RocknRolla (2008)

Ein krimineller Immobilien-Hai mit seinem Assistenen, ein reicher russischer Investor, eine geldgeile Buchhalterin und ihr schwuler Scheinehemann, eine Bande von drei Kleinkriminellen, der cracksüchtige Sohn des Immobilien-Hais, der früher Rockstar war, seine beiden ehemaligen Manager, zwei russische Söldner und ein Gemälde. Richtig, es handelt sich um einen Film von Guy Ritchie!

Archy (Mark Strong) ist der Assistent von Lenny (Tom Wilkinson), welcher die Immobilien Londons fest in seiner Hand hat. Aus Archys Sicht erleben wir, wie der reiche Russe Uri (Karel Roden) über Lenny in der britischen Hauptstadt bauen will. Uris Buchhalterin Stella (Thandie Newton) soll dafür Geld am Fiskus vorbei in Lennys Taschen schmuggeln. Diese möchte jedoch auch was vom Kuchen abhaben, weswegen sie die Kleinganoven One Two (Gerard Butler) und Mumbles (Irdis Elba) beauftragt, das Geld zu entwenden. Währenddessen steht One Twos bester Kumpel Bob (Tom Hardy) kurz vor seinem fünfjährigen Haftantritt. Außerdem hat Uri sein Lieblingsgemälde Lenny zur Aufbewährung gegeben, da es dem bevorstehenden Deal Glück bringen soll. Dieses wird jedoch von Lennys Stiefsohn Johnny Quid (Toby Kebbell) entwendet. Johnny ist ehemals Rockstar gewesen und hat, um seiner Cracksucht nachzugehen, seinen eigenen Tod vorgetäuscht. So beauftragt Archy, die beiden ehemaligen Manager von Johnny, Roman (Jeremy Piven) und Mickey (Ludacris), diesen mitsamt dem Gemälde zu finden.

Puh, erstmal durchatmen. Wie bei fast allen Filmen von Guy Ritchie (mit Ausnahme der Sherlock Holmes-Verfilmungen) hat er auch das Drehbuch geschrieben, welches reichlich komplex ausfällt. Das liegt vor allem an der großen Anzahl der Protagonisten, die teilweise in lose aneinandergereihten Szenen miteinander interagieren. Und genau wie bei Snatch, Bube Dame König grAs und Revolver spielt sich die Geschichte in der Londoner Unterwelt ab. Dabei gibt es keinen richtigen Hauptcharakter. Wir hören zwar Archy als Erzähler, ein Übergewicht an Screen-Time hat er jedoch nicht. Beeindruckend ist die Verflechtung aller Personen miteinander, die im Grunde logisch ist, jedoch auch ein Maß an Konzentration abverlangt. Ein flüchtiges Nebenherschauen, während man gerade eine SMS schreibt oder Facebook checkt, ist nicht ratsam und wird im fortgeschrittenen Verlauf zu reichlich Orientierungslosigkeit führen. Auch weil man sich nicht nur an Gerard Butler orientieren kann, um alles zu verstehen. So begegnet dieser zum Beispiel niemals dem russischen Investor Uri, beklaut ihn jedoch und beide verbringen relativ viel Zeit mit Stella.

Wer am Ball bleibt, erlebt ein ziemlich stimulierendes Filmerlebnis mit bösen Buben, die so cool wie skurril sind. Der RocknRolla selbst ist ein Junkie, der ständig monologisierend über das Leben schwadroniert. Hierin liegt meiner Meinung nach der Punkt, warum der Film nicht so gut wie Ritchies Vorgängerfilme aufgenommen wurde. Johnny Quid erschien mir als lustiger und zum Ende hin auch überraschender Charakter, der einem aber auch durchaus auf die Nerven gehen kann. Das muss man dann für sich selbst entscheiden.

Überhaupt ist die Riege an Schauspielern überragend. Ich mag Mark Strong, weil er mit seiner Art den stereotypen aalglatten Gangster verkörpert. Tom Wilkinson ist der perfekte böse alte Mann. Und Gerard Butler ist halt eben Gerard Butler – ein einfacher Typ, ob hier oder in 300. Natürlich ist RocknRolla kein Film, der besondere schauspielerische Leistung erfordert. Es ist vielmehr das englische Gangster-Flair, das alles beisammen hält und die auf Guy Ritchie-Art zusammengeschnittene Handlung, in der unversehens eingestreute Rückblenden gerne mal Komik erzeugen.

So ist RocknRolla einer meiner Lieblingsfilme. Einfach nur, weil ich vom Anfang bis zum Ende Spaß habe. Vor allem wegen der Atmosphäre und den ganzen Leuten, die trotz ihrer großen Zahl nie wirklich den Rahmen des Verstehens sprengen und weil durch die vielen Szenenwechsel ein hohes Tempo gegangen wird. Es gibt keinen Leerlauf, obwohl Action rar gesät ist und es viele Dialoge gibt. Das Ende knüpft viele lose Fäden dann nochmal zusammen und lässt ein anfangs irgendwie unwichtiges Plotdetail plötzlich zum zentralen Element aller Personen werden. Dann stellt sich das befriedigende Gefühl ein, für die Aufmerksamkeit, die man dem Film entgegengebracht hat, belohnt worden zu sein. Doch dafür muss man eben zwei Stunden seiner Zeit opfern und sich von jeglicher Ablenkung loslösen. So versteht sich eben auch, dass jemand, der eher desinteressiert an diesen Streifen geht, am Ende völlig überfordert oder orientierungslos im Wald voll von Nebenhandlungen steht. Wer also sowieso gerne Filme schaut oder Guy Ritchie mag, dürfte eine gute Zeit haben, auch wenn Snatch mehr Absurditäten und mehr Humor bietet.

RocknRolla ist übrigens als Trilogie angelegt und laut Guy Ritchie gibt es wohl bereits ein Skript für Teil 2. Hoffen wir alle das Beste. Zumindest wären Fortsetzungen hiervon allemal besser als der nächste Teil einer gewissen Vampirsaga…

Regie: Guy Ritchie (Snatch, Bube Dame König grAs, Revolver, Sherlock Holmes I + II)

Schauspieler: Gerard Butler, Mark Strong, Tom Wilkinson, Thandie Newton, Idris Elba, Tom Hardy, Ludacris, Karel Roden

Bewertung: 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.