Rush Hour (1998)

Brett Ratner ist wohl der Prototyp des amerikanischen Hollywood-Regisseurs. Seine Filme sind allesamt irgendwie in Ordnung. Wenig Handlung, aber meistens kann man dann doch über die albernen Witze schon irgendwie lachen. ‚Money Talks‘ mit Charlie Sheen und Chris Tucker ist echt voll okay. ‚Roter Drache‘ hat mir nicht gefallen, allerdings wirklich schlecht war er auch nicht. Der dritte X-Men-Film war eigentlich gut, aber jeder zweite wichtige Charakter wird weggemetzelt. Ich schätze mal, dass das wohl so in Ordnung geht. Ach, und ‚Aushilfsgangster‚ war ja auch nicht sooooooooooo übel. Und dann ist da ‚Rush Hour‘. Der erste Teil ist richtig gut, der zweite ist voll in Ordnung und der dritte totaler Dreck. Also statistisch gesehen ist die Reihe mittelmäßig. Außerdem haben wir auch ‚Prison Break‘ dem guten Mann zu verdanken. Und ‚Skyline‚, einen der miesesten Filme aller Zeiten. Der Mann macht eine ganze Menge als Produzent. Tatsächlich ist ‚Rush Hour‘ meiner Meinung nach das Beste, was er je gemacht hat. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Die Tochter des chinesischen Konsuls wird von Sang (Ken Leung) entführt. Weil der asiatische Staatsvertreter einen eigenen Landsmann zur Unterstützung der Behörden ins Land holt, rekrutiert das FBI kurzerhand einen Polizisten, der als Babysitter den Chinesen möglichst aus den Ermittlungen raushalten soll. So sind Lee (Jackie Chan) und Carter (Chris Tucker) anfangs noch nicht wirklich mit Polizeiarbeit beschäftigt. Dabei stoßen sie nach kurzer Zeit auf Juntao, einem aus dem asiatischen Raum bekannten Gangsterboss, der seine Finger in der Angelegenheit zu haben scheint.

Dabei hat ‚Rush Hour‘ so ziemlich gar nichts mit der Hauptverkehrszeit zu tun, außer, dass die Kleine halt während einer Fahrt entführt wird. Das ist aber auch nicht wichtig. Entscheidend ist eher die Dynamik des Duos Tucker und Chan. Damit ist der Film im Grunde ein klassisches Buddy-Movie mit zwei sehr unterschiedlichen Charakteren. Während Lee für die wenigen coolen Kampfszenen zuständig ist und sonst eher wortkarg agiert, darf Carter plappern wie ein Wasserfall. So kennt man Chris Tucker auch schon aus ‚Das fünfte Element‘ und allen anderen Filmen, in denen er mitwirkt. Außer vielleicht ‚Silver Linings Playbook‘. Dort ist er überraschanderweise fast schon auf sympathische Weise nicht so aufdringlich.

Der Rest ist eigentlich Standardkost. Eine simple Handlung mit einem ganz kleinen Twist. Ein paar Schießereien zum Ende hin. Und die unermüdliche große Klappe von Chris Tucker. So fällt und steht ‚Rush Hour‘, ob man von dem Gelaber genervt wird. Wenn nicht, dann sind das sehr unterhaltsame 98 Minuten. Wer Chris Tucker nicht leiden mag, wird schnell genervt sein. Überhaupt richtet sich der Film, trotz durchaus ein oder zwei blutiger Szenen, eher an ein jüngeres Publikum. Zumindest was den Humor angeht.

Mich persönlich unterhält ‚Rush Hour‘ auch heute noch ziemlich gut. Ich mag Jackie Chan und ich kann Chris Tucker, zumindest hierdrin, auch leiden. Dass der Plan der Bösen irgendwie nicht so ganz sinnvoll ist, stört nicht sehr. Natürlich sind die zwei nicht im Entferntesten so kultig wie Bud Spencer und Terence Hill. Dafür macht das Jackie durch ein paar coole Kampfszenen wieder wett. Das Problem ist dann eher, dass das gleiche Konzept in den Fortsetzungen wiederverwurstet wird. Und da stößt die Reihe unterhalterisch an ihre Grenzen.

Im Zweifelsfall liegt man aber mit der Entscheidung, ‚Rush Hour‘ einzuschalten, nie verkehrt. Zumal das hier irgendwie das künstlerische Hauptwerk von Brett Ratner ist. Obwohl sich das komisch anhört. Ein Kubrick oder Scorsese ist er eben nicht, doch auch seine Filme haben eine Daseinsberechtigung. Zumindest oder vor allem ‚Rush Hour‘.

Regie: Brett Ratner (X-Men 3, Roter Drache, Money Talks, Aushilfsgangster)

Schauspieler: Jackie Chan, Chris Tucker, Tom Wilkinson

Bewertung: 

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