RoboCop (1987)

Was passiert, wenn man Iron Man das Geld und die Fähigkeit zu fliegen wegnimmt? Er sucht sich einen Job bei der Detroiter Polizei und ballert nun mit seinem riesigen Colt auf böse Buben. So ähnlich könnte man RoboCop umschreiben, nur hat er mehr Tiefe zu bieten als Tony Stark. Und mehr Brutalität. Sehr viel mehr Brutalität.

Im Detroit der nahen Zukunft wird die Polizei von der Firma OCP kontrolliert, die im Grunde auch über die gesamte Stadt herrscht. Um effektiver Kriminelle zu bekämpfen, wird das RoboCop-Programm gestartet. So hätte die Firma die vollständige Kontrolle über die Exekutive, ohne über Gehälter oder Ähnliches nachdenken zu müssen. Als der Polizist Alex Murphy (Peter Weller) bei einem Einsatz gegen den Gangsterboss Clarance Boddicker (Kurtwood Smith) auf brutalste Art und Weise ermordet wird, verwandelt ihn die OCP kurzerhand in RoboCop, eine Mischung aus Mensch und Maschine, die für Ordnung auf den Straßen der Stadt sorgt. Doch obwohl Murphys Erinnerungen gelöscht zu sein scheinen, beginnt er sich, an seine Familie als auch an seine Mörder zu erinnern.

Meine Güte, dieser Film ist weder etwas für Zartbesaitete noch für Kinder, denn er ist unheimlich brutal. Das gilt in erster Linie für die Szene, in der Murphy erschossen wird. Doch im Gegensatz zu Splatter-Schwachsinn à la Saw oder Hostel begründet Regisseur Paul Verhoeven das viele Blut mit einer erhöhten emotionalen Bindung zu dem Charakter, den man zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht allzu gut kennt und mit dem man dadurch auch nicht so mitfühlen würde, wenn es ihn nicht so grausam dahinraffen würde. Und damit hat er absolut Recht! Es stellt sich automatisch Sympathie ein und Entsetzen über die Skrupellosigkeit der Bösen.

Überhaupt ist die entworfene Zukunft sehr zynisch und zeigt, was passiert, wenn reiche Firmen die Kontrolle über die Exekutive und die Medien übernehmen. Das geht bereits damit los, dass häufiger über eine Nachrichtensendung die aktuellen Geschehnisse vermittelt werden und dabei mit abosluter Ruhe und Gemütlichkeit über den Tod von 113 Menschen durch ein fehlgeschlagenes Waffenexperiment berichtet wird. Die „Strategic Defence Peace Platform“ ist eben nicht gerade hilfreich für den Frieden. Menschenleben scheinen sowieso nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Niemand fragt Murphy, ob er einverstanden ist mit der Umwandlung. Die OCP macht einfach alles, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne jegliche Einschränkung. Auch wenn die Handlung nicht unbedingt im Vordergrund steht, empfinde ich das Plot durchgängig als stimmig und durchdacht. Vor allem weil auch die Frage gestellt wird, wie viel ein Mensch wert ist und wo die Grenze zum Golem ist. Dabei wird gezeigt, dass Profitgier, egal zu welcher Zeit, zur Entmenschlichung der Gesellschaft führt.

Die Special Effects wirken natürlich sehr altertümlich. So wird ein Kampfroboter die ganze Zeit in Stop-Motion dargestellt und erinnert so an die alten Sindbad-Filme. Das ist aber nun mal der damaligen Zeit geschuldet und muss nicht unbedingt stören. Ein wenig lustig ist es trotzdem. Die Explosionen wirken dagegen schon realitischer. Außerdem zolle ich Peter Weller großen Respekt, denn die Drehbedingungen waren alles andere als einfach (hier nachzulesen). Nicht nur musste er 15 kg Material bei einer großen Hitzewelle tragen und dadurch mehrere Liter Wasserverlust täglich hinnehmen, sondern die erste Anprobe dauerte auch ganze 11 Stunden. Wenn RoboCop dann mal seine Maske abnimmt, sieht das schon sehr befremdlich und entmenschlicht aus. Sowieso bewegt er sich wie eine Maschine, was rein darstellerisch relativ aufwändig war. Der Film erhielt darüberhinaus 1988 einen Oscar für den Soundeffektschnitt.

RoboCop ist bzw. war ein niedrig-budgetierter Überraschungserfolg. Es ist im Grunde auch eine Satire, nur mit ordentlich Blut und Mord. Die Nachfolger waren dann alle ziemlich seelenlos und ich kann mich noch an die Zeichentrickserie für Kinder erinnern, die eigentlich so gar nicht zum Thema passt. Als ob man eine kinderfreundliche Version von Hostel produzieren würde…  2013 soll es (natürlich) ein Remake geben, ähnlich wie bei Total Recall, der auch von Paul Verhoeven ist. Die beiden Filme sind sich auch ein wenig ähnlich. Wer mit dem ganzen Setting etwas anfangen kann und Matrix oder Equilibrium mochte, keine Angst vor einer abgetrennten Hand hat und sich auch nicht an altertümlicher Technik stört, wird sicherlich sehr gut unterhalten werden.

Regie: Paul Verhoeven

Schauspieler: Peter Weller, Kurtwood Smith, Ronny Cox

Bewertung: 

[amazon-product image=“http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&Format=_SL110_&ASIN=B0007XR3AA&MarketPlace=DE&ID=AsinImage&WS=1&tag=quirellde-21&ServiceVersion=20070822″ type=“image“]B0007XR3AA[/amazon-product]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.