im Stile von ‚Sieben‘ macht. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, so bleibt die zweistündige Jagd auf einen nach der Bibel mordenden Psychopathen umso einzigartiger.

Regie: David Fincher (Fight Club, Verblendung, The Social Network, Benjamin Button, Zodiac)

Schauspieler: Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow

Bewertung: 

 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.